Posts mit dem Label Winterreise werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Winterreise werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 7. Februar 2022

Schubert: Die schöne Müllerin - Winterreise - Schwanengesang (Capriccio)

 

Als junger Sänger hatte Bo Skovhus seinerzeit Franz Schuberts Schöne Müllerin schon einmal aufgenommen. 2016 ging der Bariton, mittlerweile gereift, an eine Neuinterpretation aller drei Schubert-Zyklen. Klavierbegleiter ist der Wiener Pianist Stefan Vladar. 

„Ich bin sehr dankbar, dass ich es nochmals machen darf. Wenn man jünger ist, reflektiert man viel weniger über das was passiert, wenn man älter ist dagegen mehr und mehr. Bei diesen Zyklen ist das sehr hilfreich, man versteht inzwischen alles viel besser“, zitiert das Label den Sänger. 

Der geneigte Leser sieht mich von der Einspielung allerdings nicht sehr begeistert. Man hört eine Folge von Liedern, aber sie wirken seltsam unverbunden; eher wie ein Liedprogramm als wie eine Geschichte. Statt Dramatik zeigt die Aufnahme oft einen seltsamen Gleichmut, hilfloses Erstaunen statt Erregung und Verzweiflung. Natürlich kann man das so machen – aber passt das wirklich zu den Liedern? 

Skovhus beeindruckt vor allem durch sein enormes Legato – mir wäre der Text aber zumindest ähnlich wichtig. Im Schwanengesang ist Vladar immer präsent, meiner Meinung nach manchmal zu präsent; er setzt Akzente und treibt Skovhus voran. Die Tempi sind oft ganz schön flott. Am besten gefällt mir die Winterreise, dort ist auch mehr Ruhe, mehr Ausdruck, und das Zusammenspiel des Sängers und des Pianisten ist offensichtlicher. Aber insgesamt: Nun ja. Meine persönliche Lieblingsaufnahme wird das nicht. 


Freitag, 10. November 2017

Schubert: Winterreise (Doron)

Für seine Lieder hatte Franz Schubert (1797 bis 1828) eigentlich eine Klavierbegleitung vorgesehen. Doch mittlerweile kann man sie gelegentlich auch mit Gitarre hören; Orchesterversionen einzelner Lieder haben zudem schon Max Reger und Anton Webern geschaffen. Komplett orchestriert hat die Winterreise Hans Zender, der seine Version für Tenor und kleines Orchester als „kompo- nierte Interpretation“ bezeichnet. 
Umso neugieriger war ich auf diese Aufnahme, wo eine Orgel zu hören ist. Die Idee zu dieser Besetzung kam dem japanischen Tenor Taro Kato, weil er den Helden der Winterreise als unreifen Charakter empfindet. Und dieser seelischen Disposition entspricht seiner Meinung nach eine Begleitung durch die Orgel besser. 
Das Schmettern des Posthorns, das Spiel des Leiermannes, das Fauchen des Windes, der gefrorene Fluss, das flackernde Irrlicht – all das lässt sich mit einer Orgel wirkungsvoll musikalisch in Szene setzen. Und bei geschickter Wahl der Register kann dieses Instrument mit seinen vielen Klangfarben eine Interpretation ganz sicher bereichern. 
Azumi Okamura hat für diese Einspielung die Orgel der Reformierten Kirche in der Gemeinde Chexbres ausgewählt, gelegen unweit von Lausanne in der Schweiz. Es handelt sich dabei um ein eher kleines Instrument französisch-romantischer Orgelbautradition mit 13 Registern auf zwei Manualen und Pedal, erbaut von Charles Mutin im Jahre 1905. Der Pariser Orgelbauer hatte um 1900 die Firma von Cavaillé-Coll übernommen; all das erfährt man aber leider nicht aus dem Beiheft. 
Dieses Instrument klingt durchaus gut, aber die Möglichkeiten zur dynamischen Abstufung und zur klanglichen Differenzierung, die es bietet, sind nicht gerade üppig. Mit den orchestralen Effekten einer großen französischen Orgel kann es nicht mithalten. Insofern kommt diese Orgelversion an Schuberts doch sehr beredten Klavierpart nicht heran, zumal Azumi Okamura auch eine eher zurückhaltende Registrierung gewählt hat. Ihre Interpretation ist vom Klavier her gedacht; sie nutzt den Orgelklang nicht wirklich, und kann letzten Endes nicht überzeugen. Schade. 

Dienstag, 10. November 2015

Schubert: Winterreise; Schreier (Hänssler Profil)

Dies ist ein einzigartiges Tondoku- ment: Peter Schreier, berühmt besonders für seine überragende Gestaltung der Partie des Evange- listen in den beiden Passionen und dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, beendete im Jahre 2005 seine Sängerlaufbahn mit einer allerletzten CD-Einspielung. Dafür wählte der Tenor Franz Schuberts Winterreise – in einer selten zu hörenden Version für Singstimme und Streichquartett statt Klavier. Diese Bearbeitung des Kasseler Komponisten Jens Josef ist oftmals noch grusliger und endgültiger als das Original; das Dresdner Streichquartett bringt ganz erstaunlich fahle Klangfarben ins Spiel. 
Peter Schreier hat den Liederzyklus erst spät in sein Repertoire aufgenom- men. Zum ersten Male gesungen hat er die Winterreise 1985 anlässlich der Wiedereröffnung der Semperoper in Dresden; am Klavier war sein Partner dabei Swjatoslaw Richter. In den Folgejahren hat der Sänger Schuberts Werk vorzugsweise gemeinsam mit András Schiff interpretiert, der ihm ein kongenialer Begleiter war. Auch davon existiert eine Aufnahme. 
Zum Ende einer Weltkarriere die Winterreise einzuspielen, dazu gehört Mut – zum einen, weil der Liederzyklus enorm anspruchsvoll ist. Zum anderen kreisen die einzelnen Lieder fortwährend um Abschied und Tod. Wenn man mit 70 Jahren, noch auf der Höhe des sängerischen Vermögens, Abschied von der Sängerlaufbahn nimmt, dann ist dies ganz bestimmt keine erbauliche Perspektive. 
Schreier hat diese Herausforderung professionell gemeistert. Und was das Alter seiner Stimme genommen hat, wie jugendliche Elastizität, das macht der Sänger bei dieser Einspielung durch seine langjährige Erfahrung mehr als wett. Es mag Aufnahmen geben, die stürmischer sind und wilder – aber diese hier überzeugt durch sängerische Weisheit und Ausdruck. 

Sonntag, 26. Juli 2015

Liszt: Schubert Song Transcriptions - Avan Yu (Naxos)

Außerhalb der Liszt-Reihe von Naxos ist in den Laureate Series eine weitere beeindruckende CD mit Musik des Klaviervirtuosen erschienen: Avan Yu spielt die Schubert-Liedtranskriptio- nen von Franz Liszt. Dass diese gelungenen Bearbeitungen von Liedern aus Schuberts Winterreise und Schwanengesang so wenig bekannt sind, das könnte mit daran liegen, dass sie den Pianisten heute zu sehr Salonmusik sind – und obendrein zu schwierig. 
Zu Liszts Zeiten war der Salon eine wichtige Bühne für Musiker, die sich dort in exklusivem Umfeld einem – oftmals sehr kunstbeflissenen und gar nicht selten ebenfalls musikalisch hervorragend geschulten – wohlhaben- den und wohlwollenden Publikum präsentierten. Sie waren dort gern gesehen, denn Fernsehen und Radio gab es noch nicht. Wer also Musik hören wollte, der musste selbst welche machen, oder seine Gäste zum Musizieren einladen. Heute käme kaum ein Solist auf die Idee, im Privathaushalt zu konzertieren, und dafür sogar eigens Repertorie zu schreiben. So ändern sich die Sitten; ob das ein Gewinn ist, mag jeder selbst entscheiden. 
Avan Yu jedenfalls wäre in den Berliner oder in den Pariser Salons hoch- willkommen gewesen. Die Schubert-Lieder sind ja schon an sich keine einfache Literatur für Pianisten. Liszt hat da seinerzeit aber noch einen draufgesetzt, denn es galt, nicht nur die Begleitung, sondern auch die Singstimme in die Bearbeitung zu integrieren – und dabei Charakter und Aussage der jeweiligen Liedstrophe zu unterstreichen. Hört man, wie locker der junge kanadische Solist diese Höchstschwierigkeiten bewältigt, ohne dabei den Ausdruck zu vernachlässigen, dann wird man sich nicht darüber wundern, dass er bereits mit 17 Jahren die Goldmedaille beim kanadischen Chopinwettbewerb gewonnen hat. Das Programm, das er auf dieser CD vorstellt, brachte ihm im Alter von 28 Jahren den ersten Preis sowie neun Spezialpreise beim Internationalen Klavierwettbewerb Sydney 2012 ein. Hut ab! und ein lautes Bravo!

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Winterreise; Biesemans (Genuin)

Auf dieser CD frönt Els Biesemans gleich drei Steckenpferden. Da ist zum einen ihr Interesse für histori- sche Klaviere und ihren ganz speziellen Klang. Dazu kommt ihr Faible für Franz Liszt, den sie sowohl als Komponisten als auch als Persön- lichkeit faszinierend findet. Und deutlich spürbar ist zudem ihre enor- me Begeisterung für das romantische Repertoire, insbesondere die Lieder: „Das wunderbare Zusammenspiel von poetischen Texten, Melodien und Klavierbegleitungen hat mich immer sehr berührt“, schreibt die belgische Pianistin in dem außerordentlich lesenwerten Beiheft. „Die Entdeckung der Liedbearbeitungen gab mir die Möglichkeit, auch allein ohne Sänger in diese Welt einzutauchen.“ 
So hat sie nun, nach ihrem viel beachteten Debüt mit Fanny Hensel-Men- delssohns Klavierzyklus Das Jahr bei Genuin eine CD mit Lied-Transkrip- tionen von Franz Liszt vorgelegt. Im Mittelpunkt dieser Aufnahme stehen seine Versionen von zwölf Lieder aus Franz Schuberts Winterreise, er- gänzt um das brillante Auf dem Wasser zu singen sowie weitere Liedbear- beitungen nach Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy und Frédéric Chopin. 
Schuberts Werke schätzte Liszt offenbar sehr. „Von den etwa 150 Lied-Transkriptionen, die Liszt für Klavier solo anfertigte, betreffen nicht weniger als 55 Nummern Schubert-Lieder“, berichtet Biesemans. „Man bekommt den Eindruck, dass er aus den 24 Liedern der Winterreise genau die Lieder ausgewählt hat, in denen er am trefflichsten sein eigenes Leben spiegeln konnte. Der Wanderer, der die Natur durchstreift, ist auch Symbol für das Leben als herumreisender Konzertvirtuose.“ 
Bei seinen Liedtranskriptionen legte Liszt besonderen Wert auf den Aus- druck. Eine notengetreue Übertragung genügte ihm dazu nicht. So inter- pretiert er den Textinhalt mit pianistischen Mitteln, wozu er durchaus auch den Tonumfang des Flügels ausnutzt. Allzu virtuose Einfälle allerdings, wie man sie von den für Konzerte komponierten Opernparaphrasen gewohnt ist, vermeidet Liszt in diesem Falle. Els Biesemans hat für diese beeindruckenden Werke einen Flügel von Aloys Biber (1804 bis 1858) mit Wiener Mechanik ausgewählt. Dieser Klavierbauer, der aus Franken stammte, hatte seine Werkstatt in München. 
Biesemans versteht sich bestens darauf, diesem Instrument Klangeffekte zu entlocken. Sie spielt sehr präzise, setzt Liszts Vortragsbezeichnungen um, und trifft ebenso perfekt die jeweils passenden Klangfarben. Ob kammer- musikalisch zurückhaltend oder üppig orchestral – die Pianistin musiziert durchdacht und stets überzeugend. Kurz: Gefällt mir! Brava! 

Montag, 4. Februar 2013

Schubert: Winterreise; Gilchrist, Tilbrook (Orchid Classics)

Nach seiner gelungenen Aufnahme des Liederzyklus Die schöne Mülle- rin, die in diesem Blog bereits vorgestellt worden ist, legt James Gilchrist nun gemeinsam mit der Pianistin Anna Tilbrook zwei wei- tere CD mit Liedern von Franz Schubert sowie Ludwig van Beet- hoven vor.
Die eine CD enthält Schuberts Winterreise, die andere seinen Schwanengesang sowie Beetho- vens An die ferne Geliebte op. 98. Diese sechs Lieder, in denen der Komponist einer Verbindung nachsinnt, die nie zustande gekommen ist, gelten als der erste Liederzyklus überhaupt. 
James Gilchrist erfreut erneut mit seinem feinen, hell trimbrierten  Tenor, und seinem intelligenten und sensiblen Liedgesang. Anna Tilbrook am Klavier geleitet ihn bis in die feinste Nuance. Der briti- sche Sänger bewältigt die deutschen Texte akzentfrei, und beein- druckt darüber hinaus mit einer bespielhaften Textverständlichkeit. Einzig dort, wo Gilchrist auf Lautstärke setzt, wird ein störendes Vibrato hörbar. Das ist nicht so schön, aber für die Zukunft vielleicht durch verbesserte Technik zu korrigieren. Es gibt ja noch genug an- dere Lieder, und auf die nächsten Einspielungen dieses erfolgreichen Künstlergespanns darf man gespannt bleiben. 

Montag, 21. Januar 2013

Schubert: Winterreise; Jarnot, Schmalcz (Oehms Classics)

Konrad Jarnot und Alexander Schmalcz haben bereits eine CD mit Schuberts Schöner Müllerin für Oehms Classics eingespielt. Nun ergänzen der Bariton und der Pia- nist diese Edition um die Winter- reise. Ein solches Unterfangen ist stets auch ein Wagnis, denn dieser Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller gehört zu jenen Werken, die nicht eben selten auf CD zu hören sind. 
Der Sänger und sein Klavierbeglei- ter gehen dieses Risiko ein - und ihnen ist hier erneut eine hörenswerte Interpretation gelungen. Jarnot und Schmalcz gestalten jedes einzelne Lied mit großer Sorgfalt und Empathie. So werden lauter Miniaturen daraus, die die beiden Musiker mit Leidenschaft und Können vortragen. Man spürt, dass Jarnot ein Schüler von Dietrich Fischer Dieskau war - und dennoch findet er seinen eigenen Weg, der auf Dauer vermutlich eher zur Oper als zum Liedgesang führen dürfte. 

Dienstag, 15. Januar 2013

Schubert: Winterreise; Koningsberger, Braun

Aufnahmen des Liederzyklus Winterreise von Franz Schubert gibt es reichlich. Neugierig, wie ein Kritiker ja immer sein sollte, habe ich mir diese hier angehört - ob- wohl sie von Bariton Maarten Ko- ningsberger und seinem Pianisten Roger Braun ohne Unterstützung durch ein Label veröffentlicht worden ist.
Was die beiden Musiker zur dieser Produktion getrieben hat? Keine Ahnung, ich habe es nicht heraus- gefunden. Denn diese Interpreta- tion ist bis in den letzten Takt langweilig und konventionell. Und über die Gesangstechnik von Koningsberger soll an dieser Stelle höflich geschwiegen werden. Sein Bariton hat wohl auch schon bessere Zeiten gesehen. Und besser geklungen. 

Mittwoch, 9. Januar 2013

Schubert: Winterreise; Kupfer, Giesa (Meisterklang)

Schon während des Studiums an der Leipziger Musikhochschule begann die Zusammenarbeit zwischen dem Bariton Jochen Kupfer und der Pianistin Susanne Giesa. Die beiden Interpreten haben bereits eine Einspielung von Schuberts Schöner Müllerin vor- gelegt - und wurden dafür von der Kritik sehr gelobt und durch Grammophone mit dem Choice of the month ausgezeichnet. 
Auch die zweite CD ist dem Werk Franz Schuberts gewidmet: Kupfer und Giesa wagen sich an Die Winterreise. Dieser Liederzyklus ist nicht eben selten zu hören. Wer ihn einspielt, der muss sich an Aufnahmen wie jenen mit Dietrich Fischer-Dieskau und Jörg Demus oder Gerald Moore,  mit Peter Schreier und András Schiff oder Swjatoslaw Richter, sowie der mit Peter Pears und Benjamin Britten und vielen, vielen anderen messen lassen.
Was die vorliegende CD einzigartig macht, das ist das perfekt austa- rierte Zusammenspiel der Pianistin, die ihren Part überaus sensibel auslegt - Liedbegleitung mag man das gar nicht nennen - mit dem Sänger. So durchdacht, wie dieses Duo die Winterreise inszeniert, wird sie zum Ereignis. 
Wer nur die ersten Lieder anhört, der wird Jochen Kupfer für einen Schönsänger mit einer kuschelweich timbrierten Stimme halten. Doch bald zeigt sich, dass der Eindruck täuscht: Dieser Sänger gestaltet jedes einzelne Lied mit einer Detailsicherheit, die sehr überrascht. Und das Klavier von Susanne Giesa ergänzt seinen Gesang, baut Stimmungen auf und kommentiert. Man darf gespannt sein, welche Projekte diese beiden künstlerischen Partner in Zukunft vorstellen werden. Diese CD jedenfalls ist grandios gelungen; die beiden jungen Künstler sichern sich damit einen Platz im Olymp der Referenzauf- nahmen. Bravi! 

Samstag, 4. August 2012

Edition Fischer-Dieskau (Audite)

Dem Andenken eines großartigen Sängers gewidmet ist die Edition Fischer-Dieskau bei Audite. Das Label hat dafür aus den Archiven eine Reihe von Raritäten heraus- gesucht, und die Aufzeichnungen auf den historischen Masterbän- dern mit Sorgfalt digital aufgear- beitet. 
So gilt die fünfte CD der Edition der Winterreise von Franz Schubert. Diesen Liederzyklus hat Dietrich Fischer-Dieskau um die dreißig Mal eingesungen. Diese Aufnahme aber war seine allererste, aufgezeichnet im Januar 1948 für den Rias; am Klavier begleitete seinerzeit Klaus Billing den jungen Sänger. Die Be- dingungen, unter denen diese Bänder entstanden sind, kann man sich heute gar nicht mehr recht vorstellen. So wirkten sich Schwankungen in der Stromversorgung auf die Bandgeschwindigkeit aus. Und auf- grund technischer Defekte musste die Hälfte der Stücke von den erschöpften Interpreten noch einmal eingespielt werden. Dass diese Aufnahme dennoch zu einer Legende wurde, zeigt, welche Klasse der Liedgesang Fischer-Dieskaus damals bereits hatte. 
Der junge Sänger wählte für Schuberts berühmte Lieder ein erstaun- lich langsames Grundtempo. Dieser Wanderer schreitet nicht vom Zorn beschwingt zum Tor hinaus, er schleppt sich vielmehr mühsam aus der Stadt. Fischer-Dieskau lässt jugendlichen Weltschmerz ebenso zu wie beinahe opernhafte Dramatik, doch die Musik ist mitunter klüger als der Interpret, und bricht die allzu romantischen Klänge ironisch. Als Referenzaufnahme würde ich diese nicht wählen, aber ein beeindruckendes musikalisches Dokument ist das schon. 
Neben Werken von Hugo Wolf und Johannes Brahms finden sich in der CD-Reihe auch Lieder Ludwig van Beethovens. So enthält die dritte CD der Edition Arrangements schottischer, irischer und walisischer Volkslieder aus seiner Feder. 22 derartige Stücke hat Dietrich Fischer-Dieskau 1952 gemeinsam mit dem Pianisten Michael Raucheisen, Grete Eweler-Froboese, Violine, Irmgard Poppen, Violoncello, und dem Rias Kammerchor unter Herbert Froitzheim eingespielt. Hier überrascht der Sänger mit einem ausgeprägten komischen Talent, das er auf der Bühne seltsamerweise nur selten zeigen konnte. Ob ein deftiges Trinklied oder der Bittgesang eines etwas naiven Verliebten - Fischer-Dieskau gestaltet mit sehr viel Charme geradezu szenische Miniaturen. Vielen Dank an Audite für diese Entdeckungen!

Samstag, 16. Januar 2010

Hermann Prey: Die Schubert-Trilogie (Deutsche Grammophon)


Die schöne Müllerin, die Winterreise und der Schwanengesang, gesungen von Hermann Prey, aufgezeichnet in den 70er Jahren - und bis zum heutigen Tage Referenzaufnahmen. Das hat seinen Grund zuallererst in der Gesangskunst des Baritons, der technisch faktisch keinerlei Limits kennt. Mit welcher Leichtigkeit Prey beispielsweise seine "Schöne Müllerin" beginnt, mit welcher Intensität er dann die Trocknen Blumen bedenkt, und wie elegant er im Zwiegespräch des Müllers mit dem Bach die Gefahr, in den Kitsch abzugleiten, umgeht - das sind absolute Glanzstücke der Liedinterpretation. Und davon bietet diese Trilogie eine ganze Menge.
An den drei Liedzyklen lässt sich zudem hervorragend beobachten, welchen Einfluss der Begleiter am Klavier auf die musikalische Gestaltung nimmt. Denn die Müllerin spielt Leonard Hokanson - leider oftmals poltrig, zu laut und zu dominant, was möglicherweise aber auch an der Abmischung liegen könnte. Die Winterreise begleitet Wolfgang Sawallisch - sehr klar strukturiert, durchhörbar und wohlüberlegt bis in den letzten Akzent. Gerald Moore, ebenfalls einer der Großen dieses Faches, ist im Schwanengesang zu hören. Er gestattet sich etwas mehr Klangmalerei und Leidenschaft; insgesamt sehr beeindruckend.