Ungarische Tänze von Johannes Brahms – mit Violine? Das macht neugierig. Zwei Musiker haben sich nun zusammengetan, um diese erstklasssige Bearbeitung zu erkunden: Sabrina-Vivian Höpcker ist wie der Komponist in Hamburg geboren und hat in ihrer Familie ungarische und böhmische Vorfahren. Ihr Klavierpartner Fabio Bidini sagt: „Since I was a small child, I loved the original version oft ther Hungarian Dances for piano four-hands and played them often. The transcription for violin and piano was a real surprise for me.“
Natürlich ist die ursprüngliche Variante für den Pianisten ergiebiger – aber die Transkription für Violine und Klavier von Joseph Joachim erweist sich doch als ausgesprochen reizvoll. Der berühmte Geiger, mit Brahms eng befreundet, betont in seiner Version das Ungarische. Seine Bearbeitungen sind nicht in erster Linie Virtuosenfutter, auch wenn der Violinpart technisch ohne Zweifel höchst anspruchsvoll ist. Diese Stücke haben Schmelz und Seele, man verzeihe mir den Ausdruck, und das ist es auch, was Sabrina-Vivian Höpcker so begeistert, dass sie sich für das Coverphoto dieser Aufnahme sogar ins Trachtengewand gekleidet hat. Die Geigerin liebt diese Musik, was man der Aufnahme anhört. Sie spielt mit Leidenschaft und einer Prise Melancholie, perfekt begleitet durch Fabio Bidini. Was für ein Start ins Neue Jahr!
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Sonntag, 6. Januar 2019
Montag, 30. Mai 2016
Of Witches and Devils - Tartini, Paganini, Locatelli (Dynamic)
Engelsreine Gesänge und teuflische Klänge – Musik ist oftmals auch mit einer Inszenierung verbunden; und schon in den vergangenen Jahr- hunderten nutzten Virtuosen gern alle Möglichkeiten, sich multimedial in Szene zu setzen. Mit dieser CD erinnern Luca Fanfoni und Luca Ballerini an drei exzellente Geiger, die nicht nur ihr Instrument, sondern auch diese Kunst offenbar ziemlich gut beherrschten.
Allerdings hat die Legende um die berühmte Teufelstriller-Sonate von Giuseppe Tartini (1692 bis 1770) der Franzose Jérôme de Lalande ins Leben gesetzt. Er erzählte in seinem Buch Voyage en Italie 1769 erstmals von dem Traum des Musikers, in dem der Teufel wundervolle Musik gespielt haben soll – und Tartini sei nach dem Erwachen leider nicht in der Lage gewesen, mehr als Fragmente davon zu notieren.
Pietro Antonio Locatelli (1695 bis 1764) schrieb ein Capriccio namens Labirinto Armonico, mit dem Hinweis: „Facilis aditus, difficilis exitus.“ Dieses Werk für Solo-Violine ist nicht unbedingt dämonisch, aber anspruchsvoll ist es allemal.
Nicolò Paganini (1782 bis 1840) stand in dem Ruf, der Teufelsgeiger zu sein. Legenden gibt es über ihn ohne Ende; vermutlich wird er jedoch schlicht über einen langen Zeitraum besonders eifrig und besonders kreativ geübt haben, so dass er schließlich das Publikum mit Effekten und Techni- ken verblüffen konnte, die außer ihm damals keiner beherrschte – „Zauber- geigenkünste“, mit denen er die Leute „verhext“ haben soll. Die Musik dieses Virtuosen hat den größten Anteil auf dieser CD. Luca Fanfoni spielt, begleitet von Luca Ballerini, die „Nel cor più non sento“-Variationen, dazu das Adagio aus dem Violinkonzert Nr. 3 sowie natürlich die Variationen über ein Thema von Franz Süssmayr, die unter dem Titel Le Streghe bekannt wurden. Die Sonata a preghiera erklingt sogar in zwei Versionen. Die Originalversion, hier in Weltersteinspielung, interpretiert Fanfoni auf „Paganinis Violine“; nähere Angaben Fehlanzeige, was ich schade finde – da das Instrument von der Stadt Genua für die Aufnahme zur Verfügung gestellt wurde, darf man annehmen, dass es sich um die Cannone handeln könnte.
Luca Fanfoni erweist sich als ein hervorragender Geiger mit einer sehr guten Technik und ausgeprägtem Sinn für musikalische Strukturen. Ihm zuzuhören, das macht wirklich Freude, zumal er mit seiner Geige von Goffredo Cappa aus dem Jahre 1690 auch ein phantastisches Instrument spielt. Zurücklehnen und genießen!
Allerdings hat die Legende um die berühmte Teufelstriller-Sonate von Giuseppe Tartini (1692 bis 1770) der Franzose Jérôme de Lalande ins Leben gesetzt. Er erzählte in seinem Buch Voyage en Italie 1769 erstmals von dem Traum des Musikers, in dem der Teufel wundervolle Musik gespielt haben soll – und Tartini sei nach dem Erwachen leider nicht in der Lage gewesen, mehr als Fragmente davon zu notieren.
Pietro Antonio Locatelli (1695 bis 1764) schrieb ein Capriccio namens Labirinto Armonico, mit dem Hinweis: „Facilis aditus, difficilis exitus.“ Dieses Werk für Solo-Violine ist nicht unbedingt dämonisch, aber anspruchsvoll ist es allemal.
Nicolò Paganini (1782 bis 1840) stand in dem Ruf, der Teufelsgeiger zu sein. Legenden gibt es über ihn ohne Ende; vermutlich wird er jedoch schlicht über einen langen Zeitraum besonders eifrig und besonders kreativ geübt haben, so dass er schließlich das Publikum mit Effekten und Techni- ken verblüffen konnte, die außer ihm damals keiner beherrschte – „Zauber- geigenkünste“, mit denen er die Leute „verhext“ haben soll. Die Musik dieses Virtuosen hat den größten Anteil auf dieser CD. Luca Fanfoni spielt, begleitet von Luca Ballerini, die „Nel cor più non sento“-Variationen, dazu das Adagio aus dem Violinkonzert Nr. 3 sowie natürlich die Variationen über ein Thema von Franz Süssmayr, die unter dem Titel Le Streghe bekannt wurden. Die Sonata a preghiera erklingt sogar in zwei Versionen. Die Originalversion, hier in Weltersteinspielung, interpretiert Fanfoni auf „Paganinis Violine“; nähere Angaben Fehlanzeige, was ich schade finde – da das Instrument von der Stadt Genua für die Aufnahme zur Verfügung gestellt wurde, darf man annehmen, dass es sich um die Cannone handeln könnte.
Luca Fanfoni erweist sich als ein hervorragender Geiger mit einer sehr guten Technik und ausgeprägtem Sinn für musikalische Strukturen. Ihm zuzuhören, das macht wirklich Freude, zumal er mit seiner Geige von Goffredo Cappa aus dem Jahre 1690 auch ein phantastisches Instrument spielt. Zurücklehnen und genießen!
Samstag, 25. Juli 2015
Beethoven: Die Violinsonaten Vol. 3 (Gramola)
Thomas Albertus Irnberger und Michael Korstick spielen derzeit gemeinsam bei dem Label Gramola sämtliche Violinsonaten von Ludwig van Beethoven ein. Das ist ein außerordentlich vielversprechendes Projekt. Denn Korstick hat bei Oehms Classics bereits die Klaviersonaten des Komponisten veröffentlicht, und dabei als ausgesprochen aufmerk- samer, kritischer und zudem tempera- mentvoller Interpret begeistert. Er kennt „seinen“ Beethoven bestens, und hat einen ausgesprochen wachen Sinn für Details. Irnberger ist ebenfalls eine Musikerpersönlichkeit mit eigener Sicht auf derartige Traditionswerke. Ich habe den zweiten und den dritten Teil der Edition angehört – und bin davon sehr angetan.
Die beiden Solisten haben sich offenbar sehr intensiv mit den Werken auseinandergesetzt. Die Einspielung zeigt, wie ähnlich Irnberger und Korstick diese Musik verstehen. Da haben sich offenbar Geistesverwandte gefunden. Sie musizieren mit Energie und Spielfreude, höchst präzise und aufeinander bestens abgestimmt. Hier werden Strukturen hörbar, und man stellt erfreut fest, dass Beethoven – Klassik hin, Klassik her – Haydn im Grunde wesentlich näher steht als den Romantikern. Dennoch ist dies, bei aller Genauigkeit und Werktreue, keine historisierende Aufnahme. Irnberger und Korstick zeigen uns einen höchst gegenwärtigen, kein bisschen museal angestaubten Beethoven. Grandios! Unbedingt anhören.
Die beiden Solisten haben sich offenbar sehr intensiv mit den Werken auseinandergesetzt. Die Einspielung zeigt, wie ähnlich Irnberger und Korstick diese Musik verstehen. Da haben sich offenbar Geistesverwandte gefunden. Sie musizieren mit Energie und Spielfreude, höchst präzise und aufeinander bestens abgestimmt. Hier werden Strukturen hörbar, und man stellt erfreut fest, dass Beethoven – Klassik hin, Klassik her – Haydn im Grunde wesentlich näher steht als den Romantikern. Dennoch ist dies, bei aller Genauigkeit und Werktreue, keine historisierende Aufnahme. Irnberger und Korstick zeigen uns einen höchst gegenwärtigen, kein bisschen museal angestaubten Beethoven. Grandios! Unbedingt anhören.
Montag, 13. Juli 2015
Spohr: Reisesonate (Stradivarius)
Der große Geiger Louis Spohr (1784 bis 1859) hatte ein kleines Problem: Er konnte nicht Klavier spielen. Das beeinträchtigte ihn ziemlich, nicht nur beim Einstudieren seiner Werke mit Chören und anderen Ensembles, sondern auch beim Komponieren selbst. Natürlich konnte er den Stil der großen Virtuosen seiner Zeit imitieren – aber er konnte nicht beurteilen, wie spielbar seine Musik letzten Endes auf dem Klavier war. So soll Chopin 1830 über Spohrs Quintett für Bläser und Klavier op. 52 geklagt haben, es sei wunderschön, aber für das Klavier schlecht geschrieben; man könne oftmals gar keine Fingersätze erstellen. Spohr selber soll 1838 geseufzt haben, er würde gern hundert Louis d'or dafür geben, wenn er nur Klavier spielen könnte. Allein er konnte es nicht, und so spielte ihm seine zweite Frau Marianne Pfeiffer (1807 bis 1892) vor, was immer er hören wollte.
Trotz dieser technischen Kalamitäten hat Spohrs Kammermusik für Violine und Klavier einige Überraschungen zu bieten. Der Geiger Francesco Parri- no und der Pianist Michele Fedrigotti haben diese Werke für sich entdeckt, und stellen bei Stradivarius nun einige davon vor. Die italienischen Musiker präsentieren auf zwei CD Spohrs erstes Duo concertant op. 95, das Grand duo concertant op. 112, dazu die Sechs Duettinen „Elegisch und humoristisch“ op. 127, Mendelssohns Liedern ohne Worte nachempfun- den, sowie das Duo concertant op. 96. Letzteres ist feinste Programm-Musik – das Werk schildert, so verrät der eigentliche Titel, „Nachklänge einer Reise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz“ und ist 1836 als Ergebnis eines Ferienausflugs entstanden. Der erste Satz schon ist voller Vorfreude; im zweiten Satz erklingen die Signale des Posthorns, und im dritten Satz schildert Spohr unüberhörbar einen Gottesdienst in der Katho- lischen Hofkirche zu Dresden. Die Felsen und Klüfte der Sächsischen Schweiz schließlich werfen auch ein Echo der böhmischen Musik zurück. Spohr bildet all dies aber nicht naturalistisch in seiner Musik nach, er spiegelt eher Stimmungen und Eindrücke. Und natürlich ist all dies letztendlich brillante Virtuosenmusik, von Parrino und Fedrigotti auf zeitgenössischen Instrumenten gekonnt vorgetragen. Insbesondere ein herrlicher Broadwood-Flügel, erbaut im Jahre 1849, aus dem Besitz des Pianisten bringt ganz erstaunlich Farbe. Spohrs Werke aber sollten generell viel öfters zu hören sein – es lohnt sich!
Trotz dieser technischen Kalamitäten hat Spohrs Kammermusik für Violine und Klavier einige Überraschungen zu bieten. Der Geiger Francesco Parri- no und der Pianist Michele Fedrigotti haben diese Werke für sich entdeckt, und stellen bei Stradivarius nun einige davon vor. Die italienischen Musiker präsentieren auf zwei CD Spohrs erstes Duo concertant op. 95, das Grand duo concertant op. 112, dazu die Sechs Duettinen „Elegisch und humoristisch“ op. 127, Mendelssohns Liedern ohne Worte nachempfun- den, sowie das Duo concertant op. 96. Letzteres ist feinste Programm-Musik – das Werk schildert, so verrät der eigentliche Titel, „Nachklänge einer Reise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz“ und ist 1836 als Ergebnis eines Ferienausflugs entstanden. Der erste Satz schon ist voller Vorfreude; im zweiten Satz erklingen die Signale des Posthorns, und im dritten Satz schildert Spohr unüberhörbar einen Gottesdienst in der Katho- lischen Hofkirche zu Dresden. Die Felsen und Klüfte der Sächsischen Schweiz schließlich werfen auch ein Echo der böhmischen Musik zurück. Spohr bildet all dies aber nicht naturalistisch in seiner Musik nach, er spiegelt eher Stimmungen und Eindrücke. Und natürlich ist all dies letztendlich brillante Virtuosenmusik, von Parrino und Fedrigotti auf zeitgenössischen Instrumenten gekonnt vorgetragen. Insbesondere ein herrlicher Broadwood-Flügel, erbaut im Jahre 1849, aus dem Besitz des Pianisten bringt ganz erstaunlich Farbe. Spohrs Werke aber sollten generell viel öfters zu hören sein – es lohnt sich!
Samstag, 27. Juni 2015
Tobias Feldmann, Violin (Genuin)
Ein junger Geiger stellt sich vor, und er setzt bereits mit der Auswahl der Stücke für seine Debüt-CD Akzente. Schon beim Blick auf das Programm wird deutlich: Tobias Feldmann, mehrfacher Wettbewerbssieger und ehemaliger Konzertmeister des Bundesjugendorchesters, macht keine halben Sachen. Was er hier kombi- niert, das ist wohlüberlegt und zeigt zugleich seinen sehr hohen An- spruch. Unterstützt wird Feldmann dabei von dem versierten Pianisten Boris Kusnezow.
Die Sonate Nr. 3 in d-Moll op. 27, Ballade, von Eugène-Auguste Ysaye ist George Enescu gewidmet. Sie vereint den großen, zunächst etwas melancholischen Auftritt mit hochvirtuosen Passagen, neben denen Paganini verblasst. Neben dieses Werk für Violine solo stellt Tobias Feldmann die Sonate für Klavier und Violine Nr. 7 in c-Moll von Ludwig van Beethoven. Es ist ein düsteres Stück, in dem tragische Wucht und leidenschaftliche Ausbrüche immer wieder die melodische Idylle stören – und am Ende siegt die Dunkelheit.
Béla Bartók schrieb seine Sonate für Violine solo Sz. 117 für Yehudi Menuhin. Der Komponist hatte den Geiger 1943 in einem Konzert mit einer Solo-Sonate von Johann Sebastian Bach gehört; mit diesem Klangbild in der Erinnerung schuf Bartók seine Sonate, die auch sein letztes vollendetes Werk wurde. Und natürlich spielt Feldmann im letzten Satz die Version mit den Vierteltönen.
Ein wahres Feuerwerk an virtuosen Effekten zündet Franz Waxman in seiner Carmen-Fantasie. Der Komponist, der sehr viele Filmmusiken ge- schrieben hat, hat ein ausgesprochenes Faible sowohl für die dramatische Wirkung eines Werkes als auch für allerlei geigentechnische Raffinessen. Der Zuhörer, der immer die Opernmelodie im Ohr behält, kann diese Kapriolen genießen. Entstanden ist die Carmen-Fantasie für Jascha Heifetz.
Tobias Feldmann agiert in all diesen doch sehr unterschiedlichen musi- kalischen Welten mit traumwandlerischer Sicherheit. Hier präsentiert sich ein junger Solist, von dem man für die Zukunft Großes erwarten darf. Denn er bietet nicht nur eine perfekte Technik, er gestaltet auch stilsicher, und er hat jenes gewisse musikalische Gespür, das man eben nicht erlernen kann. Ein tolles Debüt. Bravo!
Die Sonate Nr. 3 in d-Moll op. 27, Ballade, von Eugène-Auguste Ysaye ist George Enescu gewidmet. Sie vereint den großen, zunächst etwas melancholischen Auftritt mit hochvirtuosen Passagen, neben denen Paganini verblasst. Neben dieses Werk für Violine solo stellt Tobias Feldmann die Sonate für Klavier und Violine Nr. 7 in c-Moll von Ludwig van Beethoven. Es ist ein düsteres Stück, in dem tragische Wucht und leidenschaftliche Ausbrüche immer wieder die melodische Idylle stören – und am Ende siegt die Dunkelheit.
Béla Bartók schrieb seine Sonate für Violine solo Sz. 117 für Yehudi Menuhin. Der Komponist hatte den Geiger 1943 in einem Konzert mit einer Solo-Sonate von Johann Sebastian Bach gehört; mit diesem Klangbild in der Erinnerung schuf Bartók seine Sonate, die auch sein letztes vollendetes Werk wurde. Und natürlich spielt Feldmann im letzten Satz die Version mit den Vierteltönen.
Ein wahres Feuerwerk an virtuosen Effekten zündet Franz Waxman in seiner Carmen-Fantasie. Der Komponist, der sehr viele Filmmusiken ge- schrieben hat, hat ein ausgesprochenes Faible sowohl für die dramatische Wirkung eines Werkes als auch für allerlei geigentechnische Raffinessen. Der Zuhörer, der immer die Opernmelodie im Ohr behält, kann diese Kapriolen genießen. Entstanden ist die Carmen-Fantasie für Jascha Heifetz.
Tobias Feldmann agiert in all diesen doch sehr unterschiedlichen musi- kalischen Welten mit traumwandlerischer Sicherheit. Hier präsentiert sich ein junger Solist, von dem man für die Zukunft Großes erwarten darf. Denn er bietet nicht nur eine perfekte Technik, er gestaltet auch stilsicher, und er hat jenes gewisse musikalische Gespür, das man eben nicht erlernen kann. Ein tolles Debüt. Bravo!
Mittwoch, 1. Oktober 2014
Bach: Six Sonatas for Violin and Piano (ECM New Series)
Aufnahmen der sechs Sonaten für Violine und Cembalo BWV 1014-19 gibt es in großer Zahl. Dieses Album aber ist etwas ganz Besonderes – und das liegt daran, mit welcher Tief- gründigkeit und Ernsthaftigkeit die Geigerin Michelle Makarski gemein- sam mit dem Pianisten Keith Jarrett diese Werke erkundet hat. Die beiden befreundeten Musiker haben sich offenbar sehr viel Zeit genommen, und die Sonaten wieder und wieder gemeinsam gespielt.
Daraus ist dann schließlich die vorliegende Aufnahme entstanden. Es ist Jarretts erste Klassik-Einspielung seit seinem Doppelalbum mit Mozarts Klavierkonzerten 1996, und erst das zweite Mal, dass er für eine Aufnahme Bach auf dem Klavier und nicht am Cembalo spielte. Seine Entscheidung für den Konzertflügel wird man aber alsbald nachvollziehen, denn hier ist nichts zufällig, beiläufig, beliebig. Jede Phrase wird sorgsam zelebriert, jede Nuance wird mit Sorgfalt ausgestaltet; die beiden Instru- mente erklingen wie miteinander verwoben. Die Transparenz, die Keith Jarrett dabei mit seinem äußerst differenzierten Anschlag erreicht, ist faszinierend. Diese Aufnahme, obwohl überhaupt nicht historisch korrekt, ist konkurrenzlos gut und vom ersten bis zum letzten Ton gelungen. Makarski und Jarrett musizieren wie in einer anderen Dimension. Bravi!
Daraus ist dann schließlich die vorliegende Aufnahme entstanden. Es ist Jarretts erste Klassik-Einspielung seit seinem Doppelalbum mit Mozarts Klavierkonzerten 1996, und erst das zweite Mal, dass er für eine Aufnahme Bach auf dem Klavier und nicht am Cembalo spielte. Seine Entscheidung für den Konzertflügel wird man aber alsbald nachvollziehen, denn hier ist nichts zufällig, beiläufig, beliebig. Jede Phrase wird sorgsam zelebriert, jede Nuance wird mit Sorgfalt ausgestaltet; die beiden Instru- mente erklingen wie miteinander verwoben. Die Transparenz, die Keith Jarrett dabei mit seinem äußerst differenzierten Anschlag erreicht, ist faszinierend. Diese Aufnahme, obwohl überhaupt nicht historisch korrekt, ist konkurrenzlos gut und vom ersten bis zum letzten Ton gelungen. Makarski und Jarrett musizieren wie in einer anderen Dimension. Bravi!
Samstag, 13. September 2014
Sarasate: Transcriptions and arrangements (Naxos)
Pablo de Sarasate (1844 bis 1908) ge- hörte zu den großen Violinvirtuosen seiner Zeit. Bedeutende Komponisten schufen Werke für ihn; Camille Saint-Saëns beispielsweise widmete Sarasa- te Introduction et rondo capriccioso, und Édouard Lalo inspirierte der Geiger zur Symphonie espagnole. Doch auf seinen Konzertreisen spielte Sarasate gern auch eigene Stücke, oftmals entstanden aus Tänzen seiner spanischen Heimat.
Die aus China stammende und in Deutschland lebende Violinistin Tianwa Yang hat für Naxos sämtliche Werke des großen Geigers eingespielt. Die jüngste Veröffentlichung in dieser Serie gilt den Transkriptionen und Bearbeitungen, mit denen Sarasate für sich selbst bekannte Melodien von Bach bis Chopin arrangiert hat. Wie versiert er auch darin war, zeigt exemplarisch das Arrangement des legendären Klavierstücks Guitarra von Moritz Moszkowski, der für sein virtuoses Klavierspiel berüchigt ist. Wer Sarasates Version hört, der wird keine Sekunde vermuten, dieses Werk könnte für ein anderes Instrument entstanden sein als für die Violine.
Das Geigenspiel von Tianwa Yang ist auch hier wieder beeindruckend. Sie musiziert wunderbar im Einklang mit Markus Hadulla, ihrem versierten Partner am Klavier. Technisch scheint es für die junge Solistin keinerlei Limits zu geben, und zugleich überzeugt sie durch Esprit, Ausdrucksstärke und ihren schönen, runden Ton. Es ist wirklich angemessen, wenn Tianwa Yang nun für ihre Einspielung der Violinkonzerte von Felix Mendelssohn-Bartholdy, ebenfalls bei Naxos, mit dem Echo Klassik in der Kategorie „Nachwuchskünstler/in des Jahres 2014“ für das Instrument Violine aus- gezeichnet wird. Wir gratulieren!
Die aus China stammende und in Deutschland lebende Violinistin Tianwa Yang hat für Naxos sämtliche Werke des großen Geigers eingespielt. Die jüngste Veröffentlichung in dieser Serie gilt den Transkriptionen und Bearbeitungen, mit denen Sarasate für sich selbst bekannte Melodien von Bach bis Chopin arrangiert hat. Wie versiert er auch darin war, zeigt exemplarisch das Arrangement des legendären Klavierstücks Guitarra von Moritz Moszkowski, der für sein virtuoses Klavierspiel berüchigt ist. Wer Sarasates Version hört, der wird keine Sekunde vermuten, dieses Werk könnte für ein anderes Instrument entstanden sein als für die Violine.
Das Geigenspiel von Tianwa Yang ist auch hier wieder beeindruckend. Sie musiziert wunderbar im Einklang mit Markus Hadulla, ihrem versierten Partner am Klavier. Technisch scheint es für die junge Solistin keinerlei Limits zu geben, und zugleich überzeugt sie durch Esprit, Ausdrucksstärke und ihren schönen, runden Ton. Es ist wirklich angemessen, wenn Tianwa Yang nun für ihre Einspielung der Violinkonzerte von Felix Mendelssohn-Bartholdy, ebenfalls bei Naxos, mit dem Echo Klassik in der Kategorie „Nachwuchskünstler/in des Jahres 2014“ für das Instrument Violine aus- gezeichnet wird. Wir gratulieren!
Samstag, 7. Juni 2014
Sauret: Music for Violin and Piano (Naxos)
Der Geiger Émile Sauret (1852 bis 1920) wude sowohl in Europa als auch in Amerika gefeiert. Er galt als Wunderkind, und konnte diese Karriere in späteren Jahren fortsetzen. Er war aber nicht nur als Violinist ein Genie, wie diese CD beweist. Der Virtuose schrieb auch mehr als hundert Werke für sein Instrument, die leider nach seinem Tod in Vergessenheit geraten sind. Das mag mit daran liegen, dass sie technisch ziemlich anspruchsvoll sind. Doch hervorragende Geiger gab und gibt es viele – erstaunlich, dass bislang niemand diese Musik für sich entdeckt hat. Die amerikanische Violinistin Michi Wiancko zeigt gemeinsam mit Pianistin Dina Vainshtein, was den Musiker- kollegen da entgangen ist. Es sind Klänge, die eine ganz besondere Atmosphäre zaubern, ätherisch, schwebend, spielerisch. Den beiden Musikerinnen sei für diese Entdeckung gedankt. Unbedingt anhören, es lohnt sich! Wie schön wäre es, wenn Saurets Stücke wieder öfters im Konzert erklingen würden.
Sonntag, 13. April 2014
Julia Fischer - Sarasate (Decca)
Spielt heute ein Geiger im Konzert Musik der sogenannten Virtuosen, so scheint das bei den Anhängern der „großen“ Kunst noch immer ein gewisses Naserümpfen hervor- zurufen. Julia Fischer jedenfalls, mittlerweile eine gestandene Soli- stin, sieht Rechtfertigungsbedarf. Und so schreibt sie im Beiheft ihrer CD einen langen Text, mit dem sie begründet, warum sie sich daran wagt, einige Werke des legendären spanischen Geigers Pablo de Sarasate (1844 bis 1906) vorzu- tragen. Schließlich habe sie selbst gesagt: „Der Sinn eines Konzerts ist nicht, dass die Leute sich amüsieren oder unterhalten. Der Sinn eines Konzerts und der klassischen Musik an sich ist, dass man einen Menschen zum Nachdenken in irgendeiner Form anregt.“
Eigentlich ist das doch alles ganz einfach. Denn noch vor hundert Jahren hätte die Unterscheidung in (gute) „E-Musik“ und (pfui!!) „U-Musik“ kein Mensch verstanden. Erinnert sei beispielsweise an den grandiosen Fritz Kreisler, der buchstäblich alles spielte, was dem Publikum gefiel – und notfalls seine Tartinis und Pugnanis selbst schrieb. Julia Fischer spielt natürlich viel präziser und sauberer als Kreisler; aber Sarasate sollte man nicht nur mit brillanter Technik, sondern auch mit Ausdruck, mit ein bisschen Sinn für Theatralik vortragen. Tut mir leid, aber mir ist diese Aufnahme viel zu brav, da fehlt ganz entschieden das Herzblut.
Eigentlich ist das doch alles ganz einfach. Denn noch vor hundert Jahren hätte die Unterscheidung in (gute) „E-Musik“ und (pfui!!) „U-Musik“ kein Mensch verstanden. Erinnert sei beispielsweise an den grandiosen Fritz Kreisler, der buchstäblich alles spielte, was dem Publikum gefiel – und notfalls seine Tartinis und Pugnanis selbst schrieb. Julia Fischer spielt natürlich viel präziser und sauberer als Kreisler; aber Sarasate sollte man nicht nur mit brillanter Technik, sondern auch mit Ausdruck, mit ein bisschen Sinn für Theatralik vortragen. Tut mir leid, aber mir ist diese Aufnahme viel zu brav, da fehlt ganz entschieden das Herzblut.
Samstag, 8. Februar 2014
Pupils of Chopin - Violin and Piano Works (Naxos)
Bei Naxos ist bereits eine CD mit Klaviermusik von Chopin-Schülern erschienen. Nun veröffentlichte das Label eine weitere Einspielung mit Musik für Violine und Klavier von Karl von Mikuli (1821 bis 1897), Thomas Dyke Acland Tellefsen (1823 bis 1874) und Carl Filtsch (1830 bis 1845).
Mikuli stammte aus Czernowitz und kam 1844 nach Paris. Er gehörte zu den Klavierschülern Chopins, doch er war darüber hinaus bald auch Assistent seines Lehrers. Er veröffentlichte die erste Chopin-Gesamtausgabe. Vor der Revolution 1848 floh er zurück in seine Heimat, wo er sich als Pianist einen exzellenten Ruf erarbeitete. 1858 wurde er künstlerischer Direktor des Galizischen Musikvereins Lemberg sowie des dazugehö- rigen Konservatoriums. Karol Mikuli ist auf dieser CD mit dem Grand Duo in A-Dur op. 26 vertreten.
Tellefsen war der Sohn eines Organisten aus dem norwegischen Trondheim. Seine Violinsonaten Nr. 1 op. 19 und Nr. 2 op. 37 sind in einem Abstand von elf Jahren entstanden. Während die erste sehr klassisch erscheint, enthält die zweite Anklänge an die Heimat im Norden.
Carl Filtsch war der Sohn eines Pfarrers aus Mühlbach in Sieben- bürgen. Er galt als Wunderkind, und wurde beispielsweise bei seinem Debüt in Wiener Musikverein 1841 für seine Kunstfertigkeit allgemein gepriesen. 1842 wurde er Schüler von Chopin, der den Knaben wohl wie einen Sohn liebte. Filtsch starb wenige Tage vor seinem 15. Ge- burtstag in Venedig an der Tuberkulose. Auf dieser CD erklingt sein Allegretto con variazioni. Es musizieren Voytek Proniewicz, Violine, und Pianist Alexander Jakobidze-Gitman.
Mikuli stammte aus Czernowitz und kam 1844 nach Paris. Er gehörte zu den Klavierschülern Chopins, doch er war darüber hinaus bald auch Assistent seines Lehrers. Er veröffentlichte die erste Chopin-Gesamtausgabe. Vor der Revolution 1848 floh er zurück in seine Heimat, wo er sich als Pianist einen exzellenten Ruf erarbeitete. 1858 wurde er künstlerischer Direktor des Galizischen Musikvereins Lemberg sowie des dazugehö- rigen Konservatoriums. Karol Mikuli ist auf dieser CD mit dem Grand Duo in A-Dur op. 26 vertreten.
Tellefsen war der Sohn eines Organisten aus dem norwegischen Trondheim. Seine Violinsonaten Nr. 1 op. 19 und Nr. 2 op. 37 sind in einem Abstand von elf Jahren entstanden. Während die erste sehr klassisch erscheint, enthält die zweite Anklänge an die Heimat im Norden.
Carl Filtsch war der Sohn eines Pfarrers aus Mühlbach in Sieben- bürgen. Er galt als Wunderkind, und wurde beispielsweise bei seinem Debüt in Wiener Musikverein 1841 für seine Kunstfertigkeit allgemein gepriesen. 1842 wurde er Schüler von Chopin, der den Knaben wohl wie einen Sohn liebte. Filtsch starb wenige Tage vor seinem 15. Ge- burtstag in Venedig an der Tuberkulose. Auf dieser CD erklingt sein Allegretto con variazioni. Es musizieren Voytek Proniewicz, Violine, und Pianist Alexander Jakobidze-Gitman.
Freitag, 4. Oktober 2013
Godowsky: Twelve Impressions (Naxos)
Leopold Godowsky (1870 bis 1938) war ein hervorragender Pianist. Seine eigenen Klavier- werke gelten als technisch anspruchsvoll, aber klanglich wenig ansprechend. Seine wenigen Stücke für Violine – sein Sohn Leo spielte dieses Instrument – sind sehr charmant; dem Profi sind sie heute wohl zu sehr Salonmusik.
Dabei erklangen solche Stücke einst ganz selbstverständlich in den Konzerten der großen Virtu- osen. Fritz Kreisler beispielsweise hat ebenfalls derartige Werke geschrieben und gespielt. Von ihm sowie von Jascha Heifetz stammen auch Bearbeitungen von Godowskys Klaviermusik, die auf dieser CD erklingen. Ihnen hat aber auch Godowsky selbst Violin-Transkriptionen gewidmet.
An diese Raritäten haben sich nun Nazrin Rashidova, Violine, und Roderick Chadwick, Klavier, gewagt. Bei Naxos präsentieren die Musiker einige der Violin-Arrangements. Sie sind brillant, aber nicht vordergründig Virtuosenfutter, und wirken mit ihren gediegenen Melodien beinahe nostalgisch. Man staunt, wie locker die beiden die Herausforderungen bewältigen. Godowskys Musik lohnt aber die Mühe, bravi!
Dabei erklangen solche Stücke einst ganz selbstverständlich in den Konzerten der großen Virtu- osen. Fritz Kreisler beispielsweise hat ebenfalls derartige Werke geschrieben und gespielt. Von ihm sowie von Jascha Heifetz stammen auch Bearbeitungen von Godowskys Klaviermusik, die auf dieser CD erklingen. Ihnen hat aber auch Godowsky selbst Violin-Transkriptionen gewidmet.
An diese Raritäten haben sich nun Nazrin Rashidova, Violine, und Roderick Chadwick, Klavier, gewagt. Bei Naxos präsentieren die Musiker einige der Violin-Arrangements. Sie sind brillant, aber nicht vordergründig Virtuosenfutter, und wirken mit ihren gediegenen Melodien beinahe nostalgisch. Man staunt, wie locker die beiden die Herausforderungen bewältigen. Godowskys Musik lohnt aber die Mühe, bravi!
Donnerstag, 7. März 2013
Spohr: Grand Duo (cpo)
Louis Spohr (1784 bis 1859) gehört zu jenen Komponisten, deren Werk derzeit allmählich wieder durch Musiker entdeckt wird. Dabei erweist sich, wie sehr das Repertoire durch diese Werke bereichert wird, die lange im Kon- zert überhaupt nicht zu erleben waren.
Dass die Musikwelt auf diese Verluste aufmerksam wird, das ist nicht zuletzt das Verdienst einiger sehr engagierter Labels. So hat beispielsweise cpo bereits sämt- liche sinfonischen Werke von Louis Spohr in Neueinspielungen veröffentlicht. Auch für die Edition der Violinkonzerte durch cpo gab es großen Beifall.
Nun haben Ingolf Turban und Kolja Lessing eine CD mit Werken für Violine und Klavier vorgelegt. Sie zeigt uns, dass der Violinvirtuose und Hofkapellmeister Spohr auch beim Klavier eher die Diskant- register, klanglich transparente Strukturen und Eleganz bevorzugte. Im Zusammenspiel mit der Violine bekam das Klavier zudem nicht mehr die führende Stimme, der sich die Violine beiordnet. Spohr folgte nicht mehr dem Modell der Sonata per pianoforte con accompagnamento di violino, sondern er weist schon mit Titeln wie Duo concertant darauf hin, dass beide Partner gleichermaßen mit virtuosen Partien vor das Publikum treten.
Und auch wenn das Anfang 1837 in Kassel komponierte Grand Duo concertant op. 112 klassischen Prinzipien folgt, von der Sonaten- hauptsatzform im ersten Satz bis hin zum abschließenden Rondo, so klingt das Werk doch ausgesprochen vergnügt und naturverbunden. In den Sechs Salonstücken op. 135 aus den Jahren 1846/47 sind ebenfalls Passagen zu hören, die an Reiseerinnerungen denken lassen. Was Spohr freilich von allzu romantischen Ideen hält, das kann der Hörer am zweiten Teil des Grand Duo concertant erkennen, einem Larghetto, in dem der Komponist zunächst eine biedermeierliche Idylle aufbaut - um sich dann deftig darüber lustig zu machen.
Ingolf Turban und Kolja Lessing erweisen sich als ideale Besetzung für dieses charmante, aber gelegentlich auch doppelbödige Repertoire. Anders als die Werke Paganinis, wo die Virtuosität stets im Vorder- grund steht, fordert die Musik von Spohr deutlich mehr als Finger- akrobatik. Turban macht deutlich, dass virtuose Passagen bei Spohr immer Bestandteil einer musikalischen Idee sind. Doppelgriffe und Trillerketten sind hier Gestaltungsmittel, und nicht Turnübungen. Und wenn Turban auf einen allzu satten, "romantischen" Ton zumeist verzichtet, dann wirkt dies mitunter wie der Kommentar zum Kommentar. Auch das ist Rezeptionsgeschichte. Wie kühn und modern Spohr komponierte, das zeigt vor allem das Adagio WoO 37 mit seinen harmonischen Überraschungen.
Turban und Lessing haben gemeinsam schon mehrere CD eingespielt. Diese künstlerische Partnerschaft ist möglicherweise gerade deshalb so fruchtbar, weil Kolja Lessing selbst Geiger ist. Wie eine amüsante Fußnote wirkt es, wenn er hier Spohrs einzige Miniatur für Klavier solo spielt, das heiter-beschwingte Rondoletto op. 149.
Dass die Musikwelt auf diese Verluste aufmerksam wird, das ist nicht zuletzt das Verdienst einiger sehr engagierter Labels. So hat beispielsweise cpo bereits sämt- liche sinfonischen Werke von Louis Spohr in Neueinspielungen veröffentlicht. Auch für die Edition der Violinkonzerte durch cpo gab es großen Beifall.
Nun haben Ingolf Turban und Kolja Lessing eine CD mit Werken für Violine und Klavier vorgelegt. Sie zeigt uns, dass der Violinvirtuose und Hofkapellmeister Spohr auch beim Klavier eher die Diskant- register, klanglich transparente Strukturen und Eleganz bevorzugte. Im Zusammenspiel mit der Violine bekam das Klavier zudem nicht mehr die führende Stimme, der sich die Violine beiordnet. Spohr folgte nicht mehr dem Modell der Sonata per pianoforte con accompagnamento di violino, sondern er weist schon mit Titeln wie Duo concertant darauf hin, dass beide Partner gleichermaßen mit virtuosen Partien vor das Publikum treten.
Und auch wenn das Anfang 1837 in Kassel komponierte Grand Duo concertant op. 112 klassischen Prinzipien folgt, von der Sonaten- hauptsatzform im ersten Satz bis hin zum abschließenden Rondo, so klingt das Werk doch ausgesprochen vergnügt und naturverbunden. In den Sechs Salonstücken op. 135 aus den Jahren 1846/47 sind ebenfalls Passagen zu hören, die an Reiseerinnerungen denken lassen. Was Spohr freilich von allzu romantischen Ideen hält, das kann der Hörer am zweiten Teil des Grand Duo concertant erkennen, einem Larghetto, in dem der Komponist zunächst eine biedermeierliche Idylle aufbaut - um sich dann deftig darüber lustig zu machen.
Ingolf Turban und Kolja Lessing erweisen sich als ideale Besetzung für dieses charmante, aber gelegentlich auch doppelbödige Repertoire. Anders als die Werke Paganinis, wo die Virtuosität stets im Vorder- grund steht, fordert die Musik von Spohr deutlich mehr als Finger- akrobatik. Turban macht deutlich, dass virtuose Passagen bei Spohr immer Bestandteil einer musikalischen Idee sind. Doppelgriffe und Trillerketten sind hier Gestaltungsmittel, und nicht Turnübungen. Und wenn Turban auf einen allzu satten, "romantischen" Ton zumeist verzichtet, dann wirkt dies mitunter wie der Kommentar zum Kommentar. Auch das ist Rezeptionsgeschichte. Wie kühn und modern Spohr komponierte, das zeigt vor allem das Adagio WoO 37 mit seinen harmonischen Überraschungen.
Turban und Lessing haben gemeinsam schon mehrere CD eingespielt. Diese künstlerische Partnerschaft ist möglicherweise gerade deshalb so fruchtbar, weil Kolja Lessing selbst Geiger ist. Wie eine amüsante Fußnote wirkt es, wenn er hier Spohrs einzige Miniatur für Klavier solo spielt, das heiter-beschwingte Rondoletto op. 149.
Donnerstag, 24. Januar 2013
Sarasate: Boléro - Music for Violin and Piano 3 (Naxos)
Das Label Naxos führt seine Sarasate-Edition weiter - auf die Gesamteinspielung der Werke des großen spanischen Violinvirtuosen für Violine und Orchester folgen nun offenbar seine Kompositionen für Violine und Klavier. Zu hören ist erneut die junge chinesische Violinistin Tianwa Yang, sie musi- ziert gemeinsam mit dem Pianisten Markus Hadulla.
Das erweist sich als eine exzellente Kombination. Yang begeistert ein- mal mehr durch eine phänomenale Technik, Temperament und Charme. Sie setzt die Werke Pablo de Sarasates (1844 bis 1908) gekonnt in Szene, macht aber dennoch keine Zirkusnummern daraus - man könnte fast vergessen, dass es überwiegend virtuose Showstücke sind, so mühelos wirkt Yangs Interpretation. Und Hadulla begleitet die junge Geigerin mit einer Eleganz, die begeistert. Phantastisch!
Das erweist sich als eine exzellente Kombination. Yang begeistert ein- mal mehr durch eine phänomenale Technik, Temperament und Charme. Sie setzt die Werke Pablo de Sarasates (1844 bis 1908) gekonnt in Szene, macht aber dennoch keine Zirkusnummern daraus - man könnte fast vergessen, dass es überwiegend virtuose Showstücke sind, so mühelos wirkt Yangs Interpretation. Und Hadulla begleitet die junge Geigerin mit einer Eleganz, die begeistert. Phantastisch!
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