Posts mit dem Label Ex Tempore werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ex Tempore werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 17. Februar 2020

Telemann: Aller Augen warten auf dich (cpo)

Musik von Georg Philipp Telemann ist immer wieder hörenswert. Das gilt auch für diesen Mitschnitt von den Magdeburger Telemann-Festtagen 2016. Unter Leitung von Florian Heyerick präsentieren das Solistenensemble Ex Tempore und die renommierte Mannheimer Hofkapelle Kantaten des Komponisten aus einem Jahrgang, der auch als „Concerten-Jahrgang“ gilt. Denn Telemann, musikalisch stets auf der Höhe seiner Zeit, hatte diesen im italienischen Stil geschrieben, nachdem er zuvor einen Kantatenjahrgang im französischen Stil vorgelegt hatte. 
1716/17 entstanden dabei Kirchenmusiken von Advent bis zum 3. Pfingsttag. Die zweite Jahrgangshälfte von Trinitatis bis zum Ende des Kirchenjahres folgte dann aufgrund von Arbeitsüberlastung des Textdichters 1719/20. Ex Tempore und die Mannheimer Hofkapelle stellen auf dieser CD jeweils zwei Kantaten aus den beiden Jahrgangshälften vor, die in unterschiedlichem Maße durch das konzertierende Prinzip geprägt sind. Entdeckenswert und musikalisch lohnenswert sind sie alle – die Aufführung gehörte ohne Zweifel zu den Höhepunkten der Telemann-Festtage 2016. 

Montag, 17. April 2017

Graupner: Das Leiden Jesu (cpo)

Fast 50 Jahre leitete Christoph Graupner (1683 bis 1760) die Darmstädter Hofkapelle. Der Musiker, der unter Johann Schelle und Johann Kuhnau an der Thomasschule in Leipzig gelernt und anschließend an der Pleiße Jura studiert hatte, wurde nach einem kurzen Intermezzo in Hamburg 1709 durch Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt engagiert. Wenig später ernannte ihn sein Dienstherr zum Hofkapellmeister, und als Graupner sich später auf Empfehlung seines Freundes Telemann um das Amt des Thomaskantors bewarb, ließ ihn der Landgraf nicht gehen. 
So blieb Graupner also in Darmstadt bis ans Ende seiner Tage, und schuf großartige Musik, die nach seinem Tode in Vergessenheit geraten ist. Ein glücklicher Zufall sorgte aber dafür, dass die Werke des Komponisten nahezu geschlossen ins landgräfliche Archiv kamen. Dort haben sie die Zeiten überdauert, so dass sie heute allmählich wieder einem staunenden Publikum vorgestellt werden können. 
Wer die Bestände kennt, der weiß, dass da noch so manche Überraschung wartet. Denn Graupners Musik ist nicht nur ausgesprochen originell. Kaum ein zweiter Komponist hat sich zudem so flexibel auf die Fähigkeiten seiner Musiker eingestellt – und derart interessiert auf Anregungen reagiert. Aus seiner Lebensstellung in Darmstadt heraus beobachtete Graupner, was seine Kollegen komponierten, immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. So entwickelte er seine Musik weiter – von ausgesprochen barocken Formen bis hin zu Klängen, die man eher der Frühklassik zuordnen würde. 
Wie Graupner mit Instrumentierung und Klangfarben experimentierte, das lässt sich sehr schön am Beispiel seiner Kantaten beobachten. Die ersten drei der zehn Passionskantaten, die der Komponist im Jahre 1741 für den landgräflichen Gottesdienst geschaffen hat, sind nun bei cpo erschienen. Florian Heyerick hat sich mit seinem Originalklang-Orchester Mann- heimer Hofkapelle sowie dem Solistenensemble Ex Tempore die Wiederentdeckung dieses Kantatenschatzes auf die Fahnen geschrieben, und man darf davon ausgehen, dass weitere Folgen schon bald vorliegen werden. 
Das lohnt sich durchaus; schon die erste Kantate, Erzittre, toll und freche Welt, die den Hörer an die Seite des verzagenden Jesus in den Garten Gethsemane führt, ist ein klangmalerisches Kabinettstück. Hier zeigt sich Graupners besondere Gabe, durch den geschickten Einsatz der jeweils verfügbaren Instrumente ganz erstaunliche Effekte zu erzielen. So ist das Zittern schon zu hören, bevor Tenor Jan Kobow auch nur einen Ton gesungen hat – eine beeindruckende Form der musikalischen Andacht, die von den Musikern der Mannheimer Hofkapelle lustvoll zelebriert wird. 

Montag, 22. Dezember 2014

Deutsche geistliche Barockmusik: Weihnachten (Ricercar)

Weihnachtliche Barockmusik aus Deutschland enthält diese Box. Auf sieben (!) CD bündelt Ricercar eine Serie von Aufnahmen aus den Jahren 1982 bis 2010, die seinerzeit viel Beachtung gefunden hat. Denn es handelt sich oftmals um Welterst- einspielungen, und die Raritäten werden von renommierten Solisten und Ensembles vorgetragen. Zu hören sind beispielsweise Agnès Mellon, Elisabeth Scholl und Amaryllis Dieltjens, Sopran, Henri Ledroit, Countertenor, Lothar Blum und Hans-Jörg Mammel, Tenor, Stefan Geyer, Bariton, Max van Egmond, Bass und Bernard Foccroulle an der Orgel sowie das Ricercar Consort, der Choeur de Chambre de Namur und Les Agrémens, das Ensemble La Fenice, die Capella Sancti Michaelis und die Mannheimer Hofkapelle mit dem Vokalensemble Ex Tempore. 
Es erklingen zum einen Werke aus Mitteldeutschland; dort wirkten „die drei großen S“ - Schütz, Schein und Scheidt – und ihre Schüler sowie Johann Sebastian Bach, der wiederum auch durch die norddeutsche Kirchenmusik stark beeinflusst worden ist. Sie ist hier ebenfalls vertreten durch Protagonisten wie Franz Tunder, Nicolaus Bruhns, Dieterich Buxtehude oder Matthias Weckmann. 
Die reichhaltigen Aufnahmen aus dem Bestand von Ricercar werden ergänzt durch eine Einspielung von Heinrich Schütz' Historia der Geburt Jesu Christi SWV 435, die bei dem Label K 617 erschienen ist. Hervorzu- heben sind zudem die Weihnachtskantaten des Darmstädter Hofkapell- meisters Christoph Graupner. Sein Werk, das neben dem seiner namhaften Zeitgenossen durchaus bestehen kann, befindet sich leider noch immer weitestgehend im Archivschlaf. Desto mehr freut man sich über jede Kantate, die wieder erklingt – und über jede Notenedition, die vorliegt. 

Donnerstag, 29. Mai 2014

Carl Philipp Emanuel Bach: Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu (Hyperion)

Als Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) in Hamburg Nachfolger seines Paten Georg Philipp Telemann im Amt des städtischen Musikdirektors wurde, hatte sich das Oratorium grund- legend gewandelt. Aus Passions- musiken, die anfangs den Bibeltext maximal noch durch Choral- strophen ergänzten, waren Werke geworden, die den Kirchenraum zusehends verließen – und die geistliche Handlung durch fromme Gefühle und andächtige Reflexion ersetzt hatten. Auch von Carl Philipp Emanuel Bach sind drei solcher Oratorien überliefert: Die Israeliten in der Wüste, Die letzten Leiden des Erlösers und Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu
Diese CD enthält das dritte dieser Werke, entstanden nach einem Text von Karl Wilhelm Ramler, der sich damals offenbar großer Beliebtheit erfreute. Denn das Libretto haben auch Graun, Telemann und andere Komponisten vertont. Das Oratorium, das keine Choräle mehr hat, war offenbar für den Konzertsaal bestimmt. Dort wurde es 1774 auch erstmals aufgeführt. Es zeichnet sich durch Expressivität aus. Insbe- sondere die Chöre sind ein Ereignis. Doch auch dem von Sigiswald Kuijken souverän geführten Orchester La Petite Bande und den Sängern lauscht man gern. Stephan Genz, Bass, ist hier gemeinsam mit seinem Bruder, dem Tenor Christoph Genz, zu hören. Er beeindruckt nicht nur durch seine gute geführte, geschmeidige Stimme, sondern auch durch seine sensible Textausdeutung. 

Sonntag, 4. November 2012

J.G. Goldberg Kantaten, J.L. Bach Missa brevis, J.L. Krebs Magnificat (Ricercar)

Zu Bachs Zeiten war es durchaus üblich, dass der Kantor die Gemeinde an jedem Sonntag im Gottesdienst durch eine neue Kantate erfreute. So sind von einigen Kantoren und Kapell- meistern ganze Kantatenjahrgänge überliefert. 
Musik, die am Sonntag in Leipzig erklang, stellt Florian Heyerick mit dem Ensemble Ex Tempore auf dieser CD vor. Er interessierte sich aber nicht für die bekannten Kan- taten des Thomaskantors, sondern für Werke anderer Komponisten, die Johann Sebastian Bach mit den Thomanern im Gottesdienst auf- geführt hat. 
Es ist beispielsweise bekannt, dass Bach öfters Kantaten seines Neffen Johann Ludwig Bach verwendet hat. Es erklangen zudem Werke von Telemann, Fasch, Stölzel, Graun, Kuhnau und vielen anderen Zeit- genossen; mitunter hat Bach sie bearbeitet und ergänzt. Aus diesem großen Fundus hat Heyerick für die vorliegende CD eine Missa brevis von Johann Ludwig Bach sowie Werke von Johann Gottlieb Goldberg und Johann Ludwig Krebs, zwei Bach-Schülern, ausgewählt. 
Zu den Barock-Spezialensembles der allerersten Reihe gehört Ex Tempore nicht; musiziert wird solide, aber wenig differenziert. So gehen musikalische Details unter, und der entstehende Klang-Ein- heitsbrei wirkt auf den Zuhörer nicht gerade inspirierend. Schade.