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Dienstag, 15. Dezember 2015

Wunderlich - Das Weihnachts-Album (Deutsche Grammophon)

An einen großartigen Sänger, der leider viel zu früh von der Bühne abtreten musste, erinnert die Deutsche Grammophon mit einem Weihnachtsalbum. Dazu hat das Label gleich zwei bedeutende Weihnachtsmusik-Einspielungen der 60er Jahre miteinander verbunden: Die Weihnachtslieder hat Fritz Wunderlich im Sommer 1966, kurz vor seinem überraschenden Tod, gemeinsam mit dem Bariton Hermann Prey für das Label Polydor eingesungen. Dabei begleitete ihn sein Lehrer Fritz Neumeyer mit einem kleinen Ensemble. Und das Weihnachtsoratorium mit Karl Richter, dem Münchner Bach-Chor und dem Münchner Bach-Orchester gehört zu jenen raren Einspielungen, die durch ihre unglaubliche Vitalität und musika- lische Brillanz für alle Zeit unter meinen ganz persönlichen Referenz- aufnahmen sein werden. 
Die Deutsche Grammophon hat nun die weihnachtlichen Melodien der Neumeyer-Produktion sowie Arien und Rezitative Wunderlichs aus dem Weihnachtsoratorium auf einem Album zusammengefasst. Und Barbara Wunderlich, die jüngste Tochter des Sängers, berichtet im Beiheft über die Bedeutung, die die weihnachtlichen Klänge einst im Hause Wunderlich hatten, und über ihre Entstehung. Im Grunde ist das auch das einzige Neue. Aber Wunderlichs herrlichen Tenor hört man doch immer wieder gern. 

Sonntag, 26. Februar 2012

Fritz Wunderlich - Die Electrola-Querschnitte (EMI Classics)

"Wir standen da im Studio und haben uns immer mehr hineinge- steigert - so als ob wir auf der Bühne wären", erinnerte sich Pilar Lorengar an die Aufzeichnung dieser legendären Opernquer- schnitte. Sie entstanden in den Jahren 1957 bis 1963, und haben, trotz der zeitlichen Distanz, noch immer etwas Magisches an sich. Das liegt nicht zuletzt an den exzellenten Sängern, die daran mitgewirkt haben - unter anderem Anneliese Rothenberger, Hetty Plümacher, der auch in kleinen Rollen großartige Fritz Wunderlich, Hermann Prey und Gottlob Frick. 
Diese "Wunderkiste" enthält Puccinis Opern Madame Butterfly und La Bohème, Mozarts Don Giovanni, Thomas' Mignon, Flotows Martha, Lortzings Zar und Zimmermann sowie Eugen Onegin und Pique Dame von Tschaikowski. Gesungen wird durchweg in deutscher Sprache. Für diese Sieben-CD-Box wurden die Electrola-Querschnitte zudem sehr ordentlich remastert, was zum Hörvergnügen beiträgt. 

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Humperdinck: Hänsel und Gretel (EMI Classics)

Dies ist das Dokument eines Ex- perimentes: Bei seiner EMI-Ein- spielung 1974 ging Heinz Wallberg das Risiko ein, die Partien der Kinder tatsächlich mit Kindern zu besetzen. Doch Brigitte Lindner und Eugen Hug singen grandios, und auch Ursula Roleff und Thomas Frohn können sich als Sand- bzw. Taumännchen hören lassen. Sie kommen gegen das groß besetzte Orchester erstaunlich gut an, und musizieren wie die Profis. 
Das ist keinesfalls selbstverständ- lich, denn Hänsel und Gretel sind mitnichten kleine Partien; so etwas will erst einmal bewältigt werden. Aber die beiden Teenager, die diese Rollen singen dürfen, machen das mit soviel Ausdruck und Musizier- lust, dass man sich fragt, warum nie wieder jemand eine solche Besetzung gewagt hat. 
Als Knusperhexe, man halte sich fest, ist Edda Moser zu hören. Und auch die Rollen von Mutter und Vater werden durch Ilse Gramatzky und Hermann Prey großartig verkörpert. Das macht diese Aufnahme zu einem derartigen Hörvergnügen, dass man dem Gürzenich-Orche- ster Köln gern den einen oder anderen krummen Ton verzeiht. Natürlich sind andere Einspielungen moderner - aber diese hier begeistert durch ihre Authentizität. Bravi! 

Mittwoch, 23. März 2011

Brahms: Ein deutsches Requiem; Klemperer (Ica Classics)

Majestätisch. Mir fällt kein anderes Wort ein, das diese Aufnahme ähnlich angemessen beschreiben könnte. Wenn das Ohr den ersten Schock überwunden und man sich an die Misstöne gewöhnt hat, die aus dem Stand der Aufnahmetech- nik Mitte der 50er Jahre herrühren, dann beginnt das Staunen. 
Denn Otto Klemperer lässt Brahms' Werk wuchtig daherkommen, irdisch, ja erdverbunden - und konterkariert so den Hinweis auf die Wohnungen des Herrn Zebaoth, bei denen ja doch eher eine himmlisch-ideelle Bauart zu vermuten sein dürfte. Hier wird niemand vertröstet; diese Musik kommt über den Hörer mit enormer Energie, und plötzlich ist das Leid fort. Und man hört Brahms berühmtes Stück, als wäre es zum ersten Male; man hört plötzlich Instrumente mit Melodien, die einem nie zuvor aufgefallen sind. Und man freut sich an den exzellenten Sängern - Elisabeth Grümmer und der jugendliche Hermann Prey, die die Werkauffassung Klemperers kongenial aufnehmen und mittragen. Der Chorklang hingegen, so engagiert der Kölner Rundfunkchor sich auch in dieses Projekt hineinbegibt, ist nicht mehr das, was man sich heutzutage anhören möchte. 
Einen Kontrast bietet Mozarts Serenata notturna in D-Dur, KV 239, die Semesterabschlussmusik für die Salzburger Studentenschaft aus dem Jahre 1776, in der, bei aller Grazie der Streicher, doch recht deutlich auch die Streiche der Paukanten zu vernehmen sind. Und weil noch ein bisschen Spielzeit übrig war, ergänzt das Label dieses Programm noch um gut zweieinhalb Minuten Brahms-Probenmit- schnitt. Auch das muss man einmal gehört haben. 

Montag, 20. Dezember 2010

Bach: Great Choral Works; Münchinger (Newton)

Der Stuttgarter Kantor und Kapellmeister Karl Münchinger (1915 bis 1990) gründete 1945, nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft, das Stutt- garter Kammerorchester. Mit schlanker Besetzung, klanglicher Homogenität, ausgeglichener Dynamik, reduzierten Tempi und handwerklicher Perfektion beein- druckte dieses Ensemble das Publikum, und erwarb sich so innerhalb weniger Jahre weltweit einen ausgezeichneten Ruf.
Münchinger versammelte um sich auch eine ganze Riege erstklassiger Sänger - diese CD mit den großen Chorwerken Bachs gibt davon in herausragender Art und Weise Zeugnis. So singen beispielsweise die Matthäus-Passion Peter Pears als Evangelist, Hermann Prey als Christus, Elly Ameling, Marga Höffgen, Fritz Wunderlich, Tom Krause, Manfred Ackermann und Allan Ahrans. Bei der h-Moll-Messe sind Elly Ameling, Yvonne Minton, Helen Watts, Werner Krenn und Tom Krause zu hören. Und das Weihnachtsoratorium, aufgezeichnet 1966 in der Kirche von Schloss Ludwigsburg bei Stuttgart, singen ebenfalls Peter Pears, Elly Ameling, Helen Watts und Tom Krause. Natürlich enthält die immerhin neun CD starke Box auch das Magnificat BWV 10 und die Johannes-Passion
Die Aufnahmen sind ein Dokument der Suche nach neuen musika- lischen Wegen zwischen Postromantik und der historischen Auf- führungspraxis. Sie wirken insbesondere in der Wahl der Tempi und in manchen Details der Interpretation mitunter museal, sind teilweise aber auch sehr ausdrucksstark und faszinierend - und man darf nicht vergessen, dass sie mittlerweile gut 40 Jahre alt sind. Dennoch beeindrucken diese historischen Einspielungen durch ihre hohe Qualität; wer sich für Musikgeschichte interessiert, der sollte sie unbedingt in seine Sammlung aufnehmen.

Sonntag, 28. März 2010

Orff: Der Mond / Die Kluge (EMI Classics)

Zwei köstliche Stücke von Carl Orff nach Märchen der Gebrüder Grimm in wundervollen histori- schen Aufnahmen. Da ziehen vier Gesellen in die Fremde, und in einem Nachbarland erleben sie erstmals den Mond. Weil der so praktisch ist, beschließen die Burschen, ihn zu stehlen und mit nach Hause zu nehmen. Das gelingt auch. Doch dann beschließt jeder von ihnen, "sein" Viertel mit ins Grab zu nehmen.
In der Unterwelt aber ist das Licht nicht willkommen, denn es weckt die Toten auf und sorgt für Unruhe - bis schließlich Petrus höchstselbst die Ordnung wieder herstellt. Orff nutzt die Geschichte, um allerhand Trubel zu inszenieren; es hat da neben den vier Burschen und dem Petrus noch einen Erzähler in bester Evangelisten-Tradition (sehr hörenswert: Rudolf Christ), schwungvolle Musik und großartige Chöre. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1957. Es singen der Philharmonia Chorus and Children's Chorus, und es spielt bei beiden Werken das Philharmonia Orchestra unter Wolfgang Sawallisch.
Die Rolle des Erzählers übernimmt in Die Kluge das Volk, bestehend vor allem aus drei Vagabunden. Die Besetzung ist erstklassig. So ist als clevere Bauerntochter Elisabeth Schwarzkopf zu hören, ihren Vater singt Gottlob Frick. Prolog und Epilog spricht Orff höchstpersönlich - in seiner Gegenwart wurde 1956 Die Kluge eingespielt, so dass man davon ausgehen darf, dass die Aufnahme seinen Intentionen entspricht. Das Märchen ist bekannt. Auffällig ist, dass die scheinbar naiv erzählte Geschichte ziemlich schrill orchestriert ist - und dass Orff den König ziemlich bissig charakterisiert. Das Werk wurde 1943 in Frankfurt uraufgeführt. So harmlos wie Der Mond erscheint es nicht.

Sonntag, 14. März 2010

Bach: Matthäus-Passion; Münchinger (Decca)

Eine der wohl besten Aufnahmen von Bachs Matthäus-Passion. Das Solisten-Ensemble ist durchweg erstklassig: Peter Pears als Evangelist, Hermann Prey als Jesus, August Messthaler als Judas, Heinz Blankenburg als Petrus/Hohepriester/Pontius Pilatus, sowie Elly Ameling (Sopran), Marga Höffgen (Alt), Fritz Wunderlich (Tenor) und Tom Krause (Bass). Die Stuttgarter Hymnus-Chorknaben singen die Chöre inbrünstig, wenn auch nicht immer perfekt. Die Sänger werden begleitet vom Stuttgarter Kammerorchester, unter Leitung des legendären Karl Münchinger.  
Die Musiker achten sehr genau auf die musikalische Struktur von Bachs monumentalem Werk, das mit fast vier Stunden Musik ganz eindeutig nicht dafür gedacht war, sich in den Rahmen eines Gottesdienstes einzufügen. So kamen sie zu einer Interpretation, die bis heute Referenzrang hat. Dass diese Aufnahme aus dem Jahre 1964 stammt, stellt man beim Blick in das Beiheft mit Erstaunen fest.

Samstag, 16. Januar 2010

Hermann Prey: Die Schubert-Trilogie (Deutsche Grammophon)


Die schöne Müllerin, die Winterreise und der Schwanengesang, gesungen von Hermann Prey, aufgezeichnet in den 70er Jahren - und bis zum heutigen Tage Referenzaufnahmen. Das hat seinen Grund zuallererst in der Gesangskunst des Baritons, der technisch faktisch keinerlei Limits kennt. Mit welcher Leichtigkeit Prey beispielsweise seine "Schöne Müllerin" beginnt, mit welcher Intensität er dann die Trocknen Blumen bedenkt, und wie elegant er im Zwiegespräch des Müllers mit dem Bach die Gefahr, in den Kitsch abzugleiten, umgeht - das sind absolute Glanzstücke der Liedinterpretation. Und davon bietet diese Trilogie eine ganze Menge.
An den drei Liedzyklen lässt sich zudem hervorragend beobachten, welchen Einfluss der Begleiter am Klavier auf die musikalische Gestaltung nimmt. Denn die Müllerin spielt Leonard Hokanson - leider oftmals poltrig, zu laut und zu dominant, was möglicherweise aber auch an der Abmischung liegen könnte. Die Winterreise begleitet Wolfgang Sawallisch - sehr klar strukturiert, durchhörbar und wohlüberlegt bis in den letzten Akzent. Gerald Moore, ebenfalls einer der Großen dieses Faches, ist im Schwanengesang zu hören. Er gestattet sich etwas mehr Klangmalerei und Leidenschaft; insgesamt sehr beeindruckend.

Dienstag, 5. Januar 2010

Hermann Prey: Kein schöner Land (Deutsche Grammophon)

Kaum zu glauben, aber: Es gab eine Zeit, da waren hierzulande Volkslieder nicht unumstritten. Die Jugend, ebenso kritisch wie moralisch (und wohl auch ein bisschen benebelt vom Hasch und von der Revolte), wollte vom Erbe nichts mehr wissen.
Und da stellt sich ein deutscher Sänger, auf der internationalen Opernbühne ebenso renommiert wie als Liedersänger, hin, und singt "Wer hat die schönsten Schäfchen", "In einem kleinen Apfel", "Der Jäger längs dem Weiher ging" - und viele andere volkstümliche Lieder mehr. Acht (!) CD umfasst der Schuber, in dem die Deutsche Grammophon diese Aufnahmen aus den Jahren 1970 und 1971 zusammengefasst hat.
Ob Wandern, Jagen oder auch fröhliches Zechen - für jede Gelegenheit gibt's auch Gesang. Daran hat Prey erinnert, kunstvoll und weitab vom Musikantenstadl.

Dienstag, 12. Februar 2008

Eine Weihnachtsmusik (Polydor)

Im Juni 1966 nahm Fritz Wunderlich gemeinsam mit seinem Freund Hermann Prey im Polydor-Studio „Eine Weihnachtsmusik“auf. Niemand ahnte damals, dass der Sänger ihr Erscheinen nicht mehr erleben sollte. Beschwingt singen die beiden, zumeist im Duett, eine Auswahl klassischer Weihnachtslieder. Der Schauspieler Will Quadflieg liest dazu, unter Vermeidung jeglichen Pathos, Verse aus der Weihnachtsgeschichte nach Lukas. Außerdem gibt's appetitliche kleine Häppchen festlicher Barockmusik. Wer auf der Suche nach einer CD für das Fest ist, die Gesangskunst auf allerhöchstem Niveau bietet und nicht Kaufhausgedudel – zugreifen! Unvergleichlich, knapp 33 Minuten Sternstunde.