Klarinetten, Klarinetten, Klarinetten! Und zwar ein ganzes Orchester davon – der Imep Namur Clarinet Choir besteht aus aktiven und ehemaligen Studenten der Klarinettenklasse des Institut Supérieur de Musique et de Pédagogie.
Die belgische Hochschule macht offenbar einen ausgezeichneten Job; dieses Ensemble jedenfalls musiziert großartig. Es erklingen Melodien aus bekannten italienischen Opern, attraktiv arrangiert und mit hinreißendem Esprit vorgetragen. Die Solisten sind ebenso erstklassig wie die Chormitglieder; auch am Pult wechselt mehrfach die Besetzung. Grandios! Diese CD ist eine würdige Festgabe zum 50jährigen Bestehen des Imep in diesem Jahr.
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Dienstag, 10. März 2020
Montag, 20. Mai 2019
Blue Hour (Deutsche Grammophon)
Musik für die blaue Stunde präsentiert Andreas Ottensamer auf dieser CD. Um die ganz besondere Stimmung jener kurzen Zeitspanne zwischen dem Sonnenuntergang und der nächtlichen Dunkelheit in Klängen zu vermitteln, wählte der Klarinettist romantische Musik von Johannes Brahms, Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn Bartholdy.
Kernstück des Albums ist Webers Klarinettenkonzert Nr. 1 in f-Moll. Ottensamer musiziert gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern, dirigiert von Mariss Jansons. Man kennt sich, und man schätzt sich – Ottensamer, der einer Klarinettistendynastie entstammt, ist seit 2001 Soloklarinettist des Orchesters.
Mindestens ebenso interessant sind aber die anderen Stücke des Programmes, die Ottensamer zusammen mit der Pianistin Yuja Wang vorträgt. Schon bei Brahms' Intermezzo in A-Dur, in einem Arrangement von Nicolai Popov, zeigt sich, welch betörende Gesangslinien die Klarinette in den Abendhimmel zu schicken vermag. Diese Sanglichkeit sowie ein faszinierendes Spektrum an Klangfarben fasziniert auch bei Mendelssohns Liedern ohne Worte, die Andreas Ottensamer selbst für Klarinette und Klavier bearbeitet hat – allerdings in einem dynamischen Prozess, wie der Musiker im Beiheft berichtet: „Ich hatte zunächst ein Arrangement gemacht, das von der Struktur her durchaus funktionierte“, so Ottensamer. „Dann habe ich es gemeinsam mit Yuja durchgespielt und geprobt und dabei sind nochmal komplett neue Ideen und Ansätze entstanden. Zum Beispiel dachte ich zunächst bei einer bestimmten Passage, es wäre schön, wenn das Klavier die Melodie übernimmt. Aber als wir das zusammen probten, entschieden wir, diese Linie zusammen unisono zu spielen. An anderer Stelle erwies es sich wiederum als interessanter, wenn Yuja allein übernimmt. Diese Flexibilität ist ein Luxus, den man nur hat, wenn man selbst arrangiert.“
Aus den Originalnoten spielte Ottensamer hingegen Brahms' Lied Wie Melodien zieht es mir, den Text stets vor Augen. „Dieser Text ist im wahrsten Sinne des Wortes sehr blumig, es geht um Blüten, Düfte, um den Hauch – was sich ja wunderbar verbindet mit dem Klarinettenton“, so der Musiker. Johannes Brahms ist für Ottensamer ohnehin der romanti- sche Komponist.
Wie das Klarinettenkonzert, so schrieb Weber seinerzeit auch das Grand Duo für Klarinette und Klavier für den grandiosen Solisten Heinrich Joseph Baermann. Ottensamer sieht darin eine Hommage an die italieni- sche Oper: „Was mir besonders gefällt, ist, dass Weber im Seitenthema des ersten Satzes einen Gassenhauer zitiert. Der Text lautet: 'Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht'. Die Melodie ist dieselbe, aber in einem anderen Metrum. Und daran sieht man den Charme, den Weber immer hat, der aber oft untergeht in der Wahrnehmung“, so der Musiker. „Gerade für die Klarinettisten gilt dieses Stück als hochseriöses Kernstück des Repertoires. Da entsteht dann die Gefahr, dass man die Leichtigkeit und den Witz vergisst.“
Ottensamer nimmt daher das Werk eher heiter und beschwingt als gewichtig-pathetisch. Gemeinsam mit Yuja Wang schwelgt er in herrlichen Melodielinien, lässt die Töne schweben – und bevor der Zuhörer gar zu sehr in schwärmerische Stimmung gerät, würzen die beiden Musiker ihren Vortrag dann ab und zu auch mit einer winzigen Prise Ironie. Sehr gelungen!
Kernstück des Albums ist Webers Klarinettenkonzert Nr. 1 in f-Moll. Ottensamer musiziert gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern, dirigiert von Mariss Jansons. Man kennt sich, und man schätzt sich – Ottensamer, der einer Klarinettistendynastie entstammt, ist seit 2001 Soloklarinettist des Orchesters.
Mindestens ebenso interessant sind aber die anderen Stücke des Programmes, die Ottensamer zusammen mit der Pianistin Yuja Wang vorträgt. Schon bei Brahms' Intermezzo in A-Dur, in einem Arrangement von Nicolai Popov, zeigt sich, welch betörende Gesangslinien die Klarinette in den Abendhimmel zu schicken vermag. Diese Sanglichkeit sowie ein faszinierendes Spektrum an Klangfarben fasziniert auch bei Mendelssohns Liedern ohne Worte, die Andreas Ottensamer selbst für Klarinette und Klavier bearbeitet hat – allerdings in einem dynamischen Prozess, wie der Musiker im Beiheft berichtet: „Ich hatte zunächst ein Arrangement gemacht, das von der Struktur her durchaus funktionierte“, so Ottensamer. „Dann habe ich es gemeinsam mit Yuja durchgespielt und geprobt und dabei sind nochmal komplett neue Ideen und Ansätze entstanden. Zum Beispiel dachte ich zunächst bei einer bestimmten Passage, es wäre schön, wenn das Klavier die Melodie übernimmt. Aber als wir das zusammen probten, entschieden wir, diese Linie zusammen unisono zu spielen. An anderer Stelle erwies es sich wiederum als interessanter, wenn Yuja allein übernimmt. Diese Flexibilität ist ein Luxus, den man nur hat, wenn man selbst arrangiert.“
Aus den Originalnoten spielte Ottensamer hingegen Brahms' Lied Wie Melodien zieht es mir, den Text stets vor Augen. „Dieser Text ist im wahrsten Sinne des Wortes sehr blumig, es geht um Blüten, Düfte, um den Hauch – was sich ja wunderbar verbindet mit dem Klarinettenton“, so der Musiker. Johannes Brahms ist für Ottensamer ohnehin der romanti- sche Komponist.
Wie das Klarinettenkonzert, so schrieb Weber seinerzeit auch das Grand Duo für Klarinette und Klavier für den grandiosen Solisten Heinrich Joseph Baermann. Ottensamer sieht darin eine Hommage an die italieni- sche Oper: „Was mir besonders gefällt, ist, dass Weber im Seitenthema des ersten Satzes einen Gassenhauer zitiert. Der Text lautet: 'Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht'. Die Melodie ist dieselbe, aber in einem anderen Metrum. Und daran sieht man den Charme, den Weber immer hat, der aber oft untergeht in der Wahrnehmung“, so der Musiker. „Gerade für die Klarinettisten gilt dieses Stück als hochseriöses Kernstück des Repertoires. Da entsteht dann die Gefahr, dass man die Leichtigkeit und den Witz vergisst.“
Ottensamer nimmt daher das Werk eher heiter und beschwingt als gewichtig-pathetisch. Gemeinsam mit Yuja Wang schwelgt er in herrlichen Melodielinien, lässt die Töne schweben – und bevor der Zuhörer gar zu sehr in schwärmerische Stimmung gerät, würzen die beiden Musiker ihren Vortrag dann ab und zu auch mit einer winzigen Prise Ironie. Sehr gelungen!
Samstag, 29. April 2017
von Weber: Complete works for clarinet (Berlin Classics)
„Als Interpret stellt man sich der Aufgabe, die ,perfekte' Gratwande- rung zwischen Texttreue und künstlerischer Freiheit zu meistern und zugleich die Grenzen des ,Erlaubten' auszuloten“, schreibt Sebastian Manz. Dazu ist viel Wissen und Können erforderlich, denn jede Zeit hatte ihre eigenen Auffassungen dazu, wie mit dem Notentext umzu- gehen ist, und jede musikalische Schule zudem ihre ganz spezielle Ausprägung des Erlaubten. Das Spektrum reicht dabei von Hand- schriften der Barockzeit, die zumeist eher als Skizzen des tatsächlichen musikalischen Geschehens anzusehen sind, bis hin zu Noteneditionen der Gegenwart, in denen Komponisten mitunter ihre Vorstellungen bis ins kleinste Detail niedergeschrieben haben.
Mit der Klarinettenmusik Carl Maria von Webers hat sich Sebastian Manz viele Jahre lang auseinandergesetzt: „1999 führte ich das 1. Klarinetten- konzert f-Moll mit dem Orchester der Musikschule Hannover unter der Leitung von Bernd Woller zum ersten Mal auf und bereits ein Jahr später folgte bei der EXPO 2000 in Hannover die Aufführung des Concertino mit dem Jugendsinfonieorchester Hannover unter Leitung von Cornelius Meister“, berichtet der Musiker. „Diese zwei Erfahrungen werde ich nie vergessen. Seitdem spiele ich Weber rauf und runter“, so bei „Jugend musiziert“, oder später im ARD-Wettbewerb, sowie in diversen Konzerten.
Nunmehr sah Manz also den Zeitpunkt gekommen, die Werke Webers für die Klarinette aufzunehmen – und zwar alle. Dabei stand er einmal mehr vor der Frage nach der Texttreue, siehe oben. Und an dieser Stelle kommt ein berühmter Kollege ins Spiel. Denn Weber schuf seine Klarinetten- musik, wie das Concertino und die beiden Konzerte, für Heinrich Joseph Baermann, einen europaweit gefeierten Klarinettenvirtuosen, mit dem er eng befreundet war.
Manz merkt an, dass beispielsweise für Webers Klarinettenkonzert in
f-Moll Baermanns Version allgemein zum Standard geworden ist. „Ver- gleicht man jedoch Webers Original mit der Baermann-Fassung, stellt man fest, dass sich der Klarinettist immer wieder in die Komposition eingemischt hat: Er baut am Ende der Exposition einen eigenen, aus- komponierten Teil ein, der heute als die ,Baermann-Kadenz' bezeichnet wird, und macht in der Partitur zahlreiche eigene Eintragungen zur Dynamik und Artikulation“, so Manz. „Genau diese intensive und detaillierte Auseinandersetzung des Interpreten mit seinem Werk erhoffte sich Weber, der im Original fast keine Anweisungen in die Partitur eingetragen hat. Man könnte sagen: Weber bereitet einen Teppich vor und der Musiker darf sich darauf austoben.“
Und das hat Sebastian Manz nun getan, begleitet von Musikern, mit denen er bestens vertraut ist. Denn neben seinem langjährigen Klavierpartner Martin Klett waren an seiner Seite die Musiker des Zürcher casalQuartetts plus Lars Olaf Schaper, Kontrabass, sowie weitere Kollegen des SWR Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart unter Leitung von Antonio Méndez. Auf der ersten CD ist Webers Kammermusik für Klarinette zu hören – das Grand Duo Concertant op. 48, die Silvana-Variationen op. 33 und das Klarinettenquintett op. 34. Die zweite CD enthält dann das Concertino sowie die beiden Klarinettenkonzerte in f-Moll und Es-Dur.
Weber hat für die Klarinette Melodien erfunden, die jede Primadonna erfreut hätten; sanglich, aber virtuos, effektvoll, mitunter sogar dramatisch, mitunter aber auch ein wenig kapriziös. Sebastian Manz lässt sein Instrument singen – farbenreich, beschwingt, gelegentlich sogar beinahe übermütig. Und seine Musikerkollegen sind dabei stets an seiner Seite, das Zusammenspiel ist phantastisch, die Aufnahme ist rundum ein Genuss. Unbedingt anhören!
Mit der Klarinettenmusik Carl Maria von Webers hat sich Sebastian Manz viele Jahre lang auseinandergesetzt: „1999 führte ich das 1. Klarinetten- konzert f-Moll mit dem Orchester der Musikschule Hannover unter der Leitung von Bernd Woller zum ersten Mal auf und bereits ein Jahr später folgte bei der EXPO 2000 in Hannover die Aufführung des Concertino mit dem Jugendsinfonieorchester Hannover unter Leitung von Cornelius Meister“, berichtet der Musiker. „Diese zwei Erfahrungen werde ich nie vergessen. Seitdem spiele ich Weber rauf und runter“, so bei „Jugend musiziert“, oder später im ARD-Wettbewerb, sowie in diversen Konzerten.
Nunmehr sah Manz also den Zeitpunkt gekommen, die Werke Webers für die Klarinette aufzunehmen – und zwar alle. Dabei stand er einmal mehr vor der Frage nach der Texttreue, siehe oben. Und an dieser Stelle kommt ein berühmter Kollege ins Spiel. Denn Weber schuf seine Klarinetten- musik, wie das Concertino und die beiden Konzerte, für Heinrich Joseph Baermann, einen europaweit gefeierten Klarinettenvirtuosen, mit dem er eng befreundet war.
Manz merkt an, dass beispielsweise für Webers Klarinettenkonzert in
f-Moll Baermanns Version allgemein zum Standard geworden ist. „Ver- gleicht man jedoch Webers Original mit der Baermann-Fassung, stellt man fest, dass sich der Klarinettist immer wieder in die Komposition eingemischt hat: Er baut am Ende der Exposition einen eigenen, aus- komponierten Teil ein, der heute als die ,Baermann-Kadenz' bezeichnet wird, und macht in der Partitur zahlreiche eigene Eintragungen zur Dynamik und Artikulation“, so Manz. „Genau diese intensive und detaillierte Auseinandersetzung des Interpreten mit seinem Werk erhoffte sich Weber, der im Original fast keine Anweisungen in die Partitur eingetragen hat. Man könnte sagen: Weber bereitet einen Teppich vor und der Musiker darf sich darauf austoben.“
Und das hat Sebastian Manz nun getan, begleitet von Musikern, mit denen er bestens vertraut ist. Denn neben seinem langjährigen Klavierpartner Martin Klett waren an seiner Seite die Musiker des Zürcher casalQuartetts plus Lars Olaf Schaper, Kontrabass, sowie weitere Kollegen des SWR Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart unter Leitung von Antonio Méndez. Auf der ersten CD ist Webers Kammermusik für Klarinette zu hören – das Grand Duo Concertant op. 48, die Silvana-Variationen op. 33 und das Klarinettenquintett op. 34. Die zweite CD enthält dann das Concertino sowie die beiden Klarinettenkonzerte in f-Moll und Es-Dur.
Weber hat für die Klarinette Melodien erfunden, die jede Primadonna erfreut hätten; sanglich, aber virtuos, effektvoll, mitunter sogar dramatisch, mitunter aber auch ein wenig kapriziös. Sebastian Manz lässt sein Instrument singen – farbenreich, beschwingt, gelegentlich sogar beinahe übermütig. Und seine Musikerkollegen sind dabei stets an seiner Seite, das Zusammenspiel ist phantastisch, die Aufnahme ist rundum ein Genuss. Unbedingt anhören!
Montag, 24. Oktober 2016
Reger: Complete works for clarinet and piano (MDG)
Die Klarinettensonaten von Max Reger (1873 bis 1916) sind mit einer Geschichte verknüpft, die viel über den Komponisten verrät – erzählt vom musikalischen Mentor seiner Jugendjahre: „In Weiden besaßen wir damals einen vorzüglichen Klarinettisten, den städtischen Kapellmeister Kürmeyer, mit dem ich manche Stunde musizierte“, berichtet Adalbert Lindner. „Mit Kürmeyer spielte ich nun eines Tages in meiner Behausung die Klarinettsonate op. 120 in f-Moll von Brahms, eines der allerletzten und reifsten Werke des Meisters. Während des Spiels trat Reger ins Zimmer, hörte uns zu uns sagte, nachdem wir geendet: Schön, werde ich auch zwei solche Dinger schreiben! Nach ungefähr drei Wochen schon hatte er sein Wort eingelöst: die beiden Sonaten für Klavier und Klarinette in As-Dur und fis-Moll, sein 1901 bei Aibl (Universal-Edition) erschienenes op. 40, lag druckfertig vor.“
Die beiden Werke, obgleich selten zu hören, sind ebenso keck wie poetisch. Auch sonst fällt auf, dass Reger nicht nur kühn, sondern auch ausge- sprochen humorvoll komponierte. Robert Oberaigner, seit 2013 Solo- klarinettist der Dresdner Staatskapelle, und ARD-Preisträger Michael Schöch haben diese beiden frühen Sonaten zusammen mit der Sonate op. 107 sowie Tarantella und Albumblatt bei Dabringhaus und Grimm munter und elegant eingespielt.
Die beiden Werke, obgleich selten zu hören, sind ebenso keck wie poetisch. Auch sonst fällt auf, dass Reger nicht nur kühn, sondern auch ausge- sprochen humorvoll komponierte. Robert Oberaigner, seit 2013 Solo- klarinettist der Dresdner Staatskapelle, und ARD-Preisträger Michael Schöch haben diese beiden frühen Sonaten zusammen mit der Sonate op. 107 sowie Tarantella und Albumblatt bei Dabringhaus und Grimm munter und elegant eingespielt.
Reger: Integrale Kammermusik für Klarinette (Oehms Classics)
Anlässlich des hundertsten Todes- tages rückt nicht nur das umfang- reiche Orgelwerk von Max Reger (1873 bis 1916), sondern auch sein sonstiges Schaffen in den Blickpunkt. Das lohnt sich durchaus, wie diese Einspielung aus dem Hause Oehms Classics beweist: Stephan Siegen- thaler, Klarinette, Kolja Lessing, Klavier, und das renommierte Leipziger Streichquartett präsentieren auf zwei CD sämtliche Werke des Komponisten für Klarinette. Zu hören sind die Klarinettensonaten op. 49 und op. 107, die Tarantella WoO II/12 für Klarinette und Klavier, das Albumblatt WoO II/13 für Klarinette und Klavier sowie das Klarinettenquintett in A-Dur op. 146.
Samstag, 20. Februar 2016
Rota: Clarinet Sonata - Clarinet Trio (Naxos)
Nino Rota (1911 bis 1979) ist bekannt als Komponist von Filmmusik. Er arbeitet unter anderem mit Federico Fellini zusammen, mit Francis Ford Coppola („Der Pate“) und mit Luchino Visconti. Doch er hat auch Opern geschrieben, Konzerte, Sinfonien, Chorwerke und jede Menge Kammermusik. Dass diese ebenso hörenswert sind wie seine brillanten Filmmusiken, zeigt diese CD: Goran Gojevic, Klarinette, Lynn Kuo, Violine, Winona Zelenka, Violoncello, Michael Sweeney, Fagott und Mary Kenedi am Klavier haben eine spannende Auswahl an Kammermusik dafür zusammengestellt. Sie reicht vom Trio für Klarinette, Cello und Klavier (1973) über das Improvviso in d-Moll für Violine und Klavier (1947), die Toccata für Fagott und Klavier (1974) und die Sonate in D-Dur für Klarinette und Klavier (1945) bis zur Fantasie in G-Dur für Klavier (1945).
Montag, 11. Januar 2016
The Clarinotts (Deutsche Grammophon)
„Auf der Klarinette gibt es einen Ton, der ,leeres G' genannt wird und für den man keine Klappen drücken muss – man braucht bloß reinzu- blasen. Eines Tages fanden mein Vater und mein Bruder, ich könnte doch spaßeshalber mit diesem einfachen Ton bei einem kleinen Hauskonzert mitmachen. Sie spiel- ten eines der berühmten Kegelduette von Mozart, und immer, wenn dieser Ton vorkam, sollte ich ihn mitspie- len. Nur diesen einen Ton“, erinnert sich Andreas Ottensamer, seinerzeit elf Jahre alt. „Damals bildeten wir zum allerersten Mal ein Trio.“ Gemeinsam musizieren Vater Ernst, seit 1983 Soloklarinettist bei den Wiener Philharmonikern, und die Söhne Daniel, seit 2009 ebenfalls Soloklarinettist bei den Wiener Philharmoni- kern, und Andreas Ottensamer, seit 2011 Soloklarinettist bei den Berliner Philharmonikern, heute noch immer. 2005 gründeten die Musiker die Clarinotts; das Klarinetten-Familientrio hat nun sein erstes Album bei der Deutschen Grammophon vorgestellt.
Für dieses Debüt haben die drei Solisten Musik ausgewählt, die Verbin- dung zur Oper, zum Tanz oder zum Film hat – und die CD beginnt mit Felix Mendelssohn Bartholdys prächtigem Konzertstück für Klarinette, Bassetthorn und Orchester Nr. 1 op. 113, geschrieben einst für das aus Vater und Sohn bestehende Klarinettenduo Heinrich und Carl Bärmann.
Andreas, Daniel und Ernst Ottensamer lassen auf dieser CD neben den „Standard“-Klarinetten in B und A auch weitere Mitglieder der Klarinettenfamilie erklingen, insbesondere das Bassetthorn und die Bass-Klarinette. Es sind dies Instrumente nach Wiener Tradition, sie klingen weicher und nachgiebiger als die üblichen Böhm-Klarinetten. Generell beeindrucken die Clarinotts durch ihren homogenen Klang und ihr exzellentes Zusammenspiel. Man höre nur das Trio Soave sia il vento aus Mozarts Oper Cosi fan tutte – grandios! Unterstützt werden die Clarinotts auf dieser CD von den Wiener Virtuosen.
Für dieses Debüt haben die drei Solisten Musik ausgewählt, die Verbin- dung zur Oper, zum Tanz oder zum Film hat – und die CD beginnt mit Felix Mendelssohn Bartholdys prächtigem Konzertstück für Klarinette, Bassetthorn und Orchester Nr. 1 op. 113, geschrieben einst für das aus Vater und Sohn bestehende Klarinettenduo Heinrich und Carl Bärmann.
Andreas, Daniel und Ernst Ottensamer lassen auf dieser CD neben den „Standard“-Klarinetten in B und A auch weitere Mitglieder der Klarinettenfamilie erklingen, insbesondere das Bassetthorn und die Bass-Klarinette. Es sind dies Instrumente nach Wiener Tradition, sie klingen weicher und nachgiebiger als die üblichen Böhm-Klarinetten. Generell beeindrucken die Clarinotts durch ihren homogenen Klang und ihr exzellentes Zusammenspiel. Man höre nur das Trio Soave sia il vento aus Mozarts Oper Cosi fan tutte – grandios! Unterstützt werden die Clarinotts auf dieser CD von den Wiener Virtuosen.
Donnerstag, 12. November 2015
Fantasia italiano per clarinetto e piano (Ambitus)
Klarinettist Rolf Weber und die Pianistin Kazue Tsuzuki sind ein eingespieltes Team. Sie musizieren nicht nur gemeinsam in Gassen- hauer-Trio München, sie haben zusammen auch bereits eine CD mit romantischen Raritäten eingespielt. Nun ist bei Ambitus ihre zweite CD erschienen – mit vier ausgesprochen hörenswerten Fantasien zu Motiven aus Opern, und einer Sonate.
Die Namen der Komponisten der ausgewählten Werke werden wahrscheinlich nur wenigen Spezialisten bekannt sein – die Melodien, die sie als Grundlage nutzten, sind aber dafür umso vertrauter. So verwendete der grandiose Klarinettenvirtuose Iwan Müller (1784 bis 1854) Cavantinen aus populären Opern von Gioacchino Rossini. Domenico Mirco (1820 bis 1866), Spross einer berühmten Klarinettisten- dynastie, schrieb seine Fantasie über Rossinis Oper Mosè in Egitto, und Donato Lovreglio (1841 bis 1907) schuf eine Fantasie über Verdis La Traviata. Den Reigen beschließt Giacomo Setccioli (1868 bis 1925) mit einer Sonate, zu der der Komponist durch ein stimmungsvolles Gedicht inspiriert wurde.
Auch wenn die Solisten aus der Schweiz und aus Japan stammen, und nun in München wirken – Weber als Soloklarinettist im Orchester des Staats- theaters am Gärtnerplatz, Tsuzuki als Pianistin und als Lehrbeauftragte an der Musikhochschule – zeigen sie hier jedoch jede Menge italienisches Temperament. Weber entlockt seiner Klarinette zudem Töne, die sind so farbenreich und so seidenweich, auch in der Höhe, niemals unkontrolliert schrill oder gepresst – es ist der absolute Traumklang! Diese CD möchte man immer wieder anhören. Bravi!
Die Namen der Komponisten der ausgewählten Werke werden wahrscheinlich nur wenigen Spezialisten bekannt sein – die Melodien, die sie als Grundlage nutzten, sind aber dafür umso vertrauter. So verwendete der grandiose Klarinettenvirtuose Iwan Müller (1784 bis 1854) Cavantinen aus populären Opern von Gioacchino Rossini. Domenico Mirco (1820 bis 1866), Spross einer berühmten Klarinettisten- dynastie, schrieb seine Fantasie über Rossinis Oper Mosè in Egitto, und Donato Lovreglio (1841 bis 1907) schuf eine Fantasie über Verdis La Traviata. Den Reigen beschließt Giacomo Setccioli (1868 bis 1925) mit einer Sonate, zu der der Komponist durch ein stimmungsvolles Gedicht inspiriert wurde.
Auch wenn die Solisten aus der Schweiz und aus Japan stammen, und nun in München wirken – Weber als Soloklarinettist im Orchester des Staats- theaters am Gärtnerplatz, Tsuzuki als Pianistin und als Lehrbeauftragte an der Musikhochschule – zeigen sie hier jedoch jede Menge italienisches Temperament. Weber entlockt seiner Klarinette zudem Töne, die sind so farbenreich und so seidenweich, auch in der Höhe, niemals unkontrolliert schrill oder gepresst – es ist der absolute Traumklang! Diese CD möchte man immer wieder anhören. Bravi!
Freitag, 18. September 2015
Andreas Ottensamer - Brahms (Deutsche Grammophon)
Johannes Brahms, geboren und aufgewachsen in Norddeutschland, gilt üblicherweise nicht gerade als Volksmusikexperte; seine Hinwen- dung zu ungarischen Melodien wird eher als ein Flirt mit exotischen Klängen gesehen, und nicht als Ergebnis einer ernsthaften und tiefgreifenden Auseinandersetzung mit den Originalen. Für sein zweites Album bei der Deutschen Grammo- phon hat sich der Klarinettist Andreas Ottensamer im Werk des Komponisten auf die Spurensuche begeben.
Selbst zur Hälfte Ungar, hat er mit scharfem Blick in die Noten und Dokumente geschaut, und festgestellt, dass das ungarische Idiom für Brahms' Tonsprache weit mehr war als nur Kolorit. Im Mittelpunkt der CD steht das legendäre Klarinettenquintett op. 115, in dem man mitunter sogar eine komplette ungarische Kapelle zu hören meint. „Jeder Klari- nettist träumt davon, dieses Stück zu spielen“, meint Ottensamer. Weni- ger offensichtlich ist das ungarische Element in den beiden nachfolgenden Walzern des Komponisten. Sie erscheinen höchst wienerisch – doch die Musiker zeigen, dass sie auch durch den Csárdás mit geprägt wurden.
Andreas Ottensamer hat sich für diese Aufnahmen ein Ensemble zusam- menstellt, das diese Musik ebenfalls quasi im Blut hat: Leonidas Kavakos und Christoph Koncz, Violine, Antoine Tamestit, Viola, Stephan Koncz, Violoncello, Ödön Rácz, Kontrabass und Oszkár Ökrös am Zymbal sorgen mit Leidenschaft und virtuosem Spiel für facettenreiche Klänge. Die Musik klingt, zumal bei den beiden ausgewählten Ungarischen Tänzen, wie improvisiert. Und wer sich fragt, ob diese Tänze denn wirklich ungarische Originale sind, der erhält mit dieser CD auf diese Frage ebenfalls eine Antwort.
Zum Abschluss erklingen zwei Sätze, Két Tétel, von Leó Weiner, die sehr schön in diesen Reigen passen. Und zum Kehraus gibt’s dann noch ein Medley mit Tanzliedern aus Transsylvanien, und mit so mancher über- raschenden Wendung. Das Ensemble wird eigens dazu durch das Akkor- deon von Predrag Tomić verstärkt. Sehr spannend!
Selbst zur Hälfte Ungar, hat er mit scharfem Blick in die Noten und Dokumente geschaut, und festgestellt, dass das ungarische Idiom für Brahms' Tonsprache weit mehr war als nur Kolorit. Im Mittelpunkt der CD steht das legendäre Klarinettenquintett op. 115, in dem man mitunter sogar eine komplette ungarische Kapelle zu hören meint. „Jeder Klari- nettist träumt davon, dieses Stück zu spielen“, meint Ottensamer. Weni- ger offensichtlich ist das ungarische Element in den beiden nachfolgenden Walzern des Komponisten. Sie erscheinen höchst wienerisch – doch die Musiker zeigen, dass sie auch durch den Csárdás mit geprägt wurden.
Andreas Ottensamer hat sich für diese Aufnahmen ein Ensemble zusam- menstellt, das diese Musik ebenfalls quasi im Blut hat: Leonidas Kavakos und Christoph Koncz, Violine, Antoine Tamestit, Viola, Stephan Koncz, Violoncello, Ödön Rácz, Kontrabass und Oszkár Ökrös am Zymbal sorgen mit Leidenschaft und virtuosem Spiel für facettenreiche Klänge. Die Musik klingt, zumal bei den beiden ausgewählten Ungarischen Tänzen, wie improvisiert. Und wer sich fragt, ob diese Tänze denn wirklich ungarische Originale sind, der erhält mit dieser CD auf diese Frage ebenfalls eine Antwort.
Zum Abschluss erklingen zwei Sätze, Két Tétel, von Leó Weiner, die sehr schön in diesen Reigen passen. Und zum Kehraus gibt’s dann noch ein Medley mit Tanzliedern aus Transsylvanien, und mit so mancher über- raschenden Wendung. Das Ensemble wird eigens dazu durch das Akkor- deon von Predrag Tomić verstärkt. Sehr spannend!
Freitag, 15. August 2014
Stamitz: Quartets for Clarinet (Audite)
Ach, was waren das für Zeiten, als der Zuhörer bei dem Wort „Quar- tett“ noch nicht automatisch an zwei Geigen, eine Bratsche und ein Violoncello dachte. Vor Beethoven waren die Besetzungen wesentlich bunter, und die Komponisten offensichtlich auch experimen- tierfreudiger. Ein gutes Beispiel dafür gibt das Label Audite mit den Klarinettenquartetten op. 8 und op. 19 von Carl Stamitz (1745 bis 1801).
Carl Stamitz war ein Sohn von Johann Stamitz, und war somit der Mannheimer Schule quasi von Geburt an verbunden. Ersten Unterricht erhielt er bei seinem Vater; nach dessen Tod 1757 übernahmen Christian Cannabich, Ignaz Holzbauer und Franz Xaver Richter die musikalische Ausbildung des Jungen. Als er 16 Jahre alt war, erhielt er seine erste Anstellung als Violinist in der Mannheimer Hofkapelle. 1770 entschied sich Carl Stamitz für ein Leben als reisender Virtuose und Komponist; so trat er gemeinsam mit seinem Bruder Anton in Paris auf, und ging mehrfach auf Konzertreisen quer durch Europa. Obwohl er sich dabei hohes Ansehen erwarb, gelang es ihm aber nicht mehr, sich durch eine lukrative Anstellung abzusichern. Letzten Endes beschäftigte die Universität Jena Stamitz ab 1795 als akademischen Musiklehrer; in der Saalestadt starb der Virtuose dann auch, hoch verschuldet. Sein Nachlass gilt als verschollen.
Auch wenn Stamitz seinen Ruhm vor allem durch Orchesterwerke erworben hat, zeigen seine Klarinettenquartette doch ebenfalls die hohe Kunstfertigkeit des Komponisten. Sie sind ein wichtiges Zeugnis für die zunehmende Bedeutung der Klarinette in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Denn Stamitz hat für das seinerzeit noch ziem- lich neue, in Spieltechnik wie Klangfarbe offenbar in steter Entwick- lung befindliche Instrument herrliche Partien geschaffen, die dem Solisten einiges abfordern, aber ihm auch wunderbar Gelegenheit bieten, die Klarinette zu präsentieren.
Arthur Campbell hat hörbar Freude an diesen Werken. Mit seinem sanglichen Spiel und seinem schmeichelnden Ton fügt er sich ein zwischen die Streicher Gregory Maytan, Violine, Paul Swantek, Viola und Pablo Mahave-Veglia, Violoncello. Er setzt auch Kontraste und Glanzpunkte, und der Zuhörer freut sich über die Eleganz dieser charmanten Musik. Unbedingt anhören – das ist Kammermusik, die rundum gute Laune bringt, in einer hinreißend gelungenen Einspie- lung.
Carl Stamitz war ein Sohn von Johann Stamitz, und war somit der Mannheimer Schule quasi von Geburt an verbunden. Ersten Unterricht erhielt er bei seinem Vater; nach dessen Tod 1757 übernahmen Christian Cannabich, Ignaz Holzbauer und Franz Xaver Richter die musikalische Ausbildung des Jungen. Als er 16 Jahre alt war, erhielt er seine erste Anstellung als Violinist in der Mannheimer Hofkapelle. 1770 entschied sich Carl Stamitz für ein Leben als reisender Virtuose und Komponist; so trat er gemeinsam mit seinem Bruder Anton in Paris auf, und ging mehrfach auf Konzertreisen quer durch Europa. Obwohl er sich dabei hohes Ansehen erwarb, gelang es ihm aber nicht mehr, sich durch eine lukrative Anstellung abzusichern. Letzten Endes beschäftigte die Universität Jena Stamitz ab 1795 als akademischen Musiklehrer; in der Saalestadt starb der Virtuose dann auch, hoch verschuldet. Sein Nachlass gilt als verschollen.
Auch wenn Stamitz seinen Ruhm vor allem durch Orchesterwerke erworben hat, zeigen seine Klarinettenquartette doch ebenfalls die hohe Kunstfertigkeit des Komponisten. Sie sind ein wichtiges Zeugnis für die zunehmende Bedeutung der Klarinette in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Denn Stamitz hat für das seinerzeit noch ziem- lich neue, in Spieltechnik wie Klangfarbe offenbar in steter Entwick- lung befindliche Instrument herrliche Partien geschaffen, die dem Solisten einiges abfordern, aber ihm auch wunderbar Gelegenheit bieten, die Klarinette zu präsentieren.
Arthur Campbell hat hörbar Freude an diesen Werken. Mit seinem sanglichen Spiel und seinem schmeichelnden Ton fügt er sich ein zwischen die Streicher Gregory Maytan, Violine, Paul Swantek, Viola und Pablo Mahave-Veglia, Violoncello. Er setzt auch Kontraste und Glanzpunkte, und der Zuhörer freut sich über die Eleganz dieser charmanten Musik. Unbedingt anhören – das ist Kammermusik, die rundum gute Laune bringt, in einer hinreißend gelungenen Einspie- lung.
Montag, 7. April 2014
Müller: Souvenir de Dobbéran (Naxos)
Iwan Müller (1786 bis 1854) ver- danken wir, zumindest indirekt, bedeutende Klarinettenkonzerte. Denn der Virtuose, der schon als Teenager Mitglied der Hofkapelle des Zaren war, entwickelte das Instrument entscheidend weiter. Er verbesserte den Klappen- mechanismus, indem er die Löcher mit Leder anstatt Filz abdichtete, und stattete die Klarinette mit 13 Klappen aus. Diese Clarinette omnitonique beeindruckte Musikerkollegen wie Heinrich Baermann (1784 bis 1847) oder Johann Simon Hermstedt (1778 bis 1846) sehr; sie ließen sich ähnliche Exemplare bauen. Und Komponi- sten wie Weber und Spohr nutzten die neuen Klangmöglichkeiten in Werken, die bis heute zur Literatur gehören.
Müller reiste durch Europa, er konzertierte und präsentierte sein Instrument. Dafür schrieb er sich auch Musik, die seinerzeit spektakulär war – wie ein Klarinettenquartett, das die Tonart e-Moll verwendet. Es wäre auf einem herkömmlichen Instrument damals wohl nicht spielbar gewesen. Auch in seiner Salonmusik im Belcanto-Stil nutzte Müller die neuen Möglichkeiten aus. Sein heute noch bekanntestes Stück heißt Souvenir de Dobbéran. Entstanden ist es im Sommer 1824 in Bad Doberan, seinerzeit Europas führendes Heil- und Seebad. Es ist ein Stück voll Licht, Luft und Seligkeit – eben ganz Sommerfrische; außerdem soll es die erste musikalische Ansichts- karte überhaupt sein.
Klarinettistin Friederike Roth musiziert gemeinsam mit dem Berolina Ensemble sowie dem Klarinettisten Wenzel Fuchs und, bei einigen Stücken, Erika le Roux am Klavier. Eine gelungene CD, die man rund- um genießen kann.
Müller reiste durch Europa, er konzertierte und präsentierte sein Instrument. Dafür schrieb er sich auch Musik, die seinerzeit spektakulär war – wie ein Klarinettenquartett, das die Tonart e-Moll verwendet. Es wäre auf einem herkömmlichen Instrument damals wohl nicht spielbar gewesen. Auch in seiner Salonmusik im Belcanto-Stil nutzte Müller die neuen Möglichkeiten aus. Sein heute noch bekanntestes Stück heißt Souvenir de Dobbéran. Entstanden ist es im Sommer 1824 in Bad Doberan, seinerzeit Europas führendes Heil- und Seebad. Es ist ein Stück voll Licht, Luft und Seligkeit – eben ganz Sommerfrische; außerdem soll es die erste musikalische Ansichts- karte überhaupt sein.
Klarinettistin Friederike Roth musiziert gemeinsam mit dem Berolina Ensemble sowie dem Klarinettisten Wenzel Fuchs und, bei einigen Stücken, Erika le Roux am Klavier. Eine gelungene CD, die man rund- um genießen kann.
Sonntag, 6. Oktober 2013
Opera! - Sharon Kam (Berlin Classics)
„Ich liebe die Oper! Ich gehe ebenso gern in die Oper wie ins Konzert, und ich bewundere diese besondere Art des Musizierens quasi aus der Entfernung“, berich- tet Sharon Kam im Beiheft zu dieser CD. „Andererseits ist die Oper mir aber auch sehr nah, denn mein Mann Gregor ist Operndiri- gent, und gemeinsam hören und studieren wir so ziemlich alles, was bei uns beiden jeweils an- liegt.“
Nun hat die Klarinettistin dieser Leidenschaft nachgegeben – und bereichert zugleich das Konzertrepertoire für dieses Instrument um einige attraktive Stücke. Denn für diese CD hat Sharon Kam nicht einfach Arien eingespielt, bei denen die Klarinette den Part der Gesangsstimme übernimmt. Die Arrangeure Andreas N. Tarkmann und Jonathan Seers erstellten für die Musikerin vielmehr Bearbei- tungen, die an die Opernparaphrasen der Romantiker erinnern. „Wichtig war uns dabei immer eine durchdachte Dramaturgie, die neben Bravourstücken auch die großen Gefühle berücksichtigt, die zur Oper gehören“, erläutert Sharon Kam.
So ist sie in der glücklichen Lage, die teilweise gar nicht so bekannten Melodien in Bearbeitungen vorzustellen, die den Möglichkeiten von Klarinette und Kammerorchester raffiniert angepasst wurden. Dabei wirkt die Solistin mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter der Leitung seines Chefdirigenten Ruben Gazarian zusammen. Das erweist sich als eine gelungene Kombination, die es der Klarinettistin ermöglicht, ihren Operntraum auszuleben. Kam musiziert temperamentvoll und bringt die Facetten der ausgewählten Musikstücke gekonnt zum Funkeln. Diese CD präsentiert Melodien von Gioachino Rossini, Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini, Amilcare Ponchielli und Ermanno Wolf-Ferrari als brillante Konzertstücke für Klarinette – diese Metamorphose ist grandios gut gelungen, und hinreißend musiziert wird obendrein. Unbedingt anhören!
Nun hat die Klarinettistin dieser Leidenschaft nachgegeben – und bereichert zugleich das Konzertrepertoire für dieses Instrument um einige attraktive Stücke. Denn für diese CD hat Sharon Kam nicht einfach Arien eingespielt, bei denen die Klarinette den Part der Gesangsstimme übernimmt. Die Arrangeure Andreas N. Tarkmann und Jonathan Seers erstellten für die Musikerin vielmehr Bearbei- tungen, die an die Opernparaphrasen der Romantiker erinnern. „Wichtig war uns dabei immer eine durchdachte Dramaturgie, die neben Bravourstücken auch die großen Gefühle berücksichtigt, die zur Oper gehören“, erläutert Sharon Kam.
So ist sie in der glücklichen Lage, die teilweise gar nicht so bekannten Melodien in Bearbeitungen vorzustellen, die den Möglichkeiten von Klarinette und Kammerorchester raffiniert angepasst wurden. Dabei wirkt die Solistin mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter der Leitung seines Chefdirigenten Ruben Gazarian zusammen. Das erweist sich als eine gelungene Kombination, die es der Klarinettistin ermöglicht, ihren Operntraum auszuleben. Kam musiziert temperamentvoll und bringt die Facetten der ausgewählten Musikstücke gekonnt zum Funkeln. Diese CD präsentiert Melodien von Gioachino Rossini, Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini, Amilcare Ponchielli und Ermanno Wolf-Ferrari als brillante Konzertstücke für Klarinette – diese Metamorphose ist grandios gut gelungen, und hinreißend musiziert wird obendrein. Unbedingt anhören!
Samstag, 20. Juli 2013
Portraits - The Clarinet Album; Ottensamer (Deutsche Grammophon)
Kann es sein, dass viele Menschen heutzutage besser sehen als hören können? Im Februar 2013 nahm die Deutsche Grammophon Andreas Ottensamer exklusiv unter Vertrag – als ersten Solo-Klarinettisten überhaupt. Natürlich beherrscht der Österreicher sein Instrument exzellent, er ist schließlich Solo-Klarinettist bei den Berliner Phil- harmonikern.
Doch um zu einem Debütalbum bei einem Major zu kommen, sollte man offenbar zusätzlich jung und attraktiv sein – und nichts dagegen haben, auch so beworben zu werden. Hervorragende Klarinettisten gibt es etliche. Was also zeichnet den Musiker Ottensamer aus?
Da wäre ganz sicher seine Experimentierlust zu nennen. Ottensamer spielt nicht nur Klarinettenkonzerte – neben Klassikern von Spohr und Cimarosa ist hier auch ein interessantes Stück von Aaron Copland zu hören –, er präsentiert auch Musikstücke, die ursprünglich für ganz andere Instrumente entstanden sind. Drei Arrangements dafür hat ihm sein Jugendfreund Stephan Koncz geschrieben, der als Cellist bei den Berliner Philharmonikern musiziert.
Das hat Konsequenzen: „Dieses Album stellt den Interpreten vor die Herausforderung, zwischen verschiedenen Stilen und Spieltechniken zu wechseln“, erläutert Ottensamer; „gleichzeitig habe ich aber großen Wert darauf gelegt, immer meine persönliche Interpretation und meinen Klang zu bewahren.“ Der ist in der Tat ziemlich eigen, denn Ottensamer spielt eine Wiener Klarinette, die eine weitere Bohrung hat als deutsche Instru- mente – und das macht ihren Klang wärmer, dunkler und voluminöser. The Rotterdam Philharmonic Orchestra begleitet ihn unter der Leitung von Yannik Nézet-Séguin.
Doch um zu einem Debütalbum bei einem Major zu kommen, sollte man offenbar zusätzlich jung und attraktiv sein – und nichts dagegen haben, auch so beworben zu werden. Hervorragende Klarinettisten gibt es etliche. Was also zeichnet den Musiker Ottensamer aus?
Da wäre ganz sicher seine Experimentierlust zu nennen. Ottensamer spielt nicht nur Klarinettenkonzerte – neben Klassikern von Spohr und Cimarosa ist hier auch ein interessantes Stück von Aaron Copland zu hören –, er präsentiert auch Musikstücke, die ursprünglich für ganz andere Instrumente entstanden sind. Drei Arrangements dafür hat ihm sein Jugendfreund Stephan Koncz geschrieben, der als Cellist bei den Berliner Philharmonikern musiziert.
Das hat Konsequenzen: „Dieses Album stellt den Interpreten vor die Herausforderung, zwischen verschiedenen Stilen und Spieltechniken zu wechseln“, erläutert Ottensamer; „gleichzeitig habe ich aber großen Wert darauf gelegt, immer meine persönliche Interpretation und meinen Klang zu bewahren.“ Der ist in der Tat ziemlich eigen, denn Ottensamer spielt eine Wiener Klarinette, die eine weitere Bohrung hat als deutsche Instru- mente – und das macht ihren Klang wärmer, dunkler und voluminöser. The Rotterdam Philharmonic Orchestra begleitet ihn unter der Leitung von Yannik Nézet-Séguin.
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