„Ich bin also mit Geschäfften dermaassen überhäuffet, daß ich fast gar nichts anders verrichten kann, und nur immer sorgen muß, mit meiner Composition fertig zu werden, indem ein Sonn- und Fest-Tag dem andern die Hand bietet“, schrieb Christoph Graupner 1740 an seinen einstigen Hamburger Kollegen Johann Mattheson. Zwar hatte der hessische Landgraf Ernst Ludwig – der übrigens sehr gut Cembalo und Laute spielte, und auch selbst komponierte – mittlerweile eingesehen, dass er sich eine Hofoper nicht leisten kann.
Dennoch blieb für seinen Hofkapellmeister Graupner genug zu tun; in seinem Nachlass, der heute zum Bestand der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt gehört, befinden sich mehr als 1.400 Kirchenkantaten, und dazu eine enorme Menge an Instrumental- kompositionen, beispielsweise 85 Ouvertürensuiten, mehr als 110 Sinfonien und 44 Konzerte.
Mit dieser Einspielung beteiligt sich nun auch das Ensemble L'arpa festante an der Wiederentdeckung der musikalischen Schätze, die bislang nur zu einem sehr geringen Teil durch Editionen erschlossen sind. Die Musikerinnen und Musiker um den Cembalisten Rien Voskuilen haben für diese Aufnahme zwei Ouvertürensuiten und zwei Concertos des Komponisten ausgewählt. Sie zeigen sehr schön, wie souverän und kreativ Graupner seinerzeit mit den barocken Formen umgegangen ist – und wie modern manche seiner Werke wirken. L'arpa festante musiziert mit Engagement und Finesse, und bringt die Klangeffekte Graupners bestens zur Geltung.
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Dienstag, 4. Juni 2019
Montag, 13. Mai 2019
Graupner: Duo-Kantaten (Christophorus)
Einmal mehr haben sich Miriam Feuersinger und das Capricornus Consort Basel dem Schaffen Christoph Graupners (1683 bis 1760) zugewandt. Über den Lebensweg des Bach-Zeitgenossen haben wir in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet. Graupner war Kapell- meister des Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt, und sein Dienstherr liebte insbesondere die Oper – aber er konnte sich leider kein eigenes Opernhaus leisten, so dass die opulenten Melodien und schönen Stimmen an seinem Hofe im Gottesdienst zu hören waren.
Überliefert sind daher mehr als 1400 Kirchenkantaten aus Graupners Feder, die zumeist noch der Wiederentdeckung harren. Auf dieser CD werden einige von ihnen vorgestellt: Gemeinsam mit dem Countertenor Franz Vitzthum singt Miriam Feuersinger Duo-Kantaten für Sopran und Alt. Die vier ausgewählten Stücke stammen aus den Jahren 1710/11 und 1719/20, und sie verbinden virtuose Gestaltung mit hingebungsvoller Textausdeutung.
Die beiden Gesangssolisten präsentieren zusammen mit dem Capricornus Consort Graupners anspruchsvolle Musik mit makelloser Technik und verführerischer Eleganz. Und vor jeder Kantate lassen die Instrumenta- listen zudem ein kurzes Stück erklingen, quasi als Sinfonia. Eine traum- schöne Einspielung, die begeistert.
Überliefert sind daher mehr als 1400 Kirchenkantaten aus Graupners Feder, die zumeist noch der Wiederentdeckung harren. Auf dieser CD werden einige von ihnen vorgestellt: Gemeinsam mit dem Countertenor Franz Vitzthum singt Miriam Feuersinger Duo-Kantaten für Sopran und Alt. Die vier ausgewählten Stücke stammen aus den Jahren 1710/11 und 1719/20, und sie verbinden virtuose Gestaltung mit hingebungsvoller Textausdeutung.
Die beiden Gesangssolisten präsentieren zusammen mit dem Capricornus Consort Graupners anspruchsvolle Musik mit makelloser Technik und verführerischer Eleganz. Und vor jeder Kantate lassen die Instrumenta- listen zudem ein kurzes Stück erklingen, quasi als Sinfonia. Eine traum- schöne Einspielung, die begeistert.
Samstag, 29. Dezember 2018
Galanterie - Das Quantz Collegium (K&K)
Von den „historischen“ Kostümen und den albernen Perücken, die diese Musiker tragen, sollte man sich nicht abschrecken lassen. Denn das Quantz Collegium, in den 30er Jahren gegründet von dem Flötisten Ernst Friedrich Wilhelm Bodensohn, musiziert grandios. Das Ensemble lädt seit 1957 jeweils im Sommer zur Konzertreihe Festliche Serenaden in das Schloss Favorite bei Rastatt.
Seit 1982 ist Jochen Baier der Flötist des Quantz Collegiums, das sich vor allem mit Kammermusik der Barock- zeit und der Klassik beschäftigt. Dabei stehen auch immer wieder Werke von weniger bekannten Komponisten auf dem Programm, die wohl, falls notwendig, sogar mit einigem Aufwand aus Quellen zugänglich gemacht werden. Das dürfte auch für dieses Programm erforderlich gewesen sein, das durchweg mit Entdeckungen begeistert.
Der vorliegende Konzertmitschnitt ist im Mai 2018 entstanden. Einmal mehr erfassen Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger die einzigartige Atmosphäre, die das Musizieren im Gartensaal des „Porzellanschlosses“ Favorite prägt. Mit ihrem Label K&K sind sie seit Jahren darauf spezialisiert, herausragende Konzerte möglichst authentisch für die Nachwelt aufzuzeichnen.
Ein solches Konzert ist auf dieser CD quasi mitzuerleben. Denn was das Quantz Collegium unter dem Stichwort „Galanterie“ zusammengetragen hat, das sind außerordentlich abwechslungsreiche und musikalisch lohnende Raritäten. Neben der Flöte rückt dieses Programm ganz besonders die Bratsche ins Scheinwerferlicht. Sie ist das Solo-Instrument zweier Konzerte von Christoph Graupner (1683 bis 1760) und Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767); außerdem erklingen ein Flötenkonzert von Friedrich Wilhelm Heinrich Benda (1745 bis 1814) sowie ein Doppelkonzert für Flöte und Bratsche von Graupner. Und das Quantz Collegium spielt diese Kostbarkeiten derart hinreißend, lebendig und getragen von Musizierlust, dass es rundum eine Freude ist. Unbedingt anhören!
Seit 1982 ist Jochen Baier der Flötist des Quantz Collegiums, das sich vor allem mit Kammermusik der Barock- zeit und der Klassik beschäftigt. Dabei stehen auch immer wieder Werke von weniger bekannten Komponisten auf dem Programm, die wohl, falls notwendig, sogar mit einigem Aufwand aus Quellen zugänglich gemacht werden. Das dürfte auch für dieses Programm erforderlich gewesen sein, das durchweg mit Entdeckungen begeistert.
Der vorliegende Konzertmitschnitt ist im Mai 2018 entstanden. Einmal mehr erfassen Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger die einzigartige Atmosphäre, die das Musizieren im Gartensaal des „Porzellanschlosses“ Favorite prägt. Mit ihrem Label K&K sind sie seit Jahren darauf spezialisiert, herausragende Konzerte möglichst authentisch für die Nachwelt aufzuzeichnen.
Ein solches Konzert ist auf dieser CD quasi mitzuerleben. Denn was das Quantz Collegium unter dem Stichwort „Galanterie“ zusammengetragen hat, das sind außerordentlich abwechslungsreiche und musikalisch lohnende Raritäten. Neben der Flöte rückt dieses Programm ganz besonders die Bratsche ins Scheinwerferlicht. Sie ist das Solo-Instrument zweier Konzerte von Christoph Graupner (1683 bis 1760) und Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767); außerdem erklingen ein Flötenkonzert von Friedrich Wilhelm Heinrich Benda (1745 bis 1814) sowie ein Doppelkonzert für Flöte und Bratsche von Graupner. Und das Quantz Collegium spielt diese Kostbarkeiten derart hinreißend, lebendig und getragen von Musizierlust, dass es rundum eine Freude ist. Unbedingt anhören!
Dienstag, 3. April 2018
Graupner: Lass mein Herz (Accent)
Schier unerschöpflich scheint der Schatz an Kantaten zu sein, den Christoph Graupner (1683 bis 1760) für Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt und dessen Nachfolger geschaffen hat.
Die Werke, die der Hofkapellmeister komponierte, sind heute nahezu vollständig in der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek zu finden, wo nicht zuletzt unter den mehr als 1.400 Kantaten noch so manches Juwel seiner Wieder- entdeckung harrt. Drei davon, aus Graupners frühen Jahren in Darmstadt, stellt Dorothee Mields mit dem Ensemble Harmonie Universelle auf dieser CD vor.
Im Jahre 1711 entstanden die Kantaten Ach Gott, wie manches Herzeleid zum ersten Sonntag nach Trinitatis und Reiner Geist, lass doch mein Herz zum Pfingstsonntag. Für den dritten Sonntag nach Trinitatis bestimmt war die Kantate Verleih, dass ich aus Herzensgrund aus dem Jahre 1716.
Die Texte schrieb Hofbibliothekar Georg Christian Lehm. Er hatte, wie Graupner, in Leipzig studiert und nebenher Libretti für die Leipziger Oper geschrieben. Leider starb er bereits 1717. Graupners Musik deutet die Texte gekonnt aus – allerdings hat er für die (Berufs-)Sängerinnen, die diese Monologe einst vorgetragen haben, nicht nur eindringliche, sondern vor allem auch ziemlich virtuose Stücke geschaffen.
Dorothee Mields erweist sich als ideale Interpretin für Graupners Kantaten. In den Chorälen gestaltet sie mühelos weite Melodiebögen, und auch die anspruchsvollen Koloraturen, die so manche Arie fordert, gelingen ihr problemlos. Ihre Technik ist makellos; allerdings geht es der Sopranistin nicht vordergründig darum, mit Kehlfertigkeit zu glänzen. In ihrer Interpretation steht stets der Text im Mittelpunkt, und der Zuhörer darf sich freuen, denn man versteht tatsächlich auch jedes Wort.
Das Ensemble Harmonie Universelle, geleitet von seinen Konzertmeistern Florian Deuter und Mónica Waisman, ergänzt die Kantaten noch durch die Ouvertüren Suite GWV 442, in der besonders die beiden Oboen da caccia einen herausragenden Part spielen, und durch das Concerto g-Moll GWV 334, wo zwei Violinen solistisch agieren. Es sind beides bedeutende Werke, und sie werden meisterhaft gespielt. Unbedingt anhören, diese CD lohnt sich!
Die Werke, die der Hofkapellmeister komponierte, sind heute nahezu vollständig in der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek zu finden, wo nicht zuletzt unter den mehr als 1.400 Kantaten noch so manches Juwel seiner Wieder- entdeckung harrt. Drei davon, aus Graupners frühen Jahren in Darmstadt, stellt Dorothee Mields mit dem Ensemble Harmonie Universelle auf dieser CD vor.
Im Jahre 1711 entstanden die Kantaten Ach Gott, wie manches Herzeleid zum ersten Sonntag nach Trinitatis und Reiner Geist, lass doch mein Herz zum Pfingstsonntag. Für den dritten Sonntag nach Trinitatis bestimmt war die Kantate Verleih, dass ich aus Herzensgrund aus dem Jahre 1716.
Die Texte schrieb Hofbibliothekar Georg Christian Lehm. Er hatte, wie Graupner, in Leipzig studiert und nebenher Libretti für die Leipziger Oper geschrieben. Leider starb er bereits 1717. Graupners Musik deutet die Texte gekonnt aus – allerdings hat er für die (Berufs-)Sängerinnen, die diese Monologe einst vorgetragen haben, nicht nur eindringliche, sondern vor allem auch ziemlich virtuose Stücke geschaffen.
Dorothee Mields erweist sich als ideale Interpretin für Graupners Kantaten. In den Chorälen gestaltet sie mühelos weite Melodiebögen, und auch die anspruchsvollen Koloraturen, die so manche Arie fordert, gelingen ihr problemlos. Ihre Technik ist makellos; allerdings geht es der Sopranistin nicht vordergründig darum, mit Kehlfertigkeit zu glänzen. In ihrer Interpretation steht stets der Text im Mittelpunkt, und der Zuhörer darf sich freuen, denn man versteht tatsächlich auch jedes Wort.
Das Ensemble Harmonie Universelle, geleitet von seinen Konzertmeistern Florian Deuter und Mónica Waisman, ergänzt die Kantaten noch durch die Ouvertüren Suite GWV 442, in der besonders die beiden Oboen da caccia einen herausragenden Part spielen, und durch das Concerto g-Moll GWV 334, wo zwei Violinen solistisch agieren. Es sind beides bedeutende Werke, und sie werden meisterhaft gespielt. Unbedingt anhören, diese CD lohnt sich!
Montag, 17. Juli 2017
Concerti Bizarri (Linn)
„The idea for this Concerti Bizarri programme has been floating around in my head for a few years now, from when I put together a programme of mixed instrumental concertos combined with a suite by Georg Philipp Telemann called La Bizarre“, schreibt Monika Huggett, die Konzertmeisterin des Irish Baroque Orchestra. „The IBO is crammed full of wonderful musicians and they can fully inhabit the role of soloist in every way: technically, musically and charismatically.“
Und so ist letztendlich diese CD entstanden. Sie gibt Zeugnis von einer Zeit, da Musik zumeist für konkrete Anlässe und vorhandene Besetzungen geschrieben wurde. Das Konzert für zwei Violoncelli RV 531 beispielsweise schrieb Antonio Vivaldi für Musikerinnen, die am Ospedale della Pietá in Venedig ausgebildet wurden. Johann David Heinichen komponierte sein Oboenkonzert in g-Moll S. 237 für die Dresdner Hofkapelle. Johann Friedrich Fasch war Hofkapellmeister in Zerbst, Christoph Graupner in Darmstadt.
In beiden Ensembles musizierten damals exzellente Instrumentalisten – warum also ein Violinkonzert schreiben, wenn man seine Konzerte mit Flöte und Oboe oder aber mit zwei Oboen da caccia, zwei Bratschen, zwei Fagotten und Basso continuo wesentlich interessanter und abwechslungs- reicher besetzen kann? Graupner beispielsweise schuf ein Konzert für Flöte d'amore, Oboe d'amore und Viola d'amore – ein schönes Beispiel für das Spiel mit Klangfarben; die Komponisten der Barockzeit waren da ausgesprochen experimentierfreudig. Dass sie auch Virtuosität durchaus schätzten, beweist Graupners Fagottkonzert GWV 301, ein Werk, das enorm hohe Ansprüche an den Solisten stellt. Komplettiert wird die Einspielung durch Telemanns Konzert für zwei Violinen und Fagott TWV 53: D4.
Bizarr ist an dieser CD allerdings nur das Coverbild. Wer Vergnügen hat
an einem farbenreichen, spannenden Programm abseits der allzu ausge- tretenen Pfade, dem sei diese CD wärmstens empfohlen. Denn das Irish Baroque Orchestra musiziert auch sehr hörenswert – mit Neugier und mit einer gehörigen Portion Temperament.
Und so ist letztendlich diese CD entstanden. Sie gibt Zeugnis von einer Zeit, da Musik zumeist für konkrete Anlässe und vorhandene Besetzungen geschrieben wurde. Das Konzert für zwei Violoncelli RV 531 beispielsweise schrieb Antonio Vivaldi für Musikerinnen, die am Ospedale della Pietá in Venedig ausgebildet wurden. Johann David Heinichen komponierte sein Oboenkonzert in g-Moll S. 237 für die Dresdner Hofkapelle. Johann Friedrich Fasch war Hofkapellmeister in Zerbst, Christoph Graupner in Darmstadt.
In beiden Ensembles musizierten damals exzellente Instrumentalisten – warum also ein Violinkonzert schreiben, wenn man seine Konzerte mit Flöte und Oboe oder aber mit zwei Oboen da caccia, zwei Bratschen, zwei Fagotten und Basso continuo wesentlich interessanter und abwechslungs- reicher besetzen kann? Graupner beispielsweise schuf ein Konzert für Flöte d'amore, Oboe d'amore und Viola d'amore – ein schönes Beispiel für das Spiel mit Klangfarben; die Komponisten der Barockzeit waren da ausgesprochen experimentierfreudig. Dass sie auch Virtuosität durchaus schätzten, beweist Graupners Fagottkonzert GWV 301, ein Werk, das enorm hohe Ansprüche an den Solisten stellt. Komplettiert wird die Einspielung durch Telemanns Konzert für zwei Violinen und Fagott TWV 53: D4.
Bizarr ist an dieser CD allerdings nur das Coverbild. Wer Vergnügen hat
an einem farbenreichen, spannenden Programm abseits der allzu ausge- tretenen Pfade, dem sei diese CD wärmstens empfohlen. Denn das Irish Baroque Orchestra musiziert auch sehr hörenswert – mit Neugier und mit einer gehörigen Portion Temperament.
Montag, 17. April 2017
Graupner: Das Leiden Jesu (cpo)
Fast 50 Jahre leitete Christoph Graupner (1683 bis 1760) die Darmstädter Hofkapelle. Der Musiker, der unter Johann Schelle und Johann Kuhnau an der Thomasschule in Leipzig gelernt und anschließend an der Pleiße Jura studiert hatte, wurde nach einem kurzen Intermezzo in Hamburg 1709 durch Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt engagiert. Wenig später ernannte ihn sein Dienstherr zum Hofkapellmeister, und als Graupner sich später auf Empfehlung seines Freundes Telemann um das Amt des Thomaskantors bewarb, ließ ihn der Landgraf nicht gehen.
So blieb Graupner also in Darmstadt bis ans Ende seiner Tage, und schuf großartige Musik, die nach seinem Tode in Vergessenheit geraten ist. Ein glücklicher Zufall sorgte aber dafür, dass die Werke des Komponisten nahezu geschlossen ins landgräfliche Archiv kamen. Dort haben sie die Zeiten überdauert, so dass sie heute allmählich wieder einem staunenden Publikum vorgestellt werden können.
Wer die Bestände kennt, der weiß, dass da noch so manche Überraschung wartet. Denn Graupners Musik ist nicht nur ausgesprochen originell. Kaum ein zweiter Komponist hat sich zudem so flexibel auf die Fähigkeiten seiner Musiker eingestellt – und derart interessiert auf Anregungen reagiert. Aus seiner Lebensstellung in Darmstadt heraus beobachtete Graupner, was seine Kollegen komponierten, immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. So entwickelte er seine Musik weiter – von ausgesprochen barocken Formen bis hin zu Klängen, die man eher der Frühklassik zuordnen würde.
Wie Graupner mit Instrumentierung und Klangfarben experimentierte, das lässt sich sehr schön am Beispiel seiner Kantaten beobachten. Die ersten drei der zehn Passionskantaten, die der Komponist im Jahre 1741 für den landgräflichen Gottesdienst geschaffen hat, sind nun bei cpo erschienen. Florian Heyerick hat sich mit seinem Originalklang-Orchester Mann- heimer Hofkapelle sowie dem Solistenensemble Ex Tempore die Wiederentdeckung dieses Kantatenschatzes auf die Fahnen geschrieben, und man darf davon ausgehen, dass weitere Folgen schon bald vorliegen werden.
Das lohnt sich durchaus; schon die erste Kantate, Erzittre, toll und freche Welt, die den Hörer an die Seite des verzagenden Jesus in den Garten Gethsemane führt, ist ein klangmalerisches Kabinettstück. Hier zeigt sich Graupners besondere Gabe, durch den geschickten Einsatz der jeweils verfügbaren Instrumente ganz erstaunliche Effekte zu erzielen. So ist das Zittern schon zu hören, bevor Tenor Jan Kobow auch nur einen Ton gesungen hat – eine beeindruckende Form der musikalischen Andacht, die von den Musikern der Mannheimer Hofkapelle lustvoll zelebriert wird.
So blieb Graupner also in Darmstadt bis ans Ende seiner Tage, und schuf großartige Musik, die nach seinem Tode in Vergessenheit geraten ist. Ein glücklicher Zufall sorgte aber dafür, dass die Werke des Komponisten nahezu geschlossen ins landgräfliche Archiv kamen. Dort haben sie die Zeiten überdauert, so dass sie heute allmählich wieder einem staunenden Publikum vorgestellt werden können.
Wer die Bestände kennt, der weiß, dass da noch so manche Überraschung wartet. Denn Graupners Musik ist nicht nur ausgesprochen originell. Kaum ein zweiter Komponist hat sich zudem so flexibel auf die Fähigkeiten seiner Musiker eingestellt – und derart interessiert auf Anregungen reagiert. Aus seiner Lebensstellung in Darmstadt heraus beobachtete Graupner, was seine Kollegen komponierten, immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. So entwickelte er seine Musik weiter – von ausgesprochen barocken Formen bis hin zu Klängen, die man eher der Frühklassik zuordnen würde.
Wie Graupner mit Instrumentierung und Klangfarben experimentierte, das lässt sich sehr schön am Beispiel seiner Kantaten beobachten. Die ersten drei der zehn Passionskantaten, die der Komponist im Jahre 1741 für den landgräflichen Gottesdienst geschaffen hat, sind nun bei cpo erschienen. Florian Heyerick hat sich mit seinem Originalklang-Orchester Mann- heimer Hofkapelle sowie dem Solistenensemble Ex Tempore die Wiederentdeckung dieses Kantatenschatzes auf die Fahnen geschrieben, und man darf davon ausgehen, dass weitere Folgen schon bald vorliegen werden.
Das lohnt sich durchaus; schon die erste Kantate, Erzittre, toll und freche Welt, die den Hörer an die Seite des verzagenden Jesus in den Garten Gethsemane führt, ist ein klangmalerisches Kabinettstück. Hier zeigt sich Graupners besondere Gabe, durch den geschickten Einsatz der jeweils verfügbaren Instrumente ganz erstaunliche Effekte zu erzielen. So ist das Zittern schon zu hören, bevor Tenor Jan Kobow auch nur einen Ton gesungen hat – eine beeindruckende Form der musikalischen Andacht, die von den Musikern der Mannheimer Hofkapelle lustvoll zelebriert wird.
Montag, 10. Oktober 2016
Serpent & Fire (Alpha)
Dido und Cleopatra, literarische Figuren, die noch nach Jahr- hunderten Maler, Dichter und Komponisten inspirierten, hat die Sopranistin Anna Prohaska zum Mittelpunkt dieser CD erkoren. Cleopatra war die letzte Königin des Pharaonenreiches. Um ihre Herrschaft zu sichern, verbündete sie sich mit den Römern, insbesondere mit Gaius Iulius Caesar und, nach dessen Ermordung, mit dem Feldherrn Marcus Antonius. Als dieser von Octavian geschlagen wurde, folgte sie mit ihm in den Tod; die Legende besagt, dass sie sich von einer Schlange beißen ließ.
Dido ist, der Sage nach, eine phönizische Prinzesssin. Sie gründete Karthago, und entzog sich dem Werben des Numidierkönigs Iarbas durch die Selbstverbrennung. Vergil bringt in seiner Aeneis Dido und den aus Troja zurückkehrenden Aeneas zusammen; in dieser Version der Geschichte verlässt der Held die verliebte Königin, die sich daraufhin in sein Schwert stürzt. Die Aeneis gehört zu den beliebtesten Opern-Stoffen; allein das Libretto Didone abbandonata von Pietro Metastasio wurde mehr als vierzigmal (!) vertont.
Auf dieser CD erklingen Arien aus Opernraritäten von Francesco Cavalli (1602 bis 1676), Daniele da Castrovillari (vermutlich 1613 bis 1678), Antonio Sartorio (1630 bis 1681), Henry Purcell (1659 bis 1695), Christoph Graupner (1683 bis 1760), Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) und Johann Adolph Hasse (1699 bis 1783), ergänzt durch gut passende Instrumentalmusik unter anderem von Matthew Locke und Luigi Rossi. Anna Prohaska singt mit einer berückenden Melancholie und mit grandioser Technik, bestens unterstützt durch das Ensemble Il Giardino Armonico unter Giovanni Antonini. Ohne Zweifel eines der schönsten Alben des Jahres!
Dido ist, der Sage nach, eine phönizische Prinzesssin. Sie gründete Karthago, und entzog sich dem Werben des Numidierkönigs Iarbas durch die Selbstverbrennung. Vergil bringt in seiner Aeneis Dido und den aus Troja zurückkehrenden Aeneas zusammen; in dieser Version der Geschichte verlässt der Held die verliebte Königin, die sich daraufhin in sein Schwert stürzt. Die Aeneis gehört zu den beliebtesten Opern-Stoffen; allein das Libretto Didone abbandonata von Pietro Metastasio wurde mehr als vierzigmal (!) vertont.
Auf dieser CD erklingen Arien aus Opernraritäten von Francesco Cavalli (1602 bis 1676), Daniele da Castrovillari (vermutlich 1613 bis 1678), Antonio Sartorio (1630 bis 1681), Henry Purcell (1659 bis 1695), Christoph Graupner (1683 bis 1760), Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) und Johann Adolph Hasse (1699 bis 1783), ergänzt durch gut passende Instrumentalmusik unter anderem von Matthew Locke und Luigi Rossi. Anna Prohaska singt mit einer berückenden Melancholie und mit grandioser Technik, bestens unterstützt durch das Ensemble Il Giardino Armonico unter Giovanni Antonini. Ohne Zweifel eines der schönsten Alben des Jahres!
Dienstag, 23. August 2016
Herzens-Lieder - Miriam Feuersinger (Christophorus)
Nach den Himmels-Liedern, die das Capricornus Consort Basel mit dem Countertenor Franz Vitzthum ein- gespielt hat, erklingen auf dieser CD nun Herzens-Lieder, gesungen von Miriam Feuersinger. Für ihre erste Solo-CD, mit Solokantaten von Christoph Graupner, hatte die Sopra- nistin 2014 den ECHO-Klassik sowie den Vierteljahrespreis der deutschen Schallplattenkritik erhalten.
Nun legt sie erneut eine Auswahl barocker Kirchenmusiken vor: Zu hören sind die Kantaten Mein Herz schwimmt in Blut des Darmstädter Hofkapellmeisters Christoph Graupner (1683 bis 1760), Weicht, ihr Sorgen, aus dem Herzen von Thomaskantor Johann Kuhnau (1660 bis 1722) und Mein Herze schwimmt im Blut von dessen Amtsnachfolger Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750). Ergänzt wird das anspruchsvolle Programm durch das Quartett in G-Dur TWV 43:G5 von Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767). Aufs Schönste begleitet von den neun „Alte“-Musik-Spezialisten des Capricornus Consort Basel, bezaubert Miriam Feuersinger einmal mehr mit ihrem kristallklaren Sopran. Insbesondere die ruhigen Tempi liegen der Sängerin, die durch tiefes Werkverständnis und Ausdruck sehr beeindruckt.
Nun legt sie erneut eine Auswahl barocker Kirchenmusiken vor: Zu hören sind die Kantaten Mein Herz schwimmt in Blut des Darmstädter Hofkapellmeisters Christoph Graupner (1683 bis 1760), Weicht, ihr Sorgen, aus dem Herzen von Thomaskantor Johann Kuhnau (1660 bis 1722) und Mein Herze schwimmt im Blut von dessen Amtsnachfolger Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750). Ergänzt wird das anspruchsvolle Programm durch das Quartett in G-Dur TWV 43:G5 von Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767). Aufs Schönste begleitet von den neun „Alte“-Musik-Spezialisten des Capricornus Consort Basel, bezaubert Miriam Feuersinger einmal mehr mit ihrem kristallklaren Sopran. Insbesondere die ruhigen Tempi liegen der Sängerin, die durch tiefes Werkverständnis und Ausdruck sehr beeindruckt.
Montag, 21. September 2015
Graupner: Concerti e Musica di Tavola (cpo)
Musik der Darmstädter Hofkapelle präsentiert eine CD aus dem Hause cpo. Sie dokumentiert zugleich, auf welch hohem Niveau am Hofe des Landgrafen Ernst Ludwig in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts musiziert wurde. Hofkapellmeister Christoph Graupner (1683 bis 1760) war weithin sehr geschätzt; in seinen ersten Jahren am Hofe komponierte er fast ausschließlich Opern und Kantaten. Allerdings stand es um die Finanzen seines Dienstherrn nicht zum Besten, was unter anderem dazu führte, dass 1722 der Opernbetrieb in Darmstadt eingestellt wurde. Noch im gleichen Jahr bewarb sich Graupner um die Stelle des Thomaskantors, die nach dem Tode seines früheren Lehrers Johann Kuhnau vakant war.
Die Leipziger hätten ihn gern genommen – doch der Landgraf verweigerte seinem Hofkapellmeister den Abschied. Statt dessen erhöhte er Graupners Jahresgehalt von 500 auf 900 Gulden, und garantierte diesem seine Besoldung bis ans Lebensende. Einem solche Argument war schon damals schwer zu widersprechen.
Andere Mitglieder der Hofkapelle hatten weniger Glück, wie das Beispiel des Flötisten und Oboisten Johann Michael Böhm zeigt, ausgebildet in Dresden, und mit Telemann verschwägert. Er erhielt offenbar längere Zeit kein Gehalt ausgezahlt, was ihn in große Not brachte und schließlich dazu veranlasste, 1729 aus Darmstadt zu fliehen. Böhm ging nach Ludwigsburg, und seine umfangreiche Musikaliensammlung nahm er mit. Man darf annehmen, dass Graupner die dadurch dezimierten Notenbestände wieder aufzufüllen hatte; im Frühjahr 1730 jedenfalls wies der Landgraf an, dem Musiker seien mehr Papier und Federkiele zuzuteilen, weil dieser „die Besorgung der Taffel-piècen und Concerts nunmehro auch zur Incumbenz habe“.
Dennoch nehmen in dem umfangreichen Werk des Komponisten – das Graupner-Werke-Verzeichnis zählt allein über 1400 Vokalmusiken – die Instrumentalkompositionen eher bescheidenen Raum ein; 310 Werke sind erfasst, darunter 44 Konzerte, fünf Tafelmusiken, 112 Sinfonien und 80 Ouvertürensuiten. Bemerkenswert erscheint zudem, dass Streicher als Soloinstrumente in Graupners Konzerten kaum eine Rolle spielen. Bläser hingegen, insbesondere die Traversflöte, aber auch Oboe, Oboe d'amore, Chalumeau und Fagott, setzte er gern ein und komponierte für sie mitunter ziemlich virtuose Partien. Insgesamt scheint er aber eher an Klangeffekten interessiert gewesen zu sein als an technischer Bravour.
Dafür spricht auch, dass er die Soloinstrumente gern in Gruppen konzer- tieren ließ – auf dieser CD gibt es dafür wunderbare Beispiele, wie ein Concerto für Chalumeau, Fagott und Violoncello solo, zwei Violinen, Viola und Cembalo. Die Accademia Daniel unter Leitung von Shalev Ad-El spielt aber auch eines der raren Violinkonzerte des Komponisten. Musiziert wird auf historischen Instrumenten, gekonnt und mit Esprit. Eingespielt hat das israelische Ensemble diese CD übrigens in Chemnitz-Hilbersdorf.
Die Leipziger hätten ihn gern genommen – doch der Landgraf verweigerte seinem Hofkapellmeister den Abschied. Statt dessen erhöhte er Graupners Jahresgehalt von 500 auf 900 Gulden, und garantierte diesem seine Besoldung bis ans Lebensende. Einem solche Argument war schon damals schwer zu widersprechen.
Andere Mitglieder der Hofkapelle hatten weniger Glück, wie das Beispiel des Flötisten und Oboisten Johann Michael Böhm zeigt, ausgebildet in Dresden, und mit Telemann verschwägert. Er erhielt offenbar längere Zeit kein Gehalt ausgezahlt, was ihn in große Not brachte und schließlich dazu veranlasste, 1729 aus Darmstadt zu fliehen. Böhm ging nach Ludwigsburg, und seine umfangreiche Musikaliensammlung nahm er mit. Man darf annehmen, dass Graupner die dadurch dezimierten Notenbestände wieder aufzufüllen hatte; im Frühjahr 1730 jedenfalls wies der Landgraf an, dem Musiker seien mehr Papier und Federkiele zuzuteilen, weil dieser „die Besorgung der Taffel-piècen und Concerts nunmehro auch zur Incumbenz habe“.
Dennoch nehmen in dem umfangreichen Werk des Komponisten – das Graupner-Werke-Verzeichnis zählt allein über 1400 Vokalmusiken – die Instrumentalkompositionen eher bescheidenen Raum ein; 310 Werke sind erfasst, darunter 44 Konzerte, fünf Tafelmusiken, 112 Sinfonien und 80 Ouvertürensuiten. Bemerkenswert erscheint zudem, dass Streicher als Soloinstrumente in Graupners Konzerten kaum eine Rolle spielen. Bläser hingegen, insbesondere die Traversflöte, aber auch Oboe, Oboe d'amore, Chalumeau und Fagott, setzte er gern ein und komponierte für sie mitunter ziemlich virtuose Partien. Insgesamt scheint er aber eher an Klangeffekten interessiert gewesen zu sein als an technischer Bravour.
Dafür spricht auch, dass er die Soloinstrumente gern in Gruppen konzer- tieren ließ – auf dieser CD gibt es dafür wunderbare Beispiele, wie ein Concerto für Chalumeau, Fagott und Violoncello solo, zwei Violinen, Viola und Cembalo. Die Accademia Daniel unter Leitung von Shalev Ad-El spielt aber auch eines der raren Violinkonzerte des Komponisten. Musiziert wird auf historischen Instrumenten, gekonnt und mit Esprit. Eingespielt hat das israelische Ensemble diese CD übrigens in Chemnitz-Hilbersdorf.
Samstag, 18. April 2015
Ich hebe meine Augen auf - Telemann, Heinichen & Graupner in Leipzig (Carus)
Musikalisch ambitionierte Studenten hatten zu Beginn des 18. Jahrhun- derts in Leipzig einen attraktiven Studienort. Die Gottesdienste in den beiden Hauptkirchen St. Thomas und St. Nikolai waren weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt aufgrund der Kirchenmusik, die nicht nur von Stadtpfeifern, Kunstgeigern und Thomanern bestritten wurde. Auf der Empore fanden sich auch etliche talentierte Studiosi ein, zumal in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts sogar ein Etat vorhanden war, sie fürs Musizieren zu entlohnen.
Doch nicht nur in den Kirchen fanden Musikinteressierte ein reiches Betätigungsfeld. Auch im 1693 gegründeten Leipziger Opernhaus sowie in diversen Collegia musica, die im Kaffeehaus musizierten, saßen Studierende an den Pulten. So gingen die jungen Leute in Scharen an die Pleiße, um dort Jura zu studieren, wie es Brauch war – und sich nebenher auf den Gebiet der Musik zu erproben. Etliche von ihnen wurden anschließend Musiker; erinnert sei hier nur an Georg Philipp Telemann, Johann Georg Pisendel, Gottfried Heinrich Stölzel und die vormaligen Thomasschüler Christoph Graupner, Johann Friedrich Fasch und Johann David Heinichen.
Was aber haben die Studierenden vorgetragen? Diese CD mit L’arpa festante unter Rien Voskuilen vermittelt einen Eindruck davon; herausgesucht wurden Werke von Telemann, Graupner und Heinichen, die mit einiger Sicherheit in den Jugendjahren der Komponisten entstanden sind. Die Musiker von L'arpa festante machen mit Schwung und Präzision die drei Kantaten und Telemanns Ouvertüre zu einem Hörvergnügen. Und auch das Solistenquartett ist mit Veronika Winter, Alex Potter, Hans Jörg Mammel und Markus Flaig erstklassig besetzt.
Doch nicht nur in den Kirchen fanden Musikinteressierte ein reiches Betätigungsfeld. Auch im 1693 gegründeten Leipziger Opernhaus sowie in diversen Collegia musica, die im Kaffeehaus musizierten, saßen Studierende an den Pulten. So gingen die jungen Leute in Scharen an die Pleiße, um dort Jura zu studieren, wie es Brauch war – und sich nebenher auf den Gebiet der Musik zu erproben. Etliche von ihnen wurden anschließend Musiker; erinnert sei hier nur an Georg Philipp Telemann, Johann Georg Pisendel, Gottfried Heinrich Stölzel und die vormaligen Thomasschüler Christoph Graupner, Johann Friedrich Fasch und Johann David Heinichen.
Was aber haben die Studierenden vorgetragen? Diese CD mit L’arpa festante unter Rien Voskuilen vermittelt einen Eindruck davon; herausgesucht wurden Werke von Telemann, Graupner und Heinichen, die mit einiger Sicherheit in den Jugendjahren der Komponisten entstanden sind. Die Musiker von L'arpa festante machen mit Schwung und Präzision die drei Kantaten und Telemanns Ouvertüre zu einem Hörvergnügen. Und auch das Solistenquartett ist mit Veronika Winter, Alex Potter, Hans Jörg Mammel und Markus Flaig erstklassig besetzt.
Mittwoch, 7. Januar 2015
Graupner: Trio Sonatas (Ondine)
Mitunter fragt man sich, warum die Musikgeschichte gerade so und nicht ganz anders verlaufen ist. Was beispielsweise hätte sich daraus ergeben, wenn Christoph Graupner (1683 bis 1760) nicht in Darmstadt geblieben, sondern nach Leipzig gegangen wäre? Und wenn Johann Sebastian Bach beispielsweise Dom- und Hoforganist in Berlin anstatt Thomaskantor geworden wäre?
Schließlich hatte sich der Darm- städter Hofkapellmeister beworben, er wollte wechseln, und eigentlich war Graupner auch der Favorit der Leipziger Stadtväter. Doch dann erhöhte sein Dienstherr, Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt, ihm die Bezüge, und verweigerte ihm zugleich den Abschied. Solchen Argumenten pflegten sich Musiker üblicherweise zu beugen. Und so erhielt der Kollege aus Köthen das Amt.
Kirchenmusik hat Graupner dennoch in großen Mengen komponiert; Aufnahmen seiner Kantaten wurden in diesem Blog bereits an anderer Stelle vorgestellt. Das Finnische Barockorchester hat bei Ondine bereits Orchestersuiten eingespielt. Nun haben sich einige Solisten dieses Ensembles auch der Triosonaten des Komponisten angenommen. Aus der großen Anzahl seiner Werke haben sie dazu einige ausgewählt. Dabei scheinen sie auf die wenigen bereits edierten Sonaten zurückgegriffen zu haben.
Auffällig ist die farbenreiche Besetzung – neben Traversflöte und Violine setzt Graupner auch Viola d'amore, Fagott sowie das Chalumeau, einen Vorgänger der Klarinette, ein. Im Continuo, notiert für das Cembalo als unbezifferte Basslinie, verwenden die Musiker zusätzlich Barock-Violoncello, Viola da gamba, Barocklaute sowie einmal auch die Orgel. Das macht die CD klanglich attraktiv. Graupner scheint allerdings auch bei seinen Triosonaten mehr auf Ausdruck und Melodik als auch vordergrün- dige Virtuosität bedacht gewesen zu sein. Er überrascht eher durch unerwartete Harmonik als durch kühne Figurationen. Das ist wirklich spannend; man darf neugierig bleiben, welche Schätze sich in Graupners unglaublich umfangreichem Nachlass in Zukunft noch anfinden werden.
Schließlich hatte sich der Darm- städter Hofkapellmeister beworben, er wollte wechseln, und eigentlich war Graupner auch der Favorit der Leipziger Stadtväter. Doch dann erhöhte sein Dienstherr, Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt, ihm die Bezüge, und verweigerte ihm zugleich den Abschied. Solchen Argumenten pflegten sich Musiker üblicherweise zu beugen. Und so erhielt der Kollege aus Köthen das Amt.
Kirchenmusik hat Graupner dennoch in großen Mengen komponiert; Aufnahmen seiner Kantaten wurden in diesem Blog bereits an anderer Stelle vorgestellt. Das Finnische Barockorchester hat bei Ondine bereits Orchestersuiten eingespielt. Nun haben sich einige Solisten dieses Ensembles auch der Triosonaten des Komponisten angenommen. Aus der großen Anzahl seiner Werke haben sie dazu einige ausgewählt. Dabei scheinen sie auf die wenigen bereits edierten Sonaten zurückgegriffen zu haben.
Auffällig ist die farbenreiche Besetzung – neben Traversflöte und Violine setzt Graupner auch Viola d'amore, Fagott sowie das Chalumeau, einen Vorgänger der Klarinette, ein. Im Continuo, notiert für das Cembalo als unbezifferte Basslinie, verwenden die Musiker zusätzlich Barock-Violoncello, Viola da gamba, Barocklaute sowie einmal auch die Orgel. Das macht die CD klanglich attraktiv. Graupner scheint allerdings auch bei seinen Triosonaten mehr auf Ausdruck und Melodik als auch vordergrün- dige Virtuosität bedacht gewesen zu sein. Er überrascht eher durch unerwartete Harmonik als durch kühne Figurationen. Das ist wirklich spannend; man darf neugierig bleiben, welche Schätze sich in Graupners unglaublich umfangreichem Nachlass in Zukunft noch anfinden werden.
Mittwoch, 30. Juli 2014
Grauper: Frohlocke gantzes Rund der Erden (cpo)
Eine weitere CD mit Kantaten von Christoph Graupner (1683 bis 1760), ebenfalls mit dem Bassbari- ton Klaus Mertens und der Acca- demia Daniel unter Shalev Ad-El, ist bei cpo erschienen. Diese Werke sind geschrieben, um die Andacht zu befördern. Der Darmstädter Hofkapellmeister vermied daher überfrachtete Texte ebenso wie oberflächliche Virtuosität in der Musik: Keine barocken Schnörkel, keine zeilenlangen Koloraturen, keine ungewöhnlichen Figuratio- nen. Die Affekte spiegeln sich am ehesten in der Harmonik. Das lässt die Kantaten Graupners verblüffend modern erscheinen. Doch die kunstvolle Schlichtheit stellt hohe Anforderungen an die Interpreten. Und das Programm dieser CD ist lang und anspruchsvoll. Selbst ein erfahrener Sänger wie Mertens kann Ermüdung da nicht völlig ver- meiden. Dennoch ist die CD grundsätzlich gelungen; es ist erfreulich, dass immer mehr Werke Graupners zumindest in Einspielungen verfügbar sind. Wenn sich dann noch ein Verlag fände, der die Noten ediert, dann würde dies der Graupner-Renaissance sicherlich einen enormen Schub geben.
Freitag, 25. Juli 2014
Graupner: Bass-Kantaten (Pan Classics)
Immer mehr Werke von Christoph Graupner (1683 bis 1760) werden aus dem Archivschlaf erweckt. Das ist erfreulich, denn der Kapell- meister, der am Hofe des Landgra- fen von Hessen-Darmstadt gut fünfzig Jahre lang wirkte, gehört zu den Größen seiner Zunft. Nicht umsonst wollten ihn die Leipziger einst zum Thomaskantor machen. Und nicht umsonst ließ ihn sein Dienstherr damals nicht gehen. Diese CD zeigt einmal mehr, was Landgraf Ernst Ludwig an Graupner hatte. Mehr als 1400 Kantaten weist das Werkverzeichnis des Musikers aus, dazu über 300 Instru- mentalwerke. Eine winzige Auswahl daraus stellt die CD vor – eine Suite und drei Kantaten, die Graupner einst für seinen Vizekapell- meister Gottfried Grünewald geschrieben haben dürfte, der auch ein versierter Bassist war.
Dass diese Werke in Vergessenheit geraten sind, das liegt nicht zuletzt auch daran, dass keines davon durch den Komponisten veröffentlicht worden ist. Sie waren für die Aufführung „in alß außer der Kirchen“ bei Hofe bestimmt, und nach Graupners Tod ließ sie der Landgraf ins Archiv legen. Der Tatsache, dass er sich gegen die Erben durchgesetzt hat, die die Werke des Komponisten ebenfalls als ihr Eigentum an- sahen, verdanken wir letztendlich ihre Überlieferung. Leider ist nicht damit zu rechnen, dass dieses umfangreiche Konvolut irgendwann in einer Edition vorliegen wird – denn Graupners Kantaten sind trotz ihrer „modernen“ Texte und ihrer vermeintlichen Schlichtheit nichts, was sich einfach so dahinsingen lässt. Diese Werke dürften daher einem kleinen Häuflein Spezialisten vorbehalten bleiben, und wer sie aufführen will, der muss zuvor nach Darmstadt in die hessische Landes- und Hochschulbibliothek pilgern, und nach den Manuskrip- ten mühevoll die Noten für Musiker und Sänger erstellen.
Diese Mühe hat auch Bassbariton Klaus Mertens auf sich genommen, der eigens nach Darmstadt gefahren ist, um Kantaten für diese Aufnahme auszuwählen. Bei der Transkription der Handschriften haben dann allerdings Uta Wald und Martin Krämer den Sänger unterstützt. Die Arbeit hat sich gelohnt, denn Graupners Musik ist wundervoll, und Mertens ist gemeinsam mit der Accademia Daniel eine geradezu exemplarische Einspielung gelungen. Die 2001 erstmals veröffentlichten Aufnahmen wurden nun durch das Label Pan Classics wieder zugänglich gemacht.
Dass diese Werke in Vergessenheit geraten sind, das liegt nicht zuletzt auch daran, dass keines davon durch den Komponisten veröffentlicht worden ist. Sie waren für die Aufführung „in alß außer der Kirchen“ bei Hofe bestimmt, und nach Graupners Tod ließ sie der Landgraf ins Archiv legen. Der Tatsache, dass er sich gegen die Erben durchgesetzt hat, die die Werke des Komponisten ebenfalls als ihr Eigentum an- sahen, verdanken wir letztendlich ihre Überlieferung. Leider ist nicht damit zu rechnen, dass dieses umfangreiche Konvolut irgendwann in einer Edition vorliegen wird – denn Graupners Kantaten sind trotz ihrer „modernen“ Texte und ihrer vermeintlichen Schlichtheit nichts, was sich einfach so dahinsingen lässt. Diese Werke dürften daher einem kleinen Häuflein Spezialisten vorbehalten bleiben, und wer sie aufführen will, der muss zuvor nach Darmstadt in die hessische Landes- und Hochschulbibliothek pilgern, und nach den Manuskrip- ten mühevoll die Noten für Musiker und Sänger erstellen.
Diese Mühe hat auch Bassbariton Klaus Mertens auf sich genommen, der eigens nach Darmstadt gefahren ist, um Kantaten für diese Aufnahme auszuwählen. Bei der Transkription der Handschriften haben dann allerdings Uta Wald und Martin Krämer den Sänger unterstützt. Die Arbeit hat sich gelohnt, denn Graupners Musik ist wundervoll, und Mertens ist gemeinsam mit der Accademia Daniel eine geradezu exemplarische Einspielung gelungen. Die 2001 erstmals veröffentlichten Aufnahmen wurden nun durch das Label Pan Classics wieder zugänglich gemacht.
Dienstag, 8. April 2014
Himmlische Stunden, selige Zeiten
Mehr als 1.400 Kantaten hat Chri- stoph Graupner (1683 bis 1760) komponiert. Auf CD ist davon bislang kaum etwas zu finden. Das mag auch daran liegen, dass die Werke bislang editorisch kaum erschlossen sind. Zugänglich sind die Notenmanuskripte; die Univer- sitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, die Graupners Nachlass heute beherbergt, hat sie in digita- ler Form verfügbar gemacht. Wer also diese Musik aufführen möchte, der muss versiert genug sein, direkt aus den alten Handschriften sin- gen und spielen zu können. Oder aber er muss sich die Mühe machen, Graupners Werke in die moderne Notation zu bringen. Da dies mit einigem Aufwand verbunden ist, dürfte die Graupner-Renaissance auch in Zukunft eher allmählich vor sich gehen.
Das liegt zudem nicht zuletzt mit daran, dass die Kantaten des einstigen Darmstädter Hofkapellmeisters nur scheinbar „einfach“ sind. Die Sopranistin Miriam Feuersinger hat nun bei Christophorus gemeinsam mit dem Capricornus Consort Basel eine Auswahl davon eingespielt. Dabei präsentiert sie eine wundervolle klare, aller Erden- schwere entrückte Stimme, die zu diesen Werken sehr gut passt. Diese Debüt-CD ist rundum gelungen – aber sie macht deutlich, wie an- spruchsvoll und wohldurchdacht die „Schlichtheit“ ist, die Graupner seinerzeit inszenierte. Dem Urteil eines Biographen aus dem Jahre 1781, der Kapellmeister habe „Kunst mit Natur, Pracht mit Einfalt, Reitz mit Schönheit“ kombiniert, ist kaum etwas hinzuzufügen.
Das liegt zudem nicht zuletzt mit daran, dass die Kantaten des einstigen Darmstädter Hofkapellmeisters nur scheinbar „einfach“ sind. Die Sopranistin Miriam Feuersinger hat nun bei Christophorus gemeinsam mit dem Capricornus Consort Basel eine Auswahl davon eingespielt. Dabei präsentiert sie eine wundervolle klare, aller Erden- schwere entrückte Stimme, die zu diesen Werken sehr gut passt. Diese Debüt-CD ist rundum gelungen – aber sie macht deutlich, wie an- spruchsvoll und wohldurchdacht die „Schlichtheit“ ist, die Graupner seinerzeit inszenierte. Dem Urteil eines Biographen aus dem Jahre 1781, der Kapellmeister habe „Kunst mit Natur, Pracht mit Einfalt, Reitz mit Schönheit“ kombiniert, ist kaum etwas hinzuzufügen.
Mittwoch, 15. Mai 2013
The Virtuoso Recorder (cpo)
"Was haben die Komponisten des deutschen Spätbarock Johann Friedrich Fasch, Christoph Graup- ner, Johann Christian Schickhardt, Johann Christian Schultze und Johann Adolf Scheibe gemein- sam?", fragt Michael Schneider im Beiheft zu dieser CD - und gibt auch gleich selbst die Antwort: "Sie haben allesamt mindestens ein Concerto für Altblockflöte hinter- lassen!"
Das ist keineswegs selbstverständ- lich, denn zu ihren Lebzeiten war die Blockflöte bereits gründlich aus der Mode, verdrängt von der Traversflöte, so dass sie über 200 Jahre lang gänzlich aus dem Konzertleben verschwand. Doch warum und für wen diese Werke damals komponiert wurden, das lässt sich nur in Ausnahmefällen heute noch herausfinden.
Ein solcher Ausnahmefall ist das Concerto von Johann Friedrich Fasch, das erst kürzlich wiederentdeckt worden ist und hier in Welt- ersteinspielung erklingt. Es stammt aus der Sammlung des Grafen Aloys Thomas Raimund Harrach, die sich heute zum Teil in der Public Library New York befindet. Harrach war nicht nur Gesandter des Kaisers Karl VI. in Dresden und zeitweise auch Vizekönig von Neapel, er scheint auch eine Vorliebe für die "altmodische" Blockflöte gepflegt zu haben. Denn er ließ beispielsweise in Neapel Werke für dieses Instrument von den größten Komponisten schreiben, die die Region seinerzeit zu bieten hatte, wie Johann Adolf Hasse, Leonardo Leo oder Nicola Fiorenza. Es wird vermutet, dass er Fasch persönlich begegnet ist, und das Konzert bei dem Komponisten in Auftrag gegeben hat.
Sollte er dieses Werk selbst gespielt haben, dann muss er das Instrument brillant beherrscht haben. Denn das Fasch-Konzert ist eine Herausforderung selbst für Blockflötenvirtuosen. Michael Schneider zeigt, dass die Altblockflöte ein ernstzunehmendes Kon- zertinstrument ist, mit enormen und erstaunlichen Ausdrucksmög- lichkeiten. Er gehört ohne Zweifel zu den derzeit weltweit führenden Blockflötisten. Den Solopart der barocken Konzerte, zu denen auch noch eines von Mattheus Nikolaus Stulick gehört, meistert er locker, beweglich und lebendig. Er lässt die Flöte singen, wo sie singen soll - und jagt durch die virtuosen Passagen, dass dem Zuhörer schier die Luft wegbleibt.
Begleitet wird der Virtuose von seinem Ensemble Cappella Academi- ca Frankfurt. Die Musiker überzeugen mit ihrem sensiblen, inspirier- ten kammermusikalischen Spiel und einem transparenten Klangbild - ein perfekter Rahmen, der die Blockflöte umso besser in Szene setzt. Bravi!
Das ist keineswegs selbstverständ- lich, denn zu ihren Lebzeiten war die Blockflöte bereits gründlich aus der Mode, verdrängt von der Traversflöte, so dass sie über 200 Jahre lang gänzlich aus dem Konzertleben verschwand. Doch warum und für wen diese Werke damals komponiert wurden, das lässt sich nur in Ausnahmefällen heute noch herausfinden.
Ein solcher Ausnahmefall ist das Concerto von Johann Friedrich Fasch, das erst kürzlich wiederentdeckt worden ist und hier in Welt- ersteinspielung erklingt. Es stammt aus der Sammlung des Grafen Aloys Thomas Raimund Harrach, die sich heute zum Teil in der Public Library New York befindet. Harrach war nicht nur Gesandter des Kaisers Karl VI. in Dresden und zeitweise auch Vizekönig von Neapel, er scheint auch eine Vorliebe für die "altmodische" Blockflöte gepflegt zu haben. Denn er ließ beispielsweise in Neapel Werke für dieses Instrument von den größten Komponisten schreiben, die die Region seinerzeit zu bieten hatte, wie Johann Adolf Hasse, Leonardo Leo oder Nicola Fiorenza. Es wird vermutet, dass er Fasch persönlich begegnet ist, und das Konzert bei dem Komponisten in Auftrag gegeben hat.
Sollte er dieses Werk selbst gespielt haben, dann muss er das Instrument brillant beherrscht haben. Denn das Fasch-Konzert ist eine Herausforderung selbst für Blockflötenvirtuosen. Michael Schneider zeigt, dass die Altblockflöte ein ernstzunehmendes Kon- zertinstrument ist, mit enormen und erstaunlichen Ausdrucksmög- lichkeiten. Er gehört ohne Zweifel zu den derzeit weltweit führenden Blockflötisten. Den Solopart der barocken Konzerte, zu denen auch noch eines von Mattheus Nikolaus Stulick gehört, meistert er locker, beweglich und lebendig. Er lässt die Flöte singen, wo sie singen soll - und jagt durch die virtuosen Passagen, dass dem Zuhörer schier die Luft wegbleibt.
Begleitet wird der Virtuose von seinem Ensemble Cappella Academi- ca Frankfurt. Die Musiker überzeugen mit ihrem sensiblen, inspirier- ten kammermusikalischen Spiel und einem transparenten Klangbild - ein perfekter Rahmen, der die Blockflöte umso besser in Szene setzt. Bravi!
Montag, 25. Februar 2013
Handel in Darmstadt (Analekta)
Geneviève Soly hat sich ausgiebig mit den Werken Christoph Graup- ners beschäftigt. Eine der wichti- gen Quellen, das Darmstädter Clavierbuch, enthielt aber auch Werke anderer Komponisten: Eine Suite seines Lehrers Johann Kuhnau, einige Stücke seines Kollegen Georg Philipp Telemann und zudem etliche Werke seines Freundes Georg Friedrich Händel.
Die Cembalistin war insbesondere von letzteren so fasziniert, dass sie nun nach Graupners Musik auch 20 der 29 Werke Händels eingespielt hat, die sich in diesem Manu- skript befinden. Und sie hat sich mit dem Clavierbuch auch grund- sätzlich auseinandergesetzt, das zwar Johann Samuel Endler kopiert hat, aber das ursprünglich wohl eine ganz andere Funktion hatte, so Soly: "Cette étude m'a par ailleurs permis d'émettre une hypothèse sur la source utilisée par Samuel Endler: le Livre de clavecin de Darmstadt pourrait bien etre la copie d'un cahier personnel qui appartenait à Graupner depuis ses années d'apprentissage à Leipzig, et qu'il aurait continué à enrichir pendant ses années hambourgeoi- ses et meme ensuite."
Die Werke auf der CD geben zudem einen kleinen Einblick in die barocke Komponistenwerkstatt - denn man stellt fest, dass so manche Passage bekannt klingt, und ein Stück von Graupner belegt, dass Händel wohl gelegentlich auch Themen seiner Freunde parodiert hat. Soly musiziert auf einem Mietke-Cembalo, gebaut 2007 von Matthias Griewich in Bammental. Das Instrument klingt außerordentlich gut, und die Solistin bestätigt einmal mehr ihren Ruf als herausragende Interpretin. Das macht diese CD zu einem Hörvergnügen; und ich empfehle sie daher sehr gern.
Die Cembalistin war insbesondere von letzteren so fasziniert, dass sie nun nach Graupners Musik auch 20 der 29 Werke Händels eingespielt hat, die sich in diesem Manu- skript befinden. Und sie hat sich mit dem Clavierbuch auch grund- sätzlich auseinandergesetzt, das zwar Johann Samuel Endler kopiert hat, aber das ursprünglich wohl eine ganz andere Funktion hatte, so Soly: "Cette étude m'a par ailleurs permis d'émettre une hypothèse sur la source utilisée par Samuel Endler: le Livre de clavecin de Darmstadt pourrait bien etre la copie d'un cahier personnel qui appartenait à Graupner depuis ses années d'apprentissage à Leipzig, et qu'il aurait continué à enrichir pendant ses années hambourgeoi- ses et meme ensuite."
Die Werke auf der CD geben zudem einen kleinen Einblick in die barocke Komponistenwerkstatt - denn man stellt fest, dass so manche Passage bekannt klingt, und ein Stück von Graupner belegt, dass Händel wohl gelegentlich auch Themen seiner Freunde parodiert hat. Soly musiziert auf einem Mietke-Cembalo, gebaut 2007 von Matthias Griewich in Bammental. Das Instrument klingt außerordentlich gut, und die Solistin bestätigt einmal mehr ihren Ruf als herausragende Interpretin. Das macht diese CD zu einem Hörvergnügen; und ich empfehle sie daher sehr gern.
Sonntag, 4. Dezember 2011
Adventskonzert im barocken Dom zu Fulda (Querstand)
Einen Mitschnitt vom Advents- konzert im Hohen Dom zu Fulda aus dem Dezember 2010 steckt das Altenburger Label Querstand allen Freunden der Barockmusik in den Nikolausstiefel. Domkapellmeister Franz-Peter Huber verfügt über gleich zwei leistungsfähige Chöre - den Domchor Fulda mit mehr als 200 Jahren Tradition und den Ju- gendkathedralchor, in dem junge Sänger mitwirken, die bereits durch die Musikalische Früh- erziehung sowie die Singklasse und die Vorklasse für Kinder des ersten und zweiten Schuljahres darauf vorbereitet wurden. Sie beginnen dann in Klasse 3 im C-Chor, üben danach weiter im B-Chor für Kinder ab der 4. Klasse, und werden anschließend in den "großen" A-Chor aufgenommen, in dem Kinder und Jugendliche zwischen 13 und 20 Jahren singen. Insgesamt lernen in diesen Nachwuchsensembles derzeit ca. 450 Schülerinnen und Schüler. Wer die Chöre hier gemeinsam mit dem Barockorchester L'arpa festante gehört hat, der wird zufrieden feststellen: Sie singen gut, auch wenn für das ganz große Konzertprogramm die Kraft dann doch noch nicht ausreicht. Als Solisten wirken mit Sabine Goetz, Sopran, Andreas Pehl, Altus, Hans Jörg Mammel, Tenor und Matthias Horn, Bariton.
Für das Adventskonzert hat Huber das Magnificat in C des Darm- städter Hofkapellmeisters Christoph Graupner (1683 bis 1760) ausgewählt sowie Machet die Tore weit, eine wundervolle Kantate von Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767), die dieser 1719 für den Eisenacher Hof geschrieben hat. Beide Werke bewältigen die Fuldaer Ensembles ganz hervorragend - lebendig, ausdrucksstark, wirklich sehr hörenswert. Im Anschluss erklingt der erste Teil von Händels Oratorium Messiah. Das ist ehrgeizig, doch dabei gerät Hubers Sängerschar gleich mehrfach hörbar an ihre Grenzen. Insofern kann die zweite der beiden CD nicht wirklich mit gutem Gewissen empfoh- len werden; die erste aber ist wirklich hörenswert.
Für das Adventskonzert hat Huber das Magnificat in C des Darm- städter Hofkapellmeisters Christoph Graupner (1683 bis 1760) ausgewählt sowie Machet die Tore weit, eine wundervolle Kantate von Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767), die dieser 1719 für den Eisenacher Hof geschrieben hat. Beide Werke bewältigen die Fuldaer Ensembles ganz hervorragend - lebendig, ausdrucksstark, wirklich sehr hörenswert. Im Anschluss erklingt der erste Teil von Händels Oratorium Messiah. Das ist ehrgeizig, doch dabei gerät Hubers Sängerschar gleich mehrfach hörbar an ihre Grenzen. Insofern kann die zweite der beiden CD nicht wirklich mit gutem Gewissen empfoh- len werden; die erste aber ist wirklich hörenswert.
Freitag, 24. Juni 2011
Graun: Concerti (cpo)
Die Cappella Academica Frankfurt ist ein Ensemble, das aus der Hoch- schule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt/Main, insbeson- dere aus dem Institut für Histori- sche Interpretationspraxis, hervorgegangen ist. Dort lehren Musiker, die durchweg lange Jahre in führenden europäischen Barock- orchestern gewirkt haben. Sie bringen ihre Erfahrungen in das Zusammenspiel mit ihren fortge- schrittenen Studenten ein, die in der Cappella Academica Frankfurt gemeinsam mit ihren Professoren und mit Alumni der Hochschule musizieren.
Für diese CD haben die Musikerinnen und Musiker um Konzertmeiste- rin und Solo-Bratschistin Petra Müllejans, Swantje Hoffmann, Solo-Violine, Michael Schneider, Blockflöte, Karl Kaiser, Traversflöte und Christian Beuse, Fagott, ein Programm mit Werken der Brüder Graun zusammengestellt. Natürlich haben sie versucht, die Urheberfrage zu klären. Doch das ist nicht so einfach, erläutert Michael Schneider in dem sehr informativen Beiheft. Denn erstens werden ihnen oftmals Werke zugeschrieben, die von ganz anderen Komponisten stammen. Und, zweitens, bleibt selbst bei Prüfung der Quellen oft unklar, ob ein Werk nun von Johann Gottlieb Graun oder von Carl Heinrich Graun stammt. Denn dort steht Del Signor Graun oder di Graun – und nicht einmal mit den Mitteln der Stilanalyse lässt sich genaueres heraus- finden.
Allerdings passt das Fagottkonzert auf dieser CD stilistisch überhaupt nicht zu den anderen Werken. Und in der Tat – die Handschrift ver- weist eher auf Christoph Graupner, und auch die Musik klingt nach dem Darmstädter Hofkapellmeister, der eine ganze Reihe von Fagott- konzerten geschaffen hat. Das Beiheft teilt mit, man habe dieses Kon- zert dennoch mit aufgenommen, weil es „die instrumentale Farbigkeit und das stilistische Spektrum unseres Programms noch in den Barock hinein erweitert“. Die Werke der Gebrüder Graun hingegen sind wohl eher der Empfindsamkeit zuzuordnen, und insbesondere die beiden Flötenkonzerte sind in der Tat von geradezu Telemann- scher Pfiffigkeit. All das macht diese CD zu einem Hörvergnügen. Wer neugierig ist auf die eine oder andere Entdeckung, der sollte sie durchaus anhören.
Für diese CD haben die Musikerinnen und Musiker um Konzertmeiste- rin und Solo-Bratschistin Petra Müllejans, Swantje Hoffmann, Solo-Violine, Michael Schneider, Blockflöte, Karl Kaiser, Traversflöte und Christian Beuse, Fagott, ein Programm mit Werken der Brüder Graun zusammengestellt. Natürlich haben sie versucht, die Urheberfrage zu klären. Doch das ist nicht so einfach, erläutert Michael Schneider in dem sehr informativen Beiheft. Denn erstens werden ihnen oftmals Werke zugeschrieben, die von ganz anderen Komponisten stammen. Und, zweitens, bleibt selbst bei Prüfung der Quellen oft unklar, ob ein Werk nun von Johann Gottlieb Graun oder von Carl Heinrich Graun stammt. Denn dort steht Del Signor Graun oder di Graun – und nicht einmal mit den Mitteln der Stilanalyse lässt sich genaueres heraus- finden.
Allerdings passt das Fagottkonzert auf dieser CD stilistisch überhaupt nicht zu den anderen Werken. Und in der Tat – die Handschrift ver- weist eher auf Christoph Graupner, und auch die Musik klingt nach dem Darmstädter Hofkapellmeister, der eine ganze Reihe von Fagott- konzerten geschaffen hat. Das Beiheft teilt mit, man habe dieses Kon- zert dennoch mit aufgenommen, weil es „die instrumentale Farbigkeit und das stilistische Spektrum unseres Programms noch in den Barock hinein erweitert“. Die Werke der Gebrüder Graun hingegen sind wohl eher der Empfindsamkeit zuzuordnen, und insbesondere die beiden Flötenkonzerte sind in der Tat von geradezu Telemann- scher Pfiffigkeit. All das macht diese CD zu einem Hörvergnügen. Wer neugierig ist auf die eine oder andere Entdeckung, der sollte sie durchaus anhören.
Samstag, 26. März 2011
De Profundis (Passacaille)
Marcel Ponseele gehört zu den führenden Barock-Oboisten. Mit seinem Bruder Francis baut er zudem Oboen nach Vorbildern aus dem 18. Jahrhundert. Nach gut 30 Jahren Tätigkeit als Berufsmusiker wagt er sich nun zum ersten Male selbst an eine Bach-Interpretation; dieses Projekt umfasst fünf CD mit unterschiedlichen inhaltlichen Akzenten.
Auf dieser CD stellt er gemeinsam mit den Musikern, mit denen er bereits seit 1988 im Ensemble Il Gardellino musiziert, Kantaten von Bach und Graupner vor. "In ,De profundis' geht es um die Bitte um Befreiung", erläutert Ponseele sein Konzept. Und natürlich spielt die Oboe eine gewichtige Rolle: "Die Oboe ist vor allem ein Instrument, das singen muss; der leicht melancholische Klang rührt die Seele an, begeistert und reißt mit."
Musiziert wird in schlanker Besetzung. Zu den zehn hervorragenden Instrumentalisten kommen vier Solisten sowie ein "Chor", der aus sieben Ripienisten besteht. Die Aufnahme ist durchweg exzellent; diese CD ist wirklich ein Erlebnis - und die Kantate von Christoph Graupner erweist sich als echte Bereicherung des Repertoires; es wäre wünschenswert, dass seine Werke nun endlich systematisch erschlossen und ediert werden.
Auf dieser CD stellt er gemeinsam mit den Musikern, mit denen er bereits seit 1988 im Ensemble Il Gardellino musiziert, Kantaten von Bach und Graupner vor. "In ,De profundis' geht es um die Bitte um Befreiung", erläutert Ponseele sein Konzept. Und natürlich spielt die Oboe eine gewichtige Rolle: "Die Oboe ist vor allem ein Instrument, das singen muss; der leicht melancholische Klang rührt die Seele an, begeistert und reißt mit."
Musiziert wird in schlanker Besetzung. Zu den zehn hervorragenden Instrumentalisten kommen vier Solisten sowie ein "Chor", der aus sieben Ripienisten besteht. Die Aufnahme ist durchweg exzellent; diese CD ist wirklich ein Erlebnis - und die Kantate von Christoph Graupner erweist sich als echte Bereicherung des Repertoires; es wäre wünschenswert, dass seine Werke nun endlich systematisch erschlossen und ediert werden.
Sonntag, 23. Januar 2011
Graupner: Fagott- und Violinkonzerte (Carus)
Mehr als 40 Konzerte hat der Darmstädter Hofkapellmeister Christoph Graupner (1683 bis 1760) komponiert - die meisten davon für Bläser. So enthält diese CD allein vier Konzerte für Fagott, eines davon, das Konzert in C-Dur GWV 301 in Weltersteinspielung. Doch auch Graupners einziges Solokonzert für Violine in A-Dur GMV 337 findet sich in Welterst- einspielung, ebenso wie das Konzert für Chalumeau, Fagott und Violoncello C-Dur GWV 306.
Graupners Konzerte überraschen durch viele unkonventionelle Wendungen und eine gewisse Kantigkeit des musikalischen Materials, das eher nach Haydn klingt als nach Corelli. Sie sind virtuos, aber es sind keine Barockkonzerte mehr.
Friedemann Wezel, Professor für Violine an der Leipziger Musikhoch- schule, hat die Konzerte gemeinsam mit dem außerordentlich versier- ten Fagottisten Sergio Azzolini und Christian Leitherer, einem Spezia- listen für historisches Klarinettenspiel, sowie dem Ensemble Il Capriccio eingespielt. Zu hören sind historische Instrumente oder Kopien von Instrumenten aus jener Zeit, so ein Bass-Chalumeau, eine Rarität aus der Familie der Klarinetten, das aber runder und dunkler klingt als eine Klarinette, und ein Fagott nach einem Original aus dem Jahre 1720, mit dem typischen weichen Klang des Barockfagottes.
Diese CD ist die Einladung zu einer faszinierenden musikalischen Zeitreise - inklusive der Entdeckung weiterer Werke eines Kompo- nisten, der seine Schaffenszeit nahezu ausschließlich in Darmstadt verbracht hat, und deshalb noch gründlicher dem Vergessen anheim gefallen ist als beispielsweise seine Zeitgenossen Bach, Kuhnau oder Heinichen. Es ist schön, dass anlässlich seines 250. Todestages im vergangenen Jahr etliche Graupner-Einspielungen erschienen sind - diese hier gehört ohne Zweifel zu den besten davon.
Graupners Konzerte überraschen durch viele unkonventionelle Wendungen und eine gewisse Kantigkeit des musikalischen Materials, das eher nach Haydn klingt als nach Corelli. Sie sind virtuos, aber es sind keine Barockkonzerte mehr.
Friedemann Wezel, Professor für Violine an der Leipziger Musikhoch- schule, hat die Konzerte gemeinsam mit dem außerordentlich versier- ten Fagottisten Sergio Azzolini und Christian Leitherer, einem Spezia- listen für historisches Klarinettenspiel, sowie dem Ensemble Il Capriccio eingespielt. Zu hören sind historische Instrumente oder Kopien von Instrumenten aus jener Zeit, so ein Bass-Chalumeau, eine Rarität aus der Familie der Klarinetten, das aber runder und dunkler klingt als eine Klarinette, und ein Fagott nach einem Original aus dem Jahre 1720, mit dem typischen weichen Klang des Barockfagottes.
Diese CD ist die Einladung zu einer faszinierenden musikalischen Zeitreise - inklusive der Entdeckung weiterer Werke eines Kompo- nisten, der seine Schaffenszeit nahezu ausschließlich in Darmstadt verbracht hat, und deshalb noch gründlicher dem Vergessen anheim gefallen ist als beispielsweise seine Zeitgenossen Bach, Kuhnau oder Heinichen. Es ist schön, dass anlässlich seines 250. Todestages im vergangenen Jahr etliche Graupner-Einspielungen erschienen sind - diese hier gehört ohne Zweifel zu den besten davon.
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