„Ces compositeurs baroques ont posé les bases de la musique française: impossible d’interpréter Saint-Saëns, Debussy ou Ravel en les dissociant de Couperin et Rameau”, meint Alexandre Tharaud. Er schätzt die Werke jener Väter der französischen Musik sehr, und er spielt sie auch gern – ungeachtet aller Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, dass diese Werke zumeist für das Cembalo komponiert worden sind, mit vollkommen anderen technischen und auch klanglichen Möglichkeiten.
Auf dieser CD lädt er uns ein, Musik zu erleben, die einst im Schloss Versailles erklungen ist. Das Programm reicht von Jean-Baptiste Lully, der dem Hof des Sonnenkönigs zu klanglicher Pracht verhalf, über Meister wie Jean-Henry d'Anglebert, Jean-Philippe Rameau, François Couperin oder Jacques Duphly bis hin zu Claude Balbastre, der erst nach der französischen Revolution starb. Und es stellt musikalische Formen vor, die damals sehr beliebt waren – von diversen Tänzen über die Variation bis hin zum Rondo. Tharaud zeigt, neben all dem musikalischen Prunk, der die Könige umglänzte, auch frühe Beispiele für Programmmusik – Le Rappel des oiseaux beispielsweise von Rameau, La Marche des Scythes von Joseph-Nicolas-Pancrace Royer oder aber Les Ombres errantes von Couperin machen die jeweilige Szene geradezu plastisch deutlich.
Musiziert wird am modernen Konzertflügel, dessen klangliche Möglichkeiten der Pianist auch voll nutzt. Diese CD ist kein Versuch, historische Klangbilder zu rekonstruieren: Alexandre Tharaud spielt die barocke Musik aus der Perspektive der Moderne. So, wie er das macht, ist das aber interessant – wirklich sehr hörenswert.
Mit dieser Aufnahme laden Philippe Grisvard und Johannes Pramsohler ein, sie auf einer Reise in die Musikgeschichte zu begleiten. Sie führt nach Frankreich, wo im Jahre 1740 der Geiger Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville (1711 bis 1772), königlicher Konzertmeister, eine Innovation vorstellte, die nicht nur Musiker überraschte: In seinen Pièces de clavecin en sonates avec accompagnement de violon op. 4 macht er das Cembalo vom Continuo-Instrument zum Solisten; es erklingt nicht mehr als Begleiter, sondern als Partner der Violine.
Zum ersten Male hatte Johann Sebastian Bach dieses Modell gewählt; schon vor 1725 entstanden die Sei Suonate à Cembalo certato è Violino Solo – dass diese Sonaten in Abschriften bis nach Frankreich gelangt sind, erscheint allerdings nicht sehr wahrscheinlich.
Vermutlich lag es einfach nahe, diese Möglichkeit des Musizierens auszuprobieren; sie ist der Triosonate verwandt, wobei die Violine und die rechte Hand der Cembalostimme konzertieren, während die linke Hand dazu den Bass spielt. Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville scheint ohnehin recht experimentierfreudig gewesen zu sein, denn er setzt ganz auf italienische Vorbilder, was in Frankreich lange verpönt war. Aber letztendlich begeisterten die Konzerte von Corelli und Vivaldi auch das Pariser Publikum.
Mit seinem kühnen Wurf beeindruckte der Violinvirtuose die Zuhörer ebenso wie seine Kollegen. Pramsohler und Grisvard zeigen mit ihrer Einspielung, wie Zeitgenossen sich von dem neuen Modell inspirieren ließen und wie sie es weiterentwickelt haben. Auf ihrer Doppel-CD präsentieren sie zahlreiche Werke, die in Vergessenheit geraten waren, und daher oftmals in Weltersteinspielungen erklingen.
Zu hören ist anspruchsvolle Musik von Claude Balbastre (1724 bis 1799), Charles-François Clément (um 1720 bis 1782), Michel Corette (1707 bis 1795), Jacques Duphly (1715 bis 1789), Louis-Gabriel Guillemain (1705 bis 1770) und Luc Marchand (1709 bis 1799). Sie alle finden ihre eigenen Wege, Violine und Cembalo attraktiv miteinander zu kombinieren.
Philippe Grisvard und Johannes Pramsohler zünden ein prächtiges Klangfeuerwerk, das mit einer Vielzahl unterschiedlicher Farben und Effekte begeistert. Sowohl der Cembalist als auch der Geiger sind Virtuosen, und sie musizieren mit Leidenschaft und bestens aufeinander abgestimmt.
Das Wort noël steht in der franzö- sischen Sprache sowohl für das Weihnachtsfest als auch für das Weihnachtslied. Dies macht bereits deutlich, wie eng beides miteinander verknüpft ist. Es wird daher nicht verwundern, dass Organisten aus Frankreich zu allen Zeiten nicht nur weihnachtliche Musik, sondern auch wundervolle Liedbearbeitungen geschaffen haben. Auf dieser CD stellt Christian Lambour eine stimmungs- volle Auswahl solcher Werke vor, unter anderem von Pierre und Jean-Francois Dandrieu, Michel Corrette, Claude Balbastre, Alexandre Guilmant und César Franck. Er musiziert an der Orgel der ehemaligen Benediktiner-Abtei Neu St. Johann im Kanton St. Gallen.
Die Orgel in der Chapelle Royale, der königlichen Kapelle im Schloss von Versailles, befindet sich direkt über den Hochaltar. Der Organist, der dort Dienst tut, sitzt mit dem Rücken zum Altar und zur Ge- meinde, inmitten von reichem Schnitzwerk in edlem Weiß und reichlich Blattgold. Über ihm an der Decke befindet sich das Gemälde Die Auferstehung Christi von Charles de La Fosse. Was für ein Arbeitsplatz! Auch das Instru- ment selbst ist angemessen prächtig. Die Orgel hat vier Manuale und Pedal sowie 38 Register. Sie wurde von Robert Clicquot und Julien Tribuot 1710 erbaut, zur Orgelweihe 1711 musizierte Francois Couperin.
Die französische Revolution überlebte das Instrument, allerdings derangiert, so dass zwischen 1871 und 1873 der berühmte Orgel- bauer Aristide Cavaillé-Coll mit der Rekonstruktion beauftragt wurde. Er installierte eine neue, romantische Orgel, dem Zeitgeschmack entsprechend. Sie gefiel aber schon 1938 nicht mehr, und wurde durch einen Neubau von Victor Gonzalez ersetzt. Als in den 90er Jahren die Kapelle restauriert wurde, entschied man sich dafür, die ursprüngliche Clicquot-Orgel wieder herzustellen. Jean-Loup Boisseau und Bertrand Cattiaux übernahmen diese Aufgabe. Dabei konnten sie den alten Spieltisch nutzen, der noch vorhanden war. Erhalten war auch ein geringer Teil des originalen Pfeifenwerks. Als Vorbild diente zudem die Clicqout-Orgel in Houdan, die ohne wesent- liche Eingriffe und Umbauten über die Jahrhunderte gekommen war. Daran konnten sich Boisseau und Cattiaux orientieren; der Klang der beiden Instrumente ist in der Tat sehr ähnlich. Somit steht heute in der Chapelle Royale wieder eine „echte“ französische Barockorgel zur Verfügung.
Als Organisten wirken dort derzeit Michel Bouvard, Professor für Orgel am Pariser Konservatorium und Organist an der Cavaillé-Coll-Orgel der Basilika Saint-Sernin in Toulouse, Frédéric Desenclos, Pro- fessor für Orgel am Konservatorium in Orléans, Francois Espinasse, Professor für Orgel am Konservatorium Lyon und Organist der Kirche Saint-Severin in Paris, sowie Jean-Baptiste Robin, Professor für Orgel am Konservatorium von Versailles und Ehrenorganist an der Francois-Henri Clicqout-Orgel der Kathedrale von Poitiers. Sie teilen sich auch in die Aufnahmen auf der vorliegenden Doppel-CD, die ein klingendes Porträt der Orgel in der Chapelle Royale ist – und zugleich an die Organisten erinnert, die dieses Instrument früher gespielt und dafür Musik komponiert haben.
So präsentieren sie zwei Jahrhunderte französische Orgelmusik, wie sie unter den Königen Ludwig XIV. bis XVI. die höfische Liturgie begleitet hat. Und die Clicquot-Orgel klingt in der Tat berückend. Zu hören ist Musik von Nicolas Lebègue, Jacques-Denis Thomelin, Guillaume-Gabriel Nivers, Francois Couperin, Louis Marchand, Jean-Francois Dandrieu, Claude Bénigne Balbastre und Louis Claude Daquin. Ein prachtvolles Beiheft mit zahlreichen Bildern und ausführ- lichen Einführungstexten – leider unverkürzt nur in französischer Sprache, etwas knapper auch auf Englisch – vermittelt zusätzliche Eindrücke und Informationen.