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Montag, 11. September 2017

Vivaldi: Fagottkonzerte / Oboenkonzerte (Ars Produktion)

Simon Fuchs, Solo-Oboist des Tonhalle-Orchesters Zürich, und Matthias Rácz, Solofagottist dieses Ensembles sowie des Lucerne Festival Orchestra, präsentieren Konzerte von Antonio Vivaldi. Entstanden sind sie einst für das Mädchenorchester des Ospedale della Pietà in Venedig. Nicht umsonst wird dieses Ensemble in zeitgenössi- schen Reiseberichten immer wieder sehr gelobt. Die jungen Musikerinnen müssen enorm gut ausgebildet und überragend in ihrem jeweiligen Fach gewesen sein; diese Kompositionen jedenfalls sind durchaus anspruchsvoll und bieten selbst heutigen Solisten, auf modernen Instrumenten, so manche Herausforderung. 
Sowohl die Oboe als auch das Fagott waren zu Vivaldis Lebzeiten Innova- tionen. Entsprechend experimentierfreudig werden sie eingesetzt. Bei den Oboenkonzerten beispielsweise orientierte sich der Komponist am Vorbild der Violine, und auch dem Fagott verlangt er, unter anderem mit weiten Intervallsprüngen zwischen Tenor- und Basslage, so einiges ab. 
Eine Auswahl aus dem umfangreichen Repertoire, das Vivaldi für die Oboe und das Fagott geschaffen hat, ist auf dieser CD zu hören. Simon Fuchs und Matthias Rácz spielen virtuos, gekonnt gestalten sie ein abwechs- lungsreiches Programm. Die Solisten musizieren gemeinsam mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester unter Johannes Schlaefli. 

Mittwoch, 13. Juli 2016

Dresdner Fagottkonzerte aus Schranck II (Ars Produktion)

Die Dresdner Kapellsolisten, 1994 gegründet von Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle und geleitet von Helmut Branny, bringen Musik wieder zum Klingen, die zur Zeit Augusts des Starken von der Dresdner Hofkapelle gespielt wurde. Die Auswahl ist groß, denn die umfangreiche Musikaliensammlung des damaligen Dresdner Konzert- meisters Johann Georg Pisendel ist nahezu komplett überliefert. Sie wurde nach ihrem Ankauf durch den Hof im „Schranck No: II“ aufbewahrt; über diese spektakuläre Noten- kollektion, die sich heute in den Beständen der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden befindet, wurde in diesem Blog bereits mehrfach berichtet. 
Auf dieser CD sind nun aus den Beständen des „Schranck No: II“ zwei Fagottkonzerte von Antonín Reichenauer (?1694 biss 1730) sowie eines von Johann Gottlieb Graun (1703 bis 1771) und eines von Franz Horneck (um 1690 bis nach 1724) zu hören, vorbildlich interpretiert von Solo-Fagottist Erik Reike. Diese erstmals eingespielten Konzerte dürften Fagottisten generell erfreuen (sobald Noten-Editionen erschienen sind), denn sie bereichern das nicht übermäßig umfangreiche Repertoire für dieses Instrument um vier echte Perlen. Man staunt, welche Schätze im „Schrank No: II“ immer noch verborgen liegen! 
Georg Philipp Telemanns (1681 bis 1767) Concerto für zwei Hörner, Streicher und Basso continuo in Es-Dur, TWV 52: Es 1, befindet sich nicht in Pisendels Sammlung. Es ist aber bekannt, dass der Komponist 1719 zur Kurprinzenhochzeit in Dresden war, und Musik dafür geschrieben hat. Vermutet wird, dass dieses Konzert für die virtuosen Hornisten der Hof- kapelle entstanden ist, und 1719 während der Feierlichkeiten von diesen aufgeführt wurde. Nicht umsonst beginnt es mit einer majestätischen Polonaise. Den anspruchsvollen Solo-Part haben Harald Heim und Klaus Gayer übernommen. 

Donnerstag, 17. September 2015

Vivaldi - Bach - Händel: Concertos & Sonatas (Supraphon)

Wenn ein Fagottist nicht nur im Ensemble mitspielen will, dann ist das gar nicht so einfach. Denn das Repertoire für Fagott solo ist nicht besonders umfangreich. Erst in jüngster Zeit haben Komponisten das Instrument wiederentdeckt – dazu demnächst mehr. Wer ältere Literatur spielen möchte, der muss bis in die Barockmusik zurückgehen. Konzerte und Sonaten für Fagott sind aber auch in der „Alten“ Musik nicht gerade üppig vertreten. 
Deshalb hat Václav Vonášek für seine CD die beiden „originalen“ Werke von Antonio Vivaldi, der sehr viel Musik für das Fagott komponiert hat, durch Transkriptionen ergänzt. „Die natürlichste Art, Flötenkompositionen für das Fagott zu bearbeiten, ist das Transponieren um eine Duodezim nach unten – so viel beträgt nämlich der Unterschied zwischen den Grundton- reihen der beiden Instrumente“, erläutert der Fagottist. Er hat so die Flötensonate in E-Dur BWV 1035 von Johann Sebastian Bach sowie die Flöten-Solosonate in a-Moll von Carl Philipp Emanuel Bach mit seinem Instrument eingespielt. Zwischen den beiden Sonaten erklingt zudem die Arie Dopo notte aus der Oper Ariodante von Georg Friedrich Händel. Die Anregung dazu verdankt der Musiker, so berichtet er in dem sehr infor- mativen Beiheft zu dieser CD, dem Tenor Rolando Villazón. Dieser zeige mit seiner Interpretation, dass man kein Mezzosopran sein muss, um dieses Werk (das für eine Kastratenstimme geschrieben wurde) über- zeugend vortragen zu können. Und in der Tat klingt die bekannte Melodie auch auf dem Fagott prächtig. Generell ist das wohldurchdachte und ausgesprochen farbenreiche Spiel von Václav Vonášek sehr zu loben. Das Ensemble Barocco sempre giovane begleitet den Solisten gekonnt. Unbedingt anhören! 

Freitag, 23. Mai 2014

Vivaldi: Concerti per fagotto (Arcana)

Konzerte für das Fagott sind Raritäten. Warum in den letzten 200 Jahren kaum ein Komponist dieses Instrument bedacht hat, das gehört zu den Rätseln der Musik- geschichte. In der „Jugendzeit“ des Fagotts war das anders. Antonio Vivaldi beispielsweise hat etliche Konzerte dafür geschrieben. Sie sind möglicherweise für die Kapelle des böhmischen Grafen Morzin entstanden, dem Vivaldi auch die berühmten Vier Jahres- zeiten gewidmet hatte. Der Solist, für den sie bestimmt waren, muss freilich ein Könner gewesen sein. Das zeigt auch diese CD, auf der Alberto Grazzi sieben Fagottkonzerte des venezianischen Kompo- nisten vorträgt. Der Virtuose erweist sich als Könner auf dem Barockfagott; allerdings ist mehr als eine Stunde Fagott-Musik für den Zuhörer schon eine Herausforderung.  Die CD ist zugleich das Debüt des Ensembles Zefiro bei seinem neuen Exklusivlabel Arcana. 

Freitag, 12. Oktober 2012

Fagottkonzerte (Genuin)

Christian Kunert, geboren 1983, entstammt einer Musikerfamilie. Zunächst spielte er Klavier; als er neun Jahre alt war, brachte ihn sein Vater zudem zum Fagott- unterricht in die Esslinger Musik- schule. Auch an der Hochschule für Musik in Würzburg widmete er sich sowohl dem Klavier als auch dem Fagott. "Bis zum Hauptstu- dium liefen das Fagott- und das Klavierstudium nebeneinander her", berichtet der Musiker. "Realistisch betrachtet, war es eigentlich recht früh klar, dass ich Fagottist werden würde. Wenn Sie sehen, wie schwer man es als Pianist hat, auf der Karriereleiter hochzustiegen, und wie schön es ist, im Orchester zu spielen, hat sich die Fragestellung schnell erledigt. Dennoch profitiere ich immer noch sehr von meiner Pianistenausbildung und spiele selbst noch Klavier als Kammermusiker und Begleiter." 
Kunert hat zahlreiche Wettbewerbe und Preise gewonnen. 2003 wurde er Mitglied im Orchester des Staatstheaters Stuttgart. Seit 2005 musiziert er als Solofagottist im Philharmonischen Staats- orchester Hamburg, seit 2010 unterrichtet er zudem als Professor für Fagott an der Hochschule für Musik und Theater in der Hansestadt. Auf dieser Debüt-CD musiziert er gemeinsam mit der Kammerakade- mie Potsdam - und er stellt mit vier sehr unterschiedlichen Werken unter Beweis, dass der Fagottklang auch solistisch seine Reize hat. 

Samstag, 22. September 2012

Rosetti: Bassoon Concertos Vol. 2 (cpo)

Antonio Rosetti (1750 bis 1792) stammte aus Böhmen. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts ge- sichert bekannt. Es wird vermutet, dass er seine musikalische Aus- bildung bei den Jesuiten erhielt. Im Herbst 1773 trat er als Kontra- bassist in den Dienst des Grafen Kraft Ernst zu Oettingen-Waller- stein. Dort musizierte er nicht nur in der Hofkapelle, er komponierte auch, und wurde schließlich 1781 von seinem Dienstherrn nach Paris gesandt. Von dieser Bildungsreise kehrte Rosetti im Mai 1782 zurück; er war in Paris mit seinen Werken sehr erfolgreich gewesen, und bald schon erschienen seine Komposi- tionen bei namhaften Verlegern, und wurden in ganz Europa gespielt. 1785 ernannte ihn Fürst Kraft Ernst zum Hofkapellmeister.
Vier Jahre später ging der Musiker, der damals in einem Atemzug mit Mozart und Haydn genannt wurde, nach Ludwigslust. Als Hofkapell- meister des Herzogs Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin verdiente Rosetti wesentlich mehr; endlich war er seine Geldsorgen los. Allerdings konnte er das sehr ordentliche Gehalt und die hohen Ehren, die man ihm dort angedeihen ließ, nur noch eine kurze Frist genießen. Rosetti schuf in seinem kurzen Leben eine Vielzahl von Werken. Darunter sind Lieder ebenso wie Konzerte, Oratorien, Har- moniemusiken, Sinfonien wie Kammermusik.
Rosetti hat offenbar auch zehn Fagottkonzerte geschrieben; sieben davon sind erhalten. Eckart Hübner, Professor an der Universität der Künste in Berlin, hat vier davon bereits vor einiger Zeit für cpo ein- gespielt. Mit der vorliegenden CD vollendet er nun die Gesamtaufnah- me. Rosetti kombiniert in seiner Musik Elemente, die bereits auf die Klassik verweisen, mit galanten Klängen und einer großen Portion Charme und Witz. Hübner weiß dies herauszuarbeiten. Dabei steht ihm das Kurpfälzische Kammerorchester zur Seite - ein Klangkörper, der sich den Traditionen der Mannheimer Schule verschrieben hat. Das passt ganz ausgezeichnet, und der Zuhörer darf sich obendrein über eine Zugabe freuen: Mozarts Fagottkonzert B-Dur, das früheste Bläserkonzert des Komponisten, das dieser im Alter von 18 Jahren geschrieben hat - und das den Solisten vor so manche Herausforde- rung stellt. Hübner bewältigt auch diese Partie souverän, wobei er sich für eine zügige und elegante Interpretation entschieden hat. Schön! 

Sonntag, 23. Januar 2011

Graupner: Fagott- und Violinkonzerte (Carus)

Mehr als 40 Konzerte hat der Darmstädter Hofkapellmeister Christoph Graupner (1683 bis 1760) komponiert - die meisten davon für Bläser. So enthält diese CD allein vier Konzerte für Fagott, eines davon, das Konzert in C-Dur GWV 301 in Weltersteinspielung. Doch auch Graupners einziges Solokonzert für Violine in A-Dur GMV 337 findet sich in Welterst- einspielung, ebenso wie das Konzert für Chalumeau, Fagott und Violoncello C-Dur GWV 306. 
Graupners Konzerte überraschen durch viele unkonventionelle Wendungen und eine gewisse Kantigkeit des musikalischen Materials, das eher nach Haydn klingt als nach Corelli. Sie sind virtuos, aber es sind keine Barockkonzerte mehr. 
Friedemann Wezel, Professor für Violine an der Leipziger Musikhoch- schule, hat die Konzerte gemeinsam mit dem außerordentlich versier- ten Fagottisten Sergio Azzolini und Christian Leitherer, einem Spezia- listen für historisches Klarinettenspiel, sowie dem Ensemble Il Capriccio eingespielt. Zu hören sind historische Instrumente oder Kopien von Instrumenten aus jener Zeit, so ein Bass-Chalumeau, eine Rarität aus der Familie der Klarinetten, das aber runder und dunkler klingt als eine Klarinette, und ein Fagott nach einem Original aus dem Jahre 1720, mit dem typischen weichen Klang des Barockfagottes. 
Diese CD ist die Einladung zu einer faszinierenden musikalischen Zeitreise - inklusive der Entdeckung weiterer Werke eines Kompo- nisten, der seine Schaffenszeit nahezu ausschließlich in Darmstadt verbracht hat, und deshalb noch gründlicher dem Vergessen anheim gefallen ist als beispielsweise seine Zeitgenossen Bach, Kuhnau oder Heinichen. Es ist schön, dass anlässlich seines 250. Todestages im vergangenen Jahr etliche Graupner-Einspielungen erschienen sind - diese hier gehört ohne Zweifel zu den besten davon.

Sonntag, 30. Mai 2010

Vivaldi: Concerti per fagotto, archi e continuo (Tactus)

Vivaldi schrieb mehr Konzerte für Fagott als beispielsweise für Flöte oder Oboe. Das ist einigermaßen erstaunlich, denn das Instrument erklang seinerzeit fast ausschließ- lich als Teil des Basso continuo; verwendete es ein Komponist bei einer Arie als obligates Instru- ment, dann war das schon fast ein Ereignis. 
Musikwissenschaftler mögen rät- seln, wieso fast 40 Fagottkonzerte Vivaldis überliefert sind - wir dürfen uns über sieben davon freuen, denn Roberto Giaccaglia, Solofagottist am Teatro La fenice in Venedig, hat sie gemeinsam mit dem Ensemble Respighi für Tactus eingespielt. Und wie es aussieht, ist die Weiterführung dieser Aufnah- men geplant. 
Das erscheint durchaus lohnenswert, denn Vivaldis Konzerte für Fagott, Streicher und Basso continuo sind hübsche kleine musika- lische Kabinettstücke. Auch wenn Vivaldi selber Geiger war, wusste er offensichtlich doch genau um die Grenzen und Möglichkeiten des Instrumentes, das damals noch etwas anders aussah als heute - und auch anders klang. Die Musik, die er dafür schuf, ist teilweise hochvirtuos. Die langsamen Sätze sind sanglich, und oft elegisch bis melancholisch eingefärbt. 
Auch Giaccaglia und das Ensemble Respighi spielen sehr hörenswert, so dass man sich auf die Fortsetzung dieser Reihe freuen darf.