Die Liebe und der Tod – das sind die Themen, denen sich der Bassist Günther Groissböck gemeinsam mit seinem Klavierbegleiter Gerold Huber mit dieser Einspielung zuwendet. Ausgewählt hat der Sänger dafür die Vier ernsten Gesänge von Johannes Brahms, die Michelangelo-Lieder von Hugo Wolf, die Rückert-Lieder von Gustav Mahler – und die Wesendonck-Lieder von Richard Wagner.
Sie sind hier zum ersten Male auf CD mit einer Männerstimme zu hören. „Mich hat die Klangsprache der Wesendonck-Lieder schon immer fasziniert, da sie eben dem Tristan an vielen Stelle so nahesteht“, erläutert Günther Groissböck in einem Interview, das im Beiheft nachzulesen ist: „Außerdem habe ich im Text keine verbindliche Geschlechtszugehörigkeit entdeckt, sodass ich mir einfach gedacht habe: Warum denn nicht mal diese ,gender-neutralen' Lieder als Mann singen, weil es ja auch Titel wie ,Schmerzen' oder ,Stehe still' gibt, zu denen etwas draufgängerisches Testosteron sehr gut passt, wie ich finde.“
Der Österreicher ist ein gefragter Wagner-Sänger. Sein Bass ist prachtvoll, aber der Liedgesang wirkt mitunter etwas kühl und zurückhaltend; in der Textausdeutung erscheint mir beispielsweise Hans Hotter viel stärker. Gerold Huber allerdings erweist sich einmal mehr als kongenialer Klavierpartner. Es ist beeindruckend, mit welchem Feingefühl er mit dem Sänger in einen Dialog tritt, wie sensibel er auf jede Nuance im Ausdruck reagiert. So wird aus dem Klavierpart weit mehr als eine Begleitung. Huber zeigt immer wieder, wieviel der Pianist zum Gesamtkunstwerk Lied beitragen kann.
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Donnerstag, 15. November 2018
Mittwoch, 3. Mai 2017
FolksLied (BR Klassik)
Was ist ein „Volkslied“, was ein „Kunstlied“? Mit dieser Frage hat sich Christian Gerhaher intensiv beschäf- tigt – und ein auch für das Publikum außerordentlich lohnenswertes Pro- gramm zusammengestellt.
FolksLied lädt ein zu einem Streifzug durch die Musikgeschichte, und präsentiert zugleich eine Liedaus- wahl, die so nur sehr selten zu hören ist, noch dazu teilweise in der unge- wöhnlichen Besetzung für Gesang und Klaviertrio.
Instrumentale Partner sind dem Bariton dabei sein langjähriger Klavierbegleiter Gerold Huber, sowie Anton Barachovsky, Konzertmeister und Sebastian Klinger, Solo-Cellist des BR-Symphonieorchesters. Diese Zusammenarbeit ist kein Zufall: Entstanden ist dieser Konzertmitschnitt während Gerhahers Aufenthalt als Artist in Residence beim Symphonie- orchester des Bayerischen Rundfunks.
Bei der Auseinandersetzung mit dem Konzept des „Volksliedes“ griff der Sänger auf Lieder aus England und Schottland zurück. Dort wurde dieses Erbe schon wesentlich früher dokumentiert als in Deutschland, und die Sammeltätigkeit war auch nicht vordergründig auf die Texte aus, „sondern schloss von vorneherein die Melodien mit ein“, berichtet Christian Gerha- her im Begleitheft zur CD. „Und so kam es hier sehr früh zu professionellen Bearbeitungen und Arrangements“ – unter teilweise kuriosen Begleitum- ständen, wie der Bariton am Beispiel des zweiten Auftrages erläutert, der einst an Joseph Haydn ging: „Schon wieder in Wien, erhielt Haydn vom Herausgeber Thomson lediglich die Melodien, nach denen er dann tätig wurde, ohne zu wissen, worum es in den dazugehörigen Gedichten ging. Ein ziemlich einmaliger Vorgang: Die Texte wurden erst nach Fertig- stellung und Erhalt der Partitur unterlegt – und eben nicht durch den Komponisten.“
Diese Tatsache ermutigte den Sänger, „die heute erhältlichen (..) Urtext- ausgaben nochmals wegzulegen – auch um eine kleine persönliche Hommage an Fritz Wunderlich zu verwirklichen“, so Gerhaher: „ Von ihm gibt es eine wunderbare Aufnahme dieser mit naturseligen deutschen Gedichten des 20. Jahrhunderts unterlegten Liedauswahl. Man möge mir verzeihen, wie sehr ich hier sogar meinen eigenen Tonfall dem seinen schwärmerisch angepasst habe.“
Mit dieser Verneigung vor dem großen Tenor beginnt der Bariton sein Programm. Es folgen Folksong Arrangements von Benjamin Britten – ganz und gar nicht volkstümelnd, sondern ziemlich eigenwillig und voller Überraschungen.
Mit den Schottischen Liedern op. 108 von Ludwig van Beethoven schließt sich dann der Kreis. Nach Haydns Tod 1809 wurde er von George Thomson um Arrangements gebeten; vor allem unkompliziert sollten sie sein, mahnte der Verleger. Das freilich bedeutet nicht, dass sie ohne Anspruch sind, wie man beim Hören dieser Aufnahme feststellen wird. Gemeinsam mit dem Geiger Anton Barachovsky und dem Cellisten Sebastian Klinger sowie mit seinem exzellenten Klavierpartner Gerold Huber gestaltet Christian Gerhaher diese Lieder als abwechslungsreiche, mitunter auch ziemlich handfeste Miniaturen. Hinreißend!
FolksLied lädt ein zu einem Streifzug durch die Musikgeschichte, und präsentiert zugleich eine Liedaus- wahl, die so nur sehr selten zu hören ist, noch dazu teilweise in der unge- wöhnlichen Besetzung für Gesang und Klaviertrio.
Instrumentale Partner sind dem Bariton dabei sein langjähriger Klavierbegleiter Gerold Huber, sowie Anton Barachovsky, Konzertmeister und Sebastian Klinger, Solo-Cellist des BR-Symphonieorchesters. Diese Zusammenarbeit ist kein Zufall: Entstanden ist dieser Konzertmitschnitt während Gerhahers Aufenthalt als Artist in Residence beim Symphonie- orchester des Bayerischen Rundfunks.
Bei der Auseinandersetzung mit dem Konzept des „Volksliedes“ griff der Sänger auf Lieder aus England und Schottland zurück. Dort wurde dieses Erbe schon wesentlich früher dokumentiert als in Deutschland, und die Sammeltätigkeit war auch nicht vordergründig auf die Texte aus, „sondern schloss von vorneherein die Melodien mit ein“, berichtet Christian Gerha- her im Begleitheft zur CD. „Und so kam es hier sehr früh zu professionellen Bearbeitungen und Arrangements“ – unter teilweise kuriosen Begleitum- ständen, wie der Bariton am Beispiel des zweiten Auftrages erläutert, der einst an Joseph Haydn ging: „Schon wieder in Wien, erhielt Haydn vom Herausgeber Thomson lediglich die Melodien, nach denen er dann tätig wurde, ohne zu wissen, worum es in den dazugehörigen Gedichten ging. Ein ziemlich einmaliger Vorgang: Die Texte wurden erst nach Fertig- stellung und Erhalt der Partitur unterlegt – und eben nicht durch den Komponisten.“
Diese Tatsache ermutigte den Sänger, „die heute erhältlichen (..) Urtext- ausgaben nochmals wegzulegen – auch um eine kleine persönliche Hommage an Fritz Wunderlich zu verwirklichen“, so Gerhaher: „ Von ihm gibt es eine wunderbare Aufnahme dieser mit naturseligen deutschen Gedichten des 20. Jahrhunderts unterlegten Liedauswahl. Man möge mir verzeihen, wie sehr ich hier sogar meinen eigenen Tonfall dem seinen schwärmerisch angepasst habe.“
Mit dieser Verneigung vor dem großen Tenor beginnt der Bariton sein Programm. Es folgen Folksong Arrangements von Benjamin Britten – ganz und gar nicht volkstümelnd, sondern ziemlich eigenwillig und voller Überraschungen.
Mit den Schottischen Liedern op. 108 von Ludwig van Beethoven schließt sich dann der Kreis. Nach Haydns Tod 1809 wurde er von George Thomson um Arrangements gebeten; vor allem unkompliziert sollten sie sein, mahnte der Verleger. Das freilich bedeutet nicht, dass sie ohne Anspruch sind, wie man beim Hören dieser Aufnahme feststellen wird. Gemeinsam mit dem Geiger Anton Barachovsky und dem Cellisten Sebastian Klinger sowie mit seinem exzellenten Klavierpartner Gerold Huber gestaltet Christian Gerhaher diese Lieder als abwechslungsreiche, mitunter auch ziemlich handfeste Miniaturen. Hinreißend!
Samstag, 3. Dezember 2016
Gloria - Festive Music for Trumpet and Organ (Tyxart)
Trompeter Hans Jürgen Huber musiziert gemeinsam mit dem Organisten Norbert Düchtel. Dabei präsentieren die beiden Solisten nicht nur Altbekanntes, wie das Air von Johann Sebastian Bach, das Ave Maria in den populären Versionen von Franz Schubert und von Charles Gounod, oder das Concerto C-Dur von Valentin Rathgeber. Ihre Musikauswahl, die vom Barock bis in die Gegenwart reicht, enthält auch eine echte Entdeckung – die Kleine Partita für Trompete und Orgel Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren von Lothar Graap (*1933). Dieses Werk passt mit seiner moderat-modernen Klangsprache perfekt an den Schluss dieser CD, die zwar festliche Glanzlichter setzt, aber nicht explizit auf das Weihnachtsfest abzielt.
Norbert Düchtel gelingt, quasi nebenher, einmal mehr das Kunststück, mit einigen wenigen Orgel-Solowerken das Instrument in seinen Klangmög- lichkeiten vorzustellen. In diesem Falle handelt es sich um die 2005 durch die Schweizer Orgelbaufirma Mathis aus Näfels erbaute Orgel der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu Rieden in der Oberpfalz. Sie ist mit insgesamt 18 Registern auf zwei Manualen und Pedal relativ klein, aber überzeugt durch ihre stimmige Disposition und ihren harmonischen Klang. Sehr hörenswert.
Norbert Düchtel gelingt, quasi nebenher, einmal mehr das Kunststück, mit einigen wenigen Orgel-Solowerken das Instrument in seinen Klangmög- lichkeiten vorzustellen. In diesem Falle handelt es sich um die 2005 durch die Schweizer Orgelbaufirma Mathis aus Näfels erbaute Orgel der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu Rieden in der Oberpfalz. Sie ist mit insgesamt 18 Registern auf zwei Manualen und Pedal relativ klein, aber überzeugt durch ihre stimmige Disposition und ihren harmonischen Klang. Sehr hörenswert.
Sonntag, 3. Januar 2016
Duo Pavane
Die Cellistin Friederike Fechner hat in Hannover, Basel und in den USA studiert und zahlreiche Meisterkurse absolviert, unter anderem bei Pierre Fournier und Peter Bruns. Sie lebt in Stralsund, wo sie auch unterrichtet.
Marina Paccagnella ist Solo-Harfenistin der Württembergischen Philharmonie in Reutlingen. Sie hat in Padua und Freiburg studiert, und sie lebt und unterrichtet in Hamburg.
Die beiden Musikerinnen verbindet ihre große Leidenschaft für die Kammermusik. Seit 2010 musizieren sie gemeinsam; in diesem Sommer hat das Duo Pavane nun ein Programm mit sorgsam ausgewählten lyrischen und virtuosen Werken aus dem 18. und 19. Jahrhundert im Konzert vorgestellt. Es reicht vom Nocturne concertant des großen Harfenisten Nicholas Charles Bochsa (1787 bis 1856), dessen Cellopartie von Jean-Luis Duport (1749 bis 1819) bearbeitet wurde, bis hin zur rasanten Fantasie op. 13 von Georg Walter Huber, und von einem Adagio, das Ludwig van Beethoven für zwei nicht näher bezeichnete Instrumente komponiert hat, bis hin zu bekannten Melodien von Maurice Ravel und Camille Saint-Saëns, dessen Schwan aus der Suite Karneval der Tiere auch in einer Version für Harfe und Violoncello prachtvoll klingt. In dem Programm spielten die beiden Musikerinnen zudem die Sonate Nr. 5 von Bernhard Romberg (1767 bis 1841), eines der ersten Originalstücke für Violoncello und Harfe. Romberg, ein Zeitgenosse Beethovens, gilt als Begründer der deutschen Cello-Schule.
Die Kombination von Violoncello und Harfe erweist sich als außerordent- lich attraktiv. Beide Instrumente sind zur großen, gefühlvollen Kantilene ebenso in der Lage wie zum akkordischen Begleiten. Daraus ergeben sich reizvolle Möglichkeiten im Zusammenspiel, die Friederike Fechner und Marina Paccagnella gekonnt einsetzen, um einen abwechslungsreichen musikalischen Dialog zu gestalten. Keines der beiden Instrumente dominiert; die Musikerinnen beeindrucken gleichermaßen mit Virtuosität und Ausdruck. Eine Aufnahme des Konzertprogramms hat das Duo Pavane nun als CD veröffentlicht. Erhältlich ist diese Einspielung leider nur bei den Musikerinnen direkt, bestellen kann man über die Webseite.
Marina Paccagnella ist Solo-Harfenistin der Württembergischen Philharmonie in Reutlingen. Sie hat in Padua und Freiburg studiert, und sie lebt und unterrichtet in Hamburg.
Die beiden Musikerinnen verbindet ihre große Leidenschaft für die Kammermusik. Seit 2010 musizieren sie gemeinsam; in diesem Sommer hat das Duo Pavane nun ein Programm mit sorgsam ausgewählten lyrischen und virtuosen Werken aus dem 18. und 19. Jahrhundert im Konzert vorgestellt. Es reicht vom Nocturne concertant des großen Harfenisten Nicholas Charles Bochsa (1787 bis 1856), dessen Cellopartie von Jean-Luis Duport (1749 bis 1819) bearbeitet wurde, bis hin zur rasanten Fantasie op. 13 von Georg Walter Huber, und von einem Adagio, das Ludwig van Beethoven für zwei nicht näher bezeichnete Instrumente komponiert hat, bis hin zu bekannten Melodien von Maurice Ravel und Camille Saint-Saëns, dessen Schwan aus der Suite Karneval der Tiere auch in einer Version für Harfe und Violoncello prachtvoll klingt. In dem Programm spielten die beiden Musikerinnen zudem die Sonate Nr. 5 von Bernhard Romberg (1767 bis 1841), eines der ersten Originalstücke für Violoncello und Harfe. Romberg, ein Zeitgenosse Beethovens, gilt als Begründer der deutschen Cello-Schule.
Die Kombination von Violoncello und Harfe erweist sich als außerordent- lich attraktiv. Beide Instrumente sind zur großen, gefühlvollen Kantilene ebenso in der Lage wie zum akkordischen Begleiten. Daraus ergeben sich reizvolle Möglichkeiten im Zusammenspiel, die Friederike Fechner und Marina Paccagnella gekonnt einsetzen, um einen abwechslungsreichen musikalischen Dialog zu gestalten. Keines der beiden Instrumente dominiert; die Musikerinnen beeindrucken gleichermaßen mit Virtuosität und Ausdruck. Eine Aufnahme des Konzertprogramms hat das Duo Pavane nun als CD veröffentlicht. Erhältlich ist diese Einspielung leider nur bei den Musikerinnen direkt, bestellen kann man über die Webseite.
Donnerstag, 5. Juni 2014
Hoffmann: Missa / Miserere (cpo)
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776 bis 1822) ist ohne Zweifel einer der ganz großen Schriftsteller der deutschen Romantik. Der Jurist und spätere preußische Kammergerichtsrat liebäugelte allerdings zeitlebens mit einer ganz anderen Muse. Nicht nur seine Figuren wie der Kapellmeister Johannes Kreisler bezeugen seine Leidenschaft für die Musik. Auch seine Namenswahl – eigentlich hatte Hoffmann die Vornamen Ernst Theodor Wilhelm – sowie viele eigene Kompositionen geben Auskunft darüber, wo er seine Vorbilder sah.
Hoffmann, obwohl selbst evangelisch, hat seine Kirchenmusik kurioserweise für den Gebrauch im katholischen Gottesdienst geschrieben. Entsprechend prächtig klingt sie auch, mitunter wie eine Kombination aus Mozart und Palestrina – doch es ist keine Kopie der großen Meister, es bleibt immer Hoffmann. Der Romantiker war ein versierter Komponist; man staunt, dass er mit seinen Werken zu Lebzeiten nicht mehr Erfolg hatte. Dass er musikalisch durchaus eigene Wege ging, zeigt nun eine CD aus dem Hause cpo. Sie enthält die Messe in d-Moll sowie das Miserere, in einer sehr schönen Einspielung mit einer handverlesenen Sängerriege sowie dem WDR Rundfunkchor und dem WDR Sinfonieorchester Köln unter Rupert Huber.
Hoffmann, obwohl selbst evangelisch, hat seine Kirchenmusik kurioserweise für den Gebrauch im katholischen Gottesdienst geschrieben. Entsprechend prächtig klingt sie auch, mitunter wie eine Kombination aus Mozart und Palestrina – doch es ist keine Kopie der großen Meister, es bleibt immer Hoffmann. Der Romantiker war ein versierter Komponist; man staunt, dass er mit seinen Werken zu Lebzeiten nicht mehr Erfolg hatte. Dass er musikalisch durchaus eigene Wege ging, zeigt nun eine CD aus dem Hause cpo. Sie enthält die Messe in d-Moll sowie das Miserere, in einer sehr schönen Einspielung mit einer handverlesenen Sängerriege sowie dem WDR Rundfunkchor und dem WDR Sinfonieorchester Köln unter Rupert Huber.
Sonntag, 3. Februar 2013
Träumend wandle ich bei Tag (Oehms Classics)
Der junge Tenor Maximilian Schmitt ist nicht nur ein begehrter Opernsolist. Mit dieser CD bestätigt er auch seinen Ruf als erstklassiger Konzertsänger. Mit seiner wunder- bar unangestrengten, leuchtenden und warm timbrierten Stimme kann er begeistern - und gestalten. Denn Schmitt erweist sich als ein großartiger Geschichtenerzähler. Er stellt den Text an die erste Stelle - und seziert dann gemeinsam mit dem Pianisten Gerold Huber die musikalische Struktur. Das Ergeb- nis ist verblüffend. Diese Interpretation wirkt, als wären die Lieder gerade eben entstanden - taufrisch, und ohne jene Manierismen, die man schon hundertfach gehört hat. In Huber hat Schmitt einen kon- genialen Begleiter, der nicht einfach seinen Part abarbeitet, sondern hörbar macht, dass die Musik eben doch oft schlauer ist als das Wort. Die Texte von Heinrich Heine, die Clara und Robert Schumann ver- tont haben, sind mit ihrer Ironie dafür ein dankbares Studienobjekt.
Sonntag, 4. Dezember 2011
Adventskonzert im barocken Dom zu Fulda (Querstand)
Einen Mitschnitt vom Advents- konzert im Hohen Dom zu Fulda aus dem Dezember 2010 steckt das Altenburger Label Querstand allen Freunden der Barockmusik in den Nikolausstiefel. Domkapellmeister Franz-Peter Huber verfügt über gleich zwei leistungsfähige Chöre - den Domchor Fulda mit mehr als 200 Jahren Tradition und den Ju- gendkathedralchor, in dem junge Sänger mitwirken, die bereits durch die Musikalische Früh- erziehung sowie die Singklasse und die Vorklasse für Kinder des ersten und zweiten Schuljahres darauf vorbereitet wurden. Sie beginnen dann in Klasse 3 im C-Chor, üben danach weiter im B-Chor für Kinder ab der 4. Klasse, und werden anschließend in den "großen" A-Chor aufgenommen, in dem Kinder und Jugendliche zwischen 13 und 20 Jahren singen. Insgesamt lernen in diesen Nachwuchsensembles derzeit ca. 450 Schülerinnen und Schüler. Wer die Chöre hier gemeinsam mit dem Barockorchester L'arpa festante gehört hat, der wird zufrieden feststellen: Sie singen gut, auch wenn für das ganz große Konzertprogramm die Kraft dann doch noch nicht ausreicht. Als Solisten wirken mit Sabine Goetz, Sopran, Andreas Pehl, Altus, Hans Jörg Mammel, Tenor und Matthias Horn, Bariton.
Für das Adventskonzert hat Huber das Magnificat in C des Darm- städter Hofkapellmeisters Christoph Graupner (1683 bis 1760) ausgewählt sowie Machet die Tore weit, eine wundervolle Kantate von Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767), die dieser 1719 für den Eisenacher Hof geschrieben hat. Beide Werke bewältigen die Fuldaer Ensembles ganz hervorragend - lebendig, ausdrucksstark, wirklich sehr hörenswert. Im Anschluss erklingt der erste Teil von Händels Oratorium Messiah. Das ist ehrgeizig, doch dabei gerät Hubers Sängerschar gleich mehrfach hörbar an ihre Grenzen. Insofern kann die zweite der beiden CD nicht wirklich mit gutem Gewissen empfoh- len werden; die erste aber ist wirklich hörenswert.
Für das Adventskonzert hat Huber das Magnificat in C des Darm- städter Hofkapellmeisters Christoph Graupner (1683 bis 1760) ausgewählt sowie Machet die Tore weit, eine wundervolle Kantate von Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767), die dieser 1719 für den Eisenacher Hof geschrieben hat. Beide Werke bewältigen die Fuldaer Ensembles ganz hervorragend - lebendig, ausdrucksstark, wirklich sehr hörenswert. Im Anschluss erklingt der erste Teil von Händels Oratorium Messiah. Das ist ehrgeizig, doch dabei gerät Hubers Sängerschar gleich mehrfach hörbar an ihre Grenzen. Insofern kann die zweite der beiden CD nicht wirklich mit gutem Gewissen empfoh- len werden; die erste aber ist wirklich hörenswert.
Montag, 26. Juli 2010
Schumann: Romanzen und Balladen für Chor (Hänssler Classic)
In Dresden hatte Robert Schumann seinerzeit Ferdinand Hillers Lie- dertafel übernommen, und zu- sätzlich noch einen Chorgesangs- verein gegründet. Die Leitung dieser Chöre bereitete ihm offen- bar Vergnügen, und er schuf, ins- besondere 1849, etliche Werke für sie. Über die Romanzen und Balladen schrieb er, er habe sie "mit wahrer Passion" komponiert, sei überzeugt, dass ähnliches "noch nicht existert", und dass in ihnen "der Balladencharakter zu einer fast wirkungsvolleren Aussprache als durch einzelne Gesangsstimmen" komme.
Die vorliegende CD enthält die Romanzen und Balladen op. 67, 75, 145 und 146 sowie die Romanzen für Frauenstimmen op. 69 und 91. Anders als ähnliche Chorlieder von Silcher, Mendelssohn oder Brahms sind diese Sätze von Schumann im auf der Bühne wenig prä- sent. Das ist erstaunlich, denn sie sind nicht übermäßig anspruchs- voll und klingen attraktiv. Das SWR Vokalensemble Stuttgart hat sie für diese CD eingesungen, geleitet von Rupert Huber- sehr kultiviert, homogen und klangschön. Allerdings stellt der Zuhörer bald fest, dass dieses Repertoire auch wenig Abwechslung bietet.
Montag, 12. April 2010
Der musikalische Salon der Annette von Menz (Dynamic)
Annette von Menz war noch keine zwanzig Jahre alt, als ihre Eltern starben. Die junge Frau erbte ein prächtiges Palais in Bozen, ein beträchtliches Vermögen - und eine Musikaliensammlung, die ihr Vater, ein wohlhabender Kaufmann und Mäzen, zusammengetragen hatte.
Auch Annette von Menz interes- sierte sich für Musik; sie lud zu musikalischen Akademien ein, und umgab sich mit Musikern - was dafür sorgte, dass auch ihr Noten- fundus beträchtlich weiter wuchs. Ihre Tochter führte dann die Musikaliensammlung Toggenburg weiter. Die vorliegende CD stellt einige Stücke für Gitarre solo bzw. für Gitarre und Flöte aus dieser Kollektion vor - und gewährt so einen erstaunlichen Einblick in das Repertoire, das die gehobene Hausmusik zu Beginn des 19. Jahr- hunderts prägte. Diese Werke sind anspruchsvoll, aber nicht zu sehr, so dass ein geübter Laie durchaus Vergnügen daran haben kann. Sie sind eingängig und gefällig, so dass sie sich auch im Salon zur Unterhaltung von Gästen gut eignen. Der Flötist Luigi Lupo und der Gitarrist Giuseppe Carrer erwecken diese längst verklungenen Werke im Palais Toggenburg noch einmal aus dem Vergessen, dem sie mit dem Unter- gang jener musikalischen Tradition anheim gefallen sind. So erinnert die CD an Kleinmeister wie Johann Baptist Gänsbacher, Joseph Ewald Reiner, Johann Nepomuk Huber oder Leonhard von Call.
Montag, 29. Juni 2009
Franz Liszt: Lieder - Ruth Ziesak (Berlin Classics)

So ähnlich müssen Engel singen: Glockenrein und himmelsklar klingt der Sopran von Ruth Ziesak, alles, was sie anstimmt, wird pure Melodie. Und Gerold Huber am Klavier begleitet diese Sphärengesänge angemessen. Mehr als 80 Lieder hat Franz Liszt komponiert, 21 davon stellt Ziesak in dieser Einspielung vor. Man hört und staunt: Diese Lieder sind intime Miniaturen, irgendwo zwischen Schumann, Mendelssohn und Meyerbeer. Ziesak bringt das Kunststück fertig, mit ihrer Auswahl zugleich die Entwicklung des Liedkomponisten Liszt aufzuzeigen - von der großen, nahezu ariösen Form der frühen Jahre hin zur Klarheit und Konzentriertheit der späten Werke. Eine grandiose CD, allerdings mit einem winzigen Makel: Etwas mehr Textverständlichkeit bleibt zu wünschen.
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