Posts mit dem Label von Herzogenberg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label von Herzogenberg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 30. Mai 2018

Von Herzogenberg: Piano Trios op. 24 & 36 (MDG)

Ein junger Komponist suchte seinen Weg: Nach dem Studium in Wien und ersten Erfolgen mit Werken im Wagner-Stil war Heinrich von Herzogenberg (1843 bis 1900) so irritiert, dass er in eine Schaffens- krise geriet. Denn im Feuilleton tobte damals ein erbitterter Streit zwischen zwei Lagern, den Traditionalisten und den sogenannten Neudeutschen, Brahms-Anhängern und Wagnerianern. Mit gespitzter Feder gingen die Kritiker jeweils auf die Gegenpartei los, an der sie kein gutes Haar ließen. Wem sollte man da glauben? 
Um Abstand zu gewinnen, ging von Herzogenberg 1872 nach Leipzig. Dort beschäftigte er sich mit Bachs Musik,  und er lernte Johannes Brahms kennen, der ihn sehr beeindruckte. Die beiden Klaviertrios, die auf dieser CD erklingen, sind ein Ausdruck dieser Neuorientierung. 
Man staunt: Das ist tolle Musik! Wie kann es eigentlich sein, dass Heinrich von Herzogenberg derart in Vergessenheit geraten ist? Der Komponist scheint ja jede Menge Kammermusik geschrieben zu haben; nur schade, dass man davon kaum etwas zu hören bekommt. Insofern ist es sehr erfreulich, dass sich mit den Klaviertrios nunmehr ein erstklassiges Ensemble auseinandergesetzt hat. 
Das Wiener Klaviertrio musiziert großartig. Hingebungsvoll erkunden die Musiker die lyrischen Passagen, und kraftvoll setzen sie dramatische Akzente. Die Einspielung lässt klar erkennen, was diese Werke so einzigartig macht. Anzumerken bleibt zudem die exzellente technische Qualität dieser Aufnahme, die das audiophile Label Dabringhaus und Grimm auf SACD präsentiert. 

Freitag, 12. Mai 2017

Geistliche Meisterwerke (Hänssler Classic)

Geistliche Musik in herausragenden Editionen prägt seit der Gründung mit das Profil von Hänssler Classic. Aus der langjährigen Zusammenarbeit mit renommierten Interpreten sind etliche herausragende Projekte ent- standen. Erinnert sei nur an legen- däre Serien wie die Gesamteinspie- lung der Kantaten und Passionen von Johann Sebastian Bach mit der Gächinger Kantorei und dem Bach-Collegium Stuttgart unter Helmuth Rilling. 
Das Label hat nun aus seinen umfangreichen Beständen eine Kollektion zusammmengestellt, die auf immerhin 50 (!) CD Geistliche Meisterwerke vorstellt. Neben bekannten Werken, von Bachs Weihnachts- oratorium bis hin zu Brahms' Ein deutsches Requiem und von Beethovens Missa Solemnis bis hin zu Haydns Oratorium Die Schöpfung, enthält diese Box auch Raritäten. So bekommt der Einsteiger in die Welt der geistlichen Musik eine Sammlung, in der er faktisch alle wichtigen Werke findet – von Heinrich Schütz' Weihnachtsoratorium bis hin zum Requiem von Gabriel Fauré. Doch selbst für Experten hält diese Box so manche Entdeckung bereit: Wer kennt schon Das Liebesmahl der Apostel von Richard Wagner, das Requiem Opus ultimum von Johann Michael Haydn, oder die Große Messe von Johann Ritter von Herbeck? 
Exzellente Sänger, namhafte Orchester, hervorragende Chöre und berühm- te Dirigenten haben an diese Produktionen mitgewirkt; die Liste ist aber zu lang, um sie an dieser Stelle komplett wiederzugeben. Und es wäre nicht gerecht, einzelne Beteiligte herauszuheben. Denn hörenswert ist wirklich alles, was in dieser Box steckt. Viele der Aufnahmen wurden mit Preisen ausgezeichnet. Der Fokus dieser umfangreichen Edition liegt auf den großen Werken der geistlichen Musik vom Barock bis zur Spätromantik, versammelt sind überwiegend Werke aus dem deutschsprachigen Raum. 

Sonntag, 29. Mai 2016

Serenade for Dieter Klöcker Vol. 2 (MDG)

Dieter Klöcker (1936 bis 2011) hätte in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert. Dabringhaus und Grimm erinnert mit einer ganz besonderen Edition an den Jubilar: Auf vier CD präsentiert das Label Kostbarkeiten aus dem Schallarchiv des Westdeutschen Rundfunks. Die Aufnahmen, entstanden zwischen 1969 und 1993, zeigen Klöcker als überaus versierten und engagierten Kammermusiker – und stets auf der Suche nach Raritäten. Mit Leiden- schaft hat der Klarinettist zeitlebens in Archiven und Musikbibliotheken nach Kompositionen gesucht, deren Wiederentdeckung lohnt. Es verwun- dert daher nicht, dass auch in dieser Box wieder etliche Ersteinspielungen zu finden sind. Und grandios gut musiziert wird natürlich auch – eine würdige Jubiläumsgabe, mit Aufnahmen, die rundum begeistern. 

Donnerstag, 27. Dezember 2012

von Herzogenberg: Die Geburt Christi (Hänssler Classic)

Heinrich von Herzogenberg (1843 bis 1900) gehörte 1874 zu den Mitbegründern des Bach-Vereins, dessen Leitung er 1875 übernahm. Die Beschäftigung mit dem Werk Bachs führte von Herzogenberg zu einer generellen Auseinander- setzung mit der evangelischen Kirchenmusik. Dazu trug auch die Freundschaft zu dem Theologen Friedrich Spitta bei, der den Kom- ponisten inspirierte - so beispiels- weise auch zu dem Oratorium Die Geburt Christi, das 1894 in der Straßburger Thomaskirche uraufgeführt wurde. Spitta war an der Universität Straßburg Theologieprofessor. Er hat sicherlich entschei- denden Anteil daran, dass der Katholik von Herzogenberg zu jenen Pionieren gehörte, die die Erneuerung der protestantischen Kirchen- musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorbereiteten. 
Der Komponist, seit 1885 Professor für Komposition in Berlin, kannte Johannes Brahms und verehrte ihn sehr. Dennoch erscheint es unge- recht, dass Heinrich von Herzogenberg als Brahms-Epigone abgetan wurde und dass seine Werke rasch im Nirvana der Musikgeschichte entschwunden sind. Hört man Die Geburt Christi, ein Werk, das Abschnitte für Solisten, Chor und Orchester sowie Kirchenlieder für den Gemeindegesang sehr geschickt miteinander verbindet, dann findet man darin sehr viel originelle Ideen und sehr interessante Passagen. Wunderschön beispielsweise gestaltet von Herzogenberg die biblische Weihnachtserzählung sowie den darauffolgenden Chor Es ist ein Ros entsprungen
Hänssler Classic legt dem Musikfreund das Werk in einer hörens- werten Aufnahme aus dem Jahre 1988 auf den Gabentisch. Sie wurde seinerzeit vom SFB in der Jesus-Christus-Kirche Berlin-Dahlem aufgezeichnet. Regina Schudel, Anke Eggers, Peter Maus und Ernst-Gerold Schramm sind als Solisten zu hören. Es singen zudem der Kammerchor der Hochschule der Künste Berlin und der Staats- und Domchor Berlin. Rudolf Heinemann und Michael Röbbelen spielen die Orgel bzw. das Orgelpositiv. Zudem musiziert das Ensemble Oriol; es dirigiert Christian Grube. 

Sonntag, 24. Juni 2012

Albrecht Mayer - Schilflieder (Decca)

Einmal mehr sind Albrecht Mayer, Solo-Oboist der Berliner Philhar- moniker, in seiner Leidenschaft für die Kammermusik Entdeckungen gelungen. Auf der vorliegenden CD stellt er gemeinsam mit Tabea Zimmermann, Viola, Marie-Luise Neunecker, Horn, und Markus Becker, Klavier, Werke vor, die man im Konzert überwiegend selten oder gar nicht hören kann. Das liegt daran, dass Komponisten, die nicht zu den wenigen ganz bekannten zählen, vom Publikum wie von der Musikwissenschaft üblicherweise vergessen werden - einige von ihnen sogar schon vor ihrem Tode. Sie werden oft abfällig als "Kleinmeister" bezeichnet - und wenn man diese CD angehört hat, dann wird man verstehen, warum Mayer dieses Wort gar nicht leiden kann.
Denn sie enthält Werke in einer Qualität, über die man nur staunen kann. Das gilt für das Trio für Oboe, Horn und Klavier op. 61 von Heinrich von Herzogenberg ebenso wie für die Drei Romanzen für Oboe und Klavier op. 94, dem einzigen Werk für Solo-Oboe von Robert Schumann und dem einzigen Stück eines "Großmeisters" auf dieser CD. Wunderschön sind aber auch die Schilflieder - Fünf Fantasiestücke nach Gedichten von Nikolaus Lenau für Oboe, Viola und Klavier op. 28 von August Klughardt.
 "Wenn auf irgendein Stück der Begriff Romantik zutrifft, dann gilt das für Klughardts Schilflieder, die zum Besten gehören, was je für Oboe komponiert wurde", meint Mayer. Und da hat er wirklich recht. Doch nicht nur das Rascheln des Schilfs, das leise Murmeln der Wellen und das Emporsteigen des Mondes meint man zu hören. Diese Musik zitiert Natur, aber sie weist weit darüber hinaus - und darin ist sie in der Tat ausgesprochen romantisch. Die Schilflieder beschwören nicht nur den Schmerz einer verlorenen Liebe; sie zeigen zugleich, dass Musik immer auch Abstraktion ist, viel mehr noch als das poetische Wort, und dass der Ausdruck von Gefühl zugleich an sehr viel hand- werkliches Können, Überlegung und damit Distanz gebunden ist. Wie der Oboenvirtuose gemeinsam mit Zimmermann und Becker Klang- welten entstehen lässt, das ist ein Erlebnis.
Man höre aber auch Hornistin Neunecker, wie sie ihr Instrument zügelt, um im Trio ein Zwiegespräch mit der Oboe überhaupt erst möglich zu machen. Mayer selbst musiziert mit butterweichem, schmeichelndem, singendem Ton; das Wort "schwierig" scheint es für den Musiker nicht zu geben. Was er vorträgt, das wirkt perfekt. Und weil er Romantik nicht an ein Jahrhundert gebunden sieht, sondern an eine Geisteshaltung, ergänzt er seine Sammlung noch um den Liebesruf eines Faun für Englischhorn und Klavier von Hans Stein- metz, die Variationen für Oboe und Klavier op. 39 von Julius Weismann und Prelude-Improvisationen seines Pianisten Markus Becker.