Kann man Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung auf einem Akkordeon spielen? Und ob! Nikola Djoric zeigt, wie wunderbar das geht. Der Akkordeonist hält eine ganze Klangwelt zwischen seinen Händen: „Die Polyphonie einer Orgel, das singende Phrasieren einer Klari- nette, die dynamischen Nuancen eines Streichers, alles in einem vereint“, so schwärmt er von seinem Instrument. „Große Akkorde, die sich über drei Oktaven ausbreiten, sind wegen der Knopf-Tastatur mit nur einer Hand spielbar.“
Mit dem Knopfakkordeon kann Djoric daher Klavierkompositionen von Modest Mussorgski und Pjotr Iljitsch Tschaikowski ohne weitere Bearbeitung vortragen: „Ich spiele genau das, was in den Originalnoten steht.“ Und der Zuhörer staunt über den orchestralen Klang, und das erstaunliche Farbspektrum, das Djoric dabei aufbieten kann. Die Bilder einer Ausstellung wirken so russisch und zugleich so präsent, wie noch nie. Es ist, als stünde man selbst vor Hartmanns Bildern. Faszinierend. Und auch Tschaikowskis wenig bekanntes Kinderalbum wird man erfreut entdecken. Das Beiheft übrigens bietet, als Zugabe, eine kurze Geschichte des Akkordeons – rundum interessant. Mit dieser Einspielung ist Berlin Classics wirklich ein Coup gelungen.
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Montag, 21. Oktober 2019
Freitag, 19. Juli 2019
Musorgskij: Bilder einer Ausstellung (Oehms Classics)
Und gleich noch ein russisches Programm: Das Gürzenich-Orchester Köln hat mit seinem Ehrendirigenten Dmitri Kitajenko Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung eingespielt. Der vertonte Rundgang durch eine virtuelle Galerie, mit dem der Komponist an die Bilder und an die Persönlichkeit seines Freundes Viktor Hartmann (1834 bis 1873) erinnert, gehört zu den bekanntesten Werken überhaupt. Er erklingt hier in der Orchestrierung durch Maurice Ravel; die Einspielung überrascht durch einen Farbenreichtum, wie er selten zu erleben ist. Und mit Klangfarben geht es in dem Programm dann gleich weiter.
Einem Bilderbogen ähnelt auch Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch, eine Suite, die Maximilian Steinberg auf der Grundlage der gleichnamigen Oper seines Lehrers und Schwiegervaters Nikolai Rimski-Korsakow eingerichtet hat. Die Musik erzählt die Geschichte der Einsiedlerin Fewronia, die sich in den Prinzen Wselowod verliebt, der sich als Jäger in ihren Wald verirrt hat. Das Glück des jungen Paares aber wird durch die Tataren zerstört.
In Pastellfarben hingegen erleben wir das letzte Orchesterbild, Der verzauberte See von Anatoli Ljadow. Flöten, Harfe und Celesta illustrieren sein geheimnisvolles Wellenspiel, das sanfte Plätschern und Glitzern der Wogen, aber auch die gefährliche Tiefe. Vom ersten bis zum letzten Ton spürt man, wie eng das Gürzenich-Orchester und Kitajenko einander verbunden sind. Den Musikern gelingt es unter seiner Leitung, das jeweilige Farbenspiel und die Stimmungen der sehr unterschiedlichen Stücke höchst differenziert hörbar werden zu lassen. Großartig!
Einem Bilderbogen ähnelt auch Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch, eine Suite, die Maximilian Steinberg auf der Grundlage der gleichnamigen Oper seines Lehrers und Schwiegervaters Nikolai Rimski-Korsakow eingerichtet hat. Die Musik erzählt die Geschichte der Einsiedlerin Fewronia, die sich in den Prinzen Wselowod verliebt, der sich als Jäger in ihren Wald verirrt hat. Das Glück des jungen Paares aber wird durch die Tataren zerstört.
In Pastellfarben hingegen erleben wir das letzte Orchesterbild, Der verzauberte See von Anatoli Ljadow. Flöten, Harfe und Celesta illustrieren sein geheimnisvolles Wellenspiel, das sanfte Plätschern und Glitzern der Wogen, aber auch die gefährliche Tiefe. Vom ersten bis zum letzten Ton spürt man, wie eng das Gürzenich-Orchester und Kitajenko einander verbunden sind. Den Musikern gelingt es unter seiner Leitung, das jeweilige Farbenspiel und die Stimmungen der sehr unterschiedlichen Stücke höchst differenziert hörbar werden zu lassen. Großartig!
Montag, 4. März 2019
Fauré Quartett - Pictures at an Exhibition (Berlin Classics)
Das Fauré Quartett ist für seine Experimentierfreudigkeit bekannt. In diesem Falle haben sich die Musiker durch Sergej Alexandrowitsch Kussewitzki inspirieren lassen: Der legendäre Dirigent und Komponist, Gründervater des ebenso legendären Tanglewood Music Festival, wollte einst Werke russischer Komponisten in den USA vorstellen. Und so ließ er durch Ottorino Respighi für das Boston Symphony Orchestra eine Bearbeitung von Sergej Rachmaninows Études-Tableaux anfertigen. Maurice Ravel beauftragte er mit einer Orchesterfassung des Klavierzyklus' Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski.
In beiden Fällen war dies ein großer Wurf; die Bilder einer Ausstellung wurden in Ravels farbenreicher Orchesterversion bald populärer als das Original. Für das Fauré Quartett hat jetzt Pianist Dirk Mommertz – bei den Bildern gemeinsam mit Grigory Gruzman – Bearbeitungen beider Werke für Klavierquartett geschaffen.
Dabei ergänzen die Streicher den Klavierklang. Und musizieren können die Vier, sie spielen großartig, kühn, ausdrucksstark, und perfekt aufeinander abgestimmt. Manchmal bringt das verblüffende Effekte. So war Das Alte Schloss wohl nie grusliger. Aber insgesamt bleibt das Arrangement oftmals sehr nah am Original, und man fragt sich: Wozu dann das Ganze?
In beiden Fällen war dies ein großer Wurf; die Bilder einer Ausstellung wurden in Ravels farbenreicher Orchesterversion bald populärer als das Original. Für das Fauré Quartett hat jetzt Pianist Dirk Mommertz – bei den Bildern gemeinsam mit Grigory Gruzman – Bearbeitungen beider Werke für Klavierquartett geschaffen.
Dabei ergänzen die Streicher den Klavierklang. Und musizieren können die Vier, sie spielen großartig, kühn, ausdrucksstark, und perfekt aufeinander abgestimmt. Manchmal bringt das verblüffende Effekte. So war Das Alte Schloss wohl nie grusliger. Aber insgesamt bleibt das Arrangement oftmals sehr nah am Original, und man fragt sich: Wozu dann das Ganze?
Sonntag, 26. August 2018
Mussorgsky: Piano Works (Melodija)
Klaviermusik von Modest Mussorgski hat das russische Label Melodija veröffentlicht. Die CD kombiniert diverse Archivaufnahmen aus dem Zeitraum 1949 bis 2017. Zu hören sind fünf (!) Pianisten; ich muss gestehen, dass ich ihre Namen nie zuvor gesehen hatte. Und was ich gehört habe, das veranlasst mich auch nicht dazu, weitere Aufnahmen zu suchen.
Es gibt bereits etliche Gesamtein- spielungen des Klavierwerkes des russischen Komponisten – wer sich für sein Schaffen interessiert, der sollte sich dort umsehen. Diese CD jedenfalls kann ich leider nicht guten Gewissens empfehlen.
Es gibt bereits etliche Gesamtein- spielungen des Klavierwerkes des russischen Komponisten – wer sich für sein Schaffen interessiert, der sollte sich dort umsehen. Diese CD jedenfalls kann ich leider nicht guten Gewissens empfehlen.
Donnerstag, 25. Januar 2018
Living on the edge (Genuin)
Das Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen – vorgetragen von einem Posaunen-Ensemble? Trombone Unit Hannover beweist auf dieser CD, dass so etwas möglich ist. Frederic Belli, Mateusz Dwulecki, Karol Gajda, Lars Karlin, Angelos Kritikos, Tomer Maschkowski, Tobias Schiessler, Mateusz Sczendzina und Michael Zühl haben neben dem Zyklus Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski auch Musik aus Sergej Prokofjews Ballett Romeo und Julia sowie die populäre Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel eingespielt. Dabei wurden sie unterstützt durch den Posaunisten Yuval Wolfson sowie Martin Hennecke, Dominik Minsch und Johannes Walter am Schlagzeug. Ein irrwitziges Programm – und trotzdem klingt das alles so soft, so entspannt und so rund, als wäre dieses Repertoire ein Spaziergang.
Doch ganz so einfach ist das offenbar nicht: „Leben an der Kante“, so haben die Mitglieder der Trombone Unit Hannover ihr zweites Album genannt. Veröffentlicht haben sie es fünf Jahre nach dem ersten, pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum des Bläserensembles. „Aus End-Zwanzigern sind Mitt-Dreißiger geworden, die Zahl der Familienväter ist von einem auf vier gestiegen und die Mitgliederzahl im ,Trombone Unit Kindergarten' hat sich ebenfalls von drei auf neun erhöht“, so beschreibt Frederic Belli die Veränderungen, die sich in diesem Zeitraum ergeben haben.
Eine Herausforderung ist es ohnehin, das Musizieren in einem Ensemble, dessen Mitglieder über ganz Deutschland verstreut leben und arbeiten. Und auch das Programm, das Trombone Unit sich für diese CD ausgesucht hat, ist ohne Zweifel „on the edge“. Verantwortlich ist dafür nicht zuletzt Lars Karlin, der Arrangeur. „Was die Stücke betrifft, die ich für die Trombone Unit geschrieben habe, so hätte ich sie niemals für irgendein anderes Ensemble schreiben können“, räumt der Posaunist ein. „Niemand hätte so etwas akzeptiert! Viele der späteren Arrangements sind so nah an der Grenze sowohl der musikalischen als auch der technischen Möglichkeiten, dass ich mich selbst frage, wie das enden soll.“
Seine Bearbeitungen, so Karlin, sollen möglichst wie das Original klingen – und so will der Musiker auch möglichst wenig aus der originalen Partitur weglassen. Das bringt für Blechbläser einige Probleme mit sich: „Diese Person ist verantwortlich für unmenschliche Höhen und Tiefen auf unseren Instrumenten, technische Passagen, die weder auf den ersten, noch auf den zweiten oder dritten Blick möglich zu sein scheinen“, so wiederum Frederic Belli. „Er schreibt als Anweisung in den Noten zum Beispiel ,Jetzt oder nie!' oder ,wenn der erste Alt stirbt, spiele die nächst höhere Stimme' oder ,spiele das hohe F nur, wenn Du die Kraft dazu hast :-)'.“
„Als Arrangeur der Trombone Unit versuche ich Musik zu schreiben, die für das Ensemble auf den ersten Blick immer zu schwer aussieht. Nach mehrmaligem Durchspielen wird dann klar, dass sie doch machbar und irgendwann für die Spieler sogar ganz normal ist. Mit der Zeit erkennen das auch die Ensemblemitglieder“, meint wiederum Karlin. „Die Grenzen sind immer fließend, wenn man bereit ist, das Ensemble ein wenig anzustoßen.“
Diese Neckereien verbergen ein wenig den Ehrgeiz, trotz aller Schwierigkeiten erstklassige Qualität zu erreichen. Und das hat schon auch seine Tücken, wie die Musiker verraten. So entstand die Bläserversion der Bilder einer Ausstellung seinerzeit für ein Konzert im Jahre 2009 auf Wunsch von Frederic Belli.
Karlin zweifelte sehr daran, dass Ravels bombastische Orchestrierung auf acht Posaunen zu übertragen sein wird. Versuch macht klug, so der Musiker: „Also besorgte ich mir die Partitur und fing an. Ich begann spät und arbeitete Tag und Nacht, eine ganze Woche lang. Frederic weckte mich jeden Morgen per Telefon, so dass ich mit dem Arrangieren fortfahren konnte. Die Transkription wurde rechtzeitig fertig... zwei volle Tage vor dem Konzert!“, erinnert sich Lars Karlin. „Ich werde gar nicht erst versuchen, das Gesicht von Tobias zu beschreiben,als er seine Partie der Altposaune I bei der ersten Probe übte. Unvergesslich...“ Der Aufwand freilich lohnt sich. Denn die Klangpracht, die das Ensemble aufbieten kann, ist unvergleichlich.
Doch ganz so einfach ist das offenbar nicht: „Leben an der Kante“, so haben die Mitglieder der Trombone Unit Hannover ihr zweites Album genannt. Veröffentlicht haben sie es fünf Jahre nach dem ersten, pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum des Bläserensembles. „Aus End-Zwanzigern sind Mitt-Dreißiger geworden, die Zahl der Familienväter ist von einem auf vier gestiegen und die Mitgliederzahl im ,Trombone Unit Kindergarten' hat sich ebenfalls von drei auf neun erhöht“, so beschreibt Frederic Belli die Veränderungen, die sich in diesem Zeitraum ergeben haben.
Eine Herausforderung ist es ohnehin, das Musizieren in einem Ensemble, dessen Mitglieder über ganz Deutschland verstreut leben und arbeiten. Und auch das Programm, das Trombone Unit sich für diese CD ausgesucht hat, ist ohne Zweifel „on the edge“. Verantwortlich ist dafür nicht zuletzt Lars Karlin, der Arrangeur. „Was die Stücke betrifft, die ich für die Trombone Unit geschrieben habe, so hätte ich sie niemals für irgendein anderes Ensemble schreiben können“, räumt der Posaunist ein. „Niemand hätte so etwas akzeptiert! Viele der späteren Arrangements sind so nah an der Grenze sowohl der musikalischen als auch der technischen Möglichkeiten, dass ich mich selbst frage, wie das enden soll.“
Seine Bearbeitungen, so Karlin, sollen möglichst wie das Original klingen – und so will der Musiker auch möglichst wenig aus der originalen Partitur weglassen. Das bringt für Blechbläser einige Probleme mit sich: „Diese Person ist verantwortlich für unmenschliche Höhen und Tiefen auf unseren Instrumenten, technische Passagen, die weder auf den ersten, noch auf den zweiten oder dritten Blick möglich zu sein scheinen“, so wiederum Frederic Belli. „Er schreibt als Anweisung in den Noten zum Beispiel ,Jetzt oder nie!' oder ,wenn der erste Alt stirbt, spiele die nächst höhere Stimme' oder ,spiele das hohe F nur, wenn Du die Kraft dazu hast :-)'.“
„Als Arrangeur der Trombone Unit versuche ich Musik zu schreiben, die für das Ensemble auf den ersten Blick immer zu schwer aussieht. Nach mehrmaligem Durchspielen wird dann klar, dass sie doch machbar und irgendwann für die Spieler sogar ganz normal ist. Mit der Zeit erkennen das auch die Ensemblemitglieder“, meint wiederum Karlin. „Die Grenzen sind immer fließend, wenn man bereit ist, das Ensemble ein wenig anzustoßen.“
Diese Neckereien verbergen ein wenig den Ehrgeiz, trotz aller Schwierigkeiten erstklassige Qualität zu erreichen. Und das hat schon auch seine Tücken, wie die Musiker verraten. So entstand die Bläserversion der Bilder einer Ausstellung seinerzeit für ein Konzert im Jahre 2009 auf Wunsch von Frederic Belli.
Karlin zweifelte sehr daran, dass Ravels bombastische Orchestrierung auf acht Posaunen zu übertragen sein wird. Versuch macht klug, so der Musiker: „Also besorgte ich mir die Partitur und fing an. Ich begann spät und arbeitete Tag und Nacht, eine ganze Woche lang. Frederic weckte mich jeden Morgen per Telefon, so dass ich mit dem Arrangieren fortfahren konnte. Die Transkription wurde rechtzeitig fertig... zwei volle Tage vor dem Konzert!“, erinnert sich Lars Karlin. „Ich werde gar nicht erst versuchen, das Gesicht von Tobias zu beschreiben,als er seine Partie der Altposaune I bei der ersten Probe übte. Unvergesslich...“ Der Aufwand freilich lohnt sich. Denn die Klangpracht, die das Ensemble aufbieten kann, ist unvergleichlich.
Mittwoch, 17. Mai 2017
Revive - Elina Garanca (Deutsche Grammophon)
Das Konzept dieses Albums? „Starke Frauen in schwachen Momenten, die aber wieder zu sich selbst und zu ihrer Stärke finden“, beschreibt Elīna Garanča die Idee hinter ihrer neuen CD. Die lettische Mezzosopranistin hat festgestellt, dass sich ihre Stimme zunehmend hin zum dramatischen Fach entwickelt. Ihre erste Partie in diesem Bereich, so berichtet sie im Beiheft, war die Santuzza aus Cavalleria rusticana von Pietro Mascagni.
Um ihre Romanze Voi lo sapete, o mamma hat Elīna Garanča ein Pro- gramm gestaltet, das von der berühmten Arie der Mignon aus der gleich- namigen Oper von Ambroise Thomas bis hin zu einer Arie der Marina aus Boris Godunov von Modest Mussorgski reicht.
Neben dem italienischen ist auch das französische Repertoire stark ver- treten. „Wahrscheinlich werde ich einige der auf diesem Album versam- melten Arien und Szenen nie auf der Opernbühne singen“, bedauert die Sängerin. Denn beispielsweise Amilcare Ponchiellis La Gioconda oder Camille Saint-Saëns' Henry VIII schaffen es nur sehr selten auf den Spielplan.
Typischerweise singen Heldinnen von Opern in der Sopranlage. Ausnah- men sind selten – und Elīna Garanča schildert noch ein weiteres Problem : „Im italienischen Repertoire gibt es nur sehr wenige Fälle, in denen der Mezzosopran eine junge Frau verkörpert. Eboli in Don Carlos, Preziosilla in Forza und Amneris in Aida – das war's aus meiner Sicht. Ulrica im Ballo ist ein altes Weib, Azucena im Trovatore sollte – schon aus Gründen der Glaubwürdigkeit – älter sein als ihr Sohn Manrico. Wenn der Tenor zwischen 40 und 50 Jahre alt ist, müsste die Azucena also mindestens 60 oder 65 Jahre alt sein – das wird schwierig.“
Im französischen Repertoire sieht Garanča bessere Chancen - „schließlich ist das Repertoire für Mezzosopran hier viel größer und breiter gefächert. Es zeigt auch eher jüngere Frauen, die in komplizierten Geschichten agieren“, meint die Sängerin. „Und letzten Endes bin ich überzeugt, dass im französischen Repertoire der lyrische Anteil meiner Stimme am besten zur Geltung kommt.“ Figuren wie Didon aus Les Troyens von Hector Berlioz, Dalila aus Samson et Dalila von Camille Saint-Saëns oder Héro- diade aus der gleichnamigen Oper von Jules Massenet geben Elīna Garanča Gelegenheit, ihre stimmlichen Möglichkeiten und ihre Wand- lungsfähigkeit zu demonstrieren. Begleitet wurde sie dabei vom Orquestra de la Comunitat Valenciana unter Leitung von Roberto Abbado.
Um ihre Romanze Voi lo sapete, o mamma hat Elīna Garanča ein Pro- gramm gestaltet, das von der berühmten Arie der Mignon aus der gleich- namigen Oper von Ambroise Thomas bis hin zu einer Arie der Marina aus Boris Godunov von Modest Mussorgski reicht.
Neben dem italienischen ist auch das französische Repertoire stark ver- treten. „Wahrscheinlich werde ich einige der auf diesem Album versam- melten Arien und Szenen nie auf der Opernbühne singen“, bedauert die Sängerin. Denn beispielsweise Amilcare Ponchiellis La Gioconda oder Camille Saint-Saëns' Henry VIII schaffen es nur sehr selten auf den Spielplan.
Typischerweise singen Heldinnen von Opern in der Sopranlage. Ausnah- men sind selten – und Elīna Garanča schildert noch ein weiteres Problem : „Im italienischen Repertoire gibt es nur sehr wenige Fälle, in denen der Mezzosopran eine junge Frau verkörpert. Eboli in Don Carlos, Preziosilla in Forza und Amneris in Aida – das war's aus meiner Sicht. Ulrica im Ballo ist ein altes Weib, Azucena im Trovatore sollte – schon aus Gründen der Glaubwürdigkeit – älter sein als ihr Sohn Manrico. Wenn der Tenor zwischen 40 und 50 Jahre alt ist, müsste die Azucena also mindestens 60 oder 65 Jahre alt sein – das wird schwierig.“
Im französischen Repertoire sieht Garanča bessere Chancen - „schließlich ist das Repertoire für Mezzosopran hier viel größer und breiter gefächert. Es zeigt auch eher jüngere Frauen, die in komplizierten Geschichten agieren“, meint die Sängerin. „Und letzten Endes bin ich überzeugt, dass im französischen Repertoire der lyrische Anteil meiner Stimme am besten zur Geltung kommt.“ Figuren wie Didon aus Les Troyens von Hector Berlioz, Dalila aus Samson et Dalila von Camille Saint-Saëns oder Héro- diade aus der gleichnamigen Oper von Jules Massenet geben Elīna Garanča Gelegenheit, ihre stimmlichen Möglichkeiten und ihre Wand- lungsfähigkeit zu demonstrieren. Begleitet wurde sie dabei vom Orquestra de la Comunitat Valenciana unter Leitung von Roberto Abbado.
Samstag, 7. November 2015
Pictures at an Exhibition - Michael Korstick (Gramola)
Russische Klaviermusik interpretiert Michael Korstick auf einer CD, die vor gut 15 Jahren aufgezeichnet wurde und nun bei Gramola wieder zugäng- lich ist. Der Pianist spielt Modest Mussorgkis berühmte Bilder einer Ausstellung, ergänzt durch die Dumka c-Moll op. 59 von Peter Tschaikowski, die Lesginka aus
den Etudes d'exécution transcen- dante op. 11 von Sergej Ljapunow – ein technisch irrwitzig anspruchs- volles Stück – sowie die Klavier- sonate Nr. 8 B-Dur op. 84 von Sergej Prokofjew.
Wer Korsticks Einspielungen kennt, der wird erstaunt sein, wie zurück- haltend der Pianist insbesondere bei den Bildern einer Ausstellung mit Klangfarben agiert und wie sehr er Temperamentsausbrüche vermeidet. Nicht Illustration, sondern Impression scheint Korstick wichtig zu sein. So verzichtet er auf die Promenade zwischen den Bildern sechs und sieben, um einen großen Spannungsbogen aufzubauen. Im Großen Tor von Kiew greift er partiell auf die Urfassung des Komponisten zurück. In Gnomus hingegen spielt er eine eigene Bearbeitung, die klanglich an Ravels Orchesterfassung erinnert. Kann man sicherlich alles machen, es wirkt aber seltsam unterkühlt. Mein persönlicher Favorit auf der CD ist Ljapunows Lesginka – das ist phantastische Musik, die mich nun sehr neugierig Ausschau halten lässt nach den anderen Etudes.
den Etudes d'exécution transcen- dante op. 11 von Sergej Ljapunow – ein technisch irrwitzig anspruchs- volles Stück – sowie die Klavier- sonate Nr. 8 B-Dur op. 84 von Sergej Prokofjew.
Wer Korsticks Einspielungen kennt, der wird erstaunt sein, wie zurück- haltend der Pianist insbesondere bei den Bildern einer Ausstellung mit Klangfarben agiert und wie sehr er Temperamentsausbrüche vermeidet. Nicht Illustration, sondern Impression scheint Korstick wichtig zu sein. So verzichtet er auf die Promenade zwischen den Bildern sechs und sieben, um einen großen Spannungsbogen aufzubauen. Im Großen Tor von Kiew greift er partiell auf die Urfassung des Komponisten zurück. In Gnomus hingegen spielt er eine eigene Bearbeitung, die klanglich an Ravels Orchesterfassung erinnert. Kann man sicherlich alles machen, es wirkt aber seltsam unterkühlt. Mein persönlicher Favorit auf der CD ist Ljapunows Lesginka – das ist phantastische Musik, die mich nun sehr neugierig Ausschau halten lässt nach den anderen Etudes.
Samstag, 3. Oktober 2015
Pictures (Genuin Classics)
Kann man das legendäre Ballett der Küken in ihren Eierschalen auf dem Horn spielen? Das Ensemble German Hornsound kann, wie diese CD beweist. Für diese Einspielung im Breitwandformat präsentiert sich das Hornquartett in Version 8.1 – Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steininger musizieren gemeinsam mit Carsten Duffin, Ralph Ficker, Martin Grom, Christian Lampert und dem Schlagzeuger Simon Rössler, der auch Klavier und Celesta spielt. Beteiligt war zudem Dirigent Hannes Krämer, der mit sicherer Hand musikalische Präzision garantiert.
Den Hornisten gelingt es tatsächlich, mit dem oft und gern bearbeiteten Werk von Modest Mussorgski zu verblüffen. Das liegt zum einen an dem überraschend wandlungsfähigen Hornsound. Klanglich wartet diese CD mit ganz erstaunlichen Kontrasten auf. Dazu trägt auch ihr Konzept mit bei – denn Mussorgskis Promenaden führen nicht nur von Bild zu Bild, sie leiten den Hörer auch zu einigen großen Werken aus der russischen Musiktradition, wie Mussorgskis gespenstischer Nacht auf dem kahlen Berge, Walzer und Tanz aus der zweiten Varieté-Suite von Dmitri Schostakowitsch, sowie bekannten Melodien aus zwei Ballettmusiken – Sergej Prokofjews Romeo und Julia und Peter Tschaikowskis Nuss- knacker. Nach Tanz der Zuckerfee und Blumenwalzer folgt dann ein atemberaubendes Finale – mehr sei hier nicht verraten. Diese acht Hornisten jedenfalls spielen jedes Orchester mühelos an die Wand. Dabei hat jeder einzelne Instrumentalist eine höchst individuelle Stimme; die Arrangements sind faszinierend, und sie sind passgenau für die Mitwir- kenden gearbeitet. Soviel Können und Leidenschaft kann man gar nicht genug loben. Unbedingt anhören!
Den Hornisten gelingt es tatsächlich, mit dem oft und gern bearbeiteten Werk von Modest Mussorgski zu verblüffen. Das liegt zum einen an dem überraschend wandlungsfähigen Hornsound. Klanglich wartet diese CD mit ganz erstaunlichen Kontrasten auf. Dazu trägt auch ihr Konzept mit bei – denn Mussorgskis Promenaden führen nicht nur von Bild zu Bild, sie leiten den Hörer auch zu einigen großen Werken aus der russischen Musiktradition, wie Mussorgskis gespenstischer Nacht auf dem kahlen Berge, Walzer und Tanz aus der zweiten Varieté-Suite von Dmitri Schostakowitsch, sowie bekannten Melodien aus zwei Ballettmusiken – Sergej Prokofjews Romeo und Julia und Peter Tschaikowskis Nuss- knacker. Nach Tanz der Zuckerfee und Blumenwalzer folgt dann ein atemberaubendes Finale – mehr sei hier nicht verraten. Diese acht Hornisten jedenfalls spielen jedes Orchester mühelos an die Wand. Dabei hat jeder einzelne Instrumentalist eine höchst individuelle Stimme; die Arrangements sind faszinierend, und sie sind passgenau für die Mitwir- kenden gearbeitet. Soviel Können und Leidenschaft kann man gar nicht genug loben. Unbedingt anhören!
Dienstag, 20. Januar 2015
Pure Mussorgsky (Berlin Classics)
Der russische Pianist Andrej Hoteev gibt sich nicht damit zufrieden, fleißig Konzerte zu spielen. Immer wieder hinterfragt er kritisch, was ihm Verlage aufs Pult stellen. So hat er bereits mehrere Werke Tschaikowskis in Urfassungen vorgestellt.
Nun hat er sich zwei bekannten Werken von Modest Petrowitsch Mussorgski (1839 bis 1881) zuge- wandt. Dazu hat er in St. Petersburg die Originalhandschriften des berühmten Klavierzyklus Bilder einer Ausstellung und der Lieder und Tänze des Todes studiert. Im Beiheft zu dieser CD listet Hoteev sorgsam auf, worin sich die Manuskripte und die wichtigsten Editionen unterscheiden.
„Mussorgskys beste Freunde – Rimsky-Korssakow, Glasunow und Stassow –, die für die Publikation dieses Werkes verantwortlich waren, schätzten Mussorgskys musikalisches Talent sehr hoch. Nichtsdesto- weniger interpretierten sie seine revolutionären, manchmal sogar radikalen kompositorischen Neuerungen – in der Harmonik, Artiku- lation, musikalischen Logik, dem Pedalgebrauch usw. - oft als Fehler eines nicht gründlich ausgebildeten Genies ohne Diplom“, erklärt Hoteev die Entstehung dieser Abweichungen. Mit besten Absichten korrigierten sie daher diese vermeintlichen Fehler ihres Freundes.
Neue Ausgaben, so der Pianist, hätten die Mängel ihrer Vorgänger zwar überarbeitet, aber zugleich neue Korrekturen eingebracht. Dazu gesellen sich dann noch die Tücken der Technik. So stellte Hoteev fest, dass es sich bei dem „Promenaden-Akkord“, den die Bärenreiter-Urtext-Ausgabe enthält, schlicht um einen Lesefehler handelt, zustande gekommen durch eine schlechte Reproduktion. Die vorliegende Aufnahme basiert daher auf den Originalmanuskripten beider Werke, die sich in der Russischen Nationalbibliothek St. Petersburg befinden. Im Beiheft werden die wichtigsten Abweichungen auch anhand von Abbildungen aus den Manuskripten nachvollziehbar erläutert.
Hoteev macht es somit möglich, Mussorgski neu zu hören. Es sind viele kleine, aber wichtige Details, die er geändert hat. Hier ein Akkord, dort eine Repetition, hier eine Phrasierung, dort ein Rhythmus, da ein Vorzeichen – das Ergebnis ist erstaunlich, zumal sich diese „Kleinigkeiten“ summieren. Das Klangbild unterscheidet sich krass von dem, was man üblicherweise im Ohr hat. Auch beim Tempo geht der Pianist eigene Wege. Seine Promenade bespielsweise erfolgt im Schlenderschritt. Hoteev musiziert sehr überlegt und sorgsam. Davon profitieren nicht nur die Küken, die hier wirklich tanzen. Die Lieder und Tänze des Todes hingegen sind regelrecht gruslig. Die vier Lieder werden auf dieser CD durch Elena Pankratova erstmals in den tatsächlich vorgesehenen Tonarten gesungen. Die russische Sopranistin verfügt über den dafür erforderlichen sehr großen Stimmumfang und ein faszinierendes Timbre. Leitstern dieser Aufnahme ist der Respekt vor den Absichten des Komponisten – und das bekommt der musikalischen Substanz ganz hervorragend. Andrej Hoteev hat sich damit ohne Zweifel große Verdienste erworben.
Nun hat er sich zwei bekannten Werken von Modest Petrowitsch Mussorgski (1839 bis 1881) zuge- wandt. Dazu hat er in St. Petersburg die Originalhandschriften des berühmten Klavierzyklus Bilder einer Ausstellung und der Lieder und Tänze des Todes studiert. Im Beiheft zu dieser CD listet Hoteev sorgsam auf, worin sich die Manuskripte und die wichtigsten Editionen unterscheiden.
„Mussorgskys beste Freunde – Rimsky-Korssakow, Glasunow und Stassow –, die für die Publikation dieses Werkes verantwortlich waren, schätzten Mussorgskys musikalisches Talent sehr hoch. Nichtsdesto- weniger interpretierten sie seine revolutionären, manchmal sogar radikalen kompositorischen Neuerungen – in der Harmonik, Artiku- lation, musikalischen Logik, dem Pedalgebrauch usw. - oft als Fehler eines nicht gründlich ausgebildeten Genies ohne Diplom“, erklärt Hoteev die Entstehung dieser Abweichungen. Mit besten Absichten korrigierten sie daher diese vermeintlichen Fehler ihres Freundes.
Neue Ausgaben, so der Pianist, hätten die Mängel ihrer Vorgänger zwar überarbeitet, aber zugleich neue Korrekturen eingebracht. Dazu gesellen sich dann noch die Tücken der Technik. So stellte Hoteev fest, dass es sich bei dem „Promenaden-Akkord“, den die Bärenreiter-Urtext-Ausgabe enthält, schlicht um einen Lesefehler handelt, zustande gekommen durch eine schlechte Reproduktion. Die vorliegende Aufnahme basiert daher auf den Originalmanuskripten beider Werke, die sich in der Russischen Nationalbibliothek St. Petersburg befinden. Im Beiheft werden die wichtigsten Abweichungen auch anhand von Abbildungen aus den Manuskripten nachvollziehbar erläutert.
Hoteev macht es somit möglich, Mussorgski neu zu hören. Es sind viele kleine, aber wichtige Details, die er geändert hat. Hier ein Akkord, dort eine Repetition, hier eine Phrasierung, dort ein Rhythmus, da ein Vorzeichen – das Ergebnis ist erstaunlich, zumal sich diese „Kleinigkeiten“ summieren. Das Klangbild unterscheidet sich krass von dem, was man üblicherweise im Ohr hat. Auch beim Tempo geht der Pianist eigene Wege. Seine Promenade bespielsweise erfolgt im Schlenderschritt. Hoteev musiziert sehr überlegt und sorgsam. Davon profitieren nicht nur die Küken, die hier wirklich tanzen. Die Lieder und Tänze des Todes hingegen sind regelrecht gruslig. Die vier Lieder werden auf dieser CD durch Elena Pankratova erstmals in den tatsächlich vorgesehenen Tonarten gesungen. Die russische Sopranistin verfügt über den dafür erforderlichen sehr großen Stimmumfang und ein faszinierendes Timbre. Leitstern dieser Aufnahme ist der Respekt vor den Absichten des Komponisten – und das bekommt der musikalischen Substanz ganz hervorragend. Andrej Hoteev hat sich damit ohne Zweifel große Verdienste erworben.
Samstag, 4. Oktober 2014
Stravinski, Le Sacre du printemps / Moussorgski, Tableaux d'une eposition (Atma Classique)
Kann man Le Sacre du printemps von Igor Strawinsky und die Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski mit einem Bläserquintett aufführen? Das kanadische Ensemble Pentaèdre wagt sich an dieses Experi- ment.
Danièle Bourget, Querflöten, Nor- mand Forget, Oboe, Oboe d'amore, Englischhorn und Klarinette, Martin Carpentier, Klarinetten, Mathieu Lussier, Fagott und Kontrafagott sowie Louis-Philippe Marsolais, Horn und Wagner-Tuba, bringen eine breite Palette an Klangfarben ein. Das lässt den Zuhörer in der Tat aufhorchen; einige Sätze wirken zudem gerade in dieser reduzierten Besetzung gänzlich neu und unerhört, weil das Quintett, anders als ein komplettes Orchester oder aber ein Klavier, nichts verdeckt und übertönt. Eine interessante Einspielung, die Hör- gewohnheiten infrage stellt.
Danièle Bourget, Querflöten, Nor- mand Forget, Oboe, Oboe d'amore, Englischhorn und Klarinette, Martin Carpentier, Klarinetten, Mathieu Lussier, Fagott und Kontrafagott sowie Louis-Philippe Marsolais, Horn und Wagner-Tuba, bringen eine breite Palette an Klangfarben ein. Das lässt den Zuhörer in der Tat aufhorchen; einige Sätze wirken zudem gerade in dieser reduzierten Besetzung gänzlich neu und unerhört, weil das Quintett, anders als ein komplettes Orchester oder aber ein Klavier, nichts verdeckt und übertönt. Eine interessante Einspielung, die Hör- gewohnheiten infrage stellt.
Mittwoch, 11. Juni 2014
Songs and Pictures (Genuin)
„Lieder und Bilder“ nennt Michail Mordwinow seine CD mit Schubert-Transkriptionen von Franz Liszt und dem Zyklus Bilder einer Aus- stellung von Modest Mussorgski. „Die Werke auf dieser CD weisen zahlreiche Gemeinsamkeiten auf“, erklärt der Pianist im Beiheft: „Der Liszt-Zyklus der zwölf Lied- transkriptionen wie Mussorgskis Zyklus sind ungefähr zur selben Zeit entstanden, sie setzen beide eine große Virtuosität des Pianisten voraus, sie nutzen beide die klanglichen, klangfarblichen und dynamischen Möglichkeiten des Flügels voll aus, und natürlich handelt es sich in beiden Fällen um Programmmusik.“
Liszt schrieb mehr als 140 Bearbeitungen von Liedern anderer Komponisten. Man kann sich heute kaum vorstellen, dass die Werke von Franz Schubert damals wenig bekannt waren. Beim Publikum waren Liszts Miniaturen sehr beliebt, so dass er sie in seinen Programmen häufig spielte. Es wird berichtet, dass 1840 bei einem Konzert in Leipzig ein Teil der Zuhörer auf die Stühle gestiegen sein soll, als Liszt seine Erlkönig-Bearbeitung vortrug. Sie wollten sein Klavierspiel nicht nur hören, sondern auch sehen.
Verwundern wird das nicht, denn der Virtuose hat in seinen Arrange- ments die ohnehin schon komplexen Werke Schuberts mitunter noch einmal deutlich aufpoliert. Zum einen hat er natürlich die Gesangs- stimme in den Klaviersatz integriert. Zum anderen verstärkte er die Wirkung durch Füllstimmen, Oktavierungen, Tonverdoppelungen und ähnliche Kunstkniffe; die geradezu orchestralen Effekte, die er damit erzielte, haben auch seine Nachfolger beeindruckt. Mussorgskis Bilder einer Ausstellungen wiederum sind so reich an Klangfarben, dass etliche Komponisten dadurch zu Orchesterversionen inspiriert wurden.
Mordvinov, wie er im Englischen geschrieben wird, zündet auf seiner CD ein pianistisches Feuerwerk. Der junge Pianist gestaltet sorgsam, für meinen Geschmack gelegentlich etwas zu romantisch, und durchdacht. Er musiziert auf einem Bechstein, was einen etwas helleren, weicheren Klang bringt und zu seiner Interpretation sehr gut passt. Mordwinow bringt die zarten Töne zum Leuchten; er scheut aber auch die dramatische Zuspitzung nicht - und sein Erlkönig ist wirklich gruselig.
Liszt schrieb mehr als 140 Bearbeitungen von Liedern anderer Komponisten. Man kann sich heute kaum vorstellen, dass die Werke von Franz Schubert damals wenig bekannt waren. Beim Publikum waren Liszts Miniaturen sehr beliebt, so dass er sie in seinen Programmen häufig spielte. Es wird berichtet, dass 1840 bei einem Konzert in Leipzig ein Teil der Zuhörer auf die Stühle gestiegen sein soll, als Liszt seine Erlkönig-Bearbeitung vortrug. Sie wollten sein Klavierspiel nicht nur hören, sondern auch sehen.
Verwundern wird das nicht, denn der Virtuose hat in seinen Arrange- ments die ohnehin schon komplexen Werke Schuberts mitunter noch einmal deutlich aufpoliert. Zum einen hat er natürlich die Gesangs- stimme in den Klaviersatz integriert. Zum anderen verstärkte er die Wirkung durch Füllstimmen, Oktavierungen, Tonverdoppelungen und ähnliche Kunstkniffe; die geradezu orchestralen Effekte, die er damit erzielte, haben auch seine Nachfolger beeindruckt. Mussorgskis Bilder einer Ausstellungen wiederum sind so reich an Klangfarben, dass etliche Komponisten dadurch zu Orchesterversionen inspiriert wurden.
Mordvinov, wie er im Englischen geschrieben wird, zündet auf seiner CD ein pianistisches Feuerwerk. Der junge Pianist gestaltet sorgsam, für meinen Geschmack gelegentlich etwas zu romantisch, und durchdacht. Er musiziert auf einem Bechstein, was einen etwas helleren, weicheren Klang bringt und zu seiner Interpretation sehr gut passt. Mordwinow bringt die zarten Töne zum Leuchten; er scheut aber auch die dramatische Zuspitzung nicht - und sein Erlkönig ist wirklich gruselig.
Sonntag, 7. Juli 2013
Mambos y Fanfarria! (Genuin)
Die Banda Sinfónica Juvenil Simón Bolívar, 2005 von Jesús Ignacio Pérez Perazzo und Valdemar Rodríguez gegründet, gehört zu einem einzigartigen Projekt, das soziales Engagement und eine exzellente musikalische Ausbil- dung miteinander verbindet: El Sistema ist ein Netzwerk aus Orchestern und Chören in Venezu- ela, in dem Kinder und Jugendliche miteinander musizieren. Ihre Ausbildung erhalten sie vor allem im Gruppenunterricht; die „Gros- sen“ unterweisen dabei die Jüngeren. Sie vermitteln ihnen neben den richtigen Tönen auch Ehrgeiz – und jene Spielfreude, für die die Ensembles des Sistema mittlerweile auch im Ausland bekannt sind.
Thomas Clamor, der Chefdirigent der Sächsischen Bläserphilharmo- nie und künstlerischer Leiter der Deutschen Bläserakademie, ist mit El Sistema bestens vertraut. Er engagiert sich beim Aufbau der ersten lateinamerikanischen Bläserakademie. Mit der Banda Sinfónica, in der junge Musiker im Alter zwischen zwölf und 30 Jahren gemeinsam musizieren, hat er im vergangenen Jahr ein Album eingespielt, das nun bei Genuin erschienen ist.
Das Programm startet in Lateinamerika. Die Grand Fanfare am Beginn hat Giancarlo Castro D'Addona komponiert, ein weniger repräsenta- tives als vielmehr enorm anspruchsvolles Startsignal. Ein Zufall ist das nicht – der Trompeter verdankt seine Ausbildung ebenfalls El Sistema. Es folgt Musik des „Mambo-Vaters“ Pérez Prado sowie von Alberto Ginastera. Dann baut Ravels berühmter Bolero eine musika- lische Brücke nach Europa.
Dieses Werk ist berüchigt. Auch wenn das gar nicht so offensichtlich ist – aber der Bolero stellt extrem hohe Anforderungen an ein Orchester. Die Banda Sinfónica bewältigt diese Herausforderungen locker, und die Soli sind geradezu ein Gedicht. Das gilt auch für das nachfolgende Konzertstück für Klarinette, Bassethorn und Klavier von Felix Mendelssohn Bartholdy, das hier wundervoll vorgetragen wird. Und der Zyklus Bilder einer Ausstellung von Modest Mus- sorgski, zu hören in einer Version für sinfonisches Blasorchester von Mark Hindsley, gibt dem Ensemble noch einmal Gelegenheit, eine ganze Palette an Klangfarben zu präsentieren. Das ist Bläsermusik auf allerhöchstem Niveau. Bravi!
Thomas Clamor, der Chefdirigent der Sächsischen Bläserphilharmo- nie und künstlerischer Leiter der Deutschen Bläserakademie, ist mit El Sistema bestens vertraut. Er engagiert sich beim Aufbau der ersten lateinamerikanischen Bläserakademie. Mit der Banda Sinfónica, in der junge Musiker im Alter zwischen zwölf und 30 Jahren gemeinsam musizieren, hat er im vergangenen Jahr ein Album eingespielt, das nun bei Genuin erschienen ist.
Das Programm startet in Lateinamerika. Die Grand Fanfare am Beginn hat Giancarlo Castro D'Addona komponiert, ein weniger repräsenta- tives als vielmehr enorm anspruchsvolles Startsignal. Ein Zufall ist das nicht – der Trompeter verdankt seine Ausbildung ebenfalls El Sistema. Es folgt Musik des „Mambo-Vaters“ Pérez Prado sowie von Alberto Ginastera. Dann baut Ravels berühmter Bolero eine musika- lische Brücke nach Europa.
Dieses Werk ist berüchigt. Auch wenn das gar nicht so offensichtlich ist – aber der Bolero stellt extrem hohe Anforderungen an ein Orchester. Die Banda Sinfónica bewältigt diese Herausforderungen locker, und die Soli sind geradezu ein Gedicht. Das gilt auch für das nachfolgende Konzertstück für Klarinette, Bassethorn und Klavier von Felix Mendelssohn Bartholdy, das hier wundervoll vorgetragen wird. Und der Zyklus Bilder einer Ausstellung von Modest Mus- sorgski, zu hören in einer Version für sinfonisches Blasorchester von Mark Hindsley, gibt dem Ensemble noch einmal Gelegenheit, eine ganze Palette an Klangfarben zu präsentieren. Das ist Bläsermusik auf allerhöchstem Niveau. Bravi!
Donnerstag, 25. August 2011
Slawische Seelen - Zoryana & Olena Kushpler (Capriccio)
Zoryana und Olena Kushpler stammen aus dem ukrainischen Lemberg. Im Alter von fünf Jahren begannen die Zwillingsschwestern bei ihrer Mutter mit dem Klavier- unterricht; doch während Olena bei diesem Instrument blieb, wechselte Zoryana erst zur Violine und studierte schließlich bei ihrem Vater, Professor Igor Kushpler, an der Musikhochschule in ihrer Heimatstadt Gesang. Ihre Studien vollendeten die Schwestern in Hamburg.
Die Mezzosopranistin ist heute eine vielbeschäftigte Sängerin; seit 2007 gehört sie dem Ensemble der Wiener Staatsoper an. Olena Kushpler gründete 2004 das Bonnard Trio; sie ist eine gefragte Piani- stin und Liedbegleiterin, und unterrichtet als Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg.
Auf dieser CD präsentieren die Zwillinge einen Ausschnitt aus dem überaus reichen Liedschaffen russischer Komponisten. Es erklingen Lieder von Peter Tschaikowski, Modest Mussorgski, Sergej Rachma- ninoff und Nikolai Rimski-Korsakow. Sie werden klangschön und mit viel Temperament vorgetragen; der Zuhörer wünscht sich aber trotzdem auch bei diesen russischsprachigen Werken eine gewisse Textverständlichkeit.
Die Mezzosopranistin ist heute eine vielbeschäftigte Sängerin; seit 2007 gehört sie dem Ensemble der Wiener Staatsoper an. Olena Kushpler gründete 2004 das Bonnard Trio; sie ist eine gefragte Piani- stin und Liedbegleiterin, und unterrichtet als Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg.
Auf dieser CD präsentieren die Zwillinge einen Ausschnitt aus dem überaus reichen Liedschaffen russischer Komponisten. Es erklingen Lieder von Peter Tschaikowski, Modest Mussorgski, Sergej Rachma- ninoff und Nikolai Rimski-Korsakow. Sie werden klangschön und mit viel Temperament vorgetragen; der Zuhörer wünscht sich aber trotzdem auch bei diesen russischsprachigen Werken eine gewisse Textverständlichkeit.
Sonntag, 22. Mai 2011
A Musical Journey to Russia and France (Genuin)
Rieko Yoshizumi stammt aus Oita, gelegen auf der südjapanischen Insel Kyushu. Sie hatte seit ihrem vierten Lebensjahr Klavierunter- richt, lernte dann in Tokio am staatlichen Gymnasium für Musik und an der legendären Hochschule für Kunst und Musik, und absol- vierte anschließend ein Aufbaustu- dium an der Hochschule für Musik Detmold. Seit 2000 ist sie Profes- sorin an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden.
Auf dieser CD begibt sich die Piani- stin auf Klangreise nach Russland und Frankreich. Modest Mussorgski und Claude Debussy gelten als ziemlich typische Vertreter der Musik des jeweiligen Landes - was könnte russischer sein als das Große Tor und Kiew? Und was französischer als die Hommage à Rameau? Doch Vorsicht! Klischees sind eine heikle Angelegenheit; zumal sich die Komponisten des Mächtigen Häufleins - sie selbst nannten sich Nova- toren - ziemlich intensiv mit dem Schaffen ihrer französischen Kolle- gen auseinandergesetzt haben. Diese wiederum ließen sich Noten aus Russland mitbringen. So sind die Unterschiede letzten Endes gar nicht so gewaltig, und insbesondere Mussorgskis Einzelstücke Une Larme und Méditation zeigen, dass auch die Gruppe der Fünf Einflüssen des Westens nicht gänzlich abgeschworen hatte. Schließt man die Augen und lauscht, so ist der Graben zwischen den Images und den Werken Mussorgskis nicht allzu beeindruckend.
Rieko Yoshizumi musiziert wunderbar differenziert. Ihr Spiel ist außerordentlich farbenreich, kultiviert und nuanciert; ihre Präzision ist bewundernswert. Sie bietet Zwischentöne und wasserklare Strukturen statt Klangbrei und lärmiges Pathos. Hier ist jeder Akzent wohlüberlegt. All das macht diese Aufnahme zum Erlebnis. Brava!
Auf dieser CD begibt sich die Piani- stin auf Klangreise nach Russland und Frankreich. Modest Mussorgski und Claude Debussy gelten als ziemlich typische Vertreter der Musik des jeweiligen Landes - was könnte russischer sein als das Große Tor und Kiew? Und was französischer als die Hommage à Rameau? Doch Vorsicht! Klischees sind eine heikle Angelegenheit; zumal sich die Komponisten des Mächtigen Häufleins - sie selbst nannten sich Nova- toren - ziemlich intensiv mit dem Schaffen ihrer französischen Kolle- gen auseinandergesetzt haben. Diese wiederum ließen sich Noten aus Russland mitbringen. So sind die Unterschiede letzten Endes gar nicht so gewaltig, und insbesondere Mussorgskis Einzelstücke Une Larme und Méditation zeigen, dass auch die Gruppe der Fünf Einflüssen des Westens nicht gänzlich abgeschworen hatte. Schließt man die Augen und lauscht, so ist der Graben zwischen den Images und den Werken Mussorgskis nicht allzu beeindruckend.
Rieko Yoshizumi musiziert wunderbar differenziert. Ihr Spiel ist außerordentlich farbenreich, kultiviert und nuanciert; ihre Präzision ist bewundernswert. Sie bietet Zwischentöne und wasserklare Strukturen statt Klangbrei und lärmiges Pathos. Hier ist jeder Akzent wohlüberlegt. All das macht diese Aufnahme zum Erlebnis. Brava!
Sonntag, 8. Mai 2011
Anne Chollet à l'orgue de St-Francois, Lausanne (Gallo)
Die Orgel in der Pfarrkirche Saint-Francois von Lausanne wurde 1776/77 von Samson Scherrer erbaut. Knapp hundert Jahre später, das Klangideal hatte sich gewandelt, wünschte sich der Organist ein expressiveres Klang- bild - und ließ die Orgel auf eigene Kosten durch die Firma Walcker umbauen. Im 20. Jahrhundert veranlassten seine Nachfolger erneut Erweiterungen; die Firma Kuhn aus Männedorf baute das Instrument drastisch aus und zudem eine elektrische Traktur ein.
In den 90er Jahren wurde die Kirche saniert. Dafür musste auch die Orgel ausgebaut werden. Die Gemeinde entschied sich, bei dieser Gelegenheit die Orgel grundsätzlich in ihrem gewachsenen Zustand zu belassen. Allerdings wurde durch Kuhn wieder auf eine mechanische Traktur umgestellt. Die Register wurden auf fünf Manuale verteilt, und zuvor stumme Pfeifenbestände von Scherrer wurden wieder spielbar gemacht. Der französisch-orchestrale Charakter des Instru- mentes blieb erhalten.
Darauf setzt die Organistin und Pianistin Anne Chollet, ausgebildet am Lausanner Konservatorium. Auf dieser CD spielt sie die Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski, Bachs berühmte Chaconne und den Totentanz von Franz Liszt. An ihrer Fingerfertigkeit gibt es nichts zu mäkeln, allein ihre Registratur finde ich nicht besonders geschickt. Denn dort fehlt die Abwechslung. Alles versinkt in einem weichen, pseudoromantischen Klangbrei; Extreme meidet Chollet. Doch so geht den Charakterstücken Mussorgskis der Charakter verloren. Bachs Chaconne wird langweilig. Und Liszts Totentanz gerät zu einem ziemlich beliebigen virtuosen Einerlei. Schade drum.
In den 90er Jahren wurde die Kirche saniert. Dafür musste auch die Orgel ausgebaut werden. Die Gemeinde entschied sich, bei dieser Gelegenheit die Orgel grundsätzlich in ihrem gewachsenen Zustand zu belassen. Allerdings wurde durch Kuhn wieder auf eine mechanische Traktur umgestellt. Die Register wurden auf fünf Manuale verteilt, und zuvor stumme Pfeifenbestände von Scherrer wurden wieder spielbar gemacht. Der französisch-orchestrale Charakter des Instru- mentes blieb erhalten.
Darauf setzt die Organistin und Pianistin Anne Chollet, ausgebildet am Lausanner Konservatorium. Auf dieser CD spielt sie die Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski, Bachs berühmte Chaconne und den Totentanz von Franz Liszt. An ihrer Fingerfertigkeit gibt es nichts zu mäkeln, allein ihre Registratur finde ich nicht besonders geschickt. Denn dort fehlt die Abwechslung. Alles versinkt in einem weichen, pseudoromantischen Klangbrei; Extreme meidet Chollet. Doch so geht den Charakterstücken Mussorgskis der Charakter verloren. Bachs Chaconne wird langweilig. Und Liszts Totentanz gerät zu einem ziemlich beliebigen virtuosen Einerlei. Schade drum.
Samstag, 8. Januar 2011
Trough the mirror - Michael Seewann, Piano (Genuin)
Dies ist wirklich eine Spiegel-CD - und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen spiegelt der Klavierzyklus Bilder einer Aus- stellung von Modest Petro- witsch Mussorgski (1839 bis 1881) Reiseskizzen, Architektur- und Kostümentwürfe des Malers Viktor Hartmann. Einige dieser Stücke, insbesondere die Promenaden, die Emotionen beim Gang durch die imaginäre Ausstellung hörbar machen, oder die russisch-tradi- tionellen Sujets spiegeln darüber hinaus die ästhetischen Ansichten des Mächtigen Häufleins, dem Mussorgski angehörte.
Die Werke, die sich auf Motive aus Frankreich beziehen, verweisen aber auf den engen Kontakt zum "Westen", den die russischen Musiker durchaus hatten. Sie verfolgten insbesondere das Schaffen ihrer französischen Kollegen - und eine ähnliche Gruppe junger Künstler in Paris um Maurice Ravel (1875 bis 1937), die sogenannten Apachen, interessierte sich wiederum sehr für die Werke des Mächtigen Häufleins.
Ravel schuf 1922 eine Orchesterversion der Bilder einer Ausstellung, die noch immer wesentlich bekannter ist als das Original. Das liegt sicher nicht zuletzt daran, dass Mussorgkis ursprüngliches Werk klanglich deutlich karger ist als die vergleichsweise opulente Orchestrierung. Auf dieser CD zeigt der Münchner Pianist Michael Seewann, dass diese Kargheit aber dennoch eine erstaunliche Vielfalt von Klangfarben zulässt. Mit seinem präzisen, disziplinierten Spiel zeigt er das Werk in einer Klarheit, die verblüfft und begeistert.
Von Ravel stammt noch ein anderes Werk, das aufgrund seiner ungewöhnlichen Struktur an Mussorgskis Zyklus erinnert: In den Miroirs, 1904/05 entstanden, charakterisiert der Komponist jeden seiner Mit-Apachen in einem Satz, der diesem gewidmet ist. Die fünf Stücke tragen sprechende Namen, wie Noctuelles, Oiseaux tristes oder Une barque sur l'océan, und gleichen musikalischen Bildbe- schreibungen - was wiederum Maler animiert hat, diese Spiegel in Bildern zu spiegeln.
Die Werke, die sich auf Motive aus Frankreich beziehen, verweisen aber auf den engen Kontakt zum "Westen", den die russischen Musiker durchaus hatten. Sie verfolgten insbesondere das Schaffen ihrer französischen Kollegen - und eine ähnliche Gruppe junger Künstler in Paris um Maurice Ravel (1875 bis 1937), die sogenannten Apachen, interessierte sich wiederum sehr für die Werke des Mächtigen Häufleins.
Ravel schuf 1922 eine Orchesterversion der Bilder einer Ausstellung, die noch immer wesentlich bekannter ist als das Original. Das liegt sicher nicht zuletzt daran, dass Mussorgkis ursprüngliches Werk klanglich deutlich karger ist als die vergleichsweise opulente Orchestrierung. Auf dieser CD zeigt der Münchner Pianist Michael Seewann, dass diese Kargheit aber dennoch eine erstaunliche Vielfalt von Klangfarben zulässt. Mit seinem präzisen, disziplinierten Spiel zeigt er das Werk in einer Klarheit, die verblüfft und begeistert.
Von Ravel stammt noch ein anderes Werk, das aufgrund seiner ungewöhnlichen Struktur an Mussorgskis Zyklus erinnert: In den Miroirs, 1904/05 entstanden, charakterisiert der Komponist jeden seiner Mit-Apachen in einem Satz, der diesem gewidmet ist. Die fünf Stücke tragen sprechende Namen, wie Noctuelles, Oiseaux tristes oder Une barque sur l'océan, und gleichen musikalischen Bildbe- schreibungen - was wiederum Maler animiert hat, diese Spiegel in Bildern zu spiegeln.
Donnerstag, 11. Februar 2010
Musorgsky: Pictures at an Exhibition (RCO live)
Mussorgkis "Bilder einer Aus- stellung" in der Orchesterfassung von Maurice Ravel, live aufgezeichnet mit dem Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam im Mai und August 2008.
Man muss Mariss Jansons nicht mögen, aber diese Einspielung ist phänomenal. Hat Ravel beim Instrumentieren Mussorgskis wunderliches Stück bereits geschliffen, so poliert Jansons hier noch einmal nach. Diese Interpretation ist glasklar, sie ist extrem differenziert, und durchhörbar bis in die letzte Verästelung der musikalischen Struktur. So hört man Details, die man noch nie gehört hat. Ob das noch Mussorgski ist, ist freilich eine andere Frage - Ravel jedenfalls, mit seinem ästhetischen Konzept, hätte diese Aufnahme ganz sicher gefallen.
Ob dem Publikum diese Super-Audio-CD gefällt, wird sich zeigen. Denn sie hat einen ganz entscheidenden Makel, der hier nicht verschwiegen werden soll: Es gibt wenig Musik fürs Geld. Nach gut 30 Minuten ist alles vorüber; die Toningenieure waren albern genug, noch reichlich Beifall als Track 16 anzufügen.
Üblicherweise wird das Werk nicht allein auf CD gebracht. Als Partner gern genommen: "Eine Nacht auf dem kahlen Berge". Nur so als Tip.
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