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Samstag, 2. Januar 2021

Bruckner: Mass in E Minor; Motets (Kings College)


 Sir Stephen Cleobury, der langjährige Leiter des weltberühmten Choir of King’s College Cambridge, hatte leider wenig Gelegenheit, den wohlverdienten Ruhestand zu genießen; er starb kurz nach seiner Pensionierung. 

Sein letztes Projekt war diese Einspielung von Anton Bruckners Messe e-Moll, die er ebenso wie ausgewählte Motetten des Komponisten für diese CD im März und Juni 2019 aufgenommen hat.

Sonntag, 4. Oktober 2020

Staatskapelle Berlin - Legendary Eterna Recordings (Berlin Classics)

 

Die Staatskapelle Berlin feiert 450jähriges Bestehen – und Berlin Classics gratuliert mit einer 5-CD-Box zu diesem Jubiläum. Das Label hat dafür legendäre Aufnahmen des Orchesters mit Otmar Suitner und Günther Herbig herausgesucht. Sie wurden seinerzeit in der Christus-Kirche Berlin-Schöneweide aufgenommen, und bei Eterna als Schallplatte veröffentlicht. 

Für die Neuedition wurden diese Einspielungen nun neu von den Originalbändern remastert. Otmar Suitner leitete die Staatskapelle Berlin von 1964 bis 1990. Freuen darf man sich auf feinsinnige Interpretationen der Mozart-Ouvertüren ebenso wie auf Musik von Richard Strauss und Paul Dessau, die Suitner allesamt besonders schätzte. 

Neben Strauss‘ Symphonischer Phantasie aus Die Frau ohne Schatten wurde für diese Kollektion auch Penthesilea von Hugo Wolf sowie die Musik zu Kleists Das Käthchen von Heilbronn op. 17 von Hans Pfitzner ausgewählt; für beides hatte sich Suitner besonders eingesetzt. Zu hören sind zudem Bruckners Siebente und Mahlers Zweite; Günther Herbig, der in den 70er Jahren viele Konzerte mit der Staatskapelle dirigierte, wird ebenfalls mit einer CD geehrt. Darauf erklingen Mendelssohns Sommernachtstraum sowie die Orchestermusik Nr. 4 von Paul Dessau. 


Dienstag, 18. Februar 2020

Bruckner: Missa Solemnis (Accentus)

Dem Augustinerstift St. Florian war Anton Bruckner (1824 bis 1896) sehr verbunden. Nach dem Tode seines Vaters, der Dorfschullehrer war und erst 46 Jahre alt, wurde er dort 1837 Sängerknabe. Drei Jahre später verließ er das Stift und absolvierte eine Lehrerausbildung; 1845 kehrte er dann als Schulgehilfe an der Pfarrschule, Gehilfe des Stiftsorganisten sowie als Musiklehrer der Sängerknaben nach St. Florian zurück. Die Missa Solemnis komponierte Bruckner 1854 zum Amtsantritt des neuen Prälaten Friedrich Mayr. Doch Bruckner blieb, wie schon seit 1850, provisorischer Stiftsorganist. 1855 starb der Organist des Linzer Domes; Bruckner bewarb sich, und wurde dessen Nachfolger. 
St. Florian aber blieb Bruckner verbunden; in der Gruft der Stiftskirche wurde er auch begraben, und Bruckner-Verehrer aus aller Welt pilgern bis heute nach St. Florian. Die Werke allerdings, die Bruckner während seiner Zeit in St. Florian schuf, werden bis heute wenig beachtet – einige sind wohl noch nicht einmal ediert. Das ändert sich erst jetzt; so hat Benjamin-Gunnar Cohrs die Notenedition für dieses CD-Projekt erstellt. Der Rias Kammerchor präsentiert Bruckners Missa Solemnis in Weltersteinspielung, unter Leitung von Łukasz Borowicz gemeinsam mit der Akademie für Alte Musik und Johanna Winkel, Sophie Harmsen, Sebastian Kohlhepp und Ludwig Mittelhammer als vorzüglichem Solistenquartett. Die historische Aufführungspraxis schließt in diesem Falle auch die ergänzenden Propriumsvertonungen von Robert Führer, Joseph Eybler und Johann Baptist Gänsbacher mit ein, die von Cohrs in aufwendigen Archivrecherchen ausfindig gemacht und ebenfalls mit ediert wurden. So gibt diese CD in einzigartiger Weise Auskunft über die Klangwelt, in der sich Bruckner einst in St. Florian bewegte. Sehr spannend!  

Dienstag, 13. März 2018

#hornlikes (Genuin)

„Die Hörner sind los!“, warnt das Leipziger Label Genuin Classics. Nachdem sie bisher immer gemeinsam mit anderen Ensembles zu hören waren, haben die Musiker von German Hornsound nun zum ersten Mal eine CD eingespielt, auf der sie pur zu erleben sind. Das darf man durchaus wörtlich nehmen. Denn das Hornquartett hat dafür Lieblingsstücke seiner Mitglieder neu arrangiert. 
Das ermöglicht interessante Eindrücke – egal, ob Sebastian Schorr Händels populäre Arie Lascia ch'io pianga einmal auf dem Horn spielen möchte, Stephan Schottstädt die ebenso berühmte Englischhorn-Melodie der Sinfonie Aus der Neuen Welt von Antonín Dvořák erkundet, Christoph Eß die Trompetenklänge aus dem Finalsatz des zweiten Brandenburgischen Konzertes von Johann Sebastian Bach auf das Horn verlegt, oder Timo Steininger den Meditango von Astor Piazzolla. Jeder Musiker durfte drei Favoriten für diese CD auswählen. Und es gibt, von Händels Wassermusik bis zu Verdis Messa da Requiem und von Alessandro Marcellos Oboenkonzert bis hin zu Bruckners Chorälen, eigentlich kein einziges Werk, das nicht mindestens so schön klingt wie im Original, wenn es derart gekonnt durch vier Hörner vorgetragen wird. 
Und weil es so schön ist, hatte auch das Publikum drei #hornlikes frei. Es entschied sich für Melodien von Richard Wagner, Franz Schubert und Engelbert Humperdinck. Eigens für Tonmeister Michael Silberhorn, der „es gerne hat, wenn es mal ein bisschen schmettert“, erklingt dann zum Schluss noch ein Chor aus Carl Maria von Webers Freischütz. Hinreißend! 
Die Edel-Blechbläser von German Hornsound entlocken ihren Instrumen- ten ebenso farben- wie nuancenreiche Klänge. Sie demonstrieren, dass mit dem Horn gefühlvolle Melodielinien genauso selbstverständlich gestaltet werden können wie rhythmische Fundamente. Von ätherisch bis groovig sind alle Optionen möglich – Horn grandios! 

Sonntag, 26. November 2017

Reger und seine Zeit (MDG)

So hörenswert die Musik von Max Reger (1873 bis 1916) ist, so selten erklingt sie tatsächlich im Konzert. Das gilt nicht nur für seine Orgelwerke, sondern ebenso für die Chormusik. Der Kammerchor Opus Vocale, geleitet von Volker Hedtfeld, hat auf dieser CD im Gedenken an den hundertsten Todestag des Komponisten eine kleine, aber sehr feine Auswahl aus dem Schaffen Regers zusammengestellt. Sie macht zum einen deutlich, welch enorme Qualität diese Musik hat. Und sie zeigt zum anderen das Umfeld, in dem sie entstanden ist – mit ebenfalls sorgsam ausgesuchten Chorstücken von Anton Bruckner (1824 bis 1896), Johannes Brahms (1833 bis 1897) und Arnold Schönberg (1874 bis 1951). 
Volker Hedtfeld führt seinen Profi-Projektchor mit sicherer Hand durch dieses anspruchsvolle Repertoire. Der Kammerchor Opus Vocale beeindruckt mit seinem absolut homogenen Chorklang, schier endlosen Spannungsbögen und dynamischer Flexibilität. Faszinierend! 

Freitag, 12. Mai 2017

Geistliche Meisterwerke (Hänssler Classic)

Geistliche Musik in herausragenden Editionen prägt seit der Gründung mit das Profil von Hänssler Classic. Aus der langjährigen Zusammenarbeit mit renommierten Interpreten sind etliche herausragende Projekte ent- standen. Erinnert sei nur an legen- däre Serien wie die Gesamteinspie- lung der Kantaten und Passionen von Johann Sebastian Bach mit der Gächinger Kantorei und dem Bach-Collegium Stuttgart unter Helmuth Rilling. 
Das Label hat nun aus seinen umfangreichen Beständen eine Kollektion zusammmengestellt, die auf immerhin 50 (!) CD Geistliche Meisterwerke vorstellt. Neben bekannten Werken, von Bachs Weihnachts- oratorium bis hin zu Brahms' Ein deutsches Requiem und von Beethovens Missa Solemnis bis hin zu Haydns Oratorium Die Schöpfung, enthält diese Box auch Raritäten. So bekommt der Einsteiger in die Welt der geistlichen Musik eine Sammlung, in der er faktisch alle wichtigen Werke findet – von Heinrich Schütz' Weihnachtsoratorium bis hin zum Requiem von Gabriel Fauré. Doch selbst für Experten hält diese Box so manche Entdeckung bereit: Wer kennt schon Das Liebesmahl der Apostel von Richard Wagner, das Requiem Opus ultimum von Johann Michael Haydn, oder die Große Messe von Johann Ritter von Herbeck? 
Exzellente Sänger, namhafte Orchester, hervorragende Chöre und berühm- te Dirigenten haben an diese Produktionen mitgewirkt; die Liste ist aber zu lang, um sie an dieser Stelle komplett wiederzugeben. Und es wäre nicht gerecht, einzelne Beteiligte herauszuheben. Denn hörenswert ist wirklich alles, was in dieser Box steckt. Viele der Aufnahmen wurden mit Preisen ausgezeichnet. Der Fokus dieser umfangreichen Edition liegt auf den großen Werken der geistlichen Musik vom Barock bis zur Spätromantik, versammelt sind überwiegend Werke aus dem deutschsprachigen Raum. 

Donnerstag, 9. März 2017

Barber - Bruckner - Konzerthaus Kammerorchester Berlin (Cugate Classics)

Zwei außerordentlich berühmte Adagios sind auf dieser SACD vereint: Das Adagio von Samuel Barber (1910 bis 1981) wird gern als Trauermusik genutzt. Entstanden ist es eigentlich als Mittelsatz des Streichquartettes op. 11. Barber komponierte dieses Werk 1936 in St. Wolfgang, wo er mit seinem Lebenspartner Gian Carlo Menotti den Sommer verbrachte. Aus Österreich nach Rom zurückgekehrt, begegnete Barber dann Arturo Toscanini. 
Der Dirigent riet dem Komponisten, das Adagio aus dem Kontext zu lösen und für Streichorchester zu instrumentieren. Toscanini übernahm dann mit dem NBC Symphony Orchestra 1938 in New York auch die Uraufführung. Sie wurde im Rundfunk übertragen – und das Stück wurde ein Welterfolg: Es erklang zur Beisetzung von Franklin D. Roosevelt, John F. Kennedy, Albert Einstein, Gracia Patricia und Rainier III. von Monaco. Auch als Filmmusik wurde es immer wieder eingesetzt. 
Das Adagio im Streichquintett F-Dur von Anton Bruckner (1824 bis 1896) hingegen behielt seinen Platz zwischen dem Scherzo. Schnell und dem Finale. Lebhaft bewegt. Schon die Zeitgenossen fanden diese Musik berückend; selbst der Kritiker Max Kalbeck, seinerzeit eine Autorität (und eigentlich ein leidenschaftlicher Gegner Bruckners) zeigte sich begeistert und schrieb: „Das Adagio strömt eitel Licht aus, Licht in Tausend Farben und Nuancen – der Abglanz einer bis in den siebenten Himmel verzückten Vision.“ 
Auch die vorliegende Einspielung mit dem Konzerthaus Kammerorchester Berlin ist durchaus dazu geeignet, den Zuhörer in den emotionalen Aus- nahmezustand zu versetzen. Die Musiker um die beiden Konzertmeister Sayako Kusaka und Michael Erxleben verzichten konsequent auf spätro- mantisches Pathos und allzu gefühlige Ausbrüche. Sie spielen mit hinreißender Klarheit, und mit erlesener Klangkultur. Das Bruckner-Quintett erklingt in einer Bearbeitung für Streichorchester von Michael Erxleben. Gerade bei diesem Werk kommt der kammermusikalisch-demokratische Ansatz, den dieses Ensemble als Prinzip vertritt, auf das Schönste zum Tragen. Bravi! 

Donnerstag, 19. Januar 2017

Die Bruckner-Orgel im Alten Dom zu Linz (Spektral)

Ein einzigartiges Instrument steht im Mittelpunkt dieser Einspielung: Bernhard Prammer, seit 2007 Titu- larorganist und Kustos der Bruckner- orgel im Alten Dom zu Linz, musiziert an jener Orgel, die einst Anton Bruckner (1824 bis 1896) nach seinen Vorstellungen umbauen und überar- beiten ließ. Bruckner wirkte von 1855 bis 1868 in Linz als Domorganist. 
Entstanden ist die Brucknerorgel ursprünglich für einen ganz anderen Raum: Sie wurde um 1765 von Franz Xaver Chrismann (1726 bis 1795) für die Stiftskirche von Engelszell angefertigt. Nach der Aufhebung des Stiftes durch Kaiser Joseph II. im Jahre 1786 wurde sie aber nicht mehr benötigt, so dass sie 1790 abgebaut und nach Linz umgesetzt wurde. Dort ersetzte diese Orgel einen defekten Vorgänger in der Jesuitenkirche St. Ignatius, die 1785 zum Dom der neu gegründeten Diözese Linz erhoben worden war. 
Diese Orgel ist das einzige von Anton Bruckner gespielte Instrument, das in der nachfolgenden Zeit nicht verändert wurde und so original den Klang bewahren konnte, den Bruckner seinerzeit mit geformt hat. Gleich nach seinem Amtsantritt veranlasste der Organist seinerzeit erste Reparaturen, die durch den Orgelbauer Josef Breinbauer (1807 bis 1882) ausgeführt wurden. Er hat dann auch das Instrument nach Bruckners Vorgaben schrittweise umgebaut. 
Da die dreimanualige Orgel mit einem relativ kleinen Pedalwerk und kurzer Oktave ausgestattet ist, sind nicht alle Töne vorhanden, die eigentlich benötigt würden, um Orgelwerke aus dem 19. und 20. Jahrhundert zu spielen. Prammer hat aus der Not eine Tugend gemacht, und für diese CD Musik von Komponisten ausgewählt, die zumeist selbst als Organisten im Alten Dom tätig und daher mit dem Instrument vertraut waren: Johann Baptist Schiedermayr (1779 bis 1840) war einer der Amtsvorgänger Bruckners, Karl Borromäus Waldeck (1841 bis 1905) einer seiner Schüler, Franz Karl Neuhofer (1870 bis 1949) wiederum war der Amtsnachfolger Waldecks. Die Werke von Rupert Gottfried Frieberger (*1951) und Erwin Horn (*1940) entstanden eigens für die Brucknerorgel, wobei die Auswahl von sechs der Elf Engelszellen Horns die klanglichen Möglichkeiten des Instrumentes besonders schön aufzeigt. 

Mittwoch, 4. Januar 2017

Bruckner: Sämtliche Sinfonien; Young (Oehms Classics)

Anton Bruckner (1824 bis 1896) ge- hört zu den wichtigsten Komponisten seiner Zeit. Erkannt wurde das allerdings erst spät; seine Laufbahn begann Bruckner als Schulgehilfe. Ein Jahrzehnt verbrachte er im Stift St. Florian, wo er einst auch selbst als Sängerknabe gelernt hatte. Dort widmete er sich mit derselben Ernsthaftigkeit, mit der er dank Weiterbildung den Aufstieg vom Hilfslehrer ins Lehramt auch für die höheren Klassen meisterte, der Ver- vollkommnung seines Orgelspiels, was ihm zunächst das Amt des Stiftsorganisten einbrachte. 1855 wurde Bruckner zum Linzer Domorgani- sten gewählt. 
Doch auch in dieser Position lehnte er sich nicht etwa zufrieden zurück; Bruckner studierte weiter intensiv Musiktheorie und Komposition, und er übte sich im Dirigieren. Nach dem Erfolg seiner ersten Sinfonie wagte der Musiker schließlich den Schritt nach Wien, wo er nicht nur Hoforganist, sondern zudem auch Professor für Musiktheorie am Konservatorium wurde. 
Mit seinen Sinfonien geriet der Komponist dann allerdings in eine Fehde zwischen den „Wagnerianern“ und den „Brahmsianern“, wobei die An- hänger der Tradition wortgewaltig unterstützt wurden durch den Kritiker Eduard Hanslick. Bruckner hatte seine dritte Sinfonie Wagner gewidmet – was ihm viel Ärger einbrachte. Insgesamt schuf Bruckner elf Sinfonien; neun davon akzeptierte er, die allererste aus dem Jahre 1863 gilt als „Studiensinfonie“, eine weitere, komponiert 1869, wurde annulliert und kam so als „Nullte“ ins Werkverzeichnis. Und die Neunte konnte er nicht mehr vollenden; der vierte Satz blieb Fragment. 
Bruckner, der zeitlebens katholisch fromm, sehr bescheiden und wohl auch unsicher und neurotisch gewesen sein soll, war mit seinen Sinfonien nie recht zufrieden. Er hat daher etliche seiner Werke überarbeitet, und dabei etliches geglättet und gestrafft. Simone Young wählte für ihren Bruckner-Zyklus mit den Philharmonikern Hamburg allerdings durchweg, wenn vorhanden, die Urfassung. Sie gilt als „unmittelbarer“, soll aber Orchester- musiker zu Bruckners Zeiten wohl vor Probleme gestellt haben. Die Auf- nahmen, die bei Oehms Classics veröffentlicht wurden, sind durchweg Live-Mitschnitte. 
Über Bruckner als Erneuerer der Gattung Sinfonie sind dicke Bücher geschrieben worden; hörbar wird hier, dass die elf Sinfonien eigentlich die Fortsetzung von Orgelmusik mit den Mittel eines großen Orchesters sind. Bruckner verwendet Instrumentengruppen und Klangfarben, wie man Register ziehen würde. Und so steht auch Laut und Leise des öfteren kontrastierend nebeneinander. 
Simone Young gestaltet Bruckners Sinfonien mit den Philharmonikern Hamburg frisch und energiegeladen, kontrastreich und fein austariert, von keck bis dramatisch. Kein Wunder, dass Publikum und Kritik gleicher- maßen euphorisch reagierten. Der komplette Bruckner-Zyklus mit Simone Young ist nun in einer 12-CD-Box erhältlich. 

Mittwoch, 4. März 2015

Bruckner: Pange lingua - Motetten (Fra Bernardo)

Wie klingt es, wenn man die Motetten von Anton Bruckner (1824 bis 1896) nicht, wie weit verbreitet, mit einem möglichst großen Haufen, sondern mit einem Kammerchor aufführt? Philipp von Steinaecker hat es mit seinem Ensemble Musica Saeculorum ausprobiert. Für jede Stimmlage stehen genau vier Sängerinnen bzw. Sänger zur Verfügung, die die Werke im Sinne der historisch informierten Aufführungspraxis interpretieren.
Bei der Zusammenstellung des Programmes für diese CD folgt von Steinaecker chronologisch dem Lebenweg Bruckners, vom ersten Pange lingua des Elfjährigen bis hin zum Vexilla Regis, das der Komponist 1892 als private Meditation zur Karwoche schrieb.
Musica Saeculorum singt diese Chorwerke nicht als Solitäre, sondern aus der Perspektive kirchenmusikalischer Traditionen heraus. Dadurch gewinnen die altbekannten Werke ganz erstaunlich an Tiefe und Innerlichkeit. Nicht Inbrunst und Lautstärke, sondern ein sachkundiger Blick in die Noten, blitzsauberer Gesang und die perfekte Klangbalance offenbaren die einzigartige Qualität von Bruckners Motetten. Bravi!

Freitag, 17. Oktober 2014

Music for Brass Septet (Naxos)

Mit dem Barock ging nicht nur für Laute und Blockflöte, sondern auch für Blechbläser eine Blütezeit zu Ende. Das Biedermeier konnte mit ihrem Klang offenbar wenig anfangen. Obwohl die Instrumente immer perfekter wurden, hat keiner der Romantiker ein Konzert sie kompo-niert. Nach der Erfindung des Ventils waren die Blechbläser zwar in der Lage, die volle chromatische Bandbreite an Tönen zu spielen – doch Trompeten und der Posaunen erklangen nunmehr überwiegend in Militärkapellen, der sogenannten
„U-Musik“ oder aber im Posaunenchor. Selbst im Orchester waren sie, abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen, allenfalls als Klangfarbe gefragt. 

Wie hätte es geklungen, wenn Komponisten wie Anton Bruckner, Johan- nes Brahms oder Robert Schumann Werke für Blechbläser-Ensemble geschrieben hätten? Die Musiker von Septura haben es ausprobiert; das Ergebnis ist auf dieser CD zu bestaunen – und fasziniert wird der Zuhörer feststellen, dass ein Blechbläserseptett eigentlich die perfekte Besetzung ist, um Orgelsonaten von Felix Mendelssohn-Bartholdy zu spielen. Auch die Motetten von Bruckner beispielsweise wirken wie eigens für Bläser komponiert. Und das liegt nicht nur an den cleveren Arrangements, die überwiegend Septura-Trompeter Simon Cox geschaffen hat. Die sieben Musiker an Trompeten, Posaunen und Tuba erweisen sich als Könner; wer hätte gedacht, dass Blechbläser eine derart breite Palette an Klangfarben aufbieten können? Bravi!

Dienstag, 24. April 2012

Serenade (Genuin)

Was für ein Sound! Die Camerata Musica Limburg, ein quasi-profes- sionelles Ensemble, ist 1999 aus den Limburger Domsingknaben hervorgegangen und widmet sich dem Männer-Kammerchorgesang auf höchstem Niveau. Die 18 Her- ren, die unter Leitung von Jan Schumacher an dieser CD mitge- wirkt haben, singen blitzsauber und berückend homogen. 
Für Serenade haben sie Lieder ausgewählt, die überwiegend die Nacht musikalisch verklären - so, wie es die Romantiker liebten. Doch die Chorsänger beschränken sich nicht darauf, die bekannten Lieder vorzutragen, wie  sie jede Lieder- tafel kennt und singt. Sie haben zwischen den altbekannten und heiß geliebten "Hits" allerlei Überraschungen versteckt. So rufen perfekt geblasene Hörner das Waldesrauschen in Erinnerung. Es sind einige schöne Soli zu hören und auch etliche Werke, die in Deutschland sonst eher nicht präsent sind. Eine wunderschöne, poetische CD. 

Donnerstag, 16. September 2010

Quartbone: Esquisse (Perc Pro)

Drei Tenor- und eine Bassposaune - in dieser Besetzung konzertiert das Posaunenquartett Quartbone. Fabrice Millischer, Jean-Philippe Navrez, Aurélien Honoré und Fabien Dornic haben gemeinsam an der Musikhochschule in Lyon studiert. 2006, noch während ihrer Ausbildung, gründeten sie, unterstützt durch ihren Lehrer Michel Becquet, dieses nicht all- tägliche Ensemble . 
Quartbone kombiniert zwei reiz- volle, aber wohl auch sehr un- terschiedliche Posaunentraditionen. Da wäre zum einen die Welt der modernen Posaune, die seit Beethoven ihren festen Platz im Sinfo- nieorchester hat, aber auch außerhalb der Klassik gern gespielt und eingesetzt wird - im Blasorchester beispielsweise, oder im Posaunen- chor. Zugleich setzen die Musiker von Quartbone aber auch gern ihren Vorgänger, die Renaissanceposaune ein, auch "Sacqueboute" oder "Sackbutt" genannt. Sie klingt leiser, klarer und schlanker als das heute übliche Instrument.
Die vier französischen Blechbläser spielen Werke von Tilman Susato über Thomas Tallis bis hin zu Anton Bruckner und Paul Desmond. Das wird nie langweilig. Wer Vergnügen an blitzsauber und zugleich sehr humorvoll vorgetragener Posaunenmusik hat, der sollte sich diese CD nicht entgehen lassen.