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Montag, 23. Mai 2016
Sarasate: Opera Phantasies (MDG)
„Seit 37 Jahren übe ich 14 Stunden am Tag und nun nennt man mich ein Genie“, kommentierte Pablo de Sarasate, der Wundergeiger aus dem spanischen Pamplona, einst seinen Erfolg. Der Violinvirtuose wurde in den Pariser Salons gefeiert. Ein Zufall war auch dies allerdings nicht, wie die vorliegende CD beweist: Um das Publikum zu entzücken, spielte der Musiker gern Melodien aus bekann- ten Opern jener Zeit, die er zu diesem Zweck gekonnt bearbeitete. Nicht immer rücken diese Arrangements die Geige übermäßig in den Vordergrund – Volker Reinhold, Konzertmeister der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin, und sein langjähriger Klavierpartner Ralph Zedler präsentieren Opernphantasien, bei denen Melodieinstrument und Klavier erstaunlich gleichberechtigt musizieren.
Dienstag, 26. Januar 2016
Thalberg: Opera Fantasies (Piano Classics)
Sigismund Thalberg kam 1812 in Pâquis bei Genf zur Welt; er war das uneheliche Kind von Baronin Maria Julia Wetzlar von Plankenstern und Fürst Franz Joseph von Dietrichstein, der neben anderen Titeln auch den eines Freiherrn von Thalberg führte. Er wuchs in Wien im Palais seines Vaters auf; seine Mutter soll eine exzellente Pianistin gewesen sein, und man darf auch vermuten, dass sie ihn unterrichtet hat. 1830 konzer- tierte er bereits in Berlin und in Leipzig; dort lernte er unter anderem Chopin, Felix Mendelssohn Barthol- dy und die zehnjährige Clara Wieck kennen. 1836 gab Thalberg sein erstes Solo-Konzert in Paris, wo er sehr gefeiert wurde.
1841 berichtete die Pianistin, mittlerweile Clara Schumann, in einer Tagebucheintragung: „Montags besuchte uns Thalberg, und spielte zum Entzücken schön auf meinem Pianoforte. Eine vollendetere Mechanik giebt es nicht, und seine Claviereffekte müssen oft die Kenner hinreißen. Ihm mißglückt kein Ton, seine Läufe kann man mit Perlenreihen ver- gleichen, seine Octaven sind die schönsten, die ich je gehört.“
Bereits 1828 veröffentlichte Thalberg sein Opus 1, eine Fantasie mit Variationen über Motive aus Webers Oper Euryanthe. Wie seinerzeit üblich, hat der Pianist auch komponiert – nicht zuletzt für seine eigenen Konzertprogramme – und dabei im romantischen Wettstreit um Virtuosität und Kreativität so manchen extravaganten Beitrag geleistet: Thalberg gilt als der Schöpfer des sogenannten Dritte-Hand-Effektes, bei dem eine Melodie von beiden Händen entwickelt wird, während gleichzeitig im Diskant Arpeggio-Figurationen erklingen, und im Bass Begleitakkorde. Dadurch entsteht der Eindruck, dass drei Hände gleichzeitig spielen – nichts für langsame Hirne und steife Finger! Nicht wenige Zeitgenossen Thalbergs hielten solche Werke für unspielbar.
Mark Viner hat diese Musik für sein Debütalbum ausgewählt. Der Pianist gilt als eines der größten britischen Klaviertalente. Er hat eine besondere Leidenschaft für ungewöhnliches Repertoire, was ihm 2012 den ersten Preis des Alkan-Zimmermann-Wettbewerbs einbrachte. Auf dieser CD ist er zu hören mit der Fantaisie sur des thèmes de l'opéra Moise de G. Rossini op. 33, der Grande Fantaisie sur La Sérénade et Le Menuet de Don Juan op. 42, dem Andante final de Lucia de Lammermoor op. 43, dem Grand Caprice sur des motifs de La Sonnambula de Bellini op. 46 und der Grande Fantaisie sur Don Pasquale op. 67 – sämtlich entstanden zwischen 1839 und 1844.
Viner präsentiert Thalbergs brillante Musik sehr ansprechend; die Oper als Gattung ist ohnehin eine ausgesprochen dankbare Fundgrube, wenn es darum geht, bekannte Melodien mit der gebotenen Theatralik zu insze- nieren, und dabei pianistische Höchstschwierigkeiten ebenso dezent wie wirkungsvoll unterzubringen. Viners Spiel merkt man aber an keiner Stelle an, welch enorme Anforderungen diese Werke an den Pianisten stellen. Der vielversprechende junge Pianist setzt ganz auf Ausdruck, und er macht mit dieser Aufnahme neugierig – nicht zuletzt auf mehr Thalberg.
1841 berichtete die Pianistin, mittlerweile Clara Schumann, in einer Tagebucheintragung: „Montags besuchte uns Thalberg, und spielte zum Entzücken schön auf meinem Pianoforte. Eine vollendetere Mechanik giebt es nicht, und seine Claviereffekte müssen oft die Kenner hinreißen. Ihm mißglückt kein Ton, seine Läufe kann man mit Perlenreihen ver- gleichen, seine Octaven sind die schönsten, die ich je gehört.“
Bereits 1828 veröffentlichte Thalberg sein Opus 1, eine Fantasie mit Variationen über Motive aus Webers Oper Euryanthe. Wie seinerzeit üblich, hat der Pianist auch komponiert – nicht zuletzt für seine eigenen Konzertprogramme – und dabei im romantischen Wettstreit um Virtuosität und Kreativität so manchen extravaganten Beitrag geleistet: Thalberg gilt als der Schöpfer des sogenannten Dritte-Hand-Effektes, bei dem eine Melodie von beiden Händen entwickelt wird, während gleichzeitig im Diskant Arpeggio-Figurationen erklingen, und im Bass Begleitakkorde. Dadurch entsteht der Eindruck, dass drei Hände gleichzeitig spielen – nichts für langsame Hirne und steife Finger! Nicht wenige Zeitgenossen Thalbergs hielten solche Werke für unspielbar.
Mark Viner hat diese Musik für sein Debütalbum ausgewählt. Der Pianist gilt als eines der größten britischen Klaviertalente. Er hat eine besondere Leidenschaft für ungewöhnliches Repertoire, was ihm 2012 den ersten Preis des Alkan-Zimmermann-Wettbewerbs einbrachte. Auf dieser CD ist er zu hören mit der Fantaisie sur des thèmes de l'opéra Moise de G. Rossini op. 33, der Grande Fantaisie sur La Sérénade et Le Menuet de Don Juan op. 42, dem Andante final de Lucia de Lammermoor op. 43, dem Grand Caprice sur des motifs de La Sonnambula de Bellini op. 46 und der Grande Fantaisie sur Don Pasquale op. 67 – sämtlich entstanden zwischen 1839 und 1844.
Viner präsentiert Thalbergs brillante Musik sehr ansprechend; die Oper als Gattung ist ohnehin eine ausgesprochen dankbare Fundgrube, wenn es darum geht, bekannte Melodien mit der gebotenen Theatralik zu insze- nieren, und dabei pianistische Höchstschwierigkeiten ebenso dezent wie wirkungsvoll unterzubringen. Viners Spiel merkt man aber an keiner Stelle an, welch enorme Anforderungen diese Werke an den Pianisten stellen. Der vielversprechende junge Pianist setzt ganz auf Ausdruck, und er macht mit dieser Aufnahme neugierig – nicht zuletzt auf mehr Thalberg.
Donnerstag, 5. August 2010
Korsakova: Opera Fantasies (Solo Musica)
Natascha Korsakowa entstammt einer Musikerdynastie. Sie ist die Ururgroßnichte von Nikolai Rimskij-Korsakow; ihre Mutter ist die griechische Pianistin Yolantha Miroshnikova, ihr Vater der 1991 verstorbene russische Geiger Andrej Korsakow.
Sie begann in Alter von fünf Jahren, selbst Violine zu spielen; Unterricht erteilte ihr zunächst ihr Großvater Boris Korsakow, eben- falls erfolgreich als Solist. Nun schreibt sie selbst ein weiteres Kapitel dieser Familiengeschichte; und das gar nicht ungeschickt.
So hat sie für Solo Musica eine sehr CD mit Opernparaphrasen einge- spielt - schöne, eingängige, teilweise auch virtuose Musik. Allerdings hat sie dafür Bearbeitungen ausgesucht, die wohl zu keinem Zeitpunkt die Funktion hatten, für die diese Gattung ursprünglich entstanden war. Denn vor der Erfindung von Schallplatte und Radio war es durchaus üblich, dass schon wenige Tage nach der Premiere einer neuen Oper die "Hits" im Druck erschienen, und vom begeisterten Publikum daheim gespielt wurden.
So hat sie für Solo Musica eine sehr CD mit Opernparaphrasen einge- spielt - schöne, eingängige, teilweise auch virtuose Musik. Allerdings hat sie dafür Bearbeitungen ausgesucht, die wohl zu keinem Zeitpunkt die Funktion hatten, für die diese Gattung ursprünglich entstanden war. Denn vor der Erfindung von Schallplatte und Radio war es durchaus üblich, dass schon wenige Tage nach der Premiere einer neuen Oper die "Hits" im Druck erschienen, und vom begeisterten Publikum daheim gespielt wurden.
Für die gehobene Hausmusik freilich sind die Stücke auf dieser CD wohl zu schwierig; sie sind offenkundig eher als "Virtuosenfutter" in der Tradition der Fantaisie brillante entstanden. Den Rahmen bilden zwei Werke, die sich mit Gershwins Oper Porgy and Bess auseinan- dersetzen. Der russische Geiger Igor Frolow, ein Schüler David Oistrachs, schuf eine Opern-Fantasie ganz im Stil des 19. Jahrhun- derts. Jascha Heifetz bleibt näher am Original, setzt aber dennoch stark auf geigerische Zirzensik. Natascha Korsakowa hat damit technisch keine Probleme; aber das jazzig-schmissige Spiel scheint ihr mehr Vergnügen zu bereiten.
Von Henri Vieuxtemps stammt eine Fantaisie brillante über Themen aus Verdis Oper Ernani. Antonio Bazzini - Schumann zählte den Geiger seinerzeit "gewiß zu den größten der Gegenwart" - kompo- nierte eine Fantasia über Themen aus Verdis La Traviata. Als Überraschung erweist sich zudem eine Fantasie über Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach aus der Feder von Franz Drdla, einem tschechischen Violinisten. Diese beiden ebenso charmanten wie raffinierten Werke sind für mich die Höhepunkte der CD. Außerordentlich amüsant ist aber auch eine Konzert-Transkription von Mario Castelnuovo-Tedesco, der Rossinis berühmte Figaro-Arie in einen Hexenritt quer durch die Musikgeschichte verwandelt.
Kira Ratner am Piano begleitet perfekt, die beiden Frauen spielen wie aus einem Atem. Wenn die Süddeutsche Zeitung das Spiel der Korsakowa allerdings als "sündhaft schönes Hörerlebnis" bejubelt, dann scheint diese Begeisterung wohl eher auf optischem Wege entstanden zu sein. Die Solistin trägt auf der Bühne ausschließlich Outfits von Laura Biagiotti und ist als "Testimonial" für dieses Modehaus tätig; auch ihre Homepage wimmelt von knackigen Fotos. Nun ist gutes Aussehen ja am Musikmarkt gewiss nicht hinderlich; allerdings würde man sich auch musikalisch über etwas mehr Pfeffer freuen.
Sonntag, 21. Februar 2010
Fantasy - A night at the opera; Emmanuel Pahud (EMI Classics)
Diese CD sollte wohl besser
"A flute at the opera" über- schrieben werden. Denn sie bringt eine lange Reihe nur Insidern vertraute, halsbrecherische Opernparaphrasen für dieses Instrument.
"A flute at the opera" über- schrieben werden. Denn sie bringt eine lange Reihe nur Insidern vertraute, halsbrecherische Opernparaphrasen für dieses Instrument.
Bearbeitungen von populären Opernpartien für Flöte waren ausgesprochen beliebt. Sie dienten zwei sehr verschiedenen Zwecken - und waren dementsprechend auch extrem unterschiedlich angelegt. Da war die brave Paraphrase für die Hausmusik - klangschön, aber mit einiger Übung vom Laien gut zu spielen. Und da gab es jene Bearbeitungen, die Flötisten eigens dafür geschaffen haben, um dem Publikum anhand von Melodien, die jedermann vertraut waren, ihre Virtuosität sowie die Klangschönheit des eigenen Tones vorzuführen. Solche Stücke, gern "Fantaisie brillante sur..." genannt, erkunden die Möglichkeiten des Instrumentes, und gehen oft bis an die Grenzen der Spielbarkeit. Die Blütezeit dieser Art von Literatur war ohne Zweifel das 19. Jahr- hundert. Doch diese Stücke sind für jeden Flötisten noch heute eine Herausforderung.
Emmanuel Pahud spielt auf der vorliegenden CD zum einen Glucks Selige Geister, wie einen Gruß aus der Zeit vor Theobald Boehm. Und er zeigt, was die Virtuosengeneration, der Boehms Ringklappenflöte erstmals zur Verfügung stand, mit dem Instrument anzufangen wusste. Ihren Stil imitieren auch die beiden jüngeren Bearbeitungen. Wir erleben Stücke aus Verdis Opern La Traviata und Rigoletto, aus Bizets Carmen, Mozarts Zauberflöte, von Webers Freischütz sowie die Arie des Lenski aus Tschaikowskis Eugen Onegin. Bei einigen Stücken spielt Pahud gemeinsam mit Juliette Hurel; es begleitet - und das darf man hier durchaus als Kompliment lesen - das Rotterdam Philhar- monic Orchestra unter Yannick Nézet-Séguin.
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