Das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker lockt alljährlich bis zu 100.000 Besucher in den festlich beleuchteten Park von Schloss Schönbrunn. In diesem Jahr musizierte das Orchester unter Leitung von Gustavo Dudamel. „Rhapsody in Blue“ lautete das Motto des Programmes – und da verwundert es nicht, dass faktisch alle Stücke irgend etwas mit Amerika zu tun hatten. Zugleich haben etliche von ihnen einen Bezug zur Wiener Musiktradition.
Das Programm beginnt mit Leonard Bernsteins schwungvoller Ouvertüre zu Candide. Der Komponist, Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker, dirigierte sie in Wien sogar einmal selbst – beim Philharmonikerball 1978. Den Jubilee Waltz schrieb Johann Strauss 1872, als er in die USA reiste, um in Boston seine Musik beim World's Peace Jubilee zu dirigieren. 1893 reiste auch Carl Michael Ziehrer in die USA. In Chicago musizierte er mit seinem 60köpfigen Orchester in „Old Vienna“, einem Kulissendorf, in dem auch Händler und Gastronomen Spezialitäten aus dem Österreich anboten. Als Referenz an das Publikum schrieb Ziehrer den Sternenbanner-Marsch, in dem er populäre amerikanische Melodien jener Zeit verarbeitete.
Die Idee zu The Stars and Stripes Forever hatte John Philipp Sousa auf der Rückreise von einem Urlaub in Europa 1896. Das Stück kann man getrost als amerikanischen Nationalmarsch ansehen. Etwas aus dem ansonsten recht beschwingten Rahmen fällt das berühmte Adagio von Samuel Barber. Er war der erste amerikanische Komponist, dessen Musik die Wiener Philharmoniker seinerzeit spielten – und die New Yorker Uraufführung dieses Stückes dirigierte einst 1938 Arturo Toscanini; seine Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern hatte dieser allerdings nach dem deutschen Einmarsch beendet.
George Gershwin, auf dieser CD vertreten mit der Rhapsodie in Blue, arbeitete am Broadway eng mit Max Steiner zusammen. Der gebürtige Wiener schuf die Musik für über 300 Filme, zu hören ist hier die Casablanca-Suite.
Böhmische und amerikanische Musiktraditionen verknüpfte Antonín Dvořák in seiner Symphonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“. Der Komponist wirkte mehrere Jahre als Leiter eines Konservatoriums in den USA. Sein Werk wurde 1896 erstmals von den Wiener Philharmonikern aufgeführt. Dvořák war dem Orchester verbunden, und er hat es auch mehrfach dirigiert.
Als Zugabe erklingt der Hoe-Down aus Aaron Coplands Ballett Rodeo, schwungvoll präsentiert von den Musikern. In diesem Konzert führte Gustavo Dudamel zwei sehr unterschiedliche musikalische Traditions- linien gekonnt zusammen, und zeigte, wie viele Berührungspunkte es doch gibt. Bei der Rhapsodie in Blue war Yuja Wang die grandiose Solistin. In der magischen Atmosphäre des wohl größten Klassik-Open-Airs konnte das Publikum somit ein ebenso unterhaltsames wie stimmungsvolles Konzert genießen.
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Freitag, 27. September 2019
Samstag, 8. September 2018
Diversity (Genuin)
Im European Brass Ensemble musizieren die besten Nachwuchs-Blechbläser des Kontinents. Gegründet wurde es im Jahre 2010 durch Thomas Clamor und Karl Schagerl mit dem Ziel, Erfahrungen mit dem Venezuelan Brass Orchestra zu nutzen, um Europa zu stärken.
Mittlerweile haben mehr als 150 Musiker aus 24 Nationen in diesem Orchester mitgewirkt. Seine Heimstatt fand das Ensemble in Niederösterreich, im Stift Melk – was ohne Zweifel der passende Rahmen ist für Pauken und Trompeten.
Und mit diesen beginnt auch die zweite CD von European Brass, die jüngst bei Genuin erschienen ist: Das populäre Prélude zum Te Deum von Marc-Antoine Charpentier startet mit Glanz und Gloria. Jede Menge Pathos bietet auch der Krönungsmarsch Crown Imperial von William Walton.
Dass Bläsermusik auch swingen und grooven kann, zeigt das Ensemble im Anschluss. Dabei beweisen die jungen Musiker, dass sie ihre Instrumente wirklich exzellent beherrschen. Denn die modernen Stücke – die Auswahl enthält Werke von diesseits und jenseits des Atlantiks – sind teilweise aberwitzig schwierig. So schrieb der Trompetenvirtuose Rafael Méndez für sich und seine ebenfalls hochbegabten Söhne eine nette Polka, die er Tre-Méndez-Polka nannte. Wer das als „tremendous“ liest, der liegt gar nicht einmal so verkehrt. In einer solchen Programmfolge darf natürlich auch I Got Rhythm von George Gershwin nicht fehlen. Und Walking Faster von Giancarlo Castro D'Addona ist ein Gruß an die Bläserkollegen aus Venezuela.
Sinfonische Musik hingegen hat Stephan Hodel für die jungen Virtuosen geschaffen: A Lenda do Curupira erklingt auf dieser CD in Welterstein- spielung. Meine persönlichen Favoriten aber sind zwei Stücke, die Richard Blake eigens für das European Brass Ensemble komponiert hat: Sowohl in Fantasy on Edelweiss als auch in Bleeding Chunks jongliert er überaus witzig mit Zitaten. Fröhliches Klassiker-Raten!
Mittlerweile haben mehr als 150 Musiker aus 24 Nationen in diesem Orchester mitgewirkt. Seine Heimstatt fand das Ensemble in Niederösterreich, im Stift Melk – was ohne Zweifel der passende Rahmen ist für Pauken und Trompeten.
Und mit diesen beginnt auch die zweite CD von European Brass, die jüngst bei Genuin erschienen ist: Das populäre Prélude zum Te Deum von Marc-Antoine Charpentier startet mit Glanz und Gloria. Jede Menge Pathos bietet auch der Krönungsmarsch Crown Imperial von William Walton.
Dass Bläsermusik auch swingen und grooven kann, zeigt das Ensemble im Anschluss. Dabei beweisen die jungen Musiker, dass sie ihre Instrumente wirklich exzellent beherrschen. Denn die modernen Stücke – die Auswahl enthält Werke von diesseits und jenseits des Atlantiks – sind teilweise aberwitzig schwierig. So schrieb der Trompetenvirtuose Rafael Méndez für sich und seine ebenfalls hochbegabten Söhne eine nette Polka, die er Tre-Méndez-Polka nannte. Wer das als „tremendous“ liest, der liegt gar nicht einmal so verkehrt. In einer solchen Programmfolge darf natürlich auch I Got Rhythm von George Gershwin nicht fehlen. Und Walking Faster von Giancarlo Castro D'Addona ist ein Gruß an die Bläserkollegen aus Venezuela.
Sinfonische Musik hingegen hat Stephan Hodel für die jungen Virtuosen geschaffen: A Lenda do Curupira erklingt auf dieser CD in Welterstein- spielung. Meine persönlichen Favoriten aber sind zwei Stücke, die Richard Blake eigens für das European Brass Ensemble komponiert hat: Sowohl in Fantasy on Edelweiss als auch in Bleeding Chunks jongliert er überaus witzig mit Zitaten. Fröhliches Klassiker-Raten!
Sonntag, 1. April 2018
Duo Gurfinkel Concertante (Avi-Music)
Gute Laune haben mir die Zwillings- brüder Daniel und Alexander Gurfinkel mit ihrer Debüt-CD beschert. Sie sind Klarinettisten in der dritten Generation; schon ihr Großvater Arkadi Gurfinkel war ein Klarinettenvirtuose, und ihr Vater Michael Gurfinkel musiziert als Solo-Klarinettist im Israel Symphony Orchestra und an der Israeli Opera.
Auf dieser CD präsentieren Daniel und Alexander Gurfinkel Virtuosenmusik für Klarinettenduo und Sinfonieorchester; begleitet werden sie vom Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus unter Leitung seines experimentier- freudigen GMD Evan Alexis Christ. Zu hören sind Introduction et Rondo capricciosa a-Moll op. 28 von Camille Saint-Saëns, das Duo Concertant op. 33 von Carl Baermann, das Divertimento Il Convegno op. 76 von Amilcare Ponchielli, die Carmen-Fantasie von Georges Bizet, eine Suite aus Romeo und Julia von Sergej Prokofjew, und eine Fantasie über das Thema aus Rhapsodie in Blue von George Gershwin, durchweg in ansprechenden Arrangements. Etliche davon hat Eugene Levitas geschrieben.
Den beiden Solisten geben diese Bearbeitungen Gelegenheit, sowohl Brillanz als auch Musikalität zu beweisen. Ihr Zusammenspiel ist exquisit, und Sinn für Humor haben sie offensichtlich auch. So ist diese CD vom ersten bis zum letzten Ton ein Genuss – mir hat diese Einspielung großes Vergnügen bereitet.
Auf dieser CD präsentieren Daniel und Alexander Gurfinkel Virtuosenmusik für Klarinettenduo und Sinfonieorchester; begleitet werden sie vom Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus unter Leitung seines experimentier- freudigen GMD Evan Alexis Christ. Zu hören sind Introduction et Rondo capricciosa a-Moll op. 28 von Camille Saint-Saëns, das Duo Concertant op. 33 von Carl Baermann, das Divertimento Il Convegno op. 76 von Amilcare Ponchielli, die Carmen-Fantasie von Georges Bizet, eine Suite aus Romeo und Julia von Sergej Prokofjew, und eine Fantasie über das Thema aus Rhapsodie in Blue von George Gershwin, durchweg in ansprechenden Arrangements. Etliche davon hat Eugene Levitas geschrieben.
Den beiden Solisten geben diese Bearbeitungen Gelegenheit, sowohl Brillanz als auch Musikalität zu beweisen. Ihr Zusammenspiel ist exquisit, und Sinn für Humor haben sie offensichtlich auch. So ist diese CD vom ersten bis zum letzten Ton ein Genuss – mir hat diese Einspielung großes Vergnügen bereitet.
Mittwoch, 26. Juli 2017
Kind of Jazz (Genuin)
Die Musikstücke, die François Benda für seine sechste CD bei Genuin ausgewählt hat, wird man im Konzert eher selten hören. Gemeinsam mit seinem Vater, dem Pianisten Sebastian Benda (1926 bis 2003), hat er im Jahre 2001 Werke aus dem Grenzbereich zwischen der sogenannten „E-Musik“ und dem Jazz eingespielt. Das ist eine ausgesprochen interessante Region, wie man bereits beim ersten Stück feststellen wird: Die Three Preludes von George Gershwin (1898 bis 1937) – ursprünglich komponiert für Klavier, und hier in einer Bearbeitung für Klarinette und Klavier zu hören – lassen erahnen, dass New York in den 20er Jahren musikalisch enorm viel zu bieten hatte. Gershwin griff vieles davon auf.
Auch Joseph Horovitz, Jahrgang 1926, kennt offenbar keine Berührungs- ängste. Die jazzige Sonatina für Klarinette und Klavier schrieb er 1981 für seinen Freund Gervase de Peyer. Erwin Schulhoff (1894 bis 1942) sah in Jazzrhythmen eine Chance, die Avantgarde sinnlich zu machen, vital. In seiner Hot-Sonate aus dem Jahre 1930 verknüpfte er klassische Musik und Jazz. Benda spielt dieses aufmüpfige Musikstück, das ursprünglich für Altsaxophon entstanden ist, in einer Version für Klarinette.
Dass die beiden Musiker geniale Grenzgänger sind, zeigt sich auch bei der Sonate für Klarinette und Klavier von Leonard Bernstein (1918 bis 1990). Sie war das erste veröffentlichte Werk des Komponisten, der sich seinen Musikunterricht finanzierte, indem er in einer Jazzband musizierte und Arrangements schrieb. Was für ein Sound! Lustvoll musizieren Vater und Sohn, und wer sie hört, der wird sich den Kopf ganz sicher nicht über Genregrenzen zerbrechen. Diese Aufnahme lässt uns genießen, wie farbenreich und betörend doch eine Klarinette klingen kann. Großartig spielt auch der Pianist Sebastian Benda; er zeigt, wie innig ein musikali- scher Dialog sein kann. Moderne kann eben sehr viel Spaß machen. Komplettiert wird die CD durch eine Sonate des Kosmopoliten Daniel Schnyder (*1961).
Auch Joseph Horovitz, Jahrgang 1926, kennt offenbar keine Berührungs- ängste. Die jazzige Sonatina für Klarinette und Klavier schrieb er 1981 für seinen Freund Gervase de Peyer. Erwin Schulhoff (1894 bis 1942) sah in Jazzrhythmen eine Chance, die Avantgarde sinnlich zu machen, vital. In seiner Hot-Sonate aus dem Jahre 1930 verknüpfte er klassische Musik und Jazz. Benda spielt dieses aufmüpfige Musikstück, das ursprünglich für Altsaxophon entstanden ist, in einer Version für Klarinette.
Dass die beiden Musiker geniale Grenzgänger sind, zeigt sich auch bei der Sonate für Klarinette und Klavier von Leonard Bernstein (1918 bis 1990). Sie war das erste veröffentlichte Werk des Komponisten, der sich seinen Musikunterricht finanzierte, indem er in einer Jazzband musizierte und Arrangements schrieb. Was für ein Sound! Lustvoll musizieren Vater und Sohn, und wer sie hört, der wird sich den Kopf ganz sicher nicht über Genregrenzen zerbrechen. Diese Aufnahme lässt uns genießen, wie farbenreich und betörend doch eine Klarinette klingen kann. Großartig spielt auch der Pianist Sebastian Benda; er zeigt, wie innig ein musikali- scher Dialog sein kann. Moderne kann eben sehr viel Spaß machen. Komplettiert wird die CD durch eine Sonate des Kosmopoliten Daniel Schnyder (*1961).
Samstag, 20. Juli 2013
Portraits - The Clarinet Album; Ottensamer (Deutsche Grammophon)
Kann es sein, dass viele Menschen heutzutage besser sehen als hören können? Im Februar 2013 nahm die Deutsche Grammophon Andreas Ottensamer exklusiv unter Vertrag – als ersten Solo-Klarinettisten überhaupt. Natürlich beherrscht der Österreicher sein Instrument exzellent, er ist schließlich Solo-Klarinettist bei den Berliner Phil- harmonikern.
Doch um zu einem Debütalbum bei einem Major zu kommen, sollte man offenbar zusätzlich jung und attraktiv sein – und nichts dagegen haben, auch so beworben zu werden. Hervorragende Klarinettisten gibt es etliche. Was also zeichnet den Musiker Ottensamer aus?
Da wäre ganz sicher seine Experimentierlust zu nennen. Ottensamer spielt nicht nur Klarinettenkonzerte – neben Klassikern von Spohr und Cimarosa ist hier auch ein interessantes Stück von Aaron Copland zu hören –, er präsentiert auch Musikstücke, die ursprünglich für ganz andere Instrumente entstanden sind. Drei Arrangements dafür hat ihm sein Jugendfreund Stephan Koncz geschrieben, der als Cellist bei den Berliner Philharmonikern musiziert.
Das hat Konsequenzen: „Dieses Album stellt den Interpreten vor die Herausforderung, zwischen verschiedenen Stilen und Spieltechniken zu wechseln“, erläutert Ottensamer; „gleichzeitig habe ich aber großen Wert darauf gelegt, immer meine persönliche Interpretation und meinen Klang zu bewahren.“ Der ist in der Tat ziemlich eigen, denn Ottensamer spielt eine Wiener Klarinette, die eine weitere Bohrung hat als deutsche Instru- mente – und das macht ihren Klang wärmer, dunkler und voluminöser. The Rotterdam Philharmonic Orchestra begleitet ihn unter der Leitung von Yannik Nézet-Séguin.
Doch um zu einem Debütalbum bei einem Major zu kommen, sollte man offenbar zusätzlich jung und attraktiv sein – und nichts dagegen haben, auch so beworben zu werden. Hervorragende Klarinettisten gibt es etliche. Was also zeichnet den Musiker Ottensamer aus?
Da wäre ganz sicher seine Experimentierlust zu nennen. Ottensamer spielt nicht nur Klarinettenkonzerte – neben Klassikern von Spohr und Cimarosa ist hier auch ein interessantes Stück von Aaron Copland zu hören –, er präsentiert auch Musikstücke, die ursprünglich für ganz andere Instrumente entstanden sind. Drei Arrangements dafür hat ihm sein Jugendfreund Stephan Koncz geschrieben, der als Cellist bei den Berliner Philharmonikern musiziert.
Das hat Konsequenzen: „Dieses Album stellt den Interpreten vor die Herausforderung, zwischen verschiedenen Stilen und Spieltechniken zu wechseln“, erläutert Ottensamer; „gleichzeitig habe ich aber großen Wert darauf gelegt, immer meine persönliche Interpretation und meinen Klang zu bewahren.“ Der ist in der Tat ziemlich eigen, denn Ottensamer spielt eine Wiener Klarinette, die eine weitere Bohrung hat als deutsche Instru- mente – und das macht ihren Klang wärmer, dunkler und voluminöser. The Rotterdam Philharmonic Orchestra begleitet ihn unter der Leitung von Yannik Nézet-Séguin.
Donnerstag, 30. Mai 2013
George Gershwin - The Gents (Channel Classics)
Das Vokalensemble The Gents ist 1999 aus dem Roder Jongenskoor hervorgegangen, aus einem der besten Knabenchöre der Nieder- lande also quasi herausgewachsen. Der Knabenchor war einst gegründet worden, um englische Musik im originalen Klangbild aufführen zu können. The Gents starteten ebenfalls mit dem vertrauten Repertoire. Doch dann erschlossen sie sich zunehmend neues musikalisches Terrain. Nach französischer Kirchenmusik des 20. Jahrhunderts und einem Ausflug in die Zeit der deutschen Romantik haben sie sich nun auf den Broadway gewagt. Gemeinsam mit dem Haags Saxofoonkwartet stellen The Gents Musik von George Gershwin vor.
Dabei werden sie zudem noch durch die Sopranistin Johannette Zomer unterstützt. Sie ist ebenfalls eigentlich auf „Alte“ Musik spezialisiert – und zeigt sich hier stimmlich außerordentlich flexibel. Auch The Gents klingen, als wären sie in dieser Musik zu Hause. Und es ist erstaunlich, welche tollen Klänge so ein Saxophon-Ensemble produzieren kann. Die CD oszilliert zwischen Jazz, Barbershop und Klassik. Der Sound, der sich daraus ergibt, ist faszinierend. Schade nur, dass Gershwin mit 39 Jahren an einem Hirntumor gestorben ist. So endet diese musikalische Reise, die mit seiner Filmmusik zu Damsel in distress beginnt, schließlich mit Porgy and Bess – und man stellt überrascht fest, dass die CD schon vorbei ist. Grandios!
Dabei werden sie zudem noch durch die Sopranistin Johannette Zomer unterstützt. Sie ist ebenfalls eigentlich auf „Alte“ Musik spezialisiert – und zeigt sich hier stimmlich außerordentlich flexibel. Auch The Gents klingen, als wären sie in dieser Musik zu Hause. Und es ist erstaunlich, welche tollen Klänge so ein Saxophon-Ensemble produzieren kann. Die CD oszilliert zwischen Jazz, Barbershop und Klassik. Der Sound, der sich daraus ergibt, ist faszinierend. Schade nur, dass Gershwin mit 39 Jahren an einem Hirntumor gestorben ist. So endet diese musikalische Reise, die mit seiner Filmmusik zu Damsel in distress beginnt, schließlich mit Porgy and Bess – und man stellt überrascht fest, dass die CD schon vorbei ist. Grandios!
Freitag, 24. Mai 2013
Americana - Modern Mandolin Quartet (Sono Luminus)
„Americana“, nennt das Modern Mandolin Quartet schlicht seine neue CD. Doch wer unter dieser Überschrift Folk und Pop erwartet, der irrt. Wenn Paul Binkley, Matt Flinner, Dana Rath und Adam Roskiewicz tatsächlich einmal ein Traditional in ihr Programm ein- bauen, dann in einem Arrange- ment, das es in sich hat. So erklingt Shenandoah in einer Version des Jazzpianisten Keith Jarrett. Ein Medley bringt Melodien von Bill Monroe, dem Vater des Bluegrass. Und ein weiterer Folk Song wurde von Aaron Copland 1942 in einem Ballett verwendet.
Auch sonst zieht es das Modern Mandolin Quartet eher zur Klassik: „This music attracted us because of the wonderful way it sounds on our instruments“, erklären die Vier lässig im Beiheft zu dieser CD. „Since the musical character of the pieces is based on various forms of American music, it lends itself extremly well to the mandolin. While many selections for piano and string music rely on idioms and techniques that may not transpose well to the mandolin, the pieces included in this disc were chosen for their vitality and the way they jumped right off the page and came to life (though some took a bit of work).“
Und so erklingt neben einer Bearbeitung von Cool aus Leonard Bernsteins Westside Story auf dieser CD ein Streichquartett – „The American“ – von Antonin Dvorák. Der böhmische Komponist wäre fast selbst Amerikaner geworden. „He had been brought to New York to help foster a national style in American music, because of his reputation for writing in a nationalistic style in Prague“, berichtet das Beiheft. Drei Jahre lang wirkte der Komponist als Direktor des National Conservatory in New York; er kehrte nach Europa zurück, weil der Bankrott eines Mäzens es dem Konservatorium unmöglich machte, ihm das vereinbarte Gehalt zu zahlen.
Es ist faszinierend, wie gut Dvoráks Streichquartett klingt, wenn das Mondern Mandolin Quartet es auf Mandolinen und Gitarre vorträgt. Und auch die Three Piano Preludes von George Gershwin lassen sich auf diesen Instrumenten, die man gemeinhin eher in anderen musikalischen Sphären verorten würde, erstaunlich gut spielen. Das gilt sogar für ein Streichquartett, in dem Phillip Glas Musik zu dem Film Mishima zusammengestellt hat. Das CD-Paket enthält übringens eine "normale" sowie eine Blu-ray surround sound audio disc. Groß- artig!
Auch sonst zieht es das Modern Mandolin Quartet eher zur Klassik: „This music attracted us because of the wonderful way it sounds on our instruments“, erklären die Vier lässig im Beiheft zu dieser CD. „Since the musical character of the pieces is based on various forms of American music, it lends itself extremly well to the mandolin. While many selections for piano and string music rely on idioms and techniques that may not transpose well to the mandolin, the pieces included in this disc were chosen for their vitality and the way they jumped right off the page and came to life (though some took a bit of work).“
Und so erklingt neben einer Bearbeitung von Cool aus Leonard Bernsteins Westside Story auf dieser CD ein Streichquartett – „The American“ – von Antonin Dvorák. Der böhmische Komponist wäre fast selbst Amerikaner geworden. „He had been brought to New York to help foster a national style in American music, because of his reputation for writing in a nationalistic style in Prague“, berichtet das Beiheft. Drei Jahre lang wirkte der Komponist als Direktor des National Conservatory in New York; er kehrte nach Europa zurück, weil der Bankrott eines Mäzens es dem Konservatorium unmöglich machte, ihm das vereinbarte Gehalt zu zahlen.
Es ist faszinierend, wie gut Dvoráks Streichquartett klingt, wenn das Mondern Mandolin Quartet es auf Mandolinen und Gitarre vorträgt. Und auch die Three Piano Preludes von George Gershwin lassen sich auf diesen Instrumenten, die man gemeinhin eher in anderen musikalischen Sphären verorten würde, erstaunlich gut spielen. Das gilt sogar für ein Streichquartett, in dem Phillip Glas Musik zu dem Film Mishima zusammengestellt hat. Das CD-Paket enthält übringens eine "normale" sowie eine Blu-ray surround sound audio disc. Groß- artig!
Mittwoch, 24. Oktober 2012
American Classics (Genuin)
Die sächsische Bläserphilhar- monie, ein Orchester mit mehr als 60jähriger Tradition, spielt Ame- rican Classics. Darunter versteht das Ensemble, das unter seinem künstlerischen Leiter Thomas Clamor musiziert, die bekannten Werke von Leonard Bernstein, George Gershwin und Henry Man- cini - natürlich, Moon River - aber es erklingt auch ein Traditional sowie ein Stück des 1928 gebore- nen Jef Peters, das nicht umsonst Glenn Meets Wolfgang heißt. Bei einigen Stücken ist Sängerin Ines Agnes Krautwurst zu hören.
Das Programm ist nicht unbedingt sehr originell, aber es passt zu den Musikern, die auf solide sächsische Art und Weise swingen. Und die Konzertouvertüre Slava, die Bernstein einst für seinen Freund Mstislaw Rostropowitsch schrieb, spielen sie wirklich hinreißend. Slava war der Spitzname des berühmten Cellisten, und es ist zugleich das russische Wort für Ruhm. Bernstein zündet, dem Freund zu Ehren, ein wahres Orchesterfeuerwerk im vertrackten 7/8-Takt - und lässt obendrein die Musiker "Slava!" rufen. Köstlich!
Das Programm ist nicht unbedingt sehr originell, aber es passt zu den Musikern, die auf solide sächsische Art und Weise swingen. Und die Konzertouvertüre Slava, die Bernstein einst für seinen Freund Mstislaw Rostropowitsch schrieb, spielen sie wirklich hinreißend. Slava war der Spitzname des berühmten Cellisten, und es ist zugleich das russische Wort für Ruhm. Bernstein zündet, dem Freund zu Ehren, ein wahres Orchesterfeuerwerk im vertrackten 7/8-Takt - und lässt obendrein die Musiker "Slava!" rufen. Köstlich!
Dienstag, 5. Juni 2012
Gershwin: Rhapsody in Blue (Decca)
"Io sento Gershwin vicino al genio di Stravinskij, per cultura timbri- ca, nell'orchestrazione, e per la continua ricerca di un mondo ritmico diverso", sagt Riccardo Chailly. "Con Stefano Bollani abbiamo cercato di recuperare questo rigore della forma, molto più di quanto non avvenga nelle consuetudini della tradizione esecutiva."
Der Gewandhauskapellmeister wagt ein Experiment: Er lässt "sein" Orchester, normalerweise beschäf- tigt mit Brahms, Mahler oder Mendelssohn, gemeinsam mit den renommierten Jazzpianisten Stefano Bollani spielen. Auf dem Pro- gramm dieses Konzertes im Januar 2010 standen ausschließlich Werke von George Gershwin (1898 bis 1937). Chailly wählte dafür die Rhapsody in Blue, und zwar in der Jazzband-Version, orchestriert durch Ferde Grofé, Catfish Row, eine sinfonische Suite in fünf Teilen nach Gershwins Oper Porgy and Bess, das Klavierkonzert in F-Dur sowie den Ragtime Rialto Ripples, eines der frühen Werke des Kom- ponisten.
Dabei balancieren die Musiker zwischen der strikten Orientierung an der Form und dem Überschwang der Freiheit, dem Pulsschlag des Blues und der Jazz-Improvisation. Das Orchester folgt dem Pianisten und dem Dirigenten hochprofessionell, mit Sinn für Nuancen, Klang- farben und obendrein mit einer gehörigen Portion Schwung und Spielfreude. Man glaubt es kaum, doch dieses Konzert hat in Leipzig stattgefunden. Der Mitschnitt ist zudem technisch hervorragend gelungen - und so wird auch mancher Scherz am Rande hörbar. Diese CD ist grandios; mir fehlen die passenden Superlative. Unbedingt anhören! es lohnt sich.
Der Gewandhauskapellmeister wagt ein Experiment: Er lässt "sein" Orchester, normalerweise beschäf- tigt mit Brahms, Mahler oder Mendelssohn, gemeinsam mit den renommierten Jazzpianisten Stefano Bollani spielen. Auf dem Pro- gramm dieses Konzertes im Januar 2010 standen ausschließlich Werke von George Gershwin (1898 bis 1937). Chailly wählte dafür die Rhapsody in Blue, und zwar in der Jazzband-Version, orchestriert durch Ferde Grofé, Catfish Row, eine sinfonische Suite in fünf Teilen nach Gershwins Oper Porgy and Bess, das Klavierkonzert in F-Dur sowie den Ragtime Rialto Ripples, eines der frühen Werke des Kom- ponisten.
Dabei balancieren die Musiker zwischen der strikten Orientierung an der Form und dem Überschwang der Freiheit, dem Pulsschlag des Blues und der Jazz-Improvisation. Das Orchester folgt dem Pianisten und dem Dirigenten hochprofessionell, mit Sinn für Nuancen, Klang- farben und obendrein mit einer gehörigen Portion Schwung und Spielfreude. Man glaubt es kaum, doch dieses Konzert hat in Leipzig stattgefunden. Der Mitschnitt ist zudem technisch hervorragend gelungen - und so wird auch mancher Scherz am Rande hörbar. Diese CD ist grandios; mir fehlen die passenden Superlative. Unbedingt anhören! es lohnt sich.
Sonntag, 21. November 2010
Svjatoslav Richter - Concert 1993 (Hänssler)
Das Concerto in F von George Gershwin gehört zu den Raritäten seiner Gattung; es gibt kaum Aufnahmen davon. Swjatoslaw Teofilowitsch Richter (1915 bis 1997) hat es nur ein einziges Mal gespielt - zu den Schwetziger Feststpielen 1993, gemeinsam mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR unter Christoph Eschenbach. Da jedes dieser Konzerte durch den Rundfunk aufgezeichnet und gesendet wurde, existiert auch von diesem denkwürdigen Ereignis ein Mitschnitt, den Hänssler nun in der Edition Schwetzinger Festspiele auf CD gebracht hat.
Richter begann sein Konzert damals mit einem weiteren Werk in derselben Tonart, dem Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 F-Dur op. 103 von Camille Saint-Saens. Der große russische Pianist, der nur unter Aufsicht im Westen gastieren durfte, kombiniert also ein Kon- zert, das von orientalischen Klängen geprägt ist und den Beinamen Ägyptisches trägt, mit Gershwins Werk, das wiederum so amerika- nisch klingt, dass Richter es in seiner Heimat wohl niemals spielen konnte.
Eine wunderbare, poetische Einspielung, bei der Solist und Orchester einander zuspielen, miteinander wetteifern und aufeinander hören. So wird hier wie aus einem Atem musiziert - ein großartiger Abend muss das gewesen sein, ohne Zweifel, und man freut sich heute über eine grandiose CD.
Donnerstag, 5. August 2010
Korsakova: Opera Fantasies (Solo Musica)
Natascha Korsakowa entstammt einer Musikerdynastie. Sie ist die Ururgroßnichte von Nikolai Rimskij-Korsakow; ihre Mutter ist die griechische Pianistin Yolantha Miroshnikova, ihr Vater der 1991 verstorbene russische Geiger Andrej Korsakow.
Sie begann in Alter von fünf Jahren, selbst Violine zu spielen; Unterricht erteilte ihr zunächst ihr Großvater Boris Korsakow, eben- falls erfolgreich als Solist. Nun schreibt sie selbst ein weiteres Kapitel dieser Familiengeschichte; und das gar nicht ungeschickt.
So hat sie für Solo Musica eine sehr CD mit Opernparaphrasen einge- spielt - schöne, eingängige, teilweise auch virtuose Musik. Allerdings hat sie dafür Bearbeitungen ausgesucht, die wohl zu keinem Zeitpunkt die Funktion hatten, für die diese Gattung ursprünglich entstanden war. Denn vor der Erfindung von Schallplatte und Radio war es durchaus üblich, dass schon wenige Tage nach der Premiere einer neuen Oper die "Hits" im Druck erschienen, und vom begeisterten Publikum daheim gespielt wurden.
So hat sie für Solo Musica eine sehr CD mit Opernparaphrasen einge- spielt - schöne, eingängige, teilweise auch virtuose Musik. Allerdings hat sie dafür Bearbeitungen ausgesucht, die wohl zu keinem Zeitpunkt die Funktion hatten, für die diese Gattung ursprünglich entstanden war. Denn vor der Erfindung von Schallplatte und Radio war es durchaus üblich, dass schon wenige Tage nach der Premiere einer neuen Oper die "Hits" im Druck erschienen, und vom begeisterten Publikum daheim gespielt wurden.
Für die gehobene Hausmusik freilich sind die Stücke auf dieser CD wohl zu schwierig; sie sind offenkundig eher als "Virtuosenfutter" in der Tradition der Fantaisie brillante entstanden. Den Rahmen bilden zwei Werke, die sich mit Gershwins Oper Porgy and Bess auseinan- dersetzen. Der russische Geiger Igor Frolow, ein Schüler David Oistrachs, schuf eine Opern-Fantasie ganz im Stil des 19. Jahrhun- derts. Jascha Heifetz bleibt näher am Original, setzt aber dennoch stark auf geigerische Zirzensik. Natascha Korsakowa hat damit technisch keine Probleme; aber das jazzig-schmissige Spiel scheint ihr mehr Vergnügen zu bereiten.
Von Henri Vieuxtemps stammt eine Fantaisie brillante über Themen aus Verdis Oper Ernani. Antonio Bazzini - Schumann zählte den Geiger seinerzeit "gewiß zu den größten der Gegenwart" - kompo- nierte eine Fantasia über Themen aus Verdis La Traviata. Als Überraschung erweist sich zudem eine Fantasie über Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach aus der Feder von Franz Drdla, einem tschechischen Violinisten. Diese beiden ebenso charmanten wie raffinierten Werke sind für mich die Höhepunkte der CD. Außerordentlich amüsant ist aber auch eine Konzert-Transkription von Mario Castelnuovo-Tedesco, der Rossinis berühmte Figaro-Arie in einen Hexenritt quer durch die Musikgeschichte verwandelt.
Kira Ratner am Piano begleitet perfekt, die beiden Frauen spielen wie aus einem Atem. Wenn die Süddeutsche Zeitung das Spiel der Korsakowa allerdings als "sündhaft schönes Hörerlebnis" bejubelt, dann scheint diese Begeisterung wohl eher auf optischem Wege entstanden zu sein. Die Solistin trägt auf der Bühne ausschließlich Outfits von Laura Biagiotti und ist als "Testimonial" für dieses Modehaus tätig; auch ihre Homepage wimmelt von knackigen Fotos. Nun ist gutes Aussehen ja am Musikmarkt gewiss nicht hinderlich; allerdings würde man sich auch musikalisch über etwas mehr Pfeffer freuen.
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