Die Sinfonia war ursprünglich ein Begleiter des Gesanges. Sie erklang als Einleitung oder aber als Zwischenaktmusik; in Neapel beispielsweise war die Sinfonia als Opern-Ouvertüre gebräuchlich. Sie hatte drei Teile, vom Tempo her schnell – langsam – schnell, mit einem markanten Kopfsatz, und wurde zunehmend auch ohne Oper in Akademien aufgeführt. Dieser Brauch wurde nördlich der Alpen bald übernommen. Und so dauerte es dann nicht lange, bis Komponi- sten Sinfonien schrieben, die reine Orchesterwerke waren, gänzlich ohne Oper, und auch ohne Generalbass. Carl Philipp Emanuel Bach 1714 bis 1788), Cembalist am Hofe Friedrichs des Großen, gehört zu den Protagonisten, die diese dreisätzige Konzertsinfonie sozusagen mit aus der Taufe gehoben haben.
Seine sogenannten Berliner Sinfonien sind zunächst überwiegend als reine Streichersinfonien entstanden. Die Bläserstimmen für die meisten von ihnen fügte Bach später in seinen Hamburger Jahren hinzu, als er die Sinfonien überarbeitete.
Diese Einspielung macht deutlich, wie sehr die Sinfonien durch diese Ergänzung gewonnen haben. Denn Christian Zacharias setzt mit seinem Orchestre de Chambre de Lausanne stark auf das Spiel mit den Klangfarben des Orchesters. Das wirkt sehr lebendig; und das zumeist forsche Tempo betont das tänzerische Moment, das vielen Sätzen zu eigen ist. Die vielen Unisono-Passagen gelingen wie mit dem Lineal gezogen. Auch sonst folgt das Orchestre de Chambre de Lausanne seinem langjährigen Chefdirigenten auf den Punkt, und musiziert höchst sensibel und differenziert. All das macht diese Aufnahme sehr spannend. Schwungvoller und lustvoller habe ich diese Werke jeden- falls noch nicht gehört. Bravi!
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Sonntag, 3. August 2014
Montag, 14. Januar 2013
Louis Spohr - The forgotten master (Alpha)
Die vier Klarinettenkonzerte von Louis Spohr (1784 bis 1859) hat Paul Meyer gemeinsam mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne eingespielt. Man fragt sich, warum man diese wunder- volle Musik noch nie gehört hat - weder im Konzertsaal, noch vollständig auf CD. Sabine Meyer hat, wenn ich mich recht erinnere, zwei davon eingespielt - andere Aufnahmen sind mir jedenfalls nicht bekannt.
Auch die anderen Werke Spohrs haben im Musikleben heutzutage kaum eine Bedeutung. Dabei galt der Kasseler Hofkapellmeister nach Mendelssohns und Beethovens Tod unangefochten als der führende deutsche Komponist, und zudem teilte er sich mit Paganini in den Ruhm des größten Violinvirtuosen seiner Zeit.
Spohrs Klarinettenkonzerte erweisen sich als überaus gelungene Kompositionen, die an Mozarts einziges Konzert anknüpfen. Sie sind ausgesprochen feinsinnig, und bis in die Orchesterbegleitung hinein mit Sorgfalt ausgearbeitet. Meyer begeistert mit seinem traumhaft schönen Ton und der Noblesse seiner Interpretation. Er spielt großartig, und wer ihn spielen hört, der denkt keine Sekunde daran, dass der Solopart sämtlicher Spohr-Konzerte als überaus schwierig gilt. Noch heute gehören seine Werke zu den technisch anspruchs- vollsten der Konzertliteratur.
Das liegt daran, dass Spohr sie für einen Klarinettisten komponierte, der selbst ein Ausnahmevirtuose war: Johann Simon Hermstedt (1778 bis 1846) stammte aus dem thüringischen Langensalza, und war zunächst Premier-Hautboist und schließlich Hofkapellmeister in Sondershausen. Mit Spohr war er befreundet; die beiden Musiker hatten einander kennengelernt, als Spohr Konzertmeister im nahe- gelegenen Gotha war. Das erste Klarinettenkonzert bestellte 1808 Hermstedts Dienstherr, Günther Friedrich Karl I. von Schwarzburg-Sondershausen, der das Instrument auch selbst spielte - allerdings auf Liebhaber-Niveau.
Spohrs Werk freilich war selbst für den Profi unspielbar. Hermstedt aber veränderte lieber seine Klarinette, als Änderungen einzufordern. Diese Anstrengungen zahlten sich aus, denn im Winterhalbjahr ging der Virtuose regelmäßig auf Konzertreisen. Die Kritik stand Kopf; selbst im musikbesessenen Dresden schwärmte die Zeitung: "In solcher Vollkommenheit hörten wir dieses Instrument noch nicht." Wer Meyer zuhört, der möchte die Musikalität dieses Klarinettisten und seine extrem gute Technik mit ähnlichen Superlativen bedenken. Das Kammerorchester sekundiert einmal mehr ganz phantastisch. Bravi!
Auch die anderen Werke Spohrs haben im Musikleben heutzutage kaum eine Bedeutung. Dabei galt der Kasseler Hofkapellmeister nach Mendelssohns und Beethovens Tod unangefochten als der führende deutsche Komponist, und zudem teilte er sich mit Paganini in den Ruhm des größten Violinvirtuosen seiner Zeit.
Spohrs Klarinettenkonzerte erweisen sich als überaus gelungene Kompositionen, die an Mozarts einziges Konzert anknüpfen. Sie sind ausgesprochen feinsinnig, und bis in die Orchesterbegleitung hinein mit Sorgfalt ausgearbeitet. Meyer begeistert mit seinem traumhaft schönen Ton und der Noblesse seiner Interpretation. Er spielt großartig, und wer ihn spielen hört, der denkt keine Sekunde daran, dass der Solopart sämtlicher Spohr-Konzerte als überaus schwierig gilt. Noch heute gehören seine Werke zu den technisch anspruchs- vollsten der Konzertliteratur.
Das liegt daran, dass Spohr sie für einen Klarinettisten komponierte, der selbst ein Ausnahmevirtuose war: Johann Simon Hermstedt (1778 bis 1846) stammte aus dem thüringischen Langensalza, und war zunächst Premier-Hautboist und schließlich Hofkapellmeister in Sondershausen. Mit Spohr war er befreundet; die beiden Musiker hatten einander kennengelernt, als Spohr Konzertmeister im nahe- gelegenen Gotha war. Das erste Klarinettenkonzert bestellte 1808 Hermstedts Dienstherr, Günther Friedrich Karl I. von Schwarzburg-Sondershausen, der das Instrument auch selbst spielte - allerdings auf Liebhaber-Niveau.
Spohrs Werk freilich war selbst für den Profi unspielbar. Hermstedt aber veränderte lieber seine Klarinette, als Änderungen einzufordern. Diese Anstrengungen zahlten sich aus, denn im Winterhalbjahr ging der Virtuose regelmäßig auf Konzertreisen. Die Kritik stand Kopf; selbst im musikbesessenen Dresden schwärmte die Zeitung: "In solcher Vollkommenheit hörten wir dieses Instrument noch nicht." Wer Meyer zuhört, der möchte die Musikalität dieses Klarinettisten und seine extrem gute Technik mit ähnlichen Superlativen bedenken. Das Kammerorchester sekundiert einmal mehr ganz phantastisch. Bravi!
Mittwoch, 25. April 2012
Mozart: Piano Concertos, Vol. 7 / Vol. 8; Zacharias (MDG)
Wie spielt man Mozart heute, wo seine Klavierkonzerte bereits in Dutzenden Versionen auf CD verfügbar sind?
Christian Zacharias ist um eine Antwort nicht verlegen: Elegant und federleicht interpretiert er Mozarts Werke gemeinsam mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne. Zacharias setzt ganz auf den Charme der Musik. Er vertraut Mozarts Ideen, und verzichtet auf diverse, in der Branche nicht unübliche Mätzchen. Und deshalb hört man diese Aufnahmen immer wieder gern. Bravi!
Christian Zacharias ist um eine Antwort nicht verlegen: Elegant und federleicht interpretiert er Mozarts Werke gemeinsam mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne. Zacharias setzt ganz auf den Charme der Musik. Er vertraut Mozarts Ideen, und verzichtet auf diverse, in der Branche nicht unübliche Mätzchen. Und deshalb hört man diese Aufnahmen immer wieder gern. Bravi!
Mittwoch, 12. Januar 2011
Mozart: Piano Concertos Vol. 6; Zacharias (MDG)
Mozarts Klavierkonzerte in der Champagner-Version: Christian Zacharias, der sie mit dem von ihm geleiteten Orchestre de Chambre de Lausanne für Da- bringhaus und Grimm eingespielt hat, setzt ganz auf Leichtigkeit und Esprit. Das bringt Schwung in die oft noch immer bräsig-romantisie- rend gespielten Werke, und tut die- ser Musik ganz eindeutig gut.
Der Pianist spielt bei den Konzer- ten Nr. 14 KV 449 und Nr. 15 KV 450 Mozarts Kadenzen. Für das Konzert Nr. 21 KV 467 sind diese nicht überliefert; in diesem Falle hat Zacharias eigene Kadenzen geschrieben, die gut zu dem schönen Werk mit dem stimmungsvollen zweiten Satz passen.
Zacharias' Interpretation verortet die Klavierkonzerte deutlich in der Nachbarschaft der großen Mozart-Opern. Er gestaltet farbig und abwechslungsreich, kostet theatralisch angelegte Szenen aus, und lässt Kontraste wirken. Das alles ist nicht wirklich neu, aber man kann es durchaus genießen - ohne Reue.
Der Pianist spielt bei den Konzer- ten Nr. 14 KV 449 und Nr. 15 KV 450 Mozarts Kadenzen. Für das Konzert Nr. 21 KV 467 sind diese nicht überliefert; in diesem Falle hat Zacharias eigene Kadenzen geschrieben, die gut zu dem schönen Werk mit dem stimmungsvollen zweiten Satz passen.
Zacharias' Interpretation verortet die Klavierkonzerte deutlich in der Nachbarschaft der großen Mozart-Opern. Er gestaltet farbig und abwechslungsreich, kostet theatralisch angelegte Szenen aus, und lässt Kontraste wirken. Das alles ist nicht wirklich neu, aber man kann es durchaus genießen - ohne Reue.
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