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Sonntag, 25. November 2018

Funeralisssimo (Genuin)

Geige, Violoncello und Akkordeon – das ist die Besetzung, die Matthias Well für sein Debütalbum wählte. Der Fanny-Mendelssohn-Förder- preisträger 2017 hat sich intensiv mit Trauermusik beschäftigt. Denn schon als Kind spielte er auf Trauerfeiern. Der Trauergeiger fasziniert den jungen Musiker: „Doch was zeichnet ihn aus? Worin liegt das Geheimnis seiner Kunst“, fragt Well in einem klugen Essay, der im Beiheft nachzulesen ist. „In erster Linie muss der Violinist mit seinem Spiel die tiefen Gefühle aufnehmen, von denen die Anwesenden ergriffen sind, und sie kunstvoll in einen Klangteppich weben, der die Tragik des Moments abbildet, ihr eine Form verleiht und sie greifbar macht. Der individuelle Schmerz wird auf die Ebene der ewigen menschlichen Erfahrung gehoben.“ 
Studienkollegen haben Matthias Well berichtet, wie Beerdigungen in anderen Ländern ablaufen, ob und was am Grab musiziert wird. Sie haben dem Geiger auch die entsprechenden Musikstücke geschickt. Dabei wurde bald sichtbar, dass die Bräuche regional höchst unterschiedlich sind. 
Auf dieser CD stellt Well ein Programm vor, dass zu mitteleuropäischer Trauerkultur passt, aber Melodien aus vielen Regionen der Erde enthält. Vom westafrikanischen Totentanz bis zum deutschen Volkslied, von indonesischen Klängen bis zum Jodler aus dem Alpenland und vom indische Raga bis zum Lamento Mexicano reichen die ausgewählten Stücke. Auch „klassische“ Musik von Johann Sebastian Bach, Reinhold Glière, Alessandro Stradella, Ciprian Porumbescu und Astor Piazzolla erklingt. 
Erstaunlicherweise harmonieren all diese sehr unterschiedlichen Stücke dennoch ausgezeichnet miteinander. Bei dieser Einspielung unterstützten den Violinisten seine Schwester Maria Well sowie der Akkordeonist Zdravko Živković. Schöne Töne, große Bögen. Und die Kombination von Violine, Cello und Akkordeon wirkt sanft und tröstlich. Das perfekte Album zum heutigen Totensonntag! 

Freitag, 6. April 2012

Bach for Japan (BIS)

"Bei der Zusammenstellung dieser CD waren wir mit unseren Gedanken bei all jenen Menschen in Japan, die zu den Opfern des Erdbebens und des Tsunamis vom 11. März 2011 gehören", schreibt Masaaki Suzuki, der künstlerische Leiter des Bach Collegiums Japan, im Beiheft zu dieser CD. Sie hat gleich zwei Ziele: Zum einen handelt es sich um eine Benefiz-CD, die erscheint, um Geld zu sammeln für das "Tohoku Help"-Netzwerk  der christlichen Kirchen des vom Erdbeben schwer getroffenen Gebietes. Dieses Projekt wurde wenige Tage nach dem Erdbeben gegründet, um die Opfer der Katastrophe unterstützen. 
"In den vergangenen 20 Jahren haben wir mit dem Bach Collegium Japan erlebt, wie die Musik  J. S. Bachs modernen Hörern Trost und Hoffnung bietet, ganz wie sie es auch im 18. Jahrhundert tat", erläu- tert Suzuki das zweite Ziel. "Angesichts der gegenwärtigen Situation haben wir uns dieser Erfahrungen erinnert und das vorliegende Album zusammengestellt - im Gedenken an die vielen Menschen, die ihr Leben verloren, und in der Hoffnung, dass die Musik denen Trost spenden möge, die schmerzliche Verluste erlitten haben, dass sie ihre Schmerzen lindere und ihnen die Kraft gebe, das Land für die nächste Generation wieder aufzubauen." 
Es ist ein ruhiges Programm, Musik der Trauer, der Besinnung und der Glaubensgewissheit, vorgetragen in jener exzellenten Qualität, die man mit dem Bach Collegium Japan, seinen hervorragenden Sängern und Musikern verbindet. Die CD beginnt mit Ich steh mit einem Fuß im Grabe BWV 156. Und sie schliesst mit Bachs Motette Komm Jesu, komm BWV 229. 
Diese Musik würde auch in Kirchgemeinden hierzulande und auf deutschen Friedhöfen Trauernde wunderbar trösten; es ist ein wohlüberlegtes, erstaunlich farbenreiches Programm, und ich denke, dass diese CD jeder Bestatter kennen sollte. Man kann sie ganz sicher auch an Trauernde verschenken, um Trost zu spenden - und auch wenn sich mit dem Thema in unserem Kulturkreis heutzutage wohl niemand mehr freiwillig auseinandersetzt: Leute, kauft diese CD. Sie ist wirklich phantastisch, und die Menschen in Japan können Hilfe noch immer brauchen. 

Samstag, 19. November 2011

Johann Ludwig Bach: Trauermusik (Capriccio)

Johann Ludwig Bach (1677 bis 1731), der "Meininger Bach", war der Sohn des Organisten Johann Jacob Bach aus Thal bei Eisenach. Er lernte am Gymnasium in Gotha, und wurde 1699 als "Hoboist und Laquai" Mitglied der Meininger Hofkapelle. 1711 wurde er zum Kapellmeister ernannt, und er wirkte in dieser Position bis an sein Lebensende. 
Nur wenige seiner Werke sind überliefert. So sind 18 seiner Kantaten erhalten, weil Johann Sebastian Bach, der seinen weitläufigen Verwandten sehr schätzte, sie 1726 in Leipzig aufführte. Auch die Missa brevis Allein Gott in der Höh sei Ehr fand sich im Nachlass des Thomaskantors. Elf Motetten von Johann Ludwig Bach wurden in zwei Sammelbänden in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar aufbewahrt. 
Das ambitionierteste Werk, das uns heute vorliegt, ist jedoch die Trauermusik, die der Kapellmeister 1724 für seinen Dienstherrn, Herzog Ernst Ludwig von Sachsen-Meiningen komponierte. Der Text dafür beruht auf einem Strophenlied, dass der Herzog, der eher Dichtkunst und Frömmigkeit zuneigte als der Staatskunst und dem Militär, für diesen Zweck selbst verfasst hatte. Diese Trauermusik steht auch im Mittelpunkt der vorliegenden Drei-CD-Box, die Aufnahmen aus dem Jahre 1998 wieder zugänglich machen. Damals hatte Hermann Max mit seinen Ensembles Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert sowie einer Vielzahl exzellenter Solisten diesen musikalischen Schatz gehoben. Die Box enthält zudem eine Auswahl aus den Motetten und Kantaten sowie die Missa brevis