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Dienstag, 17. Dezember 2019

Bübchens Weihnachtstraum (Genuin)

Einladung zum Krippenspiel, mit Chor und einem kleinen Orchester: Stimmungsvoll wie die Märchenoper Hänsel und Gretel ist auch Bübchens Weihnachtstraum, ebenfalls von Engelbert Humperdinck. Seine Musik führt uns mitten hinein in die festliche Atmosphäre am Heiligabend. Es duftet nach Backwerk und Tannenzweigen, in der Stube ist es heute besonders heimelig, und draußen vor dem Fenster tanzen die Schneeflocken. Einem kleinen Jungen dauert das Warten aufs Christkind zu lang. Er schlummert ein, und Humperdinck zeigt uns in seiner Kombination aus Liedern, Sprechtext und Orchestermusik, wie das Bübchen im Traum schon an die Krippe tritt. 
Dabei kombinierte der Komponist bekannte Weihnachtslieder und neue Ideen. Humperdinck erweist sich gerade in diesem kleinen Stück als ein großer Meister, der mit bescheidenen Mitteln ganz enorme Wirkung erzielen kann. Seine Orchestration und auch seine Chorsätze sind schlicht und zugleich raffiniert – und der MDR Kinderchor hat nun glücklicherweise Bübchens Weihnachtstraum wiederentdeckt und das „melodramatische Krippenspiel für Schule und Haus“ auf CD eingespielt. 
Das Leipziger Ensemble, das seit Januar 2018 von Alexander Schmitt geleitet wird, ist der einzige Kinderchor der ARD – und künstlerisch ein Juwel, wie diese Aufnahme beweist. Daran haben auch das MDR-Sinfonieorchester sowie Sopranistin Lisa Rothländer mitgewirkt, die das kleine Solo hinreißend singt. Als Erzähler brilliert Axel Thielmann, der die Hörer gekonnt und humorvoll durch die Geschichte geleitet. Und weil es so schön ist, gibt’s als Zugabe gleich noch einige Weihnachtslieder aus der Chortradition. 

Sonntag, 3. Februar 2019

Herbert Kegel (Capriccio)

Den Dirigenten Herbert Kegel (1920 bis 1990) ehrt eine Sammelbox des Labels Capriccio. Er war ein Schüler von Karl Böhm, und wurde 1949 Chorleiter und Kapellmeister beim Sender Leipzig. 1953 wurde Kegel dann Chefdirigent des Leipziger Rundfunk-Sinfonieorchesters. 
Mit „seinem“ Orchester widmete er sich vor allem der zeitgenössischen Musik. Er bereitete sich akribisch vor, und verlangte auch von den Musikern und Sängern Präzision. Seine Proben – sie konnten durchaus zehn Stunden und mehr dauern – sind eine Legende; für die Musizierenden waren sie sicherlich vor allem eine Tortur. Doch seine Aufnahmen zeigen, warum die Künstler diese Strapazen auf sich nahmen: „Oft hat man den Eindruck – selbst bei Stücken, die man schon viele Male gehört hat und daher zu kennen glaubt – als hätte man jahrelang durch eine Milchglasscheibe geblickt und Kegels Interpretation habe den Schmierfilm vom Glas entfernt, sodass man nun ganz neue Details wahrnimmt, die man so noch nie zuvor gehört hatte“, beschreibt Rainer Aschemeier in seinem Geleitwort diesen Effekt. Die Orff-Einspielungen Kegels beispielsweise sind Ereignisse, ebenso seine Interpretationen der Mahler-Sinfonien. 
1977 wurde Kegel Chefdirigent der Dresdner Philharmonie. Das war ein großer Fehler, denn seine Ausflüge in die Moderne waren bei dem konservativen Dresdner Publikum nicht willkommen. Im Elbtal wollte man die Klassiker hören – und so erklingt auch auf diesen acht CD in erster Linie Beethoven. Neben den neun Sinfonien erklingen das Tripelkonzert – mit Peter Rösel, Klavier, Christian Funke, Violine und Jürnjakob Timm, Violoncello – und die Chorfantasie. Dazu gibt es eine CD mit allerlei kurzen Stücken, von Gluck über Glinka bis hin zu Sibelius. Komplettiert wird die Box durch Kegels legendäre Aufnahme des Brahms-Requiems aus dem Jahre 1985. Hier dirigiert er noch einmal „seine“ Leipziger Klangkörper. 
Im gleichen Jahr wurde Kegel in den Ruhestand verabschiedet. Es war zunächst ein Unruhestand, mit zahlreichen Projekten. Doch während man ihn in Japan verehrte und schätzte, verlor Kegel in der Heimat immer mehr an Bedeutung. Zur Wendezeit war der Dirigent dann nur noch ein Rentner – und tief depressiv. Im November 1990 wählte er den Freitod, was damals wenig interessierte. Seine Aufnahmen aber werden nun schrittweise wieder zugänglich. Auch diese CD-Box zeigt, wie wertvoll Herbert Kegels Arbeit war. 

Dienstag, 29. Mai 2018

Wagner: Concert Overtures (Naxos)

Das MDR Sinfonieorchester unter Jun Märkl präsentiert auf dieser CD ausgesprochene Raritäten: Folgt man dem Lebensweg von Richard Wagner (1813 bis 1883), so sind da etliche Musikstücke zu entdecken, die es nicht bis in das Repertoire geschafft haben. Zwei Konzertouvertüren sowie die Ouvertüre zu der historischen Tragödie König Enzio stammen aus den Jugendjahren des Komponisten; sie sind während seines Musikstudiums in Leipzig entstanden. 
Vorbilder des jungen Wagners, der sich hier ausprobiert, waren ganz offenkundig Beethoven und Mendelssohn. Später, da war Richard Wagner bereits in Magdeburg bei der Bethmannschen Theatertruppe, datieren die Ouvertüren zu Christopher Columbus, Die Feen und Das Liebesverbot. Hier überrascht Wagner mit italienischen Klängen – und mit charakteristischen, immer wiederkehrenden Motiven. 
Als Geburtstagsständchen für seine Frau Cosima schrieb er dann 1870 das Siegfried-Idyll; dieses Werk, das populär wurde, beschließt die Einspielung aus den Jahren 2011/12, die insgesamt durch solide Qualität überzeugt. Meine Empfehlung! 

Donnerstag, 27. März 2014

PicCollage (Talanton)

Die Piccoloflöte ist die Leiden- schaft der Leipziger Musikerin Gudrun Hinze. Sie hat gemeinsam mit Kollegen, die zumeist dem MDR Sinfonieorchester und dem Gewandhausorchester Leipzig angehören, eine CD eingespielt, um diese Passion weiterzugeben. „Feuerzauber, Hexentanz und ländliche Gewitter haben seit vielen Jahrhunderten Komponi- sten bei der Instrumentation ihrer Orchesterwerke zum Piccolo greifen lassen. Neben den funkensprühenden Eigenschaften meines kleinen Instrumentes gibt es aber auch noch die nahe Verwandtschaft zur irischen Penny Whistle mit ihrem schwebenden und romantischen Klang, die feingliedrige virtuose Klarheit und den spitzbübischen Witz, die in der Seele des Piccolos schlummern“, schwärmt Hinze im Beiheft zu dieser CD. In der Musik, die die Flötistin ausgewählt hat, kommen all diese Facetten zur Geltung. Musiziert wird zudem wunderbar. Meine Empfehlung - diese CD  ist wirklich hinreißend! 

Dienstag, 5. April 2011

Mendelssohn: Elias (Naxos)

Felix Mendelssohn Bartholdy, hochdramatisch: Das Wort Orato- rium ist für Elias zu schwach. Dieses Werk, ein regelrechtes Bibliodrama, schuf Mendelssohn nach einer Textkompilation aus dem Buch der Könige, geschrieben von seinem Freund Julius Schub- ring, Pastor in Dessau.
Der Komponist war von den Orga- nisatoren des Festivals gebeten worden, bei den Festspielen 1846 in Birmingham die künstlerische Leitung zu übernehmen - und dort ein neues Werk vorzustellen. Die Direktion lehnte er ab, den Komposi- tionsauftrag allerdings akzeptierte er - und so erklang der Elias erstmals am 26. August 1846 in Birmingham. Das Werk sorgte für Furore; 1847 folgten weitere Aufführungen in London, und nach Leipzig zurückgekehrt, begann Mendelssohn dann mit den Proben für die deutsche Uraufführung. Sie wurde schließlich von Niels Wilhelm Gade geleitet, denn Mendelssohn war am 4. November 1847 nach mehreren Schlaganfällen gestorben. 
Im englischen Sprachraum blieb der Elias immer beliebt; in Deutsch- land ist er es heute wieder - wohl jeder Chor freut sich darüber, dieses Werk singen zu dürfen. Die Anleihen bei Bach, für dessen Passionen sich Mendelssohn sehr eingesetzt hatte, sind unüberhörbar. Dennoch ist der Elias ganz Romantik - in seinen expressiven Chören ebenso wie in den mitreißenden Ensembles, den oftmals wuchtigen, machtvollen Partien der Solisten und der Klangsprache des Orchesters. 
In der vorliegenden Aufnahme mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Jun Märkl steht die Dramatik klar im Vordergrund. Der Chor erweist sich als überaus stimmstark; doch auch die fünf Solisten, auf die hier die ursprünglich sechs wesentli- chen Solopartien verteilt sind, singen sehr hörenswert - allen voran Ruth Ziesak mit ihrem kristallklaren Sopran, Claudia Mahnke mit einem wunderschönen, dunkel timbrierten Mezzo, Luise Müller als "Knaben"sopran, sowie der Bassist Ralf Lukas als fulminanter Elias, und Christoph Genz, Tenor. Immer wieder sind auch Chorsolisten zu hören; leider erfährt hier man keine Namen.