Diese CD aus dem Hause Newton erinnert an einen großartigen
Sänger: Simon Estes, Jahrgang 1938, der insbesondere als
Wagner-Bariton internationales Renommee erlangte. Der Afro- amerikaner,
Sohn eines Berg- mannes, studierte ursprünglich Medizin und musizierte
in einer Universitätsband. Dort wurde sein Gesangstalent erkannt,
und er erhielt ein Stipendium für die Juilliard School of Music in
New York.
Er gab sein Debüt 1968 als Oberpriester Ramphis in Verdis Oper
Aida an der Deutschen Oper Berlin, und war bald auf allen bedeutenden
Opernbühnen der Welt zu erleben. So sang er 1978 in Bayreuth die
Titelrolle in Wagners Fliegendem Holländer – in der
Harry-Kupfer-Inszenierung, was für manchen Opernbesucher dort
sicherlich gleich doppelt einen Schock bedeutete. Mit einem
Ausschnitt aus dieser Partie ist Estes auch auf dieser CD zu hören,
die eine Aufnahme aus dem Jahre 1983 wieder zugänglich macht.
Schon hier fällt auf, dass der Sänger nicht nur schön, sondern
auch ausdrucksstark singt. Wie wundervoll sein Bariton insbesondere
auch in der Höhe klingt, und wie italienisch er seine Wagner-Partien
gestaltete, das ist aber besonders gut an zwei Ausschnitten aus der
Walküre festzustellen. Dort ist zugleich Eva-Maria Bundschuh als
Brünnhilde zu hören – wundervoll!
Die Aufnahme endet mit einem Ausschnitt aus Parsifal. Hier ist
Estes als Amfortas zu erleben, gemeinsam mit Heinz Reeh als Titurel.
Es musiziert die Staatskapelle Berlin unter Heinz Fricke, und man
muss wirklich sagen: Nach einer Wagner-Einspielung von solcher
Qualität muss man heute, trotz Jubiläumsjahr, lang suchen. Auch
wenn Estes die deutschen Vokale nicht vollkommen akzentfrei gelingen
– aber man versteht jedes Wort, und die Figuren lässt der Sänger
geradezu vor den Ohren des Zuhörers entstehen. Wie majestätisch er
als Wotan auftritt, wie liebevoll er sich dann von seiner Tochter
Brünnhilde verabschiedet, wie er als Amfortas klagt – das ist
Oper, wie wir sie gern immer hätten. Bravo!
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Samstag, 19. Oktober 2013
Samstag, 17. August 2013
Mozart: Horn Concertos (Newton)
Der niederländische Hornist Ab Koster hat 1992 gemeinsam mit dem Orchester Tafelmusik unter Bruno Weil die Hornkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart einschließlich der diversen Fragmente eingespielt. Dabei bemühten sich die Musiker, dem Original möglichst nahe zu kommen. Dies schloss einerseits die kritische Revision des Noten- textes mit ein. Und obendrein verwendet Koster ein Naturhorn mit Originalbögen, das von Ignaz Lorenz aus Linz am Anfang des 19. Jahrhundert gebaut worden ist. Ähnliche Instrumente dürften seinerzeit Joseph Leutgeb und Jakob Eisen gespielt haben, die Hornisten, für die Mozart seine Konzerte geschrieben hat. Die schöne Aufnahme, ursprünglich bei Sony erschienen, macht Newton Classics nun wieder zugänglich.
Mittwoch, 17. April 2013
Locatelli: L'arte del violino - 24 Capricci (Newton)
Pietro Antonio Locatelli (1695 bis 1764) war einer der großen Violinvirtuosen. Er stammt aus Bergamo, wo er offenbar schon früh in der cappella musicale der Kirche Santa Maria Maggiore gespielt hat. 1711 ging der junge Musiker nach Rom; drei Jahre später berichtet er in einem Brief an seinen Vater, dass er in der Hauskapelle des Fürsten Michelan- gelo I. Caetani musiziert.
Wer ihn unterrichtet hat, das kann man nur vermuten - aber er muss in Rom, wie auch zuvor schon in Bergamo, exzellente Lehrer gefun- den haben. 1721 erschien in Amsterdam Locatellis erstes Werk im Druck, XII Concerti grossi op. 1, gewidmet Kardinal Camillo Cybo.
Locatelli muss durch halb Europa gereist sein, doch es gibt wenig Berichte über seine Auftritte; wer etwas über das Wirken des Vir- tuosen erfahren will, der muss in Hofjournalen, Kassenbüchern und privaten Aufzeichnungen mühsam nach seinen Spuren suchen. So lässt sich rekonstruieren, dass er 1727 in München weilte, und 1728 am preußischen Hof, in Frankfurt/Main und in Kassel musizierte. 1729 ließ sich der Geiger in Amsterdam nieder, wo er bis an sein Lebensende blieb. Er ließ dort seine Werke drucken, unterrichtete und musizierte gelegentlich im privaten Kreis.
Der Katalog seines Nachlasses verrät uns, dass Locatelli damit ein Vermögen erworben hat. Der Musiker besaß nicht nur Kleidung, Hausrat und Musikalien, sondern auch eine umfangreiche Bibliothek und zahlreiche Gemälde.
Die 24 Capricci, die Emmanuele Baldini 1998 eingespielt hat, sind Bestandteil von L'arte del violino op. 3. Es sind virtuose Zugaben zu den zwölf Violinkonzerten, die schon an sich ziemlich anspruchsvoll sind. Leider haben die Capricci später ein Eigenleben entwickelt, was man auch dieser Aufnahme anhört: Sie wurden als Etüden genutzt, und Generationen von Geigern haben an solchen Stücken Finger und Bogenführung perfektioniert - höher, schneller, weiter! Wer diese Werke so spielt, der wird ihnen aber nicht gerecht, und er wird sein Publikum langweilen, statt Faszination und Erstaunen auszulösen.
Wer ihn unterrichtet hat, das kann man nur vermuten - aber er muss in Rom, wie auch zuvor schon in Bergamo, exzellente Lehrer gefun- den haben. 1721 erschien in Amsterdam Locatellis erstes Werk im Druck, XII Concerti grossi op. 1, gewidmet Kardinal Camillo Cybo.
Locatelli muss durch halb Europa gereist sein, doch es gibt wenig Berichte über seine Auftritte; wer etwas über das Wirken des Vir- tuosen erfahren will, der muss in Hofjournalen, Kassenbüchern und privaten Aufzeichnungen mühsam nach seinen Spuren suchen. So lässt sich rekonstruieren, dass er 1727 in München weilte, und 1728 am preußischen Hof, in Frankfurt/Main und in Kassel musizierte. 1729 ließ sich der Geiger in Amsterdam nieder, wo er bis an sein Lebensende blieb. Er ließ dort seine Werke drucken, unterrichtete und musizierte gelegentlich im privaten Kreis.
Der Katalog seines Nachlasses verrät uns, dass Locatelli damit ein Vermögen erworben hat. Der Musiker besaß nicht nur Kleidung, Hausrat und Musikalien, sondern auch eine umfangreiche Bibliothek und zahlreiche Gemälde.
Die 24 Capricci, die Emmanuele Baldini 1998 eingespielt hat, sind Bestandteil von L'arte del violino op. 3. Es sind virtuose Zugaben zu den zwölf Violinkonzerten, die schon an sich ziemlich anspruchsvoll sind. Leider haben die Capricci später ein Eigenleben entwickelt, was man auch dieser Aufnahme anhört: Sie wurden als Etüden genutzt, und Generationen von Geigern haben an solchen Stücken Finger und Bogenführung perfektioniert - höher, schneller, weiter! Wer diese Werke so spielt, der wird ihnen aber nicht gerecht, und er wird sein Publikum langweilen, statt Faszination und Erstaunen auszulösen.
Dienstag, 12. März 2013
Boccherini: String Trios Op. 1 & Symphonies Op. 35 (Newton)
Wie spielt man ein Werk, das ohnehin nicht zu den Spitzen der Musikgeschichte gehört, so ein, dass der Zuhörer vor Langeweile schier einschläft? Das Trio Arcophon zeigt dies exemplarisch an den Streichtrios op. 1 von Luigi Boccherini (1743 bis 1805). Es war, wie man an der Opuszahl erkennen kann, ein frühes Werk, komponiert von dem gerade siebzehnjährigen Musiker.
Boccherini schuf im Laufe seines arbeitsreichen Lebens eine Vielzahl kammermusikalischer Werke - Streichtrios, Quartette und Quintette, Sonaten, doch auch gut 30 Sinfonien. Sechs davon, die als Opus 35 veröffentlicht wurden, erklingen auf CD zwei und drei dieser Box, gespielt von den I Filharmonici di Bologna unter Angelo Ephrikian. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Auch dies ist keine Aufnahme, die man kennen muss.
Boccherini schuf im Laufe seines arbeitsreichen Lebens eine Vielzahl kammermusikalischer Werke - Streichtrios, Quartette und Quintette, Sonaten, doch auch gut 30 Sinfonien. Sechs davon, die als Opus 35 veröffentlicht wurden, erklingen auf CD zwei und drei dieser Box, gespielt von den I Filharmonici di Bologna unter Angelo Ephrikian. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Auch dies ist keine Aufnahme, die man kennen muss.
Samstag, 12. Januar 2013
Paganini: Ghiribizzi for guitar; Baschiera (Newton)

Zwar hat er dieses Instrument nie im Konzert gespielt, doch Nicolò Paganini, der "Teufelsgeiger", war auch ein begnadeter Gitarrist. Er komponierte auch erstaunlich viel Musik dafür, so 37 Sonaten, Quartette und Trios für Streicher und Gitarre, diverse Werke für Violine und Gitarre und zahlreiche kleine Stücke.
Einer Sammlung mit 43 Miniaturen gab Paganini den Titel Ghiribizzi, was man mit Launen oder Schrul- len übersetzen kann. 1990 hat sie der Gitarrist Alfonso Baschiera eingespielt. Diese Werkchen bleiben durchweg in Tonarten, die für Gitarristen bequem zu bewältigen sind. Auch klingen etliche davon wie jene Stücke, die Gitarrenschüler üblicherweise im Unterricht spielen, um Technik und Ausdruck zu verbessern. Das ist kein Wunder: Die Ghiribizzi schuf Paganini für ein kleines Mädchen aus Neapel. Ihr Vater, ein gewisser Signor Botto, war mit Paganini be- freundet und hatte ihn um ein paar kurze Stücke gebeten.
Doch Paganini hat in den Ghiribizzi so manchen musikalischen Scherz versteckt. So bedient er sich bei etlichen populären Werken. Eine bekannte Mozart-Arie wird wohl jeder erkennen. Und die Nummer
37 besteht aus zwei Teilen - der erste ist mit Rossini, der zweite mit Paganini überschrieben. Je mehr sich der Virtuose mit seinem Material beschäftigt, desto anspruchsvoller wird die Musik.
37 besteht aus zwei Teilen - der erste ist mit Rossini, der zweite mit Paganini überschrieben. Je mehr sich der Virtuose mit seinem Material beschäftigt, desto anspruchsvoller wird die Musik.
Gitarrist Baschiera kann leider mit den einfachen Werken nicht viel anfangen; er spielt sie ziemlich lieblos, und ohne sie ansprechend zu gestalten. Wo es schwieriger wird, wächst auch sein Engagement, und er präsentiert die hübschen Stücke zunehmend mit Esprit. Insgesamt aber gehört diese CD nicht zu jenen Aufnahmen, die man unbedingt haben muss.
Samstag, 25. August 2012
Gragnani: Sonatas Op. 8 for violin and guitar (Newton)
Die Gitarre war ein Lieblings- instrument des frühen 19. Jahr- hunderts. Einige der damals ver- ehrten Virtuosen sind uns noch heute ein Begriff – aufgrund von Werken, die stets gern von Gitar- risten gespielt wurden, oder aber auch durch ihre Schüler und Un- terrichtswerke. Andere sind in Vergessenheit geraten.
Dazu gehört beispielsweise Filippo Gragnani (1767 bis 1820). Er stammt aus Livorno, und studierte Komposition und Kontrapunkt bei Giulio Maria Lucchesi, einem Schüler von Piero Nardini. 1801 kam Ferdinando Carulli nach Livorno. Er blieb ein Jahr, und Gragnani ließ sich von der Leidenschaft des Kollegen für das Gitarrenspiel anstek- ken. Er muss von Carulli in dieser Zeit unglaublich viel gelernt haben.
Obwohl einige seiner Werke bei angesehenen Mailänder Verlegern erschienen, wird Gragnani bald festgestellt haben, dass Italien für einen Gitarristen kein übermäßig interessanter Wohnsitz war. Er ging daher über Deutschland nach Paris, wo er 1810 eintraf, und sich – nicht zuletzt dank der Unterstützung durch Carulli – schnell etab- lieren konnte. Die Musiker scheint eine tiefe Freundschaft verbunden haben; beide komponierten Duette, die sie einander widmeten.
Dennoch kehrte Gragnani 1813 nach Livorno zurück, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte. Das Werk des Musikers ist wohl nicht besonders umfangreich; es ist derzeit aber auch noch nicht vollstän- dig erforscht und erschlossen. Die drei Sonaten op. 8 für Violine und Gitarre sind in einem deutschen Verlag erschienen. Sie werden auf dieser CD von Franco Mezzena, Violine, und Massimo Scattolin, Gitarre, vorgestellt. Es sind Werke, die die italienische Liebe zur Melodie mit Elementen des galanten Stils und auch der Wiener Klassik verbinden. Sie sind aber mehr durch Energie und Melos als durch Einfallsreichtum und unerwartete Wendungen gekennzeichnet. Insofern bereitet Gragnanis Musik möglicherweise den Musikern mehr Freude als dem Publikum.
Obwohl einige seiner Werke bei angesehenen Mailänder Verlegern erschienen, wird Gragnani bald festgestellt haben, dass Italien für einen Gitarristen kein übermäßig interessanter Wohnsitz war. Er ging daher über Deutschland nach Paris, wo er 1810 eintraf, und sich – nicht zuletzt dank der Unterstützung durch Carulli – schnell etab- lieren konnte. Die Musiker scheint eine tiefe Freundschaft verbunden haben; beide komponierten Duette, die sie einander widmeten.
Dennoch kehrte Gragnani 1813 nach Livorno zurück, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte. Das Werk des Musikers ist wohl nicht besonders umfangreich; es ist derzeit aber auch noch nicht vollstän- dig erforscht und erschlossen. Die drei Sonaten op. 8 für Violine und Gitarre sind in einem deutschen Verlag erschienen. Sie werden auf dieser CD von Franco Mezzena, Violine, und Massimo Scattolin, Gitarre, vorgestellt. Es sind Werke, die die italienische Liebe zur Melodie mit Elementen des galanten Stils und auch der Wiener Klassik verbinden. Sie sind aber mehr durch Energie und Melos als durch Einfallsreichtum und unerwartete Wendungen gekennzeichnet. Insofern bereitet Gragnanis Musik möglicherweise den Musikern mehr Freude als dem Publikum.
Montag, 2. Juli 2012
Marcello: Sonatas for flute & basso continuo (Newton)
Da in diesem Blog gerade über Be- nedetto Marcello (1686 bis 1739) geschrieben wurde - bei Newton gibt's nun auch sein Opus 2, die zwölf Suonate a flauto solo con il suo basso continuo, so der Titel der Erstveröffentlichung, die 1712 bei Giuseppe Sala in Venedig er- schienen ist. Spätere Drucke wei- sen sie der German Flute or Violin zu - und auch das Trio Legrenzi hat sich bei dieser Aufnahme aus dem Jahre 1990 für die Besetzung mit Querflöte entschieden.
Vasco Magnolato, Flöte, Giuliano Vio am Violoncello und Michele Liuzzi am Cembalo zeigen diese hübschen Werke als ein Spiel mit melodischen Einfällen. Marcello nutzte dafür die Form der Kirchen- sonate, aber er hielt sich nicht sklavisch daran; oftmals baute er beispielsweise Tanzsätze ein, wie sie eigentlich in der damaligen Zeit typisch für die Kammersonate waren. Man sollte diese Werke in ihrem offensichtlichen Streben nach Schlichtheit nicht unterschätzen - edle Einfalt ist in der Musik oftmals das, was am schwierigsten zu gestalten ist.
Vasco Magnolato, Flöte, Giuliano Vio am Violoncello und Michele Liuzzi am Cembalo zeigen diese hübschen Werke als ein Spiel mit melodischen Einfällen. Marcello nutzte dafür die Form der Kirchen- sonate, aber er hielt sich nicht sklavisch daran; oftmals baute er beispielsweise Tanzsätze ein, wie sie eigentlich in der damaligen Zeit typisch für die Kammersonate waren. Man sollte diese Werke in ihrem offensichtlichen Streben nach Schlichtheit nicht unterschätzen - edle Einfalt ist in der Musik oftmals das, was am schwierigsten zu gestalten ist.
Sonntag, 1. Juli 2012
Marcello: Concertos a cinque Op. 1 - 5 Sinfonias (Newton)
Benedetto Giacomo Marcello (1686 bis 1739) war, obwohl eigentlich Jurist, als Komponist fast ebenso angesehen wie sein Bruder Alessandro Marcello. Die beiden entstammten einem vene- zianischen Patriziergeschlecht.
Berichtet wird, man habe Alessan- dro, den älteren der beiden, an- lässlich eines Konzertes gefragt, wie es um die musikalischen Fer- tigkeiten seines Bruders bestellt sei. Er habe geantwortet, dass es damit nicht weit her sei, er könne jedoch nach den Aufführungen zumindest die Noten wieder ein- sammeln. Benedetto aber nahm Unterricht bei Francesco Gasparini und Antonio Lotti - und feierte mit Psalmvertonungen, die unter dem Titel L'Estro Poetico-Armonico 1724 bis 1726 erschienen, europa- weit Erfolge.
1708 hatte er sein Opus 1 publiziert - zwölf Konzerte für Streicher con violino e violoncello obbligati, die hier auf zwei CD vorliegen. Be- denkt man, dass es zu diesem Zeitpunkt vergleichbare Werke, etwa von Vivaldi, Corelli oder Albinoni, noch gar nicht gab, so wird die Kühnheit dieser Concerti erkennbar. Sie sind zwar lang nicht so virtuos wie die Stücke, die die Kollegen später vorlegen sollten. Doch Marcello erfindet wundervolle Melodien, und er experimentiert mit der Harmonik, was sehr reizvolle Effekte hat. Nicht umsonst hat Bach später das zweite Konzert für die Orgel bearbeitet. Ähnlich originell sind Marcellos fünf Sinfonien, die sich hier auf der dritten und letzten CD dieser Box finden.
Es ist durchweg schöne Musik, eingespielt vom Ensemble I Solisti di Milano unter Angelo Ephrikian im Jahre 1967. Man muss es daher hinnehmen, dass der Hörgenuss gelegentlich durch die damals übli- che Aufführungspraxis getrübt wird. So triefen insbesondere die langsamen Sätze geradezu vom Vibrato, das ist schon ganz schön gewöhnungsbedürftig. Wer darüber hinweghören kann, der wird hier dennoch sehr hörenswerte Musik finden.
Berichtet wird, man habe Alessan- dro, den älteren der beiden, an- lässlich eines Konzertes gefragt, wie es um die musikalischen Fer- tigkeiten seines Bruders bestellt sei. Er habe geantwortet, dass es damit nicht weit her sei, er könne jedoch nach den Aufführungen zumindest die Noten wieder ein- sammeln. Benedetto aber nahm Unterricht bei Francesco Gasparini und Antonio Lotti - und feierte mit Psalmvertonungen, die unter dem Titel L'Estro Poetico-Armonico 1724 bis 1726 erschienen, europa- weit Erfolge.
1708 hatte er sein Opus 1 publiziert - zwölf Konzerte für Streicher con violino e violoncello obbligati, die hier auf zwei CD vorliegen. Be- denkt man, dass es zu diesem Zeitpunkt vergleichbare Werke, etwa von Vivaldi, Corelli oder Albinoni, noch gar nicht gab, so wird die Kühnheit dieser Concerti erkennbar. Sie sind zwar lang nicht so virtuos wie die Stücke, die die Kollegen später vorlegen sollten. Doch Marcello erfindet wundervolle Melodien, und er experimentiert mit der Harmonik, was sehr reizvolle Effekte hat. Nicht umsonst hat Bach später das zweite Konzert für die Orgel bearbeitet. Ähnlich originell sind Marcellos fünf Sinfonien, die sich hier auf der dritten und letzten CD dieser Box finden.
Es ist durchweg schöne Musik, eingespielt vom Ensemble I Solisti di Milano unter Angelo Ephrikian im Jahre 1967. Man muss es daher hinnehmen, dass der Hörgenuss gelegentlich durch die damals übli- che Aufführungspraxis getrübt wird. So triefen insbesondere die langsamen Sätze geradezu vom Vibrato, das ist schon ganz schön gewöhnungsbedürftig. Wer darüber hinweghören kann, der wird hier dennoch sehr hörenswerte Musik finden.
Montag, 18. Juni 2012
Galuppi: 25 Harpsichord Sonatas (Newton)
"Vaghezza, chiarezza e buona mo- dulazione", antwortete Baldassare Galuppi (1706 bis 1785) einst auf die Frage nach dem Wesen guter Musik. Der Sohn eines Barbiers aus Burano bei Venedig komponierte mit 16 Jahren seine erste Oper; sie fiel beim Publikum durch. Bene- detto Marcello soll dem jungen Mann geraten haben, Unterricht im Kontrapunkt zu nehmen, und die Oper besser sein zu lassen. Galuppi studierte daraufhin in der Tat Kontrapunkt bei Antonio Lotti, dem Ersten Organisten von St. Markus.
Doch er schrieb auch weiter Opern; zunächst freilich war er damit befasst, die Werke anderer Komponisten für die Aufführung an den Theatern Venedigs einzurichten, wozu auch das Komponieren von Einlagearien gehörte, und das Cembalo zu spielen. Nachdem ihm erster Erfolg mit eigenen Kompositionen beschieden war, wurde er 1740 zum maestro di coro am Ospedale dei Mendicandi ernannt.
Durch die Bearbeitung fremder Werke wurde Galuppi nicht nur mit den Konventionen der Opera seria bestens vertraut, er lernte darüber hinaus auch Werke der Opera buffa kennen, die beispielsweise in Neapel sehr beliebt war. 1749 begann seine Zusammenarbeit mit dem Dichter Carlo Goldoni; innerhalb von acht Jahren entstanden so
15 komische Opern, die sowohl den Librettisten als auch den Musi- ker berühmt machten.
Weniger bekannt ist, dass der Komponist auch geistliche Werke und Instrumentalmusik geschaffen hat. Newton legt nun auf vier CD
25 Cembalosonaten Galuppis vor, eingespielt von Ilario Gregoletto in den Jahren 1190, 1996, 1998 und 2000. Er verwendete dabei ein zweimanualiges Cembalo, wie es von dem französischen Klavierbauer Pierre Donzelague 1711 angefertigt worden ist, in einem Nachbau aus der Werkstatt von Malcolm Rose in Mayfield/Sussex, Großbritannien. Vergleicht man Galuppis Werke mit denen Vivaldis oder Scarlattis, so fällt einerseits ihre schon fast klassische Klarheit auf; der Komponist interessierte sich aber wesentlich mehr für das Spiel mit Klangfarben und melodischen Einfällen als für die disziplinierte Arbeit an der Sonatenhauptsatzform. Das macht seine Sonaten zu regelrechten Miniatur-Opern - und wer genau hinhört, der wird mitunter sogar Charaktere erkennen.
Doch er schrieb auch weiter Opern; zunächst freilich war er damit befasst, die Werke anderer Komponisten für die Aufführung an den Theatern Venedigs einzurichten, wozu auch das Komponieren von Einlagearien gehörte, und das Cembalo zu spielen. Nachdem ihm erster Erfolg mit eigenen Kompositionen beschieden war, wurde er 1740 zum maestro di coro am Ospedale dei Mendicandi ernannt.
Durch die Bearbeitung fremder Werke wurde Galuppi nicht nur mit den Konventionen der Opera seria bestens vertraut, er lernte darüber hinaus auch Werke der Opera buffa kennen, die beispielsweise in Neapel sehr beliebt war. 1749 begann seine Zusammenarbeit mit dem Dichter Carlo Goldoni; innerhalb von acht Jahren entstanden so
15 komische Opern, die sowohl den Librettisten als auch den Musi- ker berühmt machten.
Weniger bekannt ist, dass der Komponist auch geistliche Werke und Instrumentalmusik geschaffen hat. Newton legt nun auf vier CD
25 Cembalosonaten Galuppis vor, eingespielt von Ilario Gregoletto in den Jahren 1190, 1996, 1998 und 2000. Er verwendete dabei ein zweimanualiges Cembalo, wie es von dem französischen Klavierbauer Pierre Donzelague 1711 angefertigt worden ist, in einem Nachbau aus der Werkstatt von Malcolm Rose in Mayfield/Sussex, Großbritannien. Vergleicht man Galuppis Werke mit denen Vivaldis oder Scarlattis, so fällt einerseits ihre schon fast klassische Klarheit auf; der Komponist interessierte sich aber wesentlich mehr für das Spiel mit Klangfarben und melodischen Einfällen als für die disziplinierte Arbeit an der Sonatenhauptsatzform. Das macht seine Sonaten zu regelrechten Miniatur-Opern - und wer genau hinhört, der wird mitunter sogar Charaktere erkennen.
Mittwoch, 23. Mai 2012
Giuliani: Scottish & Irish Songs, Studies & Rossiniana (Newton)
Gitarrenwerke von Mauro Giuliani (1781 bis 1829) sind jedem Gitar- risten bekannt. Das liegt in erster Linie daran, dass er eine enorme Menge von Etüden komponiert hat. Solche Stücke ließen sich schon damals, als die Gitarre in Wien erstmals zum Modeinstru- ment avancierte, sehr gut ver- kaufen. Giulianis Werke klingen gut, und man spielt sie gern, was bis heute das Üben erleichtert. Elena Càsoli, Professorin an der Hochschule der Künste Bern, hat 1992 eine Auswahl davon eingespielt.
Eine weitere CD dieser Box, die insgesamt drei Silberscheiben enthält, gilt den Sei arie nazionali scozzesi und den Sei arie nazionali irlande- si, zwei Zyklen nach schottischen und irischen Volksliedern. Es sind Alterswerke des Komponisten, die Giuliani möglicherweise für Gi- tarrenschüler aus diesen Ländern geschaffen hat. Sie sind selten zu hören, denn professionellen Gitarristen sind die hübschen Stücke wohl zu simpel - doch dass diese "Einfachheit" Schwierigkeiten bei der Gestaltung mit sich bringt, demonstriert hier auf CD 1 Tullia Cartoni.
Die dritte CD wiederum versammelt einige der Bearbeitungen und Variationen, die der Gitarrenvirtuose nach Werken von Rossini kom- poniert hat. Rossini war damals groß in Mode; die Leute waren ver- rückt nach seinen Melodien - und Giuliani, der mit Rossini befreundet war, lieferte, was das Publikum hören wollte. Diese Werke allerdings sind wirklich keine Anfängerstücke. Und Massimo Scattolin hat hör- bar Vergnügen daran.
Eine weitere CD dieser Box, die insgesamt drei Silberscheiben enthält, gilt den Sei arie nazionali scozzesi und den Sei arie nazionali irlande- si, zwei Zyklen nach schottischen und irischen Volksliedern. Es sind Alterswerke des Komponisten, die Giuliani möglicherweise für Gi- tarrenschüler aus diesen Ländern geschaffen hat. Sie sind selten zu hören, denn professionellen Gitarristen sind die hübschen Stücke wohl zu simpel - doch dass diese "Einfachheit" Schwierigkeiten bei der Gestaltung mit sich bringt, demonstriert hier auf CD 1 Tullia Cartoni.
Die dritte CD wiederum versammelt einige der Bearbeitungen und Variationen, die der Gitarrenvirtuose nach Werken von Rossini kom- poniert hat. Rossini war damals groß in Mode; die Leute waren ver- rückt nach seinen Melodien - und Giuliani, der mit Rossini befreundet war, lieferte, was das Publikum hören wollte. Diese Werke allerdings sind wirklich keine Anfängerstücke. Und Massimo Scattolin hat hör- bar Vergnügen daran.
Montag, 9. April 2012
Bach: Brandenburg Concertos; Schreier (Newton Classics)
Bach schrieb die Six Concerts / Avec plusiers instruments. / Dédiées / A Son Altesse Royalle / Monseigneur / Cretien Louis / Marggraf de Brandenbourg, als er noch in Köthen war. Der Adressat der Widmung, Markgraf Christian Ludwig von Brandenburg, war zwar ein Musikfreund, doch das winzige Ensemble, das in seiner Berliner Residenz aufspielte, hätte diese Konzerte niemals aufführen können. Möglicherweise wollte sich Bach aber für andere Aufga- ben in Berlin empfehlen - und da war der Onkel des Preußenkönigs bestimmt eine gute Reverenz. Und obwohl Bach auf ältere Werke zurückgriff, die er umformte und bearbeitete, führte er dabei doch französische und italienische Vorbilder geradezu exemplarisch zu- sammen. Das muss zu Bachs Zeiten kühn und neu gewesen sein.
Das Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach hat 1992 unter der Leitung von Peter Schreier die sechs Konzerte eingespielt. Es ist eine schöne Aufnahme, und man freut sich darüber, dass Newton Classics sie nun wieder zugänglich gemacht hat. Schreier nimmt die schnellen Sätze mitunter rasant. Die langsamen aber sind wunderschön aus- musiziert, insbesondere dort, wo tiefe Streicher beteiligt sind. Und die Solisten, die an der Aufnahme seinerzeit mitgewirkt haben, sind durchweg erstklassig.
Das Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach hat 1992 unter der Leitung von Peter Schreier die sechs Konzerte eingespielt. Es ist eine schöne Aufnahme, und man freut sich darüber, dass Newton Classics sie nun wieder zugänglich gemacht hat. Schreier nimmt die schnellen Sätze mitunter rasant. Die langsamen aber sind wunderschön aus- musiziert, insbesondere dort, wo tiefe Streicher beteiligt sind. Und die Solisten, die an der Aufnahme seinerzeit mitgewirkt haben, sind durchweg erstklassig.
Dienstag, 6. Dezember 2011
Schubert: Late Masses; Sawallisch (Newton)
Wolfgang Sawallisch gilt als musi- kalischer Bürokrat. Wer diese Aufnahmen aus dem Jahre 1971 angehört hat, der wird allerdings diesen Ruf nicht bestätigen. Newton Classics legt hier die Messen Nr. 5 in As-Dur D678 und Nr. 6 in Es-Dur D950 von Franz Schubert wieder vor, die seinerzeit für Universal Music aufgenommen worden sind. Das lohnt sich durchaus, denn die 40 Jahre alte Einspielung hat noch immer ihre Reize.
Das mag nicht zuletzt an dem erstklassigen Ensemble liegen - Solisten wie die Sopranistin Helen Donath, Ingeborg Springer, Mezzosopran, Peter Schreier bzw. Hans-Joachim Rotzsch, Tenor und Theo Adam, Bass hört man immer wieder gern. Auch der Rundfunkchor Leipzig und die Staatskapelle Dresden sowie Christoph Albrecht an der Orgel sind immer wieder hörenswert. Sawallisch zeigt an Schuberts Messen weniger die mystischen Bezüge auf als vielmehr das Ringen des Kom- ponisten um Form und Ausdruck, was ja zu vielen ungewöhnlichen musikalischen Lösungen geführt hat. Das macht Schuberts späte Messen zu Solitären, aber auch immer wieder zu einer Herausforde- rung für alle Beteiligten. Diese Aufnahmen aus den 70er Jahren werden dem erstaunlich gut gerecht.
Das mag nicht zuletzt an dem erstklassigen Ensemble liegen - Solisten wie die Sopranistin Helen Donath, Ingeborg Springer, Mezzosopran, Peter Schreier bzw. Hans-Joachim Rotzsch, Tenor und Theo Adam, Bass hört man immer wieder gern. Auch der Rundfunkchor Leipzig und die Staatskapelle Dresden sowie Christoph Albrecht an der Orgel sind immer wieder hörenswert. Sawallisch zeigt an Schuberts Messen weniger die mystischen Bezüge auf als vielmehr das Ringen des Kom- ponisten um Form und Ausdruck, was ja zu vielen ungewöhnlichen musikalischen Lösungen geführt hat. Das macht Schuberts späte Messen zu Solitären, aber auch immer wieder zu einer Herausforde- rung für alle Beteiligten. Diese Aufnahmen aus den 70er Jahren werden dem erstaunlich gut gerecht.
Montag, 16. Mai 2011
Bach: Magnificat (Newton)
Aufgezeichnet 1993 in der Jesus-Christus-Kirche Berlin - ursprüng- lich für Philipps - begeistert diese Doppel-CD mit einer fast durchweg erstklassigen Besetzung. Zu hören sind Barbara Bonney, Sopran, Bir- git Remmert, Mezzosopran, Rainer Trost, Tenor und Olaf Bär, Bariton, ein hervorragend studierter Rias-Kammerchor und das ebenfalls exzellente Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach unter Lei- tung von Peter Schreier.
Es ist sehr erfreulich, dass Newton Classics diese Aufnahme nun wieder zugänglich macht. Sie ist rundum gelungen, und begeistert besonders, weil sie so ganz auf die Sänger, die menschliche Stimme, und damit auf Bachs Botschaft konzentriert ist. Eine der besten Aufnahmen von Bachs Magnificat, kombiniert mit vier Missae, die selten zu finden sind - meine unbedingte Empfeh- lung!
Es ist sehr erfreulich, dass Newton Classics diese Aufnahme nun wieder zugänglich macht. Sie ist rundum gelungen, und begeistert besonders, weil sie so ganz auf die Sänger, die menschliche Stimme, und damit auf Bachs Botschaft konzentriert ist. Eine der besten Aufnahmen von Bachs Magnificat, kombiniert mit vier Missae, die selten zu finden sind - meine unbedingte Empfeh- lung!
Samstag, 16. April 2011
Bach: Johannes-Passion; Schreier (Newton)
Als Peter Schreier 1988 mit der Staatskapelle Dresden und dem Leipziger Rundfunkchor diese seine erste Interpretation der Johannes- passion einspielte, erregte er damit enormes Aufsehen. Zwar entschied er sich für moderne Instrumente und große Besetzung. Dennoch ach- tete Schreier sehr genau auf den Notentext - und pfiff auf die Tradi- tionen, sowohl die romantischen als auch die historisierenden.
Das Ergebnis ist dramatisch, ein- drücklich, mitunter auch schroff und kantig. Schon im Eingangschor inszeniert Schreier nicht nur die Streicher als Symbol für das ewig fließende Wasser; gegen den Chor, der den Herrn als Herrscher besingt, setzt er die Dissonanzen der Holzbläser, die andeuten, dass es mitunter durchaus Schmerzen bereitet, diesem Gott zu dienen.
Nicht einmal die Choräle spenden Trost - Schreier lässt Bachs Musik und die Passionsgeschichte unbarmherzig voranschreiten. Zugleich aber ist diese Einspielung eine ausgesprochen sängerische. Schreier selbst dirigiert, und singt die Partie des Evangelisten sowie die Tenor-Arien. Dieser Spagat in Gestus und Technik gelingt dem Sänger übrigens erstaunlich gut. Doch auch sonst ist das Ensemble mit Robert Holl als Christus, Roberta Alexander, Marjana Lipovsek und Olaf Bär, Arien, Andrea Ihle als Magd, Ekkehard Wagner als Knecht, Egbert Junghanns als Petrus und Andreas Scheibner als Pilatus sehr solide besetzt. Eine Aufnahme, die Musikgeschichte mit geschrieben hat - und es ist sehr schön, dass sie bei Newton Classics jetzt wieder verfügbar ist.
Das Ergebnis ist dramatisch, ein- drücklich, mitunter auch schroff und kantig. Schon im Eingangschor inszeniert Schreier nicht nur die Streicher als Symbol für das ewig fließende Wasser; gegen den Chor, der den Herrn als Herrscher besingt, setzt er die Dissonanzen der Holzbläser, die andeuten, dass es mitunter durchaus Schmerzen bereitet, diesem Gott zu dienen.
Nicht einmal die Choräle spenden Trost - Schreier lässt Bachs Musik und die Passionsgeschichte unbarmherzig voranschreiten. Zugleich aber ist diese Einspielung eine ausgesprochen sängerische. Schreier selbst dirigiert, und singt die Partie des Evangelisten sowie die Tenor-Arien. Dieser Spagat in Gestus und Technik gelingt dem Sänger übrigens erstaunlich gut. Doch auch sonst ist das Ensemble mit Robert Holl als Christus, Roberta Alexander, Marjana Lipovsek und Olaf Bär, Arien, Andrea Ihle als Magd, Ekkehard Wagner als Knecht, Egbert Junghanns als Petrus und Andreas Scheibner als Pilatus sehr solide besetzt. Eine Aufnahme, die Musikgeschichte mit geschrieben hat - und es ist sehr schön, dass sie bei Newton Classics jetzt wieder verfügbar ist.
Samstag, 29. Januar 2011
Hermann Baumann Collection (Newton Classics)
Die New York Times schrieb einmal über Hermann Rudolph Konrad Baumann, Jahrgang 1934, Hornisten wie er würden - wenn man Glück habe - in jedem Jahr- hundert einmal geboren. Diese Box fasst auf sieben CD seine wichtig- sten Aufnahmen zusammen.
Baumanns Repertoire ist von einer ganz erstaunlichen Breite; es reicht von den Hornkonzerten und Suiten von Georg Philipp Telemann über Mozarts und Haydns großartige Hornkonzerte bis hin zu den Werken Richard Strauss'. Beethoven und Rossini spielt er ebenso überzeugend wie Reinhold Glière, Paul Dukas oder aber die Grande Messe de Saint Hubert, übrigens teilweise stilecht auf Jagdhörnern geblasen.
Wenn das Horn heute ein allseits akzeptiertes Konzertinstrument ist, an das das Publikum hohe Erwartungen hat, dann ist das auch Bau- manns Verdienst. Und das liegt nicht nur an den Scharen von Horni- sten, die er ausgebildet hat. "Nicht die stupende Technik ist das Faszinierende an Baumanns Kunst", schreibt seine Frau Hella, "son- dern seine Wandlungsfähigkeit. Er bläst sein Horn, wie ein großer Sänger singt und darstellt. Wohl nur dem Horn ist eine solche Vielfalt an Klangfarben und Stimmungen eigen, eine solche Fülle von Charak- teren: aufreizend schmetternde Attacke, heldisches Pathos, drama- tischer Gesang, liedhafte Idyllik, melancholische Verhangenheit, feierlicher Sarastro-Ernst, aber auch eulenspiegelige Pfiffigkeit und Ironie." Diese Aufzählung beschreibt auch den Inhalt dieser Box bestens - und wer Hornmusik liebt, der wird davon sehr angetan sein.
Baumanns Repertoire ist von einer ganz erstaunlichen Breite; es reicht von den Hornkonzerten und Suiten von Georg Philipp Telemann über Mozarts und Haydns großartige Hornkonzerte bis hin zu den Werken Richard Strauss'. Beethoven und Rossini spielt er ebenso überzeugend wie Reinhold Glière, Paul Dukas oder aber die Grande Messe de Saint Hubert, übrigens teilweise stilecht auf Jagdhörnern geblasen.
Wenn das Horn heute ein allseits akzeptiertes Konzertinstrument ist, an das das Publikum hohe Erwartungen hat, dann ist das auch Bau- manns Verdienst. Und das liegt nicht nur an den Scharen von Horni- sten, die er ausgebildet hat. "Nicht die stupende Technik ist das Faszinierende an Baumanns Kunst", schreibt seine Frau Hella, "son- dern seine Wandlungsfähigkeit. Er bläst sein Horn, wie ein großer Sänger singt und darstellt. Wohl nur dem Horn ist eine solche Vielfalt an Klangfarben und Stimmungen eigen, eine solche Fülle von Charak- teren: aufreizend schmetternde Attacke, heldisches Pathos, drama- tischer Gesang, liedhafte Idyllik, melancholische Verhangenheit, feierlicher Sarastro-Ernst, aber auch eulenspiegelige Pfiffigkeit und Ironie." Diese Aufzählung beschreibt auch den Inhalt dieser Box bestens - und wer Hornmusik liebt, der wird davon sehr angetan sein.
Montag, 20. Dezember 2010
Bach: Great Choral Works; Münchinger (Newton)
Der Stuttgarter Kantor und Kapellmeister Karl Münchinger (1915 bis 1990) gründete 1945, nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft, das Stutt- garter Kammerorchester. Mit schlanker Besetzung, klanglicher Homogenität, ausgeglichener Dynamik, reduzierten Tempi und handwerklicher Perfektion beein- druckte dieses Ensemble das Publikum, und erwarb sich so innerhalb weniger Jahre weltweit einen ausgezeichneten Ruf.
Münchinger versammelte um sich auch eine ganze Riege erstklassiger Sänger - diese CD mit den großen Chorwerken Bachs gibt davon in herausragender Art und Weise Zeugnis. So singen beispielsweise die Matthäus-Passion Peter Pears als Evangelist, Hermann Prey als Christus, Elly Ameling, Marga Höffgen, Fritz Wunderlich, Tom Krause, Manfred Ackermann und Allan Ahrans. Bei der h-Moll-Messe sind Elly Ameling, Yvonne Minton, Helen Watts, Werner Krenn und Tom Krause zu hören. Und das Weihnachtsoratorium, aufgezeichnet 1966 in der Kirche von Schloss Ludwigsburg bei Stuttgart, singen ebenfalls Peter Pears, Elly Ameling, Helen Watts und Tom Krause. Natürlich enthält die immerhin neun CD starke Box auch das Magnificat BWV 10 und die Johannes-Passion.
Die Aufnahmen sind ein Dokument der Suche nach neuen musika- lischen Wegen zwischen Postromantik und der historischen Auf- führungspraxis. Sie wirken insbesondere in der Wahl der Tempi und in manchen Details der Interpretation mitunter museal, sind teilweise aber auch sehr ausdrucksstark und faszinierend - und man darf nicht vergessen, dass sie mittlerweile gut 40 Jahre alt sind. Dennoch beeindrucken diese historischen Einspielungen durch ihre hohe Qualität; wer sich für Musikgeschichte interessiert, der sollte sie unbedingt in seine Sammlung aufnehmen.
Montag, 6. Dezember 2010
Handel: Messiah (Newton)
Händels Oratorium Der Messias gehört heute zum Standard- repertoire der Kirchenmusik. Dass diesem Werk dauerhaft Erfolg beschieden sein würde, war aber nicht von vornherein abzusehen. Denn in London, wo Georg Fried- rich Händel das Opus nach seiner Premiere in Dublin etablieren wollte, kam Messiah zunächst gar nicht gut an. Die Leute nahmen Anstoß daran, dass Bibelworte im Theater erklangen, dass Zitate aus den Evangelien zur Unterhaltung dienen sollten. Händel zog sich geschickt aus der Affäre - und die Wohltätigkeit half ihm dabei.
Und so wurde Messiah das einzige Oratorium Händels, das zu seinen Lebzeiten außerhalb eines weltlichen Gebäudes erklang. Denn ab 1750 beschloss Händel seine Oratoriensaison in der Fastenzeit mit diesem Werk, und veranstaltete nach Ostern zusätzlich eine weitere Vorstellung in der Kapelle des Foundling Hospital, deren Erlös den Findelkindern zugute kam. Und ganz allmählich verstummten auch die Blasphemie-Vorwürfe.
Die Besetzung, die Händel dabei zur Verfügung stand, war nicht groß. So dokumentiert eine Abrechnung aus dem Jahre 1754, dass bei dem Benefizkonzert für das Foundling Hospital 14 Violinen, sechs Violen, drei Violoncelli, zwei Kontrabässe, vier Oboen, vier Fagotte, zwei Hörner, zwei Trompeten und zwei Pauken verwendet wurden. Der Chor bestand aus ungefähr 20 Sängern, wobei der Sopran von Chor- knaben und der Alt von Countertenören gesungen wurde. Außerdem sangen die Solisten die Chorpartien mit.
Nach Händels Tod wurde das Werk zur Ikone. Bis zu 4000 Choristen und 500 Instrumentalisten kamen zum Musizieren zusammen; und neigte schon Händel dazu, seine Stücke vor jeder Aufführung zu überarbeiten, so wurden für diese Riesenbesetzungen nun weitere Versionen geschaffen. Mozart beispielsweise schuf zusätzliche Begleitstimmen, und auch weniger versierte Zeitgenossen bearbei- teten insbesondere die Orchestrierung, so dass Händels Werk zusehends unter einer dicken Schicht von Aufführungstraditionen verschwand.
Der britische Musikwissenschaftler Julian Herbage (1904 bis 1974) grub die Original-Partituren wieder aus und schuf so die Voraus- setzung für die vorliegende Aufnahme aus dem Jahre 1961, bei der es sich um die jüngere von zwei Einspielungen mit dem London Symphony Chorus und dem London Symphony Orchestra unter Sir Adrian Boult handelt. Die Solopartien sind grandios besetzt mit Joan Sutherland, Sopran, Grace Bumbry, Mezzosopran, Kenneth McKellar, Tenor und David Ward, Bass. An der Continuo-Orgel ist Ralph Downes zu hören, am Cembalo George Malcolm. Und weil noch Platz auf CD drei war, hat das Label noch einige Arien aus anderen Händel-Oratorien mit Dame Joan Sutherland und mit dem wirklich exquisiten Tenor Kenneth McKellar dazugepackt.
Achtung! diese Aufnahme hat Suchtpotential. Und das, obwohl von historischer Aufführungspraxis, von barocker Musik und von leichten, beweglichen Stimmen hier so gar nichts zu finden ist. Immer wieder fragt man sich erstaunt, wieso diese alten Aufnahmen dennoch eine Ausstrahlung haben, die den jüngeren fehlt, obwohl diese doch musikalisch eigentlich so viel besser sind. Mir drängt sich da der Verdacht auf, dass Spannung und Tempo unmittelbar etwas miteinander zu tun haben - und dass eine schnellere Interpretation daher nicht unbedingt auch die spannendere sein muss; da möchte ich doch Bedenken anmelden.
Sir Adrian Boult zelebriert Händels Messiah mit Hingabe, und die Sänger singen nicht nur mit Technik, sondern mit Seele. Das Ergebnis ist von einer Qualität, die noch immer überzeugt - wer eine bessere Aufnahme hören möchte, der kann lange suchen.
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