Posts mit dem Label Genz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Genz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 29. Mai 2014

Carl Philipp Emanuel Bach: Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu (Hyperion)

Als Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) in Hamburg Nachfolger seines Paten Georg Philipp Telemann im Amt des städtischen Musikdirektors wurde, hatte sich das Oratorium grund- legend gewandelt. Aus Passions- musiken, die anfangs den Bibeltext maximal noch durch Choral- strophen ergänzten, waren Werke geworden, die den Kirchenraum zusehends verließen – und die geistliche Handlung durch fromme Gefühle und andächtige Reflexion ersetzt hatten. Auch von Carl Philipp Emanuel Bach sind drei solcher Oratorien überliefert: Die Israeliten in der Wüste, Die letzten Leiden des Erlösers und Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu
Diese CD enthält das dritte dieser Werke, entstanden nach einem Text von Karl Wilhelm Ramler, der sich damals offenbar großer Beliebtheit erfreute. Denn das Libretto haben auch Graun, Telemann und andere Komponisten vertont. Das Oratorium, das keine Choräle mehr hat, war offenbar für den Konzertsaal bestimmt. Dort wurde es 1774 auch erstmals aufgeführt. Es zeichnet sich durch Expressivität aus. Insbe- sondere die Chöre sind ein Ereignis. Doch auch dem von Sigiswald Kuijken souverän geführten Orchester La Petite Bande und den Sängern lauscht man gern. Stephan Genz, Bass, ist hier gemeinsam mit seinem Bruder, dem Tenor Christoph Genz, zu hören. Er beeindruckt nicht nur durch seine gute geführte, geschmeidige Stimme, sondern auch durch seine sensible Textausdeutung. 

Sonntag, 13. April 2014

Bach: Cantatas BWV 70 - 9 - 182; Kuijken (Accent)

Mit CD 18 findet der sogenannte kleine Kantatenzyklus von Sigis- wald Kuijken nach knapp sieben Jahren seinen Abschluss. Der Musiker wollte damit die These beweisen, dass die Vokalwerke von Johann Sebastian Bach für eine solistische Besetzung entstanden sind, so dass man sie besser mit jeweils einer Singstimme pro Part aufführen sollte. 
Die Aufnahmen, die Kuijken mit seinem Ensemble La Petite Bande und mit einer handverlesenen Sängerschar eingespielt hat, testen aus, welche Vorteile eine solche Besetzung bringt. Es wird nicht über- raschen, dass die Einspielungen in ihrer Brillanz und oftmals auch in ihrer Rasanz „klassischen“ Interpretationen, zumal mit Laienchören, überlegen sind. So wählt auch auf dieser letzten CD Kuijken gerade für die Eingangschöre ( Wachet! betet! betet! wachet! / Himmelskönig, sei willkommen) ausgesprochen sportliche Tempi. Das wird selbst für die Instrumentalisten, zumal für die Trompete, zu einer Herausforde- rung. Bach jedoch dürfte es bei seiner Kirchenmusik weniger um Geschwindigkeitsrekorde als vielmehr um theologische Inhalte und daher um Wohlklang und vor allem auch um Textverständlichkeit gegangen sein. Insofern sind dieser Edition ganz sicher interessante Denkanstöße zu verdanken. Ob dies aber der Weisheit letzter Schluss ist, darf bezweifelt werden.  

Montag, 10. Juni 2013

Bach: Cantatas; Suzuki (BIS)

Mit großem Engagement treiben alle Beteiligten die Bach-Kantaten- edition des Bach Collegiums Japan unter Masaaki Suzuki bei BIS Records voran. Mittlerweile liegt Super Audio-CD Nummer 53 vor; dazu kommt CD Nummer drei mit weltlichen Kantaten. Sie enthält auch das fragmentarisch über- lieferte Quodlibet BWV 524, vom dem hier vermutet wird, es sei zu einer Hochzeit entstanden. 
Suzuki musiziert stets mit einem ausgesuchten kleinen Ensemble. Den Solisten stehen einige wenige Ripienisten zur Seite. Auch Orche- ster und Continuo sind schlank besetzt. Diese Einspielung ist in ihrer exzellenten Qualität derzeit unübertroffen. Man freut sich über die Brillanz, die Intensität und die Ausdrucksstärke, mit der diese Auf- nahmen immer wieder beeindrucken. Bravi! 

Mittwoch, 29. Mai 2013

Bach: Cantatas; Kuijken (Accent)

Mit diesem Bach-Kantatenzyklus will Sigiswald Kuijken die These des amerikanischen Bachforschers Joshua Rifkin bestätigen, Bach ha- be die Chorsätze seiner Kantaten mit lediglich einem Sänger pro Stimme besetzt. 
Dazu spielt Kuijken mit seinem Ensemble La Petite Bande je eine Kantate für die Sonn- und Festtage im Kirchenjahr ein. Auch das Sängerquartett wurde mit Sorgfalt ausgewählt. Die Vokalsolisten be- zaubern durch Anmut und Klarheit; die Instrumentalisten musizieren ebenso sachlich wie sensibel. Im Mittelpunkt dieser Einspielung steht der Text, der durch die Musik unterstrichen, aber nicht übertönt werden soll.
Mittlerweile sind die Folgen 15 und 16 mit Kantaten für die Zeit nach Trinitatis sowie für das Pfingstfest erschienen. Und das Experiment erweist sich durchaus als gelungen. Kuijkens bislang bedeutendstes und umfangreichstes Projekt ist mitnichten von rein akademischem Interesse. Wer Ohren hat, der muss zugeben, dass die Bach-Interpre- tation in Zukunft an den Standards, die dieses Ensemble setzt, nicht mehr vorbei kann.

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Das Kirchenjahr mit Johann Sebastian Bach - Thomanerchor Leipzig (Rondeau)

Rechtzeitig vor dem Fest sind bei Rondeau mit den CD 1 und 3 zwei weitere Folgen der Reihe Das Kirchenjahr mit Johann Sebastian Bach erschienen. Der Thomaner- chor singt Kantaten zum Advent und zu Epiphanias - BWV 61, 62 und 36 bzw. 65, 3 und 72. 
Sie führen den Hörer von der Vor- freude und Erwartung der Geburt Christi bis zum Dreikönigstag, sowie den Wundern, die Jesus bei der Hochzeit zu Kana sowie mit der Heilung des Aussätzigen und des Gelähmten gewirkt hat. Thomaskantor Georg Christoph Biller behält den schönen Brauch bei, vor den Bach-Kantaten jeweils eine passende Motette aus dem Florilegium selectissimorum Hymnorum singen zu lassen. Dabei kommen die jugendlichen Stimmen auch schön zur Geltung. Die Bach-Kantaten hingegen fordern die Thomaner teilweise erheblich. 
Biller besetzt die Sopran- und Alt-Solopartien mit Chorknaben. Beim Tenor und beim Bass hingegen kommen erwachsene Solisten zum Einsatz. Zu hören sind hier Martin Petzold, Christoph Genz, Daniel Ochoa, Andreas Scheibner und Gotthold Schwarz. Es wird jedem klar sein, dass dies zu einer gewissen Unausgewogenheit führen muss. Die Thomaner Paul Bernewitz, Friedrich Praetorius, Conrad Zuber, Mar- tin Deckelmann und Stefan Kahle schlagen sich wacker, aber sowohl gesangstechnisch als auch in Sachen Gestaltung sind die Rezitative und Arien für die Knaben eine Herausforderung. 
Begleitet werden die Sänger zuverlässig vom Gewandhausorchester. Wer den Klang der Thomaner liebt, der sollte sich diese Jubiläums- edition zum 800. Jahrestag der Gründung des Ensembles schenken. Wer eine wirklich gute Aufnahme der Bach-Kantaten sucht, der sollte sich besser für eine andere entscheiden - die Auswahl ist ja sehr groß. 

Montag, 5. November 2012

Music for a While (Berlin Classics)

Christoph Genz hat am King's College in Cambridge studiert. Es wird daher nicht verwundern, wenn er sich auf dieser CD dem Lautenlied zuwendet, das im England des 17. Jahrhunderts in hoher Blüte stand. Der Sänger stellt aber nicht nur einige Lieder von Henry Purcell, Thomas Morley und John Dowland vor. Er zeigt zu- gleich an einigen gut ausgewählten Beispielen, wie die neue Gattung in Deutschland aufgegriffen und wei- terentwickelt wurde. Und man muss sagen, dass diese Liedinterpreta- tionen, die der Tenor gemeinsam mit dem Lautenisten Michael Frei- muth eingespielt hat, zu seinen schönsten Aufnahmen gehören. Genz gestaltet mit Sorgfalt, und sein Gesang wirkt gleichzeitig wunderbar locker und unangestrengt. Wer Lautenlieder liebt, der sollte diese CD auf keinen Fall übersehen. 

Mittwoch, 23. Mai 2012

Das Kirchenjahr mit Johann Sebastian Bach - Pfingsten (Rondeau)

Dies ist CD Nummer sieben aus einer Reihe von zehn Silber- scheiben, die bis März 2014 erscheinen und eine Auswahl aus dem Kantatenschaffen von Johann Sebastian Bach in der Ordnung des Kirchenjahres vorstellen werden. Zu hören sind der Thomanerchor Leipzig, der in diesem Jahr sein 800jähriges Bestehen feiert, und Musiker des Leipziger Gewand- hausorchesters unter Leitung von Thomaskantor Thomas Biller. 
Diese CD enthält die Pfingstkanta- ten Erschallet, ihr Lieder BWV 172, Wer mich liebet, der wird mein Wort halten BWV 74 und O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe BWV 34. Vorangestellt hat Biller diesen Kantaten erneut Hymnen aus der Sammlung Florilegium selectissimorum Hymnorum, zusammen- gestellt 1594 von Erhard Bodenschatz, wie dies zu Bachs Zeiten üblich war. 
Die Soli werden von Thomanern - in diesem Falle Sopran Conrad Zuber, Alt Robert Pohlers und Alt Martin Deckelmann - und ehema- ligen Thomanern gesungen, auf dieser CD sind dies die Tenöre Christoph Genz und Martin Petzold, sowie Matthias Weichert, Bass. Reinhard Decker, ebenfalls Bassist, begann seine musikalische Ausbildung im Dresdner Kreuzchor unter Kreuzkantor Rudolf Mauersberger. 
Zur musikalischen Qualität dieser Aufnahmen aus den Jahren 2007 und 2008 sei gesagt, dass sie sich mit den führenden Kantateneditio- nen auch nicht entfernt messen können. Man sollte diese Serie eher als eine Art klingendes Souvenir aus Leipzig sehen - und also solches wird sie ganz sicher auch ihre Käufer finden. 

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Bach: Cantatas BWV 91 - 57 - 151 -122; Kuijken (Accent)

Rechtzeitig zum Fest ist eine weitere Super Audio-CD aus der Bach-Kantaten-Edition des Labels Accent erschienen. Sigiswald Kuijken spielt dort mit seinem Ensemble La Petite Bande und handverlesenen Solisten einen exemplarischen Kantatenjahrgang ein - und ist mittlerweile bei Vol. 14 von 20 angekommen. 
Diese CD enthält die Kantaten BWV 91 Gelobet seist du, Jesu Christ, eine Choralkantate zum ersten Weihnachtstag aus dem Jahre 1724, BWV 57 Selig ist der Mann für den zweiten Weihnachtstag 1725 - der zugleich der Namenstag des Märtyrers Stephanus ist, worauf sich diese Kantate bezieht -, BWV 151 Süßer Trost, mein Jesus kömmt, entstanden für den 27. Dezember 1725, und BWV 122 Das neugeborne Kindelein, eine Choralkantate, komponiert für den 31. Dezember, den ersten Sonntag nach Weih- nachten, 1724. 
Den Debatten der Musikwissenschaftler um die korrekte Aufführungs- praxis setzt Kuijken diese Aufnahmen entgegen, ein musikalisches Experiment, bei dem er einige Annahmen erprobt. So verzichtet er auf den Einsatz des Violoncellos als Continuo-Instrument, und setzt statt dessen auf den Violone, ein großes Instrument aus der Gamben- familie, das als Vorläufer des Kontrabasses gilt. Die ersten und zweiten Geigen sind jeweils lediglich doppelt, die Viola ist sogar nur einfach besetzt. Und natürlich spielen auch die Bläser "historische" Instrumente, was freilich zu einigen ungewohnten Klangeffekten führt. 
Statt der üblichen, mehr oder weniger behäbigen Kantorei singt hier nur ein Solistenquartett, das auch die Choräle und Eingangschöre mit übernimmt. Diese Aufnahme gewinnt dadurch vor allem an Bewegt- heit, Klarheit und Ausdruck - was Bachs Musik, die ja stark rhetorisch orientiert ist, sehr zustatten kommt. Gerlinde Sämann, Sopran, Petra Noskaiová, Mezzosopran, Christoph Genz, Tenor und Jan Van der Crabben, Bariton, musizieren miteinander und auch im Dialog mit den Instrumentalisten, dass es eine Freude ist. Hinreißend! Insbesondere Christoph Genz gestaltet seine Partie derart intelligent, dass man sich fragt, warum dieser Sänger in anderen Aufnahmen lang nicht so be- eindrucken konnte. Wahrscheinlich liegt es in dem ganz besonderen Zauber dieser Einspielung begründet; Kunst bedarf ja bekanntlich auch der Inspiration. 
Endlich hört man einmal nicht Solisten, die irgendwie "begleitet" werden, sondern man erlebt das komplexe Gebilde Bach-Kantate als strukturelle Einheit, die durch Sänger und Musiker gleichermaßen gestaltet wird. Das klingt sicherlich sehr theoretisch, doch es ist wirklich eine Sternstunde, wenn man hier hörend nachvollziehen kann, wie eng Bach Stimmen und Instrumente verflochten hat. Kuijken und sein Ensemble arbeiten das ausgesprochen sorgsam heraus. Das ist mit Sicherheit die derzeit interessanteste Version der Bach-Kantaten - ich kann diese Edition nur begeistert empfehlen. 

Montag, 5. Dezember 2011

Bach: Kantaten; Thomanerchor Leipzig (Rondeau)

"Das Kirchenjahr mit Johann Sebastian Bach" lautet das Motto einer neuen CD-Reihe des Thoma- nerchores, die bei dem Leipziger Label Rondeau erscheint. Mittler- weile sind CD Nummer 10 mit den Kantaten BWV 19, 50, 79 und 80 zur Reformation und zum Michae- listag sowie CD Nummer 2 mit den Kantaten BWV 63, 110 und 190 zur Weihnacht erschienen.
Thomaskantor Georg Christoph Biller stellt den Kantaten jeweils einen Hymnus aus dem Florile- gium selectissimorum Hymnorum voran. Diese Motettensammlung entstand aus dem Schulgesang an der Landesschule Pforta bei Naumburg, und wurde von dem Kantor Erhard Bodenschatz (1576 bis 1636) herausgegeben. Das Florilegium Portense war zu Bachs Zeiten an protestantischen Schulen in Nord- und Mitteldeutschland weit verbreitet. Es erschien in mehreren Ausgaben; die hier genutzte stammt aus dem Jahre 1594 und basiert auf den Hymnen des Kompo- nisten Sethus Calvisius (1556 bis 1615). Dieser wirkte von 1582 bis 1594 als Kantor in Schulpforta, und wurde dann als Thomaskantor nach Leipzig berufen. 
Die Kombination aus den eher ruhigen, getragenen Hymnen, die schon Bach seinerzeit mit den Thomanern zu Beginn des Gottes- dienstes musiziert hat, und den Kantaten erweist sich als eine gute Idee, die diese CD ungemein bereichert und abrundet - nicht zuletzt weil sie das Flair jener Zeit transportiert, in der Bach seine Kantaten geschaffen hat. 
Die Thomaner singen erfreulich; das Gewandhausorchester Leipzig erweist sich einmal mehr als ein Spitzenorchester Europas. Für die Solistenpartien in Tenor und Bass wurden mit Christoph Genz, Martin Petzold, Matthias Weichert und Gotthold Schwarz ehemalige Thoma- ner gewonnen; die Sopransoli hingegen singen die Thomaner Fried- rich Praetorius, Conrad Zuber und Paul Bernewitz. Diese Knaben- soprane singen alle sauber, aber mit einer Technik, die einem schon beim Zuhören Halsschmerzen bereitet. Die eigentliche Entdeckung dieser CD ist Thomaner Stefan Kahle, der einen unglaublich guten Altus singt. Wenn es dem jungen Mann gelingt, sich diese Stimme zu erhalten, dann werden ihm die Bühnen dieser Welt offenstehen. Desto bedauerlicher erscheint es, dass sich im Chor offenbar derzeit weder ein Tenorist noch ein Bassist findet, der in der Lage wäre, ein solches Kantatensolo zu singen. 

Samstag, 19. November 2011

Bach: Weihnachtsoratorium (Rondeau)

Der Thomanerchor Leipzig singt Bachs Weihnachtsoratorium - und das gar nicht mal schlecht. Der Chor, der seit 1992 von Georg Christoph Biller geleitet wird, hat an Klang in jüngster Zeit gewaltig zugelegt. Besonders deutlich wird das, wenn man die vorliegende Aufnahme mit dem Mitschnitt aus dem Jahre 1998 vergleicht, der bei Philips erschienen ist (und über- haupt nicht begeistern konnte). 
Erfreulich ist auch, dass sämtliche Sopransoli hier durch die Thoma- ner Friedrich Praetorius und Paul Bernewitz übernommen werden konnten. Die Jungs singen klangschön und selbstbewusst - doch wie dünn das technische Fundament ist, auf dem sich die jungen Solisten bewegen, das wird beispielsweise im Herr, dein Mitleid-Duett deutlich hörbar. Für die anderen Soli wurden, Thomanertradition hin oder her, erwachsene Sänger engagiert. Zu hören sind Ingeborg Danz, Alt, die Tenore Martin Petzold als Evangelist und Christoph Genz, Arien sowie Panajotis Iconomou, Bassbariton. Zwar haben die Herren durchweg ihre ersten musikalischen Schritte als Mitglieder von Kna- benchören gemacht - Petzold und Genz waren wie Biller Thomaner, Iconomou war als Knabenalt einer der Solisten des Tölzer Knaben- chores. Doch würde man sich wünschen, dass bei der nächsten Aufnahme das komplette Solistenensemble mit Thomanern besetzt werden könnte. Das wäre unterm Strich ein weiterer Qualitätsgewinn - für den ganzen Chor. 
Erfreulich ist zudem die ausgeprägte rhetorische Zielrichtung, mit der hier musiziert wird. Es dominiert nicht das Gewandhausorchester, sondern der Gesang - und der legt Text aus, wie zu Bachs Zeiten üblich. Das macht die Aufnahme spannend. 

Donnerstag, 14. April 2011

Bach: Cantatas BWV 249 - 6 (Accent)

Diese CD vollzieht zwei kirchen- musikalische Aufführungen nach, die die Leipziger Bürger im Jahre 1725 erleben konnten: Am Oster- sonntag erklang die Kantate Kommt, eilet und laufet BWV 249, und am Ostermontag folgte darauf Bleib bei uns, denn es will Abend werden BWV 6. 
Sigiswald Kuijken hat diese beiden zeitlich aufeinander folgenden Werke mit seinem Ensemble La Petite Bande im Rahmen seiner Bachkantaten-Edition daher auch gemeinsam eingespielt. 
Zwei (!) exzellente Beihefte stellen die Überlegungen vor, die dieser Gesamteinspielung vorausgegangen sind. Darin finden sich interes- sante Gedanken; beispielsweise begründet Kuijken, warum er bei den Bach-Kantaten auf den Einsatz des Violoncellos im Continuo grund- sätzlich verzichtet, und wieso die Solisten dieser Aufnahme auch die Chöre singen. 
Eines wird bald hörbar: Durch dieses Konzept ergeben sich auch beim Klang etliche spannende Veränderungen. Denn das "Violoncello da spalla", das Kuijken benutzt, ist eher eine Art übergroße Bratsche, und klingt längst nicht so sonor wie das heute übliche Instrument. 
Die Chöre werden durch den Verzicht auf die singenden Massen transparenter - und präziser, virtuoser. Es singen Yeree Suh, Sopran, Petra Noskaiová, Mezzosopran, Christoph Genz, Tenor und Jan Van der Crabben, Bariton. Insbesondere die koreanische Sopranistin Suh beeindruckt mit ihrem glasklaren Sopran; die Spezereien-Arien war wohl kaum jemals so schön zu hören wie in dieser Einspielung. Auch Tenor Christoph Genz überzeugt mit seinem strahlenden Ton. Die beiden tiefen Stimmen hätte man sich vom Timbre her vielleicht noch einen Tick dunkler vorstellen können; ein Mezzosopran ist eben doch kein Alto, und ein Bariton kein Bass. 

Dienstag, 5. April 2011

Mendelssohn: Elias (Naxos)

Felix Mendelssohn Bartholdy, hochdramatisch: Das Wort Orato- rium ist für Elias zu schwach. Dieses Werk, ein regelrechtes Bibliodrama, schuf Mendelssohn nach einer Textkompilation aus dem Buch der Könige, geschrieben von seinem Freund Julius Schub- ring, Pastor in Dessau.
Der Komponist war von den Orga- nisatoren des Festivals gebeten worden, bei den Festspielen 1846 in Birmingham die künstlerische Leitung zu übernehmen - und dort ein neues Werk vorzustellen. Die Direktion lehnte er ab, den Komposi- tionsauftrag allerdings akzeptierte er - und so erklang der Elias erstmals am 26. August 1846 in Birmingham. Das Werk sorgte für Furore; 1847 folgten weitere Aufführungen in London, und nach Leipzig zurückgekehrt, begann Mendelssohn dann mit den Proben für die deutsche Uraufführung. Sie wurde schließlich von Niels Wilhelm Gade geleitet, denn Mendelssohn war am 4. November 1847 nach mehreren Schlaganfällen gestorben. 
Im englischen Sprachraum blieb der Elias immer beliebt; in Deutsch- land ist er es heute wieder - wohl jeder Chor freut sich darüber, dieses Werk singen zu dürfen. Die Anleihen bei Bach, für dessen Passionen sich Mendelssohn sehr eingesetzt hatte, sind unüberhörbar. Dennoch ist der Elias ganz Romantik - in seinen expressiven Chören ebenso wie in den mitreißenden Ensembles, den oftmals wuchtigen, machtvollen Partien der Solisten und der Klangsprache des Orchesters. 
In der vorliegenden Aufnahme mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Jun Märkl steht die Dramatik klar im Vordergrund. Der Chor erweist sich als überaus stimmstark; doch auch die fünf Solisten, auf die hier die ursprünglich sechs wesentli- chen Solopartien verteilt sind, singen sehr hörenswert - allen voran Ruth Ziesak mit ihrem kristallklaren Sopran, Claudia Mahnke mit einem wunderschönen, dunkel timbrierten Mezzo, Luise Müller als "Knaben"sopran, sowie der Bassist Ralf Lukas als fulminanter Elias, und Christoph Genz, Tenor. Immer wieder sind auch Chorsolisten zu hören; leider erfährt hier man keine Namen. 

Mittwoch, 11. November 2009

Portrait Christoph Genz - Songs and Arias (Berlin Classics)


Diese CD stellt einen Sänger vor, der seit Jahren im Geschäft ist, und bereits mit vielen namhaften Orchestern und Dirigenten musiziert hat. Dennoch erweist sich die Compilation als Überraschung. Denn sie offenbart die überragende gestalterische wie gesangs-technische Brillanz von Christoph Genz.
Der gebürtige Erfurter begann seinen künstlerischen Werdegang, in bester mitteldeutscher Gesangstradition, als Thomaner. Danach studierte er Musikwissenschaft am King's College in Cambridge, und Gesang an der Musikhochschule Leipzig. Genz singt einen strahlenden lyrischen Tenor; er verfügt über eine klare, farbenreiche Stimme.
Die vorliegende CD bringt zunächst englische und deutsche Lautenlieder des 17. Jahrhunderts - schön gesungen, aber einen Tick zu brav. Aufhorchen aber lassen seine Interpretationen von Bach-Kantaten, insbesondere der Solokantate "Ich Armer Mensch, Ich Sündenknecht" BWV 55. Genz beeindruckt nicht nur durch sein herrliches Timbre. Der sichere Einsatz der stimmlichen Mittel ermöglicht ihm insbesondere ein nuancenreiches, ausdrucksvolles Piano, um das ihn so mancher Kollege beneiden dürfte.
Mit drei Kanzonetten Haydns und der "Abendempfindung" Mozarts präsentiert sich der Tenor zudem als ein begnadeter Liedersänger. Genz gestaltet alle Stücke stilsicher und intelligent. Nicht nur darin erinnert er an Peter Schreier. Bislang aber gehört er nicht zu den Stars - warum eigentlich nicht?