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Samstag, 10. Juli 2021

Serenades (Deutsche Grammophon)

 

Das Zürcher Kammerorchester aus Anlass seines 75jährigen Bestehens eine Auswahl von beliebten Meisterwerken für kleine Orchesterbesetzung zusammengestellt. Hervorgegangen ist es aus einer losen Formation von Musikfreunden um den Musikstudenten Edmond de Stoutz, die sich in den 40er Jahren trafen, um gemeinsam ihrer Leidenschaft für Kammermusik zu frönen. 

Schließlich wurde daraus ein Kammerorchester, das 1945 in Zürich sein erstes öffentliches Konzert gab. Seit 2016 leitet Daniel Hope das Orchester. Seitdem spielen die Musiker zumeist ohne Dirigenten; Hope leitet das Ensemble, als primus inter pares, quasi vom Konzertmeisterpult aus. 

Das kollegiale Musizieren prägt auch diese Aufnahme mit drei weltberühmten Streicherserenaden: Die Serenade für Streicher C-Dur von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, die Serenade für Streicher e-Moll von Edward Elgar, und Mozarts berühmte Kleine Nachtmusik sind ein schönes Geschenk an das Publikum zum Orchesterjubiläum. 


Montag, 17. Februar 2020

British Classics (Genuin)

Bläsermusik hat in Großbritannien eine lange Tradition. Von der Bergmannskapelle bis zum kammermusikalischen Ensemble – das Repertoire ist breit und abwechslungsreich. Auf dieser CD präsentiert die Sächsische Bläserphilharmonie eine attraktive Werkauswahl, vom Frühbarock bis in die klassische Moderne. Es erklingt Musik von William Byrd und Henry Purcell, geschickt arrangiert für sinfonische Bläserbesetzung. Auch die Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel darf da nicht fehlen. Sie entstand einst aus Anlass der Beendigung des österreichischen Erbfolgekrieges – und der König hatte angeordnet: „no fiddles“. Der Komponist befolgte diese Vorgabe; später fügte er allerdings Streicher hinzu, und diese Fassung wird auch meist gespielt. Umso spannender ist es, wenn die Bad Lausicker Profis unter Leitung von Chefdirigent Thomas Clamor nun das Original in seiner ganzen Pracht zelebrieren. 
Unangefochten im Mittelpunkt der Einspielung steht allerdings das Tuba-Konzert von Ralph Vaughan Williams (1872 bis 1958). Solist Andreas Martin Hofmeir demonstriert, wie melodiös und federleicht doch dieses schwergewichtige Instrument klingen kann. Ein ganz besonderes Vergnügen, zumal auch die Sächsische Bläserphilharmonie ihren Part in Bestform gestaltet. Komplettiert wird das Programm durch die First Suite for Military Band, op. 28 von Gustav Holst, uraufgeführt 1929, und zwei bekannte Werke von Edward Elgar – die Enigma-Variation IX, Nimrod, und natürlich erklingt zum Schluss der Marsch Pomp and Circumstance

Sonntag, 28. Juli 2019

Albrecht Mayer - Longing for Paradise (Deutsche Grammophon)

Der Traum von einer harmonischen Welt kennzeichnet alle Werke, die Albrecht Mayer für seine jüngste Einspielung ausgesucht hat: „Wie reagiert man als emotionaler, fühlend-romantischer Komponist, wenn man mit der Kriegssituation und einer zerstörten Heimat konfrontiert wird?“, fragt sich der Oboist. „Dieser Gedanke und die damit verbundene Sehnsucht nach Schönheit vereint alle Stücke auf diesem Album.
Die Musik, die Mayer auf dieser CD zusammengetragen hat, ist alles andere als leichtgewichtig. So schrieb Richard Strauss (1864 bis 1949) kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs sein einziges Oboenkonzert, „ein Stück voller Schönheiten, vielleicht eine Ahnung vom Paradies“, begeistert sich Mayer. Der Komponist selbst nannte das Werk eine „Werkstattarbeit“, geschrieben, „damit das vom Taktstock befreite rechte Handgelenk nicht vorzeitig einschläft“
Die Nachkriegssituation spiegelt das Konzert für Oboe und kleines Orchester eher indirekt: „Das ist eines der wenigen Stücke von Strauss, bei denen ich nirgends den Ansatz einer Doppelbödigkeit erkennen kann“, meint Mayer. „Vielmehr verlangt dieses Stück ein Höchstmaß an Mühelosigkeit, womöglich schwebte Strauss selbst beim Komponieren so etwas wie die reine Fülle des Wohllauts vor.“ 
Albrecht Mayer spielt dieses Konzert, das von Anfang bis Ende höchste Anforderungen an den Solisten stellt, mit einem wunderschönen, runden Ton, herrlicher Kantilene und geradezu magischer Schwerelosigkeit. Er lässt den Hörer zu keinem Zeitpunkt daran denken, dass es sich dabei um eines der anspruchsvollsten Werke der gesamten Oboen-Literatur handelt. 
In den Bamberger Symphonikern unter Jakub Hrůša steht dem Oboisten dabei ein erstklassiges Orchester als Musizierpartner zur Seite. Man kennt sich, und man schätzt sich: Mayer begann dort seinerzeit 1990 als Solo-Oboist seine Karriere. 
An den Anfang seines Programmes, vor das Strauss-Konzert, stellte Mayer Edward Elgars (1857 bis 1934) Soliloquy. Dabei handelt es sich um eine Elegie, die lange Fragment geblieben ist. Erst 1967 erklang sie in einer vervollständigten Fassung von Gordon Jacob erstmals öffentlich – gespielt von Léon Goossens. 
Für diesen Oboenvirtuosen schrieb sein Bruder Eugène Goossens (1893 bis 1962) ein ebenfalls höchst anspruchsvolles Konzert, das Mayer am Schluss seiner CD platzierte. „Man stelle sich vor, Strawinksy hätte ein Konzert für Oboe geschrieben, mit einer Prise britischen Humors gewürzt und um einige regionale Klangzutaten ergänzt“, so beschreibt der Oboist diese Musik. 
Mein ganz persönlicher Favorit aber, neben dem Strauss-Konzert, ist die Neubearbeitung von Maurice Ravels (1875 bis 1937) Le Tombeau de Couperin für Oboe und Orchester. Das Arrangement stammt von Joachim Schmeißer, und es ist unglaublich gut. Ravel nutzte die Tradition, verstorbenen Musikern ein Tombeau, eine Trauermusik, zu schreiben. Doch in dem Stück geht es nur vordergründig um Couperin und die Musik des 18. Jahrhunderts. Denn Ravel schrieb es nach seiner Entlassung aus dem Kriegsdienst; und jeder Satz ist einem gefallenen Kameraden gewidmet. 

Freitag, 8. März 2019

Music for Brass Septet 6 (Naxos)

Sie spielen in der London Philhar- monia, im London Symphony, im Royal Philharmonic, im BBC Symphony Orchestra oder in anderen Klangkörpern ersten Ranges – und mit dieser CD bewegen sich die Musiker von Septura nun in einer Klangwelt, die sie ganz besonders schätzen: Das Blechbläser-Septett spielt Werke britischer Komponisten aus der ersten Hälfte des 20. Jahr- hunderts. Das war eine Zeit, in der dort großartige Musik von herausragenden Persönlichkeiten geschaffen worden ist. Vier davon wurden exemplarisch für diese CD ausgewählt: Gerald Finzi (1901 bis 1956), Hubert Parry (1848 bis 1918), William Walton (1902 bis 1983) und Edward Elgar (1857 bis 1934). 
Matthew Knight und Simon Cox, die künstlerischen Leiter von Septura, haben Musik dieser Komponisten für ihre Besetzung bearbeitet – vom Chorlied bis zum Prelude und von der Serenade bis zur Sonate, ursprünglich für Streichorchester. Und man muss sagen, Knight und Cox haben ein Händchen für Klangeffekte. Die Bläserversion ist höchst gelungen, und die Profis von Septura musizieren einmal mehr gekonnt. Sehr hörenswert! 

Montag, 23. Juli 2018

Live from Taipei (Oehms Classics)

Der Cellist Wen-Sinn Yang war in der Saison 2016/17 Artist in Residence beim Taiwan Philharmonic in Taipei. Das Nationale Symphonieorchester (NSO) – unter diesem Namen ist es ebenfalls bekannt – gehört zu den besten Orchestern im asiatischen Raum. Es wird seit 2010 von dem Dirigenten Shao-Chia Lü geleitet. 
Er ist ein Meister der filigranen Gestaltung, mit einem ausgeprägten Sinn für Klangfarben und subtile Nuancen. Auf dieser CD sind drei Live-Mitschnitte von Cellokonzerten zu hören, die Wen-Sinn Yang mit dem NSO gespielt hat. Die Aufführungen wurden vom Publikum derart gefeiert, dass sich das Label Oehms Classics entschloss, sie zu veröffent- lichen.
Das lohnt sich durchaus. Insbesondere die Interpretation des Cellokon- zertes e-Moll op. 85 von Edward Elgar (1857 bis 1934) ist hochspannend; Yang und Lü setzen dabei in erster Linie auf Schönklang statt auf Drama. Das verleiht dem Stück eine erstaunliche Leichtigkeit, ohne jedoch oberflächlich zu wirken. Yang musiziert mit hellem, singenden Ton, schwungvoll, aber eher lyrisch und innig. Beim Cellokonzert von Robert Schumann (1810 bis 1856) ist mir das dann fast schon etwas zu viel Kantilene, und zu wenig dramatischer Kontrast. 
Das Cellokonzert von Erich Korngold (1897 bis 1957) ist kurz, aber rundum faszinierend. Es wird sowohl vom Solisten als auch vom Orchester hinreißend gespielt – man höre nur den Dialog zwischen Soloflöte und Solo-Cello, so ziemlich in der Mitte. Schon allein deswegen lohnt sich diese CD. Unbedingte Empfehlung! 

Montag, 30. März 2015

A Festival of English Organ Music Vol. 1 (MDG)

Der niederländische Organist Ben van Oosten hat sich eingehend mit spätromantischer Orgelmusik be- schäftigt. Für seine Gesamteinspie- lungen der Orgelwerke von Charles-Marie Widor, Camille Saint-Saens, Louis Vierne, Marcel Dupré und Alexandre Guilmant erhielt er zahl- reiche Auszeichnungen. Auch ein Festival französischer Orgelmusik hat der Organist bereits veröffent- licht. 
Auf der vorliegenden CD wendet er sich der spätromantischen Orgel- kunst Englands zu. Und da gibt es einiges zu entdecken – angefangen bei dem Instrument, das Ben van Oosten für die Aufnahmen ausgewählt hat. Die Orgel in der Kathedrale von Salisbury wurde 1876/77 von „Father“ Henry Willis (1821 bis 1901), dem renommiertesten englischen Orgelbauer der viktorianischen Zeit, errichtet. Sie ist nicht nur ziemlich groß, sie gilt auch als eine der klangschönsten Orgeln überhaupt; Willis selbst soll erklärt haben, sie sei sein bestes Instrument. 
Faszinierend erscheint insbesondere der Farbenreichtum dieser Orgel – wie auch die französischen Instrumente jener Zeit folgten auch die englischen einem orchestralen Konzept mit vielfältigen Klangmöglich- keiten. Van Oosten stellt Orgelwerke vor, die dazu sehr gut passen. Von einem eleganten Divertimento aus der Feder von Percy William Whitlock (1903 bis 1946) bis hin zur hochvirtuosen Concert Ouverture des blinden Organisten Alfred Hollins (1865 bis 1942) reicht das Programm. Sir George Thomas Thalben-Ball (1896 bis 1924) hatte seine Elegy ursprünglich als Zeitfüller während einer Rundfunksendung improvisiert. Fantasia and Tocccata op. 57 von Sir Charles Villiers Stanford (1852 bis 1924) verweisen unüberhörbar auf seine Studienjahre in Leipzig und Berlin. William Thomas Best (1826 bis 1897), einer der weltbesten Organisten seiner Zeit, der lange Jahre als Stadtorganist die Father-Willis-Orgel der St. Georges Hall in Liverpool spielte, erweist van Oosten mit dessen Scherzo Referenz. Effektvoll ist auch das Rondo Capriccioso von Edwin Henry Lemare (1865 bis 1934). Es trägt den Untertitel A Study in Accents, weil mit Hilfe des Schwellers Sforzandi erzeugt werden. Sir Edward William Elgar (1844 bis 1925) hat lediglich zwei Originalkompositionen für die Orgel geschaffen. Van Oosten spielt die Sonata for Organ in G major op. 28, ein Werk von monumentalem Ausmaß. Doch bevor die CD mit dieser Herausforderung endet, erklingt Nimrod, die neunte Enigma-Variation Elgars, in einer Bearbeitung für Orgel von Sir William Harris (1883 bis 1973) – insgesamt wahrlich ein Orgel-Festival, und ein Hörgenuss nicht nur für Kenner und Liebhaber. 

Freitag, 10. Januar 2014

Fantasies for Bassoon (Chandos)

Das Fagott steht nur selten im Mittelpunkt eines Konzertes. Warum eigentlich? fragt man sich, wenn man diese CD mit der groß- artigen jungen Fagottistin Karen Geoghegan hört. Sie beeindruckt durch ihr gefühlvolles, sangliches Spiel – besonders in den Höhen –, produziert aber auch in der Mittellage sowie in der Tiefe ganz erstaunliche samtweiche, runde Töne. Am Klavier souverän begleitet wird die Musikerin durch Philip Edward Fisher. 
Das Repertoire für diese Instrumentenkombination scheint allerdings rar zu sein – nur ein einziges Werk auf dieser CD, eine Sonate des Thomaskantors Gustav Schreck (1849 bis 1918) wurde tatsächlich für das Fagott geschrieben. Die beiden Musiker haben darum herum etliche bekannte Werke, bevorzugt aus der romantischen Literatur, gruppiert – zumeist, indem sie auf Bearbeitungen für Violoncello und Klavier zurückgegriffen haben. Das funktioniert hervorragend.