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Montag, 14. November 2016

Virgins, Vixens & Viragos (Onyx)

Mit extremen weiblichen Emotionen konfrontiert Susan Graham die Zuhörer auf dieser CD. Die Sängerin zeigt Frauen in den verschiedensten Rollen – von der Heiligen Jungfrau, die ihren Sohn vermisst, und den Zwölfjährigen schließlich im Tempel wiederfindet, wo er mit den Schrift- gelehrten diskutiert, bis hin zur mörderischen Lady Macbeth. Das Programm, das sie gemeinsam mit dem erfahrenen Liedpianisten Malcolm Martineau präsentiert, reicht von Henry Purcell bis zu Joseph Horovitz und von Hector Berlioz, vertreten mit La mort d'Ophélie, bis hin zu Cole Porters The Physician.  Sehr spannend sind  übrigens die verschiedenen Vertonungen der Lieder der Mignon aus Goethes Wilhelm Meister

Freitag, 25. Juli 2014

Dvorák / Schumann: Cello Concertos (Onyx)

Wie kann man mit Schumanns Violoncello-Konzert Aufsehen erregen? Man lässt das Pathos weg, und schaut statt dessen sehr genau in die Noten. Der spanische Cellist Pablo Ferrández erreichte damit eine Interpretation, die sich durch eine ganz erstaunliche Anmut und Leichtigkeit auszeichnet. Gemeinsam mit den Stuttgarter Philharmonikern unter Radoslaw Szulc gelang ihm so eine Aufnahme, die meiner Meinung nach zu den besten gehört, die derzeit erhältlich sind. Auch das Cellokonzert von Dvorák sowie El cant dels ocells, ein katalanisches Weihnachtslied in einem Arrangement von Pablo Casals, das den Gesang der Vögel an der Krippe des Christkinds schildert, spielt Ferrández sehr hörenswert. Beeindruckend!

Freitag, 24. Mai 2013

Beethoven - Jonathan Biss (Onyx)

„What is it that we talk about when we talk about The Beet- hoven Sonatas? About The Sonata Form?“ Das fragt der Pianist Jonathan Biss in einem Text, der im Beiheft zu dieser CD nachzu- lesen ist. „These questions (..) often occured to me as I prepared to make this disc. Other than their determination to confound every expectation (and, of course, their greatness, and the bloody-mindedness of their author), is there any common thread running trough these works? Together they demonstrate that the form of the sonata – the idea of the sonata – is large and mutable enough to accomodate history’s most restless and relentless musical imagi- nation, over and over again, no matter his mood or his priorities of the moment.“ 
Biss und Beethoven – das ist eine spannende Kombination, zumal der Pianist auch seinen eigenen Kopf hat, man sehe nur seine Webseite. Die Aufnahmen allerdings zeigen, dass trotz aller persönlichen Originalität die konsequente Auseinandersetzung mit Musik zu einem ziemlich konventionellen Ergebnis führen kann. Überraschung! Oder, wie schreibt Biss doch selbst?: „With virtually every piece he wrote, he challenged himself, and us, to hear music anew. When we talk about The Beethoven Sonatas we talk about Everything.“  

Donnerstag, 29. September 2011

Chopin & Mendelssohn: Cello Sonatas (Onyx)

"Welches Glück hatten wir Cellisten doch mit diesen beiden monumentalen Werken aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die unserem Instrument Tribut zollen!", meint Pieter Wispelwey. "Obwohl eine eindrucksvolle Schar von Violinvirtuosen für eine Flut von Konzerten für ihr Instrument von den Großmeistern dieses Jahrhunderts verantwortlich waren, lag es nicht an einem Mangel an Slawas in dieser Ära, dass dem Cello nicht die gleiche Ehre erwiesen wurde. Giganten des Cellos wie Romberg, Dotzauer, Servaise, Dawidow und Popper waren in der Erkundung der Mög- lichkeiten des Instruments enorm kreativ. Aber seine letztendliche Emanzipation musste bis zum nächsten Jahrhundert warten." 
Insbesondere auch Cellosonaten aus dieser Epoche sind ein rares Gut. Desto leidenschaftlicher spielen Pieter Wispelwey und Pianist Paolo Giacometti hier zwei der wenigen grandiosen Werke aus dieser Zeit für das Violoncello - die Cellosonate in g-Moll op. 65 von Frédéric Chopin und die Cellosonate Nr. 2 in D op. 58 von Felix Mendelssohn Bartholdy. "Chopin schuf ein polyphones Wunder, üppig und seelen- voll, elegant wie eine Geschichte von Turgenjew, spannend wie ein Roman von Balzac", so Wispelwey. "Mendelssohns Sonate ist unsere 'Italienische' Sinfonie, ein Erguss von Energie, sprühend und festlich, aber nicht ohne den Kontrapunkt von Schatten und Schmerz. Cellisten sind für beide Stücke, für ihre Großzügigkeit und Tiefe ewig dankbar." Und als Zugabe bringen die beiden Musiker Mendelssohns berühmtes Lied ohne Worte - und Chopins Walzer op. 64 in einem Arrangement von Karl Juljewitsch Dawidow, eine Referenz an den "Zaren unter den Cellisten", wie ihn seine Zeitgenossen nannten. 
Diese CD ist ein Ereignis. Denn technisch überragende Musiker scheint es mittlerweile wie Sand am Meer zu geben. Wispelwey und Giacometti aber spielen obendrein mit ungeheurer Musizierlust und mit genau dem Quentchen Pfeffer, das aus einer sehr guten eine aus- gezeichnete  Aufnahme macht. Faszinierend! 

Samstag, 4. Juni 2011

Beethoven (Onyx)

Nicht alles, was im Studio machbar ist, lässt sich auch im Konzert ver- wirklichen: "Wenn das Klavier während der Sitzungen mit einer zu geringen Luftfeuchtigkeit kämpfte und alle fünfzehn Minuten gestimmt werden musste, konnte man sich ab und zu schon nach der Stabilität eines neu gestimmten Steinway sehnen", meint Kristian Bezuidenhout. "Doch jetzt, wo alles getan ist, sind wir zuversicht- lich, dass die Farbe, die Dynamik und die Flüchtigkeit dieser instru- mentalen Klangwelt mit all ihren Unzulänglichkeiten dazu beitra- gen, die Spannung und das Aufsehen zurückzubringen, die diese phänomenalen Stücke in ihrer Zeit ausgelöst haben." 
Zur Erinnerung: Als Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) seine zehn Violinsonaten schuf - die ersten neun entstanden innerhalb we- niger Jahre, zwischen 1797 und 1803, die letzte folgte 1812 - waren solche Stücke üblicherweise Sonaten für Tasteninstrument mit optionaler Violine, die üblicherweise die Melodiestimme des Klaviers mitspielte. Schon Mozart machte daraus Sonaten mit obligatem Violinpart, der zudem deutlich eigenständiger wurde. Beethoven machte die Geige zum Kammermusikpartner; was seine Zeitgenossen nicht besonders begeisterte. Der große französische Virtuose Rodolphe Kreutzer, dem er die Violinsonate Nr. 9 op. 47 widmete, hat diese niemals öffentlich gespielt. 
Viktoria Mullova und Kristian Bezuidenhout ist es ein besonderes Anliegen, das Unerhörte, Innovative von Beethovens Violinsonaten auszuzeigen. Für diese CD wählten sie daher neben der dämonisch-intensiven Kreutzer-Sonate die freundliche, heitere Violinsonate
Nr. 3 Es-Dur
, op. 12 Nr. 3, und entschieden sich für ein historisches Instrumentarium. "Wir haben uns für ein Instrument der Firma Anton Walter & Sohn von 1822 aus der Sammlung Edwin Beunk entschieden, eine 'Maschine', sie die Sprache des frühen 19. Jahr- hunderts mit einem weit weniger starken Akzent als unsere modernen Klaviere spricht", erläutert der Pianist. "Die schmalen, lederbezogenen Hämmerchen sorgen für ein rasches Verklingen des Tones und führen somit zu einer größeren Transparenz, durch die nicht nur die Violinstimme mit größerer Leichtigkeit und Natürlich- keit hervortritt, sondern der Pianist sich überdies zum Experiment mit langen, nahezu impressionistischen Pedalwirkungen veranlasst sieht. Zudem führen die uneinheitlichen Anschlagspunkte zu Registern von deutlich unterschiedlicher Eigenart: Die knurrigen Basstöne, die pflaumenweiche Tenorstimme und der schlanke, harfenartige Klang im extremen Spitzenregister waren Merkmale, an denen sich sowohl die Spieler wie auch die Klavierbauer erfreuten. Überdies verführen diese Instrumente den Musiker dazu, bislang unbekannte Regionen des Pianissimo-Spiels zu erforschen (nament- lich durch das Dämpfungspedal, mit dem ein Filztuch zwischen Hämmer und Saiten geschoben wird)." 

Den Kammerton wählten die beiden Musiker bei 430 Hertz, was insbesondere der Guadagnini von Viktoria Mullova zu einem sonoren, dunkleren Klang und zu einer größeren Resonanz verhilft. Das Instrument, das hier mit dicken Darmsaiten und einem Barock- bogen von Walter Barbiero gespielt wird, lässt sich eine breite Palette an Klangfarben und Nuancen entlocken, reagiert aber mitunter auch sehr direkt und mit einer gewissen Ruppigkeit. Liebhaber historischer Klaviere werden viel Freude an dieser Einspielung haben; die Inter- pretation ist ansonsten Geschmackssache.