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Donnerstag, 27. Januar 2011

Bach: Partitas for Violin (Berlin Classics)

Midori Seiler, Konzertmeisterin der Orchester Akademie für Alte Musik Berlin und Anima Eterna und Professorin für Barockvioline und -viola an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar, hat die Partiten für Violine solo von Johann Sebastian Bach eingespielt. Die Aufnahme ist erstaunlich radikal. 
"Mich als Hörer oder Spieler auf Bachs Musik einzulassen, ist wie eine Disziplinierung des eigenen Geistes, wie Meditation. Das fasziniert mich in jedem Moment das Arbeitens daran", sagt Seiler. "Was am Ende dabei als Extrakt zutage tritt, ist das, was uns als Menschen eigentlich ausmacht: das Erlebnis von Schönheit, der ständige Kontakt mit der eigenen Begrenzung und die große Sehn- sucht nach Erlösung." 
Die Solistin spielt konzentriert und reduziert; sie lässt sich in ihrer Interpretation von den Möglichkeiten der Barockvioline leiten. "Dadurch hat man natürlich gewisse Schwierigkeiten mit an Bord", meint Seiler, "die beim modernen Instrumentarium getilgt wurden, aber für mich ist das Resultat die Mühe wert." Die Violinistin be- geistert mit einer blitzsauberen Intonation, einem überlegten und überlegenen Einsatz von Klangfarben, und mitunter überraschenden Akzenten, die jedoch nie ruppig oder unkultiviert werden. Seilers Ton bleibt immer edel, schlank und und klar. Eine CD, die für mich zu den besten Aufnahmen von Bachs Partiten überhaupt gehört - trotz der Darmsaiten. 

Mittwoch, 2. Juni 2010

Bach: Partitas for Solo Violin; Korhonen (Ondine)

Timo Korhonen spielt Bachs Partiten auf der Gitarre. Und wenn man nicht wüsste, dass diese Werke für Solo-Violine entstanden sind, müsste man annehmen, es handele sich hier um originäre Kompositionen für dieses Instrument. 
Denn die Stücke wirken in einem Maße "gitarristisch", das schon verblüfft. Das liegt daran, dass Korhonen die Partiten nicht einfach für die Gitarre "bearbeitet" hat, wie das beispielsweise die Romantiker getan hätten. "Mein Ziel war es, die Ausdrucksweise des Violinparts auf die Gitarre zu übertragen - nicht damit die Gitarre klingt wie eine Violine, eine Laute oder ein Cembalo, sondern um den musikalischen Inhalt auszuführen, als ob Bach ihn für die sechssaiti- ge Konzertgitarre geschrieben hätte, damals 1720", erläutert der finnische Musiker. Er sieht seine Musik als eine rhetorische Kunst, und nicht als Medium, um Gefühle auszudrücken. "Ein Komponist der Barockzeit beschreibt, der Romantiker hingegen spricht aus. Das ist ein gewaltiger Unterschied im Denkansatz."
Bach selbst hat seine Sonaten und Partiten durchaus auch auf anderen Instrumenten vorgetragen, berichtet beispielsweise sein Schüler Johann Friedrich Agricola: "Ihr Verfaßer spielte sie selbst oft auf dem Clavicorde, und fügte von Harmonie so viel dazu bey, als er für nöthig befand." Insofern hätte der Komponist Korhonens Annähe- rungsversuch mit einiger Sicherheit begrüßt, zumal sich der Gitarrist auch spieltechnisch jedem Anspruch gewachsen zeigt. Eine wunder- bare Einspielung, die ich nur empfehlen kann.