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Dienstag, 6. März 2012

Friedrich II "Der Grosse" und seine Hofkomponisten (Crystal Classics)

Friedrich II. (1712 bis 1786) engagierte für sein Orchester einige der besten Musiker seiner Zeit. Am Hof des Preußenkönigs wirkten unter anderem Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Joachim Quantz, die Brüder Graun und Franz Benda. Wer wissen will, welche Musik Friedrich schätzte, dem bietet diese Doppel-CD einen ersten Höreindruck. 
Die Aufnahmen stammen aus dem Archiv von Capriccio; sie sind zumeist von hoher Qualität. Zu hören sind unter anderem Flötisten wie Eckart Haupt, Manfred Friedrich und Christoph Huntgeburth, Christine Schornsheim, Cembalo, sowie die Berliner Barock-Compagney, die Dresdner Barocksolisten und das Kammerorchester "Carl Philipp Emanuel Bach" unter Hartmut Haen- chen. 

Sonntag, 22. Januar 2012

300 Jahre Friedrich der Grosse (Deutsche Grammophon)

Auch die Deutsche Grammophon sieht den runden Geburtstag des Preußenkönigs als Gelegenheit für eine Jubiläums-CD. Das Label hat ins Archiv geschaut - und dort verschiedenes gefunden, das sich unter dem Motto "Seine schönsten Konzerte und Sonaten" verkaufen lässt. Beim Zusammenbauen ist dann offensichtlich die Reihenfolge durcheinandergeraten, nun ja, passiert, wenn es schnell gehen soll. Auch das beigefügte Falt- blättchen freilich ist nicht dazu angetan, den Eindruck der Lieblosigkeit zu korrigieren. Schade. 

Samstag, 14. Januar 2012

Musik am Preußischen Hof (Berlin Classics)

Ein ganz besonderes Präsent hat Berlin Classics zum 300. Geburts- tag Friedrichs II. von Preußen (1712 bis 1786) zusammengestellt: Eine Fünf-CD-Box mit Musik am Preußischen Hof, aus den reichen Archivbeständen des Labels. 
Aus dem Jahre 1982 stammt eine Einspielung mit dem Kammer- orchester des Berliner Sinfonie-Orchesters unter Hans-Peter Frank und Werken Berliner Komponisten des 18. Jahrhunderts. Sie enthält die Sinfonia Nr. 3 C-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach, ein schönes Harfenkonzert von Ernst Eichner, und das Flötenkonzert Nr. 4 aus der Feder des preußischen Königs. 
Das Kammerorchester "Carl Philipp Emanuel Bach" unter Hartmut Haenchen hat 1985 fünf der neun Sinfonien seines Namenspatrons eingespielt, die in Berlin entstanden sind. Sie sind abwechslungsreich, und werden durch die Musiker historisch informiert, aber auf moder- nen Instrumenten mit Esprit vorgetragen. 
Ein musikalisches Ereignis war seinerzeit die CD mit  Jochen Kowalski sowie dem Kammerorchester Berlin unter Max Pommer und Arien aus der Berliner Operngeschichte - von Hasse, Graun, Bononcini, aber natürlich auch von Friedrich selbst. Es war das Debüt-Album des Countertenors, der in den 80er und 90er Jahren weltweit erfolgreich war, vor allem in den Händel-Inszenierungen Harry Kupfers. 
Ersteinspielungen nach unveröffentlichten Handschriften der Deut- schen Staatsbibliothek Berlin präsentierte die CD Musik am Berliner Hof, eingespielt 1991 auf historischen Instrumenten von der Akade- mie für Alte Musik Berlin. Hier ist beispielsweise Ernst-Burghard Hilse, Traversflöte, mit Quantz' Flötenkonzert Pour Potsdam zu hören. Ein Erlebnis ist auch das Zusammenspiel von Christine Schornsheim und Raphael Alpermann, Cembalo, im Konzert F-Dur für zwei Cembali, zwei Hörner, Streicher und Basso continuo Wq 46 von Carl Philipp Emanuel Bach. Die CD enthält zudem Werke von Christoph Nichelmann, Johann Kirnberger und Christoph Schaffrath. 
Ebenfalls 1991 aufgenommen wurde die CD Konzert am Preußischen Hof mit Werken von Johann Gottlieb und Carl Heinrich Graun, Georg Benda und Carl Philipp Emanuel Bach. Hier ist erneut das Kammer- orchester "Carl Philipp Emanuel Bach" unter Hartmut Haenchen zu hören. Insgesamt geben diese fünf CD einen ersten Einblick in die musikalische Welt, in der sich Friedrich der Große bewegte. Und die Aufnahmen sind von einer Qualität, die so manches, was später er- schienen ist, ganz klar in den Schatten stellt. 

Samstag, 26. November 2011

FlötenKönig - Emmanuel Pahud (EMI Classics)

Der Flötenkönig - das ist mitnich- ten Emmanuel Pahud, der Solo- flötist der Berliner Philharmoniker, trotz der albernen Kostümierung, in der er auf dem Cover dieser CD zu sehen ist. Im Januar 2012 jährt sich zum 300. Male der Geburtstag Friedrichs II. von Preußen, auch Friedrich der Große genannt. Und so wird dies vermutlich nicht die letzte CD sein, die in den kommen- den Monaten dem Monarchen gewidmet werden wird, der mit derselben Leidenschaft Flöte spielte, mit der er auch seine Soldaten exerzierte. 
"Es ist eines, Geschichte aus einem Geschichtsbuch zu lernen, Daten, Fakten und Zitate zu einem Gesamtbild zu addieren. Für mich als Musiker ist ein weiterer Schlüssel, um diese historische Epoche zu verstehen, die Musik selbst", meint Emmanuel Pahud in seinem Essay "Der neue Geist zu Hofe", beigefügt im Beiheft dieser Doppel-CD - Copyright by Axel Brüggemann, da wundert sich der Leser allerdings: Von wem stammt denn dieser Text - vom Musiker, oder von einem Musikjournalisten? Noch staunend, liest man weiter: "Schließlich funktioniert sie ähnlich wie die Sprache. Sie wandelt sich mit ihrer Zeit: neue  Vokabeln werden erfunden und die Grammatik erweitert, um ein verändertes Lebensgefühl auszudrücken."
Um diesen Übergang deutlich werden zu lassen, hat der Flötist - oder war es die Mannschaft von EMI Classics, man ist sich da schon nicht mehr ganz sicher - Werke ganz unterschiedlicher Komponisten ne- beneinander gestellt. "Johann Sebastian Bach war ein Perfektionist der Form: er hat mit komplexen Systemen und Harmonien gearbei- tet, ja gar mit mathematischen Codes und sie durch seine Genialität belebt", meint Pahud. "Die nächste Generation hat diese alten Formen durchaus aufrecht erhalten, es wurden weiterhin Solostücke oder Sonaten geschrieben. Aber die Freiheit innerhalb der alten Formen wurde durch Carl Philipp Emanuel Bach, durch Quantz und auch durch Friedrich selbst erweitert. Man erkennt das daran, dass die Taktzahlen nicht mehr genau stimmen, dass alles interaktiver wirkt - und dass die Musiker suchen, was man im Jazz die ,Blue Note' nennt. Eine Stimmung, einen individuellen Ausdruck." 
Der Schritt vom Barock in die Ära der Aufklärung spiegele sich in der Alltagskultur in Preußen und in seiner Musik wieder, so der Flötist: "Wer genau hinhört, versteht, wie sehr die Musiker von den moder- nen Ideen geprägt waren - und wie sie daran gearbeitet haben, sie in Musik zu übersetzen. Jeder auf seine Art." Und in seiner Position, denn da erkennt Pahud enorme Unterschiede. "Ebenso wie die Stücke Carl Philipp Emanuel Bachs, der zwar auch mit den Konventionen seines Vaters gebrochen hat, bleiben Quantz' Kompositionen Werke eines Untergebenen." Die Werke Friedrichs hingegen seien "am schwierigsten zu spielen", sagt der Flötist: "Das liegt daran, dass sie den Duktus des Herrschers tragen. Er bestimmt die Regeln, er ent- scheidet, was richtig und falsch ist." Nun ja. 
Für diese CD hat Pahud exzellente Mitstreiter, allen voran Trevor Pinnock am Cembalo, der sich seit vielen Jahren der Alten Musik verschrieben hat, und hier die Kammerakademie Potsdam ebenso versiert führt, wie man das von seinen Aufnahmen mit dem von ihm gegründeten Ensembe The English Concert gewohnt ist. Die jungen Musiker spielen frisch und engagiert. Bei den Sonaten, allen voran die Triosonate aus Bachs Musikalischem Opfer BWV 1079, wirken dann allerdings Matthew Truscott, Violine, und Jonathan Manson, Violon- cello, mit. 
Beide sind ausgewiesene Experten für Barockmusik; desto mehr verwundert es allerdings, dass sie hier nicht "richtige" Barockmusik spielen, sondern eine Aufführungspraxis pflegen, die man bestenfalls als historisch informiert bezeichnen könnte. Emmanuel Pahud spielt für die Musik, mit der er sich hier beschäftigt, schlicht das falsche Instrument. Wer das berühmte Gemälde genau betrachtet, das Friedrich beim Musizieren in Sanssouci zeigt, dem wird auffallen, dass der König mitnichten eine Böhm-Flöte mit Klappenmechanismus in Händen hält. Die gab es damals nämlich noch gar nicht. Und durch den Gebrauch einer Traversflöte ergeben sich nicht nur ganz andere technische Herausforderungen für den Solisten, es ergibt sich auch grundsätzlich ein gänzlich anderer Klang. 
Insofern hinterlässt diese CD nicht den allerbesten Eindruck - bei aller technischen Brillanz. Natürlich ist Pahud ein sehr guter Solist, aber die Quantz-Konzerte sowie etliche Werke der beiden Bachs hat auf der Querflöte auch beispielsweise der Dresdner Flötist Eckart Haupt ein- gespielt. Wenn ich ganz ehrlich sein soll - diese Aufnahmen gefallen mir besser, auch wenn sie mittlerweile schon einige Jährchen auf dem Buckel haben. Ich finde sie stimmiger, musikantischer - und darum wird auch nicht so ein Rummel betrieben. 
"Während der Aufnahme dieser CD passierte etwas, das mich faszinierte: Ich musste für jedes Werk in eine andere Rolle schlüpfen. Jeder Komponist, der Freidenker Friedrich, sein Lehrer Quantz, der revolutionäre Carl Philipp Emanuel Bach und Anna Amalia von Preußen haben aus unterschiedlichen Positionen komponiert", berichtet Pahud. "Bei allen unterschieden sich der Tonfall und der Sprachduktus der Musik. Für uns als Interpreten ist das eine große Herausforderung. So sind die einzelnen Stücke dieser CD zu kleinen Opern geworden, die von unterschiedlichen Menschen erzählen. Irgendwann formte sich aus all den Mosaiken für mich ein Bild über das Treiben, das Denken und den Geist am Hofe Preußens." Spätestens dort kann ihm der Zuhörer garantiert nicht mehr folgen; und vielleicht hätte EMI Classics auch generell das Beiheft etwas stärker auf die Musik und etwas weniger auf die Person Friedrichs ausrichten sollen. Informationen statt Klischee und Preußenkönig, gern auch ein paar Zeilen über die Musiker. So übertönt das Marke- ting-Getrommel die Flötentöne. Schade.