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Montag, 2. August 2021

Fasch: Works for Keyboard (Audax)

 


Mit diesem Album wendet sich der Cembalist Philippe Grisvard dem Werk eines Kollegen zu: Carl Friedrich Christian Fasch (1736 bis 1800) ist selbst Musikhistorikern heute nur noch deshalb ein Begriff, weil er 1791 die „Singe-Academie zu Berlin“ gegründet hat. Nach seinem Tode übernahm sein Freund und Schüler Carl Friedrich Zelter die Leitung dieser ältesten heute noch existierenden gemischten Chorvereinigung. 

Carl Fasch war jedoch nicht nur ein versierter Chorleiter, sondern in erster Linie auch ein bedeutender Musiker und Komponist. Das Licht der Welt erblickte er in Zerbst, wo er bei seinem Vater, dem Bach-Schüler und Hofkapellmeister Johann Friedrich Fasch, ersten Musikunterricht erhielt. Als 14jähriger ging Carl Fasch dann nach Neustrelitz, um beim dortigen Konzertmeister Johann Christian Hertel seine Fertigkeiten im Violinspiel zu erweitern. Ein Jahr später wurde Fasch bereits Mitglied der Herzoglichen Hofkapelle. 

1756 wechselte er auf Empfehlung Franz Bendas an den preußischen Hof. Fasch wurde, ebenso wie Carl Philipp Emanuel Bach, Hofcembalist von Friedrich II. Zu seinen Aufgaben gehörte es, den flötespielenden König zu begleiten; allerdings hatte diese Glanzzeit bald ein Ende, denn das Ausbrechen des Siebenjährigen Krieges ließ die Musik verstummen. 

Unterbeschäftigt blieb Fasch auch nach dem Ende der Feldzüge. Obwohl der Monarch in seinen letzten Lebensjahren die Musik weitgehend aufgegeben hatte, verweigerte er Fasch die Entlassung. Nach dem Tode Friedrichs des Großen beließ dann sein Nachfolger Wilhelm II. Carl Fasch in Amt und Würden. Da hatte der Musiker allerdings bereits begonnen, sich mit Chormusik zu beschäftigen. 

Leider hat Fasch damals die meisten seiner Werke ins Feuer befördert. Dies trug natürlich dazu bei, dass sein Schaffen in Vergessenheit geriet. Philippe Grisvard ist nun angetreten, um dem verkannten Musiker Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Dazu hat er in Archiven nach Kompositionen des Meisters gesucht, und auch etliche Werke gefunden, die er nun auf dieser CD in Weltersteinspielungen vorstellt. 

Die Sonaten, Variationen und Charakterstücke, die Grisvard aufspüren konnte, zeigen uns Fasch als einen originellen Kopf, der aktuelle Strömungen zwar aufgreift, aber sie in eine eigene musikalische Welt integriert. Zu erwähnen ist außerdem, dass Grisvard Faschs Musik stilsicher auf einem Hammerklavier aus dem Jahre 1790 interpretiert, das dem Augsburger Instrumentenbauer Johann André Stein zugeschrieben wird. Das klangschöne Fortepiano befindet sich in der Sammlung Neumeyer-Junghanns-Tracey im Schloss Bad Krozingen. 


Montag, 18. März 2019

Perfume of Italy (Christophorus)

Die Mandoline – eigentlich eine Instrumentenfamilie mit etlichen Angehörigen, von der eigentlichen Mandoline in ihren diversen regionalen Bauformen bis hin zur etwas größeren und tieferen Mandola – erfreute sich in Italien zu Beginn des 17. Jahrhunderts ganz enormer Beliebtheit. Auch in Paris schätzte man ihren lieblichen Klang, und reisende Virtuosen waren an vielen europäischen Höfen willkommen. Allerdings kam die Mandoline um 1790 wieder aus der Mode, und verschwand ebenso dezent aus dem Musikleben, wie sie einstmals gekommen war. 
Auf dieser CD präsentiert das Ensemble Artemandoline barocke Musik für das Instrument. Zu hören sind sowohl Originalwerke, wie die Sonata per mandolino e basso von Carlo Arrigoni (1697 bis 1744) oder eine Sonate von Domenico Scarlatti (1685 bis 1757), als auch geschickte Bearbeitungen. Dabei nutzen die Musiker barocke Mandolinen und Mandolen, sowie Barockgitarre und Renaissancelaute, Viola da gamba und Violone sowie das Cembalo. Ihr außerordentlich gut aufeinander abgestimmtes, virtuoses Spiel hätte die barocken Zeitgenossen ganz sicher begeistert; der Zuhörer heute darf sich auf eine gute Stunde anmutige Klänge freuen.

Montag, 4. März 2019

Violin Concertos from Darmstadt (Audax)

Virtuose Violinkonzerte, die von und für Johann Jakob Kress (um 1685 bis 1728) geschrieben wurden, präsen- tiert Johannes Pramsohler. Der Geiger, der aus Walderbach in der Oberpfalz stammte, erhielt seine Ausbildung in Oettingen und wurde 1712 Kammermusiker am Darm- städter Hof. 
Seinem Dienstherrn, Landgraf Ernst Ludwig, war es 1709 bereits gelungen, Christoph Graupner als Hofkapellmeister zu engagieren. Er begeisterte sich insbesondere für die Oper, und wollte in seiner Residenz musikalisch ebenso glänzen, wie er das aus Hamburg kannte. Allerdings setzten die Finanzen der Begeisterung enge Grenzen; mehrfach blieb der Landgraf auch seinen Musikern die Bezahlung schuldig, so dass Kress schließlich um seine Entlassung bat. 
Die aber verweigerte ihm sein Dienstherr, und ernannte ihn statt dessen zum Konzertmeister, verbunden mit einer Gehaltserhöhung. Kress blieb in Darmstadt bis an sein Lebensende; ähnlich wie Graupner übrigens, der eigentlich 1722 Thomaskantor werden sollte, aber ebenfalls nicht gehen durfte. Auch wenn wir dieses Verfahren nicht unbedingt fair finden – es zeigt aber, dass Ernst Ludwig die Musiker für unverzichtbar ansah, und sie unbedingt behalten wollte. 
Hört man diese Einspielung, dann wird auch klar, warum: Kress war ganz offenbar ein ausgezeichneter Geiger, und stand wohl auch mit etlichen Kollegen im Austausch. So wurde Georg Philipp Telemann, seinerzeit unweit von Darmstadt in Frankfurt/Main tätig, nicht nur Taufpate für Kress' Sohn. Er scheint auch für Kress komponiert zu haben, wie das Konzert nahelegt, das Pramsohler auf dieser CD vorstellt. 
Johann Friedrich Fasch wiederum reiste 1714 nach Darmstadt, wo er länger als drei Monate durch Christoph Graupner und Vizekapellmeister Gottfried Grünewald unterrichtet wurde. Er blieb der Kapelle verbunden, und schickte immer wieder Kompositionen. In der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt fand sich ein anspruchsvolles Violinkonzert, das Kress ganz sicher gespielt hat. Prächtig erscheint auch die Ouvertüre von Vizekapellmeister Johann Samuel Endler. Er war selbst Geiger, wurde nach Kress' Tod zunächst Konzertmeister, und später Graupners Nachfolger. 
Die beiden Konzerte, die Kress selbst komponiert hat, wirken in diesem Umfeld vergleichsweise unspektakulär. Pramsohler musiziert bei diesem Projekt gemeinsam mit den Darmstädter Barocksolisten; mit Ausnahme des Telemann-Konzertes handelt es sich durchweg um Weltersteinspie- lungen. Die Aufnahme ist daher interessant. Sie enttäuscht aber durch einen Mangel an gestalterischer Raffinesse. Hier zeigt sich, dass es mitunter eben doch klug sein kann, einen Kapellmeister einzubeziehen. 

Montag, 17. Juli 2017

Concerti Bizarri (Linn)

„The idea for this Concerti Bizarri programme has been floating around in my head for a few years now, from when I put together a programme of mixed instrumental concertos combined with a suite by Georg Philipp Telemann called La Bizarre“, schreibt Monika Huggett, die Konzertmeisterin des Irish Baroque Orchestra. „The IBO is crammed full of wonderful musicians and they can fully inhabit the role of soloist in every way: technically, musically and charismatically.“ 
Und so ist letztendlich diese CD entstanden. Sie gibt Zeugnis von einer Zeit, da Musik zumeist für konkrete Anlässe und vorhandene Besetzungen geschrieben wurde. Das Konzert für zwei Violoncelli RV 531 beispielsweise schrieb Antonio Vivaldi für Musikerinnen, die am Ospedale della Pietá in Venedig ausgebildet wurden. Johann David Heinichen komponierte sein Oboenkonzert in g-Moll S. 237 für die Dresdner Hofkapelle. Johann Friedrich Fasch war Hofkapellmeister in Zerbst, Christoph Graupner in Darmstadt. 
In beiden Ensembles musizierten damals exzellente Instrumentalisten – warum also ein Violinkonzert schreiben, wenn man seine Konzerte mit Flöte und Oboe oder aber mit zwei Oboen da caccia, zwei Bratschen, zwei Fagotten und Basso continuo wesentlich interessanter und abwechslungs- reicher besetzen kann? Graupner beispielsweise schuf ein Konzert für Flöte d'amore, Oboe d'amore und Viola d'amore – ein schönes Beispiel für das Spiel mit Klangfarben; die Komponisten der Barockzeit waren da ausgesprochen experimentierfreudig. Dass sie auch Virtuosität durchaus schätzten, beweist Graupners Fagottkonzert GWV 301, ein Werk, das enorm hohe Ansprüche an den Solisten stellt. Komplettiert wird die Einspielung durch Telemanns Konzert für zwei Violinen und Fagott TWV 53: D4. 
Bizarr ist an dieser CD allerdings nur das Coverbild. Wer Vergnügen hat
an einem farbenreichen, spannenden Programm abseits der allzu ausge- tretenen Pfade, dem sei diese CD wärmstens empfohlen. Denn das Irish Baroque Orchestra musiziert auch sehr hörenswert – mit Neugier und mit einer gehörigen Portion Temperament. 

Montag, 14. November 2016

Fasch: Overture Symphonies (cpo)

Bereits zum zweiten Male widmen sich Les Amis de Philippe dem Schaffen von Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758), insbesondere dessen Ouvertüren. Enthielt die erste CD groß besetzte Werke, die für den Dresdner Hof entstanden sind, so hat sich das Ensemble, das unter der Leitung von Ludger Rémy bereits etliche Raritäten der mitteldeutschen Musikgeschichte aufgespürt und aufgeführt hat, nun den Ouvertüren-Sinfonien des Zerbster Hofkapell- meisters zugewandt. 
Entstanden sind diese Musikstücke als Weiterentwicklung der Gattung Ouvertüre, die Fasch lange Jahre sehr erfolgreich pflegte – mehr als 80 solcher Suiten sind überliefert. Sie wurden nicht nur am Anhalt-Zerbster Hof geschätzt, sondern offenbar auch in Dresden, wo Konzertmeister Johann Georg Pisendel in seiner Musikalien- sammlung über etliche dieser Werke seines alten Freundes aus Leipziger Studientagen verfügte. 
Um 1740 allerdings kam die traditionelle Orchestersuite, die nach einer Einleitung eine Folge von Tänzen aneinanderreihte, aus der Mode: „Nur ist, wegen der guten Wirkung welche die Ouvertüren thun, zu bedauern, daß sie in Deutschland nicht mehr üblich sind“, schrieb Johann Joachim Quantz 1752 in seinem Versuch einer Anweisung die Flöte traversiére zu spielen
Fasch reagierte darauf, indem er französische Ouverture und italienische Sinfonie, nach dem Vorbild Vivaldis, miteinander verknüpfte. Das Ergeb- nis ist hinreißend; auf die Ouvertüre lässt Fasch einen expressiv-galanten langsamen Mittelsatz folgen, mitunter ergänzt durch ein weiteres Stück im Stile antico, bevor dann, wie in einer italienischen (Opern-)Sinfonie, ein flottes Allegro zum Finale erklingt. Professor Manfred Fechner, der die Aufführungspartituren für diese CD aus Dresdner Handschriftenbeständen erarbeitet hat, stellt in seinem Geleitwort im Beiheft fest, dass insbesondere die Mittelsätze in ihrer Klangsprache sehr innovativ sind und weit in die Zukunft weisen. 
Zuhörern, die sich weniger für Musikgeschichte interessieren, bietet diese CD in jedem Falle erlesene Unterhaltung. Faschs Musik ist ausgesprochen abwechslungsreich und beeindruckt mit einer enormen Vielfalt an Ideen und Klangfarben. Sie wird durch Les Amis de Philippe elegant vorgestellt. Ludger Rémy, dem Cembalisten und Leiter dieses Ensembles, noch nach- träglich herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung mit dem Fasch-Preis, der seit 1993 für besondere Verdienste um Popularisierung bzw. Erfor- schung des Lebens und der Werke des Komponisten verliehen wird.

Montag, 31. Oktober 2016

The Proud Bassoon (Linn)

„What does the bassoon have to be proud of? After all, isn't it the clown of the orchestra? It is too easy for caricatures like the goofy lumbering theme in Dukas' Sorcerer's Apprentice and the grandfather in Prokofiev's Peter and the Wolf to override the more serious aspects of the bassoon's musical persona“, so kommentiert das Beiheft diese Aufnahme. „These images colour our perception of the eighteenth-century bassoon, which had every right to claim the epithet ,proud'.“ 
Auf dieser CD beweist Fagottist Peter Whelan, tatkräftig und klangschön unterstützt vom Ensemble Marsyas, dass sein Instrument durchaus auch für sehr anspruchsvolle Solo-Partien geschaffen worden ist. Dazu hat er ein Programm zusammengestellt, das von Les Gentils Airs – ou Airs Connus, ajustée en duo, pour basson seul accompagné d'un clavecin, zusammengestellt in Paris von den Gebrüdern Leclerc, bis hin zu Eileen Aroon with variations set by Mr. (Matthew) Dubourg (1707 bis 1767), einem Geiger aus Dublin, reicht. Zu hören sind zudem ein Konzert von François Couperin (1668 bis 1733) und Sonaten für das Fagott von Joseph Bodin de Boismortier (1685 bis 1755), Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758) und Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767). 
Es sind sehr unterschiedliche Werke, entstanden für die Hofmusik, die Oper oder den häuslichen Gebrauch – doch sie geben Peter Whelan Gelegenheit, zu demonstrieren, wie virtuos man auf dem Barockfagott musizieren kann – das als eher schwierig gilt. Whelan spielt phänomenal, durch alle Register, und dabei zeigt er auch, welche tollen Klangfarben es zu bieten hat – das stolze Fagott. 

Samstag, 28. November 2015

Die Ludwig Güttler Edition - Die Highlights des sächsischen Barock (Berlin Classics)

Ludwig Güttler, geboren 1943 in Sosa im Erzgebirge, ist nicht nur ein grandioser Trompetenvirtuose. Er ist zudem unermüdlich in seinem Enga- gement, wo er dieses erforderlich sieht – sei es beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche, oder aber bei der Wiederentdeckung des Repertoires der berühmten Dresdner Hofkapelle. 
Güttler hat in Leipzig bei Armin Männnel studiert, und war dann zunächst beim Händel-Festspiel- orchester in Halle/Saale engagiert, später dann als Solotrompeter an der Dresdner Philharmonie. Er unterrichtete an der Musikhochschule in Dresden sowie beim alljährlichen Internationalen Musikseminar in Weimar. Sein besonderes „Steckenpferd“ ist die Musik des 18. Jahrhun- derts. Mit der hochgestimmten Piccolotrompete spielt er Partien, die seinerzeit für Clarinbläser geschrieben worden waren. Auch für das Corno da caccia hat Güttler gemeinsam mit dem Leipziger Instrumentenbauer Friedbert Syhre eine Alternative geschaffen, die modernen Spielkomfort bietet; im Original soll das Corno da caccia allerdings obertonreicher geklungen haben. 
1985 gründete Ludwig Güttler das Ensemble Virtuosi Saxoniae, in dem vor allem Mitglieder der Dresdner Staatskapelle musizieren. Mit diesem Kammerorchester pflegt der Trompeter seitdem die europäische Musik- kultur des 18. Jahrhunderts, wie sie sich im Repertoire der sächsischen Hofkapelle widerspiegelt. Dabei hat er viele Werke wieder zugänglich gemacht, die in Vergessenheit geraten waren. 
Zum 30jährigen Bestehen dieses renommierten Ensembles hat Berlin Classics nun eine umfangreiche Edition zum günstigen Preis heraus- gebracht. Sie versammelt auf 25 CD alle wesentlichen Aufnahmen der Virtuosi Saxoniae, die in den Jahren nach 1990 enstanden sind. So erklingen die Brandenburgischen Konzerte und die Orchestersuiten von Bach, dazu eine Auswahl an Kantaten, die Johannes-Passion und natürlich das Weihnachtsoratorium. Dazu gib es geistliche Musik, beispielsweise von Johann Adolf Hasse, Johann David Heinichen oder Jan Dismas Zelenka, sowie eine Vielzahl origineller Konzerte aus dem Umfeld des Dresdner Hofes. 
Die Liste der Mitwirkenden ist lang und ausgesprochen illuster; sie reicht von Dagmar Schellenberger bis zu Christiane Oelze, und von Olaf Bär bis hin zu Peter Schreier, von Andreas Lorenz, Oboe, über Eckart Haupt, Flöte, bis hin zu Güttlers langjährigem Wegbegleiter Friedrich Kircheis an Orgel und Cembalo, und von den Hallenser Madrigalisten bis zum Concentus Vocalis Wien. 

Samstag, 19. September 2015

Mitteldeutsche Barockkantaten II (Amati)

Der Pflege des mitteldeutschen Musikerbes hat sich Michael Scholl mit der von ihm gegründeten Biede- ritzer Kantorei verschrieben. Auf dieser CD stellt das Ensemble, unterstützt durch die Cammermusik Potsdam auf historischen Instru- menten, zwei Kantaten von Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) und eine von Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758). Also Solisten wirken mit Heidi Maria Taubert, Sopran, Steve Wächter, Altus, Michael Zabanoff, Tenor und Matthias Vieweg, Bariton. Telemanns Jauchzet dem Herrn alle Welt ist ein großformatiges Opus, mit Pauken und Trom- peten, entstanden wohl für die 50-Jahr-Feier der Weißenfelser Schloss- kirche 1732. Also hat Gott die Welt geliebet, geschrieben für den zweiten Pfingsttag, zeichnet sich ebenfalls durch Jubel und Klangpracht aus. Johann Friedrich Fasch, Hofkapellmeister in Zerbst – seinerzeit ein bedeutendes musikalisches Zentrum – setzte in seiner Kantate Der Gott- lose ist wie ein Wetter die biblische Erzählung in Musik, die berichtet, wie Jesus durch die Pharisäer befragt wird, ob er es denn für recht ansähe, dem Kaiser Steuern zu zahlen. Textprobe: „Wir wollen nach dem Guten streben / wir wollen Gott und Kaiser geben, / was einem jeden zugehört. / Die Obrigkeit soll Schloss und Gaben, / und Gott das Herz zur Wohnung haben. / So leben wir wie Christus lehrt.“ 

Montag, 8. Dezember 2014

Fasch: Quartets and Concertos (Linn)

Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758) gehört ohne Zweifel zu jenen Komponisten, die bislang noch nicht so wahrgenommen werden, wie sie es verdient hätten. Die Werke des Mu- sikers, der ab 1722 als Hofkapell- meister in Zerbst angestellt war, wurden von seinen Zeitgenossen sehr geschätzt. Obwohl nur ein Teil seines Schaffens überliefert ist, halten die Archive doch noch manche Über- raschung bereit. 
So hat das Ensemble Marsyas kürz- lich bei Linn Records eine CD mit Quartetten und Konzerten des Komponisten vorgelegt. Diese rundum gelungene Einspielung überwältigt mit bezaubernden Klangfarben, die Fasch in vielen Schattierungen einzu- setzen wusste. Der Hofkapellmeister setzte dazu auch die Instrumente in abwechslungsreichen Kombinationen ein. Neben den traditionellen Instrumenten höfischer Virtuosen der damaligen Zeit, wie Geigen, Gamben oder (Block-)Flöten, verwendete Fasch auch Innovationen wie Oboe und Fagott. So enthält diese CD ein wundervolles Quartett für Horn, Oboe, Violine und Continuo. Andere Quartette besetzte Fasch sogar mit zwei Oboen, obligatem Fagott und Continuo. Doch auch die Blockflöte bedachte er mit hörenswerten Partien. 
Das Ensemble Marsyas, unterstützt durch Pamela Thorby, Blockflöte, und Peter Whelan, Fagott, musiziert mit Präzision und Hingabe. Die Musiker beeindrucken durch die Feinfühligkeit, mit der sie diese musikalischen Juwelen zum Leuchten und Funkeln bringen. Eine der schönsten CD des Jahres! 

Montag, 17. November 2014

The Dresden Album (Audax)

Johann Georg Pisendel (1687 bis 1755) gehört zu den überragenden Musikerpersönlichkeiten seiner Zeit. Der Sohn eines Kantors kam 1697 als Kapellknabe an den Ansbacher Hof. Dort könnte er Geigenschüler von Giuseppe Torelli gewesen sein. Wie gut er sein Instrument beherrschte, darauf deutet jedenfalls die Tatsache hin, dass er bei Hofe als Geiger angestellt wurde, obwohl erst kurz vorher die Zahl der Musiker drastisch reduziert worden war. 1709 reiste Pisendel nach Leipzig, wo er studierte, und nebenher zeitweise das Collegium musicum leitete. Die Studienjahre boten dem Musiker zudem Gelegenheit, renommierte Kollegen wie Telemann, Graupner, Heinichen, Fasch und etliche andere kennenzulernen. Im Januar 1712 wurde er erster Geiger in der Hofkapelle Augusts des Starken, 1728 wurde er schließlich Konzertmeister in diesem Orchester. Pisendel trug wesentlich dazu bei, dass es zu den besten Europas gehörte. 
Sein Dienstherr erkannte die Stärken des jungen Mannes, und schickte ihn zunächst auf Reisen. So weilte er im Gefolge des Kurprinzen in Paris, in Rom und Venedig sowie in Wien – und brachte nicht nur musikalische Anregungen und eine Vielzahl von Notenabschriften, sondern auch freundschaftliche Kontakte zu den Musikerkollegen in den europäischen Metropolen mit. Wie weit das Beziehungsnetz Pisendels reichte, davon gibt die vorliegende CD einen Eindruck. 
Johannes Pramsohler hat für die zweite Veröffentlichung bei seinem Label Audax einige Raritäten eingespielt, die bislang offenbar in den Noten- beständen der Dresdner Hofkapelle schlummerten: Triosonaten von Georg Friedrich Händel, Georg Philipp Telemann, Johann Friedrich Fasch, Jo- hann Joseph Fux und Frantisek Ignác Tuma; die Werke der letztgenannten drei erklingen immerhin in Weltersteinspielungen. Es ist dies zugleich die Debüt-CD seines Ensembles Diderot; mit Prahmsohler musizieren Varoujan Doneyan, Barockvioline, Gulrim Choi, Barock-Violoncello, und Philippe Grisvard am Cembalo. 
Die Musiker beeindrucken durch ihr exzellentes Zusammenspiel. Insbe- sondere die Cellistin setzt immer wieder spannende Akzente. Die beiden Geiger hingegen musizieren zwar virtuos, aber für mein Empfinden zu grell; ihr Ton ist herausfordernd schrill und ihre Phrasierung oftmals schlicht zu ruppig. Damit werden sie dem galanten Charakter vieler Stücke nicht gerecht, vor allem auch die langsameren Sätze würden durch mehr Wärme und klangliche Abrundung gewinnen. Die Fußstapfen Reinhard Goebels, der seinen jungen Kollegen hier mit einem sehr informativen Text im Beiheft unterstützt, erscheinen momentan für Pramsohler noch etwas groß. Aber die Lust an Entdeckungen, die Neugier auf vergessenes Repertoire haben die Violinisten gemeinsam. Hörenswert sind die sechs Triosonaten auf dieser CD, und die Aufnahme ist zudem in technischer Hinsicht phänomenal. Man hat wirklich den Eindruck, inmitten der Musiker zu sitzen. 

Freitag, 4. April 2014

Gloria Dresdensis (cpo)

Die Hofkapelle der sächsischen Kurfürsten gehörte im 18. Jahr- hundert zu den besten Orchestern Europas. Lang ist die Liste der Virtuosen, die in Dresden damals wirkten. Zeitgenossen begeistern sich insbesondere auch für die Präzision und Eleganz, mit der am sächsischen Hofe musiziert wurde. 
Was die Musiker einst spielten, das lässt sich noch heute nachvoll- ziehen. Denn eine Vielzahl von Notenmanuskripten aus jener Zeit wurde in dem legendären „Schranck No: II.“ aufgefunden, wo sie nach dem Siebenjährigen Krieg verstaut und für gut hundert Jahre vergessen worden waren. 
Diese Notenhandschriften befinden sich heute in den Beständen der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek. Man kann sie alle im Internet anschauen. Doch erst allmählich werden sie auch durch Musiker wieder zum Klingen erweckt. Zu den Ensembles, die sich um dieses historische Repertoire bemühen, gehört das Dresdner Barockorchester. Es wurde 1991 durch Absolventen der Dresdner Musikhochschule gegründet. Sie musizieren auf barocken Instru- menten im Sinne der historischen Aufführungspraxis und engagieren sich für die Wiederentdeckung vergessener Werke aus der Sammlung der Dresdner Hofkapelle. 
Einige dieser musikalischen Schätze stellt das Dresdner Barockorche- ster nun auf einer CD vor, die bei cpo erschienen ist. Darunter sind eine Ouvertürensuite von Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758), eine Ouvertüre von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) und eine Sinfonia von Johann Adolph Hasse (1699 bis 1738). Die ausgewählten Stücke belegen eindrucksvoll das Werken des Geigers Johann Georg Pisendel (1687 bis 1755), der in Dresden als Konzertmeister wirkte, und mit sehr vielen Kollegen in regem Austausch stand. Er besorgte interessante Noten und richtete sie dann für die Aufführung ein. Die Aufnahme belegt eindrucksvoll, dass er nicht nur ein herausragender Musiker, sondern auch ein versierter Komponist und stilistisch sehr flexibel war. 
Das Dresdner Barockorchester musiziert mit Leidenschaft und Grazie. Die Tanzsätze erklingen beschwingt, doch auch höfischen Pomp zelebrieren die Musiker mit Hingabe. Wer eine schöne Aufnahme mit spätbarocken Raritäten genießen möchte – hier ist die Gelegenheit dazu. Unbedingt anhören! 

Samstag, 11. Januar 2014

Trompetenkonzerte des Barock (Thorofon)

Zur Zeit des Barock waren Trompe- tenkonzerte sehr beliebt. Die Trompete war ein Klangsymbol der Aristokratie, Trompetenvirtuosen waren hoch angesehen und stan- den gut bezahlt im höfischen Dienst. Doch dann wurde das Mu- sikleben eine bürgerliche Domäne, und auf dem Konzertpodium dominierten Instrumente wie die Geige und das Klavier. Daran hat sich auch bis heute wenig geän- dert. 
Pierre Kremer, ausgebildet am Konservatorium Luxemburg, stellt auf dieser CD eine Auswahl an Trompetenkonzerten von Johann Melchior Molter über Johann Friedrich Fasch bis hin zu Johann Wilhelm Hertel und Leopold Mozart vor. Ergänzt wird das anspruchsvolle Programm durch eine Sonate für Trompete, acht Streicher und Basso continuo von Alessandro Stradella. Der Solist musiziert auf einer Barocktrompete, mit einem strahlenden, glanzvollen Ton. In sehr schnellen Passagen sowie bei den Spitzentönen würde man sich allerdings noch mehr Präzision wünschen. Begleitet wird Kremer vom Lettischen Philhar- monischen Kammerorchester unter Leitung des luxemburgischen Dirigenten Carlo Jans.  

Mittwoch, 15. Mai 2013

The Virtuoso Recorder (cpo)

"Was haben die Komponisten des deutschen Spätbarock Johann Friedrich Fasch, Christoph Graup- ner, Johann Christian Schickhardt, Johann Christian Schultze und Johann Adolf Scheibe gemein- sam?", fragt Michael Schneider im Beiheft zu dieser CD - und gibt auch gleich selbst die Antwort: "Sie haben allesamt mindestens ein Concerto für Altblockflöte hinter- lassen!" 
Das ist keineswegs selbstverständ- lich, denn zu ihren Lebzeiten war die Blockflöte bereits gründlich aus der Mode, verdrängt von der Traversflöte, so dass sie über 200 Jahre lang gänzlich aus dem Konzertleben verschwand. Doch warum und für wen diese Werke damals komponiert wurden, das lässt sich nur in Ausnahmefällen heute noch herausfinden. 
Ein solcher Ausnahmefall ist das Concerto von Johann Friedrich Fasch, das erst kürzlich wiederentdeckt worden ist und hier in Welt- ersteinspielung erklingt. Es stammt aus der Sammlung des Grafen Aloys Thomas Raimund Harrach, die sich heute zum Teil in der Public Library New York befindet. Harrach war nicht nur Gesandter des Kaisers Karl VI. in Dresden und zeitweise auch Vizekönig von Neapel, er scheint auch eine Vorliebe für die "altmodische" Blockflöte gepflegt zu haben. Denn er ließ beispielsweise in Neapel Werke für dieses Instrument von den größten Komponisten schreiben, die die Region seinerzeit zu bieten hatte, wie Johann Adolf Hasse, Leonardo Leo oder Nicola Fiorenza. Es wird vermutet, dass er Fasch persönlich begegnet ist, und das Konzert bei dem Komponisten in Auftrag gegeben hat. 
Sollte er dieses Werk selbst gespielt haben, dann muss er das Instrument brillant beherrscht haben. Denn das Fasch-Konzert ist eine Herausforderung selbst für Blockflötenvirtuosen. Michael Schneider zeigt, dass die Altblockflöte ein ernstzunehmendes Kon- zertinstrument ist, mit enormen und erstaunlichen Ausdrucksmög- lichkeiten. Er gehört ohne Zweifel zu den derzeit weltweit führenden Blockflötisten. Den Solopart der barocken Konzerte, zu denen auch noch eines von Mattheus Nikolaus Stulick gehört, meistert er locker, beweglich und lebendig. Er lässt die Flöte singen, wo sie singen soll - und jagt durch die virtuosen Passagen, dass dem Zuhörer schier die Luft wegbleibt. 
Begleitet wird der Virtuose von seinem Ensemble Cappella Academi- ca Frankfurt. Die Musiker überzeugen mit ihrem sensiblen, inspirier- ten kammermusikalischen Spiel und einem transparenten Klangbild - ein perfekter Rahmen, der die Blockflöte umso besser in Szene setzt. Bravi!

Samstag, 2. März 2013

Musici da Camera (Supraphon)

Wer Barockmusik schätzt, der sollte es nicht versäumen, diese gelungene Doppel-CD anzuhören. Sie enthält Werke von Komponi- sten, die eine Beziehung zu Prag hatten. So wurden in Prager Klöstern, Schulen und Palästen zu Beginn des 18. Jahrhunderts ganze Heerscharen begabter Knaben zu Musikern herangezogen; die meisten von ihnen suchten sich allerdings dann eine - solide bezahlte - Anstellung außerhalb von Böhmen. Musiker aus dem Ausland machten in Prag Station; sie wirkten für einige Zeit in den Kapellen des Adels, oder aber sie komponierten für sie. So war Antonio Vivaldi Maestro di Musica in Italia des Grafen Wenzel Morzin. Er schrieb aber etliche Werke auch für Graf Josef von Wrtby, der wohl das Lautenspiel liebte, und den Solopart möglicherweise sogar selbst gespielt hat. 
Das superbe Collegium Marianum unter Leitung Leitung der Flötistin Jana Semerádová hat auf den beiden CD eine Auswahl dieser Werke eingespielt, unterstützt durch den Fagottisten Sergio Azzolini. Etliche der Musikstücke erklingen hier in Weltersteinspielung. Das Programm ist abwechslungsreich, und es erstreckt sich von einem Quartet für Violine, Violoncello, Fagott und Basso continuo in g-Moll von Anto- nín Reichenauer über Werke von Johann Friedrich Fasch, Frantisek Jiránek, Christian Gottlieb Postel, Johann Georg Orschler und Frantisek Ignác Antonín Tuma bis hin zum Trio in g-Moll für Violine, Laute und Basso continuo RV 85 von Antonio Vivaldi und zu einer Sonata in A-Dur für Violine und Basso continuo von Antonio Caldara. 

Sonntag, 18. November 2012

Fasch: Orchestral works Vol. 3 (Chaconne)

Das Tempesta di Mare Philadelphia Baroque Orchestra hat erneut eine CD mit Orchesterwerken von Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758) veröffentlicht. Dabei ge- lingen dem Ensemble, das durch die Flötistin Gwyn Roberts und den Lautenisten Richard Stone geleitet wird, erneut einige Entdeckungen. So sind vier der sechs Konzerte und Ouvertüren auf dieser CD in Ersteinspielung zu hören. 
Es erklingt ein Lautenkonzert, das Fasch möglicherweise für den berühmten Dresdner Lautenisten Sylvius Leopold Weiss (1687 bis 1750) geschrieben hat. Auch ein Blockflötenkonzert, das stilistisch an die Werke Vivaldis erinnert, haben die Musiker aufgespürt und ein- gespielt. Der Konzertsatz in F-Dur hingegen klingt wie eine Parodie des galanten Stils, so lehrbuchmäßig folgt der Komponist hier der damaligen Mode. 
Ansonsten sind die Konzerte sehr häufig typisch Fasch; sein höchst individueller Stil, der stets Überraschungen bereithält, ist klar zu erkennen. Leider wird bei dieser CD nicht deutlich, wo die Musiker die einzelnen Werke gefunden haben. Das ist durchaus eine interessante Frage, denn Fasch, Kapellmeister in Zerbst, stand zeitlebens in regem Austausch mit Kollegen und Freunden. Wer also unveröffentlichte Werke sucht, der sollte diesem Netzwerk nachspüren. Das lohnt sich, wie hier zu hören ist. Und man darf gespannt bleiben, was Tempesta di Mare in den nächsten Folgen dieser Reihe vorstellen wird. 

Sonntag, 13. Mai 2012

Fasch: Orchestral Works, Volume 2 (Chaconne)

Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758), Kapellmeister in Zerbst, muss ein fleißiger Briefschreiber gewesen sein. Denn er stand in regem Austausch mit Kollegen und Freunden, die er teilweise noch aus seinen Leipziger Jahren kannte. So sammelte Christoph Graupner, Kapellmeister zu Darmstadt, die Werke des Komponisten, dessen Präfekt er einst an der Thomas- schule gewesen war. Auch in Dresden blieb eine erfreulich große Anzahl seiner Stücke erhalten, die einst Johann David Heinichen und der Konzertmeister Johann Georg Pisendel - Studienfreunde aus Leipziger Tagen - zusammengetragen hatten. 
Aus den Schätzen, die im legendären "Schranck No: II." der Sächsi- schen Landes-und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden aufgefun- den und in jüngster Vergangenheit auch erschlossen und digitalisiert wurden, hat das Tempesta di Mare, Philadelphia Baroque Orchestra diese CD mit Ersteinspielungen zusammengestellt. Sie ist Teil einer Serie, die Faschs Orchesterwerke, so sie überliefert sind, erstmals komplett auf CD vorstellen soll. Das amerikanische Ensemble, das von der Flötistin Gwyn Roberts und dem Lautenisten Richard Stone geleitet wird, musiziert klangschön und temperamentvoll. Insofern darf man sich auf die Fortsetzung freuen. 

Mittwoch, 9. Mai 2012

Pisendel - Violinkonzerte aus Dresden (Raumklang)

Johann Georg Pisendel (1687 bis 1755) begann seine musikalische Ausbildung bei seinem Vater, der Kantor war. 1697 wurde er als Kapellknabe in die Ansbacher Hofkapelle aufgenommen, wo unter anderem Francesco Antonio Pistocchi und Giuseppe Torelli zu seinen Lehrern zählten. Als der Markgraf 1703 seine Kapelle ver- kleinerte, durfte Pisendel bleiben; er erhielt eine Stelle als Violinist. 1709 reiste er nach Leipzig. Dort leitete er zeitweilig das Collegium musicum. Im Januar 1712 ging er als erster Violinist nach Dresden; 1728 wurde er der Nachfolger Jean-Baptiste Volumiers als Konzertmeister der sächsischen Hofkapelle. 
Pisendel war nicht nur ein bedeutender Violinvirtuose, sondern auch sehr fleißig und sehr beliebt. Vivaldi schätzte ihn und komponierte für ihn. Auch Telemann, Graupner und Bach schrieben ihm Solopartien. Von seinem Notenarchiv profitieren Musiker noch heute, denn es gilt als eine der wichtigsten Quellen für die Musik der Dresdner Hofkapelle zur Zeit des Barock. 
Einige der Schätze aus dieser Bibliothek haben nun die Musiker der International Baroque Players um Johannes Pramsohler gehoben. Als Erstveröffentlichungen erklingen ein Concerto in D-Dur für Violine, Flöten, Oboen, Streicher und Basso continuo von Johann Friedrich Fasch, ein Concerto in a-Moll für Violine, Streicher und Basso conti- nuo von Johann David Heinichen, das Concerto in G-Dur für Violine, Hörner, Oboen, Fagott, Streicher und Basso continuo von Pisendel sowie die Triosonate HWV 392 von Georg Friedrich Händel in einer Orchesterversion von Pisendel. Ergänzt wird dieses anspruchsvolle Programm durch das Konzert, das Georg Philipp Telemann seinem Freund 1719 bei einem Besuch in Dresden übergab, das sogenannte Pisendel-Konzert, und zwar in der zweiten, überarbeiteten Fassung. Es würdigt die Fähigkeiten des Geigenvirtuosen, und gehört zu den wenigen auch technisch wirklich anspruchsvollen Geigenkonzerten Telemanns. 
Diese Werke belegen noch heute eindrucksvoll, mit welcher Eleganz und Leichtigkeit in Dresden damals musiziert wurde - die Hofkapelle muss durchweg mit exzellenten Musikern besetzt gewesen sein, wie sie kaum an einem anderen Hof Europas in derartiger Zahl verfügbar gewesen sein dürften. Doch nicht nur die jungen Musiker der Inter- national Baroque Players greifen mit dieser Repertoirewahl für ihre Debüt-CD nach den Sternen. Johannes Pramsohler spielt die Geige Reinhard Goebels, eine Pietro Giacomo Rogeri aus dem Jahre 1713. Was Streicher, Holzbläser und Continuo betrifft, so wird man von diesem künstlerischen Nachwuchs ganz sicher noch hören. Die Blechbläser allerdings wurden durch die Anforderungen bis an die Grenzen ihres Leistungsvermögens getrieben; das überzeugt noch nicht. Und auch der bemüht energische Zugriff und die etwas selt- same Akustik dieser Aufnahme sorgen leider dafür, dass die Freude nicht gänzlich ungetrübt bleibt. 

Samstag, 7. April 2012

Johann Friedrich Fasch: Passio Jesu Christi (Naxos)

Über den Lebensweg von Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758) wurde in diesem Blog bereits verschiedentlich berichtet. Nach einer ersten Anstellung als Orga- nist  und Direktor der Kirchen- musik in Greiz trat er 1721 als Hofkapellmeister in den Dienst des Grafen Wenzel Morzin in Prag. Doch schon sechs Monate später ging er nach Zerbst, um dort das Hofkapellmeister-Amt zu über- nehmen. Kurz darauf forderten in die Leipziger Stadtväter auf, sich um die Stelle des Thomaskantors zu  bewerben, die nach dem Tod Kuhnaus neu zu besetzen war. Fasch lehnte dankend ab, und blieb in Zerbst - bis ans Ende seiner Tage. 
Die Passio Jesu Christi, auf dieser CD erstmals veröffentlicht, soll Fasch bereits in Greiz komponiert haben. Mich vom Stricke meiner Sünden beruht auf dem berühmten Libretto Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus von Barthold Heinrich Brockes. Fasch hat es für seine Zwecke stark gekürzt und bearbeitet. Eine Abschrift seines Werkes befindet sich in der Stadtbibliothek Leipzig. Sie wurde durch Mary Térey-Smith ediert und diente als Grundlage für diese Aufnahme mit der Schola Cantorum Budapestiensis und dem Barockorchester Capella Savaria. 
Faschs Passio beeindruckt durchaus, auch wenn sie nicht das Format von Bachs Passionen erreicht. Brockes konzentrierte die Handlung auf den Evangelisten, Jesus und die Tochter Zions, wobei der Tenor nicht nur den eigentlichen Evangelienbericht, sondern auch etliche Arien singt. Ebenso wie die der Sopranistin reflektieren und kommen- tieren sie das Geschehen. Die Solopartien singen sehr achtbar Zoltán Megyesi, Tenor, Péter Cser, Bass und Mária Zádori, Sopran. Man wür- de sich wünschen, dass das schöne wiederentdeckte Werk zukünftig in der Osterzeit Eingang in das Repertoire der Kantoreien findet, zumal die Chöre auch durch Nicht-Profis gut zu bewältigen sind. Auf der CD wird der Passio eine Ouverture in d-Moll vorangestellt; vermutet wird, dass dieses hübsche Werk im Auftrag des Dresdner Hofes ent- standen ist. 

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Fasch: Concertos for various instruments (Accent)

Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758) erhielt seine Ausbildung als Chorknabe in Weißenfels und bei den Leipziger Thomanern; an- schließend studierte er an der Universität in der Pleißestadt.
1711 komponierte er seine erste Oper. 1713 ging er nach Darm- stadt, um von Christoph Graupner und Gottfried Grünewald zu lernen. Sein Aufenthalt dort scheint aber nur kurz gewesen zu sein, denn schon ein Jahr später findet man ihn im Dienst der Reußen, als Kammerschreiber in Gera und als Orga- nist in Greiz. 1721 ging Fasch als Kapellmeister der Grafen Morzin nach Prag, doch schon ein Jahr später wurde er Hofkapellmeister in Zerbst. 

Dort wirkte er den Rest seines Lebens - und das scheint durchaus reich an Herausforderungen gewesen zu sein. Denn in Zerbst schuf Fasch nicht nur jede Menge Kirchenmusik, sondern auch zahlreiche Werke für  festliche Anlässe. Trotzdem gelang es dem Musiker, in engem Kontakt mit Kollegen und Freunden wie Graupner, Telemann, Pisendel und Heinichen zu bleiben. Die Komponisten tauschten unter anderem Noten aus. So erklang in Zerbst auch Musik von anderen Höfen, und Faschs Werke wurden beispielsweise in Hamburg gespielt, wo Telemann 1773 Kantaten des Freundes aufführte. 
Zu Lebzeiten des Komponisten wurde kein einziges Werk Faschs ge- druckt. Es ist erstaunlich, wieviele seiner Instrumentalkompositionen dennoch erhalten geblieben sind. Sie befinden sich heute zum größten Teil in vier Archiven: Die Reste der Zerbster Hofbibliothek sind im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt und im Institut für Musikwissen- schaft der Martin-Luther-Universität Halle/Saale einzusehen. In der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden und in der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt werden die Noten aufbewahrt, die Fasch einst seinen Kollegen geschickt hat. 
Die Konzerte, die auf der vorliegenden CD durch das renommierte Ensemble Il Gardellino eingespielt wurden, befinden sich in Darm- stadt und Dresden. Sie demonstrieren nicht nur Faschs Fähigkeit, bewährte Formen durch Innovationen zu ergänzen, sondern auch sein Faible für Klangfarben und -effekte. Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür ist das Concerto für zwei Oboe da silva, zwei Bratschen, zwei Fagotte und Basso continuo. Eine Oboe da silva ist eine Oboe da caccia, der Vorgänger des Englischhorns. Das Instrument erklingt tiefer als eine "normale" Oboe und eher dunkel timbriert. 
Im grandiosen Concerto für drei Trompeten, zwei Oboen, Fagott und Solovioline lässt er Bläser und Solovioline eher abwechselnd als in Form eines Concertinos mit dem Orchester musizieren. Auch das führt zu erstaunlichen Klangeffekten. Man muss schon sagen, dass die Konzerte des Meisters alles andere sind als langweilig - zumal dann, wenn sie so brillant und lustvoll vorgetragen werden wie durch die Musiker von Il Gardellino. Diese CD bietet Hörvergnügen pur - genau das richtige für kalte, neblige Herbsttage! 

Mittwoch, 23. März 2011

Fasch: Concertos & Ouverture (Dynamic)

Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758) gehört zu den bedeutenden Barockkomponisten, deren Werk dennoch heute fast vergessen ist. Er war der Sohn eines Schulrektors aus Buttelstedt bei Weimar; als er zwölf Jahre alt war, starb sein Va- ter, und so wurde er in den Haus- halt seines Onkels gegeben, der Pfarrer war. 
Ein Verwandter vermittelte ihm eine Stelle als Kapellknabe am Weißenfelser Hof; 1701 wurde Fasch dann Schüler der Leipziger Thomasschule und Mitglied des Chores, der damals von Johann Kuhnau geleitet wurde. 
1708 begann Fasch in der Pleißestadt mit dem Studium, und gründete zudem das zweyte ordinaire Collegium musicum. In diesem Studen- tenorchester musizierte er unter anderem gemeinsam mit Johann David Heinichen, Gottfried Heinrich Stölzel und Johann Georg Pisendel, ws eine Freundschaft begründete, die lebenslang halten sollte. Seine Kavalierstour führte ihn nicht, wie erhofft, nach Italien, sondern nach Darmstadt, wo er kostenlosen Kompositionsunterricht bei seinem ehemaligen Thomasschulpräfekten, dem Hofkapellmeister Christoph Graupner und dessen Vizekapellmeister Gottfried Grüne- wald erhielt. 
Nach mehreren Jahren in Gera und Greiz als Schreiber trat Fasch im Spätsommer 1721 in Prag in den Dienst des Grafen Wenzel Morzin. Im folgenden Jahr erhielt er eine Stelle als Hofkapellmeister in Zerbst, und schlug daher wenig später das Angebot aus, Thomaskantor zu werden. Sein Sohn Carl Friedrich Christian Fasch wurde ebenfalls Musiker; er war nach Carl Philipp Emanuel Bach zweiter Cembalist Friedrichs des Großen, und er war zudem der Gründer der Berliner Singakademie. 
Fasch senior hat wahre Massen an Werken hinterlassen - so sind allein zwölf Jahrgänge Kirchenkantaten, 14 Messen, zudem zahlreiche Motetten und Oratorien, 42 Ouvertüren und Sinfonien sowie viele Konzerte für die verschiedensten Instrumente überliefert. Der größte Teil dieses Werkes, das Fasch teilweise auch für den Dresdner Hof geschaffen hat, ist niemals in Druck erschienen. Das Accademia Bach Baroque Orchestra spielte 1994 einige seiner Werke ein; diese CD erschien nun erneut in der Reihe Delizie Musicali bei Dynamic. Und eines muss man sagen: Die Musik ist wirklich interessant; wenn die beiden fürchterlich schlecht gespielten Oboen nicht wären, dann wäre es eine schöne CD.