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Montag, 7. Februar 2022

Berühmte Opernchöre (BR Klassik)

 

Der Chor des Bayerischen Rundfunks fügt dem schon vorhandenen umfangreichen Bestand erstklassiger Aufnahmen eine weitere hinzu: Auf dieser CD demonstrieren die Sängerinnen und Sänger unter Leitung von Ivan Repušić eindrucksvoll, dass sie auch berühmte Opernchöre hinreißend vortragen können. Auch das Münchner Rundfunkorchester hat an diesem Repertoire hörbar Vergnügen. Das abwechslungsreiche Programm reicht von Verdi bis Tschaikowski und von Puccini bis Wagner. 

Dienstag, 21. Mai 2019

Quadro Nuevo - Volkslied reloaded (Sony)

Herzliche Einladung zum großen Volksliederquiz mit dem Quadro Nuevo! Das mehrfach prämierte Weltmusik-Jazz-Ensemble hat die bekannten Melodien neu arrangiert. Mit vielen Gästen und mit dem Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Elisabeth Fuchs spielen die Musiker Evergreens wie Am Brunnen vor dem Tore, Der Mond ist aufgegangen, Hoch auf dem gelben Wagen oder Die Gedanken sind frei. Nicht alles, was sie für diese CD ausgewählt haben, ist heute noch wirklich populär. Einige Lieder, wie Ich fahr dahin, Maikäfer flieg oder Wohlauf in Gottes schöne Welt werden sicherlich nur noch die Experten kennen. 
Und wenn Freunde aus anderen Ländern am Lagerfeuer wie selbstver- ständlich ihre Volkslieder anstimmen, kann unsere junge Generation heute wohl ohnehin nur noch Augen und Ohren aufsperren. Denn man singt nicht mehr, man lässt singen – das Smartphone haben die Kids doch immer dabei. 
Ob sie sich für diese kunterbunte Klangwelt erwärmen können, das darf ebenfalls bezweifelt werden. Denn leichte Kost sind die Arrangements des Quadro Nuevo nicht, egal, wie beschwingt sie daherkommen. Wer sich darauf einlässt, der wird aber witzige Ideen finden. So wird in Servus Habibi bayerische Folklore mit orientalischen Klängen gemixt. Und auch das Trinklieder-Medley hat nicht nur Weingeist mitbekommen. Ein musikalischer Spaß für Insider – raffiniert angerichtet und pikant gewürzt. Aber das wird nicht jedem schmecken. 

Sonntag, 5. Mai 2019

Offenbach Colorature (Alpha)

Koloratur-Arien von Jacques Offenbach (1819 bis 1880)? Da fällt dem Musikfreund sofort Les oiseaux dans la charmille ein, jene ebenso brillante wie stupide Arie der Olympia aus Les contes d’Hoffmann
Der Komponist, der ursprünglich Jakob hieß und in Köln zur Welt kam, war der Sohn eines Kantors. 1833 reiste sein Vater Isaac  mit ihm und seinem Bruder Julius nach Paris, um den talentierten Kindern die bestmögliche Ausbildung zu ermögli- chen. Und obwohl Ausländer eigentlich damals nicht am Conservatoire national studieren durften, gelang es Jakob, eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten. 
1835 erhielt Jacques, wie er sich nun nannte, eine Anstellung als Cellist an der Opéra-Comique. Er begann zu komponieren, und wirkte bald auch als Kapellmeister. Schaut man in seine Noten aus jener frühen Zeit, so fällt auf, dass die Orchester, für die er komponierte, zwar klein waren – aber es muss an nahezu jedem Theater, und war es noch so unbedeutend, exzellente Sängerinnen gegeben haben. Ihr Rollenfach nannte sich chanteuse d'agilité, chanteuse à roulade oder première chanteuse légère – und ihre Virtuosität muss atemberaubend gewesen sein. 
Auf dieser CD stellt die belgische Sopranistin Jodie Devos eine Auswahl an Koloratur-Arien vor, die Jacques Offenbach für diese Sängerinnen geschrieben hat. Der Komponist nutzte die Koloratur gern als Stilmittel für Komik und Spötterei; man höre nur die Arie der Prinzessin, Je suis nerveuse, aus Le Voyage dans la lune. Ganz großes Kino! Devos beherrscht diese hohe Kunst der Stichelei ebenso souverän wie die großen Bögen, die etwa La Mort m'apparaît souriante aus Orphée aux Enfers verlangt. 
Mit Geschmack, Leichtigkeit und beeindruckender Geschmeidigkeit meistert die junge Sängerin Offenbachs musikalische Höhenflüge. Dabei wird sie durch das Münchner Rundfunkorchester unter Laurent Campel- lone aufs Beste begleitet. Ein schönes Geschenk zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach! 

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Joy to the World (BR Klassik)

Einen ganz besonderen Weihnachtszauber verbreitet diese CD, die der Chor des Bayerischen Rundfunks eingespielt hat. Das Programm kombiniert traditionelle Weihnachtslieder, auch aus Polen, Griechenland oder Frankreich, ebenso liebevoll wie aufwendig mit klassischem Repertoire. 
Die meisten Arrangements hat Chorleiter Howard Arman selbst geschrieben. Dabei hat er die bekannten Melodien oftmals kunstvoll bearbeitet und in eine ebenso üppige wie effektvolle Begleitung eingebettet. Das Münchner Rundfunkorchester sorgt für vorweihnachtlichen Glanz, und ist den Chorsängern sowie der Solistin, Sopranistin Chen Reiss, ein zuverlässiger Partner. So wird auf dieser CD hinreißend schön gesungen und musiziert – eine Aufnahme, die man Klassikfreunden mit gutem Gewissen unter den Weihnachtsbaum legen kann. 

Sonntag, 4. Februar 2018

Mendelssohn Bartholdy: Psalmen (BR Klassik)

Fünf breit angelegte und groß besetzte Psalmvertonungen schuf Felix Mendelssohns Bartholdy (1809 bis 1847). Drei davon sind auf dieser CD zu hören, vorgetragen vom Chor des Bayerischen Rundfunks und dem Münchner Rundfunkorchester unter Leitung von Howard Arman. Es handelt sich dabei um einen Live-Mitschnitt vom Dezember 2016 aus dem Münchner Prinzregententhea- ter. Solisten des Abends waren Julia Winkel, Sopran, Hanne Weber, Alt, Julian Prégardien, Tenor und Krešimir Stražanac, Bassbariton. 
Howard Arman verzichtet auf allzu üppige Emotionswogen. Er setzt mit dem zu Recht hochgelobten Ensemble in erster Linie auf Ausdruck, und dann erst auf Schönklang, und wird damit dem Anliegen des Komponisten ganz sicher gerecht. Denn hinter dem Schaffen Felix Mendelssohn Bartholdys sind die musikalischen Traditionen immer präsent. Das macht Arman auch deutlich. 
Non nobis Domine für Soli, Chor und Orchester op. 31 basiert auf Versen aus dem 115. Psalm. Es wird vermutet, dass Mendelssohn an diesem Werk während seines ersten Englandaufenthalts 1829 arbeitete; bei dieser Gelegenheit studierte er in London Handschriften Händels, was ihn hörbar inspiriert hat. 
Die Vertonung des 42. Psalms, Wie der Hirsch schreit op. 42, ein umfang- reiches, kantatenartiges Werk für Sopran, Chor und Orchester, schrieb Mendelssohn 1837 auf seiner Hochzeitsreise. Sie gehört bis heute zu den bekanntesten Chorwerken des Komponisten. 
In seiner Position als Generalmusikdirektor des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. – der die Kirchenmusik reformieren wollte und dabei die Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts als Ideal betrachtete – schuf Mendelssohn Singet dem Herrn ein neues Lied op. 91, eine Vertonung des 98. Psalms. Sie wurde 1844 am Neujahrstage durch den neu zusammengestellten Berliner Domchor aufgeführt, und erinnert zunächst an historische Vorbilder: Ein achtstimmiger A-cappella-Gesang, doppelchörig, den Text deklamierend wie weiland Heinrich Schütz. Allerdings wagte es Mendelssohn dann, den Herrn auch tatsächlich mit Harfen, Trompeten und Posaunen zu loben – was bei der Geistlichkeit damals wohl wenig Begeisterung auslöste. Bei allen nachfolgenden Werken für den Domchor jedenfalls ließ der Komponist die Sänger ohne Instrumentalisten antreten. 
Wie sehr Felix Mendelssohn Bartholdy die deutsche Chortradition geprägt hat, demonstriert noch ein anderes Werk auf dieser CD: Verleih uns Frieden gnädiglich, ein kurzes Gebet nach Worten Martin Luthers für Chor und Orchester, gehört zu einer Folge von acht Choralkantaten, die Zeugnis geben von der intensiven Beschäftigung des jungen Musikers mit dem Werk Bachs. 
In der Familie Mendelssohns war die Erinnerung an den großen Meister stets präsent. So war seine Großtante Sara Levy eine Schülerin Carl Philipp Emanuel Bachs, und seine Großmutter Bella Salomon eine Schülerin Kirn- bergers. 1823 hatte sie ihrem Enkel eine Abschrift der Matthäuspassion geschenkt; 1829 leitete Mendelssohn die erste Aufführung dieses Werkes nach dem Tode Bachs – mit der Sing-Akademie zu Berlin, und gegen alle Bedenken ihres Gründers und seines Lehrers Carl Friedrich Zelter. Doch das ist eine andere Geschichte. 
Diese CD endet mit Hear my Prayer, einem Wechselgesang zwischen Sopran und Chor nach dem 55. Psalm, den Felix Mendelssohn Bartholdy für eine Aufführung in London geschaffen hat. Das Werk wurde zunächst durch eine Orgel begleitet; hier ist allerdings die Orchesterfassung zu hören, die der Komponist 1847 anfertigte. 

Samstag, 23. Dezember 2017

Sven Nordqvist: Das Geheimnis der Weihnachtswichtel (Igel Records)

Eine bezaubernde Geschichte aus der schwedischen Wichtelwelt plus stimmungsvolle klassische Klänge – das bietet diese CD, mit Sprecher Stefan Wilkening und dem Münchner Rundfunkorchester unter Leitung von Olivier Tardy. 
Unsere Jungs, obwohl dem Hörspiel- alter eigentlich – jedenfalls nach eigenem Bekunden – schon fast entwachsen, haben sie neugierig angehört. Denn auch Wichtel lieben das Weihnachtsfest. Und ganz besonders lieben sie eine große Schale mit Reisbrei, die ihnen die Menschen jedes Jahr zu Heiligabend hinstellen, um sich für die guten Taten der Wichtel zu bedanken. 
Diese Idylle allerdings ist in Gefahr, denn die Menschen nehmen die fleißigen kleinen Helfer immer weniger wahr. Und die Bescherung bringt neuerdings der Weihnachtsmann, was die alten Bräuche zunehmend in Vergessenheit geraten lässt. Sven Nordqvist, dem wir auch all die herrlichen Bücher um den alten Pettersson und seinen Kater Findus ver- danken, erzählt in dieser charmanten Geschichte, wie die Wichtelmutter das Fest und die gute Laune des Wichtelvaters doch noch rettet. Es wird knapp, aber am Ende können alle fröhlich feiern. 

Sonntag, 2. April 2017

Fritz Wunderlich (BR Klassik)

Noch einmal Fritz Wunderlich: Auf dieser CD, die von BR-Klassik anlässlich seines 50. Todestages veröffentlicht wurde, sind bislang nicht veröffentlichte Rundfunkauf- nahmen aus den Jahren 1959 bis 1965 zu hören. Die Mitschnitte eini- ger Münchener Sonntagskonzerte und die Studioaufnahmen des Bayerischen Rundfunks zeigen den Sänger auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn, die dann leider viel zu früh beendet war. 
Diese CD zeigt, dass Wunderlich auch die sogenannte „leichte Muse“ nicht verschmähte. Im Gegenteil – mit seinen überragenden Fähigkeiten und seinem unverwechselbaren Timbre engagierte sich der Tenor für die Operette oder die deutsche Spieloper. So dürfen wir ihn noch heute auf dieser CD hören mit bekannten Melodien wie Lebe wohl, mein flandrisch Mädchen aus Albert Lortzings Zar und Zimmermann, Horch, die Lerche singt im Hain aus Die lustigen Weiber von Windsor von Otto Nicolai sowie Liedern aus einst sehr populären Operetten von Franz Lehár, Johann Strauß, Leo Fall und Eduard Künnecke – und natürlich mit Robert Stolz' berühmtem Hit Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau'n
Wunderlich singt all dies mit der gleichen Intensität und Sorgfalt, mit der er auch Mozarts große Tenorpartien gestaltete. Selbst Schlager klingen, wenn der Tenor sie vorträgt, gar nicht kitschig und albern. An vielen kleinen Details wird man immer wieder feststellen, was für ein großer Sänger Fritz Wunderlich war – und welch ein Verlust sein früher Tod nach einem Treppensturz 1966. 

Donnerstag, 17. Januar 2013

Rolando Villazón sings Verdi (Virgin Classics)

Nahezu zeitgleich mit dem Album, das zuvor in diesem Blog vorge- stellt worden ist, erschien eine sehr ähnliche Auswahl mit Verdi-Arien bei Virgin Classics. Dieses Kuriosum beruht darauf, dass Rolando Villazón bis 2007 bei EMI Records unter Vertrag stand. 
In den Archiven dieses Labels befinden sich etliche Aufnahmen aus jenen Anfangsjahren, in denen der Sänger noch im Vollbesitz seiner stimmlichen Mittel war - und sie schonungslos zu Markte getragen hat. So hat Virgin Classics nun Arien daraus zusammengefasst, und man stellt fest, dass die Auswahl jener stark ähnelt, die auch die Deutsche Grammophon veröffentlicht hat. Wer möchte, der kann vergleichen. In jedem Falle wird der Hörer zwar feststellen, dass das Münchner Rundfunkorchester unter Marcello Viotti bzw. besonders unter Michel Plasson sowie das Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Roma, unter Antonio Pappano in einer anderen Liga spielen. Und er wird frustriert fest- stellen, dass nach knapp 38 Minuten Schluss ist - und dass Virgin Classics auch beim Beiheft gespart hat. Das wiederum ist schade. 

Donnerstag, 31. Mai 2012

Mayr: La Lodoiska (Oehms Classics)

Johann Simon Mayr (1763 bis 1845) gilt als Vater der italieni- schen Oper. Diesen Beinamen gab ihm kein geringerer als sein Freund Rossini - und dennoch fielen der Komponist ebenso wie die gut
60 Opern, die er geschaffen hatte, nach seinem Tode sehr schnell dem Vergessen anheim. Zu Lebzei- ten freilich wurde Mayr in ganz Europa gefeiert. 

Zu seinen großen Erfolgen gehörte La Lodoiska. Diese Oper erzählt die Geschichte einer tapferen Polin, die in einer Burg an der polnisch-tatarischen Grenze gefangengehal- ten und vom Burgherrn bedrängt wird. Doch sie liebt nun einmal Lovinski, und da hat Palatin Boleslao schlechte Karten. Dieses Werk nach einem Libretto von Francesco Gonella, das natürlich mit der Befreiung des jungen Paares aus den Ketten des Tyrannen endet, wurde 1796 in Venedig erstmals aufgeführt. 1799 erklang die Oper, die später übrigens die Lieblingsoper Napoleons wurde, in einer überarbeiteten Fassung erstmals in Mailand, und Mayr wurde dort gefeiert. 
Es ist erfreulich, dass das Notenmaterial nun bei Ricordi wieder er- hältlich ist; vielleicht nimmt sich ein Opernhaus des Stückes an. Musikalisch zumindest ist das Werk ergiebig, wie diese Aufzeichnung einer konzertanten Aufführung aus dem Jahre 2010 im Theater Ingol- stadt beweist. Dort erklang La Lodoiska erstmal wieder, aufgeführt von einem sehr ordentlichen Solistenensemble, dem Männerchor des Prager Philharmonischen Chores und dem Münchner Rundfunk- orchester, geleitet von George Petrou vom Hammerflügel aus.  

Freitag, 30. Dezember 2011

Humperdinck: Dornröschen (cpo)

Mit der Oper Hänsel und Gretel sicherte sich Engelbert Humper- dinck (1854 bis 1921) seinen Platz im Spielplan bis zum heutigen Ta- ge. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit erfreut nahezu jedes Opernensem- ble in Deutschland sein kleines Publikum mit der Geschichte der beiden tapferen Kinder, die die tückische Hexe überwinden, und aus dem finsteren Wald zurück in ein Elternhaus finden, dass einem gleich sehr viel weniger trostlos erscheint.
Es ist wenig bekannt, dass der Komponist neben diesem Erfolgsstück auch noch weitere Märchenopern geschaffen hat. Eine davon er- schien nun bei dem Label cpo: Dornröschen basiert auf einem Libretto der Berliner Jugendbuchautorin Elisabeth Ebeling, das sie mit Unterstützung ihrer Freundin Bertha Lehmann-Filhés verfasst und 1895 an den Komponisten gesandt hatte.
Doch der verspürte offenbar wenig Lust, die betulichen Verse zu vertonen. Erst nachdem Humperdinck 1900 einen Ruf an die preußische Akademie der Künste erhalten und Ebeling der gesamten Familie Quartier in ihrer Villa gewährt hatte, sah er sich genötigt, das Werk in Musik zu setzen. 1902 wurde das "Ausstattungsstück mit allerhand Musik", wie es Humperdinck selbst ironisch nannte, schließlich in Frankfurt/Main uraufgeführt. 
Die Frankfurter Zeitung urteilte damals, das Werk sei ein "Virtuosen- stück für den Dekorationsmaler und Theatertechniker". Denn die Dichterin hat das bekannte Märchen der Gebrüder Grimm erheblich ergänzt. Da gibt es einen Prinzen Reinhold, mit dem die Prinzessin verlobt werden soll - bevor sie in den Schlaf sinkt, wohlgemerkt - und nach den hundert Jahren wird sie sein Enkel, der ebenfalls Reinhold heißt, erlösen. Allerdings muss dieser dazu nicht nur die Dornenhecke überwinden, sondern auch die verlorengegangenen Verlobungsringe wieder auftreiben, und den Verführungskünsten der bösen Fee Dämonia widerstehen. Schafft er das nicht pünktlich bis zum Ende der Frist, stirbt Prinzessin Röschen - und mit ihr der ganze schlummernde Hofstaat. Natürlich hat das Märchen ein Happy End, doch zuvor muss der Held bis zu den Sternen reisen, um dann im Reich der Zwerge - Nibelheim lässt grüßen - die Ringe aufzuspüren. 
Durch diese Erweiterung der eigentlichen Dornröschen-Geschichte erhält das Märchen eine philosophische Dimension: Prinz Reinhold wird sein eigentlicher Held, und er muss Treue, Mut und Einsatz zeigen, um die Prinzessin zu retten. In zahlreichen Details dieser Handlung wird das Vorbild Wagner sichtbar, in Humperdincks Musik allerdings eher ironisch gebrochen. Und in den eher melodramati- schen Abschnitten, wo gesprochene Dialoge durch Musik kontrastiert werden, meint man gelegentlich sogar, die gute alte Operette kichern zu hören. 
Die Dimension eines Singspiels für Kinder jedenfalls sprengt die Handlung dieses "Märchens in einem Vorspiel und drei Akten". Und die umfangreiche Besetzungsliste hat sicherlich auch mit dazu bei- getragen, dass das Werk sich im Repertoire nicht halten konnte. Es ist dennoch schön, dass das Münchner Rundfunkorchester sowie der Chor des Bayerischen Rundfunks mit einer ausgewogenen Solisten- riege unter der musikalischen Leitung von Ulf Schirmer das Werk nun auf CD zugänglich gemacht hat. Auf die Bühne zurück wird es wohl eher nicht finden. 

Sonntag, 27. März 2011

Brahms: Ein deutsches Requiem; Albrecht (Oehms Classics)

Diese CD ist der Live-Mitschnitt des Benefizkonzertes in der Phil- harmonie im Gasteig, München, aus Anlass des Todestages von Dominik Brunner. Doch wer nun lediglich eine weitere Aufnahme des Brahms-Requiems befürchtet, die sich in die leider ziemlich lange Reihe belangloser Interpretatio- nen einreiht, der wird schon bald die Ohren spitzen. 
Denn die Sänger sind ein Ereignis, allen voran Ruth Ziesak, die ihren Part als eine Folge großer Melo- diebögen gestaltet, die silbrig und schwerelos emporsteigen, ganz so, als wäre Singen nicht mit Mühe und Arbeit verbunden. Das ist so klug angelegt und technisch so perfekt - so überirdisch schön hat man den Trost noch nie empfangen, den das Brahms-Requiem spendet. Bariton Konrad Jarnot erweist sich ebenfalls als gute Besetzung. Im Zentrum dieser Interpretation aber stehen ganz klar die Sängerinnen und Sänger des Münchner Bach-Chores, der 1954 von dem legendären Karl Richter gegründet wurde, und seit 2005 von Hansjörg Albrecht geleitet wird. Dieser Chor singt mit einer Geschmeidigkeit und Transparenz, wie sie beim Brahms-Requiem noch nicht zu hören war. 
Am Anfang steht für meinen Geschmack etwas zu viel Lautstärke. Aber dort, wo die Musiker des Münchner Rundfunkorchesters nebst Friedemann Winklhofer an der Orgel nicht gar zu entfesselt loslegen, gelingt Albrecht eine Aufführung von geradezu kammermusikalischer Durchhörbarkeit und Flexibilität. Das ist wirklich beeindruckend, und spätestens ab "Wie lieblich sind deine Wohnungen" fasziniert diese Aufnahme durch ihre Intensität. Grandios! 

Donnerstag, 16. September 2010

Franz Lehár: Der Zarewitsch (cpo)

Zarewitsch Aljoscha soll heiraten. Doch von "Weibern" hält der russi- sche Thronfolger gar nichts. Damit er seine Meinung ändert, schiebt ihm der Hof eine Tänzerin unter, die ihn in gewissen Dingen unter- weisen soll. 
Dummerweise verlieben sich die beiden ineinander, und statt brav und standesgemäß zum Altar zu schreiten, flüchtet der Erbe mit der Freundin nach Italien. Erst der Verweis auf die Staatsraison bringt ihn zur Vernunft - und auch die Tänzerin Sonja zum Verzicht auf eine sangestrunkene Liebe. 
Franz Lehár, unter den Komponisten unangefochten der König im Reich der Operette, hat die Partie des Zarewitsch seinerzeit dem Tenor Richard Tauber auf den Leib geschneidert. Wer sich also an dieses farbenreiche, musikalisch sehr anspruchsvolle, aber ansonsten nicht übermäßig spannende Stück heranwagt, der weiß, worauf er sich einlässt. 
In dieser Einspielung sind die vier wesentlichen Partien durchweg mit jungen Sängern besetzt, die sämtlich durch ein angenehmes Timbre und sichere Intonation gefallen. Alexandra Reinprecht singt die Sonja, Matthias Klink den Zarewitsch, Christina Landshamer die Mascha und Andreas Winkler den Leibdiener Iwan. Alle anderen Partien sind Sprechrollen. Es singt zudem der Chor des Bayerischen Rundfunks, und es spielt das Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer. Eine solide Einspielung, die man gut anhören kann.