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Dienstag, 24. November 2020

Concertos 4 Violins (Berlin Classics)

 


Violinkonzerte von Antonio Vivaldi gehören zu den Allzeit-Lieblingsstücken sowohl des Publikums als auch der Virtuosen. Neben den populären „Vier Jahreszeiten“ schuf der Komponist allerdings auch Werke, die weit seltener zu hören sind. Die Konzerte für vier Violinen aus der Sammlung L’ Estro Armonico gehören zu diesen Raritäten. Auf dieser CD aus dem Hause Berlin Classics haben die Konzertmeister des renommierten Alte-Musik-Ensembles Concerto Köln noch einige weitere Musikstücke hinzugefügt, die ähnlich hohe Ansprüche an die Kunstfertigkeit der Virtuosen stellen. 

Evgeny Sviridov ist Solist im Concerto E-Dur op.11 Nr. 9 von Francesco Antonio Bonporti, der junge spanische Geiger Jesús Merino Ruiz interpretiert das Concerto in g-Moll op. 3 Nr. 6 von Pietro Castrucci. Das komplette Solistenquartett spielt zudem im Concerto in a-Moll op. 7 Nr. 11 von Giuseppe Valentini, und im Concerto in F-Dur op. 4 Nr. 12 von Pietro Antonio Locatelli. Letzteres erweist sich als ein funkensprühend brillantes Stück, in dem die „quattro violini obbligati“ so raffiniert miteinander konzertieren, dass der Zuhörer mitunter glaubt, nur ein Instrument zu hören. 

Es ist ohnehin faszinierend, wie harmonisch Mayumi Hirasaki, Shunske Sato, Evgeny Sviridov, Jesús Merino Ruiz als Gast und die anderen Mitglieder des Ensembles Concerto Köln miteinander musizieren. Aufgewachsen und ausgebildet rund um den Globus, bringen die Musiker hier all ihr Können und ihre Leidenschaft zusammen, um mit sehr viel Musizierlust ihr Publikum zu begeistern. Das Ergebnis ist ein Album der Extraklasse, und es vermag auch klanglich-technisch rundum zu überzeugen. 


Mittwoch, 6. Dezember 2017

Berliner Philharmoniker - The Christmas Album (Deutsche Grammophon)

Feiern Sie Weihnachten mit den Berliner Philharmonikern!, lädt die Deutsche Grammophon ein – und hat dazu aus den Archiven legendäre Interpretationen von Barock-Klassikern herausgesucht. Zu hören sind die Weihnachtskonzerte von Arcangelo Corelli, Giuseppe Torelli, Francesco Manfredini und Pietro Antonio Locatelli. Komplettiert wird das Programm durch Kanon und Gigue von Johann Pachelbel, Der Winter aus Vivaldis Vier Jahreszeiten – der Solopart wird gespielt von Konzertmeister Michel Schwalbé – und durch Bachs berühmtes Air. Da kommt garantiert Weihnachtsstimmung auf. Und die Aufnahmen mit den Berliner Philhar- monikern unter Herbert vom Karajan sind noch immer hörenswert. 

Mittwoch, 31. Mai 2017

Concerti Romani (Dynamic)

Rom war im 17. Jahrhundert eine
der wichtigsten Musikmetropolen Europas. Viele der italienischen Komponisten jener Zeit lebten und wirkten zumindest einige Zeit in der Ewigen Stadt. 

So ließ sich Arcangelo Corelli (1635 bis 1713) in den 1670er Jahren dort nieder; er erwarb sich rasch einen Ruf als ausgezeichneter Violinist und er- hielt so Zugang zu höchsten Kreisen. Er stand im Dienste dreier bedeuten- der Mäzene – Königin Christina von Schweden, Kardinal Benedetto Pamphilj und Kardinal Pietro Ottoboni. Über seine Schüler und mit den wenigen Werken, die er im Druck veröffentlicht hat, beeinflusste er das Musikleben in ganz Europa; Corelli war im gesamten 18. Jahrhundert der am meisten gedruckte Komponist überhaupt. 
Auf dieser CD spielt das Ensemble I Musici Werke seiner Nachfolger, die deutlich machen, wie sehr sein Vorbild imitiert wurde. Zu hören sind neben Corellis Concerto grosso op. 6 Nr. 4 das Concerto grosso op. 5 Nr. 7 seines Schülers Francesco Geminiani (1687 bis 1762), sowie Werke von Pietro Castrucci (1679 bis 1752), Giuseppe Valentini (1681 bis 1753) und Pietro Locatelli (1695 bis 1764). 

Montag, 30. Mai 2016

Of Witches and Devils - Tartini, Paganini, Locatelli (Dynamic)

Engelsreine Gesänge und teuflische Klänge – Musik ist oftmals auch mit einer Inszenierung verbunden; und schon in den vergangenen Jahr- hunderten nutzten Virtuosen gern alle Möglichkeiten, sich multimedial in Szene zu setzen. Mit dieser CD erinnern Luca Fanfoni und Luca Ballerini an drei exzellente Geiger, die nicht nur ihr Instrument, sondern auch diese Kunst offenbar ziemlich gut beherrschten. 
Allerdings hat die Legende um die berühmte Teufelstriller-Sonate von Giuseppe Tartini (1692 bis 1770) der Franzose Jérôme de Lalande ins Leben gesetzt. Er erzählte in seinem Buch Voyage en Italie 1769 erstmals von dem Traum des Musikers, in dem der Teufel wundervolle Musik gespielt haben soll – und Tartini sei nach dem Erwachen leider nicht in der Lage gewesen, mehr als Fragmente davon zu notieren. 
Pietro Antonio Locatelli (1695 bis 1764) schrieb ein Capriccio namens Labirinto Armonico, mit dem Hinweis: „Facilis aditus, difficilis exitus.“ Dieses Werk für Solo-Violine ist nicht unbedingt dämonisch, aber anspruchsvoll ist es allemal. 
Nicolò Paganini (1782 bis 1840) stand in dem Ruf, der Teufelsgeiger zu sein. Legenden gibt es über ihn ohne Ende; vermutlich wird er jedoch schlicht über einen langen Zeitraum besonders eifrig und besonders kreativ geübt haben, so dass er schließlich das Publikum mit Effekten und Techni- ken verblüffen konnte, die außer ihm damals keiner beherrschte – „Zauber- geigenkünste“, mit denen er die Leute „verhext“ haben soll. Die Musik dieses Virtuosen hat den größten Anteil auf dieser CD. Luca Fanfoni spielt, begleitet von Luca Ballerini, die „Nel cor più non sento“-Variationen, dazu das Adagio aus dem Violinkonzert Nr. 3 sowie natürlich die Variationen über ein Thema von Franz Süssmayr, die unter dem Titel Le Streghe bekannt wurden. Die Sonata a preghiera erklingt sogar in zwei Versionen. Die Originalversion, hier in Weltersteinspielung, interpretiert Fanfoni auf „Paganinis Violine“; nähere Angaben Fehlanzeige, was ich schade finde – da das Instrument von der Stadt Genua für die Aufnahme zur Verfügung gestellt wurde, darf man annehmen, dass es sich um die Cannone handeln könnte. 
Luca Fanfoni erweist sich als ein hervorragender Geiger mit einer sehr guten Technik und ausgeprägtem Sinn für musikalische Strukturen. Ihm zuzuhören, das macht wirklich Freude, zumal er mit seiner Geige von Goffredo Cappa aus dem Jahre 1690 auch ein phantastisches Instrument spielt. Zurücklehnen und genießen! 

Sonntag, 10. Mai 2015

Bach: Constantin Emanuel sings from Schemellis Gesangbuch (Challenge Classics)

Liedern aus Schemellis Gesangbuch widmet Ton Koopman seine jüngste CD. Georg Christian Schemelli (um 1680 bis 1762) lernte 1695 bis 1700 an der Leipziger Thomasschule. 1707 wurde er Kantor in Treuenbrietzen, 1727 Hofkantor in Zeitz, wo er bis zu seinem Ruhestand wirkte. Bekannt ist er als Herausgeber eines Gesang- buches, zu dem auch Johann Sebastian Bach Beiträge lieferte – doch ist nicht sicher festzustellen, welche. Zwar sind sämtliche Lieder im Bach-Werkeverzeichnis gelistet. Neuere Forschungsergebnisse deuten aber darauf hin, dass nur die Lieder BWV 452, 478 und 505 tatsächlich von Bach stammen. Es wird angenommen, dass er bei anderen zumindest den bezifferten Bass hinzugefügt hat. 
Koopman schert sich um diese Debatte wenig. Er verweist darauf kurz im Beiheft, und wählt dann aus, was er lohnend findet, und was zu seinem jungen Sänger passt: Constantin Emanuel sei „één van de zeer weinige jongenssopranen die het epitheton ornans ,schattig' vorbij is, en die muzikaal iets te vertellen heeft“, lobt der Organist und Musikwissen- schaftler. Der junge Sänger klingt in der Tat nicht mehr „niedlich“, und er singt immer noch in Sopranlage, obwohl er bereits 15 Jahre alt ist. Das ist heute selten; zu Bachs Zeiten aber war das normal. 
Es wird nicht verblüffen, dass die längere sängerische Ausbildung, nicht durch den Stimmbruch unterbrochen, den Jungen das Singen schwieri- gerer Partien ermöglicht. Constantin Emanuel singt sehr ordentlich, auch wenn sein Timbre nicht immer angenehm ist. Seine Phrasierung ist intelligent, und – was ich besonders erfreulich finde – jedes Wort ist zu verstehen.  
Die Lieder, die auf dieser CD zu hören sind, waren für die häusliche An- dacht bestimmt; dennoch sind es eher kleine Arien als schlichte Choräle. Man mag sich also vorstellen, was unsere Altvorderen, die ihren Zeit noch nicht an Fernseher und Smartphones verschwendeten, einstmals zum Gebet und zum Zeitvertreib zu Hause musizierten. Und damit es nicht zuviel Gesang wird, spielt Koopman auf dieser CD nach einigen Liedern stets ein kurzes Orgelstück.

Samstag, 25. Januar 2014

Corellimania (Accent)

Der Entstehung des Konzerts am Ausgang des Barockzeitalters spürt das Ensemble Harmonie Univer- selle auf dieser CD nach. Die Kindertage der Gattung waren durchaus spannend. So zeigen die Musiker anhand von Veröffent- lichungen des Amsterdamer Notenverlegers Estienne Roger, mit welcher Begeisterung die Werke Arcangelo Corellis (1653 bis 1713) nördlich der Alpen aufge- nommen worden sind. 
So kam in Großbritannien eine regelrechte Corelli-Manie auf; etliche Musiker, wie beispielsweise Francesco Gemiani (1687 bis 1762), orientierten sich daher an diesem Vorbild, und hatten damit großen Erfolg. Florian Deuter, Mónica Waisman und Harmonie Universelle präsentieren auf dieser CD einige solcher Konzerte. Sie haben zudem für drei Concerti grossi aus Corellis op. 6 das Experiment gewagt, Partien für Trompeten und Posaune zu rekonstruieren. Diese Besetzung ist durch zeitgenössische Aufführungsberichte belegt, und sie erweist sich hier als durchaus passend. Musiziert wird gekonnt und überlegt; diese CD ist wirklich rundum gelungen. 

Mittwoch, 17. April 2013

Locatelli: L'arte del violino - 24 Capricci (Newton)

Pietro Antonio Locatelli (1695 bis 1764) war einer der großen Violinvirtuosen. Er stammt aus Bergamo, wo er offenbar schon früh in der cappella musicale der Kirche Santa Maria Maggiore gespielt hat. 1711 ging der junge Musiker nach Rom; drei Jahre später berichtet er in einem Brief an seinen Vater, dass er in der Hauskapelle des Fürsten Michelan- gelo I. Caetani musiziert. 
Wer ihn unterrichtet hat, das kann man nur vermuten - aber er muss in Rom, wie auch zuvor schon in Bergamo, exzellente Lehrer gefun- den haben. 1721 erschien in Amsterdam Locatellis erstes Werk im Druck, XII Concerti grossi op. 1, gewidmet Kardinal Camillo Cybo. 
Locatelli muss durch halb Europa gereist sein, doch es gibt wenig Berichte über seine Auftritte; wer etwas über das Wirken des Vir- tuosen erfahren will, der muss in Hofjournalen, Kassenbüchern und privaten Aufzeichnungen mühsam nach seinen Spuren suchen. So lässt sich rekonstruieren, dass er 1727 in München weilte, und 1728 am preußischen Hof, in Frankfurt/Main und in Kassel musizierte. 1729 ließ sich der Geiger in Amsterdam nieder, wo er bis an sein Lebensende blieb. Er ließ dort seine Werke drucken, unterrichtete und musizierte gelegentlich im privaten Kreis. 
Der Katalog seines Nachlasses verrät uns, dass Locatelli damit ein Vermögen erworben hat. Der Musiker besaß nicht nur Kleidung, Hausrat und Musikalien, sondern auch eine umfangreiche Bibliothek und zahlreiche Gemälde. 
Die 24 Capricci, die Emmanuele Baldini 1998 eingespielt hat, sind Bestandteil von L'arte del violino op. 3. Es sind virtuose Zugaben zu den zwölf Violinkonzerten, die schon an sich ziemlich anspruchsvoll sind. Leider haben die Capricci später ein Eigenleben entwickelt, was man auch dieser Aufnahme anhört: Sie wurden als Etüden genutzt, und Generationen von Geigern haben an solchen Stücken Finger und Bogenführung perfektioniert - höher, schneller, weiter! Wer diese Werke so spielt, der wird ihnen aber nicht gerecht, und er wird sein Publikum langweilen, statt Faszination und Erstaunen auszulösen. 

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Weihnachtskonzerte (Capriccio)

Aus Bologna stammt der Brauch, Weihnachten mit einem Konzert zu feiern. Dort gab es eine riesige Basilika mit einem Orchester, in dem an Feiertagen mehr als hun- dert Musiker spielten - was die Gottesdienste ohne Zweifel zu einem Ereignis werden ließ. 
Der Raum aber hatte ein beträcht- liches Echo, und die Musiker waren wohl teilweise auch nicht beson- ders versiert. Das führte dazu, dass die Tutti prägnante, gravitätische Partien bekamen - und Solisten die bewegten, verzierten Abschnitte. Musiker aus Bologna aber führten diesen Brauch auch andernorts ein, wenn sie eine Stelle annahmen - und so wurden diese barocken Konzerte "fatto per la notte di natale" mit ihrer kunstvoll imitierten Hirtenmusik auch in Rom, in Wien, in Dresden, Amsterdam, ja, selbst in London Mode. 
Diese CD versammelt Weihnachtskonzerte von Arcangelo Corelli, Pietro Antonio Locatelli, Giuseppe Torelli, Francesco Onofrio Manfre- dini, Johann Melchior Molter und Gregor Joseph Werner. Auch Georg Friedrich Händel ist mit seiner Pastorale aus dem Messias vertreten. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1992. Es musiziert das Neue Berliner Kammerorchester unter Michael Erxleben, der gemeinsam mit Knut Zimmermann auch die Violinsoli spielt. An der Orgel zu hören ist Hans-Peter Kirchberg. Von der melancholisch-misslunge- nen Hülle sollte man sich nicht abschrecken lassen; die CD ist durch- aus hörenswert. 

Samstag, 13. November 2010

Italienische Weihnacht - Solokonzerte und Concerti grossi (Naxos)

Festliche Musik gehört zu Weih- nachten. Das galt ganz besonders für das Zeitalter des Barock, mit seiner emblematischen Kunst- auffassung: Mit Pauken und Trompeten feierte man die Ankunft des Jesuskindleins als den Einzug eines Königs - und Flöten, Oboen und Geigen erinnern bis heute an die Hirten im Felde, die damals nach Bethlehem eilten.
Das Kölner Kammerorchester unter Christian Ludwig hat für diese CD Werke zusammengestellt, wie sie um 1700 bei Hofe zu Weihnachten erklungen sein könnten. Die Italienische Weihnacht beginnt prachtvoll mit der Sonate Nr. 1 in F-Dur für Trompete und Orchester von Pietro Baldassare, gefolgt vom Concerto grosso in C-Dur op. 3 Nr. 12 von Francesco Onofrio Manfre- dini, bekannt auch als Concerto per il Santissimo Natale. Es folgen zwei Flötenkonzerte von Antonio Vivaldi und Giovanni Battista Sammartini, die dem Solisten extreme Virtuosität abverlangen. Hier brilliert Daniel Rothert, der nicht nur flinke Finger zeigt, sondern auch durch seinen Sinn für Phrasierung und durch schöne Töne be- geistert. 
Die junge serbische Musikerin Laura Vukobratovic, Solotrompeterin des Nationaltheaters Mannheim, überzeugt ebenfalls durch Virtuosi- tät. Die Sonate in D-Dur von Giuseppe Torelli für Trompete und Orchester kennt man allerdings von Aufnahmen des sächsischen Startrompeters Ludwig Güttler - und an seine überlegene Gestaltung, an seinen strahlenden Klang reicht sie (noch) nicht ganz heran.
Höhepunkt und Abschluss der CD ist ein berühmtes Weihnachts- konzert, das Concerto grosso f-Moll op. 1 Nr. 8 von Pietro Antonio Locatelli, das mit einer ergreifenden Pastorale endet - und endgültig für Weihnachtsstimmung sorgt. Wer barocken Glanz rings um den Baum verbreiten möchte, dem sei diese blitzsauber musizierte Einspielung empfohlen.

Dienstag, 22. Juni 2010

Giro d'Italia (MDG)

Eine Rundreise durch Italien, mit den Stationen Venedig, Burano, Bergamo, Mailand, Lucca und Neapel - denn das sind die Geburts- orte jener Komponisten, deren Werke diese CD enthält. Somit erweist sich diese Silberscheibe auch als Reiseführer durch eine musikalische Landschaft, die sich als sehr abwechslungsreich erweist. 
Im 18. Jahrhundert war die italienische Musik zudem Vorbild für viele europäische Kompo- nisten, die musikalische Formen und Strukturen, die sie oftmals ebenfalls auf Reisen durch das Land kennenlernten, adaptierten und weiterentwickelten. Das Ensemble Musica Alta Ripa hat für diese CD einige ganz besondere Pretiosen ausgewählt - zumeist weniger be- kannte, aber nichtsdestotrotz sehr hübsche Werke von Giuseppe Sammartini, Baldassare Galuppi, Luigi Boccherini, Antonio Vivaldi, Pietro Antonio Locatelli und Francesco Mancini. Sie zeigen, wie die Italiener selber die Ideen eines Corelli oder auch Vivaldi weiter- entwickelt haben - und führen den Zuhörer bis an die Schwelle der Frühklassik. Das Konzept ist faszinierend, die Zusammenstellung ist sehr abwechslungsreich, und auch die Musik gefällt, denn sie wird mit leichter Hand, Schwung und Humor inszeniert.

Dienstag, 30. März 2010

Sviatoslav Richter plays Franz Schubert / Oistrakh plays Beethoven, Leclair, Paganini (Idis)

Entdeckungen im Archiv: Hier sind zwei CD mit schönen alten Aufnah- men der russischen Ausnahme- musiker Swjatoslaw Teofilowitsch Richter und David Fjodorowitsch Oistrach. Aus dem Beiheft erfährt man wenigstens, wann und wo sie entstanden sind - und das wars auch schon. 
Richter spielt die Schubert-Sona- ten  in c-Moll D 958 (Budapest, 1958) und in a-Moll D 845 (Moskau, 1957) erstaunlich ver- halten-poetisch; eigentlich ist man ein kraftvolles bis romantisches Spiel von ihm gewohnt. 
Die Aufnahme des Beethoven-Violinkonzertes D-Dur op. 61 mit David Oistrach stammt aus dem Jahre 1960; er musiziert hier mit dem Orchestra Sinfonica di Milano della RAI unter Vittorio Gui. Außerdem enthält die CD Sonaten von Leclair, Locatelli und Paganini, aufge- zeichnet im Studio 1955 bzw. 1951, jeweils mit Wladimir Jampolski am Klavier. Diese Aufnahmen sind nicht Oistrachs "Best of", aber sie zeigen doch den typischen Oistrach-Ton - schlank, aber zugleich voll Wärme - und seine brillante Technik, die jedoch niemals Selbstzweck war. Ein faszinierendes Dokument, das Sammler erfreuen wird.