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Dienstag, 30. Juni 2020

Concerti a Quattro (Muso)

Das Ensemble Bradamante unternimmt auf dieser CD eine ebenso kreative wie unterhaltsame musikalische Rundreise durch das barocke Europa. Sie beginnt gleich mit einer Überraschung – das berühmte Weihnachtskonzert von Arcangelo Corelli erklingt in einer Bearbeitung durch den deutschen Flötisten Johann Christian Schickardt. 
Auch sonst wird die Besetzung, ganz im Stil der damaligen Zeit, eher flexibel gehandhabt. Rachel Heymans, Blockflöten und Barockoboe, Anne-Catherina Gosselé, Blockflöten, Leonor Palazzo, die ein fünfsaitiges Violoncello spielt, und Paule van den Driessche am Cembalo haben einige Werke so bearbeitet, wie dies für ihre Instrumente passt. Arrangiert wurde beispielsweise eine Chaconne en trio von Jacques Morel, einem Schüler von Marin Marais, ursprünglich für Querflöte, Viola da gamba und Basso continuo, sowie ein Concert de chambre à deux et trois parties von Jean-Joseph Mouret, dem ersten Leiter des Concert Spirituel. 
Bei einem Concerto a quattro, aus der Sammlung der Grafen von Schönborn in Wiesentheid, steht nicht fest, wer es komponiert hat. Experten schreiben es sowohl Händel als auch Telemann zu – bei letzterem steht es als Sonata a 4 unter TWV 43:d3 im Werkverzeichnis. 
Es ist generell interessant, wie unscharf Gattungsgrenzen seinerzeit waren. Auf dieser CD zeigen die Musikerinnen des Ensembles Bradamante, dass der Unterschied zwischen einem Concerto grosso und einer Sonata a quattro damals gar nicht so groß war. Wie kreativ die barocken Komponisten Konzert und Kammermusik verknüpften, das bereitet uns noch heute viel Vergnügen. Und so stellt das Ensemble Bradamante neben das konzertierende Quartett von Telemann und die beiden französischen Trios, die sich als verkappte Orchesterwerke erweisen, zum Abschluss noch eines jener exzentrischen Konzerte für Solisten ohne Orchester von Antonio Vivaldi, die einst gezeigt haben, was mit dem konzertierenden Prinzip alles möglich ist. Das Ensemble Bradamante begeistert mit Temperament und enormer Musizierlust. Eine CD, die allen Freunden unkonventioneller Barockmusik an dieser Stelle wärmstens empfohlen sei. 

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Royal Christmas - Joy to the world (K&K)

„Authentic Classical Concerts zu veröffentlichen, heisst für uns, herausragende Aufführungen und Konzerte für die Nachwelt festzuhalten und zu vermitteln“, erläutern Andreas Otto Grimminger und Josef-Stefan Kindler im Beiheft zu dieser CD die Absichten ihres Labels K&K: „Denn Künstler, Publikum Werk und Raum treten in einen intimen Dialog, der in Form und Ausdruck – in seiner Atmosphäre – einmalig und unwiderbringlich ist. Diese Symbiose, die Spannung der Aufführung dem Hörer in all ihren Facetten möglichst intensiv erlebbar zu machen, indem wir die Konzerte direkt in Stereo-Digital HD aufzeichnen, sehen wir als Ziel, als Philosophie unseres Hauses.“ 
„Royal Christmas – Joy to the World“ lautet das Motto eines solchen Konzertes, das am 14. Dezember 2014 in der Schlosskirche Bad Homburg stattgefunden hat. In diesem wunderbaren Raum haben vier Musiker des Ensembles Nel Dolce weihnachtliche Musik vorgestellt, wie sie in London zur Zeit des Hochbarock vor der königlichen Familie hätte erklingen können. 
Ausgewählt wurden dafür fast durchweg Stücke von Musikern, die entweder in England lebten, oder aber aus anderen Ländern Europas nach London gingen, um dort zumindest zeitweise zu wirken. Zu hören sind unter anderem Werke von Henry Purcell, Georg Friedrich Händel und seinem Rivalen Nicola Antonio Porpora, John Dowland und, natürlich, Arcangelo Corelli. Heinrich Ignaz Franz Biber von Bibern allerdings war nie in London – was aber seine Sonate Die Geburt Christi aus den Mysteriensonaten nicht weniger hörenswert macht. 
Stephanie Buyken, Blockflöten und Gesang, Olga Piskorz, Violine, Harm Meiners, Violoncello und Flora Fabri musizieren inspiriert und perfekt aufeinander abgestimmt. Die Mitglieder des 2003 gegründeten Barockensembles Nel Dolce haben gemeinsam Kammermusik an der Hochschule für Musik und Tanz Köln studiert, und danach diverse Meisterkurse bei Spezialisten für „Alte“ Musik absolviert. Sie haben sich insbesondere der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts verschrieben. 

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Berliner Philharmoniker - The Christmas Album (Deutsche Grammophon)

Feiern Sie Weihnachten mit den Berliner Philharmonikern!, lädt die Deutsche Grammophon ein – und hat dazu aus den Archiven legendäre Interpretationen von Barock-Klassikern herausgesucht. Zu hören sind die Weihnachtskonzerte von Arcangelo Corelli, Giuseppe Torelli, Francesco Manfredini und Pietro Antonio Locatelli. Komplettiert wird das Programm durch Kanon und Gigue von Johann Pachelbel, Der Winter aus Vivaldis Vier Jahreszeiten – der Solopart wird gespielt von Konzertmeister Michel Schwalbé – und durch Bachs berühmtes Air. Da kommt garantiert Weihnachtsstimmung auf. Und die Aufnahmen mit den Berliner Philhar- monikern unter Herbert vom Karajan sind noch immer hörenswert. 

Mittwoch, 31. Mai 2017

Concerti Romani (Dynamic)

Rom war im 17. Jahrhundert eine
der wichtigsten Musikmetropolen Europas. Viele der italienischen Komponisten jener Zeit lebten und wirkten zumindest einige Zeit in der Ewigen Stadt. 

So ließ sich Arcangelo Corelli (1635 bis 1713) in den 1670er Jahren dort nieder; er erwarb sich rasch einen Ruf als ausgezeichneter Violinist und er- hielt so Zugang zu höchsten Kreisen. Er stand im Dienste dreier bedeuten- der Mäzene – Königin Christina von Schweden, Kardinal Benedetto Pamphilj und Kardinal Pietro Ottoboni. Über seine Schüler und mit den wenigen Werken, die er im Druck veröffentlicht hat, beeinflusste er das Musikleben in ganz Europa; Corelli war im gesamten 18. Jahrhundert der am meisten gedruckte Komponist überhaupt. 
Auf dieser CD spielt das Ensemble I Musici Werke seiner Nachfolger, die deutlich machen, wie sehr sein Vorbild imitiert wurde. Zu hören sind neben Corellis Concerto grosso op. 6 Nr. 4 das Concerto grosso op. 5 Nr. 7 seines Schülers Francesco Geminiani (1687 bis 1762), sowie Werke von Pietro Castrucci (1679 bis 1752), Giuseppe Valentini (1681 bis 1753) und Pietro Locatelli (1695 bis 1764). 

Mittwoch, 14. Dezember 2016

L'Inverno degli Flauti (MGD)

Haben Sie schon einmal eine Kontra- bass- oder gar eine Subkontrabass- flöte gehört und gesehen? Bei den 14 Berliner Flötisten gibt es gleich vier Spezialisten für die Querflöten mit dem sehr tiefen Klang. Dieses Ensemble, 1996 von Musikern aus Ost und West gemeinsam gegründet, ist auch sonst Grenzgängen nicht abgeneigt. 
Auf ihrem jüngsten Album erkunden die Flötisten um Andreas Blau, den langjährigen Solo-Flötisten der Berliner Philharmoniker, weihnacht- liche und winterliche Musik – wobei festzustellen ist, dass sie exzellente Arrangeure in ihren Reihen haben. Und auch an Humor mangelt es nicht, wie gleich das erste Stück beweist: Werner Tast, mittlerweile im Ruhestand, hat aus Richard Eilenbergs Petersburger Schlittenfahrt ganz locker Peters Schlittenfahrt gemacht – Tschaikowskis Nussknacker lässt grüßen. 
Bei Prélude und Schlusschoral aus dem Oratorio de Noël von Camille Saint-Saëns wird deutlich, dass Flöten wunderbar den Klang einer Kirchenorgel imitieren können. Doch auch sinfonische Klänge sind für die Holzbläser überhaupt kein Problem; der Abendsegen von Engelbert Humperdinck beispielsweise klingt in dieser Besetzung einfach großartig. Und natürlich enthält das Programm auch einige wenige Weihnachts- lieder
Nur mit Flöten lässt sich aber auch hervorragend Barockmusik aufführen; die 14 Berliner Flötisten spielen das berühmte Weihnachtskonzert von Arcangelo Corelli, den Winter aus den Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi und die Sinfonia aus Bachs Weihnachtsoratorium – und dabei präsentieren sie einmal mehr den Farbenreichtum eines solchen Flötenensembles. Apropos: Wer die Namensliste durchzählt, der wird bemerken, dass sich die 14 für diese Aufnahme Verstärkung geholt haben. Eigentlich sind es sogar 18 Berliner Flötisten, plus Schlagzeuger. 
Sehr gelungen finde ich The snow is dancing, ein Stück aus Claude Debussys Children's Corner, hier in einer Bearbeitung von Werner Tast. Mein persönlicher Favorit auf dieser CD allerdings ist Perseus aus der Sternbilder-Suite von Gotthard Odermatt (*1974), ein Werk, das eigens für die 14 Berliner Flötisten komponiert worden ist.  Zauberhaft!  

Mittwoch, 24. Juni 2015

Accademia dell'Arcadia - Roma 1710 (Tyxart)

Sabrina Frey spielt Blockflötenmusik aus Rom, entstanden um 1700. Wer sich mit dem Leben in der heiligen Stadt zu dieser Zeit beschäftigt, der wird feststellen, dass es stark durch den Kirchenstaat geprägt wurde. So reformierte Papst Innozenz XII. nicht nur die Kurie, er verbot 1698 auch Theater- und Opernaufführungen. Sein Nachfolger Clemens XI. behielt dieses Verbot bei; es wurde erst 1710 wieder aufgehoben. 
Die „geheimen Nischen“ von der Sabrina Frey so fasziniert im Beiheft zu dieser CD berichtet, waren allerdings nicht erforderlich, um Instrumentalmusik aufzuführen. Und wenn sie Opern hören wollten, reisten die Begüterten nach Neapel, nach Venedig, nach Florenz – oder aber einfach auf ihre Landgüter. Literarische Gesellschaften wie die Accademia dell'Arcadia, 1690 gegründet, waren damals in Europa modern. Die Fruchtbringende Gesellschaft, 1617 in Weimar ins Leben gerufen, hatte immerhin 890 Mitglieder; sie war die älteste deutsche Sprachakademie und hatte bis 1680 Bestand. Die Nürnberger Pegnitzschäfer, 1644 gegründet, gibt es sogar heute noch. Auch die Begeisterung fürs ländliche Ambiente war weit verbreitet. Selbst in Versailles schwärmte die höfische Gesellschaft für das Landleben, als nette Deko, und veranstaltete Schäferspiele. 
Dennoch darf sich der Zuhörer darüber freuen, dass die römischen Arkadier zum Emblem ihres Bundes eine Flöte wählten. Denn Frey fühlte sich dadurch inspiriert, nach Musikstücken von „Pastori Arcadia“ für dieses Instrument zu suchen. Sie hat eine Menge interessante Werke gefunden – die von Giovanni Battista Bononcini und Giuseppe Valentini erklingen auf dieser CD in Weltersteinspielung. Ausgewählt hat die Flötistin zudem Musik von Arcangelo Corelli (Arkadiername: „Arcomelo Erimanteo“), Alessandro Scarlatti („Terpandro Politeio“) und Benedetto Marcello („Driante Sacreo“). Ignazio Sieber (1680 bis 1757), Oboist und wie Antonio Vivaldi Lehrer am Ospedale della Pietà inVenedig, war mit Georg Friedrich Händel befreundet. Er spielte die Oboenpartien bei Aufführungen von Händels Oratorien in Rom und  soll als Gast an Veranstaltungen der Accademia dell'Arcadia teilgenommen haben. 
Musiziert wird gekonnt. Die Blockflötistin konnte für diese Aufnahme erstklassige Mitstreiter gewinnen. Die Violinisten Fiorenza de Donatis und Andrea Rognoni sowie Cellist Marco Frezzato sind Konzertmeister und Stimmführer bekannter Originalklang-Ensembles. Besonderen Wert legte Sabrina Frey auf eine abwechslungsreiche Gestaltung des Basso continuo. Entsprechend üppig ist die Continuo-Gruppe besetzt: Cembalo und Truhenorgel spielt Philippe Grisvard. Vincent Flückiger bereichert mit Theorbe und Barockgitarre das Klangbild, und Bret Simner am Violone gibt dem Continuo das Fundament. An der Orgel zu hören ist zudem Naoki Kitaya. Entstanden sind so farbenfrohe und vielschichtige Interpretatio- nen, getragen von barocker Spielfreude. 

Dienstag, 20. Januar 2015

Corelli: La Follia (Our Recordings)

Sie sind nicht wirklich schwierig, die Six Solos for a flute and a bass By Archangelo Corelli Being The second part of hin Fifth Opera (..) The whole exactly Transpos'd and made fitt for a flute and a bass with the aproba- tion of several Eminent Masters. Doch die Sammlung enthält ihre Kabinettstückchen, wie die Sonata Nr. 12, La Follia. Zudem klingen die Werke durchweg zauberhaft schön. Und wenn man sie hübsch auszieren will, wie seinerzeit üblich, dann lässt sich der Schwierigkeitsgrad selbstredend beträchtlich steigern. Michala Petri und der junge, aber höchst virtuose Cembalist Mahan Esfahani demonstrieren mit dieser CD, wie so etwas klingen kann. Petri spielt die Blockflöte(n) phänomenal gut; es gibt noch immer weltweit keinen weiteren Solisten, der ihr das Wasser reichen kann. Ihre Musizierlust ist hinreißend. Und selbst schnellste Figurationen klingen bei ihr niemals gehetzt und bemüht. In Esfahani hat sie offenbar einen Partner gefunden, der ebenso souverän agiert, und dabei perfekt mit ihr harmoniert. Es ist rundum ein Vergnügen, den beiden Musikern zu lauschen. 
Die Sonaten von Arcangelo Corelli (1653 bis 1713) sind zu Recht populär, auch wennn sie nicht ganz so bekannt sind wie beispielswiese Vivaldis Vier Jahreszeiten. Es hat schon seinen Grund, dass der Komponist zu den ganz großen Stars seiner Zeit gehörte. „Indeed, all over the world, archives contain Corelli's sonatas copied, re-copied, re-published, and arranged for all sorts of instruments or re-composed as full ensemble works“, schreibt Mahan Esfahani voll Bewunderung im Beiheft zu dieser CD. „So widespread was Corelli's appeal that hin work would have been played not only in the expected European musical centres but even in America (he was known to be a favourite composer of U.S.'s third president, Thomas Jefferson), St. Petersburg, Stockholm, Constantinople, and perhaps even in British India. It can be said without any exaggeration that Corelli was the first world-famous composer.“ 

Sonntag, 6. April 2014

Corelli: The complete Concerti grossi (Zig-Zag Territoires)

Die Concerti grossi op. 6 von Arcangelo Corelli (1653 bis 1713) sind derart bekannt, dass sie wohl jeder Musikfreund mitpfeifen kann. Dennoch haben sich Amandine Beyer und ihr Ensemble Gli Incogniti dafür entschieden, den großen Komponisten zu seinem 300. Todestag durch eine Einspie- lung dieser Werke zu ehren. 
Das ist den Musikern bestens ge- lungen – die Aufnahmen sind fein austariert, dabei aber schwung- voll, musikantisch und hinreißend elegant. An dieser Doppel-CD werden sich ohne Zweifel in Zukunft alle anderen Interpretationen messen lassen müssen. Bravi! 

Samstag, 25. Januar 2014

Corellimania (Accent)

Der Entstehung des Konzerts am Ausgang des Barockzeitalters spürt das Ensemble Harmonie Univer- selle auf dieser CD nach. Die Kindertage der Gattung waren durchaus spannend. So zeigen die Musiker anhand von Veröffent- lichungen des Amsterdamer Notenverlegers Estienne Roger, mit welcher Begeisterung die Werke Arcangelo Corellis (1653 bis 1713) nördlich der Alpen aufge- nommen worden sind. 
So kam in Großbritannien eine regelrechte Corelli-Manie auf; etliche Musiker, wie beispielsweise Francesco Gemiani (1687 bis 1762), orientierten sich daher an diesem Vorbild, und hatten damit großen Erfolg. Florian Deuter, Mónica Waisman und Harmonie Universelle präsentieren auf dieser CD einige solcher Konzerte. Sie haben zudem für drei Concerti grossi aus Corellis op. 6 das Experiment gewagt, Partien für Trompeten und Posaune zu rekonstruieren. Diese Besetzung ist durch zeitgenössische Aufführungsberichte belegt, und sie erweist sich hier als durchaus passend. Musiziert wird gekonnt und überlegt; diese CD ist wirklich rundum gelungen. 

Sonntag, 29. Dezember 2013

Johannes Pramsohler (Audax)

Der Geiger Johannes Pramsohler hat Mut: „Eigenes Label – eigene Gedanken“, überschreibt er den Kommentar zu seiner ersten ganz eigenen CD. „Audax startet mit einem großen Violin-Recital verschiedener Komponisten, ein Mischprogramm, für das im CD-Handel eigentlich kein Schubfach existiert“, meint der Musiker. „Und niemand ist als Drehachse für ein barockes Violinprogramm besser geeignet als Arcangelo Corelli, dessen 300. Todestag wir dieses Jahr begehen. Selbstbewusst wählte der römische Stargeiger den ersten Tag des 18. Jahrhunderts für sein Opus V – und damit begann mit dem neuen Säkulum auch eine neue Ära für die Violinmusik.“ 
Corellis Werke verbreiteten sich rasch in ganz Europa. Und sie inspirierten eine ganze Generation von Musikern und Musikfreunden. Pramsohler zeigt an vier Beispielen, wie sie sich die Sonaten von Corelli aneigneten. Georg Philipp Telemann beispielsweise studierte „seinen“ Corelli gründlich – aber er hütete sich, ihn nachzuäffen. Jean-Marie Leclair war ein Schüler von Giovanni Battista Somis, der wiederum bei Corelli gelernt hatte. Er integrierte italienische Manier in die französische Violintradition. 
Georg Friedrich Händel war mit Corelli persönlich bekannt; in England hielt sich die „Corelli-Manie“ übrigens besonders lange. Giovanni Henrico Albicastro – Johann Heinrich van Weissenburg – hatte zumindest zeitweise denselben Musikverleger wie Corelli; über seinen Lebensweg ist nicht viel bekannt, aber er scheint im besten Mannesalter den Geigenbogen gegen den Säbel eingetauscht zu haben. 
Pramsohler musiziert gemeinsam mit dem Cembalisten Philippe Grisvard schwungvoll, ungestüm, mitunter beinahe ruppig. Er spielt eine Geige von Pietro Giacomo Rogeri aus dem Jahre 1713, die er vor einigen Jahren von Reinhard Goebel übernommen hat. Goebel hat zu dieser CD auch einen launigen Text im Beiheft beigesteuert, in dem er sich zur Geschichte der Violinsonate im Allgemeinen und zum Violin-Recital im Speziellen äußert. 

Freitag, 16. August 2013

Corelli: Sonate à 3. Opera Quarta (Glossa)

Fast hätte man es übersehen – doch bei aller Wagner-Euphorie soll in diesem Blog auch an ein weiteres Jubiläum erinnert werden: An den Tod von Arcangelo Corelli (1653 bis 1713) vor dreihundert Jahren. Der Geiger und Komponist stammte aus Fusignano, und absolvierte wohl einen wesentlichen Teil seiner Ausbildung in Bologna – darauf jedenfalls wies sein Spitzname „Il Bolognese“ hin, den er erhielt, nachdem er sich in Rom niedergelassen hatte. Das dürfte spätestens 1675 geschehen sein, denn für dieses Jahr ist erstmals in Rom sein Wirken als Musiker dokumentiert – was Corelli schon bald Ruhm, Ehre und auch Einnahmen brachte.
So wurde er Mitglied des Orchesters der französischen Nationalkirche San Luigi dei Francesi, wo er bald als Konzertmeister spielte, und des Orchesters der ehemaligen schwedischen Königin Christina, die in Rom lebte. Ihr widmete er auch sein erstes Werk das 1681 im Druck erschien, die zwölf Kirchensonaten op. 1.
1683 trat Corelli in die Dienste des Kardinals und Kunstmäzens Benedetto Pamphili, dessen Kapellmeister er 1687 wurde. 1690 ging er an den Hof des Kardinals Pietro Ottoboni, der nicht nur päpstlicher Vizekanzler, sondern auch ein berühmter Förderer der Künste war. Ihm widmete Corelli seine Triosonaten op. 4. Und wenn man diese Werke in dieser Aufnahme, hervorragend gespielt von den Spezialisten des Ensembles Aurora unter Enrico Gatti hört, dann ahnt man, warum er einer der einflussreichsten Musiker seiner Zeit gewesen ist. Seine Kompositionen sind in ihrer Strahlkraft, Eleganz und Noblesse noch immer kleine Wunder. Und Konzertmeister Enrico Gatti sowie Rossella Croce, Judith Maria Blomsterberg, Gabriele Palomba und Fabio Ciofini spielen sie zauberhaft. Bravi!

Samstag, 27. Juli 2013

Italienisches um Bach (Christophorus)

Concerti für drei Trompeten, Pauken und Orgel? Joachim Schäfer stellt auf dieser CD mit seinem Trompetenensemble gleich drei Arrangements für eine solche Besetzung vor. Und man muss sagen – so, wie sie hier vorgetragen werden, klingen diese Bearbeitungen absolut schlüssig. Auch dort, wo Schäfer allein die Solotrompete bläst, begleitet von Judit Izsák und Matthias Eisenberg an Orgel und Cembalo, darf sich der Zuhörer über eine gelungene CD freuen. Die Musiker – zu hören sind zudem Arne Lagemann und Kiichi Yotsumoto, Trompete, Frank Hiesler an den Pauken, und bei einem Concerto nach BWV 249 auch Wolfdietrich Wagner und Yuka Inoue an Violoncello und Kontrabass – überzeugen durch Virtuosität und Musizierlust. „Italienisches um Bach“, das ist eine stimmungsvolle CD, die perfekt zu einem lauen Sommerabend passt. 

Samstag, 15. Dezember 2012

Italienische und deutsche Weihnachtsmusik (Auris Subtilis)

Die Musiker, die im Beiheft dieser CD abgebildet sind, tragen sommerliche Kleidung. Das ist kein Wunder, denn das Chemnitzer Ba- rockorchester hat diese Aufnahme im Mai 2008 eingespielt. Der weihnachtlichen Stimmung, die diese Musik beim Hörer verbreitet, tut diese Tatsache freilich keinen Abbruch. 
Das Chemnitzer Barockorchester, im Advent 2003 mit einem Kon- zert in der Chemnitzer Schloss- kirche gegründet, musiziert auf historischen Instrumenten oder Nachbauten davon. Der Oboist Ekkehard Hering, langjähriges Mitglied der Akademie für Alte Musik Berlin, leitet das Ensemble, das mit sanften, stimmungsvollen Klängen begeistert. Es erklingen die Weihnachtskonzerte von Arcangelo Corelli und Alessandro Scarlatti sowie das Concerto B-Dur für zwei Flauto traverso, Oboe, Violine, Streicher und Basso continuo von Georg Philipp Telemann. Sopranistin Jana Büchner singt drei Weihnachtslieder. Und das gelingt ihr so schlicht und innig, dass es dem Zuhörer ganz andächtig wird. 
Die CD endet mit Scarlattis Quartetto F-Dur für Altblockflöte, zwei Violinen und Basso continuo. Es ist wirklich eine schöne Weihnachts- musik, die man gern auch verschenken kann - denn die Werke, die hier hörenswert interpretiert werden, sind bekannt und beliebt. 

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Weihnachtskonzerte (Capriccio)

Aus Bologna stammt der Brauch, Weihnachten mit einem Konzert zu feiern. Dort gab es eine riesige Basilika mit einem Orchester, in dem an Feiertagen mehr als hun- dert Musiker spielten - was die Gottesdienste ohne Zweifel zu einem Ereignis werden ließ. 
Der Raum aber hatte ein beträcht- liches Echo, und die Musiker waren wohl teilweise auch nicht beson- ders versiert. Das führte dazu, dass die Tutti prägnante, gravitätische Partien bekamen - und Solisten die bewegten, verzierten Abschnitte. Musiker aus Bologna aber führten diesen Brauch auch andernorts ein, wenn sie eine Stelle annahmen - und so wurden diese barocken Konzerte "fatto per la notte di natale" mit ihrer kunstvoll imitierten Hirtenmusik auch in Rom, in Wien, in Dresden, Amsterdam, ja, selbst in London Mode. 
Diese CD versammelt Weihnachtskonzerte von Arcangelo Corelli, Pietro Antonio Locatelli, Giuseppe Torelli, Francesco Onofrio Manfre- dini, Johann Melchior Molter und Gregor Joseph Werner. Auch Georg Friedrich Händel ist mit seiner Pastorale aus dem Messias vertreten. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1992. Es musiziert das Neue Berliner Kammerorchester unter Michael Erxleben, der gemeinsam mit Knut Zimmermann auch die Violinsoli spielt. An der Orgel zu hören ist Hans-Peter Kirchberg. Von der melancholisch-misslunge- nen Hülle sollte man sich nicht abschrecken lassen; die CD ist durch- aus hörenswert. 

Mittwoch, 30. November 2011

The Concerto Köln Christmas Album (Berlin Classics)

Nun ist es da, das lang erwartete Weihnachtsalbum des Ensembles Concerto Köln. Und es enthält nahezu komplett die barocken Werke, die seit einigen Jahren regelmäßig auf den diversen CD zum Fest erscheinen: Das berühm- te Concerto grosso g-Moll, von Arcangelo Corelli Fatto per la notte di Natale, sowie die Weih- nachtskonzerte von Antonio Vivaldi und Giuseppe Torelli, und natürlich die Sinfonia aus Bachs Weihnachtsoratorium. "Bei diesen Standards haben wir einfach nur versucht, unseren höchst eigenen klanglichen Zugriff zu entwickeln und mit Temperament etwas bei- zusteuern, ohne uns dabei auf den Sockel zu stellen", erläutert Martin Sandhoff, Soloflötist und künstlerischer Leiter des Ensembles. 
So gänzlich entsagen freilich können die Kölner der Suche nach ver- gessenen Schätzen nicht; und deshalb ergänzen sie dieses Programm um einige der selten gespielten Noels pour les instruments von Marc-Antoine Charpentier, die Sinfonia pastorale D-Dur von Johann Stamitz, die Sonata natalis C-Dur von Pavel Josef Vejvanovský und das entzückende Konzert für Mandoline, zwei Violinen, Streicher und Basso continuo von Antonio Vivaldi. 
Musiziert wird frisch und munter, aber nicht hastig und hektisch. Concerto Köln spielt die bekannten Stücke mit der gleichen Sorgfalt wie die Entdeckungen - beseelt, leichtfüßig und dynamisch differen- ziert. So kommt auch beim Hörer Weihnachtsstimmung auf. Bravi! 

Donnerstag, 15. April 2010

Travelogues of Italy - Die Freitagsakademie (Winter & Winter)

Hofkomponist Johann Gottlieb Janitsch lud ab 1736 zu "Freitags- akademien" ein, bei denen sich die Berliner Gesellschaft zum gemein- samen Musizieren traf. Diese bürgerliche Tradition nimmt das Berner Ensemble "Die Freitagsaka- demie" auf, das sich seit 1993 in verschiedenen Besetzungen der Musik des 17. und 18. Jahrhun- derts widmet. Seit acht Jahren veranstalten die Musiker um Oboistin Katharina Suske und Cellist Bernhard Maurer zudem fünf "Freitagskonzerte" pro Saison im Kunstmuseum Bern.
Mit dieser CD begeben sich acht exzellente Solisten sowie die Sopra- nistin Susanne Rydén auf eine musikalische Reise nach Italien zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Damals ließ sich Georg Friedrich Händel, gerade 21 Jahre jung, endlich überzeugen, jenes Land zu besuchen, dem damals die Sehnsucht aller Künstler und Kunstbegeis- terten galt. Händel blieb mehr als drei Jahre dort, lernte Land und Leute kennen, und arbeitete mit den besten Musikern seiner Zeit zusammen. Die Reise nach Italien prägte Händel nachhaltig; und das gilt nicht nur für seinen musikalischen Stil.
Dort aber sind die Einflüsse ganz offensichtlich. So entsprechen Händels Solokonzerte für Oboe - diese CD beginnt mit Concerto Nr. 3 in g-Moll HWV 287 - nicht nur formal dem Vorbild der Kirchen- sonaten von Arcangelo Corelli; bis hinein in Klangfarben und Melodik folgt er dem Muster, das er in Rom kennengelernt hat. Der Oboe blieb der Komponist sehr zugetan. Davon zeugt unter anderem die Kantate "Delirio amoroso", wo sie einen außerordentlich delikaten Part übernimmt. Das Werk ist eine Klage einer gewissen Chloris um einen toten Thyris, dem sie offensichtlich sehr zugetan ist - der ihre Zuneigung jedoch schon zu Lebzeiten nicht erwiderte, und sich nun auch in der Hölle, wohin sie zu seiner Rettung geeilt ist, von ihr abwendet. 
Eine typische italienische Kantate - der Inhalt ist nicht wirklich von Belang, aber die Form ist phantastisch. Susanne Rydén hat hörbar Vergnügen an diesem Kabinettstückchen, das weniger versierte Sänger wohl an den Rand der Aspyxie treiben kann. Auch eine zweite Kantate Händels, "Mi palpita il cor", singt die Schwedin bravourös. Die CD schließt mit der Sonate Nr. 6 in A-Dur für Violine und Basso continuo op. 5 von Corelli. Als absolute Überraschung aber erweist sich die Toccata in d-Moll für Cembalo "d'ottava stesa" von Alessandro Scarlatti. Dieses Werk ist nicht nur hochkomplex; es bricht über den Zuhörer herein mit der Wucht eines Tornados, und wirbelt mit seinen energischen Läufen, gewagten Modulationen und Affektwechseln jedes Barockmusik-Stereotyp davon. Brillant! besten Dank an Jörg-Andreas Bötticher am Cembalo.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Corellisante - Sonatas for Two Violins & Basso Continuo by Corelli & Telemann (Dorian)


Das Ensemble Rebel, benannt nach dem französischen Komponisten Jean-Féry Rebel, ist heute in New York ansässig. Obwohl es 1991 in den Niederlanden gegründet wurde, hat es mittlerweile seinen festen Platz im Musikleben der USA gefunden. So hat Rebel gemeinsam mit dem renommierten Trinity Choir in den letzten Jahren eine Gesamtaufnahme der Haydn-Kantaten eingespielt.
Die vorliegende CD aber kombiniert vier Triosonaten des italienischen Barockkomponisten Arcangelo Corelli mit vier von insgesamt sechs Werken Georg Philipp Telemanns, die er "Sonates corellisante" nannte. Das mag als cleveres Marketing durchgehen; denn erstaunlicherweise sind sich diese Stücke keineswegs ähnlich. Zwar scheint sich Teleman hier und dort tatsächlich am Vorbild Corelli zu orientieren. Doch letzten Endes sind seine Werke - Telemann. Mit den zeittypischen Anleihen unter anderem beim französischen Stil, der damals auch "en vogue" war. Und einem Feuerwerk an musikalischen Einfällen.
Karen Marie Marmer und Jörg-Michael Schwarz, Violine, John Moran, Violoncello, Dongsok Shin, Cembalo und Orgel sowie Daniel Swenberg, Laute, musizieren schwung- und lustvoll, und gerade heraus. So kommt auch beim Zuhörer keine Langeweile auf.