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Freitag, 10. Juli 2020

Tchaikovsky: Solo Piano Works (Signum Classics)

Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840 bis 1893) soll ein exzellenter Pianist gewesen sein. Auch wenn der Komponist heute vor allem aufgrund seiner Ballette sowie durch die großen Konzerte populär ist, lohnt sich doch auch die Beschäftigung mit den kleineren Klavierwerken Tschaikowskis. Eine Auswahl davon hat Peter Donohoe nun für Signum Classics auf zwei CD eingespielt. „It is inexplicable to me that Tchaikovsky’s solo piano music should remain so infrequently performed, containing as it does all of the composer’s characteristic harmony“, begeistert sich der britische Pianist, „his wonderful melodic gift, his capacity for majestic gesture, magically beautiful moments, immense sadness, and passages of extreme excitement. His piano writing is often orchestral in texture, but also demonstrates the direct but very diverse pianistic influences of Liszt and Schumann, and incorporates in an almost naive way folk-style dance rhythms and melodies from Russia.“ Auf der CD sind all diese Facetten seines Schaffens zu erleben. Donohoe musiziert mit Liebe zum Detail und mit Sinn für Strukturen. So macht er deutlich, wie sehr Tschaikowski Schumanns Musik verbunden war. Er zeigt aber auch, wie persönlich und unverwechselbar die Kompositionen Tschaikowskis sind. Ein interessantes Programm, mit großem Engagement vorgetragen. 

Dienstag, 26. Juni 2018

Light Divine (Signum Classics)

Dies ist die zweite und vermutlich auch letzte CD, auf der der norwegische Knabensopran Aksel Rykkvin zu hören ist. Schon seine Debüt-Aufnahme, mit Arien von Bach, Händel und Mozart, sorgte für Aufsehen. Nun interpretiert der junge Sänger, der Mitglied des Knabenchores der Kathedrale von Oslo ist, erneut einige Arien Händels; das Programm wird ergänzt durch Werke von Tomaso Albinoni, Philipp Jakob Ritter und Jean-Philippe Rameau. 
Begleitet wird er dabei von dem norwegischen MIN Ensemble unter Leitung von Mark Bennett, der zudem die Besetzung des Kammermusikensembles kraftvoll durch Pauken und Barocktrompeten erweitert. Rykkvin singt sehr schön und auch klug; allerdings ist er jetzt im Stimmbruch und wird seine Karriere in Zukunft wohl als Bariton fortsetzen. 

Montag, 26. Februar 2018

A Purcell Collection (Signum Classics)

Henry Purcell (1659 bis 1695) widmet das britische Solistenensemble Voces 8 seine jüngste CD. Die Vokalisten haben dafür eine Werksauswahl zusammengestellt, die von Praise the Lord, o Jerusalem bis zu Strike the Viol und vom legendären Cold Song aus King Arthur bis zu Hail! Bright Cecilia mit so mancher bekannten Melodie erfreut. 
Unterstützt werden die Sängerinnen und Sänger dabei durch die Instru- mentalisten von Les Inventions; die „Alte“-Musik-Spezialisten um den Geiger Shunske Sato und den Organisten und Cembalisten Patrick Ayrton prägen die CD mit ihrem farbenreichen, akzentuierten Spiel ganz entscheidend. Die Sänger bieten in erster Linie Schöngesang. Das passt leider nicht zu allen Musikstücken des Orpheus Britannicus gleichermaßen. So wünscht man sich mitunter etwas mehr Ausdruck und rhythmische Prägnanz. 

Mittwoch, 26. April 2017

Aksel! Arias by Bach, Handel & Mozart (Signum Classics)

Die Jugend heutzutage singt nicht mehr? Das dies nicht grundsätzlich zutrifft, beweist das britische Label Signum Classics mit dieser CD, die einen exzellenten jungen Sänger vorstellt: Aksel Rykkvin, Jahrgang 2003, bewältigt scheinbar mühelos die schwierigsten Partien. Der Knabensopran singt in Kinderchor der norwegischen Nationaloper und im Knabenchor der Kathedrale von Oslo; er ist aber auch als Solist mittlerweile sehr gefragt. 
Das ist kein Wunder, denn er verfügt über eine schöne und sehr geübte Stimme, die zudem erstaunlich tragfähig ist. Nicht jede Koloratur liegt Aksel Rykkvin gleichermaßen, dennoch beeindruckt die Geläufigkeit, mit der er hier Werke von Bach, Händel und Mozart vorträgt. Fast noch wichtiger aber ist sein phänomenales musikalisches Empfinden. Man höre nur die Arie Jauchzet Gott in allen Landen aus der Kantate BWV 51, mit der diese CD beginnt, das bekannte Lascia ch'io pianga aus Händels Oper Rinaldo oder die beiden Arien aus Mozarts Oper Le nozze di Figaro – das könnte auch ein Erwachsener kaum besser gestalten. Begleitet wird der junge Solist vom Orchestra of the Age of Enlightenment unter Nigel Short. 

Montag, 17. November 2014

Mozart: Complete Horn Concertos (Signum Classics)

Auch wenn Wolfgang Amadeus Mozart gelegentlich derbe Scherze mit ihm trieb – für seinen Freund, den Hornisten Joseph Leitgeb, schrieb der Komponist Konzerte, die sich noch heute großer Beliebtheit erfreuen. Man fragt sich allerdings, wie die Solisten diese Werke seiner- zeit auf dem ventillosen Waldhorn bewältigt haben, denn sie sind schon auf dem heute üblichen Instrument keineswegs einfach zu spielen. Auf dieser CD demonstriert Roger Montgomery, wie schön Mozarts Konzerte auf dem Naturhorn klingen können. Zusätzlich wurde auch das selten gespielte Fragment KV 494a aufgenommen; es handelt sich dabei wohl um die Einleitung zu einem Konzert, das leider nie vollendet wurde. Montgomery musiziert gemeinsam mit dem renommierten Orchestra of the Age of Enlightenment. Er ist den hohen Anforderungen seiner Partie rundum gewachsen und begeistert durch einen wundervollen runden, warmen Hornton. Schön! 

Montag, 28. November 2011

Joy to the World - The King's Singers (Signum)

Wer The King's Singers liebt, der kann sich über ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk freuen: David Hurley und Timothy Wayne-Wright, Countertenor, Paul Phoenix, Tenor, Philip Lawson und Christopher Gabbitas, Bariton sowie Jonathan Howard, Bass legen ihren Fans den Mitschnitt ihres Konzertes am 19. Dezember 2010 in der Londoner Cadogan Hall unter den Christbaum. Es ist ein typisches King's Singers Album, sowohl in seinem musikalischen Anspruch als auch in der überaus perfekten Ausführung. Die Sänger haben für dieses Programm Weihnachtsklassiker in überwiegend modernen Arrangements zusammengestellt. Und natürlich reichern sie ihre Interpretation wie üblich mit einer großen Portion britischem Humor an; so wird selbst The little drummer boy erträglich. Grandios! 

Donnerstag, 26. Mai 2011

Concerti Curiosi (Signum Classics)

Allmählich werden sie wieder- entdeckt - jene barocken Solo- konzerte, die nicht (mehr) unseren Vorstellungen entsprechen, wie ein Solokonzert auszusehen hat. Mitunter liegt es am Solo-Instru- ment: Ein Fagott als Solist im Konzert des städtischen Sinfonie- orchesters? Da fliegen die Brauen in die Höhe. Schon eine Viola wäre ein Ereignis. Über eine Harfe, Violine, ein Violoncello oder ein Klavier hingegen wundert sich kein Mensch.
Vieles ist also Konvention, und es ist nicht zuletzt Ensembles wie Charivari Agréable unter Kah-Ming Ng zu verdanken, wenn wir darauf aufmerksam werden - und entdecken, dass da noch immer wunder- schöne Musik auf ihre Wiederaufführung wartet. Die Werke auf dieser CD sind geistreich, handwerklich perfekt gemacht, und so originell, dass man einige gleich noch einmal hören möchte, um sich verwun- dert die Augen zu reiben: Eine Sonate für Zink und Streicher, wie sie Pietro Baldassari (etwa 1683 bis nach 1768) komponiert hat, wäre vor hundert Jahren schon deshalb nicht aufführbar gewesen, weil kaum noch jemand in der Lage war, den Zink zu blasen. Dieses Instrument, das man sich wie eine Blockflöte mit Trompetenmundstück vorstellen muss, war bis Mitte des 17. Jahrhunderts sehr beliebt, weil es die menschliche Stimme besonders gut imitieren soll - und es ver- schwand mit dem Aufkommen der modernen Violine nahezu schlag- artig. 
Auch unter den wenigen überlieferten Werken von Johann Daniel Berlin (1714 bis 1787), einem dänisch-norwegischer Komponisten, findet sich eine Sinfonia à 5 für Zink. Die Violinen, damals noch neu und sozusagen in Erprobung, sind auf dieser CD ebenfalls mit zwei Werken präsent - beide stammen aus Großbritannien, und beide verwenden das Streichinstrument gleich im Rudel: Johann Christoph Pepusch (1667 bis 1752) schrieb ein Concerto für gleich vier Violinen (aber ohne Orchester); sein Kollege William Croft (1678 bis 1717) hingegen billigte den fünf Soloviolinen, die er für seine Sonata vorschreibt, immerhin noch die Unterstützung durch ein Continuo zu. 
Weniger experimentell, sondern eher solides Handwerk sind das Favoritkonzert für Orgel oder Cembalo von Pietro Domenico Paradisi (1707 bis 1791), das Concerto à 5 für Oboe von Anton Reichenauer (1694 bis 1730), das doch stark an Vivaldi erinnert, sowie das Con- certo Nr. 3 für Trompete von Johann Wilhelm Hertel (1727 bis 1789). Bei der Auswahl sowie der Anzahl der Soloinstrumente und bei der Gestaltung der diversen Parts scheinen sich die Musiker seinerzeit wohl eher an den Vorlieben des Publikums, der Besetzung der je- weiligen Kapelle und den Fähigkeiten der Beteiligten orientiert zu haben als an abstrakten Regelwerken oder hochfliegenden ästheti- schen Konzepten. Mancher Virtuose schrieb sich schlicht die Kon- zerte für sein Instrument selbst. So scheinen denn die Handschriften aus jener fernen Zeit in erster Linie Auskunft über die Musizierpraxis zu geben. 
Wer solche Werke aufführen will, der muss freilich erheblichen Auf- wand treiben, um aus Autographen ein brauchbares Aufführungs- material zu erstellen. In diesem Falle hat sich die Mühe gelohnt. Kah-Ming Ng und seine Musiker haben für ihre 20. CD ein interessantes Konzept gefunden. Die Solisten sind durchweg exzellent, und die ausgewählten Raritäten werden frisch und schwungvoll präsentiert. Hörenswert!