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Donnerstag, 3. November 2016

Dvorák: Slavonic Dances - Legends - Notturno - Miniatures - Prague Waltzes (Eloquence)

Orchesterwerke von Antonin Dvořák hat Ivan Fischer im Jahre 1999 mit dem Budapest Festival eingespielt. Auf einer Doppel-CD, nun bei Elo- quence wiederveröffentlicht, finden sich die Slawischen Tänze op. 46 und 72, die Legenden op 59, das Notturno in B-Dur op. 40, die Miniaturen op. 75A sowie die Prager Walzer. Die Aufnahme begeistert durch die Spiel- kultur der Musiker, die zwar an Temperament nicht sparen, aber zugleich auch immer sensibel und elegant agieren. Obendrein gefällt mir der transparente Klang; immer- hin war dies eine der ersten Mehrkanalaufnahmen im SACD-Format. In jeder Hinsicht lohnenswert! 

Montag, 19. September 2016

Daniel_Röhn - The_Kreisler_Story (Berlin Classics)

Daniel Röhn enstammt einer Musikerdynastie: Sein Großvater Erich Röhn war Konzertmeister bei den Berliner Philharmonikern, sein Vater Andreas Röhn musizierte als Konzertmeister im Symphonie- orchester des Bayerischen Rund- funks, seine Mutter ist Pianistin, und seine Schwester Anja ist ebenfalls eine erfolgreiche Geigerin. 
Schon mit 14 Jahren begann er sein Studium an der Münchner Musik- hochschule. Gelernt hat er freilich auch anderswo: „Einer meiner besten Lehrer war der Plattenschrank meiner Eltern“, merkt der junge Geiger an: „Das meiste habe ich mir bei den Kreislers und Heifetzes einfach abgelauscht.“ Röhn klingt tatsächlich ein wenig wie die alten Meister; allerdings hat er ihr Spiel nicht einfach kopiert, sondern einen eindrucksvollen, ganz eigenen Ton entwickelt. Dieser ist überraschend warm und beredt, aber nicht ganz so breit und so gestisch wie beispielsweise der Kreislers. 
Von dem berühmten Kollegen hat Daniel Röhn auch in Sachen Marketing offenbar einiges gelernt. Denn Fritz Kreisler hat erstaunlich viele kurze Stücke geschrieben – und sie auch gleich selbst für die Schallplatte eingespielt, die in ihren frühen Jahren bekanntlich nur wenige Minuten Laufzeit hatte. Röhn gelingt es, mit diesen Miniaturen ein Publikum zu begeistern, das sonst sicherlich eher nicht ins Konzert geht. In das Programm hat er allerdings auch einige Werke anderer Komponisten mit „hineingeschmuggelt“, wie zwei Capricen und ein Moto Perpetuo von Paganini, Tartinis berühmte Teufelstriller-Sonate, zwei Capricen von Wieniawski oder eine Partita von Bach – in den virtuosen Bearbeitungen von Fritz Kreisler, selbstverständlich. 
Im Originalklang-Zeitalter ist das ziemlich mutig; normalerweise präsentieren sich Geiger heutzutage mit einem Repertoire, das in erster Linie aus drei Dutzend mehr oder minder bekannter Konzerte besteht, beginnend bei Bach und Vivaldi, und endend allerspätestens bei Schostakowitsch. Wenn Kammermusik gespielt wird, dann Sonaten; was nach Salonmusik klingt, das hat seinen Platz im Konzertsaal, maximal, unter den Zugaben. 
Röhn setzt sich über diese Konventionen hinweg. Zwar hat auch er bereits Violinkonzerte von Mendelssohn, Berg und Sibelius eingespielt. Doch dann widmete er ein weiteres Album virtuosen Piècen, beispielsweise der Carmen-Suite von Waxman. Und nun folgt dieses Kreisler-Programm, das Virtuosität und Ausdruck elegant kombiniert. Mit dem Pianisten Paul Rivinius hat Daniel Röhn dabei den perfekten Partner an seiner Seite. 
„Wenn ich Kreisler höre, habe ich manchmal das Gefühl, direkt von ihm angesprochen zu werden“, schreibt der Geiger. „Musiker sollen erzählen, predigen, manchmal vielleicht nur ein einziges Wort. Leichter gesagt als getan, Kreisler konnte es. Er holte mit dem Bogen schöne Worte aus der Geige. Auf eine Weise, die ihn von allen anderen Geigern unterschied, auch von jenen, die ihm technisch eigentlich überlegen waren.“ 

Samstag, 18. Mai 2013

Jascha Heifetz - Miniatures 2 (Naxos)

Jascha Heifetz (1900 bis 1987) – eigentlich Jossif Ruwimowitsch Heifetz – stammte aus Vilnius. Sein Vater Rubin gab ihm ersten Geigenunterricht, als er drei Jahre alt war. Drei Jahre später spielte das Wunderkind bereits das Violinkonzert von Mendelssohn Bartholdy. 1910 nahm Leopold Auer den Jungen in seine Meisterklasse am Konservatorium St. Petersburg auf.
1912 sprang Heifetz während einer Reise nach Berlin für Pablo Casals ein, und spielte das Tschaikowski-Violinkonzert mit den Berliner Philharmonikern unter Arthur Nikisch. Der lud den jungen Musiker dann ein, ein weiteres Konzert in Leipzig zu geben. Weitere Konzert- reisen folgten; so wurde der Virtuose bald auch in Wien gefeiert. Doch seine Zukunft sah er nicht in Europa: 1917 ging Heifetz nach Amerika; 1925 wurde er eingebürgert.
Heifetz spielte etwa 200 Konzerte im Jahr. Seine Reisen führten ihn bis nach Australien, und bald galt er weltweit als der beste Geiger. Für ein deutsches Publikum allerdings musizierte er nach 1933 niemals mehr.
Heifetz hat nahezu alle Konzerte der Klassik und Spätromantik sowie viele Werke seiner Zeitgenossen eingespielt. Auch die Kammermusik hat er gern gepflegt; er spielte beispielsweise Klaviertrios mit Arthur Rubinstein und Emanuel Feuermann, später Gregor Piatigorsky – diese hochkarätige Besetzung erhielt bald den Spitznamen „Million Dollar Trio“.
Nahezu seine gesamte Laufbahn ist anhand von Film- und Tonaufzeich- nungen nachzuvollziehen. Das gilt auch für die Jahre nach 1943, wo Heifetz für die United Services Organisation vor Soldaten musizierte – in den Camps der Truppen, aber auch an der Front. Der Geiger stellte bald fest, dass er für diese Konzerte ein spezielles Programm benötigte. Aus seinem großen Repertoire an Miniaturen, für solche Anlässe perfekt geeignet, spielte er auch etliche Werke für die Schallplatte ein. Solche Aufnahmen aus den Jahren 1944 bis 1948 sind auf dieser CD dokumentiert. Heifetz musiziert hier gemeinsam mit den Pianisten Milton Kaye und Emanual Bay sowie mit dem Bell Telephone Hour Orchestra unter Donald Voorhees.
Getreu seinem Ausspruch, es gebe nur gute Musik und schlechte Musik – mit diesem Argument spielte er 1953 in Israel Musik von Richard Strauss, und brach damit ein Tabu – hat Heifetz für diese Aufnahmen viel „gute“ Musik ausgesucht und zum Teil auch selbst arrangiert. Die Stücke reichen von Brahms’ bis zu Prokofjew und von Gluck bis zu Godowsky, von Schubert bis Ravel und von Rossini bis zu Schostakowitsch.

Dienstag, 6. März 2012

Pour le moment (Violoncello à deux)

Violoncello à deux - das sind die Cellistinnen Birgit Heinemann und Uta Schlichting. Auf der vorlie- genden CD unternehmen sie eine musikalische Zeitreise - und erkun- den dabei zwischen Francois Couperin und Louis Guglielmi jede Menge hübsche Miniaturen, die sie temperamentvoll vorstellen. 
Das Duo hat eine ganz entschiede- ne Schwäche für den Tango, den die beiden Musikerinnen regel- recht zelebrieren. Am stärksten spielen sie, wenn die beiden Partien klar unterschiedlich sind. Sind hingegen zwei Stimmen zu vernehmen, die miteinander in den Dialog treten sollen, so kann das schon einmal in einen Wettstreit münden; einen Boccherini beispielsweise wünscht man sich eleganter. Und auch den Dotzauer-Variationen über Mozarts Reich mir die Hand, mein Leben würde ein bisschen Verschmitztheit sicherlich gut zu Gesicht stehen. 

Samstag, 12. Februar 2011

Encores & more (Solo Musica)

Ein Violinkonzert vor hundert Jahren hatte ein gänzlich anderes Programm, als wir das heute gewohnt sind: Nach einem meist barocken "Einspielstück" folgte eine große Violinsonate aus dem klassischen oder romantischen Repertoire, oder aber ein Violin- konzert - mit Klavierbegleitung. Der zweite Teil des Abends war dann üblicherweise kurzen Charak- terstücken vorbehalten, mit denen Virtuosen wie Jascha Heifetz oder Fritz Kreisler gern brillierten, und ihr Publikum höchst angenehm unterhielten. 
Sie haben auch selbst solche Piècen komponiert, oder Werke anderer Komponisten entsprechend arrangiert. Diese Doppel-CD hält da so manche Überraschung bereit, wie Bearbeitungen, in denen Heifetz Aram Chatschaturjans Säbeltanz, Sergej Rachmaninoffs Daisies oder George Gershwins It ain't necessarily so auf die musikalische Spitze treibt. Gern soll der Geiger auch Edward Elgars La Capricieuse gespielt haben - dieses Stück findet sich ebenfalls auf diesen beiden CD, die einen zwölfteiligen Konzertzyklus zusammenfassen, in dem Friedemann Eichhorn, Violine, und Peer Findeisen, Klavier, 1997/98 in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim Werke aus den verschie- densten musikalischen Kulturkreisen vorstellten. 
Die erste CD gibt das "Ungarn-Konzert" wieder, und die zweite CD enthält ausgewählte Werke aus den anderen Programmen. Dass das Publikum enthusiastisch reagierte, wird der Hörer ebenfalls fest- stellen. Das ist kein Wunder, denn Eichhorn und Findeisen spielen mitreißend. Schon das erste Stück, die Konzertpolka Le Canari von Myron Poliakin, lässt aufhorchen. Spätestens das schmissig musi- zierte Grand Duo concertant Searle 128 sur la Romance de M. Lafont "Le Marin" von Franz Liszt aber strahlt so viel Spielfreude und Temperament aus, dass man sich auf jedes weitere Stück zu freuen beginnt. Bravi! 

Samstag, 11. September 2010

Schmankerln & Postres (Genuin)

Im Konzert erklingen sie heute üblicherweise nur noch als Zugabe - das Duo Intermezzo hingegen widmet sich ausschließlich den musikalischen Miniaturen. Ralf Mathias Caspers, Violine, und Tamaki Takeda-Caspers, Piano, stellen auf dieser CD Auszüge aus drei Konzertprogrammen vor: Liebesfreud und Liebesleid ist eine musikalische Reise, Mögen Sie Brahms? rankt sich um Anekdoten aus dem Leben des Komponisten und So'n Theater! bringt Musik, die ursprünglich für Film und Bühne entstanden ist. 
Die beiden Musiker haben sich mit der Auswahl der kleinen Kostbar- keiten sehr viel Mühe gegeben. So finden sich beispielsweise Intro- duction et Rondo capriccioso op. 28 von Camille Saint-Saens neben Coffee and Cakes von Charlie Chaplin oder der Melodie op. 42,3 von Peter Tschaikowski. Auf dieser CD lässt sich so manche Entdeckung machen - sie beginnt beispielsweise mit einem eleganten Intermezzo scherzoso von Gustav Sänger, das nie zuvor eingespielt worden ist. 
Musiziert wird mit Sachverstand, mit Leidenschaft und mit ein bisschen Augenzwinkern - und die Einspielung sorgt auch beim Hörer für gute Laune, garantiert.