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Samstag, 22. September 2018

Duruflé: Complete Organ Works (Aeolus)

Das Orgelwerk von Maurice Duruflé (1902 bis 1986) ist nicht sehr umfangreich, aber musikhistorisch betrachtet von hohem Gewicht. Der Musiker, der bei Charles Tournemire, Jean Gallon und Paul Dukas studiert hatte, wurde im Jahre 1930 Titular- organist der Kirche Saint-Etienne-du-Mont in Paris. 
Er unterrichtetet auch selbst, und prüfte seine eigenen Kompositionen immer wieder mit derart kritischem Blick, dass letztendlich kaum etwas übrig geblieben ist. Erstaunlicherweise konnten in jüngster Vergangenheit noch Stücke Duruflés aufgespürt werden. So wurde 1991 die Miniatur Chant donné veröffentlicht, die der Organist seinem Professor für Harmonielehre gewidmet hatte. Und 2002 erschien Méditation, ein drei Seiten umfassendes Werk aus dem Jahre 1964. 
Auf dieser CD spielt Stéphane Mottoul Duruflés Kompositionen. Der junge belgische Organist, Jahrgang 1990, hat in Namur, Paris, Reims und Stutt- gart studiert. Dabei konzentierte sich zunehmend auf die Orgelimprovi- sation. Inzwischen hat er auch verschiedene Wettbewerbe gewonnen. Von älteren Einspielungen, die als Referenz gehandelt werden, lässt er sich nicht übermäßig beeindrucken und findet in der Auseinandersetzung mit Duruflés Musik seinen eigenen Weg. 
Mottoul musiziert an dem 2016 von der Manufacture d'Orgues Thomas neu gebauten Instrument der St. Laurentius Kirche im luxemburgischen Diekirch. Diese Orgel, in die auch das verbliebene Pfeifenmaterial des Vorgängerinstruments von 1870 aus dem Hause Dalstein & Haerpfer integriert wurde, beruht auf deutschen und französischen Vorbildern, die hier in schönster Harmonie vereint wurden. Es ist ein modernes Instru- ment, nicht nur mit einem betont zeitgenössischen Prospekt, sondern auch mit einem facettenreichen, symphonischen Klang, den Mottoul mit seiner Interpretation wunderbar zur Geltung bringt. Gefällt mir! 

Montag, 13. November 2017

Duruflé: Complete Organ Works; Flamme (cpo)

Maurice Duruflé (1902 bis 1986) hat nur sehr wenige Kompositionen hinterlassen. Seine Orgelmusik passt in einen Notenband; obwohl Duruflés Gesamtwerk nur 14 Opuszahlen umfasst, gilt er als einer der bedeutendsten Orgelkomponisten des 20. Jahrhunderts. 
Der Organist war ein Schüler von Charles Tournemire und Louis Vierne; außerdem studierte er am Pariser Conservatoire, wo er für seine Leistungen vielfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. Seine Lehrer schätzen den jungen Musiker sehr. Vierne, Organist an Notre Dame, wollte Duruflé sogar zu seinem Nachfolger machen. Doch dieser nahm dann die Organistenstelle an St. Étienne-du-Mont in Paris an. Dort blieb er bis zum Ruhestand. 
Duruflé war ein brillanter Konzertorganist. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Organistin Marie-Madeleine Chevalier, ging er in Europa und in den USA auf Konzertreisen. Er war auch Uraufführungssolist des Orgelkonzerts von Francis Poulenc. 
Die Kompositionen von Maurice Duruflé beruhen einerseits auf der Gregorianik, mit ihrer modalen Melodik und Harmonik. Andererseits führen sie Traditionen des musikalischen Impressionismus weiter, wie wir ihn von Ravel und Debussy kennen. Außerdem sind sie durch seine hohen Qualitätsansprüche geprägt, die auch vom Interpreten Präzision fordern. 
Friedhelm Flamme, Kirchenmusikdirektor in Göttingen, hat nun für cpo das gesamte Orgelwerk Duruflés an der Mühleisen-Orgel der Stiftskirche zu Bad Gandersheim eingespielt. Dieses Instrument verfügt ergänzend zu Hauptwerk und Positiv über ein expressiv-romantisches Schwellwerk. Mit insgesamt 50 Registern kann es sowohl für barocke als auch für klassische Musik genutzt werden; es ist aber auch möglich, orgelsinfonische Werke darauf zu spielen. Gebaut wurde diese Orgel von der Manufacture d'orgues Mühleisen aus Straßburg; sie wurde am Ostersonntag 2000 eingeweiht. 
Diese Aufnahme beweist, dass spätromantische Klänge ebenfalls perfekt zu diesem Instrument passen. Flamme musiziert großartig, und die Orgel ist auch zu Hause mit prächtiger Klangfülle zu erleben. Dem Aufnahme- team ist es gelungen, diesen Klangraum in einer Mehrkanal-Aufnahme so zu erfassen, dass man beim Anhören dieser Super Audio CD mitunter das Gefühl hat, in der Kirche zu sitzen. Grandios! 

Montag, 16. Juni 2014

Prayer - Voice & Organ (Deutsche Grammophon)

Das aktuelle Album von Magdalena Kozená enthält Musik aus (fast) ganz Europa und aus einem Zeitraum, der vom Barock bis ins 20. Jahrhundert reicht. Die Mezzosopranistin hat gemeinsam mit dem Organisten Christian Schmitt geistliche Lieder und Arien zusammengetragen, die zumeist weniger für den Vortrag im Gottesdienst als vielmehr für die häusliche Andacht geschrieben worden sind. Von Johann Sebastian Bach bis zu Giuseppe Verdi, von Hugo Wolf bis zu Maurice Duruflé und von Franz Schubert bis zu Antonín Dvorák und vom Ave Maria bis zum Kaddisch reicht die Spannbreite der Werke, die für diese CD ausgewählt worden sind. 
Sie sind weniger virtuos als vielmehr innig und besinnlich, was für einen Sänger aber eine besondere Herausforderung darstellt. Denn es gibt kaum etwas schwierigeres, als ein „simples“ Strophenlied gut vorzutragen. Kozená meistert diese Herausforderung bestens – ins- besondere dort, wo es doch so etwas wie eine Handlung zu gestalten gilt. Die Sängerin kann zudem ein berückendes Piano aufbieten. Faszinierend!