Jazz trifft auf Barock – und es ist eine spannungsvolle Begegnung! Diese CD dokumentiert, was geschieht, wenn zwei Musiktraditionen zueinander finden, die sich nur auf den ersten Blick stark unterscheiden. Natürlich sind Harmonik und Rhythmik jeweils ganz eigen. Doch die Liebe zur Improvisation vereint Jazz und Barockmusik.
Wie das klingen kann, das zeigen der erfahrene Lautenist Rolf Lislevand und das junge Ensemble Concerto Stella Matutina mit dieser Aufnahme. Die Musiker machen deutlich, dass auch barocke Klänge grooven können – und dass man moderne Musik auch auf historischen Instrumenten ganz wunderbar spielen kann.
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Montag, 27. August 2018
Montag, 30. Juli 2018
Gabrieli for Brass (Linn Records)
An wohl keinem anderen Ort der Welt wurde im 16. Jahrhundert so prächtig musiziert wie in Venedig. Andrea und Giovanni Gabrieli, Organisten am Markusdom, nutzten die Architektur dazu geschickt aus, indem sie Chöre von Sängern und Musikern im Gebäude verteilten. Damit erzielten sie Klangeffekte, die das Publikum sehr beeindruckten.
Dass das mehrchörige Musizieren noch immer attraktiv ist, beweist diese CD, die Studierende der Royal Academy of Music und der Juilliard School gemeinsam eingespielt haben. Es ist erstaunlich, wie viele Blechbläser diese beiden renommierten Musikhochschulen aufzubieten haben; dass die angehenden Musiker auf höchstem Niveau agieren, darf man voraussetzen.
Unter Leitung von Reinhold Friedrich, Visiting Professor of Trumpet an der Royal Academy of Music, haben die Trompeter und Posaunisten, unterstützt durch Benedict Williams an der Orgel, die Werke Gabrielis und seiner Zeitgenossen sorgsam studiert. Mit ihren modernen Instrumenten können sie zwar den Klang der Renaissance-Originale nicht imitieren. Aber sie können die musikalische Rhetorik und die Verzierungspraxis jener Zeit nachvollziehen, und sie können mitteltönig statt temperiert spielen. Das Ergebnis hätte auch den Venezianern gefallen. Was für ein Glanz! Ein derart leistungsstarkes Blechbläserensemble war seinerzeit wohl nicht einmal am Kaiserhof zu hören.
Dass das mehrchörige Musizieren noch immer attraktiv ist, beweist diese CD, die Studierende der Royal Academy of Music und der Juilliard School gemeinsam eingespielt haben. Es ist erstaunlich, wie viele Blechbläser diese beiden renommierten Musikhochschulen aufzubieten haben; dass die angehenden Musiker auf höchstem Niveau agieren, darf man voraussetzen.
Unter Leitung von Reinhold Friedrich, Visiting Professor of Trumpet an der Royal Academy of Music, haben die Trompeter und Posaunisten, unterstützt durch Benedict Williams an der Orgel, die Werke Gabrielis und seiner Zeitgenossen sorgsam studiert. Mit ihren modernen Instrumenten können sie zwar den Klang der Renaissance-Originale nicht imitieren. Aber sie können die musikalische Rhetorik und die Verzierungspraxis jener Zeit nachvollziehen, und sie können mitteltönig statt temperiert spielen. Das Ergebnis hätte auch den Venezianern gefallen. Was für ein Glanz! Ein derart leistungsstarkes Blechbläserensemble war seinerzeit wohl nicht einmal am Kaiserhof zu hören.
Freitag, 29. Dezember 2017
Frescobaldi: Organ Works (Ricercar)
„Non senza fatiga si giunge al fine“ – man erreicht das Ende nicht ohne Mühsal, das notierte einst Girolamo Frescobaldi (1583 bis 1643) als Anmerkung nach dem letzten Takt seiner Toccata IX aus dem Secondo libro di Toccate, gedruckt 1627 in Rom. Bernard Foccroulle beendet mit diesem berühmten und sehr anspruchsvollen Stück seine Einspielung ausgewählter Orgelwerke des Komponisten.
Er gibt auf dieser CD einen Überblick über das Schaffen Frescobaldis, von den Messen aus den Fiori Musicali bis hin zu nahezu profanen Stücken. Dabei schließt er sogar die Vokalmusik des Komponisten mit ein; Alice Foccroulle singt drei Motetten für Sopran. Bei einer Fantasia lässt sich auch Lambert Colson auf dem Zink hören.
Abwechslungsreich ist das Programm aber nicht nur durch die geschickt ausgewählten Werke. Foccroulle stellt zugleich drei historische Orgeln vor, die zu dieser Musik hervorragend passen. So erklingt eine bezaubernde kleine Orgel, die um 1600 von einem unbekannten Orgelbauer angefertigt wurde und sich heute in der Kirche Santa Barbara in Rom befindet. Dieses Instrument, 1995 von Marco Fratti restauriert, besitzt nur acht Register, aber es fasziniert durch seine Ausdruckskraft.
Zu hören ist weiter die Orgel der Kirche San Francesco in Trevi, 1509 von Paolo di Pietropaolo da Montefalco gebaut und vom Klangideal der Renaissance geprägt. Das dritte Instrument befindet sich in der Chiesa di Santa Maria Annunziata in Cerreto di Spoleto. Es soll 1580 von Ascanio Belforti errichtet worden sein und wurde 1620 von Armodio Maccioni erweitert. Beide Orgeln hat Claudio Pinchi restauriert.
Sie klingen jeweils sehr charakteristisch, und Foccroulle setzt die verfügbaren Register versiert ein, um Frescobaldis Musik aufs Beste zu gestalten. Er musiziert mit einer Leichtigkeit, über die man nur staunen kann. So erweist sich diese CD rundum als Hörgenuss. Hinreißend!
Er gibt auf dieser CD einen Überblick über das Schaffen Frescobaldis, von den Messen aus den Fiori Musicali bis hin zu nahezu profanen Stücken. Dabei schließt er sogar die Vokalmusik des Komponisten mit ein; Alice Foccroulle singt drei Motetten für Sopran. Bei einer Fantasia lässt sich auch Lambert Colson auf dem Zink hören.
Abwechslungsreich ist das Programm aber nicht nur durch die geschickt ausgewählten Werke. Foccroulle stellt zugleich drei historische Orgeln vor, die zu dieser Musik hervorragend passen. So erklingt eine bezaubernde kleine Orgel, die um 1600 von einem unbekannten Orgelbauer angefertigt wurde und sich heute in der Kirche Santa Barbara in Rom befindet. Dieses Instrument, 1995 von Marco Fratti restauriert, besitzt nur acht Register, aber es fasziniert durch seine Ausdruckskraft.
Zu hören ist weiter die Orgel der Kirche San Francesco in Trevi, 1509 von Paolo di Pietropaolo da Montefalco gebaut und vom Klangideal der Renaissance geprägt. Das dritte Instrument befindet sich in der Chiesa di Santa Maria Annunziata in Cerreto di Spoleto. Es soll 1580 von Ascanio Belforti errichtet worden sein und wurde 1620 von Armodio Maccioni erweitert. Beide Orgeln hat Claudio Pinchi restauriert.
Sie klingen jeweils sehr charakteristisch, und Foccroulle setzt die verfügbaren Register versiert ein, um Frescobaldis Musik aufs Beste zu gestalten. Er musiziert mit einer Leichtigkeit, über die man nur staunen kann. So erweist sich diese CD rundum als Hörgenuss. Hinreißend!
Frescobaldi: Capricci (1624) (Passacaille)
Die außerordentliche Vielfalt kompositorischer Mittel, die Girolamo Frescobaldi in seinen Capricci anwendet, wird in der vorliegenden Aufnahme mit Liuwe Tamminga auch durch die Vielfalt der Instrumente betont. Der Organist hat dafür Orgeln ausgewählt, die er sehr gut kennt, denn er wirkt an der Basilika San Petronio in Bologna. Dort befinden sich zwei ganz besondere historische Instrumente: Auf der Epistelseite erklingt eine Orgel von Lorenzo da Prato aus den Jahren 1471-75, ergänzt von Giovanni Battista Facchetti 1531, und auf der Evangelienseite eine weitere Orgel von Baldassare Malamini aus dem Jahre 1596. Zu hören ist zudem die Orgel von Giovanni Cipri in der Basilika San Martino, erbaut 1556; ebenfalls eine der klangschönsten und dazu am besten erhaltenen Renaissance-Orgeln der Welt.
Noch farbenreicher wird die Einspielung durch ein Cembalo von Giovanni Battista Giusti aus dem Jahre 1679, das heute in Bologna im San Colombano Museum ausgestellt ist. Liuwe Tamminga spielt darauf, als Zugabe, das Capriccio VII noch einmal. Er macht so deutlich, dass dieses Stück mit seinen Variationen auch auf dem Cembalo gut aufzuführen ist – wie überhaupt die Capricci offenbar die beliebtesten Werke Frescobaldis waren; immer wieder wurden sie neu gedruckt. Tamminga präsentiert diese kunstvollen Musikstücke, die ebenso verspielt wie raffiniert Möglichkeiten und mitunter auch Grenzen der damals gebräuchlichen Kompositionstechniken ausloten, gekonnt und inspiriert.
Noch farbenreicher wird die Einspielung durch ein Cembalo von Giovanni Battista Giusti aus dem Jahre 1679, das heute in Bologna im San Colombano Museum ausgestellt ist. Liuwe Tamminga spielt darauf, als Zugabe, das Capriccio VII noch einmal. Er macht so deutlich, dass dieses Stück mit seinen Variationen auch auf dem Cembalo gut aufzuführen ist – wie überhaupt die Capricci offenbar die beliebtesten Werke Frescobaldis waren; immer wieder wurden sie neu gedruckt. Tamminga präsentiert diese kunstvollen Musikstücke, die ebenso verspielt wie raffiniert Möglichkeiten und mitunter auch Grenzen der damals gebräuchlichen Kompositionstechniken ausloten, gekonnt und inspiriert.
Donnerstag, 28. Dezember 2017
Frescobaldi: Stylus fantasticus & the Art of Variation (Accent)
In einem Ruhmestempel der Musikgeschichte dürfte für Girolamo Frescobaldi (1583 bis 1643) ganz sicher ein Platz in vorderster Reihe reserviert sein. Schon in jungen Jahren begeisterte der junge Musiker, in Ferrara aufgewachsen und ein Schüler von Luzzasco Luzzaschi, durch sein Orgelspiel. 1608 wurde er Organist am Petersdom in Rom. Zwischenzeitlich wirkte er auch in Mantua und von 1628 bis 1633 als Hoforganist in Florenz. Ab 1634 musizierte er allerdings wieder an St. Peter; Organisten aus ganz Europa kamen nach Rom, um von ihm zu lernen.
Für die Entwicklung des Repertoires und auch der Technik des Spiels von Tasteninstrumenten hatte Frescobaldi ähnliche Bedeutung wie sein niederländischer Kollege Jan Pieterszoon Sweelinck. Er beeinflusste und inspirierte zahlreiche Musiker, von Johann Jakob Froberger – der sein Schüler war – über Michelangelo Rossi, Louis Couperin und Bernardo Pasquini bis hin zu Johann Pachelbel, Dieterich Buxtehude und Johann Sebastian Bach.
Der italienische Cembalist und Organist Luca Guglielmi zeigt in seiner Einspielung zwei wichtige Aspekte der musikalischen Ästhetik Frescobaldis: Der Stylus fantasticus, insbesondere in Form der Toccata, erscheint als Tummelplatz für den unerschöpflichen Einfallsreichtum des Komponisten. Andererseits beherrschte Frescobaldi ebenso exzellent die Kunst der kontrapunktischen, thematischen und metrisch-rhythmischen Variation, wie seine Partiten, Suiten, Tanzsätze und Capricci beweisen.
Guglielmi musiziert auf einer hervorragenden Kopie eines anonymen italienischen Cembalos aus dem 17. Jahrhundert, angefertigt 1994 von Michele Barchi, und auf der 1750 von Giacomo Filippo Landesio erbauten Orgel der Pfarrkirche von Luserna San Giovanni, im Piemont.
Für die Entwicklung des Repertoires und auch der Technik des Spiels von Tasteninstrumenten hatte Frescobaldi ähnliche Bedeutung wie sein niederländischer Kollege Jan Pieterszoon Sweelinck. Er beeinflusste und inspirierte zahlreiche Musiker, von Johann Jakob Froberger – der sein Schüler war – über Michelangelo Rossi, Louis Couperin und Bernardo Pasquini bis hin zu Johann Pachelbel, Dieterich Buxtehude und Johann Sebastian Bach.
Der italienische Cembalist und Organist Luca Guglielmi zeigt in seiner Einspielung zwei wichtige Aspekte der musikalischen Ästhetik Frescobaldis: Der Stylus fantasticus, insbesondere in Form der Toccata, erscheint als Tummelplatz für den unerschöpflichen Einfallsreichtum des Komponisten. Andererseits beherrschte Frescobaldi ebenso exzellent die Kunst der kontrapunktischen, thematischen und metrisch-rhythmischen Variation, wie seine Partiten, Suiten, Tanzsätze und Capricci beweisen.
Guglielmi musiziert auf einer hervorragenden Kopie eines anonymen italienischen Cembalos aus dem 17. Jahrhundert, angefertigt 1994 von Michele Barchi, und auf der 1750 von Giacomo Filippo Landesio erbauten Orgel der Pfarrkirche von Luserna San Giovanni, im Piemont.
Sonntag, 9. Oktober 2016
The Organ at European Courts (Brilliant Classics)
Nicht nur in Kirchen erklang in früheren Jahrhunderten die Orgel. Zur Zeit der Renaissance und auch noch im Barock spielte man sie an vielen europäischen Höfen durchaus auch zur Unterhaltung. Die Instru- mente, die dabei genutzt wurden, waren zumeist kleiner als die klangstarken Kirchenorgeln. Francesco Cera, ein ausgewiesener Spezialist für das historische Repertoire, hat für dieses Album ein Programm zusammengestellt, das exemplarisch zeigt, wie höfische Orgelmusik geklungen hat. Die ausgewählten Stücke führen den Hörer quer durch Europa – von Andrea Gabrieli (1533 bis 1585) bis zu Samuel Scheidt (1578 bis 1654), von Paul Hofhaimer (1459 bis 1537) bis Hugh Aston (um 1485 bis 1558) und von Antonio de Cabezon (1510 bis 1566) bis zu Pierre Attaingnant (1494 bis 1552). All diese Canzonen, Tänze und Variationswerke geben ein ebenso abwechslungsreiches wie beeindruckendes Bild von den Fähigkeiten der damaligen Musiker, die auf technisch vergleichsweise schlichten Instru- menten erstaunlich virtuose Werke vorgetragen haben.
Für diese Aufnahme wählte Cera ein Orgelpositiv von 1772, das sich im Refektorium des Franziskanerkonvents im italienischen Lustra Cilento befindet. Diese organo ottavino in kompakter neapolitanischer Bauart, 2012 liebevoll restauriert, ähnelt vielen Hausorgeln des europäischen Adels, so der Organist. Bei der Einspielung wurde sogar der Orgelwind originalgetreu von Hand erzeugt.
Für diese Aufnahme wählte Cera ein Orgelpositiv von 1772, das sich im Refektorium des Franziskanerkonvents im italienischen Lustra Cilento befindet. Diese organo ottavino in kompakter neapolitanischer Bauart, 2012 liebevoll restauriert, ähnelt vielen Hausorgeln des europäischen Adels, so der Organist. Bei der Einspielung wurde sogar der Orgelwind originalgetreu von Hand erzeugt.
Freitag, 12. August 2016
Frobergers Reisen (Raumklang)
Das Leben des Johann Jacob Fro- berger (1616 bis 1667) war ein unruhiges. Auch wenn sein Vater Hofkapellmeister in Stuttgart war, und vier seiner Geschwister ebenfalls als Musiker in der Hofkapelle ange- stellt wurden – der Dreißigjährige Krieg dürfte Kindheit und Jugend wohl mit geprägt haben. 1637 starben beide Eltern an der Pest. In diesem Jahr, mit gerade einmal 21 Jahren, wurde Johann Jacob Froberger Organist am Wiener Hof, und schon im November reiste er zum ersten Male nach Italien, zu Girolamo Frescobaldi.
Auf Reisen verbrachte er viele Jahre seines Lebens. Dabei lernte er viele bedeutende Kollegen kennen. In Dresden beispielsweise, wo er im Winter 1649/50 auf der Rückkehr von seiner zweiten Italienreise Station machte, trat er im musikalischen Wettstreit gegen den Hoforganisten Matthias Weckmann an – und gewann nicht nur eine goldene Kette, sondern einen Freund fürs Leben.
Froberger reiste durch Deutschland, die Niederlande, England und Frank- reich, wo er offenbar Louis Couperin in freundschaftlichem Austausch begegnete. Beide schrieben ein Tombeau sur la mort de monsieur Blancroche, für den Sohn der Hofnärrin Heinrichs IV., der, wie die Legende berichtet, in einem Freudenhaus die Treppe hinabstürzte und dabei zu Tode kam. Von Couperin ist zudem ein Prélude à l'imitation de Mr. Froberger überliefert; all diese Werke erklingen auf der vorliegenden Doppel-CD.
Magdalena Hasibeder folgt den Spuren, die Froberger auf seinen Reisen hinterlassen hat. Eine kluge Programm-Idee der österreichischen Organistin und Cembalistin; sie spielt Werke Frobergers und seiner Zeit- genossen, zugeordnet jeweils bestimmten Reisestationen. Dabei zeigt sie zugleich, wie der Orgelvirtuose sich regionalen stilistischen Besonder- heiten angepasst hat, und wie überlegen er selbst Gelegenheitswerke gestaltet hat. Man höre nur das Lamento sopra la dolorosa perdita della Real M.stà di Ferdinando Rè de Romani aus dem Jahre 1656, seine Plainte faite à Londres pour passer la melancholi: la quelle se joüe lentement avec discretion oder seine Allemande faite en passant le Rhin dans un barque en grande peril – der musikalische Bericht über eine Rheinfahrt, bei der wohl so manches schiefgegangen ist. Auch sonst findet sich in der Musik- auswahl so manche Rarität; ich fand das Programm ausgesprochen interessant und abwechslungsreich.
Hasibeder hat sich die dazu passenden Instrumente ausgesucht; sie spielt ein italienisches und ein französisches Cembalo jener Zeit aus der Sammlung historischer Musikinstrumente im Haus der Musik des Landesmuseums Württemberg in Stuttgart, sowie die Wöckherl-Orgel aus dem Jahre 1642 der Franziskanerkirche in Wien. Wie schon auf ihrer letzten CD Vom Stylus phantasticus zur freien Fantasie mit virtuoser Cembalomusik um Johann Sebastian Bach, veröffentlicht ebenfalls bei Raumklang, musiziert Magdalena Hasibeder auch hier ausgesprochen souverän. Wer Barockmusik schätzt, oder einfach nur erfahren möchte, wie Musik in Europa im 17. Jahrhundert geklungen hat, der sollte sich diese Aufnahme nicht entgehen lassen.
Auf Reisen verbrachte er viele Jahre seines Lebens. Dabei lernte er viele bedeutende Kollegen kennen. In Dresden beispielsweise, wo er im Winter 1649/50 auf der Rückkehr von seiner zweiten Italienreise Station machte, trat er im musikalischen Wettstreit gegen den Hoforganisten Matthias Weckmann an – und gewann nicht nur eine goldene Kette, sondern einen Freund fürs Leben.
Froberger reiste durch Deutschland, die Niederlande, England und Frank- reich, wo er offenbar Louis Couperin in freundschaftlichem Austausch begegnete. Beide schrieben ein Tombeau sur la mort de monsieur Blancroche, für den Sohn der Hofnärrin Heinrichs IV., der, wie die Legende berichtet, in einem Freudenhaus die Treppe hinabstürzte und dabei zu Tode kam. Von Couperin ist zudem ein Prélude à l'imitation de Mr. Froberger überliefert; all diese Werke erklingen auf der vorliegenden Doppel-CD.
Magdalena Hasibeder folgt den Spuren, die Froberger auf seinen Reisen hinterlassen hat. Eine kluge Programm-Idee der österreichischen Organistin und Cembalistin; sie spielt Werke Frobergers und seiner Zeit- genossen, zugeordnet jeweils bestimmten Reisestationen. Dabei zeigt sie zugleich, wie der Orgelvirtuose sich regionalen stilistischen Besonder- heiten angepasst hat, und wie überlegen er selbst Gelegenheitswerke gestaltet hat. Man höre nur das Lamento sopra la dolorosa perdita della Real M.stà di Ferdinando Rè de Romani aus dem Jahre 1656, seine Plainte faite à Londres pour passer la melancholi: la quelle se joüe lentement avec discretion oder seine Allemande faite en passant le Rhin dans un barque en grande peril – der musikalische Bericht über eine Rheinfahrt, bei der wohl so manches schiefgegangen ist. Auch sonst findet sich in der Musik- auswahl so manche Rarität; ich fand das Programm ausgesprochen interessant und abwechslungsreich.
Hasibeder hat sich die dazu passenden Instrumente ausgesucht; sie spielt ein italienisches und ein französisches Cembalo jener Zeit aus der Sammlung historischer Musikinstrumente im Haus der Musik des Landesmuseums Württemberg in Stuttgart, sowie die Wöckherl-Orgel aus dem Jahre 1642 der Franziskanerkirche in Wien. Wie schon auf ihrer letzten CD Vom Stylus phantasticus zur freien Fantasie mit virtuoser Cembalomusik um Johann Sebastian Bach, veröffentlicht ebenfalls bei Raumklang, musiziert Magdalena Hasibeder auch hier ausgesprochen souverän. Wer Barockmusik schätzt, oder einfach nur erfahren möchte, wie Musik in Europa im 17. Jahrhundert geklungen hat, der sollte sich diese Aufnahme nicht entgehen lassen.
Freitag, 29. Juli 2016
L'arpa Barberini (Accent)
Diese CD ist einem ganz besonderen Instrument gewidmet: Die „Arpa Barberini“, angefertigt um 1620, ist bis heute nahezu unverändert erhalten geblieben. Nicht nur die aufwendige Verzierung macht diese Harfe außergewöhnlich. So wird die Säule, vergoldet und üppig mit Putten geschmückt, vom Wappen der Barberini gekrönt. Die Saiten der Harfe sind zudem in drei Reihen angeordnet, was das chromatische Spiel in allen Tonarten ermöglicht.
Das kostbare Instrument ist erhalten; es befindet sich heute im Museo Nazionale degli Strumenti Musicali in Rom. Margret Köll musiziert auf einer 2007 angefertigten Kopie, wenn sie auf dieser CD gemeinsam mit der Sopranistin Roberta Invernizzi Musik von Komponisten vorstellt, die mit dem Hof der Barberini in Verbindung zu bringen sind. Die Auswahl ist groß, denn die Barberini waren reich und mächtig; die Familie stellte etliche Kardinäle und sogar einen Papst, Urban VIII. Er verstand sich als Förderer der Künste und der Wisssenschaft, bewahrte seinen Jugendfreund Galileo Galilei vor dem Scheiterhaufen und weihte 1626 den Petersdom ein.
Das kostbare Instrument ist erhalten; es befindet sich heute im Museo Nazionale degli Strumenti Musicali in Rom. Margret Köll musiziert auf einer 2007 angefertigten Kopie, wenn sie auf dieser CD gemeinsam mit der Sopranistin Roberta Invernizzi Musik von Komponisten vorstellt, die mit dem Hof der Barberini in Verbindung zu bringen sind. Die Auswahl ist groß, denn die Barberini waren reich und mächtig; die Familie stellte etliche Kardinäle und sogar einen Papst, Urban VIII. Er verstand sich als Förderer der Künste und der Wisssenschaft, bewahrte seinen Jugendfreund Galileo Galilei vor dem Scheiterhaufen und weihte 1626 den Petersdom ein.
Montag, 27. Juli 2015
Passagi (Atma Classique)
Zwei junge kanadische Musiker aus Kanada haben diese CD mit „alter“ europäischer Musik eingespielt. Vincent Lauzer, Blockflöten, hat ebenso wie der Cembalist und Organist Mark Edwards bereits etliche Wettbewerbe gewonnen. Für ihre Einspielung haben sie ein Programm zusammengestellt, das sich weniger an populären Melodien und bekannten Namen als vielmehr an musikhistorischen Entwicklungen orientiert. So erklingen die Variationen von Giovanni Bassano (1558 bis 1617) zu Orlando di Lassos Lied Susanne un jour, mit einer wahren Flut an Verzierungen. Ähnliches ist über die Variationen von Riccardo Rogniono (um 1555 bis um 1620) über das Madrigal Ancor che co'l partire von Cipriano de Rore zu berichten. Auch wenn die Komponisten sicherlich, wie es damals Brauch war, nicht alles ausnotiert haben, was die Musiker letztendlich gespielt haben, so geben diese beiden Werke doch einen interessanten Einblick in die damalige Musizierpraxis. Ähnlich sorgsam haben Lauzer und Edwards auch den Rest des Programmes zusammengestellt – mit Werken von Girolamo Frescobaldi (1583 bis 1643), Angelo Notari (1566 bis 1663), Angelo Berardi (um 1636 bis 1694), Dario Castello (um 1590 bis um 1630), zwei der expressiven Sonaten von Giovanni Antonio Pandolfi Mealli (um 1620 bis 1669) und zwei von seinem deutschen Kollegen Johann Heinrich Schmelzer (um 1620 bis 1680). Eine spannende Kombination, die beiden Musikern Gelegenheit bietet zu virtuosem und farbenreichem Spiel. Unbedingt hörenswert.
Freitag, 1. Mai 2015
Kronthaler: The living loving maid (Sony Classical)
Das Berliner Trio Kronthaler widmet sich auf seinem Debütalbum „the living loving maid“ Liedern und Arien aus der Zeit des Barock. Die zum Ensemble der Komischen Oper Berlin gehörende Mezzosopranistin Theresa Kronthaler, der finnische Jazz-Gi- tarrist Kalle Kalima und der Kontra- und E-Bassist Oliver Potratz haben sich vor allem mit Musik von Claudio Monteverdi (1567 bis 1643) und
Henri Purcell (um 1659 bis 1695) auseinandergesetzt. Ergänzt wird das Programm durch jeweils ein Stück von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759), Girolamo Frescobaldi (1583 bis 1643) und Emilio de' Cavalieri (1550 bis 1602).
Kronthaler ist mit dem Ziel angetreten, Werke aus der „Alten“ Musik in unsere Zeit zu transportieren. Dabei löst sich das Trio von Konventionen der Aufführungspraxis. Die Musiker experimentieren – die beiden Musiker mit der Instrumentierung und der Klangwelt ebenso wie die Sängerin mit ihrer Stimme. Sie verfremden die barocke Musik mit stilistischen Mitteln der Moderne, mit E-Gitarre, E-Bass und programmierten Sounds. Aber sie verwandeln sie dabei nicht. So bleibt When I am laid in earth, die berühmte Arie aus Purcells Oper Dido and Aeneas, substantiell ebenso im Original- zustand wie sein berühmter Cold Song. Alles schöne Stücke, gewiss – aber mich berühren sie nicht, derart verkleidet im modernen Gewand. Das ist alles zu gefällig. Auch ein altes Fachwerkhaus darf man, mit Respekt, sanieren und dabei die Räume an eine geänderte Nutzung anpassen. Hier allerdings gab es nur einen frischen Anstrich für die Fassade. Schade!
Henri Purcell (um 1659 bis 1695) auseinandergesetzt. Ergänzt wird das Programm durch jeweils ein Stück von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759), Girolamo Frescobaldi (1583 bis 1643) und Emilio de' Cavalieri (1550 bis 1602).
Kronthaler ist mit dem Ziel angetreten, Werke aus der „Alten“ Musik in unsere Zeit zu transportieren. Dabei löst sich das Trio von Konventionen der Aufführungspraxis. Die Musiker experimentieren – die beiden Musiker mit der Instrumentierung und der Klangwelt ebenso wie die Sängerin mit ihrer Stimme. Sie verfremden die barocke Musik mit stilistischen Mitteln der Moderne, mit E-Gitarre, E-Bass und programmierten Sounds. Aber sie verwandeln sie dabei nicht. So bleibt When I am laid in earth, die berühmte Arie aus Purcells Oper Dido and Aeneas, substantiell ebenso im Original- zustand wie sein berühmter Cold Song. Alles schöne Stücke, gewiss – aber mich berühren sie nicht, derart verkleidet im modernen Gewand. Das ist alles zu gefällig. Auch ein altes Fachwerkhaus darf man, mit Respekt, sanieren und dabei die Räume an eine geänderte Nutzung anpassen. Hier allerdings gab es nur einen frischen Anstrich für die Fassade. Schade!
Donnerstag, 4. August 2011
Frescobaldi: Fiori Musicali (Stradivarius)
Girolamo Frescobaldi (1583 bis 1643) war, wie sonst in seiner Generation wohl nur noch der "deutsche Organistenmacher" Jan Pieterszoon Sweelinck, eine musi- kalische Persönlichkeit, deren Werk und Wirken nach ganz Europa aus- strahlte. Frescobaldi war schon in jungen Jahren ein bekannter Orgel- virtuose. Der Organist des Peters- doms wurde für seine Kompositio- nen ebenso gefeiert wie für sein Orgelspiel. Die Kollegen pilgerten in großer Zahl zu ihm, um von ihm zu lernen. Seine Fiori Musicali, im Druck erschienen 1635, sind Papst Urban VIII. gewidmet. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Werken für den liturgischen Gebrauch, bestimmt für die Messe an "normalen" Sonntagen, zu feierlichen Anlässen und für die Marien- messe.
Die Wirkung dieser Werke muss grandios gewesen sein, stellt man sich diese Toccaten, Canzonen, Capricci und Ricercari eingebettet in den festlich zelebrierten Gottesdienst vor. Dementsprechend war auch die Ausstrahlung dieser Stücke, die der Komponist durchaus als Vorbild, Muster - und als didaktisches Werk verstanden haben wollte. Und genau so haben sie sich im Repertoire bis heute gehalten.
Organist Maurizio Croci spielt sie an der Marco-Fratti-Orgel der Drei- faltigkeitsbasilika in Bern; es handelt sich dabei um ein modernes Instrument aus dem Jahre 2008, das sehr interessant gestimmt ist, wie man bald hört. Die Versikel singt das Ensemble Stirps Jesse. Croci legt offenbar großen Wert auf die meditativen Qualitäten dieser Musik; er spielt sie, gedanklich, in ihrem Funktionszusammenhang, und nicht als virtuose Nummern. Man lauscht mit der entsprechen- den Andacht, die allerdings auch nicht durch Überraschungen gestört wird.
Die Wirkung dieser Werke muss grandios gewesen sein, stellt man sich diese Toccaten, Canzonen, Capricci und Ricercari eingebettet in den festlich zelebrierten Gottesdienst vor. Dementsprechend war auch die Ausstrahlung dieser Stücke, die der Komponist durchaus als Vorbild, Muster - und als didaktisches Werk verstanden haben wollte. Und genau so haben sie sich im Repertoire bis heute gehalten.
Organist Maurizio Croci spielt sie an der Marco-Fratti-Orgel der Drei- faltigkeitsbasilika in Bern; es handelt sich dabei um ein modernes Instrument aus dem Jahre 2008, das sehr interessant gestimmt ist, wie man bald hört. Die Versikel singt das Ensemble Stirps Jesse. Croci legt offenbar großen Wert auf die meditativen Qualitäten dieser Musik; er spielt sie, gedanklich, in ihrem Funktionszusammenhang, und nicht als virtuose Nummern. Man lauscht mit der entsprechen- den Andacht, die allerdings auch nicht durch Überraschungen gestört wird.
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