Nein, es geht ausnahmsweise einmal nicht um Mobiltelefone und Kurz- nachrichten. Die Imitation von Vogelgesängen gehört vielmehr zu den beliebten Sujets der Barockzeit. Dass es aber derart viele barocke Arien und Konzerte gibt, die vom Gezwitscher geprägt sind, das ist wirklich erstaunlich.
In diesem Blog haben wir bereits mehrfach Alben vorgestellt, die sich den kunstvoll imitierten Vogel- gesängen widmen. Nuria Rial und Maurice Steger haben nun gemeinsam mit dem Kammer- orchester Basel eine CD eingespielt, die zu weiteren Entdeckungen einlädt. Die spanische Sängerin und der Flötenvirtuose begeistern mit einem sorgsam zusammengestellten Programm, das neben einigen bekannten Werken auch etliche Kostbarkeiten enthält, die bislang in Archiven geschlummert haben.
So erklingen neben Arien von Andrea Stefano Fiorè, Leonardo Vinci, Francesco Gasparini, Pietro Torri, Tomaso Albinoni, Johann Adolf Hasse, Antonio Vivaldi und Alessandro Scarlatti – teils mit, teils ohne Flötenpart – auch Sonaten und Konzerte von Francesco Mancini, Charles Dieupart und Antonio Vivaldi.
Der schlanke, bewegliche Sopran von Nuria Rial harmoniert dabei aufs Beste mit dem Klang von Stegers Blockflöten. Und das Kammerorchester Basel, geleitet von seinem Konzertmeister Stefano Barneschi, ist den beiden Solisten ein kongenialer Partner. Hinreißend!
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Freitag, 8. Juni 2018
Montag, 23. Juni 2014
Saxophone Cinema (MDG)
Was für ein Sound! In dem Ensem- ble Selmer Saxharmonic musi- zieren zwölf der besten klassischen Saxophonisten Deutschlands. Auf dieser CD sind sie mit Filmmusik zu hören, und zwar auf sämtlichen Instrumenten der Saxophon-Familie, vom Sopranino bis zum Bass. Dabei überraschen sie mit spektakulären Klangeffekten – man höre nur die „Mundharmonika“ in der berühmten Musik zu Spiel mir das Lied vom Tod, komponiert von Ennio Morricone. Doch auch die Titelmelodien von Paulchen Panther oder Star Wars kommen in der Bearbeitung für zwölf Saxophone grandios zur Geltung. Es ist kaum zu glauben, wie farbenreich und klanglich flexibel diese Instrumente hier präsentiert werden. Und die Musiker agieren unter der Leitung von Milan Turković wie aus einem Atem, der Effekt ist wirklich phänomenal – diese Aufnahme macht süchtig, unbedingt mehr davon!
Mittwoch, 18. Dezember 2013
I Viaggi di Faustina (Glossa)
Faustina Bordoni (1697 bis 1781) gehörte zu den großen Stars ihres Jahrhunderts. Die Sopranistin wurde in ganz Europa gefeiert. Neapel war die erste Station ihrer Karriere, die sie bis nach London sowie – an der Seite ihres Gatten, des mindestens ebenso berühmten Komponisten Johann Adolph Hasse – nach Dresden führte.
Mit dieser CD, die Arien aus den frühen Jahren der Diva enthält, startet Glossa eine Reihe, die den großen Stimmen Italiens im 17. und 18. Jahrhundert gewidmet ist. Das Beiheft ist liebevoll gestaltet und mit zeitgenössischen Doku- menten illustriert.
Erstaunt wird der Hörer feststellen, dass die große Faustina eigentlich ein Mezzosopran war. Da die Komponisten jener Zeit eigens für die Sängerin Arien maßgeschneidert haben, dürfen wir zudem davon ausgehen, dass sie offenbar nicht über einen besonders großen Stimmumfang verfügte und das Publikum eher mit Rasanz und Geläufigkeit als mit schönem Ton und Ausdrucksstärke begeistert hat. Wenn durch das Label damit geworben wird, Roberta Invernizzi könne als Reinkarnation der großen Sängerin gelten, dann ist das also leider ein zweischneidiges Kompliment. Begleitet wird die Sängerin temperamentvoll durch das Ensemble I Turchini unter Leitung von Antonio Florio.
Mit dieser CD, die Arien aus den frühen Jahren der Diva enthält, startet Glossa eine Reihe, die den großen Stimmen Italiens im 17. und 18. Jahrhundert gewidmet ist. Das Beiheft ist liebevoll gestaltet und mit zeitgenössischen Doku- menten illustriert.
Erstaunt wird der Hörer feststellen, dass die große Faustina eigentlich ein Mezzosopran war. Da die Komponisten jener Zeit eigens für die Sängerin Arien maßgeschneidert haben, dürfen wir zudem davon ausgehen, dass sie offenbar nicht über einen besonders großen Stimmumfang verfügte und das Publikum eher mit Rasanz und Geläufigkeit als mit schönem Ton und Ausdrucksstärke begeistert hat. Wenn durch das Label damit geworben wird, Roberta Invernizzi könne als Reinkarnation der großen Sängerin gelten, dann ist das also leider ein zweischneidiges Kompliment. Begleitet wird die Sängerin temperamentvoll durch das Ensemble I Turchini unter Leitung von Antonio Florio.
Freitag, 20. September 2013
The Virtuoso Recorder II (cpo)
Vor zwei Jahren hat Michael Schneider bei cpo bereits eine Sammlung mit virtuosen Block- flötenkonzerten des deutschen Barock vorgestellt. Nun wendet er sich Konzerten aus Italien zu – genauer gesagt aus Neapel, wo das Instrument in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts offenbar brillant gespielt wurde.
Schneider ist in Archiven und Sammlungen auf die Suche gegangen, und er konnte dort tatsächliche einige Werke aufspüren, die wirkliche Raritäten sind – beispielsweise Konzerte von Nicola Fiorenza (um 1700 bis 1764) und Francesco Mancini (1679 bis 1739), eine sehr hübsche Sonate von Giovanni Antonio Piani (1678 bis 1757), ein Concerto von Leonardo Vinci (um 1690 bis 1730), eine Cantata für Altblockflöte von Johann Adolf Hasse (1699 bis 1783) und ein Concertino des Geigenvirtuosen Giuseppe Tartini (1692 bis 1770). Einige dieser Stücke erklingen auf dieser CD in Welterst- einspielung.
Und natürlich ließ es sich Schneider nicht nehmen, auch das F-Dur-Konzert von Giuseppe Sammartini (1693 bis 1750) vorzutragen – ein richtiges, „großes“ Konzert für die Sopranblockflöte; hier kann man hören, was man mit diesem Instrument wirklich anfangen kann, wenn man es kann. Die CD enthält zudem noch ein schönes Concerto für „Flauto piccolo, 2 Violini e Violoncello“, dessen Manuskript sich in der Rostocker Universitätsbibliothek befindet, und einem „Sig. Hendl“ zugeschrieben wird. Die Händel-Forscher legen da allerdings ihr Veto ein. Wer dieses gelungene Werk tatsächlich geschrieben hat, das wird sich wohl nicht mehr sicher feststellen lassen. Schneider jedenfalls verortet es in Neapel, und musiziert gemeinsam mit der Cappella Academica Frankfurt/Main mit Leidenschaft und mit Esprit. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, dass Michael Schneider zu den derzeit besten Blockflötenvirtuosen der Welt gehört – hier ist er!
Schneider ist in Archiven und Sammlungen auf die Suche gegangen, und er konnte dort tatsächliche einige Werke aufspüren, die wirkliche Raritäten sind – beispielsweise Konzerte von Nicola Fiorenza (um 1700 bis 1764) und Francesco Mancini (1679 bis 1739), eine sehr hübsche Sonate von Giovanni Antonio Piani (1678 bis 1757), ein Concerto von Leonardo Vinci (um 1690 bis 1730), eine Cantata für Altblockflöte von Johann Adolf Hasse (1699 bis 1783) und ein Concertino des Geigenvirtuosen Giuseppe Tartini (1692 bis 1770). Einige dieser Stücke erklingen auf dieser CD in Welterst- einspielung.
Und natürlich ließ es sich Schneider nicht nehmen, auch das F-Dur-Konzert von Giuseppe Sammartini (1693 bis 1750) vorzutragen – ein richtiges, „großes“ Konzert für die Sopranblockflöte; hier kann man hören, was man mit diesem Instrument wirklich anfangen kann, wenn man es kann. Die CD enthält zudem noch ein schönes Concerto für „Flauto piccolo, 2 Violini e Violoncello“, dessen Manuskript sich in der Rostocker Universitätsbibliothek befindet, und einem „Sig. Hendl“ zugeschrieben wird. Die Händel-Forscher legen da allerdings ihr Veto ein. Wer dieses gelungene Werk tatsächlich geschrieben hat, das wird sich wohl nicht mehr sicher feststellen lassen. Schneider jedenfalls verortet es in Neapel, und musiziert gemeinsam mit der Cappella Academica Frankfurt/Main mit Leidenschaft und mit Esprit. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, dass Michael Schneider zu den derzeit besten Blockflötenvirtuosen der Welt gehört – hier ist er!
Mittwoch, 24. Oktober 2012
American Classics (Genuin)
Die sächsische Bläserphilhar- monie, ein Orchester mit mehr als 60jähriger Tradition, spielt Ame- rican Classics. Darunter versteht das Ensemble, das unter seinem künstlerischen Leiter Thomas Clamor musiziert, die bekannten Werke von Leonard Bernstein, George Gershwin und Henry Man- cini - natürlich, Moon River - aber es erklingt auch ein Traditional sowie ein Stück des 1928 gebore- nen Jef Peters, das nicht umsonst Glenn Meets Wolfgang heißt. Bei einigen Stücken ist Sängerin Ines Agnes Krautwurst zu hören.
Das Programm ist nicht unbedingt sehr originell, aber es passt zu den Musikern, die auf solide sächsische Art und Weise swingen. Und die Konzertouvertüre Slava, die Bernstein einst für seinen Freund Mstislaw Rostropowitsch schrieb, spielen sie wirklich hinreißend. Slava war der Spitzname des berühmten Cellisten, und es ist zugleich das russische Wort für Ruhm. Bernstein zündet, dem Freund zu Ehren, ein wahres Orchesterfeuerwerk im vertrackten 7/8-Takt - und lässt obendrein die Musiker "Slava!" rufen. Köstlich!
Das Programm ist nicht unbedingt sehr originell, aber es passt zu den Musikern, die auf solide sächsische Art und Weise swingen. Und die Konzertouvertüre Slava, die Bernstein einst für seinen Freund Mstislaw Rostropowitsch schrieb, spielen sie wirklich hinreißend. Slava war der Spitzname des berühmten Cellisten, und es ist zugleich das russische Wort für Ruhm. Bernstein zündet, dem Freund zu Ehren, ein wahres Orchesterfeuerwerk im vertrackten 7/8-Takt - und lässt obendrein die Musiker "Slava!" rufen. Köstlich!
Sonntag, 27. Mai 2012
Duetti (Virgin Classics)
Solokantaten und Kammerduette, Kantaten für zwei Singstimmen, erfreuten sich zur Zeit des Barock höchster Beliebtheit. Sie gaben den Sängerstars jener Zeit die Möglich- keit, ihre Virtuosität vorzuführen - und zugleich erfreute sich ein sachkundiges Publikum an den ge- lungenen Melodien und komplexen musikalischen Strukturen, die die Komponisten einsetzten, um emotionale Ausnahmezustände in Klang umzusetzen.
Das Ergebnis: Traumhaft schöne Musik, wie diese CD zeigt, für die William Christie zwei der derzeit weltbesten Countertenöre gewinnen konnte: Philippe Jaroussky, mit einer eher hell timbrierten, hohen Stimme, und Max Emanuel Cencic, der seine Karriere einst als Knabensopran bei den Wiener Sängerkna- ben startete, heute aber eher Mezzosopran singt. Seine Stimme ist voluminöser als die seines Kollegen, und klingt zudem etwas dunkler, gedeckter.
So ergänzen sich die beiden Sänger wunderbar, wenn sie gemeinsam duetti da camera von Giovanni Bononcini, Duettkantaten von Bene- detto Marcello oder Alessandro Scarlatti wieder zum Klingen bringen, die man sonst sehr selten hört. Und natürlich ist jeder Sänger auch mit einer Solokantate zu erleben. Begleitet werden die Solisten durch einige Musiker des Ensembles Les Arts Florissants.
Das Ergebnis: Traumhaft schöne Musik, wie diese CD zeigt, für die William Christie zwei der derzeit weltbesten Countertenöre gewinnen konnte: Philippe Jaroussky, mit einer eher hell timbrierten, hohen Stimme, und Max Emanuel Cencic, der seine Karriere einst als Knabensopran bei den Wiener Sängerkna- ben startete, heute aber eher Mezzosopran singt. Seine Stimme ist voluminöser als die seines Kollegen, und klingt zudem etwas dunkler, gedeckter.
So ergänzen sich die beiden Sänger wunderbar, wenn sie gemeinsam duetti da camera von Giovanni Bononcini, Duettkantaten von Bene- detto Marcello oder Alessandro Scarlatti wieder zum Klingen bringen, die man sonst sehr selten hört. Und natürlich ist jeder Sänger auch mit einer Solokantate zu erleben. Begleitet werden die Solisten durch einige Musiker des Ensembles Les Arts Florissants.
Dienstag, 22. Juni 2010
Giro d'Italia (MDG)
Eine Rundreise durch Italien, mit den Stationen Venedig, Burano, Bergamo, Mailand, Lucca und Neapel - denn das sind die Geburts- orte jener Komponisten, deren Werke diese CD enthält. Somit erweist sich diese Silberscheibe auch als Reiseführer durch eine musikalische Landschaft, die sich als sehr abwechslungsreich erweist.
Im 18. Jahrhundert war die italienische Musik zudem Vorbild für viele europäische Kompo- nisten, die musikalische Formen und Strukturen, die sie oftmals ebenfalls auf Reisen durch das Land kennenlernten, adaptierten und weiterentwickelten. Das Ensemble Musica Alta Ripa hat für diese CD einige ganz besondere Pretiosen ausgewählt - zumeist weniger be- kannte, aber nichtsdestotrotz sehr hübsche Werke von Giuseppe Sammartini, Baldassare Galuppi, Luigi Boccherini, Antonio Vivaldi, Pietro Antonio Locatelli und Francesco Mancini. Sie zeigen, wie die Italiener selber die Ideen eines Corelli oder auch Vivaldi weiter- entwickelt haben - und führen den Zuhörer bis an die Schwelle der Frühklassik. Das Konzept ist faszinierend, die Zusammenstellung ist sehr abwechslungsreich, und auch die Musik gefällt, denn sie wird mit leichter Hand, Schwung und Humor inszeniert.
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