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Freitag, 6. Dezember 2019

Werner Auer - My Special Christmas (Preiser)

Wer eher die amerikanische Weihnacht liebt, und Lieder von Driving home for Christmas bis Rudolph the red nosed Reindeer schätzt, der sollte in diese CD hineinhören. Werner Auer präsentiert darauf seinen ganz persönlichen Soundtrack zum Fest. Der erfolgreiche Musical-Sänger hat dafür Songs unter anderem von Chris Rea, John Denver, Mike Batt, Leonard Cohen, Michael Bublé und Udo Jürgens ausgewählt. Und natürlich darf in diesem Jahr auch Stille Nacht nicht fehlen – von Auer zunächst gesungen als Silent Night, und dann als Bonus noch einmal im Original; es soll wohl mehr cool sein als österreichisch. Na, dann Halleluja

Montag, 11. September 2017

Edelweiss? (Preiser Records)

Im harmonischen Einklang mit Vergangenheit und Moderne befinden sich die St. Florianer Sängerknaben – und sie befinden sich dabei ausgesprochen wohl, wie dieses Doppelalbum zeigt. „Die Tatsache, dass der Chor der St. Florianer Sängerknaben seit fast 1000 Jahren besteht, gibt uns die Möglichkeit, ihn zu Recht als einen der ältesten und traditionsreichsten Knabenchöre der Welt anpreisen zu dürfen“, schreibt Chorleiter Franz Farnberger im Beiheft. „Bei der täglichen Probenarbeit hilft diese Tatsache wenig: zu Beginn jedes Schuljahres kommen neue Buben und die Arbeit beginnt von vorne. Das ist natürlich auch das Schöne daran – es kommt weder Langeweile noch Routine auf.“ 
Und auch wenn der Chor seit Jahrhunderten seine Heimat im Stift St. Florian hat, so ist diese Tradition eher eine Stärke als ein Umstand, der behindert. Zwar ist Anton Bruckner, der wohl berühmteste ehemalige Sängerknabe, immer präsent; in der Stiftsbasilika, unter der Orgel befindet sich Bruckners Grab. Doch ansonsten bieten die prächtigen Barock- gemäuer in erster Linie Lebensqualität – wozu auch ein modernes Internat für die Sängerknaben gehört. 
Franz Farnberger, eigenen Angaben zufolge „aus der Rolle des großen Bruders (während meiner Tätigkeit als Kapellmeister der Wiener Sängerknaben 1976 – 1983) unmerklich in die des Großvaters der Buben geschlittert“, hat mit den Jungs ein umfangreiches Repertoire erarbeitet. Es reicht von Mozarts Ave verum über Felix Mendelssohn Bartholdys Vertonung des Hundertsten Psalms bis hin zum Comedian-Harmonists-Klassiker Mein kleiner grüner Kaktus und zu Johann Strauss' Geschichten aus dem Wienerwald
Die Knabenstimmen werden dabei ergänzt durch den Männerchor, den Farnberger im Jahre 1990 gegründet hat, und in dem ehemalige Sängerknaben mitwirken. Das bringt kräftig Farbe: „Das Repertoire für Gemischten Chor ist einfach bunter und größer“, meint auch der Chorleiter. Und die Burschen singen allesamt hinreißend. Natürlich darf Alois Mühlbacher nicht fehlen, der mittlerweile den Kinderschuhen entwachsen und eigentlich zum Bass gereift ist. Aber seine Fähigkeit, die hohe Stimmlage zu nutzen, hat er dabei bewahrt. 
Doch die eigentliche Überraschung ist die Tatsache, dass Farnberger ringsum exzellente Stimmen und selbstbewusste junge Sänger ausgebildet hat. Auf der Doppel-CD lassen sich eine Menge jugendlicher Solisten hören – ob Lukas Zobl und Fabian Winkelmaier in Rossinis Katzenduett, Felix Lumesberger im Do-Re-Mi, Peter Leitenbauer, Simon Bernhard oder aber die vielen jungen Männer. Bravo!

Samstag, 20. Februar 2016

Trombone Attraction - Zug um Zug (Preiser Records)

„Zug um Zug“ lautet das Motto der Debüt-CD von Martin Riener, Christian Poitinger, Raphael Stieger und Stefan Obmann. Die vier Österreicher spielen Posaune – und wie! Auf dieser CD demonstrieren sie sowohl enorme Virtuosität als auch hörbare Freude am Musizieren in diesem Ensemble. Mit Witz, Charme und auch ein wenig Selbstironie prä- sentiert das Quartett ein Programm, das von Michael Praetorius‘ Französischen Tänzen bis hin zu Take Five und von Mancinis Pink Panther bis hin zu Rossinis Wilhelm Tell reicht. Die Arrangements sind sehr anspruchsvoll – Trombone Attraction ist wirklich eine Attraktion, und mittlerweile sind bereits zwei Nachfolge-Alben auf dem Markt. Anhören lohnt, unbedingt! 

Samstag, 27. Juli 2013

Stimmen. Saiten. Klarinetten. (Preiser)

Mit ihrer CD „stimmen. saiten. klarinetten“ begeben sich die
St. Florianer Sängerknaben in die Welt der Volksmusik. „Echte“ Volksmusik, mit „echtem“ Instrumentarium und richtigen Musikanten wollte Franz Farnberger ohnehin mit seinen Chorknaben einmal machen, berichtet er im Beiheft zu dieser CD. „Hilfreich für die Erfüllung dieses Wunsches war meine Bekanntschaft mit Michael Killinger, Vater eines (mittlerweile ehemaligen) Sängerknaben, hauptberuflich Busunternehmer und legendärer, zahlreicher Instrumente beherrschender Volksmusiker“, schreibt Farnberger. „Ihn konnte ich nicht nur als Fachberater für die Repertoireauswahl gewinnen, sondern auch – zusammen mit seinen Ensembles ,Genießermusi’ und ,Dürnberg Klarinettenmusi’ – als Mitwirkenden für ein großes Konzert im Marmorsaal des Stiftes und die anschließende, jetzt vorliegende CD-Aufnahme.“ 

Und so versuchten sich also die jungen Sänger, normalerweise eher mit den großen Werken der sogenannten „ernsten“ Musik befasst, an Jodlern, Polka und Schuhplattler. „Es war für mich bei der Proben- arbeit sehr bereichernd und erstaunlich zu beobachten, wie schnell sich die Buben für diese Musik begeistern ließen“, schreibt Killinger im Beiheft. Tradition trifft hier auf Tradition, und für das Projekt konnten sich, wie man feststellen wird, auch zahlreiche ehemalige St. Florianer erwärmen. So ist neben Markus Stumpner, als Jodler-An- sänger, auch Alois Mühlbacher zu hören, immer noch Mezzosopran, aber mittlerweile offenbar nicht mehr bei den St. Florianern. 
Musiziert wird mit Hingabe – und blitzsauber, auch wenn Farnberger anmerkt: „Wie so oft in der Musik ist die scheinbar ,einfachste’ Variante nicht immer die leichteste, denn gerade der dreistimmige unbegleitete Satz stellt höchste Anforderungen an die Intonations- sicherheit.“ Wer schwungvolle Klänge aus Oberösterreich mag, lebendiges Brauchtum statt Musikantenstadl – hier kann der Zuhörer erleben, wie die nächste Generation antritt, dieses Erbe weiterzu- führen. 

Sonntag, 14. April 2013

Schubert: Die schöne Müllerin; Schade, Buchbinder (Preiser Records)

Diese CD ist der Mitschnitt eines Konzertes, aufgezeichnet 2008 während des zweiten Musik-Festivals Grafenegg. Der Pianist Rudolf Buchbinder, der zugleich als künstlerischer Leiter dieses Musik- festes fungiert, hat an diesem Abend gemeinsam mit Kammer- sänger Michael Schade Schuberts Liederzyklus Die schöne Müllerin vorgetragen. 
Ihre Werkauffassung erscheint zunächst recht konventionell. Doch schon bald wird hörbar, dass die beiden Solisten mitnichten vorhaben, hübsche Liederchen vorzu- stellen. Buchbinder lässt den Bach in seinem Klavierpart zunehmend bedrohlicher klingen. Das ist kein munteres Bächlein mehr, das Ge- wässer entwickelt mehr und mehr ein Eigenleben, und eine geradezu hypnotische Ausstrahlung. Auch Schade setzt alles daran, die Doppelbödigkeit dieser Idylle aufzuzeigen. Ein Liederabend mit Tiefgang, der das Publikum seinerzeit sehr beeindruckt haben dürfte. 

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Alois - Von Hirten und Engeln (Preiser Records)

Die hohe Stimme ist Alois Mühl- bacher offenbar bislang erhalten geblieben. Der junge Mann singt seit 2005 bei den St. Florianer Sängerknaben; er ist mittlerweile 17 Jahre alt, und gilt nicht nur deshalb als Stimmwunder. Wer seine bislang erschienenen CD nicht kennt, der kann auch bei Youtube nachschauen: Von der Königin der Nacht bis hin zu Strauss und Mahler - es gibt fast nichts, was Mühlbacher nicht gesungen hat, üblicherweise am Klavier begleitet vom Chorleiter Franz Farnberger. 
Anschauen sollte man den jungen Sänger allerdings besser nicht, denn sein musikalischer Ausdruckswille bricht sich Bahn in einer Gestik, die höchst affektiert wirkt. Derartiges Kaspertheater sollte sich ein angehender Profi schnell wieder abgewöhnen, das kommt beim Publikum nicht wirklich gut an. 
Für das Weihnachtsfest haben Mühlbacher und sein Mentor Farnber- ger ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt, das auf tradi- tionelle Weihnachtslieder vollkommen verzichtet, und statt dessen auf das (spät)romantische deutsche Kunstlied setzt. Es erklingen Lieder von Peter Cornelius (1824 bis 1874), Joseph Haas (1879 bis 1960), Max Reger (1873 bis 1916) sowie von Franz Philipp (1890 bis 1972), Johannes Hatzfeld (1882 bis 1953) und Casimir von Pászthory (1886 bis 1966). Im Mittelpunkt der CD aber stehen ohne Zweifel die sieben Lieder von Hugo Wolf (1860 bis 1903), drei davon aus dem Spanischen Liederbuch. Mühlbacher singt zudem Der Engel aus den Wesendonck-Liedern von Richard Wagner (1813 bis 1883). Ob das durchweg inhaltlich für einen Teenager passt, das muss jeder Hörer für sich entscheiden. 
Gestaltet sind die Lieder zumeist überzeugend. Dabei zeigt der junge Solist eine für sein Alter ganz erstaunliche Reife. Aus den Höhen, in denen er sich bislang stimmlich bewegte, hat sich Alois Mühlbacher allerdings mittlerweile verabschiedet. Seine Stimme hat sich ver- ändert; sie ist voller geworden, klingt reifer - und deutlich tiefer. In der Mezzo-Region ist der Sänger hörbar daheim, die Spitzentöne hingegen klingen nicht mehr wirklich gut. 
Es wäre Mühlbacher zu wünschen, dass er auch nach dem Stimm- bruch weiter künstlerisch gefördert wird. Möge er Partner finden, die seinen Ehrgeiz verstehen, aber den jungen Sänger doch ein wenig bremsen, damit er Zeit bekommt für seine weitere Entwicklung. Man darf gespannt sein - doch man wird ganz sicher weiter von ihm hören. 

Samstag, 15. Dezember 2012

Christmette in Wien (Preiser)

Alljährlich in der Christnacht, eine Stunde vor Mitternacht, füllt sich die Jesuitenkirche in der Wiener Innenstadt mit Gottesdienst- besuchern. Das frühe Erscheinen des Kirchenvolkes hat seinen Grund: Denn wenn die Christmette beginnt, gestaltet von der Chor- vereinigung St. Augustin, dann ist trotz dieser späten Stunde kein Stehplatz mehr unbesetzt. 
Diese CD enthält eine Auswahl der Musik, die zu diesem Anlass erklingt, und sie lässt den Zuhörer staunen. Schließlich ist die Chorvereinigung St. Augustin mitnichten ein professioneller Konzertchor - es handelt sich vielmehr um ein Laienensemble, einen Kirchenchor mit etwa 70 Mitgliedern. In der Heiligen Nacht erklingt stets die Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart, so wie die Chorsänger auch sonst an nahezu jedem Sonn- und Feiertag den Gottesdienst durch eine der vielen Chor- und Orchestermessen bereichern, die der reiche Fundus der Kirchen- musik bereithält. 
Der Gedanke an ein solches Pensum dürfte so manchem braven Kan- tor den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Andreas Pixner jedoch, Dirigent der Chorvereinigung St. Augustin und des begleitenden Orchesters, das freilich aus Wiener Profi-Musikern besteht, kann sich mit seinen Scharen an anspruchsvolle Projekte wagen, wie diese CD belegt. So wurden hier Mozarts Messe weihnachtliche Chorsätze von Michael Praetorius bis Max Reger und von Michael Haydn bis César Franck zur Seite gestellt. Und natürlich darf auch das berühmte Stille Nacht, heilige Nacht nicht fehlen. 

Freitag, 12. Oktober 2012

Alois und Christoph Florian Karsten (Preiser)

Alois Mühlbacher ist ohne Zweifel ein Ausnahme-Sänger - doch die St. Florianer Sängerknaben sind offenbar auch sonst selbstbewusste und exzellent ausgebildete kleine Künstler, die in dem Ensemble sehr individuell gefördert werden. Das jedenfalls zeigt die vorliegende CD, auf der Mühlbacher zumeist im Duett mit seinen Mitchoristen zu hören ist. 
Bereits seine erste Solo-CD enthielt ein Duett aus der Oper Lakmé, vorgetragen von dem Knaben- sopran gemeinsam mit dem damaligen Knabenalt Karsten Köhne. 
Es lag also nahe, weitere Duette aufzunehmen, zumal es ein umfang- reiches Repertoire gibt, das aber üblicherweise nur selten zu hören ist. Franz Farnberger, der Leiter und Mentor der St. Florianer Sängerknaben, hat daraufhin geeignete Stücke herausgesucht. Dabei konzentrierte er sich auf die zweistimmigen Gesänge von Schumann, Mendelssohn und Brahms. 
Der größte Teil der Aufnahmen entstand bereits im Sommer 2010. Der Chor entschied dann allerdings wegen des Mahler-Jahres 2011, die später aufgezeichnete CD Alois - Um Mitternacht zuerst zu ver- öffentlichen. Wie schnell der Generationswechsel in einem Knaben- chor erfolgt, wird übrigens auch daran erkennbar, dass die Duett- partner mittlerweile alle im Stimmbruch sind - nur Alois Mühlbacher kann, obwohl auch er mittlerweile seinen 16. Geburtstag gefeiert hat, nach wie vor mit seinem strahlenden Sopran vor das Publikum treten. 
Die Gesangstechnik dieses Knaben, viel mehr aber noch seine Fähi- keit, die Werke, die er singt, auch inhaltlich zu erfassen und ange- messen zu gestalten, erscheint phänomenal. Doch nicht weniger hörenswert singen seine Duettpartner. Hier sind drei sehr unter- schiedliche Stimmen zu erleben. In drei Duetten von Brahms ist Florian Eschelmüller zu hören, der ebenfalls durch Ausdrucksstärke auffällt. Bei zwei geistlichen Gesängen von Felix Mendelssohn Bartholdy singt Karsten Köhne gemeinsam mit Alois Mühlbacher. Beide Jungen verfügen über relativ große Stimmen, die sie routiniert einsetzen, um das religiöse Pathos dieser Stücke zu transportieren. 
Einige Werke von Robert Schumann und die zweistimmigen Lieder op. 63 und 77 von Mendelssohn interpretiert Mühlbacher zusammen mit Christoph Schlögl. Zu den hübschen romantischen Duetten passt Schlögls helle, klare Knabenstimme ganz ausgezeichnet. Farnberger begleitet seine Zöglinge zuverlässig am Klavier. 
Die CD klingt mit vier Solostücken Mühlbachers aus, die wie ein Nachhall zur Mitternacht-CD wirken. Wer diesen Sirenenklängen widerstehen kann, dem ist nicht zu helfen. 

Dienstag, 5. Juni 2012

Alois. Um Mitternacht (Preiser Records)

Alois Mühlbacher, gehandelt als "Stimmwunder", seit 2005 bei den St. Florianer Sängerknaben, ist von Knabensopran zu einem Jugendli- chen gereift. Seine hohe Stimme hatte er noch, zumindest im ver- gangenen Jahr, als diese Aufnah- men entstanden sind - doch irgend- wann wird auch ihn der Stimm- bruch ereilen. 
Auch in dem Repertoire, das er ge- meinsam mit seinem Chorleiter und Pianisten Franz Farnberger für diese CD ausgesucht hat, zeigt sich sein Abschied von der Kindheit. Ob man einen 16jährigen allerdings wirklich die Lieder eines fahrenden Gesellen von Gustav Mahler singen lassen muss, und die Vier letzten Lieder von Richard Strauss, diese Frage sei gestattet. 
Mahlers Werke nach Texten aus Des Knaben Wunderhorn sind für mich jedenfalls der musikalische Höhepunkt dieser CD. Wie sensibel Mühlbacher hier Stimmungen erfasst und mit seiner Stimme gestaltet, das grenzt schon an Magie. Auch technisch hat der junge Sänger sich erheblich weiterentwickelt; das lässt darauf hoffen, dass er möglicher- weise seine Karriere auch nach dem Stimmbruch fortsetzen kann. Man wünscht es ihm - und eine große Portion Geduld, denn die wird er in Zukunft brauchen. 

Donnerstag, 2. Juni 2011

Alois - unerhört (Preiser)

Wie würden Sie reagieren, wenn Sie Chorleiter wären, und es fragte Sie einer Ihrer Knabensoprane darum, mit ihm die schwierigste Arie der Literatur überhaupt zu üben? Franz Farnberger, der Leiter der St. Flo- rianer Sängerknaben, hat mit dem Sopransolisten Alois Mühlbacher Strauss' große Arie der Zerbinetta einstudiert - und noch so manches andere. 
Er fand aber zu Recht, das sollten auch noch andere hören, als nur die Sängerknaben, die sich mit Opern in Kurzversion gelegentlich die Zeit vertreiben. Auf dieser CD findet sich daher Mozarts Königin der Nacht neben Pamina, Strauss' pfiffige Kammerzofe Adele neben ihrer Brötchengeberin Rosalinde, sowie berühmte Arien von Puccini, Dvorak, und vielen anderen.
Nicht jeder Ton ist gelungen. Doch in der Summe zeigt  Alois Mühl- bacher, Jahrgang 1995, eine erstaunliche Leistung. Der Knaben- sopran, der seit 2005 bei den St. Florianer Sängerknaben ist, beein- druckt nicht nur durch seinen Gesang, sondern vielmehr durch seinen unbändigen Gestaltungswillen, der in jedem einzelnen Stück hörbar wird. Hier interessiert sich ein junger Sänger nicht allein für artistische Leistung, für perlende Läufe und virtuose Verzierungen, sondern für die Figur hinter den Noten. Und das ist in der Tat eine Überraschung, denn das lässt sich bei weitem nicht von jedem Profi sagen, der ein ähnliches Programm vorstellt.
Die St. Florianer Sängerknaben singen nicht nur die übliche geistliche Literatur, sondern sind auch auf den Opernbühnen der Welt oft zu erleben. So hat Mühlbacher bereits an der Wiener Staatsoper, im Theater an der Wien, in Salzburg, Tokio und Aix-en-Provence ge- sungen, in Dresden, und in vielen anderen Musikmetropolen der Welt. Was aus diesem Elfjährigen wird, wenn er in den Stimmbruch kommt, das vermag freilich keiner zu sagen. Wir jedenfalls wünschen diesem selbstbewussten und engagierten jungen Sänger, dass auch seine Zu- kunft so glücklich wird, wie er das jetzt ist, wenn er singt. 

Dienstag, 8. Februar 2011

Dokumente einer Sängerkarriere - Gottlob Frick III (Preiser Records)

Gottlob Frick (1906 bis 1994) ge- hörte zu den großen Sängerpersön- lichkeiten des 20. Jahrhunderts. Seine außergewöhnliche Stimme brachte ihn vom Choreleven an der Stuttgarter Oper über den Bayreuther Festspielchor und die Theater in Coburg, Freiburg und Königsberg bis an die Staatsoper Dresden, wo er bis 1950 blieb und alle wichtigen Basspartien sang - bis auf eine: Den Baron Ochs wollte er partout nicht singen, weil er nichts Wienerisches in sich spürte. 
1950 wechselte Frick an die Städtische Oper Berlin und debütierte in Mailand, Neapel, Venedig und Rom. Er sang in London, New York, Wien, Salzburg, Bayreuth und München. Mit seinem jüngeren Kolle- gen Fritz Wunderlich verband Frick eine enge Freundschaft. 
Noch in den 70er Jahren sang der Bassist in Wagner-Opern, 1980 war er in Wien als Rocco zu erleben. 1985 gab er sein letztes öffentliches Konzert, in dem er unter anderem die Arie des Sarastro In diesen Heil'gen Hallen sang. 
Mit Mozart ist er auf der vorliegenden CD nicht zu hören, dafür aber in Szenen aus Fidelio, Die Hugenotten, Lohengrin, Die Meistersinger von Nürnberg, Die Macht des Schicksals, Der Corregidor und Pfitz- ners Palestrina. Die Aufnahmen stammen, mit einer Ausnahme, aus den 50er Jahren und zeigen Frick auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Wer jemals dieses typische Timbre, diesen unverwechselbaren tief- schwarzen Bass gehört hat, der wird Frick stets wiedererkennen - und er wird begeistert sein von seiner stimmlichen Fülle und seiner stets stimmigen musikalischen Gestaltung. 

Mittwoch, 10. November 2010

Mozart. Don Giovanni (Preiser)

Eine der ersten Gesamtaufnahmen von Mozarts Oper Don Giovanni, aufgezeichnet 1951 mit Chor und Orchester des Nordwestdeutschen Rundfunks in Hamburg unter Leopold Ludwig - gesungen aber von jener Besetzung, die damals in Wien wirkte. So ist in der Titelrolle der Bariton Paul Schöffler zu hören; den Leporello singt Erich Kunz. Anton Dermota ist als Don Ottavio zu erleben, Ludwig Hof- mann als Il Commendatore und Gustav Neidlinger als Masetto. Das sind durchweg grandiose Sänger, die zu den besten ihrer Generation gehörten. Ähnlich stark ist mit Carla Martinis (Donna Anna), Suzanne Danco (Donna Elvira) und Lore Hoffmann (Zerlina) die Front der Damen besetzt, die gegen Don Giovanni antritt. Man staunt, wie lebendig diese Aufnahme klingt, und welche Qualität diese Stimmen hatten - auch wenn Mono auf Dauer nicht wirklich vergnüglich anzu- hören ist.

Samstag, 8. Mai 2010

Gustav Mahler und sein Klavier (Preiser Records)

Am 9. November 1905 spielte Gustav Mahler in Leipzig auf einem Welte-Klavier vier seiner Werke. Gestanzte Papierrollen dokumen- tierten jedes Detail des Vortrags, und ein pneumatischer Mechanis- mus ermöglichte die Wiedergabe der derart aufgezeichneten Musik entweder mit Spezialinstrumenten oder mit Hilfe sogenannter Vorsetzer, die vor ein beliebiges Klavier gestellt werden konnten.
Zwar ist die Firma Welte & Söhne schon lange untergegangen. Doch die meisten von den gut 5.500 Ein- spielungen auf Welte-Rollen sind noch aufzufinden, und auch Klaviere mit Welte-Mechanismus gibt es noch.
Für das vorliegende Tondokument aber hatte Preiser Records eine ganz besondere Idee: Mahler spielt Mahler auf Mahlers Flügel; dank Vorsetzer ist das technisch kein allzu großes Problem. Aber welcher Flügel ist Mahlers Flügel?
Preiser entschied sich für das Instrument, das Alma Schindler und Gustav Mahler 1902 zur Hochzeit bekamen: Einen Blüthner aus  diesem Jahr, mit kreuzsaitiger Bespannung, Blüthner-Patentmechanik und gusseisernem Jubiläumsrahmen, aber ohne Aliquotsaiten. Mahlers Witwe schenkte das Instrument 1948 der Stadt Wien; seit  1965 befindet er sich als Dauerleihgabe in der Sammlung alter Musik- instrumente in der Neuen Burg.
Die Aufnahmen dokumentieren den Stil der damaligen Zeit, inklusive kräftiger Zuspitzung, wo der Künstler etwas für wichtig hielt. So schärfte Mahler die Punktierungen im ersten Satz seiner Fünften Symphonie deutlich. Bei den Liedern springt er zwischen der Gesangsstimme und der Begleitung; er ergänzt sie um vollstimmige Akkorde und Basstöne, spielt nicht notierte Arpeggierungen und nachschlagende Melodienoten - und modifiziert das Tempo, wie ihm das jeweils angemessen erschien. Weniger wichtige Passagen nimmt Mahler oftmals flüchtig. Wer jemals in einem Provinztheater einen Korrepetitor bei der Arbeit erlebt hat, der wird davon nicht überrascht sein - und, bei allem Respekt, aber ein bisschen klingt die Aufnahme auch so. Wer sich mit historischer Musizierweise beschäftigt, der wird diese CD höchst interessant finden.