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Sonntag, 30. Juni 2019

Mozart: Horn Concertos 1 - 4 (Berlin Classics)

Und noch einmal Mozarts Hornkonzerte: Er könne sich noch gut an seine erste Begegnung mit diesen Werken erinnern, sagt Felix Klieser: „Als Neunjähriger bekam ich von meinem ersten Hornlehrer eine CD der vier Konzerte geschenkt. Es war eine Aufnahme des großen Hornisten Hermann Baumann mit dem St. Paul Chamber Orchestra unter der Leitung von Pinchas Zukerman. 
Keinen dieser Namen hatte ich je zuvor gehört und es war wohl auch das erste Mal, dass ich überhaupt erlebte, wie ein Horn mit Orchester klingt.“ Zutiefst beeindruckt, bat Klieser seinen Lehrer, eines dieser Stücke erlernen zu dürfen. 
Seitdem begleiten Mozarts Konzerte den jungen Hornisten durch sein Leben – und nun, 18 Jahre später, hat er diese Werke, die zum Kernrepertoire eines jeden Hornisten zählen, selbst auf CD eingespielt. 
Dabei verzichtete Klieser auf vordergründige Effekte; er interpretiert Mozarts Musik zwar mit Temperament, aber auch stets elegant und ausgewogen. Man spürt, dass er sich intensiv und sehr respektvoll mit diesen Kompositionen beschäftigt hat. Und die renommierte Camerata Salzburg, mit  Konzertmeister Gregory Ahss, ist dem Hornisten ein exquisiter Partner. 

Donnerstag, 6. Juni 2019

Mozart: The Horn Concertos (Genuin)

Frisch und dennoch innig erklingen auf dieser CD aus dem Hause Genuin die vier Hornkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart. Christoph Eß, der Solohornist der Bamberger Sinfoniker, musiziert gemeinsam mit dem bestens aufgelegten Folkwang Kammerorchester Essen unter Leitung seines Chefdirigenten Johannes Klumpp. 
Die Leistung des Hornisten erscheint umso beeindruckender, weil es sich durchweg um Live-Mitschnitte handelt. Mit zumeist kernig-metallischem Ton spielt Eß durchweg brillant und in allen Lagen stets makellos. 
Der Hornist hat sich mit den Noteneditionen kritisch auseinandergesetzt, und spielt in allen Konzerten – auch in KV 417 – Kadenzen seines Mentors und Freundes Michael Höltzel, dem auch die CD gewidmet ist. Bei dem Hornkonzert KV 412 ist nicht nur die übliche Süßmayr-Fassung des Rondos zu hören, sondern zusätzlich auch Mozart revidierte Version in einer Edition von Robert Levin. 
Und als Zugabe gibt es, mit einem Augenzwinkern, die Invitation to a Journey with Mozart and Four Horn Players, eine witzige Hommage des norwegischen Komponisten Trygve Madsen für German Hornsound. Das mittlerweile legendäre Ensemble, dessen Initiator Eß seinerzeit war, jongliert in diesem Werk lustvoll mit den Themen der Hornkonzerte Mozarts, die Madsen mit Humor, aber zugleich durchaus respektvoll verarbeitet hat. Dabei erhält jeder der vier Hornisten auch Gelegenheit, solistisch zu glänzen. 

Sonntag, 25. November 2018

Michael & Joseph Haydn: Horn Concertos (Avi-Music)

Hornkonzerte von Joseph und Michael Haydn erklingen auf dieser CD. Nicht bei allen dieser Stücke ist wirklich sicher, dass sie von den Brüdern stammen. Trotzdem lohnt sich aber eine solche Einspielung, denn die beiden Konzerte, deren Urheberschaft geklärt ist, sind wirklich exzellent. Das Concerto per il Corno da caccia D-Dur hat Joseph Haydn wohl für den Hornisten Joseph Leutgeb (1732 bis 1811) komponiert. Er trat 1763 in die Esterházy-Hofkapelle ein, musizierte dort aber nicht lange. Dass er einer der bedeutenden Hornvirtuosen seiner Zeit war, darüber wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet – denn auch Wolfgang Amadeus Mozart schrieb für Leutgeb Hornkonzerte. Mozart war mit dem Hornisten befreundet, und seine Werke sind nicht frei von Schabernack. 
Haydn, obzwar musikalischen Scherzen ebenfalls nicht abgeneigt, hat für Leutgeb in diesem Falle ganz ernsthaft anspruchsvolle Musik zu Papier gebracht. In diesem Hornkonzert kann der Solist glänzen, und seine Brillanz unter Beweis stellen. Přemysl Vojta, Solohornist des WDR Sinfonieorchesters Köln, musiziert auf dieser CD gemeinsam mit dem Haydn Ensemble Prag unter Leitung von Martin Petrák. Besonders gelungen: Das Concertino per il Corno e Trombone aus der Serenata in D-Dur von Michael Haydn, das Vojta gemeinsam mit Fabrice Millischer spielt. Es gibt nicht viele Stücke, in denen Altposaune und Horn miteinander konzertieren. Die beiden Solisten harmonieren aufs Beste miteinander, und man staunt, wie sehr sich die Instrumente auch klanglich einander anpassen. 

Montag, 20. November 2017

Molter: Concertos for Trumpets & Horns (Accent)

Von Italien ließ er sich inspirieren – doch die längste Zeit seines Lebens verbrachte Johann Melchior Molter (1696 bis 1765) in Karlsruhe: 1717 trat er als Geiger in den Dienst Karl Wilhelms von Baden-Durlach. Dieser erkannte das Potential des jungen Musikers und schickte ihn 1719 zur Weiterbildung nach Italien. Nach seiner Rückkehr ernannte ihn der Markgraf 1722 zum Hofkapell- meister. Allerdings wurde die Hofkapelle 1733 aufgelöst, so dass Molter nach Eisenach zurückkehrte, wo er einst als Knabe das Gymnasium besucht hatte, und wo er 1734 ebenfalls als Hofkapellmeister angestellt wurde. 
Nach dem Tod seiner Frau 1737 erhielt Molter erneut die Gelegenheit zu einer Reise nach Italien. Schon ein Jahr später kehrte er allerdings zurück, um nach dem Tode des Markgrafen in Karlsruhe die Trauermusik zu leiten. Danach trat er seinen Dienst in Eisenach wieder an. 
Als sein Dienstherr dort 1741 ohne Erben starb, wurden die Musiker der Hofkapelle gekündigt. Molter kehrte nach Karlsruhe zurück. Nachdem dann Markgraf Karl Friedrich, Enkel und Nachfolger Karl Wilhelms, die Volljährigkeit erlangt und die Herrschaft angetreten hatte, belebte er auch die Hofmusik wieder – und Molter leitete sie, hochgeehrt, bis an sein Lebensende. 
Aus dem umfangreichen Schaffen des Musikers – er schrieb allein etwa hundert Konzerte für die unterschiedlichsten Solo-Instrumente – präsentiert das Ensemble Musica Fiorita gemeinsam mit Jean-François Madeuf auf dieser CD eine ebenso ansprechende wie anspruchsvolle Auswahl. Zwar werden dazu lang nicht soviel Musiker aufgeboten, wie einst in der Hofkapelle des Markgrafen von Baden-Durlach wirkten. Aber dafür spielen sie ganz wunderbar Instrumente aus jener Zeit, vom Chalumeau bis zur Theorbe. 
Und obwohl einige der Konzerte Freunden der Trompetenmusik gut bekannt sind, ist dies die erste Aufnahme, wo sie tatsächlich mit Naturtrompeten gespielt werden – hier erklingen keine Piccolotrompeten, und auch keine modernisierten „Barocktrompeten“ mit Intonations- löchern, betont Madeuf: „Pour le concerto en solo et la sonata grossa, j'ai même utilisé un instrument original de Johann Wilhelm Haas (Nürnberg, XVIIIe siècle) et mes collègues, des instruments similaires copiés du même modèle et réalisés par Markus Raquet, à Bamberg (2005).“ Auch die Hörner sind Nachbauten von Barock-Originalen, so Madeuf, angefertigt und für diese Einspielung zur Verfügung gestellt durch die Firma Egger aus Basel. 
Barock sind die Klangfarben, und barock sind auch die üppigen Auszierungen, mit der die Musiker so manchen dieser Konzertsätze gestaltet haben. Es ist kaum zu glauben, wie virtuos die Blechbläser auf diesen Instrumenten musizieren; die Solo-Partien wären auch für moderne Trompeten, mit Ventilen, durchaus noch anspruchsvoll. Und die Sinfonia für zwei Jagdhörner, Streicher und Basso continuo wirkt wie ein Gruß nach Mannheim; nicht nur hier verweist Molters Musik bereits auf die Klassik. Jean-François Madeuf ist hier gemeinsam mit Musica Fiorita eine prächtige Einspielung gelungen, die Maßstäbe setzt. Großartig! 

Sonntag, 15. Januar 2017

Virtuose Hornkonzerte (Naxos)

Virtuose Hornkonzerte hat das Label Naxos aus seinen reichen Archivbe- ständen herausgesucht und auf drei CD in dieser Box zusammengefasst. Nicht fehlen dürfen da natürlich die Hornkonzerte sowie das Rondo von Wolfgang Amadeus Mozart; das Solo-Horn spielt auf dieser CD Miloš Števove. Tschechische Hornkonzerte, für zwei Hörner, haben Zdeněk und Bedřich Tylšar vorgestellt – zu hören sind Werke von Josef Fiala und František Xaver Pokorny sowie zwei Konzerte von František Antonin Rosetti. 
Die Brüder sind, gemeinsam mit Zdeněk Divorký und Jindřich Petráš, ebenfalls Solo-Hornisten der Tschechischen Philharmonie Prag, auch auf der dritten CD zu hören. In Leopold Mozarts Sinfonia da Caccia für vier Hörner und Streicher kommt das gesamte Quartett hervorragend zur Geltung. Anspruchsvolle Aufgaben bieten aber auch Telemanns Konzert in D-Dur für drei Corni da Caccia und Streicher, Vivaldis Konzert in F-Dur für zwei Hörner und Streicher RV 539 und Händels Konzert in F-Dur für zwei Bläsergruppen und Streicher
Eingespielt wurden sämtliche Werke in den Jahren 1988/89 durch die Cappella Istropolitana, das Kammerorchester der Stadt Bratislava, unter Leitung von Jozef Kopelman bzw. František Vajnar. 

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Telemann: Trumpet & Horn Concertos (Accent)

Was für ein cooler Sound! Natürlich sind die herrlichen Stücke, die Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) für das Horn und für die Trompete ge- schaffen hat, Musikliebhabern schon seit langem bekannt. Zahlreiche Trompeter und Hornisten haben, spätestens nach Maurice André und Hermann Baumann, die Concerti, Suiten und Sonaten für sich entdeckt – doch selbst jene Musiker, die sie im Sinne der historisch informierten Aufführungspraxis spielten, konnten bislang den Originalklang nicht reproduzieren: „De nombreuses versions plus récentes sur instruments anciens de ces pièces pour trompette et cor existent également, à la réserve près que ce ne sont pas des instruments naturels tels que Telemann les a connu de son temps qu'il nous es donné d'entendre, mais leurs versions modernisées (au moyen de trous pour la trompette) ou utilisant la technique classique de la main (pour le cor)“, schreibt Jean-François Madeuf im Beiheft. „La polémique n'étant pas la raison de cet enregistrement, mais plutôt le simple plaisir de les replacer dans leur pur contexte de musique de chambre et d'agrément, loin de l'idée ,boursoufflée' du concerto avec soliste que l'on a trop tendance à s'en faire, qui m'a poussé à proposer ce programme à Sigiswald Kuijken.“ 
Jean-François und Pierre-Yves Madeuf spielen diese Solowerke tatsächlich auf dem Naturhorn bzw. der Naturtrompete, ohne Stopftechnik und ohne Grifflöcher, und das Ensemble La Petite Bande musiziert mit den beiden Blechbläsern tatsächlich strikt kammermusikalisch, mit einfach besetzten Streichern – und es klingt, nach dem ersten Schreck, phantastisch. Die Bläser übertönen die Streicher keineswegs; die Aufnahme ist sehr harmo- nisch und gut ausbalanciert. 

Mittwoch, 13. Juli 2016

Dresdner Fagottkonzerte aus Schranck II (Ars Produktion)

Die Dresdner Kapellsolisten, 1994 gegründet von Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle und geleitet von Helmut Branny, bringen Musik wieder zum Klingen, die zur Zeit Augusts des Starken von der Dresdner Hofkapelle gespielt wurde. Die Auswahl ist groß, denn die umfangreiche Musikaliensammlung des damaligen Dresdner Konzert- meisters Johann Georg Pisendel ist nahezu komplett überliefert. Sie wurde nach ihrem Ankauf durch den Hof im „Schranck No: II“ aufbewahrt; über diese spektakuläre Noten- kollektion, die sich heute in den Beständen der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden befindet, wurde in diesem Blog bereits mehrfach berichtet. 
Auf dieser CD sind nun aus den Beständen des „Schranck No: II“ zwei Fagottkonzerte von Antonín Reichenauer (?1694 biss 1730) sowie eines von Johann Gottlieb Graun (1703 bis 1771) und eines von Franz Horneck (um 1690 bis nach 1724) zu hören, vorbildlich interpretiert von Solo-Fagottist Erik Reike. Diese erstmals eingespielten Konzerte dürften Fagottisten generell erfreuen (sobald Noten-Editionen erschienen sind), denn sie bereichern das nicht übermäßig umfangreiche Repertoire für dieses Instrument um vier echte Perlen. Man staunt, welche Schätze im „Schrank No: II“ immer noch verborgen liegen! 
Georg Philipp Telemanns (1681 bis 1767) Concerto für zwei Hörner, Streicher und Basso continuo in Es-Dur, TWV 52: Es 1, befindet sich nicht in Pisendels Sammlung. Es ist aber bekannt, dass der Komponist 1719 zur Kurprinzenhochzeit in Dresden war, und Musik dafür geschrieben hat. Vermutet wird, dass dieses Konzert für die virtuosen Hornisten der Hof- kapelle entstanden ist, und 1719 während der Feierlichkeiten von diesen aufgeführt wurde. Nicht umsonst beginnt es mit einer majestätischen Polonaise. Den anspruchsvollen Solo-Part haben Harald Heim und Klaus Gayer übernommen. 

Montag, 18. Mai 2015

Franz & Richard Strauss: Horn Concertos (Pan Classics)

Und da wir gerade beim Thema Horn und Familie Strauss waren – bei Pan Classics sind Hornkonzerte von Franz Joseph und Richard Strauss in einer sehr gelungenen Aufnahme erschienen. Franz Strauss war ein grandioser Hornist; er unterrichtete, und er komponierte auch, unter anderem zwei Hornkonzerte. Auf dieser CD ist sein ausgesprochen anspruchsvolles Hornkonzert in c-Moll op. 8 zu hören, gefolgt vom Hornkonzert Nr. 1 in Es-Dur op. 11, geschaffen vom 18jährigen Richard Strauss als Präsent zum 60. Geburtstag des berühmten Vaters. Es wirkt wie ein Echo des Konzertes des Jubilars – allerdings setzt der junge Strauss, bei allen Anklängen in Form und Moti- vik, hier schon unüberhörbar eigene Akzente. Denn bei der Orchestrierung orientiert sich Franz Strauss an den Konventionen des Virtuosenkonzertes. Sein Sohn hingegen gestaltet den Orchesterpart sehr viel differenzierter und farbiger. 
Das Hornkonzert Nr. 2 Es-Dur von Richard Strauss ist ein Alterswerk, entstanden 60 Jahre später. Es wirkt stellenweise eher wie ein Orchester- stück mit obligatem Horn, wobei aus dem Orchester heraus immer wieder einzelne Instrumente in den Dialog mit dem Solisten treten. Es wird hörbar, dass Strauss den Blechbläsern offenbar besonders zugetan war. Samuel Seidenberg, Solo-Hornist im hr-Sinfonieorchester, konzertiert gemeinsam mit seinen Kollegen unter Leitung von Sebastian Weigle. Er musiziert mit eher gedecktem, aber schönem Ton, dynamisch sehr beeindruckend und stets sehr präsent. Absolut überzeugend! Wer den Klang des Horns schätzt, der sollte diese Aufnahme unbedingt in seiner CD-Sammlung haben. 

Freitag, 1. Mai 2015

Joseph & Michael Haydn: Horn Concertos; Klieser (Berlin Classics)

Auf der Suche nach dem perfekte Ton ist der junge Hornist Felix Klieser – und er ist dabei bereits ziemlich erfolgreich, wie diese CD beweist. Was für ein Horn-Klang! In der Tiefe rund und samtig, in der Höhe kraft- voll und strahlend, mit unglaublich vielen Farben und Nuancen – fast schon von selbst versteht sich da der stets makellose Ton. Schon im vergangenen Jahr wurde Klieser für sein CD-Debüt Reveries mit dem Echo Klassik als Nachwuchskünstler des Jahres ausgezeichnet. Nun ist er mit demWürttembergischen Kammerorchester Heilbronn unter  Ruben Gazarian ins Studio gegangen und hat Hornkonzerte von Joseph und Michael Haydn sowie zwei Fragmente eines unvollständigen Hornkonzertes von Wolfgang Amadeus Mozart aufgenommen. 
Das Programm ist anspruchsvoll, und dies liegt nicht nur daran, dass die drei Komponisten für das Horn mitunter ausgesprochen virtuose Ideen zu Papier gebracht haben. Das erste der beiden Konzerte von Joseph Haydn wurde für das hohe Horn geschaffen, das zweite hingegen für tiefes. Üblicherweise spezialisieren sich Musiker bereits während der Ausbildung auf eine der beiden Varianten, berichtet Klieser. „Die Anforderungen, die an einen hohen und an einen tiefen Hornisten gestellt werden, auf einer CD zu vereinen, war eine Herausforderung für mich, aber gleichzeitig eine freudige: So konnte ich das Horn in seiner ganzen klanglichen Fülle darstellen.“ 
Die Konzerte von Joseph Haydn sind sind ebenso charmant wie kapriziös. Man spürt, dass ihr Komponist für einen Scherz immer zu haben war. Das Concertino für Horn und Orchester von Michael Haydn ist selten zu hören. Entstanden ist es vermutlich einstmals als konzertante Einlage in eine Serenadenmusik, was eine etwas ungewöhnliche Satzfolge mit sich bringt: Larghetto Allegro non troppoMenuett. Auch musikalisch hat dieses Werk so einige Überraschungen zu bieten, gerade weil es sich um Konventionen nicht besonders schert. 
Mit der Arbeit an seinem ersten Hornkonzert soll Mozart 1781 begonnen haben, als er noch in Salzburg angestellt war. Möglicherweise hatte er vor, sich dem Wiener Publikum mit diesem Werk zu empfehlen. Allerdings untersagte Fürstbischof Colloredo seinem Hofmusiker diesen Auftritt, und es ist nicht bekannt, ob Mozart dieses „nullte“ Hornkonzert jemals fertiggestellt hat. Zu diesem Werk gehört das Rondo KV 371, dessen Noten mittlerweile auch wieder vollständig vorliegen. Der erste Satz, KV 370b, wurde ebenfalls rekonstruiert. Das war gar nicht so einfach, denn Mozarts Witwe hatte das Werk in seine drei Doppelblätter zerlegt. Diese hat sie einem Musikverleger, dem Salzburger Dom-Musikverein und ihrem Sohn Carl gegeben. Dieser wiederum hat anlässlich des hundertsten Geburtstages seines Vaters diese Blätter, teilweise zerschnitten, in seinem Bekanntenkreis verteilt als Erinnerungsgaben. Musikwissenschaftler haben sich auf die Suche nach diesen Fragmenten gemacht – und erstaunlich viel davon wiedergefunden. Der letzte Satz allerdings blieb verschwunden. 
„Allen Stücken ist eine gewisse Leichtigkeit und Heiterkeit eigen“, merkt Kieser an. „Das war für mich der weite Bogen, der alle Stücke auf dieser CD miteinander verbindet.“ Und mit dem Württembergischen Kammer- orchester Heilbronn unter der Leitung von Chefdirigent Gazarian hat er dafür perfekte Partner gefunden. Musiziert wird beschwingt, mit Leiden- schaft und mit Esprit. Wundervoll!

Montag, 17. November 2014

Mozart: Complete Horn Concertos (Signum Classics)

Auch wenn Wolfgang Amadeus Mozart gelegentlich derbe Scherze mit ihm trieb – für seinen Freund, den Hornisten Joseph Leitgeb, schrieb der Komponist Konzerte, die sich noch heute großer Beliebtheit erfreuen. Man fragt sich allerdings, wie die Solisten diese Werke seiner- zeit auf dem ventillosen Waldhorn bewältigt haben, denn sie sind schon auf dem heute üblichen Instrument keineswegs einfach zu spielen. Auf dieser CD demonstriert Roger Montgomery, wie schön Mozarts Konzerte auf dem Naturhorn klingen können. Zusätzlich wurde auch das selten gespielte Fragment KV 494a aufgenommen; es handelt sich dabei wohl um die Einleitung zu einem Konzert, das leider nie vollendet wurde. Montgomery musiziert gemeinsam mit dem renommierten Orchestra of the Age of Enlightenment. Er ist den hohen Anforderungen seiner Partie rundum gewachsen und begeistert durch einen wundervollen runden, warmen Hornton. Schön! 

Samstag, 17. August 2013

Mozart: Horn Concertos (Newton)

Der niederländische Hornist Ab Koster hat 1992 gemeinsam mit dem Orchester Tafelmusik unter Bruno Weil die Hornkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart einschließlich der diversen Fragmente eingespielt. Dabei bemühten sich die Musiker, dem Original möglichst nahe zu kommen. Dies schloss einerseits die kritische Revision des Noten- textes mit ein. Und obendrein verwendet Koster ein Naturhorn mit Originalbögen, das von Ignaz Lorenz aus Linz am Anfang des 19. Jahrhundert gebaut worden ist. Ähnliche Instrumente dürften seinerzeit Joseph Leutgeb und Jakob Eisen gespielt haben, die Hornisten, für die Mozart seine Konzerte geschrieben hat. Die schöne Aufnahme, ursprünglich bei Sony erschienen, macht Newton Classics nun wieder zugänglich. 

Sonntag, 6. Mai 2012

Mozart: Les Quatre Concertos pour cor (Calliope)

Über Mozarts Hornkonzerte wurde in diesem Blog bereits etliches geschrieben. Heute kann ich eine Aufnahme vorstellen, die ich sehr gelungen finde - auch wenn der So- list Marc Geujon gar kein Hornist ist, sondern Trompeter. Er spielt die Hornkonzerte auf einem Corno da caccia, und bezaubert mit einem geradezu butterweichen Ton. Geujon lässt das Instrument singen - was Mozart bestimmt gefallen hätte, der seinerzeit den Hornisten Ignaz Leitgeb mit Hin- gabe gehänselt hat ob der Schwierigkeiten, mit denen er die eigens für ihn komponierten Werke angereichert hat. 
Geujon ist hier in einem Live-Mitschnitt mit dem Orchestre Paul Kuentz unter Leitung des Patrons zu hören, und da sitzt jeder einzelne Ton, man hört nirgends ein Wackeln oder gar einen Missklang. Wer Mozarts Hornkonzerte schön geblasen und eher kammermusikalisch interpretiert anhören möchte - diese Aufnahme sei hier empfohlen. 

Samstag, 29. Januar 2011

Hermann Baumann Collection (Newton Classics)

Die New York Times schrieb einmal über Hermann Rudolph Konrad Baumann, Jahrgang 1934, Hornisten wie er würden - wenn man Glück habe - in jedem Jahr- hundert einmal geboren. Diese Box fasst auf sieben CD seine wichtig- sten Aufnahmen zusammen.
Baumanns Repertoire ist von einer ganz erstaunlichen Breite; es reicht von den Hornkonzerten und Suiten von Georg Philipp Telemann über Mozarts und Haydns großartige Hornkonzerte bis hin zu den Werken Richard Strauss'. Beethoven und Rossini spielt er ebenso überzeugend wie Reinhold Glière, Paul Dukas oder aber die Grande Messe de Saint Hubert, übrigens teilweise stilecht auf Jagdhörnern geblasen.
Wenn das Horn heute ein allseits akzeptiertes Konzertinstrument ist, an das das Publikum hohe Erwartungen hat, dann ist das auch Bau- manns Verdienst. Und das liegt nicht nur an den Scharen von Horni- sten, die er ausgebildet hat. "Nicht die stupende Technik ist das Faszinierende an Baumanns Kunst", schreibt seine Frau Hella, "son- dern seine Wandlungsfähigkeit. Er bläst sein Horn, wie ein großer Sänger singt und darstellt. Wohl nur dem Horn ist eine solche Vielfalt an Klangfarben und Stimmungen eigen, eine solche Fülle von Charak- teren: aufreizend schmetternde Attacke, heldisches Pathos, drama- tischer Gesang, liedhafte Idyllik, melancholische Verhangenheit, feierlicher Sarastro-Ernst, aber auch eulenspiegelige Pfiffigkeit und Ironie." Diese Aufzählung beschreibt auch den Inhalt dieser Box bestens - und wer Hornmusik liebt, der wird davon sehr angetan sein.

Freitag, 12. März 2010

Radek Baborák - Horn Concertos (Supraphon)

Tschechische Hornisten waren schon im 18. Jahrhundert in ganz Europa berühmt und gefragt. An diese große Tradition erinnert Radek Baborák, der sich schon in der Kindheit für das Instrument begeistert und dann als Jugend- licher nahezu alle einschlägigen Wettbewerbe gewonnen hat. Er war unter anderem Solohornist bei den Münchner und den Berliner Philharmonikern. 
Auf dieser CD spielt er gemeinsam mit dem Prager Kammerorchester Hornkonzerte tschechischer Provenienz. Denn auch wenn sie ihre Namen italianisiert haben - die Mozart-Zeitgenossen Antonio Rosetti (Anton Rössler?) und Giovanni Punto (Jan Václav Stich) stammten aus Böhmen, und sie waren zu Lebzeiten weithin bekannt.
Punto beispielsweise war ein hoch geachteter Virtuose, der in ganz Europa gastierte. Mozart widmete ihm seine Konzertante Symphonie Es-Dur KV 297B, Beethoven schrieb für ihn die Sonate F-Dur op. 17, und konzertierte gemeinsam mit ihm. Von Punto selbst sind unter anderem 16 Hornkonzerte überliefert, die von dem Solisten nicht nur schöne Töne, sondern auch schnelle Läufe und Arpeggien abfordern. Frantisek Xaver Pokorný hingegen war selbst kein Hornist. Er wirkte als Violinist in der Kapelle des Hauses Thurn und Taxis in Regens- burg, und komponierte eine Vielzahl von Stücken, beispielsweise die ältesten bekannten Konzerte für Klarinette - und Hornkonzerte für seine Tochter Beata, die 1780 erfolgreich mit ihrem Waldhorn vor dem verwöhnten Publikum im Concert Spirituel in Paris auftrat.
Radek Baborák bringen diese Virtuosenstücke niemals in technische Verlegenheiten. Da sitzt jeder Ton, in jeder Geschwindigkeit, in jeder Lautstärke und in jeder Tonhöhe. Eine CD, die begeistert - auch wenn man sich hier und da vielleicht etwas mehr dynamische Differenzierung gewünscht hätte.