Tragische Schicksale werden besungen in den weltlichen Kantaten von Benedetto Marcello (1686 bis 1739), Leonardo Leo (1694 bis 1744) und Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759), die Magdalena Kožená gemeinsam mit dem Collegium 1704 unter Leitung von Václav Luks auf dieser CD präsentiert.
Für ihr erstes Album bei dem audiophilen Label Pentatone kehrt die tschechische Mezzosopranistin zum Barock-Repertoire zurück, mit dem sie einst ihre Weltkarriere startete. „With this recording I would like to take you with me on a particularly exciting journey, not only because we uncovered some pieces which haven't been performed since they were first composed, but also because I could hardly imagine more passionate, savage, uninhibited yet loving and caressing companions for these desperate heroines than Václav Luks and the musicians of Collegium 1704“, schreibt Magdalena Kožená in ihrem Geleitwort.
Il giardino dei sospiri, der Garten der Seufzer, lautet der Titel des Albums – doch die Klage ist nur eine der vielen Möglichkeiten für die Heldinnen, ihren Gefühlen Ausdruck zu geben. Die musikalischen Mini-Dramen bieten so der Sängerin Gelegenheit, die unterschiedlichsten Affekte auszuloten. Magdalena Kožená gestaltet die Arien und Rezitative mit betörend schöner, beweglicher Stimme – koloratursicher, eher reflektiert und mit Noblesse. Komplettiert wird das faszinierende Programm durch eine Arie von Francesco Gasparini (1661 bis 1727) sowie durch Sinfonien von Leonardo Vinci (1690 bis 1730) und Händel.
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Montag, 30. Dezember 2019
Samstag, 23. Juli 2016
Magdalena Kozená - Monteverdi (Deutsche Grammophon)
Die Musik von Claudio Monteverdi machte sie zum Klassikstar: Magda- lena Kožená sang einst als Vertretung der erkrankten Anne Sofie von Otter in seiner Oper L’Incoronazione di Poppea bei den Wiener Festwochen. Dies war der Beginn einer beeindruk- kenden Karriere.
Monteverdi gehört noch immer zu den Favoriten der tschechischen Mezzo- sopranistin – nicht nur, weil sie seinerzeit mit seinen Stücken Italie- nisch gelernt hat, wie sie im Beiheft berichtet: „Die Qualität seiner Texte ist unglaublich, seine Libretti sind so tief. Oft mag ich in der Oper die Rezitative lieber als die Arien, weil ich als Sänger Geschichten erzählen und mit den Worten spielen möchte. Und Monteverdis Arien sind im Stil des Recitar cantando komponiert, also einer Art rezitierendem Gesang.“
Zwölf Stücke wurden für die CD ausgewählt; drei davon sind Instrumental- musik von Monteverdi-Zeitgenossen. Das Barockorchester La Cetra aus Basel, geleitet von Andrea Marcon vom Cembalo aus, erhält so Gelegen- heit, eigene Akzente zu setzen. Mit Magdalena Kožená harmoniert das Orchester prächtig; vermutlich war diese Einspielung nicht das erste gemeinsame Projekt.
Zu hören sind Ausschnitte aus Monteverdis Oper L'Incoronazione di Poppea, drei Stücke aus den Scherzi musicali, und eine kleine Auswahl aus dem Settimo bzw. dem Ottavo libro de’ madrigali, darunter das berühmte Combattimento di Tancredi e Clorinda und der ebenfalls sehr bekannte Klagegesang Lamento della ninfa.
Magdalena Kožená beeindruckt durch ihre Ausdrucksstärke. Damit wird sie Monteverdi bestens gerecht, den sie in seinen Werken vor allem als „Geschichtenerzähler“ sieht, „der nicht so sehr an der reinen Schönheit der Stimme oder aufregenden Koloraturen interessiert ist. Ihm ist vor allem wichtig, dass der Sänger die Geschichte so erzählt, dass sie wahrhaftig wird und den Zuhörer berührt.“ Und das gelingt der Sängerin hervorra- gend. Man höre nur den Bericht vom Kampf zwischen dem christlichen Ritter Tancredi und der Sarazenin Clorinda, eigentlich ein Liebespaar. Doch dann begegnen sie sich auf dem Schlachtfeld, und erkennen einander zu spät. Kožená gibt sowohl dem Erzähler als auch die beiden Protagoni- sten Stimme, und gestaltet diese Figuren souverän. „Es war Andrea Marconis Idee, dass ich alle drei Rollen singe“, sagt die Sängerin. „Auf diese Idee wäre ich gar nicht gekommen.“ Das Album enthält mit Pur ti miro und Zefiro torna zudem zwei zauberhafte Duette mit Koloratur- sopranistin Anna Prohaska. Großartig!
Monteverdi gehört noch immer zu den Favoriten der tschechischen Mezzo- sopranistin – nicht nur, weil sie seinerzeit mit seinen Stücken Italie- nisch gelernt hat, wie sie im Beiheft berichtet: „Die Qualität seiner Texte ist unglaublich, seine Libretti sind so tief. Oft mag ich in der Oper die Rezitative lieber als die Arien, weil ich als Sänger Geschichten erzählen und mit den Worten spielen möchte. Und Monteverdis Arien sind im Stil des Recitar cantando komponiert, also einer Art rezitierendem Gesang.“
Zwölf Stücke wurden für die CD ausgewählt; drei davon sind Instrumental- musik von Monteverdi-Zeitgenossen. Das Barockorchester La Cetra aus Basel, geleitet von Andrea Marcon vom Cembalo aus, erhält so Gelegen- heit, eigene Akzente zu setzen. Mit Magdalena Kožená harmoniert das Orchester prächtig; vermutlich war diese Einspielung nicht das erste gemeinsame Projekt.
Zu hören sind Ausschnitte aus Monteverdis Oper L'Incoronazione di Poppea, drei Stücke aus den Scherzi musicali, und eine kleine Auswahl aus dem Settimo bzw. dem Ottavo libro de’ madrigali, darunter das berühmte Combattimento di Tancredi e Clorinda und der ebenfalls sehr bekannte Klagegesang Lamento della ninfa.
Magdalena Kožená beeindruckt durch ihre Ausdrucksstärke. Damit wird sie Monteverdi bestens gerecht, den sie in seinen Werken vor allem als „Geschichtenerzähler“ sieht, „der nicht so sehr an der reinen Schönheit der Stimme oder aufregenden Koloraturen interessiert ist. Ihm ist vor allem wichtig, dass der Sänger die Geschichte so erzählt, dass sie wahrhaftig wird und den Zuhörer berührt.“ Und das gelingt der Sängerin hervorra- gend. Man höre nur den Bericht vom Kampf zwischen dem christlichen Ritter Tancredi und der Sarazenin Clorinda, eigentlich ein Liebespaar. Doch dann begegnen sie sich auf dem Schlachtfeld, und erkennen einander zu spät. Kožená gibt sowohl dem Erzähler als auch die beiden Protagoni- sten Stimme, und gestaltet diese Figuren souverän. „Es war Andrea Marconis Idee, dass ich alle drei Rollen singe“, sagt die Sängerin. „Auf diese Idee wäre ich gar nicht gekommen.“ Das Album enthält mit Pur ti miro und Zefiro torna zudem zwei zauberhafte Duette mit Koloratur- sopranistin Anna Prohaska. Großartig!
Donnerstag, 30. Juni 2016
Brahms: Lieder & Liebeslieder Waltzes (Deutsche Grammophon)
Das Verbier Festival, hoch in den Schweizer Alpen, führt seit seiner Gründung in den 90er Jahren etab- lierte Musiker und den künstlerischen Nachwuchs zusammen. Mit seiner freundlich-intimen Atmosphäre ist es aber auch ein ideales Experimentier- feld für die Kammermusik, und das perfekte Forum für das Lied. Gern bringen die Organisatoren dafür Musiker zusammen, die zuvor in dieser Formation noch nicht gemein- sam aufgetreten sind.
Auf dieser CD ist ein solches Konzert zu erleben. Es vereinte ein Quartett von Gesangsstars und zwei große Pianisten: Zu hören sind Andrea Rost, Magdalena Kožená, Matthew Polenzani und Thomas Quasthoff, sowie James Levine und Yefim Bronfman am Konzertflügel. Der Mitschnitt entstand im Jahre 2003. Auf dem Programm standen Werke von Johannes Brahms – jeder dieser hochkarätigen Solisten singt alleine einige wenige Lieder, begleitet von James Levine. Sie korrespondieren mit den Liebes- lieder-Walzern und den Neuen Liebeslieder-Walzern, vorgetragen vom gesamten Ensemble. Bei der Deutschen Grammophon wurde der Live-Mit- schnitt nun zum ersten Mal veröffentlicht.
Man wird feststellen, dass längst nicht jeder Opernstar auch ein begnade- ter Liedsänger ist. Thomas Quasthoff freilich bietet eine Interpretation der 5 Lieder op. 94, die keine Wünsche offen lässt. Das ist schier atemberau- bend. Bei den Liebeslieder-Walzern mischen sich die höchst unterschied- lichen Stimmen zu einem durchaus interessanten Gesamtklang; und die Pianisten erweisen sich als ebenso kenntnisreiche wie passionierte Lied- begleiter. Was für ein Ereignis!
Auf dieser CD ist ein solches Konzert zu erleben. Es vereinte ein Quartett von Gesangsstars und zwei große Pianisten: Zu hören sind Andrea Rost, Magdalena Kožená, Matthew Polenzani und Thomas Quasthoff, sowie James Levine und Yefim Bronfman am Konzertflügel. Der Mitschnitt entstand im Jahre 2003. Auf dem Programm standen Werke von Johannes Brahms – jeder dieser hochkarätigen Solisten singt alleine einige wenige Lieder, begleitet von James Levine. Sie korrespondieren mit den Liebes- lieder-Walzern und den Neuen Liebeslieder-Walzern, vorgetragen vom gesamten Ensemble. Bei der Deutschen Grammophon wurde der Live-Mit- schnitt nun zum ersten Mal veröffentlicht.
Man wird feststellen, dass längst nicht jeder Opernstar auch ein begnade- ter Liedsänger ist. Thomas Quasthoff freilich bietet eine Interpretation der 5 Lieder op. 94, die keine Wünsche offen lässt. Das ist schier atemberau- bend. Bei den Liebeslieder-Walzern mischen sich die höchst unterschied- lichen Stimmen zu einem durchaus interessanten Gesamtklang; und die Pianisten erweisen sich als ebenso kenntnisreiche wie passionierte Lied- begleiter. Was für ein Ereignis!
Montag, 16. Juni 2014
Prayer - Voice & Organ (Deutsche Grammophon)
Das aktuelle Album von Magdalena Kozená enthält Musik aus (fast) ganz Europa und aus einem Zeitraum, der vom Barock bis ins 20. Jahrhundert reicht. Die Mezzosopranistin hat gemeinsam mit dem Organisten Christian Schmitt geistliche Lieder und Arien zusammengetragen, die zumeist weniger für den Vortrag im Gottesdienst als vielmehr für die häusliche Andacht geschrieben worden sind. Von Johann Sebastian Bach bis zu Giuseppe Verdi, von Hugo Wolf bis zu Maurice Duruflé und von Franz Schubert bis zu Antonín Dvorák und vom Ave Maria bis zum Kaddisch reicht die Spannbreite der Werke, die für diese CD ausgewählt worden sind.
Sie sind weniger virtuos als vielmehr innig und besinnlich, was für einen Sänger aber eine besondere Herausforderung darstellt. Denn es gibt kaum etwas schwierigeres, als ein „simples“ Strophenlied gut vorzutragen. Kozená meistert diese Herausforderung bestens – ins- besondere dort, wo es doch so etwas wie eine Handlung zu gestalten gilt. Die Sängerin kann zudem ein berückendes Piano aufbieten. Faszinierend!
Sie sind weniger virtuos als vielmehr innig und besinnlich, was für einen Sänger aber eine besondere Herausforderung darstellt. Denn es gibt kaum etwas schwierigeres, als ein „simples“ Strophenlied gut vorzutragen. Kozená meistert diese Herausforderung bestens – ins- besondere dort, wo es doch so etwas wie eine Handlung zu gestalten gilt. Die Sängerin kann zudem ein berückendes Piano aufbieten. Faszinierend!
Donnerstag, 10. Januar 2013
Bizet: Carmen (EMI Classics)
Was für ein Gesindel, und das auf der Bühne der Pariser Opéra-Comique! Soldaten, Gassenjungen, Schmuggler, Zigeuner und Huren sind die Helden der Oper Carmen von Georges Bizet, ein brutaler Mord ist ihr Finale, und als sie 1875 uraufgeführt wurde, da bebte nicht nur die Kritik vor Empörung.
Drei Monate später war der Kom- ponist tot. Mehr als 4.000 Men- schen kamen zu seiner Beisetzung - und auf einmal rühmte man den Komponisten, dessen Werk zuvor durchgefallen war, als eines der größten französischen Talente. Und seine Oper Carmen erklang bald darauf in Wien, an der Hofoper. Sie wird noch immer viel gespielt - im vergangenen Jahr beispielsweise erklang sie zu den Osterfestspielen in Salzburg, mit einem illustren Solistenensemble, Chor und Kinderchor der Deutschen Staatsoper Berlin sowie den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle.
In der Berliner Philharmonie wurde in Anschluss daran im April 2012 diese Studio-Aufnahme aufgezeichnet. Sie ist durchaus hörenswert. Insbesondere Magdalena Kozená als Carmen und Jonas Kaufmann als Don José sind brillant; so intensiv und ausdrucksstark sind diese Partien selten zu hören. Der Sopran von Genia Kühmeier erscheint mir für eine Micaela allerdings zu mächtig, ein junges Mädchen vom Lande stellt man sich weniger dramatisch vor. Auch die kleineren Rollen, wie Escamillo, Zuniga, Moralès und die sonstigen sind solide besetzt.
Die Chöre sind ein Ereignis. Auch die Berliner Philharmoniker erweisen sich als ein interessantes Opernorchester - obwohl dieser Elite-Klangkörper, der es sich geleistet hat, den Salzburger Oster- festspielen die Zusammenarbeit für die Zukunft aufzukündigen, normalerweise keine Dienste im Graben schiebt. Das freilich ist bei der Staatskapelle Dresden anders. Man darf gespannt darauf sein, was die Nachfolger der Berliner in diesem Jahr in Salzburg leisten - ein Thielemann dürfte in jedem Falle eigene Akzente setzen.
Drei Monate später war der Kom- ponist tot. Mehr als 4.000 Men- schen kamen zu seiner Beisetzung - und auf einmal rühmte man den Komponisten, dessen Werk zuvor durchgefallen war, als eines der größten französischen Talente. Und seine Oper Carmen erklang bald darauf in Wien, an der Hofoper. Sie wird noch immer viel gespielt - im vergangenen Jahr beispielsweise erklang sie zu den Osterfestspielen in Salzburg, mit einem illustren Solistenensemble, Chor und Kinderchor der Deutschen Staatsoper Berlin sowie den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle.
In der Berliner Philharmonie wurde in Anschluss daran im April 2012 diese Studio-Aufnahme aufgezeichnet. Sie ist durchaus hörenswert. Insbesondere Magdalena Kozená als Carmen und Jonas Kaufmann als Don José sind brillant; so intensiv und ausdrucksstark sind diese Partien selten zu hören. Der Sopran von Genia Kühmeier erscheint mir für eine Micaela allerdings zu mächtig, ein junges Mädchen vom Lande stellt man sich weniger dramatisch vor. Auch die kleineren Rollen, wie Escamillo, Zuniga, Moralès und die sonstigen sind solide besetzt.
Die Chöre sind ein Ereignis. Auch die Berliner Philharmoniker erweisen sich als ein interessantes Opernorchester - obwohl dieser Elite-Klangkörper, der es sich geleistet hat, den Salzburger Oster- festspielen die Zusammenarbeit für die Zukunft aufzukündigen, normalerweise keine Dienste im Graben schiebt. Das freilich ist bei der Staatskapelle Dresden anders. Man darf gespannt darauf sein, was die Nachfolger der Berliner in diesem Jahr in Salzburg leisten - ein Thielemann dürfte in jedem Falle eigene Akzente setzen.
Freitag, 5. November 2010
Magdalena Kozená: Lettere Amorose (Deutsche Grammophon)
Lettera amorosa lautet der Titel eines Madrigals von Claudio Mon- teverdi. Um es vorwegzunehmen: Dieses berühmte Lied singt Magda- lena Kozená auf dieser CD nicht. Die Liebesbriefe gelten vielmehr ihrer Erinnerung: "Ich bin mit dieser Musik aufgewachsen und wollte mich wieder darauf zu- rückbesinnen", so die Sängerin, die bereits als Sechsjährige im Kinder- chor der Philharmonie Brno ihre musikalische Ausbildung begann. "Weil diese Stücke keine großen technischen Hürden beinhalten, kommt man näher an den Kern dieser Musik heran. Das ist unwahrscheinlich befreiend: Man singt zum eigenen Vergnügen."
Monteverdi ist auch dieser CD nur mit einem Madrigal vertreten - es erklingt das bekannte Si dolce è tormento. Gemeinsam mit den Musi- kern des Ensembles Private Musicke um Pierre Pitzl stellte Magdalena Kozená ansonsten eine Auswahl von Werken meist wenig bekannter Monteverdi-Zeitgenossen für diese Aufnahme zusammen - die aber zum Teil melodisch wie harmonisch erstaunlich modern wirken.
Die Spannbreite dieser Stücke ist erstaunlich groß. Da findet sich neben Felici gl'animi von Girolamo Kapsberger - einem fröhlichen Loblied auf das Landleben - und etlichen Liebesliedern unter ande- rem auch die Canconetta spirituale sopra alla nanna von Tarquinio Merula, ein Wiegenlied der Jungfrau Maria, in dem sie wie in einer Vision das Leiden und die Wunden Christi beklagt, um schließlich dennoch das Kind in den Schlaf zu singen.
Der Mezzosopranistin liegt dieses Repertoire ausgesprochen gut, und Private Musicke begleitet abwechslungsreich auf Nachbauten histo- rischer Instrumente - von der Barockgitarre nach Stradivari über Viola da gamba, Lirone, Colascione, Theorbe und Violone bis hin zur arpa doppia, einer Harfe, die beidseitig mit Saiten bespannt war und so dem Harfenisten deutlich mehr Möglichkeiten gab als die zuvor üblichen einfachen Instrumente. Lustigerweise sind diese "Original- instrumente" allerdings auf 440 Hertz gestimmt - was man wohl als Tribut an die Sängerin sehen muss, die üblicherweise eher Strauss oder Mozart singt als Alte Musik. Bis auf einige forcierte Töne, wo Kozená die Stimme zu sehr ins Opernfach timbriert, ist diese Ein- spielung aber rundum gelungen. Sie überzeugt nicht zuletzt durch ihre Intimität und stimmige Gestaltung. Brava!
Donnerstag, 19. November 2009
Jakub Jan Ryba: Czech Christmas Mass (Deutsche Grammophon)
"Ich hatte gerade mein Studium beendet, es war eine wunderbare Zeit in meinem Leben. Ich reiste durch die Lande, sang in wunder-schönen Schlössern und Kirchen, darunter auch die, in der wir diese CD aufnahmen", erinnert sich Magdalena Kozena. 1998 spielte sie zusammen mit der Sopranistin Gabriela Eibenova, Tenor Jaroslav Brezina und Bass Michael Pospisil sowie der Capella Regia Musicalis unter Robert Hugo drei Pastorellas von Jakub Jan Ryba ein - und seine Böhmische Hirtenmesse, in Tschechien zur Weihnachtszeit so unverzichtbar wie bei uns Bachs Weihnachtsoratorium.
Die Sänger - durchweg solide "klassisch" ausgebildet - nehmen sich zurück, und das bekommt dem Werk ungemein gut: "Man muss die Messe schlicht und ohne Vibrato singen, wie ein Volkslied", erläutert Kozena. Begleitet wird schwungvoll auf historischen Instrumenten.
Diese Aufnahme begeistert durch ihre ungeheure Musikalität und Musizierlust. Wer den Geist der Weihnacht sucht - beim Anhören dieser CD bekommt er eine Ahnung davon, warum dieses Fest immer noch etwas ganz besonderes ist. Und man möchte mit den böhmischen Hirten zur Krippe eilen...
Montag, 10. August 2009
Magdalena Kozena - Vivaldi (Deutsche Grammophon)
Ein Vater, der seiner Frau befohlen hat, sich selbst und seinen Sohn zu töten. Eine Mutter, die nicht nur von ihrem Mann verstoßen und aus dem Palast verjagt wird, sondern just in diesem Moment obendrein die Entführung ihres Sohnes beobachten muss. Ein junger Mann, der einen Befehl nicht befolgt hat, und nun im Gefängnis sitzt und seine Hinrichtung erwartet. Mit Leidenschaft spürt Mezzosopranistin Magdalena Kozena Menschen in Extremsituationen nach, und in Vivaldis Opern wurde sie reichlich fündig. Sie erweist sich als Meisterin der Melancholie, zeigt aber zugleich in einigen Stücken, dass sie auch die rasante Tour durchaus beherrscht. Der Bartoli freilich, der seinerzeit mit ihrem Vivaldi-Album der große Durchbruch gelang, mit ihrem Temperament und mit ihrem dunklen Timbre, liegt dies wohl besser. Magdalena Kozenas Stärke liegt hörbar in der großen, schmerzlichen Linie, spannungsgeladen, stimmungsvoll. Andrea Marcon und das Venice Baroque Orchestra tragen sie dabei, verzichten aber keineswegs darauf, eigene Akzente zu setzen. So entsteht ein in der Summe grandioses Album, das man immer wieder hören möchte.
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