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Montag, 8. Oktober 2018

Benjamin Schmid (Oehms Classics)

Benjamin Schmid feierte dieser Tage seinen 50. Geburtstag – und Oehms Classics würdigte den Musiker mit einer 20-CD-Edition. Sie erweist sich als faszinierendes Porträt eines Geigers, der seine Virtuosität stets in den Dienst des Ausdrucks stellt. Selbst wenn er Virtuosenliteratur spielt, wird daraus niemals eine Zirkusnummer; Schmid beherrscht die Technik derart souverän, dass er sie nicht zur Schau stellen muss. 
Seine musikalischen Interessen sind weit gespannt. So finden sich in dieser Box Aufnahmen etlicher bedeutender Violinkonzerte, von Felix Mendelssohn Bartholdy bis zu Karol Szymanowski, von Johannes Brahms bis zu Karl Goldmark und von Antonio Vivaldi bis Erich Korngold. Auch das Violinkonzert von Peter Tschaikowski und die Romanze op. 11 von Antonín Dvořák sind zu hören. 
Die drei Violinsonaten op. 30 von Ludwig van Beethoven hat Benjamin Schmid gemeinsam mit Alfredo Perl eingespielt, und ausgewählte Sonaten für Klavier und Violine von Wolfgang Amadeus Mozart zusammen mit seiner Frau, der Pianistin Ariane Haering. 
Zwei bislang unveröffentlichte Aufnahmen verweisen auf die Favoriten des Jubilars: My Favourite Paganini und Bach: Reflected. Große Bedeutung für den Violinisten haben insbesondere die Werke Johann Sebastian Bachs, die in der Box umfassend vertreten sind, wobei Schmid die Sonaten und Partiten für Violine solo durch die 6 Sonaten für Solovioline op. 27 von Eugène Ysaÿe kontrastiert. Außerdem schätzt Schmid die Musik von Niccolò Paganini, die er gern in den legendären Arrangements von Fritz Kreisler vorträgt. 
Kreislers Virtuosenstücke nimmt der Geiger auch als Anlass und Ausgangspunkt zu einem inspiriert beswingten Ausflug in Richtung Jazz. Auch Bach: Reflected zeigt, dass sich der Geiger in der Welt der Improvisation durchaus zu Hause fühlt. Und Hommage à Grappelli führt direkt in die Tradition der großen Vorbilder Stephane Grapelli und Django Reinhardt. Benjamin Schmid erweist sich auch im Reich der eher jazzigen Klänge als ein Souverän. Wir gratulieren! 

Montag, 23. Juli 2018

Live from Taipei (Oehms Classics)

Der Cellist Wen-Sinn Yang war in der Saison 2016/17 Artist in Residence beim Taiwan Philharmonic in Taipei. Das Nationale Symphonieorchester (NSO) – unter diesem Namen ist es ebenfalls bekannt – gehört zu den besten Orchestern im asiatischen Raum. Es wird seit 2010 von dem Dirigenten Shao-Chia Lü geleitet. 
Er ist ein Meister der filigranen Gestaltung, mit einem ausgeprägten Sinn für Klangfarben und subtile Nuancen. Auf dieser CD sind drei Live-Mitschnitte von Cellokonzerten zu hören, die Wen-Sinn Yang mit dem NSO gespielt hat. Die Aufführungen wurden vom Publikum derart gefeiert, dass sich das Label Oehms Classics entschloss, sie zu veröffent- lichen.
Das lohnt sich durchaus. Insbesondere die Interpretation des Cellokon- zertes e-Moll op. 85 von Edward Elgar (1857 bis 1934) ist hochspannend; Yang und Lü setzen dabei in erster Linie auf Schönklang statt auf Drama. Das verleiht dem Stück eine erstaunliche Leichtigkeit, ohne jedoch oberflächlich zu wirken. Yang musiziert mit hellem, singenden Ton, schwungvoll, aber eher lyrisch und innig. Beim Cellokonzert von Robert Schumann (1810 bis 1856) ist mir das dann fast schon etwas zu viel Kantilene, und zu wenig dramatischer Kontrast. 
Das Cellokonzert von Erich Korngold (1897 bis 1957) ist kurz, aber rundum faszinierend. Es wird sowohl vom Solisten als auch vom Orchester hinreißend gespielt – man höre nur den Dialog zwischen Soloflöte und Solo-Cello, so ziemlich in der Mitte. Schon allein deswegen lohnt sich diese CD. Unbedingte Empfehlung! 

Montag, 19. März 2018

Unvergänglichkeit - Michaela Schuster (Oehms Classics)

Unvergänglichkeit nannte Erich Wolfgang Korngold seinen Liederzyklus, und Michaela Schuster wählt Zyklus und Idee zum Kern des Programmes für ihre zweite CD, die jüngst bei Oehms Classics erschienen ist. Die Mezzosopranistin hat offenbar ein Faible für das große Thema Zeit – ihre erste CD mit dem Titel Morgen! und mit Liedern von Johannes Brahms, Robert Schumann, Max Reger und Richard Strauss begeisterte ebenfalls bereits durch ein kluges Konzept. 
Nun folgt also das zweite Album, und hier sind Lieder von Gustav Mahler, Max Reger Kurt Weill in Korngolds Zyklus quasi hineingeflochten. Sie ergänzen diese Liederfolge, und setzen mitunter nachdenkliche, mitunter auch kecke Akzente. Dieses Programm ist rundum schlüssig, und zugleich überraschend und extravagant. Ähnliches lässt sich über den Liedvortrag von Michaela Schuster sagen. 
Die Sängerin gestaltet jedes einzelne Lied mit großer Sorgfalt, und mit brillanter Technik und Artikulation. Man versteht wirklich jedes Wort, und man kann jeden musikalischen Gedanken nachvollziehen. Das macht diese CD zum Erlebnis – und in Matthias Veit hat die Mezzosopranistin zudem einen exzellenten Liedbegleiter an ihrer Seite. Großartig! 

Montag, 22. September 2014

Korngold: Songs 1 (Naxos)

Erich Wolfgang Korngold (1897 bis 1957) war der Sohn des Wiener Musikkritikers Julius Korngold. Er hatte ausgezeichneten Unterricht, und war zudem sehr begabt. Mit elf Jahren komponierte er seine erste Ballettmusik. Das Opus wurde durch seinen Lehrer Alexander von Zem- linsky orchestriert, und 1910 von der Wiener Hofoper uraufgeführt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt galt Korngold als Wunderkind. 
Seine Kompositionen wurden gefei- ert; sehr erfolgreich waren insbe- sondere seine Opern, wie Die tote Stadt. Seit 1934 reiste Korngold regelmäßig in die USA, um für Hollywood zu komponieren. Dort befand er sich auch zum Zeitpunkt des Anschlusses Österreichs an Hitlers Deutschland. Glücklicherweise gelang es ihm, seine Familie und seine Eltern in die USA zu holen. 
Korngold schrieb eine Vielzahl von Filmmusiken; er wurde dafür zweimal mit dem Oscar geehrt. Seine Werke prägten das Genre. Nach dem Krieg versuchte der Komponist, in der alten Heimat an die früheren Erfolge anzuknüpfen. Doch in Europa interessierte man sich nicht mehr für seine Musik, die auf spätromantischen Traditionen bestand, und sich über die Avantgarde eher mokierte. 
Korngolds Schaffen geriet daher bald in Vergessenheit. Erst in den letzten Jahren wird seine Musik allmählich wiederentdeckt. Dazu trägt mit großem Engagement auch das Label Naxos bei. Dort erscheinen nun die Lieder des Komponisten. Sie stehen ganz in der Nachfolge von Richard Strauss, Hugo Wolf oder Gustav Mahler. Eine erste Auswahl präsentieren auf dieser CD Sopranistin Britta Stallmeister und Bariton Uwe Schenker-Primus, am Klavier begleitet von Klaus Simon. Erscheinen Korngolds frühe Lieder noch als kühne Experimente insbesondere mit Klangfarben, so werden sie in den späteren Jahren offenbar schlichter, klarer – was aber nicht bedeutet, dass sie simpel oder gar weniger effektvoll geworden sind. Ob man diese Werke jenen Schuberts, Schumanns oder Brahms' zur Seite stellen muss, das wird sich zeigen. Wünschenswert wäre es allerdings, dass Korngolds Lieder endlich ihren Weg ins Repertoire finden. Denn dort hin gehören sie ohne Zweifel.