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Donnerstag, 6. Juni 2019

Mozart: The Horn Concertos (Genuin)

Frisch und dennoch innig erklingen auf dieser CD aus dem Hause Genuin die vier Hornkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart. Christoph Eß, der Solohornist der Bamberger Sinfoniker, musiziert gemeinsam mit dem bestens aufgelegten Folkwang Kammerorchester Essen unter Leitung seines Chefdirigenten Johannes Klumpp. 
Die Leistung des Hornisten erscheint umso beeindruckender, weil es sich durchweg um Live-Mitschnitte handelt. Mit zumeist kernig-metallischem Ton spielt Eß durchweg brillant und in allen Lagen stets makellos. 
Der Hornist hat sich mit den Noteneditionen kritisch auseinandergesetzt, und spielt in allen Konzerten – auch in KV 417 – Kadenzen seines Mentors und Freundes Michael Höltzel, dem auch die CD gewidmet ist. Bei dem Hornkonzert KV 412 ist nicht nur die übliche Süßmayr-Fassung des Rondos zu hören, sondern zusätzlich auch Mozart revidierte Version in einer Edition von Robert Levin. 
Und als Zugabe gibt es, mit einem Augenzwinkern, die Invitation to a Journey with Mozart and Four Horn Players, eine witzige Hommage des norwegischen Komponisten Trygve Madsen für German Hornsound. Das mittlerweile legendäre Ensemble, dessen Initiator Eß seinerzeit war, jongliert in diesem Werk lustvoll mit den Themen der Hornkonzerte Mozarts, die Madsen mit Humor, aber zugleich durchaus respektvoll verarbeitet hat. Dabei erhält jeder der vier Hornisten auch Gelegenheit, solistisch zu glänzen. 

Dienstag, 13. März 2018

#hornlikes (Genuin)

„Die Hörner sind los!“, warnt das Leipziger Label Genuin Classics. Nachdem sie bisher immer gemeinsam mit anderen Ensembles zu hören waren, haben die Musiker von German Hornsound nun zum ersten Mal eine CD eingespielt, auf der sie pur zu erleben sind. Das darf man durchaus wörtlich nehmen. Denn das Hornquartett hat dafür Lieblingsstücke seiner Mitglieder neu arrangiert. 
Das ermöglicht interessante Eindrücke – egal, ob Sebastian Schorr Händels populäre Arie Lascia ch'io pianga einmal auf dem Horn spielen möchte, Stephan Schottstädt die ebenso berühmte Englischhorn-Melodie der Sinfonie Aus der Neuen Welt von Antonín Dvořák erkundet, Christoph Eß die Trompetenklänge aus dem Finalsatz des zweiten Brandenburgischen Konzertes von Johann Sebastian Bach auf das Horn verlegt, oder Timo Steininger den Meditango von Astor Piazzolla. Jeder Musiker durfte drei Favoriten für diese CD auswählen. Und es gibt, von Händels Wassermusik bis zu Verdis Messa da Requiem und von Alessandro Marcellos Oboenkonzert bis hin zu Bruckners Chorälen, eigentlich kein einziges Werk, das nicht mindestens so schön klingt wie im Original, wenn es derart gekonnt durch vier Hörner vorgetragen wird. 
Und weil es so schön ist, hatte auch das Publikum drei #hornlikes frei. Es entschied sich für Melodien von Richard Wagner, Franz Schubert und Engelbert Humperdinck. Eigens für Tonmeister Michael Silberhorn, der „es gerne hat, wenn es mal ein bisschen schmettert“, erklingt dann zum Schluss noch ein Chor aus Carl Maria von Webers Freischütz. Hinreißend! 
Die Edel-Blechbläser von German Hornsound entlocken ihren Instrumen- ten ebenso farben- wie nuancenreiche Klänge. Sie demonstrieren, dass mit dem Horn gefühlvolle Melodielinien genauso selbstverständlich gestaltet werden können wie rhythmische Fundamente. Von ätherisch bis groovig sind alle Optionen möglich – Horn grandios! 

Samstag, 9. Juli 2016

Wald. Horn. Lied (Genuin)

Hörnerklang und Männergesang – wer denkt da nicht sofort an Wald und Weidwerk? Das Leipziger Vokalquintett Amarcord und das Hornquartett German Hornsound beschwören auf ihrer neuen CD in der Tat raunende Wipfel und die Freuden der Jagd. Bei der Zusammenstellung des Programms sind sie selbst auf die Pirsch gegangen - und haben einige Raritäten aufzubieten. So beginnt die CD mit einem herrlichen Waldlied von August Horn (1825 bis 1893), einem Leipziger Kapellmeister, der insbesondere als Arrangeur seinerzeit weithin geschätzt und gerühmt wurde. Von Robert Schumann erklingen die Fünf Gesänge aus Heinrich Laubes Jagdbrevier op. 137. Sie zeigen den Komponisten als einen Mann von Humor; so warnt eines der Lieder „Habet acht auf der Jagd! Mancher ist zu Grund gegangen, weil der Nachbar sich verfangen und ein Lauf ist losgegangen! Habet acht auf der Jagd!“ 
Abwechslung bringt das Quartett für vier Jagdhörner op. 38 von Constan- tin Fjodorowitsch Homilius (1840 bis möglicherweise 1918). Sein Vater war 1838 von Dresden nach St. Petersburg gegangen, wo er zunächst als Erster Waldhornist im Orchester der Kaiserlichen Theater musizierte, später dann als Professor am Konservatorium unterrichtete, und der St. Petersburger Philharmonischen Gesellschaft als Direktor und Schatz- meister vorstand. Sein erstgeborener Sohn Constantin wurde erst Geiger an der Kaiserlichen Oper, und war dann von 1866 bis 1910 Organist der deutschen reformierten Kirche. Danach verliert sich seine Spur. Das Horn- quartett könnte für die Hornklasse seines Vaters entstanden sein. Es ist großartige Musik, wirklich eine Entdeckung. 
Das gilt auch für Meeresstille und Glückliche Fahrt für Männerchor und Hörnerbegleitung op. 16 von Carl Goldmark (1830 bis 1915). Damit verlassen wir den sächsischen Wald und machen einen Abstecher nach Wien. Dort lebte Goldmark, der Sohn eines jüdischen Kantors, geboren und aufgewachsen in Ungarn, und fristete sein Dasein als Theatergeiger und indem er Klavierunterricht gab. Von 1862 bis 1865 leitete er zudem sehr erfolgreich einen Männerchor. Als Komponist aber wurde er dann berühmt – auch wenn Hanslick ihn „Dissonanzenkönig“ nannte, feierten ihn sowohl die Kritiker als auch das Publikum. Mit dem Anschluss ans Dritte Reich verschwanden allerdings die Werke Carl Goldmarks von der Bühne; auch nach 1945 interessierte sich niemand mehr für das Schaffen des einst so populären Komponisten. Hört man die farbenreichen Gesänge, wünscht man sich unbedingt die Re-Integration dieses Gesamtwerkes in den Konzert- und Spielbetrieb – das lohnt sich garantiert. 
Ins Grüne kehrt die CD anschließend zurück, mit der Waldwanderung von Ferdinand Hummel (1855 bis 1928), sechs Gesängen für Männerchor und Hörner in wechselnder Besetzung. Er war Musikdirektor am Königlichen Schauspielhaus zu Berlin und einer der ersten Filmkomponisten überhaupt. Ohne Hörner erklingen dann die Vier Gesänge op. 17 D 983 von Franz Schubert. Sein Nachtgesang im Walde D 913, nun wieder mit Hornquartett, ist ein bezauberndes Stück, mit sehr viel Atmosphäre. Ähnlich viel Waldes- rauschen findet sich in Waldeinsamkeit op. 38 von Carl Steinhauer (1852 bis 1934). Er hatte in Leipzig studiert und prägte dann über Jahrzehnte den Chorgesang in seiner Heimatstadt Düsseldorf sowie in Oberhausen. Als städtischer Musikdirektor, hochgeachtet und geehrt, ging er 1921 in Rente. 
Die beiden Ensembles, die diese Werke abseits des üblichen Repertoires herausgesucht haben, haben bis zum Ruhestand glücklicherweise noch viele Jahre vor sich – wir gratulieren zu einer gelungenen CD, und hoffen auf weitere gemeinsame Projekte. Bravi!

Samstag, 10. Oktober 2015

Schumann, Madsen, Mozart (Genuin)

Die G-Hörner sollen „ganz rauh geploßen werden“, wies Leopold Mozart an, und „so forte alß immer möglich. Item kann auch ein hifthorn da bey sein. Dann soll man etliche Hunde haben die bellen, die übrigen schreyen zusam ho ho etl. Aber nur 6 Tact lang.“ Willkommen im Jagd- revier – ein Sujet, das Komponisten immer wieder gern aufgegriffen haben, denn es lädt zu allerlei Lautmalereien ein. Leopold Mozart inspirierte das weidmännische Geschehen zu einem Werk, in dem auf das Hundebellen, die Rufe der Treiber und die Schüsse allerlei Echos folgen, was nicht nur musikalisch reizvoll ist, sondern auch zu Vermutungen über die Größe des Jagdreviers anregt. Und nach getaner Arbeit feiert die Jagdgesellschaft, sie tanzt ein hübsches Menuett. 
Die Jagd-Sinfonie / 4 Violini / 4 Corni ex D / 2 Corni ex G / 2 Violi / 1 Ku- gelbichse / et / Basso, so notierte Mozart Titel und Besetzung. Das Horn- quartett German Hornsound, gegründet 2009 von ehemaligen Studenten der Hornklasse von Christian Lampert an der Stuttgarter Musikhoch- schule, hat an diesem verspielten Opus hörbares Vergnügen. Auf dieser CD musizieren Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steininger gemeinsam mit den exzellenten Bamberger Symphonikern unter Leitung von Michael Sanderling. Während die vier Hornisten bei der Jagdsinfonie sehr weitgehend mit dem Orchester musizieren, haben sie im nachfolgenden Konzertstück F-Dur für 4 Hörner und Orchester op. 86 von Robert Schumann eine ziemlich exponierte und obendrein sehr anspruchsvolle Partie. Das ist sicherlich auch der Grund dafür, warum man dieses bezaubernde Stück nur sehr selten hören kann. 
Das dritte Werk auf dieser CD ist für das Ausnahme-Quartett entstanden: 2011 lernte Cristoph Eß, Solohornist der Bamberger Symphoniker, am Rande eines Konzertes der renommierten Festspiele Mecklenburg-Vor- pommern den norwegischen Komponisten Trygve Madsen kennen. Er schrieb für German Hornsound die Sinfonia Concertante, hier in Welt- ersteinspielung zu hören – eine Hommage an Richard Strauss, im Gedenken an dessen 150. Geburtstag im Jahre 2014. Es ist ein intelligentes Spiel mit Anspielungen und Zitaten, musikalisch sehr beachtlich, dabei ausgesprochen witzig, hier und da bis hin zum Schabernack. 
Die vier Hornisten beeindrucken durch ihre Musizierlust ebenso wie durch ihr Musizieren. Sie zeigen, wie herrlich Hörner klingen können, wenn sie so perfekt geblasen werden – edel, kraftvoll und sehr ausdrucksstark. Bravi! und, bitte, unbedingt weitermachen. 

Samstag, 3. Oktober 2015

Pictures (Genuin Classics)

Kann man das legendäre Ballett der Küken in ihren Eierschalen auf dem Horn spielen? Das Ensemble German Hornsound kann, wie diese CD beweist. Für diese Einspielung im Breitwandformat präsentiert sich das Hornquartett in Version 8.1 – Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steininger musizieren gemeinsam mit Carsten Duffin, Ralph Ficker, Martin Grom, Christian Lampert und dem Schlagzeuger Simon Rössler, der auch Klavier und Celesta spielt. Beteiligt war zudem Dirigent Hannes Krämer, der mit sicherer Hand musikalische Präzision garantiert. 
Den Hornisten gelingt es tatsächlich, mit dem oft und gern bearbeiteten Werk von Modest Mussorgski zu verblüffen. Das liegt zum einen an dem überraschend wandlungsfähigen Hornsound. Klanglich wartet diese CD mit ganz erstaunlichen Kontrasten auf. Dazu trägt auch ihr Konzept mit bei – denn Mussorgskis Promenaden führen nicht nur von Bild zu Bild, sie leiten den Hörer auch zu einigen großen Werken aus der russischen Musiktradition, wie Mussorgskis gespenstischer Nacht auf dem kahlen Berge, Walzer und Tanz aus der zweiten Varieté-Suite von Dmitri Schostakowitsch, sowie bekannten Melodien aus zwei Ballettmusiken – Sergej Prokofjews Romeo und Julia und Peter Tschaikowskis Nuss- knacker. Nach Tanz der Zuckerfee und Blumenwalzer folgt dann ein atemberaubendes Finale – mehr sei hier nicht verraten. Diese acht Hornisten jedenfalls spielen jedes Orchester mühelos an die Wand. Dabei hat jeder einzelne Instrumentalist eine höchst individuelle Stimme; die Arrangements sind faszinierend, und sie sind passgenau für die Mitwir- kenden gearbeitet. Soviel Können und Leidenschaft kann man gar nicht genug loben. Unbedingt anhören! 

Samstag, 15. Juni 2013

Siegfried und Violetta oder List, Last, Lust und Lunge (Genuin)

Vier junge Hornisten hatten eine Idee. Das Ergebnis liegt nun im CD-Player - und es ist eine großartige Hommage an die beiden Jubilare des Jahres 2013, Richard Wagner und Giuseppe Verdi, beide geboren 1813, ja , vielleicht sogar die ori- ginellste Geburtstagsgabe, die in diesem Jahr ein Label vorgelegt hat. 
Denn Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steininger - sämtlich erfolgreich im Hornisten-Beruf sowie gemeinsam als Hornquartett German Hornsound - wollten nicht einfach Musik der beiden Jubilare in schmissigen Arrangements vortragen. Und so haben sie sich auf die Suche nach einem Autor gemacht, der einen Text für dieses Pro- gramm schreibt. In Herbert Rosendorfer fanden sie den idealen Partner, der sich zudem mit Wagner bestens auskannte. Verdi hingegen war eher das Thema seines Freundes Karl Dietrich Gräwe, der sich auch an der Ideensuche beteiligte. 
Schließlich (er-)fanden Musiker und Autoren gemeinsam eine span- nende Geschichte - waren nicht Verdi und Wagner des öfteren in Venedig, mitunter sogar zur gleichen Zeit? Wäre es also nicht denk- bar, dass sie sich dort begegnet sind? Teodoro, einstmals Oberkellner in Caffé Florian auf dem Markusplatz, hat da so einiges beobachtet - und Gräwe ließ es sich nicht nehmen, diese Rolle selbst zu sprechen. Zu Wort kommt außerdem Richard Wagner; ihm gibt Martin Seifert Stimme. Herbert Rosendorfer hat leider die Premiere dieses "Opern- fragmentes in drei Akten", wie das Werk von seinen Schöpfern benannt wurde, nicht mehr erlebt. Es ist ein würdiger Schlusspunkt unter ein großes Lebenswerk. 
List, Last, Lust und Lunge erweist sich als ein geistreiches, humor- volles Opus, in dem Text und Musik in einen witzigen Dialog treten. Die vier Hörner, sehr hörenswert gespielt, kommentieren das gesprochene Wort. Dafür wurden die passenden Ausschnitte aus Werken der beiden Jubilare geschickt ausgewählt und pfiffig arrangiert. Und nicht nur Opernfreunde werden sich beim Anhören dieser beiden CD ausgezeichnet amüsieren - versprochen!