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Montag, 26. November 2018

Molter: Sinfonias & Cantatas (cpo)

Mit einem Editionsprojekt ehrte Thüringen Johann Melchior Molter (1696 bis 1765): Aus Anlass des 250. Todestages startete Theater&Phil- harmonie Thüringen mit dem Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena eine Neuausgabe der Werke des Komponisten, der in Tiefenort an der Werra zur Welt kam, und in Karls- ruhe sowie in Eisenach als Hofkapell- meister wirkte. 
Studierende der Hochschule für Musik Franz Liszt beschäftigten sich intensiv mit den alten Handschriften, die sich in der Badischen Landes- bibliothek Karlsruhe befinden und online abrufbar sind. Sie haben für einige Werke Molters, die seit seinem Tod nicht mehr gespielt wurden, Notenmaterial erstellt. 
Dies ist nicht nur die Grundlage für eine Molter-Werksausgabe, die in den kommenden Jahren bei der Verlagsgruppe Kamprad in Altenburg erscheinen soll. Es schafft auch die Voraussetzung für die Aufführung dieser Musik durch das Reußische Kammerorchester, das unter der Leitung von Werner Ehrhardt Molters Musik einstudiert und in Altenburg und Gera aufgeführt hat. 
So ist auch dieser Mitschnitt entstanden, der im Geraer Konzertsaal aufgezeichnet wurde. Ehrhardt, selbst ein exzellenter Barockgeiger, Gründungsmitglied des Concerto Köln und Gründer des Ensemble L'Arte del Mondo, lässt das Reußische Kammerorchester differenziert und elegant musizieren. So gelingt insbesondere Molters Flötenkonzert sehr ausdrucksvoll; Solist ist Andreas Knoop. Bei den großbesetzten Orchesterstücken am Anfang und Ende der CD wird allerdings hörbar, dass das Orchester solide, aber nicht überragend agiert. 
Die beiden Arien und die umfangreiche Cantata L'augellin tra verdi fronde sind technisch anspruchsvoll und virtuos; leider wird Julia S. Wagner mit ihrem doch recht massigen Sopran diesen Kabinettstückchen des Rokoko-Ziergesanges nur unzureichend gerecht. Hier hätte man sich eine wesentlich beweglichere, koloratursichere Stimme gewünscht. 

Sonntag, 22. Juli 2018

Molter: Orchestral Music & Cantatas (Brilliant Classics)

Das Leipziger Ensemble Camerata Bachiensis hat sich auf dieser CD der Musik von Johann Melchior Molter (1696 bis 1765) zugewandt. Über den Lebensweg des Thüringer Kompo- nisten, der als Hofkapellmeister in Karlsruhe sowie in Eisenach wirkte, wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet. 
Seine Musik verbindet deutsche Kontrapunktik mit italienischen und französischen Stilelementen - „vermischter Stil“, nennt das die Musikwissenschaft. Molter freilich dürfte einfach versucht haben, die Erwartungen seiner Auftraggeber zu erfüllen. Und diese wünschten sich musikalische Unterhaltung; galante Klänge, zu denen man seinerzeit durchaus geplaudert oder aber Karten gespielt hat. 
So etwas muss nicht unbedingt musikalisch von minderem Wert sein, wie diese Aufnahme beweist. Die Camerata Bachiensis hat aus den Handschriften, die sich in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe befinden, ein hörenswertes Programm zusammengestellt. Die CD bietet eine Sinfonia, eine Ouvertüre, ein Concerto, eine Sonata à quadro für Oboe, Violine, Viola und Continuo sowie zwei weltliche Kantaten – allesamt in Weltersteinspielung. Musiziert wird gekonnt, und auch technisch ist die Aufnahme rundum bestens gelungen. Besonders hervorzuheben sind Roberto De Franceschi, der als Solist sowohl im Flötenkonzert als auch an der Oboe überzeugt, und die Sopranistin Julia Kirchner, die die beiden Kammerkantaten souverän gestaltet. 

Sonntag, 10. Juni 2018

Molters Miniatur-Opern (Hänssler Profil)

Die Hof-Capelle Carlsruhe hat sich zusammengefunden, um die Musik des dortigen Hofes in verschiedenen Besetzungen und mit historischen Instrumenten wieder zur Aufführung zu bringen. Diese Werke sind oftmals nur als Manuskripte überliefert. Insbesondere in der Badischen Landesbibliothek befinden sich reiche Bestände an Kompositionen, die seit ihrer Entstehungszeit nicht mehr erklungen sind. 
Die vorliegende CD bietet Musik aus dem 18. Jahrhundert. Als Hofkapell- meister in Karlsruhe wirkten damals Johann Melchior Molter (1696 bis 1765) und, nach dessen Tod, Giacinto Schiatti († 1777). Er stammte aus Ferrara und war unter Molter zunächst Konzertmeister in Karlsruhe. Nachfolger Schiattis wurde 1778 Joseph Alois Schmittbaur (1718 bis 1809). 
Sie alle sind mit Werken vertreten. Ergänzt wird das Programm durch Kompositionen von Sebastian Bodinus (1700 bis 1759) und Friedrich Schwindl (1737 bis 1786), beide ebenfalls Konzertmeister am markgräf- lichen Hof. Stilistisch reicht die Bandbreite von spätbarock-empfindsamen Klängen bis hin zu Schmittbaurs exquisit kraftvoller Symphonia G-Dur für Streicher, die schon sehr nach Klassik klingt. Auch Schwindls Quartett D-Dur für zwei Violinen, Viola und Basso continuo erweist sich als echte Entdeckung. Etliche Werke auf dieser CD sind in Weltersteinspielung zu hören. 
Molter weilte zweimal in Italien – was man insbesondere seiner Violinsonate auch deutlich anhört. Er ist auf dieser CD zudem mit drei Cantaten für Sopran und Streicher vertreten, beinahe schon kleine Kammeropern, bestehend aus zwei Arien, die ein Rezitativ einrahmen. Sie werden auf dieser CD gesungen von Julia Mende. Die Texte, in denen es stets um mehr oder minder glückliche Liebe geht, sind durchaus kunstvoll und anspruchsvoll vertont. 
Auch wenn die Karlsruher Hofkapelle, so berichtet das Beiheft, einst bis zu 40 Musiker umfasste, wurde die Kammermusik bei Hofe offenbar besonders geschätzt. Teure Stars aus dem Ausland haben die Markgrafen von Baden-Durlach hingegen nur selten engagiert; so haben sie auch auf Kastraten verzichtet. Auch bei dieser Aufnahme ist das Ensemble mit fünf Streichern und Cembalo nicht allzu üppig besetzt. Man staunt, über wieviel Durchsetzungsvermögen diese kleine Besetzung trotzdem verfügt. Und man freut sich über die Sorgfalt, mit der die Hof-Capelle Carlsruhe ein Repertoire präsentiert, dass bislang garantiert nur Insider kannten. Sehr hörenswert! 

Montag, 20. November 2017

Molter: Concertos for Trumpets & Horns (Accent)

Von Italien ließ er sich inspirieren – doch die längste Zeit seines Lebens verbrachte Johann Melchior Molter (1696 bis 1765) in Karlsruhe: 1717 trat er als Geiger in den Dienst Karl Wilhelms von Baden-Durlach. Dieser erkannte das Potential des jungen Musikers und schickte ihn 1719 zur Weiterbildung nach Italien. Nach seiner Rückkehr ernannte ihn der Markgraf 1722 zum Hofkapell- meister. Allerdings wurde die Hofkapelle 1733 aufgelöst, so dass Molter nach Eisenach zurückkehrte, wo er einst als Knabe das Gymnasium besucht hatte, und wo er 1734 ebenfalls als Hofkapellmeister angestellt wurde. 
Nach dem Tod seiner Frau 1737 erhielt Molter erneut die Gelegenheit zu einer Reise nach Italien. Schon ein Jahr später kehrte er allerdings zurück, um nach dem Tode des Markgrafen in Karlsruhe die Trauermusik zu leiten. Danach trat er seinen Dienst in Eisenach wieder an. 
Als sein Dienstherr dort 1741 ohne Erben starb, wurden die Musiker der Hofkapelle gekündigt. Molter kehrte nach Karlsruhe zurück. Nachdem dann Markgraf Karl Friedrich, Enkel und Nachfolger Karl Wilhelms, die Volljährigkeit erlangt und die Herrschaft angetreten hatte, belebte er auch die Hofmusik wieder – und Molter leitete sie, hochgeehrt, bis an sein Lebensende. 
Aus dem umfangreichen Schaffen des Musikers – er schrieb allein etwa hundert Konzerte für die unterschiedlichsten Solo-Instrumente – präsentiert das Ensemble Musica Fiorita gemeinsam mit Jean-François Madeuf auf dieser CD eine ebenso ansprechende wie anspruchsvolle Auswahl. Zwar werden dazu lang nicht soviel Musiker aufgeboten, wie einst in der Hofkapelle des Markgrafen von Baden-Durlach wirkten. Aber dafür spielen sie ganz wunderbar Instrumente aus jener Zeit, vom Chalumeau bis zur Theorbe. 
Und obwohl einige der Konzerte Freunden der Trompetenmusik gut bekannt sind, ist dies die erste Aufnahme, wo sie tatsächlich mit Naturtrompeten gespielt werden – hier erklingen keine Piccolotrompeten, und auch keine modernisierten „Barocktrompeten“ mit Intonations- löchern, betont Madeuf: „Pour le concerto en solo et la sonata grossa, j'ai même utilisé un instrument original de Johann Wilhelm Haas (Nürnberg, XVIIIe siècle) et mes collègues, des instruments similaires copiés du même modèle et réalisés par Markus Raquet, à Bamberg (2005).“ Auch die Hörner sind Nachbauten von Barock-Originalen, so Madeuf, angefertigt und für diese Einspielung zur Verfügung gestellt durch die Firma Egger aus Basel. 
Barock sind die Klangfarben, und barock sind auch die üppigen Auszierungen, mit der die Musiker so manchen dieser Konzertsätze gestaltet haben. Es ist kaum zu glauben, wie virtuos die Blechbläser auf diesen Instrumenten musizieren; die Solo-Partien wären auch für moderne Trompeten, mit Ventilen, durchaus noch anspruchsvoll. Und die Sinfonia für zwei Jagdhörner, Streicher und Basso continuo wirkt wie ein Gruß nach Mannheim; nicht nur hier verweist Molters Musik bereits auf die Klassik. Jean-François Madeuf ist hier gemeinsam mit Musica Fiorita eine prächtige Einspielung gelungen, die Maßstäbe setzt. Großartig! 

Samstag, 11. Januar 2014

Trompetenkonzerte des Barock (Thorofon)

Zur Zeit des Barock waren Trompe- tenkonzerte sehr beliebt. Die Trompete war ein Klangsymbol der Aristokratie, Trompetenvirtuosen waren hoch angesehen und stan- den gut bezahlt im höfischen Dienst. Doch dann wurde das Mu- sikleben eine bürgerliche Domäne, und auf dem Konzertpodium dominierten Instrumente wie die Geige und das Klavier. Daran hat sich auch bis heute wenig geän- dert. 
Pierre Kremer, ausgebildet am Konservatorium Luxemburg, stellt auf dieser CD eine Auswahl an Trompetenkonzerten von Johann Melchior Molter über Johann Friedrich Fasch bis hin zu Johann Wilhelm Hertel und Leopold Mozart vor. Ergänzt wird das anspruchsvolle Programm durch eine Sonate für Trompete, acht Streicher und Basso continuo von Alessandro Stradella. Der Solist musiziert auf einer Barocktrompete, mit einem strahlenden, glanzvollen Ton. In sehr schnellen Passagen sowie bei den Spitzentönen würde man sich allerdings noch mehr Präzision wünschen. Begleitet wird Kremer vom Lettischen Philhar- monischen Kammerorchester unter Leitung des luxemburgischen Dirigenten Carlo Jans.  

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Weihnachtskonzerte (Capriccio)

Aus Bologna stammt der Brauch, Weihnachten mit einem Konzert zu feiern. Dort gab es eine riesige Basilika mit einem Orchester, in dem an Feiertagen mehr als hun- dert Musiker spielten - was die Gottesdienste ohne Zweifel zu einem Ereignis werden ließ. 
Der Raum aber hatte ein beträcht- liches Echo, und die Musiker waren wohl teilweise auch nicht beson- ders versiert. Das führte dazu, dass die Tutti prägnante, gravitätische Partien bekamen - und Solisten die bewegten, verzierten Abschnitte. Musiker aus Bologna aber führten diesen Brauch auch andernorts ein, wenn sie eine Stelle annahmen - und so wurden diese barocken Konzerte "fatto per la notte di natale" mit ihrer kunstvoll imitierten Hirtenmusik auch in Rom, in Wien, in Dresden, Amsterdam, ja, selbst in London Mode. 
Diese CD versammelt Weihnachtskonzerte von Arcangelo Corelli, Pietro Antonio Locatelli, Giuseppe Torelli, Francesco Onofrio Manfre- dini, Johann Melchior Molter und Gregor Joseph Werner. Auch Georg Friedrich Händel ist mit seiner Pastorale aus dem Messias vertreten. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1992. Es musiziert das Neue Berliner Kammerorchester unter Michael Erxleben, der gemeinsam mit Knut Zimmermann auch die Violinsoli spielt. An der Orgel zu hören ist Hans-Peter Kirchberg. Von der melancholisch-misslunge- nen Hülle sollte man sich nicht abschrecken lassen; die CD ist durch- aus hörenswert. 

Dienstag, 14. Dezember 2010

Noel - Angèle Dubeau & La Pietà (Analekta)

Streichermusik zur Weihnachtszeit hat die kanadische Violinistin Angèle Dubeau mit ihrem Damen- ensemble La Pietà eingespielt. Diese CD enthält Klassiker wie das Concerto in E-Dur Per il santissimo natale von Antonio Vivaldi, das Concerto a Quatro in Forma di Pastorale Per santissimo natale von Giuseppe Torelli oder das ebenfalls sehr bekannte Concerto Pastorale in G-Dur von Johann Melchior Molter, aber auch vertraute und weniger bekannte, aber darum nicht weniger schöne Weihnachtslieder aus aller Welt in ansprechenden Arrangements. Wer sich beim Blick in das Flockengewirbel nach einer handwerklich rundum soliden, klangschönen CD sehnt, auf der zur Abwechslung einmal nicht gesungen wird, der wird an dieser Einspielung seine Freude haben.