Für eine Produktion zum Reforma- tionsjubiläum 2017 haben sich vier gestandene Musiker zusammengetan: Bassbariton Klaus Mertens, Thomas Fritzsch, Viola da Gamba, Stefan Maass, Barocklaute, und Organist Michael Schönheit haben aus dem Werk des Hamburger Musikdirektors und Kantors am Johanneum Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) ein Programm zusammengestellt, das einen tiefen Einblick in Glaubenswelt und Frömmigkeit jener Zeit gibt.
Ausgangspunkt für die Überlegungen der Musiker war jene Kollektion von Arien aus dem Kantatenjahrgang 1726/27, die Telemann aus den ursprünglichen Zusammenhängen gelöst und in Bearbeitungen für Sing- stimme und Generalbass publiziert hatte. Sie folgt auf den Harmonischen Gottesdienst und ist auch unter dem Titel Harmonisches Lob Gottes bekannt. „Trotz meiner tiefen Verbundenheit mit barocker Dichtung und ihren geistlichen Inhalten und Bezügen fiel es mir mitunter schwer, Textaussagen der nunmehr aus dem Kantatenzusammenhang heraus- getrennten Arien zu verstehen“, schreibt Thomas Fritzsch im Beiheft zu dieser CD. „Die Vermutung, ja Gewissheit, dass ich solche Verständnis- schwierigkeiten mit musikliebenden und -kennenden Menschen der Gegenwart teile, erweckte in mir den Wunsch, ausgewählte geistliche Arien in den Kontext kurzer Hausandachten zu stellen, die jeweils dem durch das Tagesevangelium bestimmten Leitgedanken folgen.“
Und so haben die Musiker die Arien um Choralvorspiele und Choräle sowie knappe Lesetexte ergänzt. So sind beinahe wieder kleine Kantaten entstanden, allerdings nicht für den öffentlichen Gebrauch, sondern für den privaten Raum. Eingespielt wurde die Aufnahme in der Kirche „Zur frohen Botschaft“ in Berlin-Karlshorst. Dort befindet sich eine einzigartige Orgel – das 1755 von Johann Peter Migendt und Ernst Julius Marx für Prinzessin Anna Amalie von Preußen errichtete Instrument mit 22 Re- gistern, zwei Manualen und Pedal, 2009/10 durch den Dresdner Orgelbauer Kristian Wegscheider restauriert. Die Amalien-Orgel ist die einzige Orgel aus dem 18. Jahrhundert, die in Berlin erhalten geblieben ist.
Michael Schönheit spielt sie meisterlich; doch auch Thomas Fritzsch und Stefan Maas sind bekanntlich Virtuosen. Und Klaus Mertens genießt als Sänger zu Recht hohes Renommée. Sorgsam gestaltet er, und gemeinsam mit den Könnern am Continuo macht er aus Arien und Chorälen facetten- reiche kleine Juwelen des Glaubens. So ist diese Aufnahme weit mehr als eine Reise in die Geschichte der evangelischen Kirchenmusik, die mit Martin Luther und „Urkantor“ Johann Walter noch einmal 200 Jahre vor Telemann begonnen hatte.
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Donnerstag, 29. Dezember 2016
Donnerstag, 5. November 2015
Albrecht Mayer - Bach (Deutsche Grammophon)
Die Bach-Einspielungen von Albrecht Mayer, Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker und mehrfacher Echo-Klassik-Preisträger, sind nun gesammelt beim Label Deutsche Grammophon auf einem neuen Doppelalbum erschienen. Die beiden erfolgreichen Bach-Alben Lieder ohne Worte und Bach wurden bei dieser Gelegenheit durch weitere rekonstruierte Konzerte ergänzt, so dass der Hörer einen umfassenden Eindruck von den Werken bekommt, die Johann Sebastian Bach für die Oboe geschrieben hat – und oder vielmehr geschrieben haben könnte.
Denn auch wenn der Thomaskantor das Instrument in vielen Kantaten eingesetzt und mit hinreißenden Soli bedacht hat, ist das eigentliche Repertoire, das der Komponist für die Oboe geschaffen hat, erstaunlich klein: „Es gibt viele Oboenkonzerte von Bach“, meint Mayer, „aber kein einziges verbrieftes, echt originales Oboenkonzert.“ Um noch mehr seiner Lieblingsmelodien spielen zu können, hat Mayer aber nicht nur auf rekonstruierte Konzerte zurückgegriffen, sondern darüber hinaus auch gemeinsam mit dem Arrangeur Andreas Tarkmann etliche zusätzliche Stücke für die Oboe bearbeitet, vor allem Arien und Choräle. „Unsere Maxime war, die Arrangements so zu gestalten, dass jemand, der das sogenannte Originalrepertoire von Bach nicht im Detail kennt, unsere Arrangements für authentisch und für original von Bach halten wird“, erklärt der Musiker im Beiheft. Ein gutes Beispiel dafür ist die Erbarme dich-Arie aus der Matthäus-Passion, wo Mayer auf der Oboe d'amore gemeinsam mit dem großartigen Nigel Kennedy, der den obligaten Violinpart übernommen hat, und der Sinfonia Varsovia musiziert.
Die berühmte Sinfonia aus dem Weihnachtsoratorium wiederum hat der Oboist gemeinsam mit Beni Araki, Cembalo und Orgelpositiv, eingespielt – und mit der modernen Studiotechnik, die es dem Musiker ermöglicht, in Personalunion sämtliche Oboenparts zu übernehmen. Mayer musiziert hier mit Mayer, überaus harmonisch und absolut perfekt – was die Aufnahme aber fast schon in die Nähe des akustischen Zuckergusses bringt. Diese Doppel-CD bietet ohnehin eine Welle an Wohlklang, die man möglicherweise wohldosiert anhören sollte, um sie wirklich genießen zu können. Mayers alleweil runder, edler Ton und seine makellose Technik aber sind grandios. Und die Partner, die sich der Musiker für die jeweiligen Einspielungen gesucht hat, begleiten ihn lebendig und mit Einfühlungs- vermögen. Wer Freude an exzellent gespielter Oboenmusik hat, der wird diese Aufnahmen lieben.
Denn auch wenn der Thomaskantor das Instrument in vielen Kantaten eingesetzt und mit hinreißenden Soli bedacht hat, ist das eigentliche Repertoire, das der Komponist für die Oboe geschaffen hat, erstaunlich klein: „Es gibt viele Oboenkonzerte von Bach“, meint Mayer, „aber kein einziges verbrieftes, echt originales Oboenkonzert.“ Um noch mehr seiner Lieblingsmelodien spielen zu können, hat Mayer aber nicht nur auf rekonstruierte Konzerte zurückgegriffen, sondern darüber hinaus auch gemeinsam mit dem Arrangeur Andreas Tarkmann etliche zusätzliche Stücke für die Oboe bearbeitet, vor allem Arien und Choräle. „Unsere Maxime war, die Arrangements so zu gestalten, dass jemand, der das sogenannte Originalrepertoire von Bach nicht im Detail kennt, unsere Arrangements für authentisch und für original von Bach halten wird“, erklärt der Musiker im Beiheft. Ein gutes Beispiel dafür ist die Erbarme dich-Arie aus der Matthäus-Passion, wo Mayer auf der Oboe d'amore gemeinsam mit dem großartigen Nigel Kennedy, der den obligaten Violinpart übernommen hat, und der Sinfonia Varsovia musiziert.
Die berühmte Sinfonia aus dem Weihnachtsoratorium wiederum hat der Oboist gemeinsam mit Beni Araki, Cembalo und Orgelpositiv, eingespielt – und mit der modernen Studiotechnik, die es dem Musiker ermöglicht, in Personalunion sämtliche Oboenparts zu übernehmen. Mayer musiziert hier mit Mayer, überaus harmonisch und absolut perfekt – was die Aufnahme aber fast schon in die Nähe des akustischen Zuckergusses bringt. Diese Doppel-CD bietet ohnehin eine Welle an Wohlklang, die man möglicherweise wohldosiert anhören sollte, um sie wirklich genießen zu können. Mayers alleweil runder, edler Ton und seine makellose Technik aber sind grandios. Und die Partner, die sich der Musiker für die jeweiligen Einspielungen gesucht hat, begleiten ihn lebendig und mit Einfühlungs- vermögen. Wer Freude an exzellent gespielter Oboenmusik hat, der wird diese Aufnahmen lieben.
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