Lucie Horsch gehört ohne Zweifel zu den Stars im Blockflötenuniversum. Die Niederländerin, gerade einmal 19 Jahre alt, beeindruckt nicht nur durch unglaublich flinke Finger und ihre brillante Technik. Auch ihr musikalisches Gestaltungsvermögen ist erstklassig, wie die vorliegende CD beweist.
Das Album lädt die Zuhörer ein zu einer Rundreise durch Europa im Zeitalter des Barock. Die Flötistin startet diese virtuelle Tour in Utrecht, mit einer Melodie aus Jacob van Eycks berühmter Sammlung Der Fluyten Lust-hof. Die Reise führt dann über Deutschland – wo die Musikerin auch Georg Friedrich Händel verortet –, über Italien und Frankreich bis nach England, und von dort wieder zurück in die Niederlande.
Begleitet wird die junge Solistin auf ihrem virtuosen Ausflug in die Musikgeschichte höchst souverän von der Academy of Ancient Music, der Flötistin Charlotte Barbour-Condini sowie dem Lautenisten Thomas Dunford. Zu hören sind neben bekannten Melodien wie Dido's Lament von Henry Purcell, Händels berühmtem Arrival of the Queen of Sheba, der Erbarme-dich-Arie aus der Matthäuspassion, dem Konzert BWV 1059R und der Badinerie von Johann Sebastian Bach oder van Eycks Engels Nachtegaeltje auch Entdeckungen, wie die Welterstaufnahme eines Konzertes von Jaques-Christoph Naudot.
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Freitag, 21. Juni 2019
Samstag, 6. Januar 2018
Tesori d'Italia (Deutsche Grammophon)
„Tesori d’Italia“ suchte Albrecht Mayer für seine aktuelle CD. Und dafür musste der Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker nicht einmal weit reisen. Denn die begehrten Schätze aus Italien fand er in Dresden, einer Stadt, die nicht umsonst Elbflorenz genannt wird.
Sie ist aber nicht nur durch italienische Architekten dazu geworden, sondern auch dank einer Vielzahl italienischer Künstler, die im Umkreis des sächsischen Hofes wirkten. So engagierten die sächsischen Kurfürsten für Oper und Hofkapelle gern Virtuosen aus dem Süden. Begabte deutsche Musiker hingegen schickten sie nach Italien, wo sie von den besten Meistern lernen sollten – ein Modell, das über Generationen hinweg ausgezeichnet funktionierte, von Heinrich Schütz bis zu dem Geiger Johann Georg Pisendel.
Dieser studierte bei Antonio Vivaldi, und aus Italien brachte er nicht nur viele Noten, sondern auch gute Kontakte mit, von denen die Hofmusik sehr profitierte. Die Notensammlung des legendären Konzertmeisters der Dresdner Hofkapelle befindet sich heute in den Beständen der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek. Sie wurde überliefert, weil sie einst in einem Schrank eingeschlossen und vergessen worden ist. Heute werden die Bestände aus diesem „Schranck No: II“ durch Musikhistoriker ebenso gern genutzt wie durch Musiker.
Albrecht Mayer hat dort eine Abschrift des Oboenkonzertes in C-Dur RV 450 von Antonio Vivaldi gefunden, sowie ein Oboenkonzert in a-Moll von Domenico Elmi (um 1676 bis 1744), das hier in Weltersteinspielung erklingt. Aus „Schranck No: II“ stammt zudem das Oboenkonzert in Es-Dur von Giovanni Alberto Ristori (1692 bis 1753), einem Organisten, Kapellmeister und Komponisten, der ebenfalls am Dresdner Hof wirkte.
Giuseppe Sammartini (1695 bis 1750) war der Sohn eines französischen Oboenvirtuosen, und spielte auch selbst dieses Instrument hervorragend. Er wurde in Italien geboren, ging aber später nach London, wo er unter anderem in Händels Opernorchester musizierte, und hoch angesehen war. Mayer hat für seine CD gleich drei Oboenkonzerte von Sammartini ausgewählt. In Weltersteinspielung zu hören ist das Konzert in C-Dur op. 8 Nr. 4.
Außerdem erklingt das Oboenkonzert in g-Moll op. 8 Nr. 5 sowie ein weiteres Konzert in C-Dur ohne Opuszahl. Es ist „in einer Abschrift aus dem 18. Jahrhundert erhalten, die sich der musikliebende schwedische Baron Patrick Alströmer (..) für seine private Notenbibliothek anfertigen ließ“, berichtet Mayer in einem ausführlichen Text im Beiheft. Die beiden anderen Konzerte befinden sich in den Beständen der British Library. Und die Edition des Vivaldi-Konzertes, die für diese Einspielung verwendet wurde, beruht auf einem Manuskript, das in der Biblioteca nazionale universitaria di Torino aufbewahrt wird.
An der weiten Verbreitung dieser Musikstücke kann man noch heute erkennen, wie sehr die Werke italienischer Komponisten seinerzeit in ganz Europa geschätzt und begehrt wurden. Mayer hat eine Auswahl derartiger musikalische Kostbarkeiten zusammengestellt, die man auch heute noch gern hört. „Um dabei intensiv in das spezielle Flair Italiens eintauchen zu können, suchte ich mir als meine Wegbegleiter Musiker, die die Welt kennen, aber italienisch denken, lachen und fühlen“, schreibt der Oboist – „und ich fand sie mit I Musici di Roma, jenem Ensemble, das schon in meiner Kindheit eine Instanz auf dem Gebiet des italienischen Barock- repertoires war.“
Nun hat sich aber seitdem die Welt weiter gedreht, und wer Barockmusik als solche hören möchte, der wird heute wohl kaum noch dieses Ensemble dafür wählen. Wer allerdings italienische Lebensfreude und Musizierlust erleben möchte, und wer bei der Oboe insbesondere musikalischen Aus- druck und schöne Töne schätzt, der wird diese CD lieben. Denn Albrecht Mayer ist wirklich ein vortrefflicher Oboist.
Sie ist aber nicht nur durch italienische Architekten dazu geworden, sondern auch dank einer Vielzahl italienischer Künstler, die im Umkreis des sächsischen Hofes wirkten. So engagierten die sächsischen Kurfürsten für Oper und Hofkapelle gern Virtuosen aus dem Süden. Begabte deutsche Musiker hingegen schickten sie nach Italien, wo sie von den besten Meistern lernen sollten – ein Modell, das über Generationen hinweg ausgezeichnet funktionierte, von Heinrich Schütz bis zu dem Geiger Johann Georg Pisendel.
Dieser studierte bei Antonio Vivaldi, und aus Italien brachte er nicht nur viele Noten, sondern auch gute Kontakte mit, von denen die Hofmusik sehr profitierte. Die Notensammlung des legendären Konzertmeisters der Dresdner Hofkapelle befindet sich heute in den Beständen der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek. Sie wurde überliefert, weil sie einst in einem Schrank eingeschlossen und vergessen worden ist. Heute werden die Bestände aus diesem „Schranck No: II“ durch Musikhistoriker ebenso gern genutzt wie durch Musiker.
Albrecht Mayer hat dort eine Abschrift des Oboenkonzertes in C-Dur RV 450 von Antonio Vivaldi gefunden, sowie ein Oboenkonzert in a-Moll von Domenico Elmi (um 1676 bis 1744), das hier in Weltersteinspielung erklingt. Aus „Schranck No: II“ stammt zudem das Oboenkonzert in Es-Dur von Giovanni Alberto Ristori (1692 bis 1753), einem Organisten, Kapellmeister und Komponisten, der ebenfalls am Dresdner Hof wirkte.
Giuseppe Sammartini (1695 bis 1750) war der Sohn eines französischen Oboenvirtuosen, und spielte auch selbst dieses Instrument hervorragend. Er wurde in Italien geboren, ging aber später nach London, wo er unter anderem in Händels Opernorchester musizierte, und hoch angesehen war. Mayer hat für seine CD gleich drei Oboenkonzerte von Sammartini ausgewählt. In Weltersteinspielung zu hören ist das Konzert in C-Dur op. 8 Nr. 4.
Außerdem erklingt das Oboenkonzert in g-Moll op. 8 Nr. 5 sowie ein weiteres Konzert in C-Dur ohne Opuszahl. Es ist „in einer Abschrift aus dem 18. Jahrhundert erhalten, die sich der musikliebende schwedische Baron Patrick Alströmer (..) für seine private Notenbibliothek anfertigen ließ“, berichtet Mayer in einem ausführlichen Text im Beiheft. Die beiden anderen Konzerte befinden sich in den Beständen der British Library. Und die Edition des Vivaldi-Konzertes, die für diese Einspielung verwendet wurde, beruht auf einem Manuskript, das in der Biblioteca nazionale universitaria di Torino aufbewahrt wird.
An der weiten Verbreitung dieser Musikstücke kann man noch heute erkennen, wie sehr die Werke italienischer Komponisten seinerzeit in ganz Europa geschätzt und begehrt wurden. Mayer hat eine Auswahl derartiger musikalische Kostbarkeiten zusammengestellt, die man auch heute noch gern hört. „Um dabei intensiv in das spezielle Flair Italiens eintauchen zu können, suchte ich mir als meine Wegbegleiter Musiker, die die Welt kennen, aber italienisch denken, lachen und fühlen“, schreibt der Oboist – „und ich fand sie mit I Musici di Roma, jenem Ensemble, das schon in meiner Kindheit eine Instanz auf dem Gebiet des italienischen Barock- repertoires war.“
Nun hat sich aber seitdem die Welt weiter gedreht, und wer Barockmusik als solche hören möchte, der wird heute wohl kaum noch dieses Ensemble dafür wählen. Wer allerdings italienische Lebensfreude und Musizierlust erleben möchte, und wer bei der Oboe insbesondere musikalischen Aus- druck und schöne Töne schätzt, der wird diese CD lieben. Denn Albrecht Mayer ist wirklich ein vortrefflicher Oboist.
Freitag, 25. November 2016
Sammartini: Oboensonaten (Gramola)
Auf dieser CD erklingen in Erst- einspielung die Sei Sonate a Oboè solo con il Basso von Giuseppe Sammartini (1695 bis 1750). Er war ein Sohn des französischen Oboisten Alexis Saint-Martin, der in Mailand wirkte und dort eine Ehefrau gefun- den hatte, die ebenfalls aus einer Oboistendynastie stammte. Der Vater dürfte Giuseppe, ebenso wie seinen berühmten Bruder Giovanni Sammartini, auch ausgebildet haben.
Während Giovanni zeitlebens in Mailand blieb, ging Giuseppe nach London. Er musizierte am King's Theatre, wo Händel eigens für ihn virtuose Oboenpartien in seine Opern integrierte. Sammartini spielte auch Konzerte. 1736 wurde er Musikdirektor der Kammerkonzerte und Mitglied des Haushaltes des Prinzen Frederick von Wales – Friedrich Ludwig von Hannover – und seiner Gattin Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg.
Der Oboist wurde in London sehr geschätzt: „As a performer on the hautboy, Martini was undoubtedly the greatest that the world had ever known“, schrieb beispielsweise sein Zeitgenosse John Hawkins, Jurist und Mitglied der Academy of Ancient Music. „Before his time the tone of the instrument was rand, and, in the hands of the ablest proficient, harsh and grating to the ear; by great study and application, and by some peculiar management of the reed, he contrived to produce such a tone as approached the nearest to that of the human voice of any we know of.“
Und als Komponist wurde Sammartini seinerzeit ebenso verehrt wie Corelli oder Gemiani. Leider existiert bislang keine fundierte Gesamtedition seiner Werke; für diese Produktion war es daher erforderlich, bisher nicht verlegte Manuskripte aus der Sibley Library der University of Rochester, N. Y. zu sichten und mit historischen Abschriften zu vergleichen. Dieser Aufwand aber hat sich gelohnt; die sechs Sonaten, die das Ensemble Concertino Amarilli auf dieser CD vorstellt, erweisen sich als eine Bereicherung des Repertoires. Andrea Mion, Oboe, Marie Orsini-Rosenberg, Violoncello, Stefano Rocco, Theorbe, und Cembalistin Ulli Nagy sei Dank für diese Entdeckung.
Während Giovanni zeitlebens in Mailand blieb, ging Giuseppe nach London. Er musizierte am King's Theatre, wo Händel eigens für ihn virtuose Oboenpartien in seine Opern integrierte. Sammartini spielte auch Konzerte. 1736 wurde er Musikdirektor der Kammerkonzerte und Mitglied des Haushaltes des Prinzen Frederick von Wales – Friedrich Ludwig von Hannover – und seiner Gattin Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg.
Der Oboist wurde in London sehr geschätzt: „As a performer on the hautboy, Martini was undoubtedly the greatest that the world had ever known“, schrieb beispielsweise sein Zeitgenosse John Hawkins, Jurist und Mitglied der Academy of Ancient Music. „Before his time the tone of the instrument was rand, and, in the hands of the ablest proficient, harsh and grating to the ear; by great study and application, and by some peculiar management of the reed, he contrived to produce such a tone as approached the nearest to that of the human voice of any we know of.“
Und als Komponist wurde Sammartini seinerzeit ebenso verehrt wie Corelli oder Gemiani. Leider existiert bislang keine fundierte Gesamtedition seiner Werke; für diese Produktion war es daher erforderlich, bisher nicht verlegte Manuskripte aus der Sibley Library der University of Rochester, N. Y. zu sichten und mit historischen Abschriften zu vergleichen. Dieser Aufwand aber hat sich gelohnt; die sechs Sonaten, die das Ensemble Concertino Amarilli auf dieser CD vorstellt, erweisen sich als eine Bereicherung des Repertoires. Andrea Mion, Oboe, Marie Orsini-Rosenberg, Violoncello, Stefano Rocco, Theorbe, und Cembalistin Ulli Nagy sei Dank für diese Entdeckung.
Samstag, 9. Juli 2016
Flautissimo! (K&K)
Einen weiteren Live-Mitschnitt aus dem Kloster Maulbronn mit seiner einzigartigen Atmosphäre haben Andreas Otto Grimminger und Josef-Stefan Kindler bei ihrem Label K & K veröffentlicht. Im August 2014 konzertierte dort der Flötist Michael Martin Kofler. Es war bereits wäh- rend seines Studiums Soloflötist im Gustav-Mahler-Jugendorchester unter Claudio Abbado; 1987 berief ihn Sergiu Celibidache in gleicher Posi- tion zu den Münchner Philharmoni- kern. Kofler spielt Konzerte weltweit. Seit 1989 ist der Musiker Professor am Mozarteum in Salzburg; er unterrichtet Meisterklassen und ist als Jury- mitglied bei bedeutenden Wettbewerben tätig.
In Maulbronn musizierte er gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim. Es wurde 1950 von dem Hindemith-Schüler Friedrich Tilegant gegründet, und ist noch heute eines der wenigen Full-time-Kammerorchester mit einer Stammbesetzung von 14 Musikern, die bei Bedarf um weitere Streicher und Bläser aufgestockt werden kann. In der Saison 2013/14 übernahm Timo Handschuh, Generalmusikdirektor am Theater Ulm, die Position des künstlerischen Leiters und Chefdirigenten.
Hier präsentiert er ein Programm, das mit der Symphonie Es-Dur von Carl Philipp Stamitz beginnt. Es folgen das bekannte Konzert für Flöte, Streicher und Basso continuo in G-Dur von Johann Joachim Quantz, und die Sinfonia in C-Dur von Giovanni Battista Sammartini. Der Solist bringt sich noch einmal ein mit Mozarts Flötenkonzert Nr. 1 in G-Dur KV 313; abschließend erklingt die Symphonie Nr. 21 in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Musiziert wird solide, aber nicht überragend; Über- raschungen gibt es keine – eine CD, die man nicht unbedingt haben muss.
In Maulbronn musizierte er gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim. Es wurde 1950 von dem Hindemith-Schüler Friedrich Tilegant gegründet, und ist noch heute eines der wenigen Full-time-Kammerorchester mit einer Stammbesetzung von 14 Musikern, die bei Bedarf um weitere Streicher und Bläser aufgestockt werden kann. In der Saison 2013/14 übernahm Timo Handschuh, Generalmusikdirektor am Theater Ulm, die Position des künstlerischen Leiters und Chefdirigenten.
Hier präsentiert er ein Programm, das mit der Symphonie Es-Dur von Carl Philipp Stamitz beginnt. Es folgen das bekannte Konzert für Flöte, Streicher und Basso continuo in G-Dur von Johann Joachim Quantz, und die Sinfonia in C-Dur von Giovanni Battista Sammartini. Der Solist bringt sich noch einmal ein mit Mozarts Flötenkonzert Nr. 1 in G-Dur KV 313; abschließend erklingt die Symphonie Nr. 21 in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Musiziert wird solide, aber nicht überragend; Über- raschungen gibt es keine – eine CD, die man nicht unbedingt haben muss.
Montag, 14. März 2016
Italian Sonatas (Passacaille)
Die Mandoline erlebte im 18. Jahr- hundert in Norditalien eine Blütezeit. Dabei stieg das Instrument vom Tanzboden in die „richtige“ Musik auf. Doch insbesondere in Neapel entstanden Kompositionen, in denen die Mandoline anspruchsvolle solistische Aufgaben erhielt.
Musik aus jener Zeit präsentieren auf dieser CD Duilio Galfetti, Mandoline, und Luca Pianca, Laute und Theorbe. Es erklingen Sonaten von Francesco Piccone (um 1685 bis um 1745), Ludovico Fontanelli (um 1682 bis 1748), Carlo Arrigoni (11697 bis 1744), Giovanni Battista Gervasio (um 1725 bis um 1785) und Domenico Scarlatti (1685 bis 1757). Als Zwischenspiele trägt Luca Pianca auf der Laute drei elegante Solostücke vor, die einem Manuskript des Bologneser Komponi- sten Filippo Della Casa aus dem Jahre 1759 entstammen. Sie setzen zwischen all den virtuosen Musikstücken, in denen typischerweise die Mandoline dominiert, kleine noble Ruhe-Inseln. Sehr gelungen.
Musik aus jener Zeit präsentieren auf dieser CD Duilio Galfetti, Mandoline, und Luca Pianca, Laute und Theorbe. Es erklingen Sonaten von Francesco Piccone (um 1685 bis um 1745), Ludovico Fontanelli (um 1682 bis 1748), Carlo Arrigoni (11697 bis 1744), Giovanni Battista Gervasio (um 1725 bis um 1785) und Domenico Scarlatti (1685 bis 1757). Als Zwischenspiele trägt Luca Pianca auf der Laute drei elegante Solostücke vor, die einem Manuskript des Bologneser Komponi- sten Filippo Della Casa aus dem Jahre 1759 entstammen. Sie setzen zwischen all den virtuosen Musikstücken, in denen typischerweise die Mandoline dominiert, kleine noble Ruhe-Inseln. Sehr gelungen.
Samstag, 14. November 2015
Der musikalische Garten - Zu Gast im Blauen Haus (Ars)
Der Basler Lucas Sarrasin (1730 bis 1802) kam als Seidenbandfabrikant gemeinsam mit seinem Bruder Jakob zu Wohlstand und Ansehen. Die Geschwister ließen sich in bester Lage zwei Patrizierhäuser bauen: Das Weiße und das Blaue Haus gehören noch heute zu den prächtigsten Barockgebäuden der Stadt. Lucas Sarrasin war zudem sehr interessiert an Kuriositäten, die er seinen Gästen gern vorführte – aber seine eigentli- che Leidenschaft war die Musik. So richtete er in seinem Hause einen Musiksaal ein, in dem er nicht nur eine Orgel aufstellen ließ, sondern auch sämtliche Orchesterinstrumente vorhielt – könnte ja sein, dass sie zur Hausmusik benötigt werden! Auch eine umfangreiche Notensammlung besaß der Fabrikant.
Sarrasin spielte selbst Geige und Kontrabass. Er gehörte dem Basler Collegium Musicum an. Dort lernte er Jacob Christoph Kachel (1728 bis 1795) kennen, einen hochbegabten Geiger, der im Gefolge eines Prinzen bereits bis nach Italien gereist war. Der junge Virtuose wurde Sarrasins Hausmusiker.
Welche Musik im Hause Sarrasin erklang, das lässt sich anhand des Kataloges der Musikbibliothek feststellen. Auffällig ist, dass nur etwa ein Viertel der darin aufgelisteten Werke der Vokalmusik zuzurechnen sind. Die Instrumentalmusik stammte aus ganz Europa, allerdings sind Werke aus Frankreich und England nur spärlich vertreten – und es fällt auf, dass Sarrasin überwiegend Kompositionen von Zeitgenossen sammelte. Insge- samt befanden sich mehr als 1.300 Musikalien in Sarrasins Kollektion; ein Drittel davon ist erhalten geblieben.
Besonders schätzte Sarrasin offenbar Triosonaten; viele von ihnen kommen aus der Mannheimer Schule oder aus Norditalien. Eine Auswahl dieser Werke präsentiert auf dieser CD das Ensemble Der musikalische Garten. Die vier jungen Musiker – Karoline Echeverri Klemm, Germán Echeverri Chamorro, Violine, Annekatrin Beller, Violoncello, und Daniela Niedhammer, Cembalo und Hammerklavier – haben sämtlich an der Schola Cantorum Basiliensis studiert. Und ihr Interesse für die Sammlung Sarrasin beschert dem Zuhörer einen Ausflug in eine blühende musika- lische Landschaft, eine Hör-Kur sozusagen, mit Werken beispielsweise von Johann und Carl Stamitz, Johann Christian Bach – der vor seinem Umzug nach London bekanntlich etliche Jahre in Mailand lebte –, Giovanni Battista Sammartini oder Gaetano Pugnani. Sehr gelungen, und ausgesprochen vielversprechend!
Sarrasin spielte selbst Geige und Kontrabass. Er gehörte dem Basler Collegium Musicum an. Dort lernte er Jacob Christoph Kachel (1728 bis 1795) kennen, einen hochbegabten Geiger, der im Gefolge eines Prinzen bereits bis nach Italien gereist war. Der junge Virtuose wurde Sarrasins Hausmusiker.
Welche Musik im Hause Sarrasin erklang, das lässt sich anhand des Kataloges der Musikbibliothek feststellen. Auffällig ist, dass nur etwa ein Viertel der darin aufgelisteten Werke der Vokalmusik zuzurechnen sind. Die Instrumentalmusik stammte aus ganz Europa, allerdings sind Werke aus Frankreich und England nur spärlich vertreten – und es fällt auf, dass Sarrasin überwiegend Kompositionen von Zeitgenossen sammelte. Insge- samt befanden sich mehr als 1.300 Musikalien in Sarrasins Kollektion; ein Drittel davon ist erhalten geblieben.
Besonders schätzte Sarrasin offenbar Triosonaten; viele von ihnen kommen aus der Mannheimer Schule oder aus Norditalien. Eine Auswahl dieser Werke präsentiert auf dieser CD das Ensemble Der musikalische Garten. Die vier jungen Musiker – Karoline Echeverri Klemm, Germán Echeverri Chamorro, Violine, Annekatrin Beller, Violoncello, und Daniela Niedhammer, Cembalo und Hammerklavier – haben sämtlich an der Schola Cantorum Basiliensis studiert. Und ihr Interesse für die Sammlung Sarrasin beschert dem Zuhörer einen Ausflug in eine blühende musika- lische Landschaft, eine Hör-Kur sozusagen, mit Werken beispielsweise von Johann und Carl Stamitz, Johann Christian Bach – der vor seinem Umzug nach London bekanntlich etliche Jahre in Mailand lebte –, Giovanni Battista Sammartini oder Gaetano Pugnani. Sehr gelungen, und ausgesprochen vielversprechend!
Samstag, 21. Februar 2015
Concerti veneziani per oboe (Arcana)
Die Oboe begann ihre Karriere im
17. Jahrhundert in Frankreich, wo sie aus der Schalmei hervorgegangen ist. Sie war bei Hofe bald ebenso gefragt wie als Militärinstrument. Und was dem französischen König behagte, das wollten natürlich auch all die anderen Herrscher Europas haben. So war die Oboe bald weit verbreitet. Um 1690 wurde sie dann auch in Italien gespielt. Etwa zum gleichen Zeitpunkt entstand in Italien das concerto, eine innovative Form des Musizierens, bei der Soli und Tutti einander abwechselten, begleitet vom Basso continuo. Und die Oboe erhielt in diesen neuartigen Werken umgehend ihren attraktiven Platz.
Barock-Oboist Alfredo Bernardini hat auf dieser CD mit seinem Ensemble Zefiro einige der schönsten Konzerte zusammengestellt, die damals in der Musikmetropole Venedig für die Oboe geschrieben wurden. Neben bekannten Werken von Antonio Vivaldi, Tomaso Albinoni, Giuseppe Sammartini und Alessandro oder Benedetto Marcello – letzteres weiß man wohl nicht so genau – finden sich auch zwei Konzerte von Giovanni Benedetto Platti (1697 bis 1763) sowie von Diogenio Bigaglia (vermutlich 1676 bis 1745). Platti wirkte nach 1722 am Hofe des Fürstbischofs von Bamberg und Würzburg. Bigaglia war Benediktiner. Er lebte im Kloster
S. Giorgio Maggiore auf der gleichnamigen venezianischen Insel, und hat dort eine Vielzahl von Musikstücken geschaffen.
Zefiro musiziert in solistischer Besetzung; nur das Continuo ist mitunter mehrfach besetzt. Das bringt zum einen Klangfarbe, zum anderen verstärkt es das Fundament, was dem Gesamtklang zugute kommt. Die Musiker spielen auf Originalen oder aber Nachbauten historischer Instrumente aus der Entstehungszeit der Konzerte. Bernardini lässt eine Oboe erklingen, die der Mailänder Instrumentenbauer Giovanni Maria Anciuti 1730 angefertigt hat. Er beeindruckt durch einen schönen, runden Ton, und lässt seine Oboe so richtig singen. Auch die anderen Mitglieder des kleinen Ensem- bles musizieren versiert und temperamentvoll. Ein schönes Album, das einen sonnigen Tag so richtig zum Strahlen bringen kann.
17. Jahrhundert in Frankreich, wo sie aus der Schalmei hervorgegangen ist. Sie war bei Hofe bald ebenso gefragt wie als Militärinstrument. Und was dem französischen König behagte, das wollten natürlich auch all die anderen Herrscher Europas haben. So war die Oboe bald weit verbreitet. Um 1690 wurde sie dann auch in Italien gespielt. Etwa zum gleichen Zeitpunkt entstand in Italien das concerto, eine innovative Form des Musizierens, bei der Soli und Tutti einander abwechselten, begleitet vom Basso continuo. Und die Oboe erhielt in diesen neuartigen Werken umgehend ihren attraktiven Platz.
Barock-Oboist Alfredo Bernardini hat auf dieser CD mit seinem Ensemble Zefiro einige der schönsten Konzerte zusammengestellt, die damals in der Musikmetropole Venedig für die Oboe geschrieben wurden. Neben bekannten Werken von Antonio Vivaldi, Tomaso Albinoni, Giuseppe Sammartini und Alessandro oder Benedetto Marcello – letzteres weiß man wohl nicht so genau – finden sich auch zwei Konzerte von Giovanni Benedetto Platti (1697 bis 1763) sowie von Diogenio Bigaglia (vermutlich 1676 bis 1745). Platti wirkte nach 1722 am Hofe des Fürstbischofs von Bamberg und Würzburg. Bigaglia war Benediktiner. Er lebte im Kloster
S. Giorgio Maggiore auf der gleichnamigen venezianischen Insel, und hat dort eine Vielzahl von Musikstücken geschaffen.
Zefiro musiziert in solistischer Besetzung; nur das Continuo ist mitunter mehrfach besetzt. Das bringt zum einen Klangfarbe, zum anderen verstärkt es das Fundament, was dem Gesamtklang zugute kommt. Die Musiker spielen auf Originalen oder aber Nachbauten historischer Instrumente aus der Entstehungszeit der Konzerte. Bernardini lässt eine Oboe erklingen, die der Mailänder Instrumentenbauer Giovanni Maria Anciuti 1730 angefertigt hat. Er beeindruckt durch einen schönen, runden Ton, und lässt seine Oboe so richtig singen. Auch die anderen Mitglieder des kleinen Ensem- bles musizieren versiert und temperamentvoll. Ein schönes Album, das einen sonnigen Tag so richtig zum Strahlen bringen kann.
Freitag, 4. April 2014
Gloria Dresdensis (cpo)
Die Hofkapelle der sächsischen Kurfürsten gehörte im 18. Jahr- hundert zu den besten Orchestern Europas. Lang ist die Liste der Virtuosen, die in Dresden damals wirkten. Zeitgenossen begeistern sich insbesondere auch für die Präzision und Eleganz, mit der am sächsischen Hofe musiziert wurde.
Was die Musiker einst spielten, das lässt sich noch heute nachvoll- ziehen. Denn eine Vielzahl von Notenmanuskripten aus jener Zeit wurde in dem legendären „Schranck No: II.“ aufgefunden, wo sie nach dem Siebenjährigen Krieg verstaut und für gut hundert Jahre vergessen worden waren.
Diese Notenhandschriften befinden sich heute in den Beständen der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek. Man kann sie alle im Internet anschauen. Doch erst allmählich werden sie auch durch Musiker wieder zum Klingen erweckt. Zu den Ensembles, die sich um dieses historische Repertoire bemühen, gehört das Dresdner Barockorchester. Es wurde 1991 durch Absolventen der Dresdner Musikhochschule gegründet. Sie musizieren auf barocken Instru- menten im Sinne der historischen Aufführungspraxis und engagieren sich für die Wiederentdeckung vergessener Werke aus der Sammlung der Dresdner Hofkapelle.
Einige dieser musikalischen Schätze stellt das Dresdner Barockorche- ster nun auf einer CD vor, die bei cpo erschienen ist. Darunter sind eine Ouvertürensuite von Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758), eine Ouvertüre von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) und eine Sinfonia von Johann Adolph Hasse (1699 bis 1738). Die ausgewählten Stücke belegen eindrucksvoll das Werken des Geigers Johann Georg Pisendel (1687 bis 1755), der in Dresden als Konzertmeister wirkte, und mit sehr vielen Kollegen in regem Austausch stand. Er besorgte interessante Noten und richtete sie dann für die Aufführung ein. Die Aufnahme belegt eindrucksvoll, dass er nicht nur ein herausragender Musiker, sondern auch ein versierter Komponist und stilistisch sehr flexibel war.
Das Dresdner Barockorchester musiziert mit Leidenschaft und Grazie. Die Tanzsätze erklingen beschwingt, doch auch höfischen Pomp zelebrieren die Musiker mit Hingabe. Wer eine schöne Aufnahme mit spätbarocken Raritäten genießen möchte – hier ist die Gelegenheit dazu. Unbedingt anhören!
Was die Musiker einst spielten, das lässt sich noch heute nachvoll- ziehen. Denn eine Vielzahl von Notenmanuskripten aus jener Zeit wurde in dem legendären „Schranck No: II.“ aufgefunden, wo sie nach dem Siebenjährigen Krieg verstaut und für gut hundert Jahre vergessen worden waren.
Diese Notenhandschriften befinden sich heute in den Beständen der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek. Man kann sie alle im Internet anschauen. Doch erst allmählich werden sie auch durch Musiker wieder zum Klingen erweckt. Zu den Ensembles, die sich um dieses historische Repertoire bemühen, gehört das Dresdner Barockorchester. Es wurde 1991 durch Absolventen der Dresdner Musikhochschule gegründet. Sie musizieren auf barocken Instru- menten im Sinne der historischen Aufführungspraxis und engagieren sich für die Wiederentdeckung vergessener Werke aus der Sammlung der Dresdner Hofkapelle.
Einige dieser musikalischen Schätze stellt das Dresdner Barockorche- ster nun auf einer CD vor, die bei cpo erschienen ist. Darunter sind eine Ouvertürensuite von Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758), eine Ouvertüre von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) und eine Sinfonia von Johann Adolph Hasse (1699 bis 1738). Die ausgewählten Stücke belegen eindrucksvoll das Werken des Geigers Johann Georg Pisendel (1687 bis 1755), der in Dresden als Konzertmeister wirkte, und mit sehr vielen Kollegen in regem Austausch stand. Er besorgte interessante Noten und richtete sie dann für die Aufführung ein. Die Aufnahme belegt eindrucksvoll, dass er nicht nur ein herausragender Musiker, sondern auch ein versierter Komponist und stilistisch sehr flexibel war.
Das Dresdner Barockorchester musiziert mit Leidenschaft und Grazie. Die Tanzsätze erklingen beschwingt, doch auch höfischen Pomp zelebrieren die Musiker mit Hingabe. Wer eine schöne Aufnahme mit spätbarocken Raritäten genießen möchte – hier ist die Gelegenheit dazu. Unbedingt anhören!
Freitag, 20. September 2013
The Virtuoso Recorder II (cpo)
Vor zwei Jahren hat Michael Schneider bei cpo bereits eine Sammlung mit virtuosen Block- flötenkonzerten des deutschen Barock vorgestellt. Nun wendet er sich Konzerten aus Italien zu – genauer gesagt aus Neapel, wo das Instrument in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts offenbar brillant gespielt wurde.
Schneider ist in Archiven und Sammlungen auf die Suche gegangen, und er konnte dort tatsächliche einige Werke aufspüren, die wirkliche Raritäten sind – beispielsweise Konzerte von Nicola Fiorenza (um 1700 bis 1764) und Francesco Mancini (1679 bis 1739), eine sehr hübsche Sonate von Giovanni Antonio Piani (1678 bis 1757), ein Concerto von Leonardo Vinci (um 1690 bis 1730), eine Cantata für Altblockflöte von Johann Adolf Hasse (1699 bis 1783) und ein Concertino des Geigenvirtuosen Giuseppe Tartini (1692 bis 1770). Einige dieser Stücke erklingen auf dieser CD in Welterst- einspielung.
Und natürlich ließ es sich Schneider nicht nehmen, auch das F-Dur-Konzert von Giuseppe Sammartini (1693 bis 1750) vorzutragen – ein richtiges, „großes“ Konzert für die Sopranblockflöte; hier kann man hören, was man mit diesem Instrument wirklich anfangen kann, wenn man es kann. Die CD enthält zudem noch ein schönes Concerto für „Flauto piccolo, 2 Violini e Violoncello“, dessen Manuskript sich in der Rostocker Universitätsbibliothek befindet, und einem „Sig. Hendl“ zugeschrieben wird. Die Händel-Forscher legen da allerdings ihr Veto ein. Wer dieses gelungene Werk tatsächlich geschrieben hat, das wird sich wohl nicht mehr sicher feststellen lassen. Schneider jedenfalls verortet es in Neapel, und musiziert gemeinsam mit der Cappella Academica Frankfurt/Main mit Leidenschaft und mit Esprit. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, dass Michael Schneider zu den derzeit besten Blockflötenvirtuosen der Welt gehört – hier ist er!
Schneider ist in Archiven und Sammlungen auf die Suche gegangen, und er konnte dort tatsächliche einige Werke aufspüren, die wirkliche Raritäten sind – beispielsweise Konzerte von Nicola Fiorenza (um 1700 bis 1764) und Francesco Mancini (1679 bis 1739), eine sehr hübsche Sonate von Giovanni Antonio Piani (1678 bis 1757), ein Concerto von Leonardo Vinci (um 1690 bis 1730), eine Cantata für Altblockflöte von Johann Adolf Hasse (1699 bis 1783) und ein Concertino des Geigenvirtuosen Giuseppe Tartini (1692 bis 1770). Einige dieser Stücke erklingen auf dieser CD in Welterst- einspielung.
Und natürlich ließ es sich Schneider nicht nehmen, auch das F-Dur-Konzert von Giuseppe Sammartini (1693 bis 1750) vorzutragen – ein richtiges, „großes“ Konzert für die Sopranblockflöte; hier kann man hören, was man mit diesem Instrument wirklich anfangen kann, wenn man es kann. Die CD enthält zudem noch ein schönes Concerto für „Flauto piccolo, 2 Violini e Violoncello“, dessen Manuskript sich in der Rostocker Universitätsbibliothek befindet, und einem „Sig. Hendl“ zugeschrieben wird. Die Händel-Forscher legen da allerdings ihr Veto ein. Wer dieses gelungene Werk tatsächlich geschrieben hat, das wird sich wohl nicht mehr sicher feststellen lassen. Schneider jedenfalls verortet es in Neapel, und musiziert gemeinsam mit der Cappella Academica Frankfurt/Main mit Leidenschaft und mit Esprit. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, dass Michael Schneider zu den derzeit besten Blockflötenvirtuosen der Welt gehört – hier ist er!
Freitag, 29. Juli 2011
Sammartini: Concertos & Overtures (Ramée)
Giuseppe Sammartini (1695 bis 1750) galt seinen Zeitgenossen als einer der bedeutendsten Komponi- sten seiner Generation. In Mailand als Sohn eines Oboisten geboren, erlernte er ebenfalls dieses Instru- ment, und ging schließlich nach London.
Dort spielte der renommierte Mu- siker in zahlreichen Konzerten sowie in Opernaufführungen, die von Nicola Porpora, Giovanni Bononcini oder Georg Friedrich Händel geleitet wurden. Sammartini sei "auf der Oboe zweifelsohne der größte Virtuose, den die Welt je gekannt", schwärmte der engli- sche Musikhistoriker John Hawkins, der "mit dem Klang, den er hervorbrachte, der menschlichen Stimme näher kam als irgendje- mand sonst es vermochte".
1736 trat Giuseppe Sammartini in den Dienst des Prinzen von Wales, wo er bis zu seinem Tode als Musiklehrer angestellt war. Er kompo- nierte eine Vielzahl von Konzerten und Ouvertüren. Sie wurden in seiner Wahlheimat England ebenso geschätzt wie die Werke Corellis, Geminianis und Händels. Ungefähr sechzig davon sind überliefert. Er schrieb zudem eine große Menge Kammermusik sowie einige Vokal- werke, darunter auch eine Oper. Abschriften seiner Konzerte und Ouvertüren gelangten bis nach Dresden, sie befinden sich noch heute in der Notenbibliothek der einstigen Hofkapelle.
Doch im Laufe der Jahrhunderte ist der Ruhm Sammartinis verblasst. Seine Musik verschwand noch eher als die seines Bruders Giovanni Battista aus dem Konzertsaal. Wenn überhaupt, haben Oboisten seine Konzerte gespielt. Das Barockensemble Les Mufatti unter Peter Van Heyghen hat nun bei Ramée eine Auswahl selten gespielter Werke vorgelegt. Man habe versucht, "möglichst viele unbekannte Stücke" in das Programm aufzunehmen, erklärt Van Heyghen in dem sehr informativen Beiheft, "so dass sieben Stücke hier vermutlich zum ersten Mal seit dem 18. Jahrhundert erklingen."
Es muss in der Tat nicht immer Händel sein - der "Londoner" Sammar- tini überzeugt durch Noblesse, Klangpracht und Einfallsreichtum. Und Les Muffati gefallen in ihrer Spielfreude und ihrem überlegenen Können. Meine Empfehlung!
Dort spielte der renommierte Mu- siker in zahlreichen Konzerten sowie in Opernaufführungen, die von Nicola Porpora, Giovanni Bononcini oder Georg Friedrich Händel geleitet wurden. Sammartini sei "auf der Oboe zweifelsohne der größte Virtuose, den die Welt je gekannt", schwärmte der engli- sche Musikhistoriker John Hawkins, der "mit dem Klang, den er hervorbrachte, der menschlichen Stimme näher kam als irgendje- mand sonst es vermochte".
1736 trat Giuseppe Sammartini in den Dienst des Prinzen von Wales, wo er bis zu seinem Tode als Musiklehrer angestellt war. Er kompo- nierte eine Vielzahl von Konzerten und Ouvertüren. Sie wurden in seiner Wahlheimat England ebenso geschätzt wie die Werke Corellis, Geminianis und Händels. Ungefähr sechzig davon sind überliefert. Er schrieb zudem eine große Menge Kammermusik sowie einige Vokal- werke, darunter auch eine Oper. Abschriften seiner Konzerte und Ouvertüren gelangten bis nach Dresden, sie befinden sich noch heute in der Notenbibliothek der einstigen Hofkapelle.
Doch im Laufe der Jahrhunderte ist der Ruhm Sammartinis verblasst. Seine Musik verschwand noch eher als die seines Bruders Giovanni Battista aus dem Konzertsaal. Wenn überhaupt, haben Oboisten seine Konzerte gespielt. Das Barockensemble Les Mufatti unter Peter Van Heyghen hat nun bei Ramée eine Auswahl selten gespielter Werke vorgelegt. Man habe versucht, "möglichst viele unbekannte Stücke" in das Programm aufzunehmen, erklärt Van Heyghen in dem sehr informativen Beiheft, "so dass sieben Stücke hier vermutlich zum ersten Mal seit dem 18. Jahrhundert erklingen."
Es muss in der Tat nicht immer Händel sein - der "Londoner" Sammar- tini überzeugt durch Noblesse, Klangpracht und Einfallsreichtum. Und Les Muffati gefallen in ihrer Spielfreude und ihrem überlegenen Können. Meine Empfehlung!
Samstag, 13. November 2010
Italienische Weihnacht - Solokonzerte und Concerti grossi (Naxos)
Festliche Musik gehört zu Weih- nachten. Das galt ganz besonders für das Zeitalter des Barock, mit seiner emblematischen Kunst- auffassung: Mit Pauken und Trompeten feierte man die Ankunft des Jesuskindleins als den Einzug eines Königs - und Flöten, Oboen und Geigen erinnern bis heute an die Hirten im Felde, die damals nach Bethlehem eilten.
Das Kölner Kammerorchester unter Christian Ludwig hat für diese CD Werke zusammengestellt, wie sie um 1700 bei Hofe zu Weihnachten erklungen sein könnten. Die Italienische Weihnacht beginnt prachtvoll mit der Sonate Nr. 1 in F-Dur für Trompete und Orchester von Pietro Baldassare, gefolgt vom Concerto grosso in C-Dur op. 3 Nr. 12 von Francesco Onofrio Manfre- dini, bekannt auch als Concerto per il Santissimo Natale. Es folgen zwei Flötenkonzerte von Antonio Vivaldi und Giovanni Battista Sammartini, die dem Solisten extreme Virtuosität abverlangen. Hier brilliert Daniel Rothert, der nicht nur flinke Finger zeigt, sondern auch durch seinen Sinn für Phrasierung und durch schöne Töne be- geistert.
Die junge serbische Musikerin Laura Vukobratovic, Solotrompeterin des Nationaltheaters Mannheim, überzeugt ebenfalls durch Virtuosi- tät. Die Sonate in D-Dur von Giuseppe Torelli für Trompete und Orchester kennt man allerdings von Aufnahmen des sächsischen Startrompeters Ludwig Güttler - und an seine überlegene Gestaltung, an seinen strahlenden Klang reicht sie (noch) nicht ganz heran.
Höhepunkt und Abschluss der CD ist ein berühmtes Weihnachts- konzert, das Concerto grosso f-Moll op. 1 Nr. 8 von Pietro Antonio Locatelli, das mit einer ergreifenden Pastorale endet - und endgültig für Weihnachtsstimmung sorgt. Wer barocken Glanz rings um den Baum verbreiten möchte, dem sei diese blitzsauber musizierte Einspielung empfohlen.
Donnerstag, 2. September 2010
Birth of the String Quartet Vol. 1 - Casal Quartet (Solo Musica)
Was für ein Klang! Das Casal Quar- tett aus der Schweiz, ohne Zweifel eines der besten Streichquartette Europas, hat sich auf eine Zeitreise durch die Geschichte dieser sehr speziellen Musikform begeben - und spielt dabei ganz besondere Instrumente: Das sogenannte Stainer-Quartett - zwei Violinen, eine Viola und ein Violoncello, die ein Mäzen namens Gustave Huguenin 1951 dem Musikkolle- gium Winterthur geschenkt hat. Sein Wunsch: Die kostbaren Instrumente aus der Werkstatt des österreichischen Geigenbauers Jacobus Stainer (um 1619 bis 1683) sollten nicht nur musealen Zwecken dienen, sondern vor allem auch viel gespielt werden.
Daria Zappa, 1. Violine, Rachel Späth, 2. Violine, Markus Fleck, Viola, und Andreas Fleck, Violoncello, erfüllen dieses Vermächtnis des Stifters brillant. Schon allein das einzigartige Klangbild, das sich durch den Gebrauch der historischen Instrumente ergibt, ist eine Offenbarung. "Unser Hören und Spielen wird durch das reiche Ober- tonspektrum der Instrumente um eine überaus sinnliche, aufregende Farbpalette erweitert, die wir uns und dem Publikum auf modernem Instrumentarium nicht erschließen könnten", schreibt Markus Fleck erfreut. "Wir gehen davon aus, dass dieses erste Abenteuer der An- fang einer langen und nachhaltigen Beschäftigung mit den Instru- menten von Jacobus Stainer und dem Klang des 18. Jahrhunderts ist."
Die Geburtsstunde der Gattung Streichquartett verorten die vier Schweizer Virtuosen im Jahre 1715. Damals schrieb Alessandro Scarlatti vier Sonate à quattro senza cembalo - mit vier gleichbe- rechtigten Stimmen, ohne Generalbass. Viele andere italienische Komponisten griffen diese Idee auf - auch Giovanni Battista Sammartini, der mit seinem Schaffen ganze Scharen von Kollegen inspirierte, unter anderem Wolfgang Amadeus Mozart, Luigi Boccherini und Joseph Haydn.
"Vor bald drei Jahrhunderten entwickelte sich eine Musikgattung, die in ihrer perfekten Form bis heute einzigartig und unübertroffen ist: Die Vereinigung von vier Streichinstrumenten zum Streichquar- tett. Der Klang des Streichquartetts ist gleichzeitig intim und or- chestral, sein Ausdruck sowohl solistisch als auch kammermusi- kalisch, seine Farbpalette homogen und individuell, seine Möglich- keiten flexibel und universal, sein Repertoire ohne Grenzen", be- geistert sich das Quartett. Diese Begeisterung überträgt sich auf den Hörer, zumal die Beschäftigung mit dem barocken Repertoire auch die Interpretation der Werke aus der Übergangszeit zur Klassik deutlich beeinflusst hat. Spürbar wird das am Umgang mit solchen Fragen wie Phrasierung und Dynamik. Wer die Gattung Streichquar- tett liebt, der sollte sich diese CD in jedem Falle besorgen - sie ist nicht nur klanglich eine Offenbarung.
Dienstag, 22. Juni 2010
Giro d'Italia (MDG)
Eine Rundreise durch Italien, mit den Stationen Venedig, Burano, Bergamo, Mailand, Lucca und Neapel - denn das sind die Geburts- orte jener Komponisten, deren Werke diese CD enthält. Somit erweist sich diese Silberscheibe auch als Reiseführer durch eine musikalische Landschaft, die sich als sehr abwechslungsreich erweist.
Im 18. Jahrhundert war die italienische Musik zudem Vorbild für viele europäische Kompo- nisten, die musikalische Formen und Strukturen, die sie oftmals ebenfalls auf Reisen durch das Land kennenlernten, adaptierten und weiterentwickelten. Das Ensemble Musica Alta Ripa hat für diese CD einige ganz besondere Pretiosen ausgewählt - zumeist weniger be- kannte, aber nichtsdestotrotz sehr hübsche Werke von Giuseppe Sammartini, Baldassare Galuppi, Luigi Boccherini, Antonio Vivaldi, Pietro Antonio Locatelli und Francesco Mancini. Sie zeigen, wie die Italiener selber die Ideen eines Corelli oder auch Vivaldi weiter- entwickelt haben - und führen den Zuhörer bis an die Schwelle der Frühklassik. Das Konzept ist faszinierend, die Zusammenstellung ist sehr abwechslungsreich, und auch die Musik gefällt, denn sie wird mit leichter Hand, Schwung und Humor inszeniert.
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