Posts mit dem Label Tänze werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tänze werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, 20. Mai 2019
Haydn: Fantasia in C major, Menuetti, Variationen, Deutsche Tänze (Naxos)
Immer wieder komponierte Joseph Haydn (1732 bis 1809) für gesellige Anlässe Tänze. Auf dieser CD erklingen zwölf Deutsche Tänze, die der Musiker für einen Maskenball der Gesellschaft bildender Künstler in Wien 1792 geschrieben hat. Auf der Veranstaltung, mit der Geld für Witwen und Waisen gesammelt wurde, spielte diese Werke natürlich ein Orchester. Doch die Kaiserin höchstpersönlich bat Haydn um ein Klavierarrangement – dieses ist auf der vorliegenden CD zu hören, gespielt von dem exzellenten ungarischen Pianisten Jenő Jandó. Das Programm umfasst auch noch andere Bearbeitungen, beispielsweise von zwei Märschen, die Haydn für das Derbyshire Volunteer Cavalry Regiment geschrieben hat, eine brillante Fantasia in C-Dur oder 5 Variationen in D-Dur. Zu hören sind zudem weitere Menuette, die wahrscheinlich in den Jahren 1780 und 1784 bei Bällen im Redoutensaal erklungen sind.
Freitag, 29. Juni 2018
Széchényi: Complete Dances for Orchestra (Naxos)
Imre Széchényi von Sárvár-Felső- vidék (1825 bis 1898) war nicht nur als Musiker sehr erfolgreich, sondern vor allem auch als Diplomat – eine Doppelkarriere, die nicht ganz alltäglich erscheint.
Der junge Graf wuchs am Wiener Hof gemeinsam mit dem späteren Kaiser Franz Joseph I. von Österreich auf. Mit gerade einmal 20 Jahren trat er in den diplomatischen Dienst, und war dann in vielen Ländern Europas und in den unterschiedlichsten Missionen tätig.
Doch auch die Musik spielte in seinem Leben eine bedeutende Rolle. Imre Széchényi veröffentlichte zahlreiche Kompositionen; sie waren weithin bekannt und beliebt. Auch Johann Strauß, mit dem er seit seiner Zeit in St. Petersburg befreundet war, nahm diese Werke gerne in Konzertprogramme auf.
Einige seiner Tänze hat Széchényi für großes Orchester instrumentiert. Auf dieser CD sind sie in Weltersteinspielung zu finden – und wer könnte sie besser zum Klingen erwecken als das Budapester MAV Sinfonie- orchester, das unter Leitung von Valéria Csányi schwungvoll aufspielt.
Der junge Graf wuchs am Wiener Hof gemeinsam mit dem späteren Kaiser Franz Joseph I. von Österreich auf. Mit gerade einmal 20 Jahren trat er in den diplomatischen Dienst, und war dann in vielen Ländern Europas und in den unterschiedlichsten Missionen tätig.
Doch auch die Musik spielte in seinem Leben eine bedeutende Rolle. Imre Széchényi veröffentlichte zahlreiche Kompositionen; sie waren weithin bekannt und beliebt. Auch Johann Strauß, mit dem er seit seiner Zeit in St. Petersburg befreundet war, nahm diese Werke gerne in Konzertprogramme auf.
Einige seiner Tänze hat Széchényi für großes Orchester instrumentiert. Auf dieser CD sind sie in Weltersteinspielung zu finden – und wer könnte sie besser zum Klingen erwecken als das Budapester MAV Sinfonie- orchester, das unter Leitung von Valéria Csányi schwungvoll aufspielt.
Freitag, 19. Januar 2018
Telemann's Poland (Ayros)
Noch ein Nachtrag zum Telemann-Jubiläumsjahr 2017 – und zwar ein bedeutender. Denn auf dieser CD spürt das Orkiestra Czasów Zarazy, geleitet von Paweł Iwaszkiewicz, musikalischen Einflüssen nach, die zwar immer wieder benannt werden, aber bislang noch nie mit einer entsprechenden Einspielung dokumentiert wurden.
Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) widmete 1739 in seiner Autobiographie, die er für Johann Matthesons „Grundlage einer Ehrenpforte“ (Hamburg 1740) zu Papier brachte, einen ganzen Abschnitt den Jahren 1705 bis 1708, die er als Kapellmeister im Dienste des Reichsgrafen Erdmann II. von Promnitz in Sorau verbrachte. „Als der Hof sich ein halbes Jahr lang nach Plesse, einer oberschlesischen, promnitzischen Standesherrschafft, begab, lernete ich so wohl daselbst, als in Krakau, die polnische und hanakische Musik, in ihrer wahren barbarischen Schönheit kennen“, berichtet Telemann. „Sie bestund, in gemeinen Wirtshäusern, aus einer um den Leib geschnalleten Geige, die eine Terzie höher gestimmet war, als sonst gewöhnlich, und also ein halbes dutzend andre überschreien konnte; aus einem polnischen Bocke; aus einer Quintposaune, und aus einem Regal. An ansehnlichen Oertern aber blieb das Regal weg; die beiden erstern hingegen wurden verstärckt: wie ich denn einst 36. Böcke und 8. Geigen beisammen gefunden habe.
Man sollte kaum glauben, was dergleichen Bockpfeiffer oder Geiger für wunderbare Einfälle haben, wenn sie, so offt die Tantzenden ruhen, fantaisiren. Ein Aufmerckender könnte von ihnen, in 8. Tagen, Gedancken für ein gantzes Leben erschnappen. Gnug, in dieser Musik steckt überaus viel gutes; wenn behörig damit umgegangen wird. Ich habe, nach der Zeit, verschiedene große Concerte und Trii in dieser Art geschrieben, die ich in einen italiänischen Rock, mit abgewechselten Adagi und Allegri, eingekleidet.“
Zitiert wird dies gern, aber konkret im Notenbestand auf die Spurensuche gegangen ist bislang niemand. Wie sehr die Inspiration durch die polnischen Klänge Telemanns Musik tatsächlich beeinflusst hat, zeigt nun dieses CD-Projekt. Seine Grundlage ist ein Manuskript, das 1987 in der Rostocker Universitätsbibliothek entdeckt wurde. Es besteht aus zwei Stimmbüchern, für Violine und Fagott, und trägt den Titel Danse Polonié de Tellemann. Die Handschrift wurde unter TWV 45 in das Werkver- zeichnis des Komponisten aufgenommen. Und das war es dann auch schon, weil das musikalische Material zunächst keinen attraktiven Eindruck machte.
„Neugierig auf die bislang unbekannte Quelle der polnischen Musik sind wir zum Schluss gekommen, der Sache nachzugehen und die Musikidee zu rekonstruieren, die dieser Handschrift zugrunde gelegt wurde“, schreibt Maciej Kaziński im Beiheft. Die Musiker lesen Telemanns Noten als Skizze, als Notat von Tanzthemen – und sie entschieden sich für eine Besetzung, wie sie Telemann beschrieben hat.
Zu hören sind Paweł Iwaszkiewicz, Dudelsack („Bock“), Olena Yeremienko, Violine, Witold Broda, Fiedel, Piotr Wawreniuk, Posaune, Maciej Kaziński, Violone, und Mirosław Feldgebel, Regal: Die klassisch ausgebildeten Musiker spielen zusammen mit Musikanten, die wiederum ihre traditionellen Instrumenten ebenfalls virtuos beherrschen, und dazu sehr lebendig und witzig improvisieren.
Das Ergebnis ist einzigartig und wirklich hinreißend. Es sind nicht nur die Klangeffekte, die nachvollziehen lassen, warum Telemann einst von dem, was er da in den polnischen Wirtshäusern und auf den Tanzböden erlauschte, derart fasziniert war. Großartig! Dies ist ohne Zweifel eine der interessantesten und auch der schönsten Einspielungen zum Telemann-Jubiläum – unbedingt anhören!
Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) widmete 1739 in seiner Autobiographie, die er für Johann Matthesons „Grundlage einer Ehrenpforte“ (Hamburg 1740) zu Papier brachte, einen ganzen Abschnitt den Jahren 1705 bis 1708, die er als Kapellmeister im Dienste des Reichsgrafen Erdmann II. von Promnitz in Sorau verbrachte. „Als der Hof sich ein halbes Jahr lang nach Plesse, einer oberschlesischen, promnitzischen Standesherrschafft, begab, lernete ich so wohl daselbst, als in Krakau, die polnische und hanakische Musik, in ihrer wahren barbarischen Schönheit kennen“, berichtet Telemann. „Sie bestund, in gemeinen Wirtshäusern, aus einer um den Leib geschnalleten Geige, die eine Terzie höher gestimmet war, als sonst gewöhnlich, und also ein halbes dutzend andre überschreien konnte; aus einem polnischen Bocke; aus einer Quintposaune, und aus einem Regal. An ansehnlichen Oertern aber blieb das Regal weg; die beiden erstern hingegen wurden verstärckt: wie ich denn einst 36. Böcke und 8. Geigen beisammen gefunden habe.
Man sollte kaum glauben, was dergleichen Bockpfeiffer oder Geiger für wunderbare Einfälle haben, wenn sie, so offt die Tantzenden ruhen, fantaisiren. Ein Aufmerckender könnte von ihnen, in 8. Tagen, Gedancken für ein gantzes Leben erschnappen. Gnug, in dieser Musik steckt überaus viel gutes; wenn behörig damit umgegangen wird. Ich habe, nach der Zeit, verschiedene große Concerte und Trii in dieser Art geschrieben, die ich in einen italiänischen Rock, mit abgewechselten Adagi und Allegri, eingekleidet.“
Zitiert wird dies gern, aber konkret im Notenbestand auf die Spurensuche gegangen ist bislang niemand. Wie sehr die Inspiration durch die polnischen Klänge Telemanns Musik tatsächlich beeinflusst hat, zeigt nun dieses CD-Projekt. Seine Grundlage ist ein Manuskript, das 1987 in der Rostocker Universitätsbibliothek entdeckt wurde. Es besteht aus zwei Stimmbüchern, für Violine und Fagott, und trägt den Titel Danse Polonié de Tellemann. Die Handschrift wurde unter TWV 45 in das Werkver- zeichnis des Komponisten aufgenommen. Und das war es dann auch schon, weil das musikalische Material zunächst keinen attraktiven Eindruck machte.
„Neugierig auf die bislang unbekannte Quelle der polnischen Musik sind wir zum Schluss gekommen, der Sache nachzugehen und die Musikidee zu rekonstruieren, die dieser Handschrift zugrunde gelegt wurde“, schreibt Maciej Kaziński im Beiheft. Die Musiker lesen Telemanns Noten als Skizze, als Notat von Tanzthemen – und sie entschieden sich für eine Besetzung, wie sie Telemann beschrieben hat.
Zu hören sind Paweł Iwaszkiewicz, Dudelsack („Bock“), Olena Yeremienko, Violine, Witold Broda, Fiedel, Piotr Wawreniuk, Posaune, Maciej Kaziński, Violone, und Mirosław Feldgebel, Regal: Die klassisch ausgebildeten Musiker spielen zusammen mit Musikanten, die wiederum ihre traditionellen Instrumenten ebenfalls virtuos beherrschen, und dazu sehr lebendig und witzig improvisieren.
Das Ergebnis ist einzigartig und wirklich hinreißend. Es sind nicht nur die Klangeffekte, die nachvollziehen lassen, warum Telemann einst von dem, was er da in den polnischen Wirtshäusern und auf den Tanzböden erlauschte, derart fasziniert war. Großartig! Dies ist ohne Zweifel eine der interessantesten und auch der schönsten Einspielungen zum Telemann-Jubiläum – unbedingt anhören!
Dienstag, 9. Mai 2017
...und weil die Music lieblich ist (Deutsche Harmonia Mundi)
Zwei Veröffentlichungen, ein Bändchen mit Tänzen und eines mit Vokalmusik, und ein Eintrag im Kirchenbuch – das sind die Spuren, die von Balthasar Fritsch überliefert sind. Man kennt weder das Geburts- datum noch den Sterbetag des Komponisten; über seinen Lebensweg ist nur bekannt, dass er in Leipzig wirkte.
Es wird vermutet, dass er in der Messestadt zwischen 1570 und 1580 geboren worden ist. Belegt ist das jedoch nicht. Aktenkundig ist aber, dass Fritsch 1608 Taufpate für einen Sohn des Leipziger Ratsmusikers Wilhelm Kaufmann war. Seine Primitae Musicales, eine Sammlung mit zwölf Pavanen und 21 Galliarden, datiert 1606 in Frankfurt/Main, widmete er den Herzögen Adolf Friedrich I. und Johann Albrecht II. von Mecklenburg. Das Brüderpaar habe, so besagt die Widmung, während seiner Studien in Leipzig bei Fritsch Instrumental- unterricht erhalten.
Seine zweite Publikation, Newe teutsche Gesanng nach Art der Welschen Madrigalien mit 5 Stimmen, gedruckt 1608 in Leipzig, ist fünf Adeligen gewidmet, die offenbar seine Schüler und recht spendabel waren. Möglicherweise waren es Kommilitonen, und Fritsch hat nach 1608 die Stadt verlassen – wir wissen es nicht; in den Leipziger Archiven jedenfalls konnten Musikhistoriker in den nachfolgenden Jahren und Jahrzehnten seinen Namen nicht mehr aufspüren.
Seine Kompositionen allerdings verweisen auf einen Musiker von einigem Rang. Fritsch beherrschte sein Handwerk. Das Ensemble Musicke & Mirth hat gemeinsam mit der Sängerin Ulrike Hofbauer auf dieser CD eine Aus- wahl an Werken des Komponisten in Weltersteinspielung veröffentlicht. Diese Aufnahme ist rundum gelungen und von faszinierender Klang- schönheit. Dem Gambenquartett lauscht man wirklich gern, und Ulrike Hofbauer gestaltet die „Gesänge“ sehr ansprechend. Mit ihrem schlanken Sopran singt sie von Liebe und vom Abschied, von Geduld und von weltlichen Gelüsten – und von der lieblichen Musik, die das ganze Leben verschönern kann.
Es wird vermutet, dass er in der Messestadt zwischen 1570 und 1580 geboren worden ist. Belegt ist das jedoch nicht. Aktenkundig ist aber, dass Fritsch 1608 Taufpate für einen Sohn des Leipziger Ratsmusikers Wilhelm Kaufmann war. Seine Primitae Musicales, eine Sammlung mit zwölf Pavanen und 21 Galliarden, datiert 1606 in Frankfurt/Main, widmete er den Herzögen Adolf Friedrich I. und Johann Albrecht II. von Mecklenburg. Das Brüderpaar habe, so besagt die Widmung, während seiner Studien in Leipzig bei Fritsch Instrumental- unterricht erhalten.
Seine zweite Publikation, Newe teutsche Gesanng nach Art der Welschen Madrigalien mit 5 Stimmen, gedruckt 1608 in Leipzig, ist fünf Adeligen gewidmet, die offenbar seine Schüler und recht spendabel waren. Möglicherweise waren es Kommilitonen, und Fritsch hat nach 1608 die Stadt verlassen – wir wissen es nicht; in den Leipziger Archiven jedenfalls konnten Musikhistoriker in den nachfolgenden Jahren und Jahrzehnten seinen Namen nicht mehr aufspüren.
Seine Kompositionen allerdings verweisen auf einen Musiker von einigem Rang. Fritsch beherrschte sein Handwerk. Das Ensemble Musicke & Mirth hat gemeinsam mit der Sängerin Ulrike Hofbauer auf dieser CD eine Aus- wahl an Werken des Komponisten in Weltersteinspielung veröffentlicht. Diese Aufnahme ist rundum gelungen und von faszinierender Klang- schönheit. Dem Gambenquartett lauscht man wirklich gern, und Ulrike Hofbauer gestaltet die „Gesänge“ sehr ansprechend. Mit ihrem schlanken Sopran singt sie von Liebe und vom Abschied, von Geduld und von weltlichen Gelüsten – und von der lieblichen Musik, die das ganze Leben verschönern kann.
Mittwoch, 31. August 2016
Lanner: Viennese Dances (Naxos)
Joseph Lanner 1801 bis 1843) gilt, gemeinsam mit Johann Strauß (Vater), als der Erfinder des Wiener Walzers. Schon mit zwölf Jahren spielte er als Geiger in einem Orchester; mit 17 Jahren gründete er sein eigenes Ensemble – das zunächst mit zwei Geigen und einer Gitarre auskommen musste. Es kam eine Bratsche hinzu, gespielt von Johann Strauß (Vater), dann ein Violoncello...
Bald schon konnten aber sowohl Strauss als auch Lanner mit einem deutlich größeren Orchester auf- spielen. Denn der Walzer kam in Mode, und wurde bald selbst bei Hofe getanzt. Wer herausfinden will, wie sich ein Hofball-Walzer von dem der Bürger unterschied, der sollte sich einfach diese CD anhören. Wolfgang Dörner zeigt mit dem Orchestre de Cannes zudem, dass Tanzmusik seinerzeit ziemlich originell, ja, mitunter richtig witzig gewesen ist. Man höre nur den Mitternachtswalzer, geschrieben für das Abschiedskonzert von Lanners übel erkranktem Lehrmeister Michael Pamer. Dieses Werk steckt voller musikalischer Anspielungen; man höre nur, wie Bratschen und Pauken an die – ab Mitternacht verschlossene – Türe klopfen.
Lanner verstand sich auf Glanz und Gloria ebenso wie gut wie auf Poesie und Grazie. 1829 wurde er zum Musikdirektor der k.k. Redoutensäle berufen; außerdem wirkte er als Kapellmeister des zweiten Wiener Bürgerregimentes. Am Karfreitag 1843 starb er an Typhus – zwei Tage nach seinem 42. Geburtstag. Und auch wenn wir heute nicht mehr jeden seiner Späße verstehen – seine Werke wie Tarantel-Galopp, Hexentanz-Walzer, Steyrische Tänze oder aber Die Schönbrunner bereiten noch heute Vergnügen.
Bald schon konnten aber sowohl Strauss als auch Lanner mit einem deutlich größeren Orchester auf- spielen. Denn der Walzer kam in Mode, und wurde bald selbst bei Hofe getanzt. Wer herausfinden will, wie sich ein Hofball-Walzer von dem der Bürger unterschied, der sollte sich einfach diese CD anhören. Wolfgang Dörner zeigt mit dem Orchestre de Cannes zudem, dass Tanzmusik seinerzeit ziemlich originell, ja, mitunter richtig witzig gewesen ist. Man höre nur den Mitternachtswalzer, geschrieben für das Abschiedskonzert von Lanners übel erkranktem Lehrmeister Michael Pamer. Dieses Werk steckt voller musikalischer Anspielungen; man höre nur, wie Bratschen und Pauken an die – ab Mitternacht verschlossene – Türe klopfen.
Lanner verstand sich auf Glanz und Gloria ebenso wie gut wie auf Poesie und Grazie. 1829 wurde er zum Musikdirektor der k.k. Redoutensäle berufen; außerdem wirkte er als Kapellmeister des zweiten Wiener Bürgerregimentes. Am Karfreitag 1843 starb er an Typhus – zwei Tage nach seinem 42. Geburtstag. Und auch wenn wir heute nicht mehr jeden seiner Späße verstehen – seine Werke wie Tarantel-Galopp, Hexentanz-Walzer, Steyrische Tänze oder aber Die Schönbrunner bereiten noch heute Vergnügen.
Montag, 25. Januar 2016
Steffens: Die Musik und ein guter Wein (cpo)
Johann Steffens (um 1560 bis 1616) war der Sohn eines Itzehoer Stadt- rates. Heinrich Steffens erkannte seine musikalische Begabung, und ließ Johann dementsprechend ausbilden. Berichtet wird, er sei zudem „bey einem orgellmacher gewesen, davon er gelernet, daß er die Stimmen der orgell woll umbziehen kann“.
Graf Heinrich von Rantzau, der dänische Statthalter, der auf Schloss Breitenburg nahe Itzehoe residierte, schrieb dem jungen Musiker 1589 einen Empfehlungsbrief für seine Bewerbung um die vakante Organistenstelle an St. Lamberti zu Lüneburg. Allerdings hatte auch die Herzogin Dorothea von Brauschweig-Lüneburg einen Kandidaten für diese Stelle vorgeschlagen – und so erhielt der Sohn des Celler Hofpredigers den begehrten Posten.
Zwei Jahre später übernahm Steffens die Dienstpflichten von Jost Funcke, dem Organisten an St. Johanni in Lüneburg, und 1595 wurde er dann endlich fest angestellt. In der langen Reihe der Kantoren und Organisten an St. Johannis in Lüneburg steht er damit als Vorgänger unter anderem von Christian Flor und Georg Böhm.
Auf dieser CD erklingen Tanzsätze Steffens’, die ein interessantes Zeugnis davon geben, wie englische Consort-Musik in Deutschland gespielt und weiterentwickelt worden ist, neben fünfstimmigen weltlichen Vokalkom- positionen. Veröffentlicht hat sie Sohn Heinrich im Jahre 1618 unter dem Titel Newe Teutsche Weltliche Madrigalia und Balletten So wol mit lebendigen Stimmen/ als auff allerhandt Musicalischen Instrumenten und Seytenspielen gantz lieblich zu gebrauchen. Ähnlich wie die italienischen Vorbilder und die Scherz-, Trink- und Liebeslieder Hans Leo Haßlers sprühen sie, mitunter etwas derb, vor Lebensfreude. Himlische Cantorey und Hamburger Ratsmusik unter der Leitung von Simone Eckert betonen allerdings diese grobe Seite nicht. Sie zeigen auf, dass Steffens eine Menge zu bieten hat – Eleganz, Witz, Ausdrucksstärke, gelegentlich auch Doppelbödigkeit. Eine wichtige Einspielung, die uns einen Komponisten nahe bringt, der von seinen Zeitgenossen hoch geachtet wurde – und aus heutiger Sicht ebenfalls keineswegs zweite Wahl ist.
Graf Heinrich von Rantzau, der dänische Statthalter, der auf Schloss Breitenburg nahe Itzehoe residierte, schrieb dem jungen Musiker 1589 einen Empfehlungsbrief für seine Bewerbung um die vakante Organistenstelle an St. Lamberti zu Lüneburg. Allerdings hatte auch die Herzogin Dorothea von Brauschweig-Lüneburg einen Kandidaten für diese Stelle vorgeschlagen – und so erhielt der Sohn des Celler Hofpredigers den begehrten Posten.
Zwei Jahre später übernahm Steffens die Dienstpflichten von Jost Funcke, dem Organisten an St. Johanni in Lüneburg, und 1595 wurde er dann endlich fest angestellt. In der langen Reihe der Kantoren und Organisten an St. Johannis in Lüneburg steht er damit als Vorgänger unter anderem von Christian Flor und Georg Böhm.
Auf dieser CD erklingen Tanzsätze Steffens’, die ein interessantes Zeugnis davon geben, wie englische Consort-Musik in Deutschland gespielt und weiterentwickelt worden ist, neben fünfstimmigen weltlichen Vokalkom- positionen. Veröffentlicht hat sie Sohn Heinrich im Jahre 1618 unter dem Titel Newe Teutsche Weltliche Madrigalia und Balletten So wol mit lebendigen Stimmen/ als auff allerhandt Musicalischen Instrumenten und Seytenspielen gantz lieblich zu gebrauchen. Ähnlich wie die italienischen Vorbilder und die Scherz-, Trink- und Liebeslieder Hans Leo Haßlers sprühen sie, mitunter etwas derb, vor Lebensfreude. Himlische Cantorey und Hamburger Ratsmusik unter der Leitung von Simone Eckert betonen allerdings diese grobe Seite nicht. Sie zeigen auf, dass Steffens eine Menge zu bieten hat – Eleganz, Witz, Ausdrucksstärke, gelegentlich auch Doppelbödigkeit. Eine wichtige Einspielung, die uns einen Komponisten nahe bringt, der von seinen Zeitgenossen hoch geachtet wurde – und aus heutiger Sicht ebenfalls keineswegs zweite Wahl ist.
Dienstag, 3. Juni 2014
Symphonic Dances (Genuin)
Sinfonische Tänze hat die Sächsi- sche Bläserphilharmonie unter Leitung von Thomas Clamor auf ihrer jüngsten CD zusammen- gefasst. Die Auswahl ist umfassend; sie reicht von Mussorgskis Ballett der Küken in ihren Eierschalen bis zu Offenbachs Can-Can, vom legendären Mambo No. 8 bis hin zu Strauss' Tritsch Tratsch Polka und von Brahms' Ungarischen Tänzen bis hin Chatschaturjans Säbeltanz. Die Bläser musizieren mit Leiden- schaft; der Zuhörer wird an dieser musikalischen Weltreise garantiert sein Vergnügen haben.
Mittwoch, 18. Dezember 2013
Andrea Falconieri - Il Spiritillo Brando (Glossa)
Zur Zeit der Renaissance stand der Hof zu Neapel in hoher Blüte. Die Herrscher, Vizekönige des spani- schen Königreiches, förderten die Künste, insbesondere auch die Musik. Einen Eindruck von den Klängen, die sie einst begleitet haben, vermittelt die vorliegende CD. Das Ensemble La Ritirata, geleitet von Josetxu Obregón, hat dafür zeitgenössische Quellen ausgewertet, wie das Primo libro di Canzone, Sinfonie, Fantasie, Capricci, Brandi, Correnti, Gagliarde, Alemane, Volte per Violini, Viole overo alto Strumento á uno, due, et tré con il Basso Continuo, zusammengetragen von Andrea Falconieri, zunächst Lautenist und nach 1647 auch Kapellmeister der Hofkapelle zu Neapel. Ergänzt wurde das abwechslungsreiche Programm dieser CD durch Werke bedeutender Musiker jener Zeit aus Spanien und Italien – darunter auch frühe Musik für das Violoncello als Solo-Instrument von Giovanni Battista Vitali, Domenico Gabrielli und Giuseppe Maria Jacchini. Die Musiker von La Ritirata agieren temperamentvoll und zugleich präzise; diese CD vermittelt somit nicht nur europäische Musikgeschichte, sondern auch eine große Portion gute Laune. Bravi!
Donnerstag, 25. August 2011
Schubert: Schubertiade - Nachtmusik (Etcetera)
"Schubert, Assmayer, Mozatti und ich verabredeten uns, jeden Don- nerstag abends ein neues, von uns komponiertes Männerquartett bei dem uns dann freundlich bewirte- ten Mozatti zu singen", berichtet Anselm Hüttenbrenner in einem Brief. "Einmal kam Schubert ohne Quartett, schrieb aber, da er so- gleich von uns einen kleinen Ver- weis erhielt, sogleich eines in un- serer Gegenwart; Schubert ach- tete dieser Gelegenheitsstücklein sehr wenig."
Dennoch hat der Komponist enorme Mengen an Musik für den Haus- gebrauch des aufstrebenden Bürgertums geschaffen - etwa Werke für Klavier zu vier Händen, oder Tänze. So schrieb Franz Schubert (1797 bis 1828) trotz seiner kurzen Schaffenszeit etwa 500 Tänze für Klavier - überwiegend Ländler, Deutsche Tänze, Walzer. Unterhaltung im Dreivierteltakt, und dennoch keine Massenprodukte, sondern Perlen des Repertoires - jeder einzelne Tanz, und sei er auch noch so kurz, ein Zeugnis musikalischer Kreativität, in Rhythmik und Harmonik ausgesprochen originell.
Schuberts Klavierlieder haben seit Jahren ihren festen Platz auf den Konzertpodien. Seine gut 140 mehrstimmigen Lieder hingegen finden sich in der Regel nur im Programm von Laien(Männer-)chören. Das Orpheon Ensemble, zwölf junge Solisten aus ganz Europa, hervorge- gangen aus den Collegium Vocale Gent, hat sich der Tradition dieser Liedertafeln verschrieben. So widmen die Sänger ihre erste CD dem Schaffen Schuberts, denn ihn sehen sie als den Stammvater des Liedes für Männerchor. Unter der Leitung von Daniel Reuss singen sie liebe- voll - das Wort sei mir an dieser Stelle verziehen - in perfekter chori- scher Einheit, sorgfältig einstudiert und bis ins Detail abgestimmt, Schubert, den König des romantischen Liedes.
Und wie es auch zu den Schubertiaden sicherlich üblich war, erklin- gen zwischendurch Schuberts Tänze, vorgetragen von dem renom- mierten Fortepiano-Spezialisten Jan Vermeulen auf einem leider nicht näher bezeichneten Instrument, das den Originalklang der Schubert-Zeit in die Gegenwart bringt.
Dennoch hat der Komponist enorme Mengen an Musik für den Haus- gebrauch des aufstrebenden Bürgertums geschaffen - etwa Werke für Klavier zu vier Händen, oder Tänze. So schrieb Franz Schubert (1797 bis 1828) trotz seiner kurzen Schaffenszeit etwa 500 Tänze für Klavier - überwiegend Ländler, Deutsche Tänze, Walzer. Unterhaltung im Dreivierteltakt, und dennoch keine Massenprodukte, sondern Perlen des Repertoires - jeder einzelne Tanz, und sei er auch noch so kurz, ein Zeugnis musikalischer Kreativität, in Rhythmik und Harmonik ausgesprochen originell.
Schuberts Klavierlieder haben seit Jahren ihren festen Platz auf den Konzertpodien. Seine gut 140 mehrstimmigen Lieder hingegen finden sich in der Regel nur im Programm von Laien(Männer-)chören. Das Orpheon Ensemble, zwölf junge Solisten aus ganz Europa, hervorge- gangen aus den Collegium Vocale Gent, hat sich der Tradition dieser Liedertafeln verschrieben. So widmen die Sänger ihre erste CD dem Schaffen Schuberts, denn ihn sehen sie als den Stammvater des Liedes für Männerchor. Unter der Leitung von Daniel Reuss singen sie liebe- voll - das Wort sei mir an dieser Stelle verziehen - in perfekter chori- scher Einheit, sorgfältig einstudiert und bis ins Detail abgestimmt, Schubert, den König des romantischen Liedes.
Und wie es auch zu den Schubertiaden sicherlich üblich war, erklin- gen zwischendurch Schuberts Tänze, vorgetragen von dem renom- mierten Fortepiano-Spezialisten Jan Vermeulen auf einem leider nicht näher bezeichneten Instrument, das den Originalklang der Schubert-Zeit in die Gegenwart bringt.
Abonnieren
Posts (Atom)








