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Mittwoch, 19. September 2018

Concerti Napoletani per Mandolino (Deutsche Harmonia Mundi)

Mit seinem zweiten Album lädt das Ensemble Artemandoline zu einer musikalischen Zeitreise ein. Sie führt ins Neapel des 18. Jahrhunderts – damals die Hauptstadt des König- reichs beider Sizilien und eine Musikmetropole von europäischem Rang. Neapel hatte viermal (!) soviele Einwohner wie Wien, und die Konservatorien sorgten ebenso wie die Mäzene dafür, dass der musikalische Nachwuchs nicht ausblieb. 
Denn Musik war den Menschen damals wichtig; ob es der Mann auf der Straße war, der bei der Arbeit sang, oder König Karl, der später als Carlos III. in Spanien regieren sollte. Damit möglichst viele Menschen die Stars jener Zeit erleben konnten, ließ er in Neapel ein neues Opernhaus mit sechs Rängen errichten. Es wurde 1737 eröffnet, und es war zu diesem Zeitpunkt das größte der Welt. Doch nicht nur in der Oper gab es eine „neapolitanischen Schule“; auch die Instrumentalmusik Europas wurde durch Musiker aus Neapel mit geprägt. 
Besonders beliebt war dort seinerzeit die Mandoline. Das Ensemble Artemandoline präsentiert auf dieser CD auf Originalinstrumenten der Barockzeit als Weltersteinspielung fünf hörenswerte Konzerte, die zugleich Techniken und Klangsprache der neapolitanischen Mandolinenschule demonstrieren. Die ausgewählten Konzerte von Giovanni Paisiello, Giuseppe Giuliano, Domenico Caudioso und Carlo Cecere beeindrucken durch ihren melodischen Einfallsreichtum und virtuose Finesse. Den Solisten Alla Tolkacheva, Mari Fe Pavón und Juan Carlos Muñoz gibt diese Musik reichlich Gelegenheit, zu brillieren. 

Montag, 20. November 2017

The Violin & the Mandolin: Accomplices and Rivals (Concerto)

Das Ensemble Baschenis stellt auf dieser CD Werke von zwei Virtuosen vor, die Musik für Mandoline komponiert haben. Die Manuskripte, auf denen diese Aufnahmen beruhen, stellte die Gesellschaft der Musik- freunde in Wien zur Verfügung. 
Giovanni Hoffmann gehörte offensichtlich in Wien am Ende des 18. Jahrhunderts zu den besten Mandolinisten. Es wird vermutet, dass er eigentlich Johann Hoffmann hieß; ansonsten ist über seinen Lebensweg reinweg gar nichts bekannt. Auf dieser Doppel-CD erklingen vier Divertimenti für Mandoline, Violine und Basso continuo, die er geschaffen hat. 
Giovanni Francesco Giuliani (1760 bis 1818) war ein Schüler von Pietro Nardini. Er war Geiger, Harfenist, Cembalist und Gesangslehrer, und wirkte in Florenz. Das Ensemble Baschenis hat für dieses Musikprojekt sechs Quartette ausgewählt, die mit Mandoline, Violine, Violoncello und Theorbe besetzt sind. 
Zu hören sind dabei jeweils zwei lombardische Mandolas und zwei neapolitanische Mandolinen, virtuos gespielt von Marco Luca Capucci. In die Geigenparts teilen sich Ruggero Fededegni und Enrico Groppo. Alessandra Milesi spielt das Violoncello, Giorgio Ferraris die Theorbe. 
Und man muss sagen, Giulianis Quartette sind wirklich ausgesprochen reizvoll; in diesen Stücken sind Violine und Mandoline Komplizen – und ihr gemeinsames Anliegen, die Hörer gut zu unterhalten, verwirklichen sie bravourös. 

Mittwoch, 8. Februar 2017

An Italian in Vienna (Sono Luminus)

Als Mauro Giuliani (1781 bis 1829), ein italienischer Gitarrenvirtuose, erkannte, dass in seiner opernverrück- ten Heimat das Publikum nicht für sein Instrument zu begeistern ist, ging er uns Ausland: 1806 ließ er sich in Wien nieder, wo er mit großem Erfolg Konzerte gab, und bald auch als Gitarrenlehrer und als Komponist sehr gefragt war. Giuliani war mit vielen Musikerkollegen befreundet; aller- dings musste er 1819 Wien Hals über Kopf verlassen. Er hinterließ einen Haufen Schulden, und kehrte zurück nach Italien. 
Doch weder in Venedig noch in Rom fand er dieselbe Beachtung wie in Wien. Schließlich orientierte er sich nach Neapel, wo die Bourbonen residierten (und wo er sich um seinen schwer erkrankten Vater kümmern musste). Dort starb er, viel zu früh.  Er schuf etwa 150 Werke, überwiegend für die Gitarre, darunter drei Gitarrenkonzerte. 
Seine Musik kombiniert Wiener Klassik und mediterrane Anmut. Wie stark ihn seine Wahlheimat inspiriert hat, das zeigen Louise Schulman und Bill Zito auf der vorliegenden CD. Zu hören sind das Grand Duo Concertante in A-Dur, op. 85, die Serenade in G-Dur, op. 127, die Grande Sérénade in D-Dur, op. 82 und das Gran Duetto Concertante in A-Dur, op. 52. Diese Werke sind eigentlich für Flöte und Gitarre entstanden. Sie werden hier auf Bratsche und Gitarre vorgetragen, wobei mir diese Variante am besten dort gefällt, wo Louise Schulman nicht versucht, eine Violine zu imitieren, sondern ganz bewusst den tieferen und sonoren Klang ihres Instrumentes einsetzt. Wirklich reizvoll! 

Donnerstag, 11. Oktober 2012

velvet touch (Musicaphon)

Catharina Josepha Pratten (1824 bis 1895) war die Tochter des Gitarristen Ferdinand Pelzer. Sie stammte aus Mülheim an der Ruhr und wuchs in England auf. Schon früh erhielt sie Gitarrenunterricht bei ihrem Vater; sie galt als Wun- derkind, und konzertierte unter anderem mit Giulio Regondi. 
Noch erfolgreicher war die Virtuo- sin aber als Gitarrenlehrerin. Sie unterrichtete unter anderem die Prinzessinnen Louise und Beatrice - insgesamt soll sie gut 1600 Gitar- renschüler ausgebildet haben. Relativ spät heiratete sie Robert Sidney Pratten, einen berühmten Flötisten. Als er 1868 starb, zog sich die Witwe für drei Jahre aus dem Konzertleben zurück. Doch dann nahm sie ihre frühere Tätigkeit in vollem Umfang wieder auf. Pratten konzertierte bis ins hohe Alter; sie komponierte, und sie verfasste Unterrichtswerke. Ihr Erfolgsgeheimnis als Lehrerin war es mögli- cherweise, dass sie nicht versuchte, ihre gutbetuchten Schülerinnen  zu Berufsmusikerinnen zu machen. Wenn diese wenig Zeit zum Üben aufbringen wollten, oder aber wenig Talent hatten, dann griff Pratten zu ihrem Lehrwerk Learning the Guitar Simplified, oder aber zu noch einfacheren Übungen, die den Damen das Spiel auf dem Instrument erleichterten - und ihr in auskömmlicher Art und Weise  den Lebens- unterhalt sicherten. Es ist nicht zuletzt ihr Verdienst, dass die Gitarre in England enthusiastisch gespielt wurde, während sie in Wien schon lang wieder aus der Mode war. 
Als Catharina Pratten 1895 starb, führte ihre Schwester Giulia die Gitarrenschule weiter. Gemeinsam mit Catharina hatte sie übrigens eine umfangreiche Gitarrensammlung aufgebaut; diese umfasst mehr als 45 Instrumente. Zwei davon erwarb der Gitarrist Ulrich Wede- meier. Fasziniert begann er sich mit dem Leben und Werk der Musi- kerin zu beschäftigen. Im Ergebnis entstand dann die vorliegende CD mit Musik von John Abraham Nüske, Mauro Giuliani, Francesco Tárrega - der eine Fantasia sobre motivos de Lucia por Madame R. Sidney Praten komponiert hat - und der Virtuosin selbst, gespielt auf den beiden Gitarren, die sich einst in ihrem Besitz befunden haben. 
Um zu zeigen, dass es sich dabei keinesfalls um Werke handelt, mit denen ein Gitarrenprofi nur seine Zeit verschwendet, vollzieht Wedemeier auch die historische Aufführungspraxis nach, wie sie Pratten in ihren Lehrwerken erläutert hat. Das Ergebnis ist außer- ordentlich hörenswert. Prattens Werke sind, bei allem Gefühl, ziemlich brillant und kraftvoll. Und auch Nüske erweist sich als eine echte Entdeckung. 

Mittwoch, 23. Mai 2012

Giuliani: Scottish & Irish Songs, Studies & Rossiniana (Newton)

Gitarrenwerke von Mauro Giuliani (1781 bis 1829) sind jedem Gitar- risten bekannt. Das liegt in erster Linie daran, dass er eine enorme Menge von Etüden komponiert hat. Solche Stücke ließen sich schon damals, als die Gitarre in Wien erstmals zum Modeinstru- ment avancierte, sehr gut ver- kaufen. Giulianis Werke klingen gut, und man spielt sie gern, was bis heute das Üben erleichtert. Elena Càsoli, Professorin an der Hochschule der Künste Bern, hat 1992 eine Auswahl davon eingespielt. 
Eine weitere CD dieser Box, die insgesamt drei Silberscheiben enthält, gilt den Sei arie nazionali scozzesi und den Sei arie nazionali irlande- si, zwei Zyklen nach schottischen und irischen Volksliedern. Es sind Alterswerke des Komponisten, die Giuliani möglicherweise für Gi- tarrenschüler aus diesen Ländern geschaffen hat. Sie sind selten zu hören, denn professionellen Gitarristen sind die hübschen Stücke wohl zu simpel - doch dass diese "Einfachheit" Schwierigkeiten bei der Gestaltung mit sich bringt, demonstriert hier auf CD 1 Tullia Cartoni. 
Die dritte CD wiederum versammelt einige der Bearbeitungen und Variationen, die der Gitarrenvirtuose nach Werken von Rossini kom- poniert hat. Rossini war damals groß in Mode; die Leute waren ver- rückt nach seinen Melodien - und Giuliani, der mit Rossini befreundet war, lieferte, was das Publikum hören wollte. Diese Werke allerdings sind wirklich keine Anfängerstücke. Und Massimo Scattolin hat hör- bar Vergnügen daran. 

Donnerstag, 15. März 2012

Ensemble Consolazione (Ars Produktion)

Musik für Flöte und Gitarre er- freute sich zur Zeit des Bieder- meier großer Beliebtheit. Insbe- sondere in den Wiener Salons wetteiferten nicht nur die höheren Töchter, sondern auch etliche Virtuosen um die Gunst des Publikums. Einige ihrer Werke haben Karel Valter, Traversflöte, und Jan Tulácek, Gitarre, auf dieser CD zusammengetragen. 
Es erklingen das Gran Duetto Concertante op. 52, die Serenade op. 127 und das Gran Duetto Concertante op. 85 von Mauro Giuliani (1781 bis 1829), zwei der
Six Duos op. 104 von Ferndinando Carulli und die Grande Serenate op. 67 von Anton Diabelli. 

Die beiden jungen Musiker haben bereits während ihres Studiums am Prager Konservatorium die "Alte" Musik für sich entdeckt, und treten seit 1995 gemeinsam als Ensemble Consolazione auf. Fast noch interessanter als das Repertoire, das sie mit der vorliegenden Aufnahme präsentieren, erscheinen die wunderbaren Instrumente, auf denen sie spielen: Karel Valter benutzt die Kopie einer Flöte, die der berühmte Dresdner Flötenbauer August Grenser um 1790 geschaffen hat. Das Original ist aus Ebenholz. Die Kopie hat Martin Wenner in Singen 2005 aus Grenadillholz angefertigt. Jan Tulácek spielt eine Gitarre in alter Mensur von Johann Michael Rudert, Wien 1814. Dieses faszinierende Instrument ist komplett im Original- zustand erhalten; sie wurde von dem Vogtländer, der 1813 nach Wien ging, nach italienischem Vorbild gebaut. 
Dank dieser beiden Instrumente erhalten wir einen Eindruck vom originalen Klang dieser sehr speziellen Art von Salonmusik - und das macht diese Aufnahme interessant. Denn wir können hier diese Un- terhaltungsmusik in ihrer ursprünglichen klanglichen Ausgewogen- heit erleben. Und so wirkt sie wirklich bezaubernd. 

Mittwoch, 23. November 2011

Italia - Heinrich-Albert-Duo (MDG)

Das Heinrich-Albert-Duo hat be- reits diverse CD mit Werken seines Namenspatrons, einem Vertreter der deutschen Romantik, mit Gitarrenduos aus der Frühklassik sowie mit spanischer Gitarren- musik eingespielt. Da ist es nur konsequent, wenn sich Joachim Schrader und Jan Erler nunmehr der Musik italienischer Komponi- sten zuwenden. Dabei beschränken sie sich nicht nur auf die Werke aus dem "Goldenen Zeitalter der Gitar- re", als Solisten wie Ferdinando Carulli (1770 bis 1841), Mauro Giuliani (1781 bis 1829) oder Matteo Carcassi (1792 bis 1853) das Instrument in ganz Europa populär machten.
Auch Vorgänger, die die Musik dieser Virtuosen entscheidend präg- ten - wie Domenico Scarlatti, Domenico Cimarosa und Gioacchino Rossini haben sie in cleveren - teilweise eigenen - Arrangements mit berücksichtigt. Und natürlich darf auch Niccolò Paganini (1782 bis 1840) nicht fehlen, der ja das Publikum nicht nur als Violinist beein- druckte, sondern auch exzellent Gitarre spielte. Schrader und Erler musizieren mit Temperament, Witz und überragender Spielkultur. Phantastisch! 

Sonntag, 30. Oktober 2011

Varie idee sentimentali (Oehms Classics)

Die schönste CD mit Werken von Mauro Giuliani (1781 bis 1829) - und das liegt nicht nur am aus- drucksstarken Spiel von Eduardo Fernández. Der uruguayische Gitarrenvirtuose hat für diese Aufnahme eine überaus kluge Auswahl aus dem Werk seines be- rühmten Kollegen getroffen, die dessen Stärken aufzeigen. "Giulia- nis Werke offenbaren seine fun- dierten Kentnisse über die Mög- lichkeiten auf der Gitarre und deuten auf Virtuosität, Brillanz, Ausdrucksstärke und Gefühl hin, die sein Spiel ausgemacht haben", erklärt Fernández in dem informativen Beiheft. "Seine Werke stehen auch für eine äußerst erfolgreiche Verschmelzung des italienischen Belcanto und der Wiener Klassik." 
So sind Le Rossiniane regelrechte Miniatur-Opern, mit einer eigen- ständigen musikalischen Dramaturgie. Fernández stellt die vierte Rossiniana vor - und lässt auf dieses hochvirtuose Werk die drei Sonatinen op. 71 folgen, "fortgeschrittene Übungen für Anfänger", wie man auf dem Titelblatt der ersten Ausgabe lesen konnte. Dennoch mahnt der Solist, diese kleinen Werke nicht zu unterschätzen. Der musikalische Anspruch dieser Sonatinen, meint Fernández, "ist nicht nur für Anfänger, sondern für jeden Gitarristen außergewöhnlich hoch." 
"Verschiedene sentimentale Ideen", so das Deckblatt der ersten Ausgabe, sind der Kern der Giulianate op. 148. "Der orchestrale Stil und die italienischen Einflüsse der Rossiniane werden hier von einer kammermusikalischen Struktur, einem geradezu intimen und fast bekennenden frühromantischen Stil und einer sehr entwickelten und unverwechselbaren Wiener Form abgelöst", erläutert Fernández, der diese Werke zum ersten Male vollständig auf CD eingespielt hat. Ergänzt werden diese sehr persönlichen Werke durch anspruchsvolle Variationen zu einer Romanze aus der Oper Ruhm und Liebe op. 105 und die brillante Gran Sonata Eroica op. 150. 

Montag, 26. April 2010

Wiener Serenaden (Musicaphon)

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts brach in den europäischen Metro- polen ein regelrechtes Gitarren- fieber aus. Virtuosen reisten umher und konzertierten, und komponierten effektvolle Stücke für "ihr" Instrument. Besonders beliebt war offensichtlich damals die Kombination von Gitarre und Fortepiano.
Doch mit der Mutation der Gitarre vom Konzertinstrument zur "Klampfe" der Wandervögel und mit der Weiterentwicklung des Klavierbaus verschwanden diese Werke ebenso schnell wieder aus dem Repertoire.
Denn diese Besetzung - und das zeigt auch die vorliegende CD deutlich - ist nur mit den Instrumenten jener Zeit attraktiv. Der moderne Konzertflügel und die Konzertgitarre, wie sie heute gespielt wird, unterscheiden sich im Klang und in ihren dynamischen Möglichkeiten derart drastisch, dass an ein Zusammenspiel nicht sinnvoll zu denken ist. Die historische Gitarre und das Fortepiano hingegen erreichen einen erstaunlichen Grad klanglicher Verschmelzung und erscheinen auch dynamisch bestens ausgewogen. 
Maximilian Mangold spielt eine sechssaitige Gitarre nach einem Original von Johann Anton Stauffer (Wien, um 1840), angefertigt 2003 von Bernhard Kresse, Köln. Dieses Instrument ist kleiner und leichter als moderne Konzertgitarren, hat eine kürzere Mensur, eine geringere Halsbreite und wird natürlich auch entsprechend dem historischen Original auf einen Kammerton von 430 Hertz gestimmt. Kristian Nyquist musiziert auf einem Fortepiano, das 2002 in der Werkstatt von Michael Walker, Heidelberg, entstanden ist. Dabei handelt es sich um den Nachbau eines Flügels der europaweit berühmten Wiener Klavierbaumeisterin Nanette Streicher aus dem Jahre 1814, mit einer Wiener Mechanik, wie sie ihr Vater Johann Andreas Stein entwickelt hatte.
Die CD beginnt und endet mit Werken von Anton Diabelli, bei denen vor allem das Fortepiano dominiert. Seine Grande Sonate Brillante op. 102 gibt jedoch beiden Solisten Gelegenheit zu einem virtuosen konzertanten Dialog voll Spielwitz, aber auch zu melodischer Gestaltung. Insbesondere der letzte Satz, eine Pastorale, bietet so manche verblüffende harmonische Wendung.
Die Grandi Variazione e Polonese sulla "Nel cor piú non mi sento"
op. 65 von Mauro Giuliani - bekannt auch in einer Fassung für Streichquartett und Gitarre - erscheint fast wie eines seiner Gitarren- konzerte. Zwar übernimmt das Klavier die Einleitung und einige Zwischenspiele, aber beherrscht wird das Werk ganz eindeutig von der Gitarre. 
Es folgen zwei hübsche Miniaturen  aus der Feder von Caspar Joseph Mertz - Einsiedlers Waldglöckchen und die Barcarole op. 41 sind kurze, romantische Charakterstücke. Die CD endet mit der Sonate pour le Piano Forte et Guitare, op. 71 von Diabelli, einem flotten, heiteren Werk, das vielleicht am ehesten an eine Serenade erinnert. Mangold und Nyquist erweisen sich als exzellente Solisten, die perfekt aufeinander abgestimmt musizieren. Sie machen aus diesen hübschen Biedermeierstücken ein Musikerlebnis. Bravi!

Sonntag, 14. Februar 2010

Giuliani Carulli Schubert - Music for Flute and Guitar (VMS)

Virtuoses für Gitarre und Flöte - und zwar für beide Instrumente gleichermaßen - präsentieren Eugen Bertel, Flöte, und Gitarrist Alexander Swete. Das Duo Con- certant e-Moll op. 25 von Mauro Giuliani entstand ursprünglich für Violine und Gitarre. Das vier- sätzige, durchaus anspruchsvolle Werk dürfte seinerzeit, in den Wie- ner Salons, das Publikum schwer beindruckt haben. Es ist aber ziemlich gefällig, und das schreibe ich hier nicht als Kompliment. 
Die Serenade Nr.3 C-Dur von Ferdinando Carulli zitiert im ersten Satz, Largo, den Marsch der Priester aus Mozarts Zauberflöte. In anschließenden Rondo übernehmen Gitarre und Flöte abwechselnd Melodie und Begleitung. Das ist anspruchsvoll - und sehr reizvoll.
Die Sonate a-Moll "Arpeggione" von Franz Schubert wurde eigentlich für ein Instrument geschrieben, das man sich wie eine Kreuzung aus Gitarre und Violoncello vorstellen kann - es hatte sechs Saiten und Bünde, wurde aber mit dem Bogen gestrichen. Diese Innovation aus der Werkstatt des Wiener Instrumentenbauers Johann Georg Staufer war jedoch ausgesprochen kurzlebig. Sie verschwand binnen weniger Jahre aus dem Musikleben, und wäre heute längst vergessen - wenn nicht dieses Stück wäre, an dem sich nunmehr Cellisten und Bratscher versuchen. 
Diese CD beweist, dass auch die Flöte sich als Alternative zur "guitarre d'amour" ganz exzellent eignet. Die Gitarre übernimmt in diesem Falle den Part des Klaviers. Wenn sie so souverän gespielt wird, wie durch Alexander Swete, dann bringt das Klangfarben, die zu dem Stück durchaus ebenso gut passen wie jene des (Hammer-) Klaviers der Schubert-Zeit. Und auch Eugen Bertel beherrscht seine Flöte brillant, keine Frage. So darf sich der Hörer entspannt zurücklehnen und an diesen musikalischen Kabinettstückchen erfreuen - auch ohne Salon.