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Freitag, 19. Oktober 2018

Beethoven Rarities (Klanglogo)

Diese CD überrascht mit Beethoven-Raritäten. Und das ist durchaus ernst gemeint – oder haben Sie schon einmal die Musik zu einem Ritter- ballett gehört, die der angehende Komponist im Winter 1790/91, noch in Bonn, zum Karneval für seinen Mäzen, den Grafen Waldstein, geschrieben hat? Im November 1792 reiste der junge Ludwig van Beethoven dann nach Wien, um seine Ausbildung dort fortzusetzen. 
Im Gepäck hatte er auch erste Skizzen zu einem Violinkonzert; die Arbeit daran hat er dann allerdings nicht weiter verfolgt. Erst 1806 komponierte er für den Konzertmeister Franz Clement ein Violinkonzert in D-Dur op. 61; auf Bitten des Musik- verlegers Muzio Clementi arbeitete er es später außerdem zu einem Klavierkonzert um. Claire Huangci, die den Solopart übernommen hat, musiziert brillant, wo das Klavier hervortritt, und ordnet sich ebenso mühelos in das Orchester ein, was dieses Konzert leider des Öfteren verlangt. Man findet es beinahe schade, weil die Pianistin so exquisit spielt. 
Doch auch das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt/Oder unter Leitung von Howard Griffiths kann sich durchaus hören lassen. Dieses Konzert mit seinem pfiffigen Konzept ist so gar nicht „Jottwedeh“; ein Programm wie dieses würde auch in eine Kulturmetropole durchaus gut passen. Zumal als drittes Stück die Schlacht-Sinfonie Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria erklingt, uraufgeführt im Jahre 1813 wenige Wochen nach der Völkerschlacht von Leipzig. Ganz großes Kino! 

Sonntag, 23. September 2018

Alla Turca (Klanglogo)

Was für eine geniale Idee! In Berlin gibt es ein Orchester, in dem nur Blockflöten musizieren – vom winzigen Sopranino bis zum übermannshohen Subkontrabass. Das Amateur-Ensemble, 2012 hervorgegangen aus dem 1948 gegründeten Blockflötenorchester Neukölln, wird von Simon Borutzki geleitet. 
Er hat auch die Arrangements für diese CD geschrieben. Und die haben es in sich – denn das Berliner Blockflöten Orchester verweist hier auf die Spuren, die der Orient in der europäischen Musikgeschichte hinterlassen hat. Von Mozarts berühmtem Rondo alla Turca bis zur Ouvertüre der Oper L'Italiana in Algeri von Gioachino Rossini und von Tschaikowskis Arabischem Tanz aus der Nussknackersuite bis zur Ankunft der Königin von Saba aus dem Oratorium Solomon von Georg Friedrich Händel – die Liste ist lang, und sie umfasst neben populären Melodien auch etliche unbekannte Stücke. 
Musiziert wird hinreißend schön. Und weil zu türkischen Klängen auch Schlagwerk gehört, wird das Blockflötenensemble für diese Einspielung durch die Perkussionistin Nora Thiele ergänzt. Die Orchestermitglieder spielen gekonnt, überaus harmonisch und auf den Punkt präzise. Es ist zudem erstaunlich, dass es den Musikern tatsächlich gelungen ist, ein Blockflötenset zusammenzustellen, dass stets absolut sauber klingt. Meine unbedingte Empfehlung - diese CD ist wirklich sensationell! 

Samstag, 11. November 2017

Pachelbel (Klanglogo)

Orgel oder Cembalo? Wer Musik von Johann Pachelbel (1635 bis 1796) spielen will, steht immer wieder vor dieser Frage. Denn musiziert wurde in jener Zeit auf sehr verschiedenen Tasteninstrumenten – aber welches der Komponist für sein jeweiliges Werk im Sinn hatte, das ist aus den Noten nur selten eindeutig zu erkennen. 
Márton Borsányi hat für jedes Musikstück Pachelbels, das er für seine erste Solo-Veröffentlichung ausgewählt hat, nach einer klanglich passenden Lösung gesucht. Der junge Musiker hat an der Leipziger Musikhochschule sowie an der Schola Cantorum Basiliensis studiert, und er beschäftigt sich besonders intensiv mit Musik für Tasteninstrumente, die im 17. Jahrhundert im lutherischen deutschsprachigen Raum entstanden ist. 
Das Instrumentarium für dieses Aufnahmeprojekt hat Borsányi mit Sorg- falt ausgewählt. Das Cembalo entstammt der Tradition der berühmten Cembalobauer-Dynastie Ruckers-Couchet. Es besitzt zwar nur ein Manual, aber zwei 8'- und ein 4'-Register sowie einen Lautenzug. Seine klangliche Variabilität ist ganz erstaunlich. Dazu gesellt sich ein Orgelpositiv, orientiert am Schaffen des Nürnberger Orgelbaumeisters Nicolaus Manderscheidt, einem Zeitgenossen Pachelbels, und erbaut von Peter Meier Orgelbau aus Rheinfelden. Diese kleine, aber ausgesprochen klangschöne Orgel verfügt lediglich über drei Register; sie hat zudem ausschließlich Holzpfeifen. 
Mit seiner CD demonstriert Borsányi, wie farbenreich Musik des 17. Jahr- hunderts gestaltet werden kann. Pachelbels Werke, mit so viel Experimen- tierlust und Spielfreude vorgetragen, wirken frisch und brillant. Ein gelungenes Debüt, zu dem man nur gratulieren kann. Bravo! 

Sonntag, 26. Juli 2015

La Dresda galante (Klanglogo)

Zwei sächsische Herrscher haben die Residenzstadt Dresden geprägt bis zum heutigen Tage: Friedrich August I. (1670 bis 1733), bekannt als August der Starke, orientierte sich am französischen Vorbild. Sein Sohn Friedrich August II. (1696 bis 1763) liebte die Kunst und Musik Italiens, die er auf seiner Kavalierstour kennengelernt hatte. Auf dieser Reise in den Jahren 1615/16 begleiteten ihn Dresdner Hofmusiker, und so lautete das Motto seiner Regierungszeit auch in der Hofkapelle „Venedig statt Versailles“. 
Musik aus jenem sagenhaften Augusteischen Zeitalter hat das Zürcher Barockorchester für diese CD zusammengetragen. Werke von Antonio Vivaldi, Johann Adolf Hasse, Wilhelm Friedemann Bach, Giovanni Alberto Ristori und Johann David Heinichen erklingen, wobei die Instrumentalisten von der Sopranistin Miriam Feuersinger unterstützt werden. Mit ihrer klaren Stimme kann die Sängerin herrliche weite Bögen gestalten; Koloraturen liegen ihr weniger. Die zwölf „Alte“-Musik-Spezialisten um Konzertmeisterin Renate Steinmann und den Cembalisten Jermaine Sprosse musizieren gekonnt und farbenreich. 

Samstag, 1. Februar 2014

Byrd - Vienna Vocal Consort (Klanglogo)

William Byrd (um 1543 bis 1623) war überzeugter Katholik. Das ist durchaus erwähnenswert, denn er bekannte sich zu diesem Glauben zu einer Zeit, da dies in England Kopf und Kragen kosten konnte. Er wirkte, ebenso wie sein Lehrer Thomas Tallis, als Organist der Chapel Royal in London, und galt als „englischer Palestrina“. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Thomas Morley und Thomas Tomkins.
Byrd schuf mehr als 500 Werke, überwiegend Chormusik. Darunter sind auch Messen, die allerdings sehr wahrscheinlich nicht für prachtvolle Gottesdienste in großen Kathedralen, sondern für heimliche Zusammenkünfte in privatem Rahmen geschrieben worden sind.
Eine solche Komposition, die Mass for five voices, gesungen vom Vienna Vocal Consort, enthält diese CD, eingebettet in weitere Werke des Musikers sowohl in englischer als auch in lateinischer Sprache. Denn selbstverständliche schuf Byrd auch Musik für den anglikani- schen Gottesdienst. Nachdem er sich 1593 vom Hof zurückgezogen hatte, scheint er Kirchenmusik allerdings nur noch für seine Glaubensgefährten komponiert zu haben.
Die zwei Sängerinnen und drei Sänger des Wiener Vokalensembles singen mit schönem Ton und mit Inbrunst; leider fehlt es dieser Aufnahme aber an dynamischer Differenzierung, was erst zu einem gewissen Klangbrei und dann, beim Hörer, zur Langeweile führt. Schade.  

Sonntag, 29. Dezember 2013

Early Birds (Klanglogo)

Vom Gesang der Vögel ließen sich zahlreiche Komponisten inspirie- ren. Das Trillern und Zwitschern faszinierte die Musiker, die ihrer- seits versuchten, diese Klänge nachzuahmen – mitunter berückend naturalistisch, wie Theodor Schwartzkopff (1659 bis 1732) in seiner Sonata all'imita- tione del Rossignuole el del Cucco, ein ander Mal eher stilisiert, wie Christoph Graupner (1683 bis 1760) in dem Satz Uccellino chiuso aus der Orchestersuite in G-Dur GWV 466, in der man das eingesperrte Vögelchen erst jammern und flehen und letztlich tot von der Stange fallen hört. 
Etliche solcher Pretiosen aus der Zeit des Barock hat Simon Borutzki gemeinsam mit der Hofkapelle Schloss Seehaus sowie mit der Sopra- nistin Julia von Landsberg auf dieser CD zusammengetragen. Es sind zahlreiche Weltersteinspielungen darunter, Werke von bekannten ebenso wie von unbekannten Komponisten. Und man staunt, wie virtuos man auf Blockflöten musizieren kann. Borutzki setzt hier gleich eine ganze Schar davon ein, vom winzigen Sopranino bis zur gewichtigen Bass-Blockflöte. Gemeinsam mit Heidi Gröger an Violon- cello und Viola da gamba, Thor-Harald Johnsen an Theorbe, Renais- sance- und Barockgitarre und Torsten Übelhör an Cembalo und Orgel gestaltet er ein auch klanglich höchst ansprechendes, abwechslungs- reiches Programm. Unbedingte Empfehlung! 

Sonntag, 18. August 2013

Der stille Kurfürst (Klanglogo)

Der sächsische Kurfürst Friedrich August III. (1750 bis 1827) – ab 1806 König Friedrich August I. – regierte ein verarmtes und durch Kriege verheertes Land. Obwohl seine Untertanen den Regenten sehr schätzten und mit dem Beinamen „der Gerechte“ ehrten, brachte seine Redlichkeit dem König eine Menge Ärger ein. So geriet er nach dem Ende der Napoleonischen Kriege, die Sachsen furchtbar verwüstet hatten, in Gefangenschaft, und verlor große Teile seines Territoriums an Preußen. 
Politik war nicht die Leidenschaft des Herrschers, der sich lieber mit der Botanik beschäftigte – und mit der Musik. So gab es neben den repräsentativen Aufführungen am Dresdner Hof durchaus auch das private Musizieren der Herrscherfamilie. Friedrich August III. war musikalisch sehr versiert, doch offenbar schätzte er es nicht, wenn darum viel Aufsehens gemacht wurde. 
So musizierte der König vorzugsweise gemeinsam mit seinem Hoforganisten Peter August (1726 bis 1787), der auch etliche Werke dafür bearbeitete. Nach seinem Tod übernahm dies Hofkapellmeister Joseph Schuster (1748 bis 1812). Die vorliegende CD enthält Beispiele aus der reichhaltigen Musikaliensammlung des Regenten. Hildegard Saretz und Michaela Hasselt haben die Werke nicht, wie der König und seine Musizierpartner, an zwei Cembali, sondern an einem Cembalo und einem Hammerflügel eingespielt. Das klingt sehr apart – und gibt dem Zuhörer die Möglichkeit, die beiden Partien akustisch differenziert zu verfolgen. 
Die Aufnahme verweist auf einen wenig bekannten Aspekt sächsischer Musikgeschichte. Die Suche in den Archiven ist mühsam, doch lohnenswert. Saretz und Hasselt zeigen, dass abseits des immer gleichen Standard-Repertoires Entdeckungen noch immer möglich sind. So ist dieses Debüt des Leipziger Cembalo-Duos gleich doppelt gelungen. Bravi! 

Mittwoch, 27. März 2013

Passion - Vienna Vocal Consort (Klanglogo)

"Die erste Begegnung des Vienna Vocal Consort mit Joachim von Burcks 'Passion nach Johannes' war flüchtig, ein kurzfristig anberaumtes Projekt für eine Karfreitags-Messe in Wien", berichtet Martin Jan Stepanek, im Hauptberuf Journalist, der Tenor des Ensembles, im Beiheft zu dieser CD. "Beim Zusammenstellen eines Osterprogramms tauchte die Passion wieder auf und hat uns nicht mehr losgelassen. Die schnörkellose Komposition und der unmittelbare Fokus auf den Kern der Passionsgeschichte fas- zinieren und berühren ungemein. Verglichen mit Bachs elaborierten Passionsvertonungen ist es erstaunlich, mit welch geringem Auf- wand Burck eine derartige Tiefe der Erzählkunst erzeugt."
Joachim von Burck (1546 bis 1610) wirkte als Kantor und Organist an St. Blasius, einer der beiden Hauptkirchen in Mühlhausen. Als er in die kleine thüringische Stadt kam, bekannte sich diese noch nicht allzu lange zum Protestantismus. So wurde Joachim von Burck dort zum Wegbereiter des kirchlichen Musiklebens. Reichlich hundert Jahre, bevor Johann Sebastian Bach als Organist an Divi Blasii wirkte, komponierte Joachim von Burck eine große Anzahl von Werken für den Gebrauch im Gottesdienst, darunter auch zwei Passionsmusiken. Sie gelten als die frühesten überlieferten Passionen in deutscher Sprache überhaupt. 
Ganz im Sinne Luthers, konzentriert sich der Komponist dabei auf die Ausdeutung des Textes: "Denn ich habe mich befliessen die wort also unter die noten zu bringen / das fast eine jede syllabe ire noten habe / und die vier Stimmen die wort gleich singen / das der Zuhörer die wort deutlich vernemen kann", schreibt er in seiner Vorrede. "Um den Farbenreichtum auszuschöpfen, haben wir das vierstimmige Stück in wechselnden Besetzungen auf die fünf Ensemblemitglieder verteilt", schreibt Stepanek. 
Ergänzt haben die Sänger die beiden Passionsmusiken durch O vos omnes in einer Vertonung durch Hieronymus Praetorius (1560 bis 1629), Mein himmlischer Vater, in dem Caspar Othmayr (1515 bis 1553) die letzten Worte Martin Luthers in Musik gesetzt hat, und ein klangschönes Magnifikat von Wolfgang Figulus (1525 bis 1589). 
Das Vienna Vocal Consort gehört zu den renommierten Vokalensembles Österreichs speziell im Bereich der "Alten" Musik. Elke Pürgstaller, Sonja Napetschnig, Martin Jan Stepanek, Michael Stelzhammer und Christoph Chlastak-Coreth singen mit geschulten Stimmen, aber sie verdienen ihre Brötchen nicht im Sängerberuf. Wer das nicht weiß, der wird es kaum mitbekommen, denn die fünf Wiener singen harmonisch aufeinander abgestimmt, sauber und ausdrucksstark. Bravi! 

Dienstag, 4. Dezember 2012

Grassauer Blechbläser - Rundumadum (Klanglogo)

Die Grassauer gehören mit German Brass zu den "dienstältesten" Blech- bläserensembles Deutschlands. Gegründet wurden die Grassauer 1980 von Hans-Josef Crump; mittlerweile leitet Wolfgang Diem das zehnköpfige Ensemble. Dass er zugleich Leiter der Musikschule in Grassau ist, das ist kein Zufall - etliche Ensemblemitglieder haben dort ihr Instrument erlernt.  
Die Blechbläser aus dem Chiemgau bescheren ihren Fans zur Weih- nachtszeit eine gehaltvolle CD, die vom Volkslied bis zu Denn er hat seinen Engeln befohlen von Felix Mendelssohn Bartholdy viel zu bieten hat, und vom Evergreen aus Amerika über die traditionelle Münchner Weihnacht bis zum russischen Chor reicht, der übrigens von den Bläsern gesungen wird. Höhepunkt: Rundumadum, ein Paradestück von Hans Kröll, in dem das Alphorn im Mittelpunkt steht. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn es erklingt sowohl in mehrstimmigen Satz als auch im Dialog mit der Posaune. 
Die meisten Arrangements der Grassauer stammen von den Ensem- blemitgliedern Hans Kröll und Matthias Linke. Sie verstehen sich sowohl auf den "klassischen" Satz, der in erster Linie den satten Bläsersound wirken lässt, als auch auf augenzwinkernde Moderne. Dabei können sie eine Vielzahl von Instrumenten einsetzen, denn die meisten der Musiker sind nicht ausschließlich auf ein Blasinstrument festgelegt. Das sorgt zusätzlich für Abwechslung und bringt Klang- farben ins Spiel.