Eine Sinfonie von Carl Friedrich Abel (1723 bis 1787) wurde lange für ein Werk von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) gehalten. Der Achtjährige hatte sie 1764 bei seinem Aufenthalt in London eigenhändig kopiert, um sich zu üben und daran zu lernen. Insbesondere der Mittelsatz dieser Sinfonie scheint das Wunderkind tief beeindruckt zu haben.
Michael Schneider spürt mit seinem Ensemble La Stagione Frankfurt solch musikalischen Verwandt- schaften nach. Die Auseinander- setzung mit dem Schaffen Abels führt in ein interessantes Kapitel der Musikgeschichte: Ursprünglich waren Sinfonien Vorspiele, Ouvertüren, die die Aufmerksamkeit des Publikums erwecken und auf ein nachfol- gendes, gewichtiges Werk lenken sollten. Zum Ende des 18. Jahrhunderts aber wurde die Sinfonie zu einem selbständigen und höchst bedeutenden Genre; bereits in der Wiener Klassik erlebte sie in der erneuerten Form eine erste Blütezeit.
Die vorliegende Aufnahme mit den sechs Sinfonien op. VII führt uns zu den Anfängen dieser Entwicklung: „Was Abels Sinfonien so unver- wechselbar macht unter denen seiner Zeitgenossen, sind also nicht deren Kopfsätze in (später so genannter) Sonatenform, auch nicht seine Finalsätze, die ausnahmslos und meist in Rondoform geradezu volkstümliche Tänze wie schnelle Kontretänze oder Menuette darstellen: es sind vielmehr seine langsamen Mittelsätze, die – zumeist als Andante bezeichnet und häufig in ,sempre piano'-Dynamik – eine neue und durchaus eigene Musiksprache sprechen“, schreibt Michael Schneider im Beiheft zu dieser CD. „Und von diesen sind es auch nicht in erster Linie jene galanten oder empfindsamen Beispiele wie die aus den Sinfonien G-Dur oder C-Dur , sondern die geradezu ,hymnischen' liedartigen Sätze für Streicher alleine wie die aus den in Sinfonien B-Dur und F-Dur.“
Die Musiker von La Stagione Frankfurt verstehen ihr Metier, und sie präsentieren Abels Sinfonien hinreißend. Dabei betont Schneider besonders die Tatsache, dass diese Werke kontinentale und englische Traditionen verbinden. Falls sich aber nun jemand für Musikgeschichte nicht interessiert – man kann diese Einspielung auch einfach so genießen. Es lohnt sich!
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Samstag, 20. Januar 2018
Montag, 2. Oktober 2017
Bach - Krebs - Abel (Analekta)
Diese CD vereint Werke von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750), Johann Ludwig Krebs (1713 bis 1780) und Carl Friedrich Abel (1723 bis 1787). „Väter und Söhne“, so der Untertitel des Albums, betrifft das insofern, als Krebs tatsächlich ein Schüler Bachs war. Für Abel ist das nicht belegt; allerdings musizierte sein Vater, der Violinist und Gambenvirtuose Christian Ferdinand Abel, als „Premier-Musicus“ in jener Köthener Hofkapelle, der Bach als Kapellmeister vorstand.
Es wird vermutet, dass Bach seine Gambensonaten für Christian Ferdinand Abel komponierte. Sie erklingen auf dieser CD, allerdings wird statt der Viola da gamba eine Viola gespielt: Helen Callus musiziert sehr hörenswert, gemeinsam mit Luc Beauséjour am Cembalo.
Die Bratschistin hat auch die beiden Stücke der „Söhne-Generation“ passend arrangiert: Das Programm ergänzen ein Trio in c-Moll für zwei Claviere und Bass von Johann Ludwig Krebs, und die Gambensonate WKO 150 von Carl Friedrich Abel. Letzterer blieb der Bach-Familie verbunden; er war insbesondere mit Johann Christian Bach befreundet und veranstaltete gemeinsam mit ihm in London die Bach-Abel-Konzerte.
Es wird vermutet, dass Bach seine Gambensonaten für Christian Ferdinand Abel komponierte. Sie erklingen auf dieser CD, allerdings wird statt der Viola da gamba eine Viola gespielt: Helen Callus musiziert sehr hörenswert, gemeinsam mit Luc Beauséjour am Cembalo.
Die Bratschistin hat auch die beiden Stücke der „Söhne-Generation“ passend arrangiert: Das Programm ergänzen ein Trio in c-Moll für zwei Claviere und Bass von Johann Ludwig Krebs, und die Gambensonate WKO 150 von Carl Friedrich Abel. Letzterer blieb der Bach-Familie verbunden; er war insbesondere mit Johann Christian Bach befreundet und veranstaltete gemeinsam mit ihm in London die Bach-Abel-Konzerte.
Donnerstag, 20. Oktober 2016
Abel: The Drexel Manuscript (Accent)
Die Sammlung des Mäzens Joseph William Drexel – sie befindet sich heute in der New York Public Library – enthält, neben vielen anderen Schätzen, neunundzwanzig Kompositionen von Carl Friedrich Abel für Solo-Gambe.
Carl Friedrich Abel (1723 bis 1787) war des Sohn des Gambenvirtuosen Christian Ferdinand Abel, der zu Bachs Zeiten in der Köthener Hofkapelle musizierte. Von 1739 bis 1743 soll er sich in Leipzig aufgehal- ten haben; ob er ein Schüler Bachs war, wie vermutet wird, das lässt sich nicht belegen. Ab 1745 jedenfalls musizierte er in der Dresdner Hofkapelle, wo er auch erste Kompositionen schuf. Zehn Jahre später verließ er die Residenz, und verbrachte einige Jahre auf Konzertreisen durch Europa. 1759 ging er schließlich nach London, wo er wohl, abgesehen von einem kurzen Aufenthalt 1782 am preußischen Hof in Berlin, die verbeibenden Jahre verbrachte. Mit Johann Christian Bach war Abel eng befreundet, die „Bach-Abel-Konzerte“ waren in London eine Institution.
Die Werke aus dem Drexel-Manuskript soll Abel während seiner Zeit in England geschrieben haben. Petr Wagner spielt sie in der Reihenfolge der Handschrift. Einige davon sind umfangreiche Kompositionen, andere ähneln eher Skizzen – Wagner hat sie Präludien und Kadenzen genannt. Es sind virtuose Stücke darunter und galante, kapriziöse und empfindsame; sogar eine Fuge findet sich. Mit seiner Einspielung macht Wagner deut- lich, warum Abel von seinen Zeitgenossen derart geschätzt wurde. Wer Gambenmusik liebt, der sollte diese CD unbedingt anhören.
Carl Friedrich Abel (1723 bis 1787) war des Sohn des Gambenvirtuosen Christian Ferdinand Abel, der zu Bachs Zeiten in der Köthener Hofkapelle musizierte. Von 1739 bis 1743 soll er sich in Leipzig aufgehal- ten haben; ob er ein Schüler Bachs war, wie vermutet wird, das lässt sich nicht belegen. Ab 1745 jedenfalls musizierte er in der Dresdner Hofkapelle, wo er auch erste Kompositionen schuf. Zehn Jahre später verließ er die Residenz, und verbrachte einige Jahre auf Konzertreisen durch Europa. 1759 ging er schließlich nach London, wo er wohl, abgesehen von einem kurzen Aufenthalt 1782 am preußischen Hof in Berlin, die verbeibenden Jahre verbrachte. Mit Johann Christian Bach war Abel eng befreundet, die „Bach-Abel-Konzerte“ waren in London eine Institution.
Die Werke aus dem Drexel-Manuskript soll Abel während seiner Zeit in England geschrieben haben. Petr Wagner spielt sie in der Reihenfolge der Handschrift. Einige davon sind umfangreiche Kompositionen, andere ähneln eher Skizzen – Wagner hat sie Präludien und Kadenzen genannt. Es sind virtuose Stücke darunter und galante, kapriziöse und empfindsame; sogar eine Fuge findet sich. Mit seiner Einspielung macht Wagner deut- lich, warum Abel von seinen Zeitgenossen derart geschätzt wurde. Wer Gambenmusik liebt, der sollte diese CD unbedingt anhören.
Samstag, 20. August 2016
Carl Friedrich Abel - Ledenburg (Coviello)
Die Notenbibliothek der Eleonore von Münster – sie befindet sich heute zusammen mit ihren literarischen Werken, Zeichnungen und Archiva- lien des Gutes Ledenburg im Nieder- sächsischen Landesarchiv am Standort Osnabrück – enthielt noch weitere Schätze, die Thomas Fritzsch offenbar umgehend gehoben hat. Nur wenige Wochen nach der Ersteinspie- lung von Telemanns Fantasien für Viola da gamba, die er dort aufspürte, veröffentlichte der Gambist bei Coviello Classics eine weitere CD mit bislang unbekannten Musikstücken aus der Feder Carl Friedrich Abels (1723 bis 1787).
Der berühmte Gambenvirtuose stammte aus Köthen, wo sein Vater in der Hofkapelle musizierte. Es wird vermutet, dass er in Leipzig an der Thomas- schule lernte; belegt ist jedenfalls, dass Abel, dem Hofkapellmeister Hasse durch Bach empfohlen, neun Jahre lang in Dresden wirkte. Wegen des Siebenjährigen Krieges verließ er 1757 die Residenzstadt. In London wurde der Musiker ansässig; dort konzertierte er mit großem Erfolg, und wurde Kammermusiker von Königin Charlotte. Gemeinsam mit Johann Christian Bach veranstaltete er ab 1764 die ersten Abonnnementskonzerte in England. Abel war der letzte bedeutende Gambist; nach seinem Tod spielte das Instrument auf dem Konzertpodium faktisch keine Rolle mehr. Auch wenn die Romantiker den Klang der Viola da gamba durchaus schätzten – sie schrieben keine Musik dafür.
Das sollte sich erst im 20. Jahrhundert, im Zuge der Originalklang-Bewe- gung, wieder ändern. Und so freuen wir uns denn, dass Thomas Fritzsch uns auf dieser CD drei Sonaten Abels und drei ebenfalls neu entdeckte Trios vorstellt. Er musiziert dabei auf einem Instrument des letzten englischen Gambenbauers Samuel Gilkes (1787 bis 1827), angefertigt 1812 in London. Diese Gambe begeistert mit nobler, ausgewogener Klangfülle. Eva Salonen, Violine, und Katharina Holzhey, Violoncello, lassen sich auf dazu passenden Instrumenten hören. Michael Schönheit spielt ein Piano- forte von John Broadwood aus dem Jahre 1805 – was für ein Reichtum an Klangfarben!
Der berühmte Gambenvirtuose stammte aus Köthen, wo sein Vater in der Hofkapelle musizierte. Es wird vermutet, dass er in Leipzig an der Thomas- schule lernte; belegt ist jedenfalls, dass Abel, dem Hofkapellmeister Hasse durch Bach empfohlen, neun Jahre lang in Dresden wirkte. Wegen des Siebenjährigen Krieges verließ er 1757 die Residenzstadt. In London wurde der Musiker ansässig; dort konzertierte er mit großem Erfolg, und wurde Kammermusiker von Königin Charlotte. Gemeinsam mit Johann Christian Bach veranstaltete er ab 1764 die ersten Abonnnementskonzerte in England. Abel war der letzte bedeutende Gambist; nach seinem Tod spielte das Instrument auf dem Konzertpodium faktisch keine Rolle mehr. Auch wenn die Romantiker den Klang der Viola da gamba durchaus schätzten – sie schrieben keine Musik dafür.
Das sollte sich erst im 20. Jahrhundert, im Zuge der Originalklang-Bewe- gung, wieder ändern. Und so freuen wir uns denn, dass Thomas Fritzsch uns auf dieser CD drei Sonaten Abels und drei ebenfalls neu entdeckte Trios vorstellt. Er musiziert dabei auf einem Instrument des letzten englischen Gambenbauers Samuel Gilkes (1787 bis 1827), angefertigt 1812 in London. Diese Gambe begeistert mit nobler, ausgewogener Klangfülle. Eva Salonen, Violine, und Katharina Holzhey, Violoncello, lassen sich auf dazu passenden Instrumenten hören. Michael Schönheit spielt ein Piano- forte von John Broadwood aus dem Jahre 1805 – was für ein Reichtum an Klangfarben!
Freitag, 3. April 2015
Praetorius: Complete Organ Works (cpo)
Das Orgelwerk von Michael Praeto- rius (1571 bis 1621) stellt Friedhelm Flamme auf diesen beiden CD vor. Der Sohn eines Pfarrers wuchs in Torgau und Zerbst auf, und bereits 1585 begann er an der Viadrina in Frankfurt/Oder mit dem Studium der Theologie. Von 1587 bis 1591 war Praetorius dort Organist an der St. Marienkirche. 1594 wurde er Kammerorganist des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig und Lüneburg. Dieser residierte nicht nur in Wolfenbüttel, sondern auch auf Schloss Gröningen bei Halber- stadt, und ließ ab 1592 durch David Beck eine große Orgel in seiner Schlosskapelle errichten. Eingeweiht wurde sie 1596 durch einen „Organi- sten-Convent“, zu dem, teilweise aus großer Entfernung, immerhin 54 bedeutende Organisten anreisten.
1604 wurde Praetorius zum Hofkapellmeister des Herzogs ernannt. Nach dem Tode seines Dienstherren im Jahre 1613 finden wir ihn am kursäch- sischen Hof in Dresden. Er reiste wahrscheinlich sehr viel – belegt sind Aufenthalte beispielsweise in Sondershausen, Kassel, Magdeburg, Nürnberg, Leipzig und Bayreuth. So wirkte der Musiker als Organisator, Dirigent, Musikberater und Diplomat an verschiedenen Orten. Außerdem komponierte er fleißig; überliefert sind zahlreiche Werke, sowohl Kirchen- musik als auch weltliche Klänge. Wie er daneben noch Unmengen an Briefen sowie sein dreibändiges Syntagma musicum, das als erstes Handbuch der Musikwissenschaft überhaupt gilt, schreiben konnte, das lässt uns heute sehr staunen.
Wenn man Praetorius heute zumeist nur noch als Urheber des bekannten Chorsatzes zu Es ist ein Ros' entsprungen sowie vom Quempas-Singen kennt, dann ist das zu bedauern. Spätestens nach dem Anhören der vorliegenden Einspielung wird man sich auf die Suche nach weiteren Aufnahmen machen. Da dürfte so manche Überraschung warten. Denn der Komponist gehörte jener Musikergeneration an, die versuchte, den deutschen protestantischen Choral mit dem italienischen Madrigal zu verknüpfen, um dadurch eine wesentlich tiefgründigere Textausdeutung zu erzielen. Aus der Vokalmusik leitet Praetorius zudem die Formen für seine Orgelmusik ab; so entwickelt er aus der Choralbearbeitung die ebenso umfangreiche wie ausdrucksstarke Choralmotette. Schlichte homophone Sätze umstrickt er kreativ mit Kontrapunktik und figurativem Zierrat, und niemals gehen ihm dabei die Ideen aus. So wird die Orgelmusik dieses Großmeisters auch nie langweilig, egal, wie lang die Stücke sind.
Flamme musiziert an der Treutmann-Orgel in der Klosterkirche St. Georg zu Grauhof. Dieses Instrument wurde 1737 von dem Magdeburger Orgelbauer Christoph Treutmann vollendet. Es vereint Elemente sowohl aus der nord- als auch der mitteldeutschen Tradition, und wurde 1989-92 durch die Firma Hillebrand, Altwarmbüchen bei Hannnover, grundlegend restauriert. Flamme nutzt die reiche Palette an Klangfarben, die ihm dieses Instrument zur Verfügung stellt, gekonnt. Und weil die wenigen erhaltenen Orgelwerke von Michael Praetorius die beiden Silberscheiben nicht ganz füllen, ergänzt der Organist das Programm noch durch die kleineren Orgelgesamtwerke von David Abel, Johann Bahr, Jakob Bölsche, Petrus Hasse I und II, Wilhelm Karges, Hieronymus Praetorius III, Andreas Werckmeister und Melchior Woltmann. Wer sich für norddeutsche Orgelmusik interessiert, der kommt an dieser Einspielung jedenfalls nicht vorbei.
1604 wurde Praetorius zum Hofkapellmeister des Herzogs ernannt. Nach dem Tode seines Dienstherren im Jahre 1613 finden wir ihn am kursäch- sischen Hof in Dresden. Er reiste wahrscheinlich sehr viel – belegt sind Aufenthalte beispielsweise in Sondershausen, Kassel, Magdeburg, Nürnberg, Leipzig und Bayreuth. So wirkte der Musiker als Organisator, Dirigent, Musikberater und Diplomat an verschiedenen Orten. Außerdem komponierte er fleißig; überliefert sind zahlreiche Werke, sowohl Kirchen- musik als auch weltliche Klänge. Wie er daneben noch Unmengen an Briefen sowie sein dreibändiges Syntagma musicum, das als erstes Handbuch der Musikwissenschaft überhaupt gilt, schreiben konnte, das lässt uns heute sehr staunen.
Wenn man Praetorius heute zumeist nur noch als Urheber des bekannten Chorsatzes zu Es ist ein Ros' entsprungen sowie vom Quempas-Singen kennt, dann ist das zu bedauern. Spätestens nach dem Anhören der vorliegenden Einspielung wird man sich auf die Suche nach weiteren Aufnahmen machen. Da dürfte so manche Überraschung warten. Denn der Komponist gehörte jener Musikergeneration an, die versuchte, den deutschen protestantischen Choral mit dem italienischen Madrigal zu verknüpfen, um dadurch eine wesentlich tiefgründigere Textausdeutung zu erzielen. Aus der Vokalmusik leitet Praetorius zudem die Formen für seine Orgelmusik ab; so entwickelt er aus der Choralbearbeitung die ebenso umfangreiche wie ausdrucksstarke Choralmotette. Schlichte homophone Sätze umstrickt er kreativ mit Kontrapunktik und figurativem Zierrat, und niemals gehen ihm dabei die Ideen aus. So wird die Orgelmusik dieses Großmeisters auch nie langweilig, egal, wie lang die Stücke sind.
Flamme musiziert an der Treutmann-Orgel in der Klosterkirche St. Georg zu Grauhof. Dieses Instrument wurde 1737 von dem Magdeburger Orgelbauer Christoph Treutmann vollendet. Es vereint Elemente sowohl aus der nord- als auch der mitteldeutschen Tradition, und wurde 1989-92 durch die Firma Hillebrand, Altwarmbüchen bei Hannnover, grundlegend restauriert. Flamme nutzt die reiche Palette an Klangfarben, die ihm dieses Instrument zur Verfügung stellt, gekonnt. Und weil die wenigen erhaltenen Orgelwerke von Michael Praetorius die beiden Silberscheiben nicht ganz füllen, ergänzt der Organist das Programm noch durch die kleineren Orgelgesamtwerke von David Abel, Johann Bahr, Jakob Bölsche, Petrus Hasse I und II, Wilhelm Karges, Hieronymus Praetorius III, Andreas Werckmeister und Melchior Woltmann. Wer sich für norddeutsche Orgelmusik interessiert, der kommt an dieser Einspielung jedenfalls nicht vorbei.
Dienstag, 16. Juli 2013
Voyages - Reisen (Tyxart)
Auf virtuelle Reisen geht mit dieser CD der Gambenvirtuose Jakob David Rattinger. „Deutschland und Frank- reich, die zwei großen Protagonisten dieser Aufnahme, sind im Barock zwei Staaten, zwei Systeme, wie sie unterschiedlicher nicht sein könn- ten“, stellt der Musiker im Beiheft fest. „Das offenbart sich vordergrün- dig im politischen System, das sich, durch die Geschichte Ludwigs XIV. begründet, in Frankreich in einer starken Zentralisierung ausprägte. In Deutschland hingegen fand man, mehr einem griechischen System entsprechend, eine Welt von Stadtstaaten vor. Die Gambe als Instru- ment, genauer ihre Musik, zeigt diese zwei polaren Welten auf besondere Art.“
Diese These vermag die Einspielung allerdings nicht zu belegen; mit scheinen die Gemeinsamkeiten deutlich zu überwiegen, wozu seinerzeit auch der Austausch zwischen den Musikern beigetragen haben dürfte. So reiste Carl Friedrich Abel, der als der letzte der großen Gambisten gilt, von Dresden über Frankreich nach England, wo er ein dankbares Publikum und einen neuen Wirkungskreis fand.
Rattinger präsentiert zudem Musik für Gambe solo von Marin Marais, Louis de Caix d’Hervelois, Jean-Baptiste Forqueray, Demachy, Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach. So nimmt er uns mit auf eine Reise in die virtuose, nicht selten auch kontemplative Welt der ba- rocken Gambenmusik. Leider vermisst der Hörer bei Rattingers Gamben- spiel ein wenig den großen musikalischen Bogen. Auch anspruchsvolle Werke mit rasanten Läufen können mit schönem Ton und intelligenter Phrasierung gespielt werden; mir persönlich klingt diese Aufnahme zu rebellisch, zu ruppig.
Diese These vermag die Einspielung allerdings nicht zu belegen; mit scheinen die Gemeinsamkeiten deutlich zu überwiegen, wozu seinerzeit auch der Austausch zwischen den Musikern beigetragen haben dürfte. So reiste Carl Friedrich Abel, der als der letzte der großen Gambisten gilt, von Dresden über Frankreich nach England, wo er ein dankbares Publikum und einen neuen Wirkungskreis fand.
Rattinger präsentiert zudem Musik für Gambe solo von Marin Marais, Louis de Caix d’Hervelois, Jean-Baptiste Forqueray, Demachy, Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach. So nimmt er uns mit auf eine Reise in die virtuose, nicht selten auch kontemplative Welt der ba- rocken Gambenmusik. Leider vermisst der Hörer bei Rattingers Gamben- spiel ein wenig den großen musikalischen Bogen. Auch anspruchsvolle Werke mit rasanten Läufen können mit schönem Ton und intelligenter Phrasierung gespielt werden; mir persönlich klingt diese Aufnahme zu rebellisch, zu ruppig.
Samstag, 19. März 2011
The Trio Sonata in 18th-Century England (BIS)
"It is wonderfull to observe what a skratching of Correlli there is every where - nothing will relish but Corelli", ätzte ein englischer Musikschriftsteller über die Werke, die im 18. Jahrhundert in Groß- britannien erklangen, "that his are transcendant wee grant; but that no style or compositions but his are valuable, is from a defect of copia in musick."
Diese CD zeigt, wie die Komponi- sten damals mit dieser Mode umgingen. Sie beginnt mit der Sonata in G-Dur von John Ravenscroft, einem Werk, das 1695 in Rom erschien, und das Zeitgenossen Corelli zuschrieben. Doch das London Baroque-Ensemble demonstriert anhand weiterer Triosonaten, dass längst nicht alle Musiker das Vorbild derart plump imitierten. Und so finden sich auf dieser CD sehr gelungene Interpretationen von Wer- ken Georg Friedrich Händels, Charles Avison, William Boyce, Thomas Augustine Arne, Karl Friedrich Abel und Thomas Erskine, Earl of Kelly. Die ausgewählten Werke machen deutlich, wie in Großbritan- nien das italienische Vorbild aufgegriffen, eigenen musikalischen Traditionen angepasst und letztlich zur Klassik weitergeführt wurde.
Diese CD zeigt, wie die Komponi- sten damals mit dieser Mode umgingen. Sie beginnt mit der Sonata in G-Dur von John Ravenscroft, einem Werk, das 1695 in Rom erschien, und das Zeitgenossen Corelli zuschrieben. Doch das London Baroque-Ensemble demonstriert anhand weiterer Triosonaten, dass längst nicht alle Musiker das Vorbild derart plump imitierten. Und so finden sich auf dieser CD sehr gelungene Interpretationen von Wer- ken Georg Friedrich Händels, Charles Avison, William Boyce, Thomas Augustine Arne, Karl Friedrich Abel und Thomas Erskine, Earl of Kelly. Die ausgewählten Werke machen deutlich, wie in Großbritan- nien das italienische Vorbild aufgegriffen, eigenen musikalischen Traditionen angepasst und letztlich zur Klassik weitergeführt wurde.
Samstag, 18. Juli 2009
Destination London (Berlin Classics)

"Music for the Earl of Abingdon", lautet das Motto dieser CD. Ihre Lordschaft, weitgereist, hatte einen erlesenen Musikgeschmack - und spielte offenbar ziemlich ordentlich Flöte. Davon jedenfalls zeugen diese durchweg hübschen Stücke, die von ihm komponiert oder ihm gewidmet wurden - Trios und Quartette von Abel, Stamitz, Johann Christian Bach und Joseph Haydn. Wilbert Hazelzet und Marion Moonen, Traversflöte, Bernadette Verhagen, Viola und Barbara Kernig, Violoncello, interpretieren diese charmante Kammermusik mit hörbarer Spielfreude. Das fällt nicht schwer, denn die klangschönen Kabinettstückchen haben durchaus Anspruch. Umso mehr freut man sich über ihre Wiederentdeckung.
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