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Mittwoch, 28. November 2018

Gott ist unsere Zuversicht (Rondeau)

Der Stadtsingechor Halle/Saale ist ein renommiertes Ensemble mit einer ganz enormen Tradition. Seine Wurzeln reichen bis in das Jahr 1116, zur Gründung des Augustiner-Chorherrenstiftes Neuwerk, zurück. 1565 schlossen sich die Hallenser Pfarrschulen zum lutherischen Gymnasium zusammen. So entstand auch ein Schulchor, der unter anderem Gottesdienste in den drei Hauptkirchen Unser Lieben Frauen, St. Ulrich und St. Moritz musikalisch auszugestalten hatte. Er wurde später Stadtsingechor genannt, und wirkte im Laufe der Jahrhunderte mit zahlreichen hervorragenden Kantoren und Organisten zusammen, wie Samuel Scheidt, Friedrich Wilhelm Zachow, Daniel Gottlob Türk oder Wilhelm Friedemann Bach. Seit 2014 wird der Chor von Clemens Flämig geleitet. Er ist heute in den Franckeschen Stiftungen beheimatet; die Sänger lernen am Landesgymnasium Latina, und absolvieren zudem ein umfangreiches Pensum an Musikunterricht, Proben und Konzerten. 
Die neue CD mit dem Titel „Gott ist unsre Zuversicht“ bietet Chormusik vom 16. bis zum 21. Jahrhundert; das Programm ist auf den 46. Psalm ausgerichtet. Sein Text wurde von Martin Luther zu einem Lied umge- arbeitet: Ein feste Burg ist unser Gott gilt bis heute als ein Symbol der Reformation. 
So reicht denn auch dieses Programm von der Reformation bis in die Moderne. Die Anforderungen an die jungen Chorsänger sind hoch, doch sie singen mit hoher Präzision und mit Engagement. Allerdings erfolgte die Aufnahme so ungeschickt, dass der überaus hallige Kirchenraum alles dominiert. Wer auch immer für die Tontechnik verantwortlich war – eine Glanzleistung ist das leider nicht. 

Freitag, 5. August 2016

Theo Adam - Edition zum 90. Geburtstag (Berlin Classics)

„Aber so ist das mit einem Sängerleben – uns bleibt Gott sei Dank nur die Erinnerung!“, mit diesen Worten schließt Peter Schreier seine Gratulation an Theo Adam, der jüngst seinen 90. Geburtstag gefeiert hat. Glücklicherweise sind im Laufe einer langen Sängerkarriere aber auch zahlreiche Mitschnitte und Aufnahmen entstanden, so dass man den Dresdner Bassbariton in einigen seiner Partien noch immer hören kann. 
So hat Berlin Classics als besondere Gabe zum Ehrentag des Jubilars drei CD in einer Box zusammengefasst, die an die erfolgreiche Laufbahn des Sängers erinnern. Es erklingen sowohl geistliche Arien aus Bachs Weihnachtsoratorium, der Matthäus-Passion und einigen Kantaten, als auch Arien aus Mozarts Opern sowie Ausschnitte aus Opern von Richard Strauss und Richard Wagner. Entstanden sind all diese Einspielungen in der sächsischen Heimat. Doch der Wirkungskreis von Theo Adam war weit; er reichte von der Dresdner Semperoper über die New Yorker Met und die Mailänder Scala bis nach Bayreuth. 
Vom Meister Ortel in den Meistersingern bis hin zum Ochs von Lerchenau im Rosenkavalier – im Laufe der Jahre hat Theo Adam weit über hundert verschiedene Rollen gesungen und verkörpert. Sein Humor ist ebenso legendär wie seine sängerische Präzision, sein Stilbewusstsein und sein Ringen um Textverständlichkeit (was weit darüber hinaus zielte, dass das Publikum jedes Wort verstehen kann). Von der Bühne und aus dem öffentlichen Leben hat sich Theo Adam mittlerweile zurückgezogen. Diese drei CD zeigen uns den großen Sänger noch einmal auf der Höhe seiner Kraft und seines Könnens – ausgesprochen beeindruckend! 

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Bach: Weihnachtsoratorium; Fläming (Berlin Classics)

Eine schöne Aufnahme von Bachs Weihnachtsoratorium aus den Jahren 1974/75. Angesichts der Besetzung ist man fast geneigt, sie historisch zu nennen: Es singen Arleen Augér, Sopran, Annelies Burmeister, Alt, Peter Schreier, Tenor und Theo Adam, Bass sowie der Dresdner Kreuzchor unter Martin Flämig. Und auch die Liste der Instrumentalisten enthält viele bekannte Namen, wie Karl Suske, 1. Solo-Violine, Eckart Haupt, 1. Solo-Flöte, Ludwig Güttler, Trompete oder Herbert Collum, Orgel; zudem musiziert die Dresdner Philhar- monie. 
Natürlich würde man heute sicherlich einiges anders machen, aber die vielen exzellenten Musiker sorgen für eine Qualität, die diese Ein- spielung über manches stellt, was später und vermeintlich "historisch korrekt" aufgeführt worden ist. So bleiben diese drei CD nicht nur als Referenz hörenswert - und es ist schön, dass die Aufnahme bei Berlin Classics noch immer verfügbar ist. 

Dienstag, 12. Februar 2008

Heinrich Schütz - Dresdner Kreuzchor (Berlin Classics)

Um die Wiederentdeckung der Werke von Heinrich Schütz hat sich der Dresdner Kreuzchor große Verdienste erworben. Insbesondere Rudolf Mauersberger, von 1930 bis zu seinem Tode 1971 Kreuzkantor, hatte es sich zur Lebensaufgabe erwählt, die Werke des Komponisten zur Aufführung zu bringen. Es darf vermutet werden, dass Mauersberger, der die Zerstörung Dresdens erleben musste, sich Schütz eng verbunden fühlte, der ja auch unter einem Kriege, dem 30jährigen nämlich, sehr gelitten hatte.
Für Schütz' Musik
engagierte sich auch Mauersbergers Nachfolger Martin Flämig. Die "Schütz-Tage" waren ein Ereignis: Ein Fest alter, zumeist geistlicher Musik, und das in der DDR zu Ulbrichts Zeiten!? Aufzeichnungen dieser Konzerte sind beeindruckende Dokumente der Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben inmitten realsozialistischer Propaganda. Gerade Schütz’ deklamatorische Musik, die in ihrer Struktur darauf zielt, dem Wort zu dienen und es auszulegen, war dafür wie geschaffen. In einer Box mit zehn CD fasst Edel Classics wichtige historische Aufnahmen aus jener Zeit nun noch einmal zusammen. Leider brach diese Tradition irgendwann ab. In der Box fehlen beispielsweise die „Musikalischen Exequien“ – und die „Historia von der Geburt unseres Herrn Jesu Christi“. Ein Blick in die Chronik des Kreuzchors belegt, dass ausgerechnet die Weihnachts-Historie des Dresdner Hofkapellmeisters von den Kruzianern niemals eingespielt wurde.